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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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1- \ 



Yerhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien, 



Herausgegeben von der Gesellschaft. 
Redigiert von Anton Handlirsch, 

k. u. k. Kustos am naturhistorischen Hofrauscuni. 

Jahrgang 1910. 
LX. Band. 

Mit 3 Tafeln und 30 Abbildungen im Texte. 



Ausgegeben wurde: 

Heft 1. S. (1)— (16), 1—64 am 25. März 1910. 

„ 2/3. S. (17)— (48), 65—192 „ 30. April 1910. 

„ 4/5. S. (49)-(128), 193—272 „ 25. Juni 1910. 

6. S. (129)— (176), 273-304 „ 15. Juli 1910. 

„ 7/8. S. (177)— (224), 305—416 „ 20. Oktober 1910. 

„ 9/10. S. (225)— (231), 417—512 „ 30. Dezember 1910. 



Wien, 1910. 

Für das In- und Ausland besorgt durch Alfred Hölder, 

k. u. k. Ilof- und Universitäts-liuclihändler, 
Buchhändler der kaiserlichen Akademie der Wissenschafton. 



Adresse der Redaktion: Wien, III/3, Mechelgasse 2. 




Druck von Adolf lIolzliaiiHon, 
K. uti'l k. Hof- iiii.t ITiiiv<THitlilii Hiich.lnir,k< r in Wi. ii. 



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ACES LIBRARY 



Protektor : 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft. 

Präsident (gewählt bis Ende 1910): 
P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim. 

Yizepräsidenten (gewählt bis Ende 1910) : 

P. T. Herr Prof. Dr. Karl Grobben. 
„ „ Dr. Franz Ostermeyer. 

Greil eralsekretär (gewählt bis Ende 1910): 
P. T. Herr Konservator Josef Brunn thaler. 

Redakteur (gewählt bis Ende 1910): 
P. T. Herr Kustos Anton Handlirsch. 

ßechnung'sführer (gewählt bis Ende 1910) : 

P. T. Herr Oberrechnungsrat i. P. Julius Hungerbyehler Edler 
V. Seestätten. 

Ausschußrätc (gewählt bis Ende 1910): 

P. T. Herren: Heinrich Braun, Ingenieur, Stadtrat; Dr. Karl 
Brunner v. Wattenwyl, k. k. Hofrat; Dr. Alfred Burgerstein, k. k. 
Üniversitäts-Professor; Theodor Fuchs, k. k. Hofrat; Dr. August 
Ginzb erger, k. k. Universitäts-Adjunkt; Dr. Heinrich Freiherr v. 
Handel-Mazzetti, Assistent; Dr. August Edler v. Hayek, städt. 
Bezirksarzt; Franz Heikertinger; Dr. Karl Holdhaus, k. u. k. 

Z. B. Ges. 60. Bd. a 



7328P.6 



Leitung der Gesellschaft. 



Assistent; Dr. Josef Hockauf, k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl 
Ritter V. Keissler, k. u. k. Kustos -Adjunkt; Dr. Karl Linsbauer, 
Privatdozent; Dr. Ludwig Linsbauer, k. k. Professor; Prof. Dr. Emil 
Edler v. Marenzeller, k. u. k. Kustos; Dr. Hans Molisch, k. k. 
Universitäts-Professor; Michael Ferd. MtiUner; Ferd. Pfeiffer Ritter 
V. Wellheim, Inspektor; Dr. Paul Pfurtscheller, k. k. Professor; 
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mann, k. k. Regierungsrat; Dr. Karl Rechinger, k. u. k. Assistent; 
Dr. Viktor Schiffner, k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl Schima, 
k. k. Hofrat; Rudolf Schrödinger; Friedrich Siebenrock, k. u. k. 
Kustos; Dr. Franz Spaeth, Magistratsrat; Dr. Rudolf Sturany, k. 
u.k. Kustos; Dr. Fritz Vierhapper, Privatdozent; Dr. Franz Werner, 
k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl Wilhelm, Hochschul-Professor; 
alle Obmänner der Sektionen. 

Redaktions ■ Comite. 

P. T. Herren: Dr. Alfred Burg er st ein, Josef Brunn thal er, 
Anton Handlirsch, Dr. L. v. Lorenz, Dr. Theodor Pintner, Dr. 
Karl Rechinger, Dr. Fr. Vierhapper, Dr. Alex. Zahlbruckner 
und die Schriftführer der Sektionen. 

Bibliotheks ■ QomiU. 

P. T. Herren: Josef Brunnthaler, Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Comite für Pflanzenschutz. 

0})mann: Herr Dr. Fr. Ostermeyer. — Mitglieder: Die Herren 
Dr. E. V. Halacsy, Dr. A. v. Hayek, Dr. K. Rechinger. 

Sektion für Botanik. 

Olniiann: Herr Prof. Dr. Viktor Schiffner. — Obmann Stell- 
vertreter: Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. — Schriftführer: 
Herr Dr. August Edler v. Hayek. 

Sektion für Koleopteroloiü^ie. 

Ohinanii: Herr Direktor L. Gangibauer. — Obmann-Stell- 
vertrctcr: Herr Dr. K. Ilnidliaus. Scliriftflihrer: Herr F. liei- 
kertiiiger. 



Leitung der Gesellschaft. 



(3) 



Sektion für Kryptogamenkiinde. 

Obmann: Herr Kustos Dr. AI. Zahlbruckner. — Obmann- 
Stellvertreter: Herr Prof. Dr. Viktor Schiffner. — Schriftführer: 
Herr Josef Brunnthaler. 

Sektion für Lepidopterologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. H. Rebel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Zentralinspektor Johann Prinz. — Schriftführer: Herr Dr. 
Egon Galvagni. 

Sektion für Paläozoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. 0. Abel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz. — Schriftführer: Herr Dr. Alois 
Kogenhofer. 

Sektion für Zoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. K. G robben. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz. — Schriftführer: Herr Dr. K. 
Holdhaus. 



Gfesellschaftslokale : 

Wien, ni/3, Mechelgasse 2. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- 
und Feiertage) von 3 — 7 Uhr nachmittags geöffnet. 

Kanzlistin: Frau Grete Ferlesch (XVH., Veronikagasse 29). 



Alle Zuschriften und Zusendungen sind zu richten an die: 
„K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft", ohne spezielle Adres- 
sierung an einen Funktionär der Gesellschaft. 



(4) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 7. Januar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I Der Vorsitzende legt nachstehende Publikationen mit einem 
kurzen Referate vor: 

Drenowsky K., Beitrag zur Lepidopterenfauna des höchsten 

Teiles des Zentralbalkan (Stara planina) in Bulgarien. 

(Ent. Rundschau, Bd. XXVI, 1909.) 
Mitterb erger Karl, Verzeichnis der im Kronlande Salzburg 

bisher beobachteten Mikrolepidopteren. (Mitteil. d. Ges. 

f. Salzburger Landeskunde, Bd. XLIX.) 

Über letztere Arbeit wird eingehender in diesen 

„Verhandlungen" referiert werden. 

II. Derselbe gibt die Beschreibung zweier neuer Lepidopteren- 
formen aus Albanien bekannt: 

1. Zygaena exulans apfelbecki nov. subspec. (cT). 

Herr Kustos V. Apfelbeck erbeutete auf seiner letzten Reise 
nach Albanien im Juni 1908 in der alpinen Zone des Schar Dagh 
fLjubeten) drei männliche Stücke einer Zygaena, welche eine inter- 
essante Lokalform der östlich von den transsylvanischen Alpen 
(Bucsecsj bisher nicbt bekannt gewordenen Zygaena exulans Hoch, 
bilden. 

Die Stücke sind entschieden schlanker und schmalfiiigeh'ger 
als solche aus den Hochalpen, namentHch ist der Saum auf Vorder- 
und llinterfiUgel deutlich eingezogen, wodurch die Spitze schärfer 
hervortritt. Die Flecke der Vorderflügcl sind etwas tiefer und leb- 
hafter rot und zeigen keine Spur der bei hochali)inen exulans oft 
auftretenden lichten Umrandung. Fleck 4 der Vorderfliigel bleibt 
stets von Fleck 2 getrennt, ist größer (höher) und hat die Form 
eines an der Spitze abgestumpften Dreieckes. Der schwärzliche 
Saum der entschieden spitzeren llinterlKigel ist von normaler Breite. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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Die schwarze Behaarung des 
Körpers zeigt auch am Hals- 
kragen keine Spur weißlicher 
Einmischung. Vorderflügellänge 
13—15 mm. 

Die x4rt bildet in ihrer isolierten 
Lokalform eine hochinteressante 
Bereicherung der Balkanfauna. 
Die Typen befinden sich im 
Naturhistorischen Hofniuseum. 

Sehr nahe kommt dieser Bal- 
kanform auch die auf dem 
Gran Sasso (Abruzzen) fliegende 
Lokalform von Exiäans, die 
jedoch kleiner und schmal- 
flügehger bleibt und stumpfere 
Flügel besitzt. Sie mag den 
Namen apennina führen. 

2. Sesia albanica n. sp. (cT). 

Ein einzelnes, ganz frisches 
cT, in Kisbarda bei Valona an- 
fangs Juni 1908 von A. Winneguth erbeutet, gehört einer neuen Art 
an, die sich in Größe und Habitus vonßesla tiptdiformis durch eine 
eintönige grünschwarze Färbung 
auszeichnet. Die schwarzen, mit 
langen Wimperpinseln besetzten 
Fühler sind nur auf ihrer Innen- 
seite bräunlich. Die Palpen mit 
lang buschig behaartem Mittel- 
glied sind einfarbig schwarz- 
grün. Am Kopf ist nur der vor- 
dere Augenrand breiter gelbweiß 
beschuppt. Die Beine sind 
samt den Vorderhüften eintönig 
schwarzgrün. Der ziemlich ge- 
drungene Hinterleib bleibt auch auf der Bauchseite von gleicher 
eintönig schwarzgrüner Färbung. Auf den Vorderflügeln reicht das 



Fig. \. Zyg. exulans Hoch, von Karcck 
(Lungaii). 

Fig. 2. Zyg. exulans apfelbecki Kbl. (j^ 
von Ljubeten (Albanien). 

(In zirka zweimaliger Vergrößerung.) 




Fig. 3. Sesia albanica (cJ'). 
(Vergrößert.) 



(6) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Längsfeld bis zur breiten Mittelbinde, das äußere Querfeld ist oval 
und von drei schwarzen Längsadern durchzogen. Der Saum ist 
auch zvrischen den Adern eintönig schwarzbraun, die Fransen sind 
etwas lichter. Auf den Hinterfliigeln bleibt der Querast (Mittelstrich) 
unbeschnppt, die übrigen Adern wie der Saum sind braunschwarz, 
ünterseits sind alle Flügelränder braunschwarz. Vorderflügellänge 9, 
Expansion 19 5 mm. 

Die Type befindet sich im Naturhistorischen Hofmuseum. Die Art 
wird am besten bei Sesia pipiziformis Led. eingereiht, von der sie 
sich sofort durch den vollständig einfärbigen Hinter-leib unterscheidet. 

III. Herr Fritz Preissecker legt ein Ende Juni bei Wippach 
in Krain erbeutetes 9 der Melanargia galatea var. procida 
vor, bei welchem ünterseits die Ozellenflecke vollständig fehlen. 
Für diese Aberration, welche der ab. galene 0. der Stammform 
entspricht, wird der Name ab. galenides in Vorschlag gebracht. 

Bemerkt sei, daß bereits Hafner in seiner Lepidopterenfauna 
Krains (1909, S. 96) erwähnt, daß ab. galene selten bei Wippach 
vorkäme, welche Angabe auf vorliegende procida ab. galenides zu 
beziehen ist, da die Stammform bei Wippach fehlt. 

IV. Herr Dr, E. Galvagni demonstriert Bupalus piniarius 
var. mughiisaria Gmppbrg. aus dem Lechnergraben bei Lunz, 
darunter ein 9 mit der gelben Grundfarbe des cf ; ferner Hyhernia 
hajaria ab. sorditaria Hb., welche er im verflossenen Spät- 
herbste neuerlich in drei Stücken in Hietzing (Wien) erbeutete. 

V. Herr Dr. K. Schawerda weist ein Pärchen von Venilia 
ntarulata ab. Iransversaria Krul. vor, welclies im Lechner- 
graben bei Lunz von Herrn Sau ruck er})eutct wurde. 

Ferner maclit derselbe auf einen sinnstörenden Druckfehler 
anfmerksaTn. welcher in seinen Mitteihingen über Erehia curyale 
und ligea im Sektionsbericlite vom 5. November 1909 [in diesen 
„Verhandlungen", Jahrg. 1909, S. (327)] unterlaufen ist, wo es 
(\2. und 13. Zeile von oben) statt ^^Euryale exirema hat er in den 
!)r>jofFiiten nirgends gefunden", heißen soll: „ A'//r//r//r'-Slammf()rrn 
hat er in (h'U Dolomiten nirgends gefunden." 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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VI. Herr Dr. Alfred Kolisko legt eine kleine Serie von 
Erehia ligea vor, die sich von der Stammform, mit der sie im 
übrigen vollständig übereinstimmen, dadurch unterscheiden^ daß die 
Ozellen vollständig ungekernt sind, während sie bei typischen ligea 
stets deutlich hellweiß aufgeblickt sind. 

Die Tiere stammen sämtlich vom Weißensee in Kärnten aus 
einer Höhe von ca. 1000 m. 

In größerer Höhe fand sich keine ligea mehr vor; erst 200 bis 
300 m höher begann dann eimjale sich zu zeigen, und zwar vor- 
wiegend in der Form ocellaris. 

Es zeigt sich also auch hier, wie bei allen Erebien. die in 
verschiedenen Höhenlagen vorkommen, die Erscheinung, daß mit 
dem Vordringen in höhere Lagen die Ozellen verkümmern. 

Nach dem unterscheidenden Merkmale, nämlich der blinden 
Ozellen, wird für diese Form die Bezeichnung ab. caeca in Vor- 
schlag gebracht. 

Als Varietät kann die Form nicht bezeichnet werden, weil 
in derselben Höhe auch die Stammform noch vorgefunden wurde. 

Auch bei Türnitz (Stögerberg, N.-Ö.) tritt die Form auf. 
Ferner findet sich dieselbe auch im Wald viertel (Preissecker), im 
Hochschwabgebiet (Rebel), bei Millstatt (Schima) und anderwärts. 

VII. Herr F. Hau der (Linz a. d. D.) sendet nachstehende Be- 
schreibungen neuer Kleinschmetterlinge: 

1. Gracilaria eisendlei (nov. spec). 

Ein bei Linz am 15. Mai 1906 gefangenes Stück ist nach 
Prof. Dr. Rebel sicher eigene Art. 

Die Vorderflügel sind weiß und geschwänzt; eine bräunliche 
Bestäubung liegt längs der Falte; sie zieht schräg begrenzt zum 
ersten Drittel des Vorderrandes und zur Flügelwurzel. Im äußeren 
Flügeldrittel ist ein großer dunkelbrauner, oben gerundeter Fleck 
mit einer scharfen Spitze nach außen; der sonst weiße Innenrand 
darunter braun; in der Mitte des Vorderrandes ein kleiner unbe- 
stimmter Fleck. Die Flügelspitze und ein häkchenartiger Fleck 
davor schwarzbraun, die Vorderrandfranseu, das Schwänzchen und 
die Teilungslinie der unter dem Schwänzchen weißen Fransen eben- 
falls bräunlich. Die Fransen am Innenwinkel der Vorderflügel und 



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Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



an den grauen Hinterflilgeln hellgrau mit gelblichem Schimmer. 
Der Kopf ist weiß, die Fühler sind bräunlich, schwach geringelt, 
die Zunge hellgelb, die Palpen weiß mit sehr schwach verdunkelter 
Spitze, die Tarsen breit bräunlich gefleckt. Expansion 10 mm. 

Ich benenne diese schöne Art, die ihren Platz neben hollariella 
Z. hat, nach meinem langjährigen geschätzten Sammelfreunde Herrn 
Advokaten Dr. Richard Eisendle, früher in Kirchdorf, jetzt in Salzburg. 

2. Cataclysta lemnata L. ab. ochracea (nov. ab.). 

Um Linz fing ich wiederholt männliche Exemplare dieser Art, 
deren Vorderflügel gleichmäßig ockerbraun bestäubt sind und hierin 
den weiblichen Stücken gleichen. Ich benenne diese dunkle Form 
ochracea. Sie fliegt gleichzeitig mit der Stammform im Mai, Juni 
und wieder von Ende Juli bis September. 

3. Orenaia alpestralis F. var. Kautzi (nov. var.). 

Herr k. k. Staatsbahn-Oberingenieur H. Kautz brachte aus 
dem Triglavgebiete in Krain eine größere Anzahl Orenaia alpestralis 
F., die sich alle, und zwar in beiden Geschlechtern durch ihre sehr 
hell blaugrau, fast weißbläuliche Farbe und die sehr schwache dunkle 
Bestäubung von den aus den nördlicheren Alpen stammenden Exem- 
plaren auffallend unterscheiden. Die Aufhellung erstreckt sich über 
den ganzen Vorderflügel und ist am stärksten im Mittelfelde, dessen 
begrenzende Querlinien nicht mehr scharf sind, namentlich die hintere 
infolge des hellen, nur wenig schwärzhch gemischten Saumfeldes. 
Der lichte Bogenstrich der Hinterflügel meist deutlicher und die 
Unterseite aller Flügel viel heller. Diese Triglavform ist somit als 
eine Lokalform anzusehen, die ich nach ihrem Entdecker, dem 
vorher genannten unermüdlichen Sammler, var. Kautzi benenne. 

Vill. Herr stud. phil. H. Zerny hält einen Vortrag: 

Über parasitisch lebende Lepidopteren. 

Im Jahre 184S schrieb der in Hongkong ansäßige Engländer 
.1. (.'. Bowring an die „Fntomological Society of London", er habe 
in der Umgebung KcineR Wohnsitzes auf dem chinesischen Laternen- 
träger, Pyrops candclnria, einem auffnllenden Vertreter der fälschlich 
HO genannten Leuchtzirpen, Fulgoriden (Abbild, bei Sharp, Canibr. 
Nat. Hist., Vol. VI, j). 575;, ein inerkwIirdigeK schiidlausartiges Insekt 



Versammlung- der Hektioii für Lepidopterologie. 



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gefunden, über dessen Zugehörigkeit er sich jedoch nicht klar war; 
auch die mitgesandten Exemplare kamen in unkenntlichem Zu- 
stande an. Später gelang es ihm, aus der Larve — um eine solche 
handelte es sich nämlich — die Imago zu ziehen und so den Nach- 
weis zu liefern, daß es sich um ein Lepidopteron handle. Aber erst 
im Jahre 1876 beschrieb Westwood Imago, Puppe und Larve 
dieses Tieres als Epix^yrops anomala und stellte es zu den Arc- 
tiiden. Später wurden verwandte Formen auch aus anderen, meist 
tropischen Gebieten bekannt, so durch Miß Nawa, Dyar, Perkins 
und W. V. Rothschild, so daß wir jetzt von diesen Tieren, die 
eine besondere Famihe, Epipyropidae, bilden, 4 Gattungen mit 
11 Arten kennen. 

Nun zur Biologie dieser interessanten Tiere. Die Eier werden 
an abgestorbene Pflanzenteile in Häufchen abgelegt. Nach kurzer 
Zeit schlüpfen die Räupchen aus und kriechen auf den Rücken von 
Zikaden, wo sie sich festsetzen, um bis zu ihrer Verpuppung von 
diesen sich umherschleppen zu lassen. Als Wirtstiere sind ver- 
schiedene Zikadenarten aus den Familien der Fulgoriden (vor- 
wiegend), Cicadiden und Jassiden bekannt, und zwar werden so- 
wohl Nymphen wie Imagines beider Geschlechter, letztere jedoch 
viel häufiger, von den Epipyropidenlarven heimgesucht. In der 
Mehrzahl der Fälle ist eine Zikade nur von einer Larve besetzt, 
nicht selten finden sich jedoch zwei oder drei auf einem Wirtstiere, 
von denen aber gewöhnlich nur eine ihre volle Reife erlangt. Die 
Raupen sitzen auf der dorsalen Fläche des Abdomens, gewöhnlich 
etwas seitlich, parallel zu dessen Längsachse und den Kopf gegen 
das Analende der Zikade gewendet. Der Kopf ist stark eingezogen 
und liegt meist am Rande eines Segmentes. Die Stelle des Ab- 
domens der Zikade, wo sie aufsitzen, tiberziehen sie mit einem 
Gewebe, mittels dessen sie sich festhalten, was bei den kräftigen 
Sprüngen ihrer Wirtstiere ziemlicher Anstrengung bedürfen mag. 
Westwood berichtet auch von einem membranartigen Bande, 
welches das dritte Abdominalsegment der Zikade mit dem Anal- 
ende der Larve verband, hier anscheinend von den Haken der 
Nachschieber festgehalten, doch ist dessen Natur etwas unklar. 
Wahrscheinlich handelte es sich um miteinander verwobene Spinn- 
fäden. Während ihres Wachstums drängt die Raupe, wenn sie sich 



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Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



auf einer Zikadenimago befindet, deren Flügel etwas nach außen 
und oben, so daß sie dann leicht sichtbar wird; zugleich bildet 
sich auf ihrem Körper, besonders auf dem Abdomen, ein weißer 
wachsartiger oder wolliger Überzug, welcher schließlich so dick 
wird, daß die Raupe doppelt so groß erscheint und im Aussehen 
einer Coccide sehr ähnlich wird. Da die meisten Fulgoriden ein 
ähnliches Sekret ausscheiden, so liegt die Annahme nahe^ daß dieses 
von den Raupen zur Bildung ihrer Hülle verwendet wird. Die 
Häutungen finden auf dem Wirtstiere statt und die abgeworfenen 
Häute bleiben eine Zeitlang- an diesem hängen. Nach jeder Häutung 
erneuert sich der weiße Überzug, welcher ein Schutzmittel der 
Larve darstellt; die er sowohl vor zu starkem Druck der Flügel- 
decken der Zikade wie auch vor dem Naßwerden bewahrt. 

Über die Art der Ernährung der Raupe sind die Ansichten 
der Beobachter geteilt. Zuerst glaubte man, daß die wachsartige 
Substanz, die so viele Fulgoriden absondern und die in manchen 
Fällen so mächtig wird, daß sie in China und Indien zur Erzeugung 
von Kerzen und ähnlichem verwendet wird, die Nahrung unserer 
Tiere bilde. Nun fehlt aber bei einigen von Raupen besetzten 
Zikadenarten eine solche Ausscheidung vollkommen. Darum neigt 
auch die Mehrzahl der Beobachter der Ansicht zu, daß die Larven 
sich von den süßen Säften nähren, die alle in Betracht kommenden 
Zikaden ausscheiden. Es ist aber auch die Möglichkeit nicht ganz 
von der Hand zu weisen, daß sie echte Parasiten sind, d. h. sich 
von den Geweben ihrer Wirtstiere ernähren, womit auch die Beob- 
achtung in Einklang zu bringen wäre, daß an der Stelle, wo die 
Raupen sitzen, das Abdomen der Zikade stark geschrumpft und 
eingedrückt erscheint. Dagegen scheint in den meisten Fällen der 
Befall nicht tödlich auf die Zikaden zu wirken, sondern sie erholen 
sich vielfach wieder, wenn die Kaupe sie verlassen hat, während 
sie vorher ziemlich träge waren und lange nicht so lebhaft umher- 
hnpfton wie sonst. In anderen Fällen allerdings folgte bald auf 
das Abfallen der Larve der Tod der Zikade und in demselben Be- 
hälter mit besetzten Individuen gehaltene, von Larven freie Exem- 
plare überlebten meist die ersteren. 

Wenn die Larve erwachsen ist, v(!rläßt sie das Wirtstier, um 
an einem Blatte oder Grashalm ihren K(ds-on zu s|)innen, in dem 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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sie zur Puppe wird. Kokon und Puppe sind mit demselben weißen 
Überzug versehen wie die Raupe, ersterer erhält häufig durch bis- 
weilen radiär gestellte Kiele und Lamellen an der Außenseite ein 
zierliches Aussehen und besitzt einen Spalt, durch den sich die 
Puppe herausschiebt. Beim Ausschlüpfen der Imago bleibt die 
Puppenhülle mit ihrem Ende darin stecken. Mehrere Male wurden 
aus der Puppe eine Anzahl winziger Chalcididen erhalten; die 
Raupen scheinen erst nach dem Verlassen des Wirtstieres ange- 
stochen zu werden, da auf den Zikaden selbst niemals angestochene 
Individuen gefunden wurden. Perkins machte bei den von ihm 
in Queensland entdeckten Agamopsyche threnodes die interessante 
Beobachtung, daß sie sich parthenogenetisch fortpflanzt. Von dieser 
Art wurden bei der Zucht aus einer großen Anzahl gesammelter 
Kokons nur Weibchen erhalten, die bald nach dem Ausschlüpfen 
mit der Ablage ihrer Eier begannen, welche sich sämtUch als 
fruchtbar erwiesen. Eine Beziehung dieser interessanten Tat- 
sache zur epizoischen Lebensweise scheint nicht vorhanden zu sein. 
Die Tiere sind besonders in Australien eine häufige Erscheinung, 
wo (in Queensland) nach Perkins ein großer Prozentsatz ge- 
wisser Zikadenarten mit Epipyropidenlarven besetzt war und die 
Kokons „zu Millionen", wie er sagt, die Blätter einer Pflanzen- 
art bedeckten, so daß diese wie von einem Pilz befallen aus- 
sahen. 

Wenn wir nun in Kürze die einzelnen Stadien zu beschreiben 
versuchen, so wäre von den Eiern zu erwähnen, daß sie dem Flach- 
typus angehören. 

Die Raupe zeigt sehr interessante Verhältnisse. Vor allem ist 
das erste Raupenstadium von den folgenden wesentlich verschieden 
und zeigt den Angaben Perkins' zufolge beträchtliche Ähnhchkeit 
mit Apterygoten, wie es auch von anderen parasitisch lebenden 
Insektenlarven bekannt ist. Die ebengeschlüpfte Raupe ist sehr 
schlank und nach rückwärts verschmälert. Kopf und Thorax bilden 
mehr als die Hälfte des ganzen Körpers. Die Augen stehen auf 
einer dunkel pigmentierten Stelle und sind auf jeder Seite sehr 
nahe aneinander gerückt, so daß sie wie Komplexaugen aussehen. 
Die Thorakalbeine sind sehr lang, zweigliedrig (?) und mit einer 
undeutlichen Klaue versehen. Die Abdominalsegmente vom zweiten 



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Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



an haben auf der Ventralseite sehr lange, auf Erhebungen sitzende 
Borsten, Abdominalbeine fehlen. 

Ein ganz anderes Aussehen besitzt die erwachsene Raupe. 
Ihr Körper ist kurz oval und dorsoventral stark abgeflacht, der 
Kopf klein und zurückziehbar. Der Kopf trägt mehrere lange 
Borsten, der übrige Körper wenige kurze. Die Augen sind denen 
des ersten Stadiums ähnlich. Die Thorakalbeine sind sehr kurz 
und tragen eine kleine, sehr scharfe, rechtwinkelig nach rückwärts 
gebogene Klaue, die Haut ist runzelig und wenig pigmentiert. Am 
dritten bis sechsten Abdominalsegment finden sich kurze, mit einem 
vollständigen Hakenkranz versehene Bauchfüße. Die stark einander 
genäherten Nachschieber besitzen nur an der vorderen Seite Haken. 
Die Raupen sind also stemmatoncopod, eine Eigenschaft, die auf 
eine endophage Lebensweise ihrer Vorfahren hinweist und zeigt, 
daß die Anpassung an die epizoische Lebensweise in dieser Hin- 
sicht nicht weitgehend ist, da harmoncopode ßauchbeine jedenfalls 
ein besseres Anklammern an das Wirtstier ermöglichen würden. 

Von der Puppe findet sich keine genügende Beschreibung, 
West w 00 d nennt sie „brevis, crassa, dorso laevi, uec spinosa". 

Die Iraagines sind kleine, 6 — 10 mm spannende Tiere, die 
Vorderflügel dunkel gefärbt, häufig mit metallischem Schimmer, 
ohne deutliche Zeichnung. Die Vorderflügel sind kurz und drei- 
eckig und viel größer als die Hinterflügel. Die Fühler sind in 
beiden Gesclilechtern (beim Weibchen viel schwächer) doppelt ge- 
kämmt. Die Labialpalpen sind entweder sehr klein oder fehlen 
ganz. Die sonstigen Mundteile sind samt dem Rüssel verkümmert. 
Die Ozcllen fehlen, ein Frenulum ist vorhanden. Die Diskoidalzelle 
der Vorderflügel ist wenigstens bei den australischen Gattungen 
durch zwei undeutliche Längsadern geteilt. 

Die systematische Stellung der Epipyropiden ist recht unsicher. 
Westwood stellte sie zu den Arctiiden, Kirby zu den Lymantriiden, 
liampson fnach Sharp) zu den Limacodiden, dem aber der Bau 
der Bauchbeine widers])richt. Dyar stellt sie zu seiner Superfamilie 
Tineoidea, welche aber alle niedriger stehenden Ileterocerengruppen 
mit Ausnalime der Jugaten umfaßt; in seinem Kataloge (Bull. U.S. 
Nat. Mus. 52; stellt er sie als eigene Familie zwischen die Dalce- 
ridon und Zygaeniden (Pyromorpliidenj. Einer ähnlichen An- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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sieht ist Perkins, nur sieht er eine nähere Verwandtschaft zu den 
Psychiden (s. L), zu denen selbst sie natürlich wegen der voll- 
kommen gefliig-elten Weibchen und des Fehlens eines Eaupensackes 
nicht gestellt werden können. Sicher ist nur, daß sie den Rang 
einer eigenen Familie beanspruchen und zu den Tineoidea im Sinne 
Dyars gehören; nahe Beziehungen zu irgend einer anderen FamiHe 
scheinen nicht vorhanden zu sein. 

Die Verbreitung der Familie ist in den Tropen und Subtropen 
eine ziemlich allgemeine; sie ist bis jetzt aus Indien, China, Japan, 
Australien, Zentralamerika, Neumexiko und Texas bekannt. Austra- 
lien scheint jedoch das Verbreitungszentrum zu bilden, da es von 
11 Arten 7 besitzt, beides Tatsachen, die fiir ein ziemlich hohes 
Alter der Gruppe sprechen. 

Soviel über die Epipyropiden. 

Es gibt aber außer diesen noch eine Lepidopterengattung, von 
der ebenfalls bisher meist parasitische Lebensweise angenommen 
wurde. Leider sind von ihr nur Imagines bekannt geworden. 
Schon West wo od war es in den Siebzigerjahren des vorigen Jahr- 
hunderts bekannt, daß im Felle der südamerikanischen Faultiere 
sich kleine Heteroceren, seiner Ansicht nach Tineiden, aufhalten. 
Aber erst im Jahre 1906 beschrieb Spuler ein solches Tier, welches 
von Hahnel am Amazonas im Felle eines lebenden Faultieres, 
dessen Art nicht genannt wird, gefunden wurde, und nannte es 
JBrady])odicola Halmeli. Zwei Jahre später beschrieb Dyar, ohne 
Spulers Beschreibung zu kennen, eine ebenfalls auf einem leben- 
den Faultier gefundene Form als Cryptoses choloepi, welche nach 
Lord Wal sin gh am mit der von Spul er beschriebenen Form iden- 
tisch ist. Sie wurde in Panama an einem zweizehigen Faultier, 
Clioloepus Hoffmanni, gefunden, welches von einem Baume gefallen 
war, worauf eine Anzahl kleiner Lepidopteren aus dem Fell des 
Tieres aufflog, sieh aber sogleich wieder darin verkroch. Die Art 
wurde von Schau s auch in Costarica aufgefunden. 

Es sind kleine, 17 — 18 mm spannende Tiere, der Körper ist 
dorsoventral stark abgeflacht und mit kurzen, glänzend dunkel- 
braunen Haaren bedeckt, die Hüften und Schenkel der Vorderbeine 



(14) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



ebenfalls sehr breit und flach, die Fühler fadenförmig, die Labial- 
palpeu hängend, Maxillarpalpen fehlen. Der Rüssel ist sehr kurz, 
Ozellen fehlen. Das Geäder fällt auf durch eine sehr kurze Dis- 
koidalzelle. Die Vorderflügel sind gestreckt, mit vorgezogenem Apex, 
bronzebraun mit durchscheinend gelben Längsstreifen, die Hinter- 
flügel dunkelgrau. 

Die Tiere wurden früher zu den Tineiden gezählt, sie gehören 
aber sicher zu den Pyrahden, wo sie Spul er zu den Galeriinen 
stellt, während es Dyar unentschieden läßt, ob sie zu den Chrysau- 
ginen oder Epipaschiinen zu stellen seien. Hampson stellt sie zu 
den Schoenobiinen, denen aber der Rüssel fehlt. 

Von diesen Tieren wurde meistens angenommen, daß sie sich 
von den Haaren der Faultiere nähren. Nun finden sich aber, worauf 
auch Lord Walsingham hingewiesen hat, ziemlich regelmäßig an 
den Haaren der Faultiere kleine grüne Algen in großer Menge an- 
gesiedelt, welche dem sonst braunen oder grauen Pelz eine grün- 
liche Färbung verleihen und welche bei der großen Luftfeuchtigkeit, 
die in dem Verbreitungsgebiet der Faultiere, den tropischen Regen- 
wäldern Amerikas, herrscht, hier ein ihnen zusagendes Substrat 
finden. Und es liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, daß diese die 
Nahrung der Bradypodicola bilden, wenn auch die andere Möglich- 
keit nicht von vornherein auszuschließen ist. 

Systematische Übersicht der behandelten Tiere. 

Fam. Epipyropidae. 

L Genus: Epi2)yrops Westw., Tr. E. S. Lond., 1876, p. 519. 

1. anomala Westw., 1. c, 1876, Tab. VIT; ? 1. c, 1877, p. 433. 

Süd-China, ? Indien. 

?2. Xfurai Dyar, Proc. Ent. Soc. Wash., Vol. VI, p. 10 (1904); 
Nawa, Insect World, Vol. VH, Nr. 1, Tab. (1903). 

Jai)an. 

V3. Doddi W. Kothsch., Nov. Zool., Vol. XIII, j). 162 (1906). 

Queensland. 

V4. Jiarhni Dyar, Proc. Fnt. Soc. Wash., Vol. V, |). 43 (1902); 
Holland, Fnt. News, Vol. XV, p. 344. 

Neuniexiko, Texas. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(15) 



2. Genus: Falaeopsyclie Perkius, Rep. Exp. Stat. Hawaii. Sugar 

Plant. Assoc, Bull. I, p. 80. 
1. melanias Perkins, 1. c, p. 80. Queensland. 

3. Genus: Heteroj^syche Perkins, 1. c, p. 81. 

1. poecilochroma Perkins, 1. c. p. 82. Queensland. 

2. melanocliroma Perkins. 1. c, p. 82. New -South -Wales. 

3. micromorplia Perkins, 1. c, p. 83. New -South -Wales. 

4. dyscrita Perkins. 1. c, p. 83. New -South -Wales. 

5. stenomorplia Perkins, 1. c, p. 83. New -South -Wales. 

4. Genus: Agamoxjsyclie Perkins, 1. c, p. 83. 

1. threnodes Perkins, 1. c. p. 84. Queensland. 

Farn. Pyralidae. — VSubfam. 

Genus: Bradypodicola Spul.. Biol. ZentralbL, Bd. XXYI, S. 690 
(1906); Cryptoses Dyar, Proc. Ent. Soc. Wash., Vol. IX, 
p. 142 a.9b8). 

1. Hahneli Spul., 1. c; ? clioloepi Dyar, 1. c; ibid., Vol. X, 
p. 81. Amazonas, ? Panama, ? Costarica. 

Literaturverzeichnis. 

1. Bowling, Letter concerning a eurious Coeeus-like insect parasitic iipou 

Fulgora candelaria. — Proc. Ent. See. Lond., 1850, p. XXXVI. 

2. West wo od, Notes on the habits of a Lepidopterons insect parasitic on 

Fulgora candelaria. — Tr. E. S. Lond., 1876, p. 519, PI. VII. 

3. Derselbe, Notes on the parasitism of certain Lepidopterons insects. — 

L. c, 1877, p. 433, Pl.Xc. 

4. Champion, Proc. Ent. Soc. Lond., 1883, p. XV. 

5. Derselbe, Biol. Centr. Am. Rhynch. Homopt. (by W. S. D i s t a n t), Vol. I , p. 27. 

6. Sharp, Cambr. Nat. Eist, Voi. VI, p. 404 (1901). 

7. Dyar, A Lepidopterons larva on a leaf-hopper. — Proc. Ent. Soc. Wash., 

Vol. V, p. 43 (1902). 

8. Miß ü. Nawa, Notes on a parasitic moth. — Insect World, Vol. VII, Nr. 1, 

(1903). (Ref. vide Dyar, Proc. Ent. Soc. Wash., Vol. V, p. 181, und 
Kirkaldy, Entom., Vol. XXXVI, p. 129.) 

9. Dyar, A Lepidopteron parasitic upon Fulgoridae in Japan. — Proc. Ent. 

Soc. Wash., Vol. VI, p. 19 (1904). 

10. Holland, Epipyrops Barberiana Dyar. — Ent. News, Vol. XV, p. 344 (1904). 

11. Perkins, Leaf-Hoppers and their Natural Enemies. Eeport of Work of 

the Experiment Station of the Hawaiiau Sugar Planters Association. 
— Div. of Ent., Bull. I, Part 2, p. 75—85 (1905). (Ref. vide Gräfin 



(16) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Linden, Zool. Zentralbl., 1906, S. 89, und Speiser, Zeitschr. f. wiss. 
lusektenbiol., 1906, S. 68.) 

12. W. Rotliscliild, On a new parasitic Tineid moth frora Queensland. — 

Nov. Zool., Vol. XIII, p. 162 (1906). 

13. Schulz, Sitzungsber. d. Berl. Ent. Ver., 1896, S. 26. 

14. Spul er. Über einen parasitisch lebenden Schmetterling. — Biol. Zentralbl., 

Bd. XXVI, S. 690 (1906). 

15. Dyar, A Pyralid inhabitiug the für of the living slotli. — Proc. Ent. Soc. 

Wash., Vol. IX, p. 142 (1908). 

16. Derselbe, A fnrther note on the sloth moth. — L. c. Vol. X, p. 81 (1908). 

Siehe auch: Beddard, Animal Coloration, p. 96 (1892). 



Versammlung am 4. Februar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

I. Der Vorsitzende legt die neue, in Budapest erscheinende 
Zeitschrift „Archivum Zoologicum" vor und macht besonders 
aufmerksam auf die in Nr. 8 und 9 mit Abbildungen erschienenen 
lepidopterologischeu Publikationen, und zwar: 

Kert6sz, Dr. Aba, Parnassms jjJioebus nov. ab. Ines, die sich 
nur ganz unwesentlich von der ebenfalls bei Sulden im Ortlergebiet 
fast gleichzeitig erbeuteten ab. harthac Hirschke (Wien. Ent. Ver., 
XIX. Jahresber.) unterscheidet. 

Schmidt A., Über eine neue Crambide aus Ungarn. (Gramhus 
linngar icus nov. spec, bei inquinatellus S.-V.) 

II. Der Vorsitzende erstattet hierauf ein eingehendes Referat 
über die sehr interessante Publikation von Prof. Joh. Meisen heim er, 
Experimentelle Studien zur Soma- und GeschlechtsdifFerenzierung 

Jena, Fischer, 1909). Es wird eine allgemeine Übersicht über die 
bisherigen Resultate der Kastrationsi- und Transi)lantationsversuche 
bei Lcj)idopteren gegeben. 

III. Derselbe legt die Beschreibung zweier melanotischer 
Geonietriden - Aberrationen aus der dem llofmuseum gewidmeten 
Sammlung von l'ricdr. Fleisch mann') vor: 

') Nokroloj? im ScktionHlxtriclit vom 7. IMiii 11)09 [in diesen „V(ulian(l- 
Ini, ]'.(]. LIX. .I:.lirL'. 1!)09, S. (24Ü)|. 



Versammliin«,' der Sektion für Lepidopterologie. 



(17) 



1. Biston alpina (Sulz) ab. 
tenebraria nov. ab. 

Herr Fleischmaun erbeu- 
tete Ende Juni (28. und 29.) 
1905 in unmittelbarer Umgebung 
des Dialer Schlernbauses in Süd- 
tirol in Anzahl frisch entwickelte 
männliche und weibliche Stücke. 
Unter ersteren, die zumeist die 
normale weißgraue Grundfarbe 
der Flügel zeigten (Fig. 1), fand 
ich auch ein etwas kleineres, 
stark melanotisches Exemplar, 
bei welchem dieselbe vollständig 
durch Schwarzgrau ersetzt er- 
scheint (Fig. 2). Auch die Flügel- 
unterseite des Stückes ist stark 
geschwärzt. Nur die Körper- 
behaarung bleibt heller grau. 

2. Scodiona fagaria fa- 
villacearia ab. Üeischmanni 
nov. ab. (c^). 

Ein tadellos frisches mela- 
notisches 6" dieser Art wurde 
von Herrn Fleisch mann am 
5. Mai 1901 am Steinfeld bei 
Sollenau gefangen. Das Stück 
zeigt fast einfarbig schwarz- 
graue, etwas glänzende Flügel 
(Fig. 4). Von den Querstreifen 
der normalen /a y (Fig. 3 , 

Perchtoldsdorf, 6. Mai 1900, 
leg. Fleischmann) ist nur der 
äußere auf den Vorderflügeln 
durch eine lichte Begrenzung 
angedeutet. Die schwärzlichen 
Mittelpunkte bleiben erkennbar. 

Z. Ii. Ges. CO. Bd. 




Fig. 1. Biston alpina Sulz (cT). 

Fig. 2. Biston alpina (Sulz) ab. 
tenebraria Rbl. (^T). 




Fig. 3. Scodiona fagaria favilla- 
cearia Hb. (^T). 

Fig. 4. . Scodiona fagaria favilla- 
cearia ab. flcisclimanni Rbl. (cf). 

b 



(18) 



Versammlung: der Sektion für Lepidopterologie. 



Die Fransen und der Körper sind heller gelbgrau. Auch die bei 
der Stammform meist rein weiße Unterseite der Hinterflügel ist hier 
stark g-rau verdunkelt. 

Ein fast ganz gleiches Stück wurde bereits von Herrn H. 
May jun. am 1. Mai 1887 in Mödling bei Wien erbeutet und im 
Yin. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., 1897, auf Taf. 1, Fig. 7 zur Ab- 
bildung gebracht. 

Möge der Name „Fleischmanni^ dazu beitragen, das Andenken 
an diesen zu früh verstorbenen verdienstvollen heimischen Entomo- 
logen zu erhalten. 

IV. Herr L. Schwingenschuß demonstriert nachstehende 
Arten: 

1. Garadrina rougemonti Püng. (cT, 9), in Meran (Südtirol) 
im Juni 1908 erbeutet.^) Neu für die Monarchie. Die Stücke 
stimmen vollständig mit Originalstücken von Martigny (Wallis). 

2. Luperina standfussi Wisk., ebendaher. 

3. Psodos alticolariaMsin. aus der Gamsgrube des Glockner- 
gebietes. Die Stücke stimmen vollständig mit var. fauclum Favre 
überein und wurden auf feuchtem Sand erbeutet, wogegen im Ortler- 
gebiet die angebliche, viel schärfer gezeichnete Stammform auf 
Felsgerölle fliegt. 

V. Herr Zentralinspektor J. Prinz macht Mitteilung über den 
in deutscher Übersetzung erschienenen Artikel Tutts über Lycacna 
argiadcs und corctas (alcetas Hb.), welche für verschiedene Arten 
gehalten werden (vgl. Int. Ent. Z., Bd. IH, S. 233, 240). 

Derselbe demonstriert ein bei Torbole am Gardasee am 13./IX. 
1909 von ihm erbeutetes Stück von Cramhus malacelUis Dup. 

VI. Herr stud. phil. II. Zerny bemerkt, daß er ein von 
Tacniocampa stahilis View, im verflossenen Herbst in Pötzlcinsdorf 
erbeutet habe und richtet eine Anfrage, ob eine ähnliche abnorme 
ErHcheiiinu^rszeit bei den verwandten Arten bekannt geworden sei. 

') ViiH wiinic in 8clir d.ankon.swcrtcr Weise der L;in(le.S8!iniinIiin^^ 
N;if nrlii^torisr-licii Ilofiiiiiscnnis iil)erla8sen. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(19) 



Versammlung am 4. März 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende begrüßt den als Gast anwesenden Herrn 
Dr. Rudolf Pöch und bringt nachstehende Publikationen mit einem 
kurzen Referat zur Vorlage: 

Beutenmtiller W.,Monograph of the Sesiidae of America, North 

of Mexico. (Mem. Amer. Mus. of Nat. Hist., Vol. I, 1901.) 
Hampson, Sir Georg F., On a new genus and species of 

Noctuidae from Britain (Peucephila essoni). (Trans. 

Ent. Soc. Lond., 1909, p. 461, PI. 16.) 
Derselbe in Ruwenzori Expedition Reports: Lepidoptera Hetero- 

cera. (Trans. Zool. Soc. Lond., Vol. XIX, 1909, PI. 4.) 

II. Herr Dr. K. Schawerda legt als weiteren Nachtragt) zur 
Lepidopterenfauna Bosniens und der Herzegowina die ihm 
von Herrn Josef Jan eck o gesandten Makroheteroceren und Klein- 
schmetterlinge, die im Jahre 1909 in der Herzegowina erbeutet 
wurden, vor. Dieselben stammen aus der Gegend zwischen Neve- 
sinje und Mostar und wurden durch die Güte und Sorgfalt des 
Herrn Prof. Dr. Rebel bestimmt oder bestätigt. 

Die Höhenlage der verschiedenen Fundorte ist folgende: 
Blagaj, 64 m ober der Adria, Kamena, 707 m, 
Nevesinje, 860 m, Rabina, 926 m, 

Busak, 658 m, Velez (Berg), 1969 m, 

Bisina, 888 m, Podvelez, 1257 m. 

Zulje, 789 m, 

Es sind wieder 8 für die neuen Provinzen Österreich-Ungarns 
neue Makrolepidopteren- und 36 neue Mikrolepidopterenarten. Sämt- 
liche für Bosnien und die Herzegowina neuen Arten und Formen 
wurden mit einem Sternchen versehen. Drei Arten der letzteren 
sind völlig neu und werden gleichzeitig (unter III) beschrieben. Von 
den ersteren ist eine Art, Acidalia taurica Bg.-H., neu für Europa. 

^) Vgl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1906, S. 650—652; Jahrg. 1908, 
S. (250)— (256) und XIX. Jahresber. des Wien. Ent. Ver., 1908, S. 85—126. 

b* 



(20) 



Versauimlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Notodoiitidae. 

Dnjmonla trimacula f. dodonaea Hb. Bisina, 2b. jß. 

Noctuidae. 

Agrotis liicernea f. d a hn a ta Stdgr. Ein großes licht grangelbes 9. 
Bisina, 28./7. 

Agrotis cos Hb., 2 d". Bisina, 28./8. 
Agrotis forciptila f. nigrescens Höfner. Dunklere Form. Podvelez, 
31./8. (Carinthia.) 

Agrotis ohelisca H. Die aus Bisina und Podvelez von Ende August 
erhaltenen vier Männchen zeichnen sich durch hellere rötlich- 
braune Vorderflügel mit hellerem Vorderrand und sonst normaler 
Zeichnung und weißen Hinterflügeln aus und kommen dadurch 
vorliegenden Stücken aus Haifa in Syrien sehr nahe. Ich 
behalte mir vor, auf diese Lokalform zurück zu kommen. 

* Agrotis ohelisca f. viUiersi Gn. Bisina, August. 

* Agrotis hastifera Donz. Ein Pärchen. Nevesinje. 
Agrotis vitta Hb., 3 cf. Bisina, 16./9. 
Epineuronia popularis F. Bisina. 

2Iamestra leiicophaea V. Bisina, 8./7. 

* Mamestra Serena Sch. f. leucomelaena Spuler. Bisina, 28. /4. und 
Juli. Exemplare mit weißem Wurzel- und Saumfelde, wie ich 
sie aus Gravosa besitze. 

Dianfhoecia carpox)haga Bkh. Vier Exemplare aus Bisina, 8./9. 

Bryopliila raptricida f. deceptricula Hb. Podvelez, 13./7. 

Apamaea dumerilii Dup. Drei stark gezeichnete Falter aus Bisina 
(August). 

*Li(pernia ruhella Dup. Abgeflogen. Bisina, August. (Dalm., Croat., 
Pont.) 

Jladena platinea Tr. Bisina, August. 

Kpisema glaucina P'sp. Drei o' der rotbraunen Stammform. Bisina, 
September. Sechs Falter der Form dcntimacula Hb. ebendaher. 

daradrina selini B. Ein o von Ilabina, 17./7. 

*Caradrina rongcmonti. Ein 9 mit schneeweißen Hinterflügeln. 
Bisina, 077. (Val., Tqx. im.) 

('(iradrina resj)crsa IIb. Vier große Exemplare aus IJisina. Juli 
und August. 



Versa mm hing' der Sektion für Lepidopterologie. 



(21) 



Amphiinjra llvida F. Selir große Falter aus Dabrica, 26./8. 
"^Epimecia ustula Frr. Bisina, 19. /7. (Dalm., Hung., Bulg.) 
Cleopliana olivina H.-S. Zwei Falter dieser schöDen Art aus Bisina, 
9./6., 8./7. 

Heliaca tenebrata f. jocosa Z. Vulin Ptok, 18. /ö. 
Acontiola moldavicula H.-S. Bisina, 18./6. 
EnUemma suava Hb. Bisina, 11/8. 

Talpochares purpur'ma Hb. Ein kleines Stück aus Ramena, 22./7. 
Talpochares polygramma Dup. Ein Pärchen von Podvelez und 
Bisina, 28./6. und G./7. (Dalm., Slavon.) 

Acontia lucida Hufn. Drei Falter aus Bisina. Juni bis August. 

Leiicaniiis stolida F. Ein Exemplar mit auffallend schmalen Quer- 
binden von Bisina, 20./5. 

Episenxis calvaria F. Podvelez, 23. /7. Ein sehr großes 9 von 
Ramena, 22./7. 

Greometridae, 

Euchloris smaragdaria F. Bisina, 25. /6. 

Acidalia filacearia H.-S. Bisina, 27. /5., 27. /ö. 

Aeidalia trilineata Sc. Ein auffallend großes und scharf gezeich- 
netes Exemplar von Bisina, 7./6. 

* Acidalia taiirica Bg.-H. („Iris", XX, 78, III, 5). Ein prachtvolles 
aus Bisina, 21./7. Die Art ist wie mit einem gelben Perlen- 
kollier eingefaßt. Neu für Europa. (Eibes in Rleinasien.) 

Acidalia flicata Hb. Bisina, 9./8. 

Acidalia rusticata f. vtilpinaria H.-S. Podvelez, 23. /7. 

Acidalia dilutaria Hb. f. praeustaria Mn. Bisina, 6./7. 

Acidalia humiliata Hufn. Bisina, 9./8.; Zulje, 8./7. 

Acidalia rubraria f Inlinearia Fuchs. Bisina, 15./8. 

Acidalia aversatah.^ m\i auffallend breitem schwwzen Band. Rabina, 
17./7. 

Acidalia incanata L. Bisina, 27. /5., 13./7. 
Acidalia luridata f. conßnaria H.-S. Bisina, 18./7. 
Codonia pupillaria Hb. Bisina, 13./9. 
Bhodostrophia calahraria Z. Bisina, 2b.lß., b.jl. 
Lytliria purpuraria L. Bisina, 7./6. 
Siona decAtsscda Schiff. Bisina, 7./6., 25. /6. 



(22) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Larentia siterata Hufn. Abgeflogenes 9. Bisina, 24./5. 
Larentia putridaria f. hulgariata Mill. Bisina, 19./7. 
Larentia sociata Bkh. Vier Falter aus Bisina. Juni bis August. 
Larentia hilineata f. testaceolata Stdgr. und f. infiiscata Gmppbg. 

Bisina, 12./6., 11./8. 
Minoa miirlnata Sc. Bisina, 7./6. 
Tepliroclystia laquaearia H.-S. Bisina, 2./8. 
TepJiroclystia distindaria H.-S. Bisina, 7./6. 

* Tepliroclystia extraversaria H.-S. Busak-Karaula, 30./4. (Hung., 
Balc. s.) 

Tepliroclystia vulgata Hw. Bisina, Velez; 9./7.^ '^•/^•? ^7^- 
Tepliroclystia semigraphata Brd. Ulog, 30./6. 
Tepliroclystia pumilata Hb. Ulog, Bisina, 13./6., 9./8. 
Numeria capreolaria F. Abgeflogen. Velez, 5./9. 
Selenia lunaria f. delunaria Hb. Bisina, 9./8. 
Synopsia sociaria Hb. Vier kleine cf. Velez, Bisina, 1./9., 5./9. 
Boarmia gemmaria Brahm., 3 cT, 29. Bisina, 20./5., 1./9. 
Boarmia angularia Thnbg. Bisina, 25./ 7. 

"^Baptapictaria Curt. Ein verflogenes 9. Podvelez, 27. /4. (Hung., Pont.) 
Gnop)lios pidlata Tr. Lichtgraue Lokalforro. Bisina, 22./6. 
Gnoplios glaucinaria f. falconaria Frr. Bisina, 27. /5. 
Pliasiane glarearia Schifif. Bisina, 20./6., 8./7. 
Perconia strigillaria Hb. Großes d^. Podvelez, 22./5. 

Nolidae. 

Nola confusalis H.-S. Podvelez, 13. /5. 

Psychidae. 

Jlchelia siirientella Brd., cf. Podvelez, 13./5. 
Psychidea homhycella Schiff'., cT. Podvelez, 13./5. 
Fumea crassiorella Brd., cf. Bisina, 17./7. 

Sesiidae. 

Sesia tipuliformis CA. Podvelez, 24./(). 

PyraHdac. 

Cramhits geniculeus Hw. Podvelez, 30./4. 

^Crfirnhus rrdirrrllus f. cassenticllus 7i. Jaicc, Bocac, 3./7. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(23) 



Ein aberratives Stück der Stammforui mit einander stark 
genäherten dunklen Querlinien auf den Vorderflügeln. Bisina, 
Juni. 

Cranibus saxoneUus Zk. In Anzahl. Bisina, Zulje, Podvelez, 16./7., 
20./9. 

Crcmihns falseJlus Schilf. Bisina, 10./8. 
Eromena hella Hb. Bisina, 20./7. 

"^Epidauria strigosa St. Bisina, 11. /8. (Dalm., Pont., Syr., Amur.) 
Ematliendes x)undella Tr. Zulje, 8./7. 

Äncylosls clnnamomeTla Dup. In Anzahl, darunter schöne karmin- 
rote Stücke. Bisina, Juni. 
Euzoxyliera pidchella Rag. Podvelez, 27. /7. (Balc.) 

'^Fempelia sororieUa Z. Bisina, 18. /6. (Ter. m., Austr. inf., Carn., 
Hung., Bulg., Bith., Syr.) 

^ Hypochalcia dignella Hb. f. insuadella Rag. Bisina, 25. /6. (Austr., 
Armen.) 

* Hypoclialcia ghiliani Stdgr. Bisina, 25./6. (Ped. alp. val., Croat., 

Carn.) 

Megasis ripperfella Z. Ulog, 13./6. 

Epischnia prodromella Hb. Bisina, Podvelez, 20./6. 

Phycita meliella Mn. Bisina, 14./7. 

FJwdopliaea suavella Zk. Bisina, Juli, August. 

Bhodojihaea legatella Hb. Bisina, 22. /6. 

Endotricha flammecdis Schiff. Bisina, August. 

Äglossa pingninalls L. Busak, Juni, Juli, August. 

* Fsammotis pidceralls Hb. f. grisealis Stdgr. Bisina, 5./7. (And. 

Graec, As. min., Armen., Hyrc.) 
Sylepta ruralis Sc. In großen dunklen Exemplaren. Bisina, 14. /7. 
Scoparia ingrafella Z. Bisina, 7./6. 

* Scop>aria pijrenaealis Dup. Zuberin, 7./8. (Eur. m., Bith., Syr.) 
Evergestis caesialis H.-S. Ramena, 22./7. 

Evergestis sophialis F. Ulog, Bisina, Juni. 

Cledeohia moldavica Esp. Bisina, 5./7. 

Hercidia ruhidalis Schiff. Große dunkle Stücke. Zulje, 1./7. 

Nomo])lnla noduella Schiff. Bisina, 14./7. 

^Mecyyia polygonalis Hb. f. güvata F. In Anzahl. Bisina, August. 
Metasia ojjhiaUs Tr. Bisina, 2./8. 



(24) 



Vorsanimlung der Sektion für Lepidoptcrolof^ie. 



Flouca f nivalis Hb. Bisina, Juni, Juli. 

Fionea ruViginalis Hb. Bisiiia, 28. /8.; Velez, 5./9. 

Fionea ferrugalis Hb. Bisina, Juni. 

Fyrausta flavalis Scb. Bisina, 28. /6. 

Fyrausta castalis Tr. Bisina, 28./6.; Ramena. 

Fyrausta obfuscata Sc. Podvelez, 27. /7. 

Fyrausta cespitalis Scb. Bisina, 9./7. — Deren Früblingsform inter- 

medkäis Dup. Podvelez, 20./4. 
Ileliofhela atralis Hb. Podvelez, 7./7. 

Pterophoridae. 

Oxyptilus parvidacttjlm Hw. Bisina, 11. /8. 

*Oxyptilus distans Z. Podvelez, 30./4. Bisber war nur die Sommer- 
generation laetus 7i. bekannt. 
Flatyptilia acanthodactyla Hb. Bisina, 28. /6. 

Älucita teiradactyla L. Ein auffallend dunkles Exemplar aus Pod- 
velez, 19./7. 
Fteropliorus constanti Rag. Bisina. 
Fterophorus monodactylus L. Bisina, 29. /G. 

Orneodidae. 

Orneodes grammodactyla Z. Bisina, 18./8. 
Orneodes liühnerl Wllgr. Bisina, 15./G. 

"^Orneodes cymaiodactyla Z. Bisina, 11. /5. (Hung., Dalm., Graec.) 

Tortricidac. 

*Acalla ferrugana Tr. Busak-Karaula, 19./4. (Eur., Am. s.) 

Acalla quercinana St. liabina, Bisina, 5./7. 

JJichelia artificana H.-S. Blagaj, 17./;").; Bisina, 21./G. 

Cacoerla rosana L. Ein 12 mm spannendes, großes 9 aus Bisina, ir)./7. 

J'Mia ochrcana Hb. Bisina, 28. /G, 

T(yrtrix conwayana F. l\)dvelez, 29. /4.; Bisina, lo./G. 

(!ncj)liasia irahlhfmilana L. l*»isina, 28. /G., b.jl.^ 22. jS. 

(hicphasia ahrasana ünp. Bisina, Podvelez, 20./5. 

AtiisotarHin Jtyhriddua Hb. Bisina, 23./;"). 

* Lo.ro/ir/d lornfiUi Wls;::li. Zwei Falter, von denen einer dem Museum 
lllierlaKscn wurde. IJisina, 2G./r). ((Jors., lt., (hil. m., Germ.j 



Versnmnilnng der Sektion für Lepidopterolooie. 



(25) 



Conchylis schaiverdac Rbl. Diese neue, von mir in einem Pärchen 
auf der Vucija bara entdeckte Art [diese „Verhandhingen", 
Jahrg. 1908, S. (255)] wurde von Herrn F. Wagner eben- 
daselbst anfangs Juli 1909 in mehreren frischen Stücken 
wieder aufgefunden. 

Euxanthis straminea Hw. Zwei Generationen. Podvelez, 30. /4., 
31. /5., 8./9., 13./10; Bisina. 
Flitlieochroa diiponcheliana Dup. In einigen Exemplaren aus Bisina. 
Mai, Juni. (Gal. m., Sic, Hung. m., Dalm., Graec, Syr., Bith.) 

^ Folyclirosis hotrana Schiff. Bisina, 3./6. (Eur. ra., Asia m.) 

*Crocidosema plehejana Z. Bisina. (Germ, m., Austr. inf., And., Gal. 
m., Cors., Sic, Dalm., Syr., Austral., Am. c. et m.) 

Oletliretdes variegana Hb. Bisina, Juni. 

Olethreides xminiana Hb. Krusovljan, 14. /6. 

* Grapliolitha gemmiferana Tr. Bisina, Juni. (Eur. m., Angl., Sil., 

Austr. inf., Hung., As. min.) 
^Epihletna alhidulana H.-S. Bisina, 9./7. 

*Pamene splendidulana Gn. Podvelez, 30./4. (Eur. c, Scand., Dalm.) 
"^•Famene gallicolana Z. Bisina, Juni; Podvelez, 30./4. (Eur. c et 
m., Asia min.) 

*Famene hiedersiana Sorh. Podvelez, 30. /4. (Germ, s., Gal. m., Rum. 
or., Bith.) 

Famene rhediella Gl. Podvelez, 29. /4. 
Carpocapsa pomonella L. Bisina, 8./6. 

Glyphipterygidae. 

Choreutis hjerJcandreUa T\mh. f. j^retiosana D. Bisina, 20. /7. 
'^Clioreuüs myllerana F. i. stellar is Z. Bisina, G./7. (lt., Graec, 

Bith., Pont.) 
Shnaethis iiemorana Hb. Podvelez, 30./4. 

PlnteUidac. 

Flidella mactdijiennis Cart. Bisina, Pod¥elez. August, September. 
"^Cerosloma ritella L. Podvelez, 27./S. (Enr., Bith.) 

Cfelecliiidae. 

"^Flatyedra r Hella Z. Bisina, 25./4. (Eur., Asia occ, Maur.) 
GelecJiia disttndella Z. Rabina, 8./7. 



(26) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



^ Gelecliia soliitella Z. Podvelez, 22./5. (Eur., Bith.) 
^Gelechia scalella Sc. Podvelez, Mai. (Eur., Bith.) 
Gelechia leucomelanella Z. Bisiiia, 17./6. 

Gelechia humeralis 7i. Bisina, 31. /5. (Eur. c. et m., Asia min.) 
^Gelechia luculella Hb. Bisina, 3./6. (Eur. c. et s., Gal. m., Ped., 
Balm.) 

Taclnjptilia scintilella F. R. Bisina, 9./7. 
Äristotelia decurtella Hb. Bisina, 7./8. 
'^Braclimia rohustella Bbl. (nov. spec.). Bisina, 7./6. 
Bhinosia denisella F. Podvelez, 30./4.; Bisina, Juni. 
Bhinosia sordidella Hb. Bisina, Juni, Juli. 
Megacraspediis hinotellus F. Blag-aj, 16./5. 

Symmoca designatella H.-S. f. Ufasciata Stdgr. Vier Falter, Bisina, 
20./7. 

Oegoconia quadripuncta Hw. Bisina, 25. /6. 
Plenrota pijropella Sch. f. salviella H.-S. Bisina, 31. /5. 
Psecadia flavianella Tr. Podvelez, Bisina, 22. jb.^ 7./6. 
Fsecadia pusiella. In Anzahl im August, Bisina. 
Psecadia hipunctella F. S. Bisina, 26. /6. 
Depressaria suhpropinquella Stt. Podvelez, 20. /4. (Eur. c. et m., 
Fen., Bith.) 

* Depfressaria amanthicella Hein. In mehreren auffallend dunkel- 
grauen Stücken. Bisina, Juni, Juli, September. (Germ, m., 
Austr. inf., Hai., Balm., Pers.) 

Bepressaria laterella Schiff. Bisina, 20./5. 

* JJepressaria cervariella Const. Bisina, 8./9. (Gal. m.) 
Depressaria ragonoti Rbl. Bisina, 11. /8. Bisher nur aus Nieder- 

osterreich und Bervent in Bosnien bekannt. 
JJeprcssaria tenehricosa Z. Bisina, 11. /8. (Sic, Balm., P>ith., Syr.) 

* J)epressaria ptdcherimella Stt. Lukavac, 25./8.; Podvelez, 30./4. 

(Eur. c, Ross. s. occ.) 
Depressaria pentherl Rbl. ^ Bisina, 8./7. (Rebel, Studien über die 
Lcpidopterenfauna der Balkanländer, Bd. 11^ S. 3G0, Taf. V, 
Fig. 2(1) 

*J)epressaria nervosa Hw. Ein auffallend dunkles, rotbraunes Exem- 
plar. Bisina, 7./fj. 
Ofxopliora olivicUa F. Bisina, G./7. 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



(27) 



Elacliistidae. 

Scythris seliniella Z. Bisina, 7./6- 

"^Epermenia insecurella Stt. Blagaj, 7./5. (Germ, m., Carn., Gal. m., 
Ped., Sop.) 

* Stagmatophora tririvella Stdgr. Bisina, 21. jö. (Liv., Srp.) 

* Coleophora conspicuella Z. Bisina, 20./7. (Eur. c, Gal. m., Liv., Norv.) 

* Coleophora trifisella Rbl. (nov. spec). Bisina, 20. /7. 
Coleopliora ciconiella H.-S. Blagaj, 7./5. 

Grracilariidae. 

* Gracilaria alchimiella Sc. Blagaj, 7./5. (Eur., Bith.) 

Tineidae. 

Euplocamus anthracinalis Sc. Bisina, 5./6. 
Scardia holeti F. Bisina, 17./6. 

Monopis ferruginella Hb. Podvelez, 30./4.; Ulog, 13./6.; Bisina, 

25./5., 28./6. 
Monopis rusticella Hb. Bisina, 1./6. 
Tmea fulvimitrella Sodof. Ulog, 13. /6. 

* Tinea anherella Mn. Bisina, 23./7., 11. /8. (Hung., Sil., Rum.) 
Tmea parasitella Hb. Bisina, 7./6., 26. /6. 

Tiwea fuscipundella Hw. Ulog, 13./6.; Bisina, 25./5. 
Tm^a pellionella L. Bisina, 26./6. 

Incurvaria muscalella F. Bisina, 13./5. (Eur. c. et m., Asia min.) 
Nemotois metallicus P. Bisina, Juni. 
Nemotois dahnatinellus Mn. Podvelez, 13./7. 
*Ädela reheliella Scliaw. (nov. spec), 2 cf. Bisina, 28./6. 
degeerella L. Zulje, 8./7. 

Derselbe gibt gleichzeitig nachstehende Richtigstellung bekannt: 
In meinem Nachtrag zur Fauna von Bosnien und der Herzego- 
wina [in diesen „Verhandlungen", Bd. LVHI, Jahrg. 1908, S. (256)] 
soll es nicht heißen Dasystoma saliceUa, sondern OletJireutes sali- 
cella L. Diese Art war schon aus Serajewo und von der Vucija 
bara (Rebel) bekannt. 

Der Vorsitzende spricht Herrn Dr. Schawerda den Dank im 
Namen des Hofmuseums für die freundliche Widmung von Typen 
und wertvollen Belegstücken aus dem angeführten Materiale aus. 



(28) 



Versnnimlnno: der Sektion für Lepidopterologie. 



III. Herr Dr. Rebcl und Herr Dr. Scliawcrda legen die 
Besclireibiing von sechs neuen Mikrolepidopteren aus Bos- 
nien und der Herzegowina vor: 

Oelecliiidae. 

1. Ptocheuusa majorella Rbl. nov. spec. (cT). 

Ein einzelnes frisclics o am Prenj (Herzegowina) im Juli 1909 
von Herrn Rektor P. Nagel erbeutet und dem Hofmuseum gewidmet, 
gebort einer neuen Art an, die sieb nur mit suhocellea Stpb. 
vergleichen läßt, aber von dieser sofort durch beträchtlichere Größe, 
viel längere und kräftigere Palpen und die nicht am Innenrand 
selbst aufliegende, bis über die Flügelmitte reichende braune Längs- 
strieme der Vorderfliigel zu unterscheiden ist. 

Kopf, Thorax und Palpen sind schneeweiß, letztere von reich- 
lich dreifacher Kopfeslänge, die Fühler grau getrübt. Brust und 
Bauchseite des Hinterleibes glänzend weiß, die Beine trüb gelbgrau 
mit dunkel gefleckten Tarsen. Der sehr schlanke Hinterleib am 
Bücken weißgrau mit langem, gestutztem gelbgrauen Afterbusch. 

Die Yorderflügel, viel breiter als bei suhocellea, zeigen die 
rein w^iße Grundfarbe nur schwach durch bräunliche Schuppen 
getrübt. Aus der Fliigelwurzel zieht in der Falte bis zum Schluß 
der Mittelzelle eine bräunliche Längsstrieme, welche den Innenrand 
in ziemlicher Breite rein weiß läßt. Die Apikaizeichnung der Vorder- 
fliigel besteht ähnlich wie bei stihocellea aus zwei bräunlichen Schräg- 
strichelchen am Vorderrand und einem schwarzen Schuppenhäufchen 
und solcher Querlinie dahinter in der Spitze. Die weißlichen Fransen 
nnt dunkler Teiliingslinie. 

Die Hinterfliigel sind beträchtlich breiter als bei suhocellea, 
weißgrau mit schwach bräunlich verdunkelten Fransen. Vorder- 
fliigcllänge T), Expansion 12 5 mm. 

2. Brachmia robustella Rbl. nov. spec. (9). (Fig. 1.) 
Auch von dieser Art liegt nur ein einzelnes, ganz frisches 

Stück (9) mit der Bezeichnung „liisina, 7. Juni" aus der Herzego- 
wina vor, w(!lches von Herrn Dr. Scliawcrda dem Hofniuseum 
freundlichst überlassen wurde. 

Dir Art steht der riifrscm^ H\v. zunächst, mit der sie in den 
ni '/,'ini<rlK ii M( rkiiinlcii bis ;mf bedeutendere (ir()ß(;, breitere Flügel- 



Vcrsanimluiig der Sektion für Lepidopterologie. 



(29) 



form und flachgedrückten Hinterleib, aus welchem die Legeröhre 
lang hervorsteht, übereinstimmt. Die Beschuppung ist jedoch hier 
eine viel gröbere, die Färbung der Vordcrflügel tiefer ockergelb, 
jene der Hinterflügel viel dunkler 
grau mit gelblichen Fransen. 
Die Palpenformation ist bei bei- 
den Arten die gleiche. Vorder- 
flügellänge 9, Expansion 18-5nim. 

3. Pseudaternelia aene- 
ella Rbl. nov. gen. et nov. spec. 
(cf ). (Fig. 3.) 

Diese, wie es scheint im F\g. 1. Brachmia rohustella Rbl. ($). 
Süden unserer Monarchie ver- 
breitete, bisher unbeschriebene, kleine, einfärbig erzbraune Art macht 
die Aufstellung einer neuen Gattung erforderlich^ die ihren Platz bei 
den Blastobasinen (Subfamilie der Gelechiiden), am besten nach der 
Gattung Hijpaüma Hb., findet, von der sie sich aber sofort durch 
kürzere, nicht aufgebogene Palpen unterscheidet. Der Gattungs- 
name wurde wegen ihrer im geflogenen Zustand noch größeren 
habituellen Ähnlichkeit^) mit Atemelia torquatella Z. (Yponomeutidae) 
gewählt, von der sie sich aber bei eingehenderer Untersuchung 
durch längere Fühler, spitzere Hinterflügel und vor allem durch 
die hier rauh behaarten Hinterschienen unterscheiden läßt. 

Diagnose der Gattung. Das Wurzelglied der Fühler ist 
seitlich etwas zusammengedrückt und auf der Unterseite mit einigen 
langen, locker stehenden Haaren besetzt. Die Geißel ist von zirka 
^/e Länge des Vorderrandes der Vorderflügel, ziemlich dick, das 
vierte Glied nicht verengt, unterseits sehr stark gezähnelt und 
gleichmäßig bewimpert. Die anliegende Kopfbehaarung steht im 
Nacken etwas ab. Die Augen sind groß (schwarz). Nebenaugen 
fehlen. Die Palpen kurz, stark geneigt, von zirka 1 ^2 Augen- 
durchmesserlänge, das spitze Endglied fast von der Länge des 
etwas dickeren Mittelgliedes. Die Vordertarsen sind länger als die 



^) Diese Ähnlichkeit hat zur Anführung der vorliegenden Art als 
Atemelia torquatella in der Fauna Bosniens und der Herzegowina geführt. 
(Ann. d. Naturliist. Hofmus. in Wien, Bd. XIX, S. 346, Nj-. 1290.) 




(30) 



Versammlung der »Sektion für Lepidopterologie. 



Vorderschienen, die Hinterscbienen mit zwei Paar kräftigen Sporen 
sind au ihrer Ober- und Außenseite ziemlich lang* behaart. Die 
Hintertarsen sind nur wenig kürzer als die Hinterschiene. Der 
kegelförmige Hinterleib mit schwach geteiltem Afterbusch ist deutlich 
flachgedrückt. 

Die Vorderflügel mäßig gestreckt mit stumpf gerundeter Spitze 
und voller Adernzahl zeigen eine geteilte Mittelzelle, Ader B4 und 




Fig. 2. Flügelgeäder von Pseudatemelia aeneella Ebl. {^). 



Br, lang gestielt, Ader Mg bis (7^ in gleichen Abständen vonein- 
ander entspringend. Ader Äs ist an der Basis kurz gegabelt. Die 
Hinterflügel schmäler und spitzer als die Vorderflügel mit sehr 

langer Haftborste zeigen eben- 
falls die volle Adernzahl. Ader B 
und 3fi konvergieren schwach 
gegen ihren Ursprung, Ader M3 
und Ci sind kurz gestielt, Ader 
sehr kurz. Die Mittelzelle 
ohne deutliche Teilung. 

Diagnose der Art. Kopf, 
Yig.3. Pseudatemelia aeneella Rh]. {(J^). Thorax und die zeichnungslosen 

Vordcrflügel zeigen ein etwas 
glänzendes Erzbraun. Auch Fühler und Palpen sind dunkel erz- 
])raun; ebenso die heller glänzenden Beine. Der Hinterleib und 
die Ilinterflligel sind mehr schwärzlich braun gefärbt. Die Fransen 
wie die I 'ntcrseite aller Flügel schwärzlich, die Fransen der Ilinter- 
flUgel am Innenwinkel von 1^4 Filigelbreite. Vorderniigellänge 
5— 5'5, Expansion 10— ll omm. 

Ich fing das erste frische Stück dieser Art am Monte Maggiore 
am 23. Juli Dr. Penther erbeutete am Prenj in der llcrzego- 





Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(31) 



wina (in ca. 1050 m Höhe) am 14. Juli 1901 ein großes (j , ebenda 
Herr Neustetter ein solches im Jahre 1906. Herr Rektor Nagel 
fand die Art am 6. Juli 1908 auch am Trebeviö (Bosnien). Herr Fr. 
Preissecker fing sie in Krain am Nanos am 11. Juli 1907 und in 
Gradische bei Wippach am 21. Juni 1909. Typen befinden sich im 
Naturhistorischen Hofmuseum und in der Sammlung Preissecker. 

Elachistidae. 

4. Coleophora nageli Rbl. nov. spec. (cf). (Fig. 4.) 

In Heinemanns Gruppe „F." gehörig. — Fühler 78 ^^i' 
Vorderrandslänge, mit langem, verdicktem, unten kurz beborstetem, 
olivenbraunem Basalglied, die Geißel weiß^ oberseits deutlich schwarz 
geringt. Die weit vorstehenden, schlanken Palpen von doppelter 
Augendurchmesserlänge, ganz anliegend 
beschuppt, oben olivenbräunlich, unten 
rein weiß. Kopf und Thorax oliven- 
bräunlich, undeutlich weiß gerandet. Die 
schlanken Beine olivenbräunlich, Mittel- 
und Hinterschienen außen mit breitem, 
rein weißem Längsstreif. Der schlanke 
Hinterleib mit gestutztem Afterbusch oli- Fig. 4. Coleophora nageli 
venbräunlich. Rbl. (cT). 

Die Yorderflügel gestreckt, gleich 
breit, hell olivenbraun, etwas glänzend, mit silberweißem Vorder- 
randstreif, der gegen die Basis schmäler wird und gegen die 
Vorderrandfransen verlischt. In der Falte liegt ein gleich breiter 
silberweißer Längsstreif, der aus der Basis bis an den Saum zieht. 
Auch der Innenrand ist in einer feinen Linie gegen die Basis weiß. 
Die Fransen und die lanzettlichen Hinterflligel bräunlich grau, letz- 
tere mit etwas helleren, sehr breiten Fransen. Unterseite der 
Vorderflügel dunkel braungrau, jene der Hinterflügel lichter grau. 
Vorderflügellänge 7-8, Expansion 15 6 mm. 

Von dieser durch die breiten silberweißen Längsstreifen der 
Vorderflügel und das nackte Basalglied der Fühler sehr ausgezeich- 
neten Art erbeutete Herr Rektor Paul Nagel am 9. Juli 1908 ein 
frisches c am Trebevic (Bosnien), welches er in sehr freundlicher 
Weise dem Hofmuseum widmete. 




(32) 



Versammlung der Sektion für Lcpidoptcrologic. 



5. Coleophora trißsella Rbl. nov. spec. (cf). (Fig-. 5.) 
In Heinemanns Gruppe „L." gehörig. — Die Fühler der 
Vorderrandlänge, mit schwach verdicktem, unten kurz beborstetem 
Basalglied, weiß, oberseits zuweilen mit deutlich schwarz gefleckten 
Gliederenden. Die Palpen gerade vorstehend, von ^/^ Augendurch- 
messerlänge, sehr schlank, mit anliegender Behaarung des Mittel- 
gliedes, welche das kurze, spitze Endglied vollständig frei läßt, weiß, 
oberseits gegen die Basis zuweilen schwärzlich. Kopf und Thorax 
weiß, der Scheitel und die Schulterdecken zuweilen bräunlich ge- 
trübt. Die Beine bräunlich, auf der Außenseite mit breiten w^eißcn 

Längslinien, die Tarsen bleiben 
in der Regel dunkler bräunlich. 
Der Hinterleib bräunlich, weißlich 
beschuppt, mit solchem gestutzten 
Afterbusch. 

Die Vorderflügel ziemlich 
schmal, gegen das Ende lang zu- 
gespitzt, dicht rein weiß be- 
Vig.o. CükopJiora trifisella Rh], {q^). schuppt, mit dunkel (oliven-) 

braunen Randlinien längs der 
Vorderrand- und Saumfransen; braun bestäubter Radialast, der sich 
gegen die Spitze sehr fein gabelt und gegen den Vorderrand drei 
etwas breiter braun bestäubte Äste abgibt. Eine braune Längslinie 
in der Mittelzelle ist sehr fein, eine solche in der Falte fast so 
breit wie die Radiallängslinie. Vorderrandfransen weiß, schwach 
bräunlich gemischt, die Saumfransen gelbgrau, nur längs der Basis 
mit weißen Schuppen. Die sehr schmalen spitzen Hinterflügel grau 
mit breiten gelbgrauen Fransen. Unterseite aller Flügel dunkelgrau. 
\'ordcrfliigellänge 5 — 7, Expansion 13 — 14 mm. 

Die Art erinnert durch die vorherrschend weiße Färbung der 
Vordcrflügel, auf denen die dunkle Zeichnung nur in Form sehr 
schmaler Längslinien auftritt, am meisten an die größere serra- 
tuhdla H.-S., die aber zufolge des langen Fühlcrbusches einer 
ganz anderen Artgruppe angehört. In der Artgruppe „L." kann 
nur conyzac Z. zum Vergleiche herangezogen werden, die aber 
hellbraune, weiß ^^('zcic^hnctc; Vorderflügel und ungleich längere, 
(Ijfht beschuppte Talpen besitzt. 




Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(33) 



Die ersten Stücke dieser interessanten Art wurden von Herrn 
Fritz Preissecker im Jahre 1905 in Wippach (Krain) an Licht 
erbeutet. Ein frisches, größeres Stück (d^) liegt aus der Herzego- 
wina (Bisina, 20. Juli) vor. 

Die Typen befinden sich im Naturhistorischen Hofmuseum 
und in der Sammlung des Herrn Preissecker. 

Adelidae. 

6. Adela rebeliella Schaw. nov. spec. (d^). (Fig. 6.) 
Zwei frische männliche Stücke von „Bisina, 28. Juni" (Herze- 
gowina) gehören einer neuen, 

sehr interessanten Art an, ^ ' • ' 

welche ihre Einreihung am 
besten nach violella Tr. findet. 

Die Fühler von fast drei- 
facher Vorderrandlänge der 
Vorder flü gel sind weiß, nur in 
ihrem ganz schwach durch 
Schuppen verdickten Basal- Fig. 6. Adela rebeliella Schaw. (cf ). 
viertel schwärzlichbraun. Die 

Kopf behaarung lebhaft rostgelb. Das Gesicht goldig - metallisch 
glänzend. Die kurzen hängenden Palpen nur von 1^2 Augendurch- 
messerlänge sind gelb, ihr Endglied (72) sowie die schüttere lange 
Behaarung des Mittelgliedes schwarz. Der Thorax zum Teil mit 
purpurvioletten Schuppen bedeckt, die Brust goldig glänzend, die 
Beine stark violett angelaufen, auch der kurze Hinterleib schwärz- 
lich violett. 

Die gestreckten schmalen Vorderflügel sind metallisch golden, 
mehr oder weniger purpurn getrübt, doch so, daß bei ^/g der Flügel- 
länge eine senkrechte, gleichbreite, nicht scharf begrenzte Quer- 
binde der ungetrübten goldigen Grundfarbe erscheint. Der darauf- 
folgende Saumteil ist gegen den Vorderrand bei dem einen der 
beiden Stücke lebhaft violettblau angelaufen. Die Fransen sind 
braungolden. 

Die Hinterflügel sind von gleicher Breite wie die Vorderflügel, 
violettbraun, gegen die Basis heller, mit zum Teil goldiger Saum- 
linie. Die Fransen violettbraun, gegen ihre Spitze bräunlich. Unter- 

Z. B. Ges. 60 Bd. C 




(34) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



seits sind die Flügel violettfarben^ gegen die Spitze goldig. Vorder- 
fltigelläuge 7, Expansion 14 mm. 

Die verwaschene goldige hintere Binde der Vorderflügel läßt 
bei der sonst dunklen Färbung, namentlich auch der Hintertliigel, 
keine Verwechslung mit einer anderen Art zu. 

IV. Herr Fritz Hauser erstattet nachstehenden Bericht über 
die von Dr. Rudolf Pöch an der Nordostktiste von Neu-Guinea 
in den Jahren 1904 und 1905 erbeuteten Lepidopteren. 

Herr Dr. Rudolf Pöch, welcher vor mehreren Jahren behufs 
anthropologisch- ethnographisch er Studien Deutsch- und Britisch-Neu- 
Guinea bereiste, sammelte bei dieser Gelegenheit nebst vielem an- 
deren auch Schmetterlinge. Diese Ausbeute ist aber nicht das 
Resultat systematischen und planmäßigen Vorgehens, dazu gebrach 
es Dr. Pöch an Zeit, sondern, was sich gerade bot, wurde von ihm 
und einem eingeborenen Diener eingefangen. Sämtliche erbeuteten 
Lepidopteren tütete Dr. Pöch selbst und sandte von jedem Fang- 
gebiete dieselben direkt an den leider so früh verstorbenen Ento- 
mologen Herrn Reg.-Rat Dr. Viktor Patzelt in Brüx, welcher diese 
Sendungen präparierte und in mustergiltiger Weise spannte. Als 
Dr. Pöch mich im Laufe dieses Winters aufforderte^ diese Schmetter- 
linge zu sichten und zu bestimmen, übernahm ich, nachdem Herr 
Prof. Dr. Hans Rebel mir in liebenswürdigster Weise seine Unter- 
stützung dabei zugesichert hatte, mit größtem Vergnügen diese 
Arbeit, deren Schwierigkeit ich aber weit unterschätzte. Wenn ich 
trotzdem die Bestimmungen zu einem gedeihlichen Ende führen 
konnte, so verdanke ich dies ganz allein Herrn Prof. Rebel, welchem 
ich an dieser Stelle für seine zeitraubende und oft recht mühevolle 
Arbeit meinen wärmsten und innigsten Dank aussprechen möchte. 

Die Fanggebiete waren in Deutsch-Neu-Guinea die Umgebung 
von Monumbo, Astrolabebucht und Finschhafen, und zwar während 
der Zeit vom Oktober 1904 bis Jänner 1905; in Britisch-Neu-Guinea 
Cape Nelson im November und Dezember 1905. Gerade aus diesen 
(icgcnden liegen zahlreiche Ausbeuteberichte und Monographien 
bereits vor, wcIcIk; bei der Bestimmung herangezogen werdrn 
konnten. Die wiclitigstcn derselben möchte ich hier anführen, 
e» sind: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(35) 



Butler, On a Collection of Lepicloptera from Port Moresby, New- 
Guinea. — Ann. and Mg. (4), Vol. XYIIL p. 240 ff. 

Derselbe, Descriptions of new Speeles of Lepidoptera ebiefly from 
Duke-of-York Island and New-Britain. — Ann. and Mg. (5), 
Vol. X, p. 36 ff 

Gr ose- Smith, An Account of a Collection of Diurnal-Lepidoptera 
etc. — NoY. ZooL, Vol. I, p. 331 ff. 

Hagen, Verzeichnis der in den Jahren 1893—1895 von mir in 
Kaiser Wilhelmsland und Neu -Pommern gesammelten Tag- 
schmetterlinge. — Jahr. Nass. Verein f. Naturkunde, 50. Jahrg. 
(1897), S. 22 ff. 

Pagenstecher, Beiträge zur Lepidopterenfauna des malaiischen 
Archipels. — Jahr. Nass. Verein f. Naturkunde, 47. Jahrg. 
(1894), S. 59 ff 

Derselbe, Die Lepidopterenfauna des Bismarck -Archipels. Zoo- 
logica (Rhopaloceren), 1899, Heft 27; (Nachtfalter), 1900, 
Heft 29. 

Bebel, Über eine Rhopalocerenausbeute aus Deutsch -Neu-Guinea. 

— Termes. Filzet., Vol. XXI, 1898, p. 368 ff, Taf. XVI— XIX. 
Ribbe, Beiträge zur Lepidopterenfauna des Bismarck- und Salomon- 

Archipels in der Südsee. — „Iris," Bd. XI, S. 35 ff., und eine 

Fortsetzung, „Iris," Bd. XII, S. 219 ff. 

Entsprechend der Art und Weise des Fangens ist die Indivi- 
duenzahl keine sehr große (497) und die Rhopaloceren nehmen 
mit '7io d^i' Gesamtausbeute die erste Stelle ein. Es ist daher aus- 
geschlossen, aus diesem Sammelergebnis einen Schluß auf die Zu- 
sammensetzung der Lepidopterenfauna dieser Gebiete zu ziehen, es 
bietet uns aber immerhin ein charakteristisches Bild der häufigsten, 
respektive auffälligsten Arten. Ich erwartete auch nicht Neues, 
Unbekanntes vorzufinden und war daher sehr angenehm überrascht, 
als sich bei der genauen Untersuchung einige interessante • und 
noch nicht klargestellte Formen vorfanden. 

Bevor ich zu dem speziellen Teil übergehe, möchte ich einen 
Überblick über die vertretenen Familien geben. Die meisten In- 
dividuen zählen zu den Danaiden (174) und von diesen wieder zu 
den Euploeen (128). Es folgen die Papilioniden mit 109^ die 
NymphaUden mit 79, Pieriden mit 30, Satyriden 22, Morphiden 

c* 



(36) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



17, Palaeotropiden 12 und Lycaeniden mit 7 Individuen. Von den 
Heteroeeren stehen die Uraniiden mit 11 Vertretern an der Spitze, 
au dieselben reihen sich die Sphingiden mit 9, Geometriden mit 7, 
Noctuiden und Nyctemeriden je 6, Arctiiden 4, Lymantriiden und 
Saturuiiden je 1. Von Mikrolepidopteren sind nur 2 Pyrahden zu 
erwähnen. Während die größte Zahl der Papilioniden und Danaiden 
(Euploeen) in Monumbo, der Uraniiden und Pieriden in Finschhafen, 
der Sphingiden, Satyriden und Morphiden in Cape Nelson gefangen 
wurde, verteilen sich die Individuen der übrigen Familien auf alle 
drei eben angeführten Gebiete in annähernd gleicher Anzahl. In 
der Astrolabebucht wurden nur einige wenige Arten gesammelt, 
auf welche ich im speziellen Teil zurückkommen werde. 
Die erbeuteten Arten sind: 

Papilionidae. 

Ornithox)tera poseidon Dbld. 6 6", 10 9. Darunter ein kleines 
gelbgriines cf", bei welchem die untere Mittelrippe der Vorderflügel- 
oberseite auffallend hellgrün bestäubt ist, wodurch dasselbe der bei 
Ripi)on, Taf. IX, Fig. 1 abgebildeten armana sehr ähnUch er- 
scheint. — 0. urvilliana Gu^r. 6 cT, 5 9. Die sind sehr dunkel, 
wurden auf dem Wege von Monumbo nach Iku gefangen, flogen nur 
im Schatten. Diese Form kommt zumeist von den Salomonen in den 
Handel. — 0. paradisea Stgr. Ein besonders schönes Pärchen aus 
der Astrolabebucht. Spannweite des 144 mm, des 9 188 mm. — 
0. ohlongomactdatus papuensis Wall. 20 , 8 9. Darunter ein 9 der 
2i\). papuanus Obth. und ein cf mit einer weißen, 10 mm breiten 
Saumbinde auf der Vorderfltigelunterseite, welche im Apikaiteil sich 
bis zu 16 mm verbreitert und in ihrer ganzen Ausdehnung von den 
Adern braun durchschnitten wird. Auch in Zelle 2 der llinterfliigel- 
unterseitc ist die Aufhellung besonders deutlich. — Papilio poly- 
donts godartianus Luc. 8 cT, 59. Darunter ein 9 ab. plagiatus 
Rothscli. — F. fuscus hecarii Ohth. 2 d". — J\ phestus Gu6r. 1 cf, 
2 9. — P. amhrax B. 1 cf. — 1\ aegeus ormenm Gu6r. 15 cT, 12 9. 
Darunter 1 cT ab. othello Grose-Sniith und 4 9 der ab. amcmda 13. 
— P.euchemr Gu6r. 29. Eines derselben mit Ausnahme der gelb- 
lichen Apikalpunktc der Vorderfliigelobcrscite ganz weiß. - 1\ 
ulyHscs joisd Hutl. 1 cT, 1 9. — r. tdgssos anthigtms Jiothsch. 1 cf. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(37) 



Pieridae. 

Huplnna euryxanfhe Honr. 1 d'. — H. latilimhaia Butl. 2 cf, 
1 9. — Bellas ormjtion Godm. et Sal. 1 . — B. Icira B. 1 cf . — 
Catopsilia crocale Cr. 1 cf . — Terias liecahe Jcermvara Ribbe. 20 cf, 

1 9. Darunter sowohl Formen der Regen- wie Trockenzeit. Die- 
selben wurden nebeneinander in Finschbafen erbeutet. Dieses gleich- 
zeitige Auftreten beider Formen findet darin seine Erklärung, daß 
einige Landstriche in der Nähe Finschhafens infolge ihrer geo- 
graphischen Lage verkehrte Jahreszeiten haben, d. h. es regnet 
während der allgemeinen Trockenzeit in diesen Gebieten und in 
der Regenzeit finden dort keine Niederschläge statt. — T. soraide 
Feld. Id. — T.pnella B. I9. 

Nymplialidae. 

Cyntliia arsinoe reheli Frühst. 2 cT, 1 9. — Cetliosia cydippe 
damasippe Feld. Id. — Cupha Turneri miolxensis Ribbe. Id. — 
Jiinonia orithyia giiineae Hag*. 3 cT. — J. viUida astrolabiensis 
Hag. In Anzahl. — J. antigone Jona Grose-Smith. 1 d, 1 9. — 
PJiinopalpa algina B. Id. — Cyrestis achates Butl. b d. — C. 
acilia God. 2 cf , 1 9. — Partlienos aspila Honr. 1 9. — Protho'e 
hewitsoniiWsiW. 1 9. — Neptis slieplierdi Moore. 1 cf, ziemlich groß, 
Spannweite 63*5 mm. — Symplioedra aeropus L. 1 9, dasselbe ist 
ganz weiß gezeichnet, selbst die Binden der Hinterflügel. — Hypo- 
limnas deois panopion Grose-Smith. 1 cT, 29. — H. pitlidJca Kirscb. 

2 cf, 1 9. — jy. alimena L. 5 cT, 2 9. — H. lolina L. 6 d", 3 9. 
— H. misippiis L. 1 d und 1 9 aus der Astrolabebucht. 

Palaeotropidae. 

Hamad/ryas soilus F. \2 d. 

Danaidae. 

Banais plexippus L. 2 d. — B. australis Hombr. et Jacq. 
18 cT. — B. (Salatura) hiseriata Butl. 17 d, 9 Q. Die vorliegenden 
Stücke dieser Art variieren sehr stark in der Farbenuuance ibrer 
braunen Grundfarbe und in der Größe der weißen Flecke. Ich 
beabsichtige in einer späteren Arbeit diese Art eingehend zu be- 
handeln. — Eiiploea (Patosa) hatesii Feld. S d, 1 9. — E- (Pa- 



(38) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



tosa) resarta Butl. 2 cT, 3 9. — E. (Gamatoba) latreilU Kirsch. 
3 cf, 3 9. — E. (Basuma) dolosa Butl. 13 cf, 2 9. Auffallend sind 
einige cT, welche auf der Oberseite völlig- fleckenlos sind. — E. 
(Basuma) pleiadis Mur. 4 cT, 1 9. — E. (Mestapra) eurianassa 
Hew. 5 . — E. (Calliploea) lucinda Grose-Smith. 6 cf , 1 9. — 
E. (Galliploea) dudgeonis Grose-Smith. 6 cT, 69. — E. (Saphara) 
treitsMe B. 31 cf', 11 9. Die Stücke variieren untereinander sehr 
stark. — E. (Hirdapa) tisipetes Hew. 1 cT, 2 9. — E. (Salpinx) 
diirsteini Stgr. 1 cT. — E. (Salpinx) callitJioe B. 1 und I9 aus 
der Astrolabebucht. — E. (Salpinx) traducta Grose-Smith. 5 cf, 
6(^. — E. (Salpinx) lierhsti B.? 2 cf, 1 9. — E. (Bademma) ula- 
guna Ribbe? 2 6", 39. 

Satyridae. 

Mycalesis medus F. 1 cT. — 31. matho Grose-Smith. 6 cT, 1 9. 
— M. Sirius F. 2 c^, 1 9. — M. elia Grose-Smith. 3 d", 2 9. — 
M. duponcheli Gu6r. Id. — Hypocysta osiris B. 1 . — Mela- 
nitis leda L. 1 cf, 2 9. — Elymnias glauconia Stgr. 1 cf. 

Morphidae. 

Tenaris westwoodi Stgr. 9 cf, 29. — T. staudingeri Honr. 
2 cT. — T. Uranus atesta Rbl. 29. — T. hioculata cJiaronides Stgr. 
1 cf, 1 9. Die letzte Art stammt aus der Astrolabebucht. 

Lycaenidae. 

Arrliopala micale Blanchard. 1 cf . — Lampides lucianus Röber. 
1 9. — Hypolycaena phorhas F. 1 cf, 1 9. — Thysonotis paralectus 
Grose-Smith. 1 cf , 1 9. — Hijpochrysops rex B. 1 

Sphingidae. 

Herse convolvuli distans l^utl. 1 cf . — Chromis erotus eras 
Rothsch. 1 cf und 1 9 aus der Astrolabebucht. — Beilephila hypothous 
pallcscens Rothsch. 1 cf. — Ilippotion celerio L. 1 cf . — II. hoer- 
hovlae F. 1 cf. — II. hrennus hrennus Cr. 1 cT. — Theretra pina- 
strma intersecta Butl. 1 9. — T. nessus Drury. 1 cT. 

Saturiiiidae. 

Coscinocera hercules Miskin. 1 cj". 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(39) 



Lymantriidae. 

Euprocüs fidva Butl.? 1 §. 

Arctiidae. 

Diacrisia furhida Butl. 1 d. — D. niceta Stoll? 2 d". — Ain- 
sacta marginata Don. 1 cf . 

Nyctemeridae. 

Nyctemera pellex L. 1 , 1 $. — N. haidus B. 1 9. — N. 
latemarginata Pagenst. 2 , 1 $. 

Noctuidae. 

Grammodes mygdon Cr. 1 cf . — Opliideres materna L. 1 cT. 

— 0. fidlonica L. 1 cT, aufFallencl klein, Spannweite 70 mm, während 
normale Stücke 80 — 94 mm messen. — Nycüpao nyctocidcdis Snellen. 
1 $. — Phyllodes meyricJd Olliff. 1 9. 

Urauiidae. 

Nyctalemon patroclus goldiei Druce. 3 cf , 29. — Älcidis 
mefaurus Hopff. 2 cf , 1 9. — Uraiyteroides astheniata Guene. 1 9. 

— ü. clarisshna Butl. 1 9. — Äcropteris siriataria Cl. 1 9. 

Greometridae. 

Eumelea roscdia Cr. 1 cf . — Celerena cliry sauge Feld. 1 cf. 

— C. lerna B.? 1 cf , 1 9. 

Pyralidae. 

Glypliodes hicolor Swains. 1 cT. 

Aui3er den eben angeführten sind noch einige Individuen vor- 
handen, welche infolge starker Beschädigung nicht mit Sicherheit 
genau bestimmt werden konnten. Stark abweichende Arteu, welche 
aber doch wohl als die bezeichneten angesprochen werden müssen, 
habe ich mit ? versehen. 

Zum Schlüsse muß ich noch erwähnen, daß Herr Dr. Büch 
seine ganze Ausbeute dem k. k. Naturhistorischen Hofmuseum 
zur freien Auswahl zur Verfügung stellte. 83 Stück gingen auf 
diese Weise in den Besitz des obgenanuten Museums über, darunter 
mehrere für die Sammlung desselben neue Arten, so z. B. nur 



(40) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



9 von den Euploeen. Aus dem übrigen Materiale ersuchte mich 
Dr. Pöch, ihm, zur Erinnerung an die in Neu-Guinea verlebte Zeit, 
eine Schausammluug zusammen zu stellen. Die Doubletten und de- 
fekten Exemplare widmete Dr. Pöch in Hebenswürdiger und freund- 
schaftlicher Weise meinen anatomischen Studien, wofür ich ihm 
auch hier meinen herzlichsten Dank sage. 

Der Vorsitzende spricht dem anwesenden Herrn Dr. Pöch 
den wärmsten Dank für die sehr wertvollen, dem k. k. Natur- 
historischen Hofmuseum überlassenen Arten aus. 

V. Herr Zentrahnspektor J. Prinz macht die Mitteilung, daß 
er bereits am 23. Juli 1903 die erst vier Jahre später beschriebene 
Aristotelia prohasJcaella Rbl. [diese „Verhandlungen", Bd.LVII, 
Jahrg. 1907, S. (213)] in Anzahl bei Uggowitz in Kärnten erbeutet 
habe, welcher Fundort nur wenige Kilometer von Malborghet ent- 
fernt sei. Die Stücke wurden irrtüniHcher Weise für Äristotelia 
ericinella Dup. gehalten. 



Bericht der Sektion für Koleopterologfie. 

Versammlung am 20. Januar 1910. 

(Konversationsabend.) 
Vorsitzender: Herr Reg.-Rat Direktor L. Gangibauer. 

Der Vorsitzende berichtet über neuere koleopterologische 
Literatur. 

Versammlung am 3. Februar 1910. 
(Vortragsabend.) 
Vorsitzender: Herr Reg.-Kat Direktor L. Gangibauer. 

I. Herr Kustos V. Apfelbeck (Serajewo) hält einen Vor- 
tra;,^: ..Beiträge zur Kenntnis der Käferfauna der Halkan- 
liall)inK(;l'', der eini^^e Kolcoptcrengattungcn sowolil in systematischer 
al« auch in ;;(:()gra[)hiscl]cr Hinsicht behandelt. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(41) 



Für die Gattung Tijcliohytliinus Ganglb., zu welcher bisher 
nur zwei Arten bekannt waren, wies er vier weitere neue Arten 
(zwei bosnische, eine albanesische und eine griechische) nach. Die 
Gattung ist namentlich durch sehr merkwürdige Auszeichnungen 
auf der Unterseite des Kopfes beim ö gekennzeichnet. Die be- 
kannten zapfen- und dornförmigeu Höcker beim cf auf der Unter- 
seite des Kopfes kommen auch bei einigen Bythinus -Arten vor. 
Alle Tychobythinen sind Sumpfbewohner. 

Vortragender sprach weiters über die Gattungen Hydraena. 
Cepliennium und Spliaerosoma. 

Unter Hydraena grac ilis aut, post. sind bisher zwei Arten kon- 
fundiert, die sich sowohl äußerlich als auch durch den männlichen 
Genitalapparat scharf trennen lassen und untereinander vorkommen. 

In der Gattung Cex)lienninm Müll, proponiert Apfelbeck 
in Übereinstimmung mit Dr. Holdhaus ^) die Aufstellung eines 
neuen Subgenus für einige konstant rote Arten (fovanguJum Rttr., 
nohile Holdh., Eoldliausi Apf. i. 1. und eine neue von Holdhaus 
in den Euganeen gesammelte Art), die durch ihre Merkmale eine 
intermediäre Stellung zwischen Megaloderus Steph. und Geo- 
dytes Saulcy einnehmen. 

Die Gattung Spliaerosoma Leach zerlegte Apfelbeck in 
drei Subgenera: 

A. Unbehaarte Arten: Lamprosphaerula Apf. (globosum 

und glabrum). 

B. Behaarte Arten: 

I. Vordertarsen beim cf erweitert: J^eospliaerula Apf. 

(Typus: laevicolle Rttr.). 
IL Vordertarsen einfach: Spliaerosoma s. str. (T^^pus: 
pilosum Panz.). 

Die Artunterscheidung wird durch neue Merkmale, die in der 
Gattung bisher nicht angewendet wurden, eine viel schärfere. Auch 
die Form der Fühlerkeule^ welche bei der Mehrzahl der Arten stark 
dreighederig abgesetzt ist, erscheint bei einigen Arten durch die 



^) Vgl. Ann. Mus. Nat. Huug., 1908, p. 579. 



(42) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



starke Verkleinerung des ersten Gliedes der Keule wesentlich ver- 
ändert (antennarium Apf,, narentinum Apf., Formanehi Rttr.). 

Der männliche Genitalapparat bietet in seinen ziemlich mannig- 
faltigen Formen ebenfalls einen sicheren Behelf für die Abgrenzung 
der Arten, was der Vortragende auch graphisch darstellte. 

Die Zahl der Sphaerosoma- Arien der Balkanhalbinsel — bisher 
12 (recte 11) — wurde durch Neubeschreibungen Apfelbecks 
auf 17 gebracht, also um 6 vermehrt. 

II. Herr F. Heikertinger bespricht die Halticinengattung 
Orestia Germ, vom systematischen und geographischen Stand- 
punkte. 

Nach seinen vorläufigen Untersuchungen bieten die Arten 
der Gattung das folgende Katalogbild: 

Orestia Germ. 

(Die Scheidung in zwei Subgenera erweist sich bei reichem Materiale als nicht 
scharf durchführbar, weshalb Sprecher dieselbe nicht in Anwendung bringt.) 

niaura Lucas ^) westliches Nordafrika 

Pommereatii Perris westliches Nordafrika 

subsp. sierrana Heyd . . . Süd- und Ostspanien, Ostfuß der 

französischen Pyrenäen 
(v.) suhparallela Pic (= sierrana var. parallela Reitt.). 

Neukastilien 

semijanthina Reitt Kalabrien 

Kraaisi All Dalmatien 

parallela All Syrien 



Eine umfassende Arbeit über die Gattung erscheint demnächst an 
anderer Stelle. 

2) Beschrieben als „Cryptopharjus?''. Den Hinweis auf diese Beschreibung 
verdankt Vortragender einer freundlichen Mitteilung des Herrn L. Bedel 
(Paris). Die M<',ntität (li(;seH fraglichen CryploplicMfus mit der 8i)äter von 
Porri» bcHcliriel)enen Or. Pommcrcaid steht außer Zweifel. 



(v.) Belagrangel Pic 

alpina Germ 

(forma Ilampei Mill. 
(forma hosnica Apf. . . 



. . . . Akbes 
östlicher Alpenrand 
. . . Kroatien) 
. . . . Bosnien) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(43) 



var. curtida Apf. Bosnien, Herzegowina 

var. Imngarica Heikert.^) .... südliches Banater Gebirge 

carniolica Weise ^) Krain 

hulgarica Heikert.^) Riia, Vitosa, Sliven 

olympica Friv Bithynischer Olymp 

MerUi Weise Türkei 

Bruleriei All Syrien 

Paveli Friv. . . . südliches Banater Gebirge, Serbien, Albanien 

hrevis Pic*) Libanon 

punctipennis Luc westliche Mittelmeerländer 

andalusica All Andalusien 

carpathica Reitt Karpathen, Mätra, Bihdr-Gebirge 

caucasica Reitt Kaukasus 

Äuhei All westliche transsilvanische Alpen, Banat, 

Bosnien, Montenegro 

subsp. arcuata Mill Karpathenzug 

Leprieuri All Algier 

calahra Heikert. . Kalabrien 

subsp. corcyrea J. Dan. i. 1 Korfu 

Fandellei All Pyrenäen 

(forma Eledra Gredl Südtirol, Euganeen) 

var. apennina Weise ..... Nord- und Mittelapeunin 

^) Or, alpina var. uov. Imngarica Heikert. Klein, schlank, habi- 
tuell etwas an die im gleichen Gebiete seßhafte Or. Paveli Friv. erinnernd; 
Deckenpunktreihen viel deutlicher als bei den übrigen alpina -Formen, die 
sechs inneren Reihen in den vorderen zwei Dritteln der Decken sehr deutlich. 
Von Or. olympica äußerlich durch etwas andere Halsschildrundung, etwas 
andere Form und Punktierung des Halsschildquereindruckes etc. nur schwer 
zu unterscheiden, durch die Penisform aber sicher von dieser verschieden und 
offenkundig zum Formenkreise der alpina gehörig, deren östlicher Ausläufer 
sie ist. Herkulesbad, Orsova. 

2) Vielleicht zum Formenkreise der alpina gehörig. 

^) Or, hulgarica nov. spec. Heikert. Äußerst nahe mit Or. alpina 
Germ. (f. HampeiWiW^) verwandt und äußerlich kaum von ihr zu trennen; die 
Punktstreifen der Decken viel deutlicher als bei alpina. Penis mit dem von 
alpina wohl verwandt, aber in ein kurzes, geradliniges Spitzendreieck aus- 
laufend und von der Seite gesehen im letzten Drittel stark geknickt gebogen. 
Bulgarien, Rumelien. 

^) Bull. Soc. Ent. Fr., 1909, p. 226. Systematische Stellung fraglich. 



(44) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Hierzu ist erläuternd zu bemerken: 

Or. sierrtma Heyd. ist die spanische Form der afrikanischen 
Or. maura Lucas; als eine wenig differenzierte Unterform ist zu 
sierrana zu stellen parallela Keitt. (Wien. Ent. Ztg\^ 1909, S. 103), 
die von Pic (Echange Rev. Linn., Vol. XXV, 1909, p. 155) wegen 
Or. parallela All. (1876) in stibparallela umbenannt wurde. 

Or. semijantJima Reitt. (Rivist. Col. Ital., Vol. VII, 1909, p. 88), 
beschrieben nach einem Stücke aus Kalabrien, ist möglicherweise 
mit Or. Kraatd All. zu identifizieren. Der Vereinigung beider steht 
indessen die Angabe Allards „sillon transversal arque" entgegen; 
Or. semijanßiina besitzt einen geraden Halsschildquereindruck. 

Or. x)arallela All. ist mit den vorgenannten Arten sehr nahe 
verwandt. 

Or. alpina Germ, umfaßt eine Anzahl von Formen, die bisher 
als Arten angesprochen wurden. Die am schönsten entwickelte 
Form ist hosnica Apf. aus den höheren Gebirgen Bosniens ; ihr 
nahe kommt die Form Hampei Mill., die Kroatien und Krain be- 
setzt, während sich im übrigen östlichen Alpenrande bis nordwärts 
nach Niederösterreich in der Mehrzahl eine weniger charakteristisch 
entwickelte Form (alpina sensu Weise) findet. Die bosnisch-herzego- 
winische var. curtida Apf. scheint eine Ktimmerform tieferer Gebirgs- 
lagen zu sein, wogegen die var. Jmngarica Heikert. den östlichsten 
Vorposten der Art — schon im Gebiete anderer Orestien — dar- 
stellt. Alle diese Formen erweisen sich auf Grund der einheitlichen, 
sehr charakteristischen Penisform als sicher artidentisch. 

Or. carniolica Weise ist mit alpina zweifellos sehr nahe ver- 
wandt. Wie weit diese Verwandtschaft geht, ist ohne Vorliegen 
von Belegstücken nicht zu entscheiden. 

Or. hulgarica Heikert. ist ein bereits so weit differenziertes 
Glied der aZ;?ma -Verwandtschaft (Penisform!), daß der Sprecher 
Artrechte für sie in Anspruch nimmt. 

Or. 3Jcr/di Weise ist nach Stücken der Coli. Heyden („Weise 
vid.") zu Or. olymjnca Friv. (von der Herrn Weise kein Stück 
vorlag) zu ziehen. 

Or. lirulcr'ici All. aus Syrien ist mit Paveli Friv. ans Süd- 
uugarn, Serbien und Albanien äulJerst nahe verwandt (Penisform). 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie, 



(45) 



Or. punctipennis All. nimmt eine ziemlich isolierte Stellung 
ein; mit ihr ist jedenfalls die Or. andalusica All. zu identifizieren. 

Or. carpathica Reitt. ist eine äußerhch von Or. Atibei All. nur 
schwer zu trennende, nach der Penisform — die einigermaßen an 
den a?pma-Typus erinnert — aber vorzüglich charakterisierte Art. 
Nahe verwandt mit Aubei ist caucasica Reitt. aus dem Kaukasus; 
zu Anbei als Rasse von geringerer Körpergröße ist nach der über- 
einstimmenden Penisform zu stellen Or. arcuata Mill. 

Or. Leprieuri All., eine breite, algerische Art, steht habituell 
den Arten calahra Heikert. und Fandellei All. am nächsten. Hin- 
sichtlich der Penisform ist sie näher zu Fandellei zu stellen. 

Or. calahra Heikert. [in diesen „Verhandlungen", Bd. LIX, 
Jahrg. 1909^ S. (361)] aus Kalabrien besitzt nur noch kaum sicht- 
bare Spuren eines Halsschildquereindruckes; von ihr ist nach der 
Penisform wohl nur als Rasse zu trennen Or. corcyrea J. Dan. i. 1. 
aus Korfu. 

Or. Fandellei All. ist die einzige Orestia mit vollkommen 
fehlendem Halsschildquereindruck. Von der Pyrenäenform nicht 
verschieden ist die Form aus den Alpen, die Gr edler als Or. Eledra 
beschrieb. Stärker weicht von der Pyrenäenform die Form aus 
dem nördlichen und mittleren Apennin {apennina Weise) ab. 

Von hohem Interesse ist die Feststellung der geographischen 
Verteilung der Arten, denn wie keine andere Halticinengattung 
ist Orestia ihres meist terrikolen Berglebens halber an eng um- 
schriebene Areale gebunden. 

Das von der Gattung okkupierte Gebiet erstreckt sich über 
die Gebirge der Mittelmeerländer, einschließlich der Karpathen, 
eines kleinen Teiles der Alpen und des Kaukasus. Die offen- 
kundigen Zentren der Artverbreitungen liegen fast ausschließlich 
im Gebiete des Mediterranmeeres. 

Die Randländer des Westbeckens dieses Meeres besitzen die 
eigentümhche, habituell eher an ein Cerylon als an eine Orestia 
erinnernde, langgestreckte, flache und parallelseitige schwarze Art 
matira Lucas (westliches Algerien) und deren europäische Form 
sierrana Heyd. (Süd- und Ostspanien, Osthang der französischen 
Pyrenäen), die beide vollständig geflügelt sind. Gleichfalls voll- 
geflügelt ist die zweite, dem westlichen Mittelmeergebiete eigene 



(46) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Orestia — ptinctipennis Luc. und die jedenfalls mit ihr zu ver- 
einigende andalusica All. — , die Alg-erien von Bona bis Marokko, 
den Süd- und Ostteil der pyrenäischen Halbinsel, Südfrankreich (?), 
Korsika und Sizilien (?) bevrohnt. Sie scheint viel häufiger als die 
vorgenannte zu sein und steht mit dieser in keinem näheren Ver- 
wandtschaftsverhältnisse; ihre Färbung ist hellbraun. Mit der gleich- 
falls braunen Or. alpina ist sie ebensowenig näher verwandt wie 
mit den übrigen Arten des zentralen Mittelmeerbeckens; ihre relativ 
nächste Verwandte ist eine Art der äußersten mediterranen Ost- 
gestade, die gleichfalls vollständig geflügelte Or. Bruleriei All. 
Syriens. 

Im Ostteile des Areals der punctipennis [auf dem Edongh bei 
Bona, Algerien ^)] tritt die prächtige, breite, hochgewölbte, flügellose, 
in ihrer Zweifärbigkeit an eine Crepidodera erinnernde Or. Leprieuri 
All. auf, die — mit Vorgenannten nicht verwandt — dem Gestalten- 
kreise der Apenninenhalbinsel, der hochgewölbten, flügellosen 07\ 
calabra Heikert. und Pandellei All. näher steht. Dieser letztere 
Gestaltenkreis ist typisch für die italische Halbinsel. Seltsam an 
ihm ist, daß die Formen der Nordhälfte (Pandellei-Eledra-apennina) 
hinsichtlich ihrer Penisbildung der ostalgerischen Leprieuri näher 
stehen, als der sich zwischen Pandellei (Electra und apennina) 
und Leprieuri schiebenden Or. calabra, welche die Südspitze Italiens 
und in etwas differenter Form (Lokalrasse corcyrea) die ungefähr 
in gleicher Breite liegende jonische Insel Korfu bewohnt. 

Fast genau das gleiche Areal wie calabra-corcyrea scheinen 
zwei^ möglicherweise zusammengehörige Formen zu besetzen: scmi- 
janthlna Reitt. vom Aspromonte (Südspitze ItaHens) und Kraatzi 
AH. aus Dalmatien; beide langgestreckte, zweifellos geflügelte Arten, 
mit rostrotem Vorderkörper und violetten Decken, die hinsichtlich 
ihrer Verwandtschaft wohl am nächsten zu maura-sicrrana rangieren. 

Or. Pandellei bewohnt die Pyrenäen bis zu ihrem Westende 
(Bayonne); sie findet sich in nicht merklich veränderter Form wieder 
am Südrande der Mittclalpen und auf Hügeln der Poebene. Die 
^n'ißtc Form dieser Art ist die für den nördlichen Apennin typische 
var. (i])ennina Weise, die — abgesehen vom Fehlen des Halsschild- 



') Von M. l'ic in (iro(j-Kiil)yli(;n ^^'•efnng-c-n. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie, 



(47) 



quereindruckes — zuweilen sehr an den Habitus der Or. Leprienri 
(Ostalg-erien) erinnert und auch öfters Hinneigung- zu einer deut- 
lichen Zweifarbigkeit der Oberseite (Decken viel dunkler, fast 
schwarz) zeigt. Die Pyrenäenform (Nominatform Pandellei All.) ist 
ebenso wie die Alpenform (Electra Gredl.) kleiner und stets ein- 
farbig, ziemlich hellbraun. Das von Electra in den Alpen besetzte 
Areal erstreckt sich auf ein kleines Gebiet am äußersten Südrande 
der Mittelalpen, ungefähr vom schweizerischen Kanton Tessin bis 
Südtirol; seine Grenzen sind hier geographisch nicht motiviert und 
stellen wohl nur die zufälligen Endpunkte einer von Süden aus er- 
folgten Einwanderung, beziehungsweise die Endpunkte eines späteren 
Rückzuges dar. Von Interesse ist das Vorkommen der Electra auf 
den Euganeischen Hügeln bei Padua, inmitten der Poebene, seltsam 
deshalb, weil das Tier^ das in den Alpen vorwiegend beträchtliche 
Höhen bewohnt, hier in einer Seehöhe von nur 20 — 30 m auftritt. 

Der Formenkreis dieser Art reicht ziemlich weit südwärts 
(Monte Pagano, leg. Paganetti), scheint aber südlich von da zu 
erlöschen. 

Östlich von dem Areal der Tandellei-¥ oxm^n. jenseits der 
Adria, liegt das Areal der a?^;iwa-Gruppe mit dem heutigen Zentrum 
in den Bergen Bosniens. In den letzteren findet sich die charak- 
teristischeste, höchst entwickelte Form der alpina, die hosnica Apf. 
Ihr nahe kommt die Form Kroatiens, die Hamiyei Mill., die sich 
nordwestwärts bis Krain und Steiermark zieht^ in ihren nordwest- 
lichsten Vorposten aber jene Form bildet, die Weise als typische 
alpina bezeichnete. Or. alpina findet sich in den Südalpen in dem 
Areal östlich des Isonzo, in den Zentralalpen nur östlich des Lavant- 
tales. Aus den nördlichen Kalkalpen ist die Art noch nicht sicher 
nachgewiesen. Diese Westgrenze ist augenscheinlich (wie die Nord- 
grenze der Or. 'Pandellei- Electra) eine zufällige, die Art ist auf 
ihrer Einwanderung von den Gebirgen der nordwestlichen Balkan- 
halbinsel bis hierher gelangt, beziehungsweise eventuell später (Eis- 
zeit?) bis hierher zurückgedrängt worden. Das westwärts gelegene 
Gebiet der Pandellei-Electra wird von alpina nirgends erreicht. 

Der am Westrande des a^^ma-Gebietes wohnenden alpfina- 
Form gestaltlich nahe kommt eine kleine Form Bosniens und der 
Herzegowina — mitten im Gebiete der großen hosnica — , nämlich 



48) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



die var. curtula Apf. Nach einigen mir vorliegenden Angaben dürfte 
sie eine Form tieferer Gebirgslagen sein. 

Bisher nicht bekannt war, daß Or. alpina ihre Ausläufer bis 
in die Gebirge Albaniens und in die Gebirge des südöstlichsten 
Ungarns sendet und damit in die Gebiete anderer Ores^^a -Arten, 
der Äuhei und Faveli, eindringt. Die kleine, schlanke alpina-Form 
Sudungarns (var. Imngarica Heikert.) erinnert habituell an die mit 
ihr gemeinsam vorkommende Or. Faveli, unter w^elcher sie sich 
auch in den Sammlungen fand. Ihr ähnlich, stark an Or. olympica 
vom asiatischen Olymp erinnernd, ist die kleine alpina-YoYm Al- 
baniens. 

Die Gebirge Bulgariens und des nördlichen Kumeliens be- 
herbergen eine mit alpina sehr nahe verwandte, habituell den 
größeren alpina-YoYmm ähnhche, aber durch abweichende Penis- 
bildung isolierte Orestia {hulgarica Heikert.). 

Eine im äußeren Kleide den kleinen, schlanken alpina-Fo\'n\QYi 
äußerst ähnliche Art — gleichfalls durch die Penisform charak- 
terisiert — ist olympica Friv., die den asiatischen Olymp, oberhalb 
Brussa, bewohnt. 

Das orestienreichste Gebiet Europas (es können hier natürlich 
nur durchforschte Gebiete in Betracht gezogen werden) ist der 
Westteil der transsilvanischen Alpen, beziehungsweise die Gebirge 
Südostungarns am Donaudurchbruche. Hier leben die Or. Äuhei (große 
Form) und die Or. Faveli, bis hierher dringen die innerungarische 
Or. carpathica und die vorerwähnte Or. alpina var. Imngarica. 

Das heutige Hauptgebiet der Äuhei dürfte hier und in den 
undurchforschten Gebirgen südwärts liegen. Sicher ist, daß die 
große Äuhei-¥ ovm. noch in Bosnien und Montenegro gefunden wurde, 
daß sie aber ostwärts in den transsilvanischen Alpen bald in die 
kleinere Kasse arcuata übergeht, die den ganzen Karpathenbogen 
bis fast zu seinem Westende besetzt. 

Eine eigentümliche Verbreitung zeigt Or. carpathica: die teil- 
weise isolierten Gebirge des inneren Ungarns und einzelne Punkte 
am Innenraiide des Karpathenzuges, von der Matra im Westen bis 
zur Czerna-liora im Marmaroser Komitat und zum Botenturmpaß in 
den Si(!bcnblirger Alpen, darüber hinaus noch bis Sinaia in Bumänien 
(i'iM. Picj. 



Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. 



(49) 



Or. carpatMca ist äußerlich von Äuhei kaum zu unterscheiden, 
hinsichtlich der Penisform aber nicht näher mit ihr verwandt und 
eher an die alpina-Formm erinnernd. 

Ungefähr dem Areal der Äuhei (große Form) entspricht das 
der Pavell. Diese Art wurde bislang im südlichsten Banater Ge- 
birge, in Serbien und Albanien aufgefunden. Weder mit alpina 
noch mit Äiibei näher verwandt, steht dieselbe der räumlich weit 
entfernten syrischen Bruleriei äußerst nahe, von der sie sich haupt- 
sächlich durch verkümmerte Flügel und verloschenen Halsschild- 
quereindruck unterscheidet. 

Was den äußersten Osten der Orestienverbreitung anbelangt, 
so besitzt der Kaukasus eine endemische Orestia (caucasica Eeitt.), 
die der Äuhei nahe steht. Die Nordwestecke Kleinasiens (asiatischer 
Olymp) weist die bereits vorerwähnte, den östhchen kleinen alpina- 
Formen äußerlich sehr ähnliche Or. olymjrica Friv. auf. Aus Syrien 
sind zwei Arten bekannt: die mit Paveli aus den südungarisch- 
serbisch-albanischen Bergen verwandte, vollgeflügelte Or. Bruleriei 
All. und die langgestreckte Or. parallela All. aus der maura-semi- 
janthina - Verwandtschaft. 

Hierzu hat M. Pic kürzlich eine dritte Art beschrieben, Or. 
hrevis, deren Verwandtschaftsverhältnis aus der Beschreibung nicht 
mit Sicherheit zu beurteilen ist. 

Bemerkenswert ist die sich aus dem Dargelegten ergebende 
Tatsache, daß der ganze Alpenzug keine einzige ihm eigene Orestia 
besitzt, sondern nur an zwei Stellen, im Süden und Südosten, am 
äußersten Randsaume von Arten besiedelt ist, die aus benachbarten 
Gebirgen herstammen. 

Ohne besondere Erwähnung ist wohl klar, daß die hier ge- 
gebenen Verbreitungsbilder dem immer noch relativ spärlich vor- 
liegenden Materiale entsprechend nur vorläufige sein konnten und 
daß das Bekanntwerden weiteren Materiales mannigfache Erweite- 
rungen, Verschiebungen und Klärungen zur Folge haben muß. 



Z. B, Gos. GO. Bd. 



d 



(50) 



Yersammlimg der Sektion für Koleopterologie. 



Versammlung am 3. März 1910. 
(Vortragsabend.) 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

I. Herr Dr. K. Holdhaus bringt weitere. Mitteilungen 
über Oekologie und Sammeltecbnik der terrikolen Koleo- 
pteren. Da eine Arbeit über diesen Gegenstand in der Zeitschr. 
f. wiss. Insektenbiologie, 1910, S. 1 — 4, 44 — 57 erschien, seien an 
dieser Stelle nur mehrere Ködermethoden zum Fang terrikoler 
Käfer besprochen, welche in der genannten Arbeit nicht ausführ- 
lich behandelt wurden: 

Über das Ködern terrikoler Käfer mittelst eingegrabener 
Keisigbündel in der Gegend von Lyon und in der Provence sagt 
Reyi) folgendes: Comme on le voit d'apres ce que je viens de dire, 
cet insecte (nämlich Tlatijola fusicormis) serait hypogee. II faut le 
chercher profond6ment au pied des souches mortes et lui tendre 
des pieges. A cet effet, je compose de petits fagots de branches 
vertes que je lie avec un fil de fer et que j'enterre a 30 cm de 
profondeur dans un terrain meuble^ autant que possible expos6 au 
soleil et a l'abri des eaux. II faut choisir de pr6f6rence des 
branches d'arbres ou arbrisseaux ä odeur prononcee, tels que Frene, 
Vernis du Japon, Sureau et Buis, dont les ^manations facilitent la 
fermentation, laquelle attire les insectes. M. Luc ante conseille 
d'enterrer en meme temps de petits cadavres ou autres substances 
aniniales: c'est ce que j'ai fait ce printemps, ä la fin de mai. On 
doit attendre au moins deux mois avant de lever les pieges et le 
faire avec beaucoup de pr6cautions, d6chausser les fagots tout 
autour Sans y toucher, les soulever brusquement et les secouer 
violcmment dans un parapluie, puis en tamiser la terre qui en est 
sortic. 8i la chassc donne, il est bon de visiter les parois et le 
fond du trou. 

Je conseille donc aux amatcurs en vill6giaturc de j)ratiquer 
cc gcnrc de chasse, qui m'a fourni, outre la Vlatyola fusicormis, les 
Kupleclus Duponti et Kirhyi, le Cephennium mimitissimum, , la 



') M. il. Koy, Noto Sur la J'Uih/oJn fusicormis. - Ann. Soc. Linn. Lyon, 

VmI wix n88;{j, i». ir,o- 152. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(51) 



Langelandia anopliiluüma et \ Annomatus 12-strlatus. Je dois ies 
prevenir qu apres le mois de septembre les pieges ne fournissent 
plus rien, sans doiite paree que nos pays (Gegend von Lyon) sont 
trop froids, tandis qu'en Provence ils rapportent tont Ihiver, et 
d'excellentes especes, telles que Tiiplihcijptus afomus, Langelandia 
exigua, Lijreus suhterraneus, et surtout les genres gnjpTiaris, Troglor- 
rlujnclius et Baymondia, eureulionites aveugles qu'on trouve parfois 
jusqu'ä un metre sous terre. aeeroehes aux racines des arbres. 

Diese von ßey angewendete Köderteclinik scheint namentlich 
zum Fang solcher Blindkäfer geeignet, welche sich von vegeta- 
bilischen Substanzen nähren. Um die im Erdboden befindlichen 
karnivoren Blindkäfer zu ködern, dürften sich Versuche mit ani- 
malischen Ködern empfehlen. Bekanntlich werden die in Höhleu 
lebenden blinden Silphiden, aber auch viele Anoplitlialmus, Laemo- 
sfenus etc. in großer Menge mit Köderbechern gefangen, in denen 
irgend eine faulende animalische Substanz untergebracht ist. Es 
ist wohl sicher, daß auch die außerhalb der Höhlen im Erdboden 
lebenden karnivoren Blindkäfer in dieser Weise gefangen werden 
können, wenn der Köderbecher in entsprechender Weise vergraben 
wird. Es dürfte sich empfehlen, in blindkäferreichem Boden einen 
großen Stein auszuheben, den vollständig nach Art des Höhlen- 
fauges adjustierten Köderbecher im Grunde des Steinlagers einzu- 
graben und hierauf den Stein wieder in seine ursprüngliche Lage 
zu bringen. Da jeder tierreiche Boden gekrümelt, d. h. von zahl- 
reichen, sehr feinen Hohlräumen, aber auch von größeren Regen- 
wurmgängen sowie den Gängen von Mäusen. Sorex etc. durchzogen 
ist, so kann sich der Duft des Ködermittels unschwer im Erdreich 
auf größere Distanz fortpflanzen und schon nach 1 — 2 Tagen dürfte 
der Köderbecher Blindkäfer enthalten. Es wäre jedenfalls von Inter- 
esse, mit der hier in ^'orschlag gebrachten Ködermethode in Süd- 
europa Versuche anzustellen. 

n. Herr A. Kniz legt die folgende Xeubeschreibung vor: 
Helophorus (Atractelophorus) nivalis nov. subspec. Ap/ei- 
becki Kniz. 

Durchschnittlich größer sowie viel gestreckter und flacher als 
die mitteleuropäische Stammform. Außerdem durch einfacher punk- 



(52) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



tierten Halsscbild sowie flacher eingedrückte und mit flacheren 
Zwischenräumen ausgestattete Flügeldecken verschieden. 

Kopf dunkel, schwach metaUisch, Halsschild und Flügeldecken 
braun mit schwachem Metallglanze. Die Kiefertaster und Beine 
rötlichbraun, die Tarsenspitzen schwarz. Der Kopf an den Seiten 
runzelig, in der Mitte einfach punktiert. Der breite Halsschild mit 
ganz einfach und nicht sehr dicht punktierten inneren und areoliert 
punktierten äußeren Dorsalwülsten. Die breiten, flachen Mittel- 
felder desselben einfach punktiert. Die Flügeldecken langgestreckt, 
wenig gewölbt, flach, im vorderen Drittel sehr flach eingedrückt, 
nicht sehr grob punktiert -gestreift, mit flacheren Intervallen als 
bei der typischen Form, dunkelbraun, nur schwach metallisch. 
Die Zwischenräume derselben mit einer Reihe feiner^ aber deut- 
licher Pünktchen. 

Länge: 3'5 — 4*8 mm. 

Albania or.: Golesnica Jezero, hochalpin, ex Coli. Apfelbeck 
(3 Stücke). 

Zwischenformen von H. nivalis Giraud form. typ. und Apfel- 
hecTvi m. erbeutete Herr Dr. Penther 1904 auf dem Durmitor in 
Montenegro. 

ni. Herr F. Heikert Inger legt die Beschreibungen von 
drei neuen, beziehungsweise wenig gekannten Halticinen- 
formen der Balkanhalbinsel vor: 

Derocrepis serhica nov. var. peloponnesiaca Heikert. 

JJerocrcpis serhica Kutsch, ist beschrieben aus Serbien (Coli. 
Kiesenwetter) nach Stücken mit schwarz gefärbtem, fein punktiertem 
Halsscbild; Allard beschrieb die Art als Crepidodera si/rangulata 
aus der Türkei (Coli, Aub6) und erwähnt serbische Stücke mit 
rostrotem Vorderkörper (Coli. Kraatz), die Weise später als var. 
hicolor ))enannt hat. Mir liegen Stücke der Normalfärbung und der 
Aberration auch aus Rumänien (Comana Vlasca, Montandon) vor. 

Die im Kaukasus auftretende Form dieser Art mit etwas 
feiner piinktHtreifigcn Decken, die infolgedessen breiter und ebener 
erscheinende Zwischenräume zeigen, führt Weise als var. caucasica 
auf. Vom Kaukasus sind in letzter Zeit auch Formen mit fast ganz 
gcil)rot('ii Decken verbreitet worden ( Wladikawkas, A. Zolotarew), 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(53) 



die Pic (Echange, Rev. Linn., Vol. XXV, 1909, p. 178) als „D^ro- 
crepis race caucasica nov. var. laterufa" beschrieb. 

Von allen diesen Formen, deren Halsschild glatt und glänzend 
und nur mit feinen Pünktchen zerstreut besetzt ist, weicht durch 
auffällig grobe, ungleiche und zerstreute Halsschildpunktierung eine 
mir in wenigen Stücken aus Morea (Velia Vuna, Holtz) vorliegende 
Form ab. Die tief eingedrückten Punkte des Halsschildes erreichen 
hier zuweilen die Größe der Deckenpunkte; die Färbung des Tieres 
ist die der ab. hicolor. Ein gewisses Habitusbild, die starke Hals- 
schildpunktierung und die deutlichere Deckenspitzenbehaarung dieser 
Form erinnern etwas an die syrisch -armenische JDerocrepis puhi- 
pennis Reitter, die jedoch an den verworrener punktierten, auf der 
ganzen Fläche behaarten Decken leicht kenntlich ist. 

Da die mir vorliegenden peloponnesischen Stücke untereinander 
völlig übereinstimmen, bin ich geneigt, sie für eine Lokalrasse zu 
halten; Sicherheit hierüber wird erst weiteres Material aus Morea 
bringen. 

Aeschrocnemis graeca ab. obscurithorax Pic (Echange, 
Rev. Linn., Vol. XXV, 1909, Nr. 295, p. 145). 

Aesclwocnemis graeca, eine der seltensten Halticinen Europas, 
wurde von Allard (Wien. Ent. Zeit., 1884, S. 248) als eine Bato- 
phila beschrieben, von Weise (Naturg. Ins. Deutschi., Bd. VI, S. 855) 
zur Repräsentantin einer besonderen Gattung gemacht und — zweifel- 
los mit vollem Rechte — in die nächste Nähe der Gattung Bero- 
crepis Weise gestellt. 

Ich habe die Typen (zwei in der Coli. Reitter, mit „Morea, 
Hagios Wlassis, Brenske" bezettelt) gesehen. Sie erinnern stark 
an Derocrepis serhica ab. hicolor Weise, sind jedoch etwas breiter 
gebaut; ihre Halsschildeindrücke sind verloschen, die Schienen sind 
nach der Spitze zu auffällig verbreitert. Das letztere Merkmal hat 
Weise in die Gattungsdiagnose aufgenommen: „Tihiae pone medium 
valde dilatatae, fere clavatae ..." 

Mit diesen Stücken hinsichtlich Färbung und Körperform nur 
wenig Ähnlichkeit besitzt eine fremdartig anmutende Halticine, die 
Herr Dr. Hans R. v. Woerz in einem einzigen Exemplar auf Kephal- 
linia erbeutete. Das Tier ist bedeutend breiter, büßt dadurch die 
Ähnlichkeit mit Derocrepis serhica ein, stimmt aber morphologisch 



(54) 



Versammlung" der Sektion für Koleopterologie. 



völlig mit den Typen der ÄescJirocnemis graeca übereiu, aus- 
genommen die Scliienenspitzen. Diese sind, ungefähr der Bildung 
bei der Gattung Berocrepis entsprechend, nicht merklich erweitert. 
Das Tier ist zweifellos das bislang unbeschriebene 9 der Aesclir. 
graeca, allerdings einer andersfarbigen Aberration angehörend. 

Die Verbreiterung der Schienen ist daher ebenso wie bei 
Berocrepis ein sekundärer Sexualcharakter und als solcher aus der 
Gattungsdiagnose zu eliminieren, beziehungsweise ausdrücklich auf 
das zu beschränken. Jedenfalls ist er ein wertvoller Beweis der 
engen natürlichen Verwandtschaft beider Gattungen, welche bei 
einer einseitigen, rein mechanisch nach einzeln herausgegriffenen, 
„guten" Merkmalen (wie es ja die Halsschildeindrücke bei den 
Halticinen im allgemeinen tatsächlich sind) vorgenommenen Gattungs- 
gruppierung w^eit auseinandergerissen würden. 

M. Pic hat die dunkelhalsige Aberration vor kurzem mit der 
summarischen Charakteristik „ayant le prothorax obscuric" als oh- 
scuritlwrax benannt. 

Ich gebe im nachstehenden eine kurze Beschreibung des 
Stückes, das mir Herr Dr. v. Woerz freundlichst überließ. 

Kopf mit großen, scharf umgrenzten Stirnhöckern, rostrot, Stirn 
und Scheitel rötlich pechschwarz, glatt und glänzend. Halsschild auf- 
fällig groß, stark gewölbt, mit zerstreuten^ mäßig starken Punkten 
auf glattem Grunde, schwarz, schwach metallgrün überflogen, die 
Kanten schwach rötlich durchschimmernd. Die bei der Gattung 
Berocrepis deutlichen Thorakaleindrücke (Längsstrichel und Quer- 
furche) sind bei ÄescJirocnemis kaum mehr in Spuren vorhanden. 
Flügeldecken schwarzgrün metallisch, ohne Schulterbeule, für sich ein 
Oval bildend, gegen die Spitze schwach behaart. Fühler und Beine 
einfarbig gelbrot. Tier Hiigellos. Länge 2-8 mm, Breite l'4mm. 

Chalcoides aurata nov. var. peloponnesiaca Heikert. 

Im äußeren I^au völlig mit aurata typica übereinstimmend, von 
dieser durch die matten Decken zu unterscheiden. Die bei aurata 
Ij/jtica glatten und glänzenden, nur mit äußerst feinen (auch unter 
scharfer Lupe kaum sichtbaren) Pünktchen besetzten Zwischen- 
räume der l'unktstreifen sind bei var. peloponnesiaca durch eine 
sehr feine Kunzclung matt ("besonders in der hinteren Hälfte); nur 
die Scliiiltcihciilc vci-blcibt glatter. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(55) 



Die Färbung der vorhaudenen Stücke ist mattgrllii bis gold- 
griin; der Halsschild goldig gri1ü bis kiipferig, im gauzen aber 
weniger von der Fliigeldeckenfarbe verschieden als bei aurata tijpica. 
Die Vorderschenkel sind zuweilen augedunkelt. 

Sonstige Unterschiede fand ich nur in der Penisbildung. Der 
Penis des von mir untersuchten ^je?02Jö>?;?e.s/«crt-Mäuucheus ist dunkel- 
farbig, zeigt von oben gesehen ganz die Umrisse des Penis von aurata 
tijinca, ist aber seitlich gesehen viel stärker gekrümmt, ungefähr 
einen Viertelkreis darstellend ( die Tangenten der Endpunkte schließen 
sogar eher einen etwas spitzen als einen genau rechten T\lnkel ein). 

Wegen der Übereinstimmung der Stücke untereinander vermute 
ich in ihnen eine Lokalform; ein entscheidendes Urteil ist indes 
ohne weiteres Material nicht möglich. Die Stücke stammen aus 
Kalävryta, Morea (Holtz). 



Veranstaltungen der Sektion für Botanik. 

Versammlung am 15. Oktober 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Herr Priv.-Doz. Dr. F. Vierhapper hielt einen Vortrag: Ent- 
wurf eines neuen Systems der Koniferen. 



Sprecliabend am 22. Oktober 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Herr A. Teyber demonstrierte und besprach eine Anzahl neuer 
und interessanter Pflanzen aus Österreich. (Der Vortrag 
wird in diesen „Verhandlungen" als selbständige Arbeit erscheinen.) 

Hierauf legte Fräulein A. Klammerth einige interessantere 
Pflanzen aus der Umgebung von Mariazell in Steiermark vor. 

Schließlich besprach Herr Dr. A. Giuzberger die neuen Er- 
scheinungen in der botanischen Literatur. 



(56) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 19. November 1909. 
Vorsitzender: Herr Dr. A. v. Hayek. 

Der Abend war der Diskussion über das Thema „Die Be- 
ziehungen der Pflanzenphysiologie zur Systematik" ge- 
widmet. Als Referenten fungierten die Herren Fröschl, Dr. Gräfe 
und Dr. Forsch. 

Herr Fröschl wies darauf hin, daß in der Systematik auch 
jetzt schon vielfach physiologische Merkmale^ z. B. Befruchtungs- 
Yorgänge, verwendet werden, daß aber bei den großen Fortschritten 
der Physiologie dies noch in viel größerem Umfange geschehen 
könne, was er an mehreren Beispielen erläuterte. 

Herr Priv.-Doz. Dr. Gräfe wies insbesondere auf die neueren 
Ergebnisse der Biochemie, so auf die nachgewiesenen Beziehungen 
des Chlorophylls zum Hämoglobin und auf die Methode der Eiweiß- 
ditferenzierung, hin, welche gewiß in Zukunft sich auch syste- 
matisch verwerten lassen werden. 

Herr Priv.-Doz. Dr. Forsch gab der Ansicht Ausdruck, daß die 
moderne Systematik alle ihr zu Gebote stehenden Merkmale berück- 
sichtigen müsse, daß aber eine einseitig auf physiologische Merkmale 
begründete Systematik ebenso verfehlt wäre wie jede einseitige Berück- 
sichtigung bestimmter Merkmale mit Vernachlässigung der übrigen. 

An der sich an diese Referate anschließenden Debatte be- 
teiligten sich insbesondere die Herren Fröschl, Dr. Gräfe, Prof. 
Dr. V. Schiffner, Dr. Forsch und Dr. A. v. Hayek. 



Sprechabend am 26. November 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Herr Dr. A. Ginzberger hielt einen Vortrag: Eine Ex- 
kursion auf den Kraincr Schneeberg. (Vgl. Österr. I^ot. Zeit- 
schrift, Bd. LIX, S. 240.) 

Herr Dr. A. v. Hayek demonstrierte das vom Generalstabsarzt 
Dr. ilclm auf den Ausläufern der Brucker Hochalpe entdeckte 



Versaniiiiliing der Sektion für Botanik. 



(57) 



Polygonnm aJrplnum All. als neu für Steiermark und das ganze 
Gebiet der Ostalpeu. 

Folygonum alpinum ist in den Westalpen bis ins Wallis ver- 
breitet (die Angaben für Tirol sind sehr fraglich) und tritt dann 
wieder in den Gebirgen der nördlichen Balkanhalbinsel und in den 
südöstlichen Karpathen auf. Nun weisen zahlreiche Arten, welche 
das letztgenannte Verbreitungsgebiet bewohnen, vereinzelte Stand- 
orte am Ostrande der Alpen auf, so Cirsiiini pauciflorum, Bamm- 
culus crenatus, Hieracium transsilvanicum, Waldsteinia trifolia u. a. 
Zu diesen gesellt sich nun als neues Glied Folygonum aljyiniim. 



Versammlung am 17. Dezember 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Herr Priv.-Doz. Dr. V. Gräfe hielt einen Vortrag: Die Ein- 
wirkung des gasförmigen Formaldehyd auf die grüne 
Pflanze. 

Fräulein Stephanie Herzfeld hielt einen Vortrag: Die Mor- 
phologie der Fruchtschuppe von Larix decidua. 

Herr Dr. H. Freih. v. Handel-Mazzetti demonstrierte mittels 
Skioptikon eine Keihe von Vegetationsbildern aus Bosnien 
und der Herzegowina. 

Versammlung am 21. Januar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. Y. Schiffner. 

Zu Beginn der Sitzung wurde die geschäftsordnungsmäßige 
Neuwahl der Funktionäre vorgenommen. Über Antrag des Herrn 
Eegierungsrates P reißmann wurden die bisherigen Funktionäre 
kais. Rat Dr. E. v. Halacsy zum Obmann, Prof. Dr, V. Schiffner 
zum Obmann -Stellvertreter, Dr. A. v. Hayek zum Schriftführer 
wiedergewählt. Darauf machte Herr Dr. A. v. Hayek die Mitteilung, 
daß er von Herrn kais. Rat Dr. v. Halacsy beauftragt sei kund- 
zugeben, daß derselbe eine Wiederwahl mit Dank ablehne, welche 



(58) 



VersaminluDg- der Sektion für Botanik. 



Mitteilung- mit allgemeinem Bedanern zur Kenntnis genommen wurde. 
Hierauf ^Yurden Herr Prof. Dr. V. Schiffner zum Obmann, Herr 
Kustos Dr. A. Zahlbruckner zum Obmann-Stellvertreter und Herr 
Dr. A. V. Hayek zum Schriftführer gewählt. 

Über Antrag des Herrn R. Schrödinger wurde unter all- 
gemeinem Beifall der Beschluß gefaßt, Herrn Dr. v. Haldcsy für 
seine durch mehr als ein Jahrzehnt der Sektion als Obmann ge- 
widmete Tätigkeit den Dank der Sektion auszusprechen. 

Hierauf hielt Herr M. Wurdinger einen Vortrag: Bau und 
Entwicklungsgeschichte des Embryosackes von Eiiplirasia 
Bosthoviana. 

Herr Prof. Dr. V. Schiffner besprach und demonstrierte zwei 
neue Lebermoose. 

Sprechabend am 28. Januar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Der Abend war der Besprechung der neueren botanischen 
Literatur durch die Herren Dr. A. Gin zb erger, Dr. A. v. Hayek 
und Dr. K. Linsbauer gewidmet. 



Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 10. Dezember 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr cand. phil. Albert Niedermeyer hält einen Vortrag 

(Iber Tctraplatien. 

Unter dem Namen TrfrajddHa kennt man seit noch nicht 
allzulangcr Zeit einen iiiillerst mcrkwilrdigen Organismus, der den 
Zoologen, die sich mit iliiti niilier beschäftigten, eine Fülle von 



Versammlung der Sektion liir Zoologie. 



(59) 



Rätseln aufg-eg-eben hat. Die widersprechendsten Ansichten sind 
über dieses Tier g-eäußert worden, sowohl was die Erklärung seines 
eig-enartig-en Baues betrifft, als auch insbesondere hinsichtlich seiner 
systematischen Stellung-. Daß wir über diese Tiere so wenig* wissen, 
rührt vor allem daher, daß sie äußerst selten sind und bisher nur 
wenig-e Exemplare in die Hände von Zoologen gekommen sind, 
und diese auch oft in einem unzulänglich konservierten Zustande, 
der jede detaillierte Untersuchung unmögUch machte. Lange Zeit 
war auch überhaupt nur eine einzige Art, Tetraplatia volitans, be- 
kannt; erst Carlgren hat in der Bearbeitung der Tetraplatien 
der deutschen Tiefsee-Expedition der „Valdivia" von 1898/99, die im 
Jahre 1909 erschienen ist, eine neue, zweite Art, T. Chtini, be- 
schrieben. 

Unsere erste Kenntnis von Tetraplatia verdanken wir Busch, 
der 1851 in seinen „Beobachtungen über Anatomie und Entwick- 
lung einiger wirbelloser Seetiere" Tetraplatia volitans zum ersten 
Male, freilich recht dürftig, beschrieb. Die Beobachtungen Büschs 
wurden 1865 von Krohn erweitert^ der sich auch zum ersten Male 
über die vermutliche systematische Stellung äußerte. Die erste be- 
deutendere Arbeit über Tetraplatia stammt von Claus (1878), der 
dem Tiere den Namen Tetrapteron volitans gab, trotzdem ihm wohl 
bekannt war, daß es bereits von Busch unter dem Namen Tetra- 
platia beschrieben worden war. Sämtliche späteren Autoren haben 
auch den ursprünglichen Namen beibehalten. Wertvoll ist die Ar- 
beit von Claus besonders durch die eingehende anatomische Be- 
schreibung. Zu erwähnen ist ferner eine Arbeit des Amerikaners 
Fewkes (1883), der eine merkwürdige Ansicht hinsichtlich der sy- 
stematischen Stellung äußert. Zwei bedeutendere Arbeiten stammen 
von Yiguier (1885 und 1890), der die Anatomie sehr eingehend 
behandelt. Schließlich sei noch bemerkt, daß T. volitans auch im 
Ray-Lancasterschen Lehrbuche durch Fowler (1900) Erwähnung 
findet, ferner im großen Werke von Delage und Herouard (1901), 
die sich hauptsächlich auf die Ergebnisse Viguiers stützen. — 
Immerhin blieb aber unsere Kenntnis des Tieres gering und alle 
Versuche einer systematischen Einordnung sehr fraglich, bis Carl- 
gren (1909), gestützt auf ein reicheres Material von Tatsachen, eine 
neue Erklärung des merkwürdigen Organismus gab. 



(60) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Wir wollen zimäclist den äußeren Bau einer TetrajMia ins 
Auge fassen. Es sind dies kleine Tierchen, deren Länge ca. 1 bis 
5 mm beträgt, von weißlicher Farbe und auf der Oberfläche des 
ganzen Körpers mit einem Wimperepithel bedeckt. Der ganze 
Körper macht, wie schon Busch bemerkt hat, den Eindruck von 
zwei vierkantigen Pyramiden, die mit ihren Grundflächen einander 
aufsitzen. Es ist somit eine vierstrahlig-radiale Symmetrie vorhanden : 
von den Symmetrieebenen, die wir durch den Körper legen können, 
gehen zwei durch die Kanten: wir können sie Diagonalebenen 
nennen, während sich durch die Flächen der Pyramiden zwei 
Facialebenen legen lassen. Die Spitzen der Pyramiden verbindet 
eine Hauptaxe, deren Pole ungleichwertig sind, also eine hetero- 
pole Axe. Einmal sind die beiden Hälften nicht gleich hoch, in- 
dem die obere ein wenig niedriger ist, ferner ist durch die Lage 
einer Mundöffnung am unteren Ende ein oraler und ein aboraler 
oder apikaler Pol zu unterscheiden. Ein After ist nicht vorhanden. 
Busch hat zwar die Mundöffnung als After beschrieben und will 
dafür am aboralen Pole eine Öffnung gesehen haben, die er als 
Mundöffnung deutet; doch ist es sicher, daß er sich getäuscht 
hat und seine ,,Mundötfnung", wie schon Krohn bemerkt, nichts 
ist, als eine künstliche Ruptur, erzeugt durch Pressen des Prä- 
parates. 

Ungefähr in der Mittellinie des Körpers verläuft ringsum eine 
verdickte Falte, die Piandfalte, die an vier Stellen, und zwar in 
den Facialebenen zu mächtigen Doppelflügellappen anschwillt, die 
dem Tiere sein charakteristisches Aussehen geben, wie auch der 
Claus sehe Name Teirapteron daher genommen ist. Diese Doppel- 
flügellappen bestehen aus zwei Hälften, deren jede wiederum 
distalwärts in zwei kleine Läppchen gespalten ist. Von diesen 
Läppchen ist bei T. volitans der eine etwas länger, während sie 
hei T. Chmii gleich lang sind. In der Einkerbung zwischen diesen 
Läppchen liegt an der Unterseite des Flügels ein helles Bläschen, 
im ganzen also acht an der Zahl, die bereits von Busch beob- 
achtet, in ihrer wahren Natur als Sinnesorgane, und zwar Stato- 
lithenbläschen, jedocli erst von Claus erkannt wurden. Krohn be- 
merkt auch schon, daß sie „an die Bandkörper der Medusen er- 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(61) 



Eine andere charakteristische Bildung des Körpers von T. vo- 
V.tcifis sind vier in den Diagonalebenen gelegene hohle Pfeiler, die 
außen von dem Randsaum die obere und untere Körperhälfte ver- 
binden (siehe Fig. 1, Pf.). Man kann daher statt von Diagonal- 
und Facialebenen auch von Pfeiler- und Fliigelebenen sprechen, 
wie Carlgren dies tut. Man hat 
versucht, diese Pfeilerkanäle mit den 
Radiärkanälen der Medusen zu ver- ^' 
gleichen, doch ist dieser Vergleich, 
wie wir später sehen werden, ganz 
unberechtigt, und sind die Pfeiler- ^ 
kanäle als Bildungen sui generis > 
aufzufassen. 

Der von Carlgren beschrie- . . 

benen T. Cliuni fehlen diese Pfeiler ^rW^ '"'^^'Ä^ ^ 

vollständig und sind nur angedeutet /r^ ' ^ 
durch wulstige Verdickungen der ' V ^ 
vier Leibeskanten in den Pfeiler- 
ebenen. — EinUnterschied zwischen 

den beiden Arten findet sich noch \ ---- 

in der äußeren Form, indem bei \ 
T. Cliuni eine gewisse Asymmetrie 

der aboralen Körperhälfte auftritt. — -y~-'~^c. 

Das aborale Ende ist nämlich nach Fig. l. Schema der Organisation 

einer Seite hin schräg gebogen, und Tetraplatia. 

-I. .. o K ^ ^ • X = Mund, Pf. = Pfeiler, Fl. = Flügel- 

dieser äußeren Asymmetrie ^^^^.^^ Rs:=^^n^^^m, st.^^i^ioxiiLn- 

spricht auch eine innere im Bau der Wäschen, SU-. = Streifenpartie des velum- 
r> \ ^ \ j. ' 1 ^• n artigen Anhangs, Ch. = ^esselstreifen, Mf. 

Geschlechtsorgane, indem die GO- 1 Mesoglo:afalten. (?o. = Gonade^. 

naden, die an der Seite der kon- 
kaven Krümmung liegen, gegenüber denen der konvexen Seite 
verkümmert erscheinen. 

Bei der äußeren Betrachtung bemerkt man auch noch im 
Innern des Körpers längliche Gebilde, die durch das Integument 
hindurchschimmern und in den Pfeilerebeneu in den weiten Gastrai- 
raum eingestülpt liegen, sowohl in der oberen als auch in der 
unteren Körperhälfte. Diese Gebilde wurden von Krohn als ..coeca 
mit körnigem Inhalt" beschrieben; Claus war der erste, der in 



(62) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



ihnen die Genitalanlagen erblickte, aber erst Carlgren hat ihre 
geschlechtliche Natur mit Sicherheit festgestellt. 

Wenn wir nun die Ergebnisse dieser rein äußerlichen Be- 
trachtung zusammenfassen, müssen wir wohl den Eindruck ge- 
winnen, daß wir es hier mit einem Coelenteraten zu tun haben. 
Und dies soll uns nun auch die Betrachtung der Anatomie und 
des mikroskopischen Baues bestätigen. 

Der Körper der Tetraplatia besteht aus folgenden Gewebs- 
schichten: 1. einem bewimperten Ektoderm, 2. einer homogenen 
Sttitzlamelle, der Mesogloea, und 3. dem Entoderm. 

Das Ektoderm besteht zum größten Teile aus polygonalen 
Flimmerepithelzellen. Muskelfortsätze fehlen den Epithelzellen offen- 
bar an der ganzen Körperoberfläche mit Ausnahme der Randleiste 
und der Fitigellappen, wo sie eine kräftige ektodermale Muskulatur 
bilden. Ferner finden sich, besonders in der aboralen Körperpartie, 
Drtisenzellen. In den vier Pfeilerebenen treten streifige Partien 
deutlich hervor, in denen Nesselzellen und Cnidoblasten dicht ge- 
häuft sind (Fig. 1, Cn.). Das Ektoderm bildet ferner die Statocysten 
und die Genitalstränge. — Die Mesogloea ist eine sehr dünne La- 
melle, die vollständig homogen ist und jeder zelligen Elemente ent- 
behrt. Sie ist in zahlreiche Längsfalten gelegt, die von älteren 
Beobachtern, wie Krohn, irrtümlicherweise als Muskelfasern ge- 
deutet wurden. Claus hat nachgewiesen, daß es sich bloß um 
Faltungen der Stützlamelle handelt. Einige Autoren sind der 
Meinung, daß diese Faltungen den Zweck haben, die Oberfläche 
für den Ansatz der Epithelmuskeln zu vergrößern, da aber, wie 
Viguier und Carlgren nachgewiesen haben, diese fehlen, so 
dürften die Faltungen eher dem Bedürfnisse nach einer kräftigeren 
Aussteifung der Körperwand entspringen und gewissermaßen wie 
eine Wand von Wellblech dem Körper einen solideren Halt ver- 
leihen. 

Das Entoderm besteht aus großen, vakuolenreichen Zellen, 
zwischen denen Drüsenzellen mit körnigem und netzförmigem In- 
hah eingelagert sind. Cnidoblasten fehlen hier. In manchen Zellen 
finden sich krystallinische Stäbchen abgelagert, die von Claus als 
Endpro(hikte des Stoffwechsels aufgefaßt und den Harnsekretionen 
an die Seite gestellt werden. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(63) 



Der Gastralrauni ist ziemlich einfach gestaltet. Ein ektoder- 
males Stomodaeum fehlt; gleich bei der Mundöffnung beginnt das 
Entoderm. Der Gastrairaum bildet also einen röhrenförmigen Blind- 
sack, doch wird seine Gestalt durch die ins Innere des Körpers 




Fig. 2 und 3. Schematisclie Querschnitte durch Tetraplatia. 
(Nach Viguier, aus Delage et Herouard.) 

Ekt. = Ektoderm, Mf/L = Mesogloea, Ent. = Entoderm, Gr. = Gastrairaum, 
Go. = Gonaden. 

eingestülpten Geschlechtsorgane sehr modifiziert, wie dies deutlich 
aus Querschnitten hervorgeht, ferner bei T. volitans durch die Pfeiler- 
kanäle i^siehe Fig. 2 und 3), 

An einem Querschnitt durch die Mundregion erscheint er 
kreuzförmig, und zwar liegen die Axen dieses Kreuzes in den 
Diagonalebenen. Da der Mund sehr ausdehnbar ist, erscheint er 



(64) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



SO nur in kontrahiertem Zustand, während er im Zustande äußerster 
Ausdehnung rund erscheint. 

An einem weiter oben geführten Querschnitt sehen wir den 
Gastrah'aum eingeengt durch die Genitalstränge, und da diese sich 
distalwärts paarig gabeln, so scheinen von einem zentralen Hohl- 
raum acht Divertikel auszugehen, vier in den Diagonal- und eben- 
soviele in den Facialebenen (siehe Fig. 2). An einem höher ge- 
führten Querschnitt, in der Region, wo sich die Genitalstränge noch 
nicht geteilt haben, sind natürlich nur vier solcher Divertikel zu 
sehen, die hierauch kreuzweise liegen, doch liegen die Axen dieses 
Kreuzes hier in den Facialebenen. 

Ein eigenartiges Bild bietet der Querschnitt ungefähr in der 
Mittelebene des Körpers, wo die Pfeiler und die Flügellappen liegen 
(Fig. 3). Die vier Pfeilerkanäle mit rundem Querschnitt Hegen in 
den Ecken, dazwischen Hegen die schräggetroifenen Flügel, die 
abwärts gebogen sind. Die FlügeUappen selbst sind nicht hohl, 
sondern mit einer soHden Entodermaxe versehen. — Oberhalb der 
MittelHnie des Körpers wiederholt sich ungefähr dasselbe Bild wie 
unten, wo die ins Innere eingestülpten Genitalstränge das Aus- 
sehen von Divertikeln des Gastrairaumes hervorrufen. Am apikalen 
Pol erscheint der Querschnitt des Gastrairaumes einfach rundlich. 
Viguier hat eine ausführliche Darstellung der Konfiguration des 
Gastrairaumes gegeben, die Carlgren in aHen Punkten bis auf 
einen als richtig anerkennt. 

Carlgren zeigt nämlich, daß die Pfeilerkanäle nicht als ein- 
heitliche Bildung anzusehen sind, sondern man kann deutlich eine 
obere und untere Hälfte unterscheiden, die schon rein äußerlich 
eine Einschnürung in der Mittellinie erkennen lassen, der auch im 
Innern eine Trennung durch eine Mesogloealamelle mit beider- 
seitigem Entodermbelag entspricht. Nach Carlgrens Beobachtungen 
sind somit die Pfcilcrkanäle aus je zwei getrennten Teilen gebildet, 
die als Ausstülpungen der oberen und unteren Leibcshälfte ent- 
standen, einander entgegengewachsen und in der Mittellinie mit- 
einander verschmolzen sind. Diese Tatsache macht jeden Vergleich 
niit den IJadiärkanälen der Medusen unmöglich. 

Die Kandlcistc und die FlügeUappen sind auch in ana- 
toniisclicr P>(;zicliui)g bemerkenswert. An der aboralen Seite bildet 



Versammlung der Sektion fiir Zoologie. 



(65) 



das Ektoderm eine kräftige Muskulatur, die nur hier und sonst 
nirgends am ganzen Körper entwickelt ist. Diese ist von Carl- 
gren genau beschrieben, doch würde es zu weit führen, auf die 
Einzelheiten des komplizierten Verlaufes der Muskeln einzugehen. 
Im Innern der Randleiste und der Flügellappen findet sich die so- 
genannte Randfalte, die aus einer doppelten Mesogloealamelle und einer 
soliden Entodermaxe besteht. Diese Randfalte gelangt in den Flügel- 
lappen zu besonders mächtiger Entwicklung und es wirken die ela- 
stischen Entodermzellen gewissermaßen als Antagonisten gegen die 
Muskulatur. An der Unterseite der Randleiste und der Flügellappen 
fehlt die Muskulatur. Dafür zeigt hier das Ektoderm auffallend große 
Zellen, die die Eigenschaft der Kontraktilität in hohem Maße besitzen 
und von Carlgren als motorische oder kontraktile Zellen be- 
zeichnet werden. Diese ersetzen hier also die fehlende i\[uskulatur. 

Ferner findet sich an der Unterseite der Randleiste und der 
Flügellappen ein eigentümliches Gewebe, das von den früheren 
Autoren nicht beachtet worden war, dem aber nach Carlgren eine 
besondere Wichtigkeit für die Erklärung des Tetrajjlafia-KöYpers 
zukommt. Er nennt dieses Gewebe den velum artigen Anhang. 
Es ist eine an beiden Seiten mit Ektoderm bekleidete Mesogloea- 
lamelle, deren eines Ende frei ist, deren anderes sich an die orale 
Mesogloealamelle der Randfalte ansetzt. Diese Differenzierung der 
Randleiste und der Flügellappen faßt Carlgren als ein echtes 
Velum auf und homologisiert es mit dem Velum der craspedoten 
Medusen. Dieses Velum differenziert sich in den Flügellappen in 
zwei „Statocystenpartien", die die eigentümlichen Sinneskörper be- 
herbergen, und in die am distalen Rande der Flügel frei herab- 
hängenden sogenannten „Streifenpartien" (Str., Fig. 1). 

Über das Nervensystem ist weiter nichts zu sagen, da von 
einem solchen bisher nichts nachgewiesen werden konnte. 

Von Sinnesorganen sind die schon erwähnten acht Stato- 
cystenbläschen zu nennen, die als Differenzierungen des Velums 
aufzufassen sind. Es sind geschlossene Bläschen, deren Mesogloea- 
lamelle auf beiden Seiten mit einem Epithel von Ektodermzellen 
bekleidet ist. In das Innere des Bläschens ragt ein statisches Kölb- 
chen, das vom Entoderm der Randfalte ausgestülpt ist, wie Carl- 
gren im Gegensatze zu Viguier bestimmt nachweist.' Der von 

Z. B. Ges. (30. Bd. 6 



(66) 



Versanimhing der Sektion für Zoologie. 



diesem Kölbchen gebildete Statolitli ist demnach entod er malen Ur- 
sprungs. Das ektodermale Epithel des Bläschens bildet um das 
Kölbchen ein Sinnespolster. 

Die Geschlechtsorgane oder, wie sie Viguier vorsichtig 
nennt, „cordons ectodermiques" sind zellige Stränge, die vom Ekto- 
derm aus ins Innere eingestülpt sind. Am distalen Ende befindet 
sich das Keimlager. Die vier Ausfiihrungsöffnungen befinden sich 
in der Mittelebene des Körpers, und zwar in den Diagonalebenen. 
Umgrenzt sind die Genitalstränge von einer sehr dünnen Mesogloea- 
lamelle, der eine Schichte von Entodermzellen aufliegt. Wie schon 
erwähnt, hat erst Carlgren erwiesen, daß es sich wirklich um 
Geschlechtsorgane handelt. 

Delage und Herouard geben an, es sei nicht die geringste 
Spur einer sexuellen Differenzierung zu bemerken. Carlgren hat 
jedoch gefunden, daß bei gewissen Exemplaren immer nur Spermien, 
bei anderen nur Eizellen vorkommen. Dabei hat er auch den Nach- 
weis geführt, daß Tetraplaüa ein geschlechtsreifer Coelenterat 
ist, da er reife Spermien und desgleichen reife Eier mit Keimbläschen 
gefunden hat. Tetroplatia ist somit eine geschlechtsreife, und zwar 
getrenntgeschlechtliche Form und keine Larve, wie von verschie- 
denen Seiten angenommen wurde. 

Über die Entwicklung ist nichts bekannt. Es ist noch nie 
gelungen, das zarte Tierchen zu züchten. 

Auch die Physiologie und Lebensweise ist bis auf die 
Bewegungen unbekannt. Was diese betrifft, so kann das Tier sich 
am Grunde des Wassers langsam durch seine Cilien bewegen, 
ferner nach Art eines Strudelwurmcs im Wasser schwimmen; doch 
dienen hauptsächlich die muskulösen Flügel der Bewegung, mit 
denen kräftige, rhythmische Schläge ausgeführt werden. Viguier 
hat gefunden, daß in einer Minute 120 Schläge ausgeführt Avcrden. 
Beim Schwimmen wird der aborale Pol nach vorne gehalten. 

Vorkommen: Für T. volitans sind folgende Fundorte an- 
gegeben worden: Messina von Krohn, (Jlaus, Bargoni, Mar- 
ch esc und Carlgren, Malaga von Busch und Algier von 
Viguier. Fllr 7'. (Jhuni, von der Carlgren nur ein einziges Exem- 
)>lar zur Verfügung hatte;, ist als Fundort angegeben: 30^ 23 4' s. B., 
17"3'S r '<). L. nVurzcl des Benguelastromes.) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(67) 



Es handelt sich nun darum, den Tetraplatien auf Grund ihrer 
Organisationseig-entümlichkeiten einen Platz im System des Tier- 
reiches zuzuweisen. Daß Tetraplatia zu den Coelente raten ge- 
hört, darüber hat unter den Autoren nie ein Zweifel bestanden. 
Unter den Coelenteraten kann man wohl von vorneherein die 
Spongien ausscheiden, wenn man diese überhaupt als Coelente- 
raten betrachten will, denn schon das Vorhandensein von Nessel- 
kapseln entfernt Telraplatia völlig von dieser Gruppe. Im übrigen 
aber sind die verschiedensten Meinungen über die Stellung der 
Tetraplatia innerhalb des Kreises der Coelenteraten geäußert worden. 

Busch hat sich nicht näher über die systematische Stellung 
geäußert. 

Krohn, der den Mangel eines Afters und die Nesselkapseln 
fand, weist auf die Ähnlichkeit der Statocysten mit den Kand- 
körpern der Medusen hin. Er äußert seine Meinung dahin, daß 
Tetraplatia ein noch unreifer Coelenterat sei, vermutlich zu den 
Hydroiden gehörig. Er hält das Tier für eine junge Qualle. 

Claus hält es für eine Zwischenform von Polyp und 
Meduse, bei der sich ursprüngliche Charaktere deutlicher erhalten 
haben. Vielleicht steht sie der Gastraea nahe. Claus läßt die 
Frage, ob Tetraplatia eine Larve ist, auch unentschieden. Obgleich 
er sich von einem definitiven Urteil über die systematische Stellung 
vorsichtig zurückhält, hält er es doch für wahrscheinlich, daß sie 
eine primitive Hydroidmeduse ist. 

Eine ähnliche Vermutung äußert Haeckel in seinem „System 
der Medusen", nämlich, daß Tetraplatia vielleicht eine Narco- 
medusenlarve oder aber eine Zwischenform zwischen Hydroid- 
polyp und craspedoter Meduse sei. 

Eine von allen anderen grundverschiedene Auffassung vertritt 
Fewkes, der Tetraplatia den Ctenophoren nahe bringen will 
oder sie als Zwischenform zwischen Hydroidmedusen und Cteno- 
phoren betrachtet. Er stützt sich hiebei auf den Vergleich der 
Flügellappen mit den Loben von Ocyroe. 

Gegen diese Auffassung wendet sich zunächst Viguier, der 
auch die Ansicht von Claus zurückweist. Er wendet sich auch 
dagegen, den Bau der Statocysten zur Erklärung der systemati- 
schen Stellung heranzuziehen und findet alle darauf gestützten Er- 



(68) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



klärungsversuche ungenügend. Viguier bat jedoch die Tatsache 
übersehen, daß die Sinneskölbcben entodermalen Ursprungs sind, 
was von einer gewissen Wichtigkeit ist. 

Fowler äußert sich nur kurz dabin, daß Tetraplaiia auf 
Grund der Beschalfenbeit ihrer Nesselkapseln und Otocysten zu 
den Hydroiden gehören, doch lasse sich innerhalb derselben ihre 
exakte Stellung nicht angeben. Er stellt sie unter die Hydroiden 
„incertae sedis". 

Belage und H6rouard sprechen für eine Beziehung zu den 
Acalephen. Es heißt dort: „Am wenigsten schwer wäre es, sie 
zu den Medusen, speziell den Acalephen zu stellen; es wäre mög- 
lich, daß die vier Pfeiler eine sekundäre Modifikation der Radial- 
kanäle wären, vergleichbar der Portikusbildung bei den Ehizo- 
stomen". Mehr oder weniger deutlich sprechen sie auch für eine 
zweite Auffassung der Tetraplatia als Larve irgend einer festsitzen- 
den Form. 

Carlgren hat nun der Auffassung der Te^rapZa^m als Hydro- 
meduse neue Grundlagen gegeben. Zunächst einmal stellt er fest, 
daß Tetraplatia keine Larve, sondern eine geschlechtsreife, und 
zwar eine getrenntgeschlechtliche Form ist. Er bespricht alle Mög- 
lichkeiten, Tetraplatia unter die Coelenteraten einzureihen. 

Zunächst die Ctenophoren: Für eine Beziehung zu diesen 
sprechen höchstens ganz äußerhche Merkmale: 

L Die Bewimperung des Körpers und 

2. eine schwache tJbereinstimmung in den äußeren Bau- und 
Symmetrieverhältnissen des Körpers. 
Dagegen spricht jedoch : 

1. Der Besitz von Nesselkapseln, 

2. das Fehlen eines apikalen Sinnespoles, 

3. das Fehlen eines komplizierten Kanalsystcms, 

4. das Fehlen eines ektodermalcn Schlundes, 

5. das Fehlen der Flimmcrplättchenreihcn 

0. die Bewegung mit dem aboralcn Pol nach vorne. 
Tntrajdatia gehört somit zweifellos zu den Cnidariern. 

Zu den Antbozoen kann 1 et/raplatia aus folgenden Gründen 
nicbt ;;ehr»reii : 

1. Felden der Mesogloca alle zelligen Elemente, 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(69) 



2. fehlt ein ektodermales Stomodaeum, 

3. fehlt jede Spur von Septen und Mesenterialfilamenten, 

4. spricht das einfache Gastraisystem dagegen. 

Die letzteren Gründe sowie die Form der dünnen Stützlamelle 
könnten allenfalls als Übereinstimmungen mit den Hydroid- 
polypen angesehen werden, wenn nicht gegen diese ins Gewicht 
fielen : 

1. Der Mangel der Tentakel und 

2. der Besitz der statischen Organe. 

Es bleibt also nur mehr die Stellung zu den Medusen übrig, 
und zwar ist jetzt eine Entscheidung zwischen Hydro- und Scypho- 
medusen zu treffen. Zunächst scheinen einige Gründe dagegen zu 
sprechen: 

1. Fehlt die Gallertschicht und ist nur eine dünne Stützlamelle 
vorhanden, 

2. fehlen die Radiär- und Ringkanäle, 

3. die Bewimperung. 

Nun ist jedoch, sagt Carlgren, nötig, sich klar zu machen, 
ob diese Merkmale primär oder sekundär sind. Wenn sie primär 
wären, so müßten sie schwer ins Gewicht fallen, da jedoch allem 
Anschein nach eine stark spezialisierte Form vorliegt, so kommen 
diese sekundären Merkmale, die gegen die Medusen zu sprechen 
scheinen, um so weniger in Betracht, als eine Reduktion der Radiär- 
kanäle auch bei den Solmariden und Bewimperung auch bei den 
Medusoiden von Bicoryne conferta vorkommt. 

Carlgren geht bei der Deutung des Tetra2flatia-KöripeYB vom 
velumartigen Anhang aus. Er ist dem Velum einer Hydronieduse 
homolog, daher der Randsaum mit dem Schirmrande und die ganze 
aborale Körperhälfte der Exumbrella. Die Subumbrella ist vöHig 
reduziert und die ganze orale Hälfte wird vom mächtig entwickelten 
Manubrium gebildet. Der Gastrairaum der oralen Hälfte entspricht 
dem Mundmagen, der der aboralen Hälfte dem Zentralmagen. Wir 
können auch Perradien, Interradien und Adradien feststellen: Die 
Perradien gehen durch die Mundwinkel, Pfeilerkanäle und Gonaden, 
die Interradien durch die Mitte der Flügel und die Adradien durch 
die Sinueskörper. So spricht nichts gegen eine Homologisierung 
des Körpers von Tetraplatia mit dem Medusenkörper. 



(70) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Mit den Scyphomedusen g-emeinsam hat nun Tekaplatia 
die Aufteilung" des Schirmrandes in Lappen. Die Flügellappen leitet 
Carlgren ab, indem er sich vorstellt, daß von acht Randlappen je 
zwei sich miteinander vereinigen und bedeutend in die Länge aus- 
wachsen. Ursprünglich dürften wohl auch Tentakel vorhanden ge- 
wesen sein, von denen jetzt keine Spur vorhanden ist. 

Mit den Hydromedusen gemeinsam hat Tetraplatia folgende 
Merkmale : 

1. Den Besitz des Velums, 

2. die zellenlose Gallerte, 

3. ektodermale Geschlechtsprodukte, 

4. ist der Bau der Sinnesorgane noch am ehesten hydroiden- 
älmlich. 

So hat also Tetraplatia mit den Hydromedusen ein ganze An- 
zahl gemeinsamer Charaktere, mit den Scyphomedusen nur einen 
einzigen. Nun sind drei Fälle denkbar: 

L Ist 'Tetraplatia vielleicht eine Zwischenform zwischen bei- 
den Gruppen? 

2. Oder vielleicht von einer solchen Zwischenform abzuleiten? 

0. Oder beruhen die Ähnlichkeiten mit einer der beiden 
Gruppen auf Konvergenz? 

Gegen Fall 1, daß Tetraplatia eine Zwischenform sei, spricht 
ihre starke Spezialisierung. Gegen Fall 2 spricht, daß keine ein- 
zige Zwischenform bekannt ist, von der aus eine solche Ableitung 
ini»^:li('h, ja nur denkbar wäre. Diese Erklärung wäre höchst ge- 
zwungen. 

Die einzig m(')gliche Annahme bleibt somit: Tetraplatia ist 
eine llydromoduso, deren eigentümliche Randaufteilung als Kon- 
vergcnzcrsclicinung mit der Lappenbildung- der Scyphomedusen auf- 
zufassen ist. 

Nun sind bei Tetraplatia jedoch auch noch Charaktere vor- 
haiidm, die ganz einzig dastehen und kein Analogon unter den 
Medusen finden: 

1. Die Muskulatur, die an der exumbrellaren Seite der Rand- 
faltc verlauft, wiilirend die Muskulatur der Medusen immer sub- 
uiiibrcilar ist. 

2. Der \\;\\\ der Siiineski>rper. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(71) 



Die entodermalen Statolithen stimmen mit Cordylien der 
Tracbylinen überein, merkwürdig ist es jedoch, daß eine Partie 
des Velums die Statocystenblase bildet. Docb ist dies immerbin 
kein prinzipieller Unterscbied gegenüber den Hydromedusen, da wir 
an den Vesiculaten (Leptomedusen) Beispiele für velare Sta- 
tocysten haben. Die Sinneskörper von Tetraplatia stimmen somit^ 
meint Carlgren, immer noch mehr mit denen der Hydromedusen 
als den Rhopalien der Acalephen überein. 

Zur Erklärung, wie diese merkwürdige Gestalt von den Hy- 
droidmedusen abzuleiten sei, weist Carlgren auf die exzessive 
Vergrößerung des Manubriums hin. Diese führt zur Reduktion der 
Subumbrella, Hand in Hand damit zum Verschwinden der Ring- 
und Radiärkauäle; die Geschlechtsorgane müssen auch ihre Lage 
verändern; wenn sie gegen das Manubrium verschoben würden, so 
w^äre die Lokomotion des Tieres erschwert, daher werden sie ins 
Innere eingestülpt. Im Zusammenhang damit steht die starke Re- 
duktion der Schirmgallerte zu einer dünnen Mesogloea und die Ver- 
größerung des Zentralraumes; das Velum findet infolge des Ver- 
schwindens der Subumbrella keinen Platz mehr und wird zum ru- 
dimentären Anhang der Randfalte reduziert. Hand in Hand damit 
geht die Reduktion der subumbrellaren Muskulatur; da aber auch 
die elastische Gallertschicht fehlt, so wird die Ausbildung neuer 
Bewegungsorgane nötig: das Wimperkleid, die Umwandlung des 
Schirmrandes in Flügellappen und die Ausbildung der starken ex- 
umbrellaren Muskulatur. SchUeßlich werden Versteifungen des Kör- 
pers notwendig und so treten die Pfeiler auf, bei T. Chimi erst 
schwach angedeutet, bei T. volitans bereits voll entwickelt. 

So gibt uns Carlgren eine hypothetische Darstellung der 
möglichen Umbildung einer Hydromeduse zur Tetraplatia. Tetra- 
platia ist somit eine Hydromeduse, nur eine stark abgeleitete Form 
im Gegensatze zu Claus, der in ihr eine primitive, der Urform 
nahestehende Form sieht. 

Die letzte Frage, die sich uns aufdrängt, zu welcher Ordnung 
der Hydromedusen Tetraplatia gehört, löst Carlgren in eigentüm- 
licher Weise. Das Vorhandensein eines entodermalen Statolithen 
weist nur auf die Tracbylinen hin. Mit den beiden Gruppen der 
Tracbylinen, den Trachomedusen und den Narcomedusen, weist 



(72) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Tetraj)lafla gewisse Äbnliclikeiteii auf, doch weicht auch sie von beiden 
in so bedeutenden Punkten ab, daß Carlg-ren sich entschließt, eine 
neue, den Tracho- und Narcomedusen koordinierte Trachylinen- 
ordnung zu schaffen, der er den Namen der Pteromedusae gibt. 
Er sagt zur Eechtfertigung dieser Aufstellung: „Offenbar sind näm- 
lich die Unterschiede zwischen Tetraplatia und den genannten 
Gruppen mindestens ebenso groß, wie diejenigen, welche die Narco- 
und Trachomedusen trennen, so daß es nicht möglich wäre, Tetra- 
plafia mit einer dieser Gruppen zu vereinigen, ohne dadurch die 
Diagnose dieser Gruppen wesentlich zu verändern." 

Die spezifischen Charaktere der Pteromedusen lassen sich 
also kurz zusammenfassen: 

1. Doppelfliigellappen, 

2. exumbrellare Muskulatur, 

3. motorische Zellen an Stelle der Subumbrellarmuskulatur, 

4. Einstülpung der Geschlechtsorgane in den Gastrairaum, 

5. Verbreiterung des Manubriums, 

6. Abschließung des entodermalen Hörkölbchens durch ein 
velares Bläschen. 

Die neue Ordnung der Pteromedusae enthält eine einzige Fa- 
milie: Tetraplatiadae Carlgren, 1909. Diese ein Genus: Tetra- 
platia Busch, 1H51. Zwei Spezies: I. Chuni Carlgren, 1909, und 
T. volitans Busch, 1851. 

Diese Hypothesen Carlgrens bieten uns zwar eine Möglich- 
keit, den Bau der Tetraplatien zu erklären und das Tier ins 
System einzuordnen, doch ist erst durch die derzeit noch ganz un- 
bekannte Eiitwickliuigsgeschichtc die Bestätigung dieser Hypothese 
abzuwarten. 

Literatur. 

1851, lin.scli W. Beobaclitinif^cn über Aiiatoniio und Entwicklung einiger 

wirlMilioser .Seetierc. JJerlin. 
1805. Krf>lin. i]\)Gv Tetraplatia voliians. — Arcli. f. Nuturgcscli., 1865, S. 337 

blH 341. 

1878. Claus. Ober 'l'f trapturon (Tetraplatia) volitans. — Arcli. f. uiikr. Ana- 
tomie, 15, S. :M!)-359. 

1883. Fewkj'M. 'I hr affinitioH (»f Tctraptera volitans. — Tlic Anicriean Na- 
tiirabht, 17, p. 120. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(73) 



1885. Viguier C. Sur hiTetviuptere (Tetraplatia volitans) Busch. — Comptes- 
rendus de l'Acad. des Sc, 100, 9. Fev. 1885, p. 388—390. 

1890. Viguier C. Etiides sur les animaiix inferieurs de la baie d'Alger. 

4. La Tetraptere (Tetraplatia volitans) Busch. — Arch. de Zool. exper. 
et generale (2.), 8, p. 101—142. 

1895. Bargoni. Sul Tetraplatia volitans. Messina (Fil d'Angelo). 

1902. Marc Lese, Osservationi sul T. volitans Busch. Messina. 
Siehe ferner in: 

1879/81. Haeckel E. Das System der Medusen. 

1900. Fowler in Ray-Lankester, A Treatise on Zoology. 

1901. Delage et Herouard. Traite de Zoologie concrete. IL Les Coelen- 

teres. 

Hierauf hält Herr Prof. Dr. J. Fiebiger einen Vortrag*: 
Über Sarkosporidieii. 

Ich möchte mir gestatten, einige vorläufige Mitteilungen über 
die Resultate der Untersuchungen zu machen, welche ich gemein- 
sam mit Herrn Dr. Th. Moroff über die Natur der Miescherschen 
Schläuche ausgeführt habe. 

Als Objekt dienten uns in erster Linie die Miescherschen 
Schläuche des Büffels. Das Material stand uns stets in reichlichem 
Maße zur Verfügung, da Büffel regelmäßig auf den Wiener Markt 
kommen und von diesen nahezu alle Exemplare solche Schläuche 
in der Muskulatur des Oesophagus zeigen. Mitunter sind auch an- 
dere Muskeln davon befallen^ und in einem Falle war die gesamte 
Muskulatur so sehr von Schläuchen durchsetzt vorhanden, daß das 
Tier vom Konsum ausgeschlossen werden mußte. 

Die Schläuche sind meist gleich groß, sie erreichen eine Länge 
von 10 mm, eine Dicke von 3 — 4 mm; sie sind oblong, spindel- 
förmig, an den Enden abgerundet und von weißer Farbe. Obwohl 
sie auch in der Tiefe vorkommen, drängen sich die meisten doch 
so weit nach außen, daß sie der Muskulatur aufzusitzen scheinen. 

Neben den großen finden sich auch kleinere Schläuche und 
auch, besonders in reichlich infiziertem Material, solche, welche 
erst bei der mikroskopischen Untersuchung entdeckt werden. 

Mitunter sieht der Oesophagus wie gespickt mit den weißen 
mandelförmigen Gebilden aus. 



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Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Das Büffelmaterial wurde auch deshalb eingehender studiert, 
weil gerade diese Form noch wenig genau beschrieben ist. Zum 
Vergleich wurden ferner die Miescherschen Schläuche des Schafes, 
Pferdes und Schweines herangezogen. 

Erstere kommen ebenfalls sehr häufig im Schlünde vor. Sie 
erreichen eine noch bedeutendere Größe, sind jedoch stets kugelig 
gestaltet. 

Beim Pferde konnten wir in vier Fällen dreimal Schläuche 
im Schlünde nachweisen. Sie sind hier sehr dünn und deshalb 
nicht so leicht zu sehen. 

Zum Studium wurden die Schläuche angeschnitten und der 
Inhalt bei Kochsalzzusatz betrachtet, ferner wurden Ausstriche an- 
gefertigt und entweder wie Blutpräparate trocken fixiert und nach 
Giemsa gefärbt oder feucht mit Sublimatalkohol fixiert und mit 
Haemalaun gefärbt. Das größte Gewicht wurde auf Serienschnitte 
von mit Fleming oder Sublimateisessig fixierten Präparaten gelegt, 
welche mit Haematoxylin oder nach Heidenhain mit oder ohne 
Nachfärbung mit Eosin gefärbt wurden. Auch Nachfärbungen mit 
Pikrofuchsin wurden vorgenommen. 

Bevor ich auf die Schilderung unserer Befunde eingehe, will 
ich kurz die bestehenden Kenntnisse, welche seit der Arbeit von 
Bertram kaum einen Fortschritt aufweisen, rekapituHeren. 

Darnach besteht jeder Schlauch aus einer Hülle und einem 
Inhalt. Die Hülle ist zweischichtig. Die äußere Schichte zeigt häufig 
eine deutliche Streifung, welche von den einen als der Ausdruck 
von Stäbchen, von den anderen als der Ausdruck von Porenkanäl- 
chen erklärt wird. 

Die innere Schichte ist homogen. Sie besitzt am Rande Lücken 
für die rundlichen Pansporoblasten, nach innen zu sendet sie Wände 
aus, wek'lic miteinander vielfach sich verbinden und dadurch Kam- 
mern bilden. Letztere bilden das Lager für die Sichelkörperchen, 
die außen in großer Anzahl und aneinander geju'eßt die Kammern 
strotzend flillcn, im Zentrum jedoch häufig vollständig verschwinden, 
so daß die Kammern leer sind. 

Man laßt gegenwärtig die Sichelkörperchen als Sporen von 
Sporozoen, den Sarkosporidien auf, welche samt den Onidosporidicn 
die (Jrdnung der NcoKj)ori(lien bilden. Jn früherer Zeit hal)en einige 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



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Forscher (Hessling, Manz und Roloff) die parasitische Natur 
überhaupt in Abrede gestellt und die Schläuche als pathologische 
Gebilde bezeichnet. 

Über die Fortpflanzung ist bis jetzt gar nichts bekannt, über 
gelungene Übertragungsversuche wird von mehreren Forschern be- 
richtet (Koch, Smith, Negre, Negri), die cytologischen Verhält- 
nisse sind nur wenig erforscht. Es erschien uns daher eine neuer- 
liche Untersuchung als zweckmäßig. Über die Resultate unserer 
Untersuchungen kann ich kurz folgendes mitteilen. 

Verschiedene Entwicklungsstadien. Als Anfangsstadien 
wurden bis jetzt immer Anhäufungen von ca. 5 (.i großen, rund- 
lichen Gebilden beschrieben, welche in das reaktionslose Muskel- 
gewebe, zwischen die Fibrillen eingelagert sind. Die Gebilde be- 
sitzen ein fein granuliertes, diffus Haematoxylin annehmendes Proto- 
plasma und einen großen, unregelmäßigen, sehr chromatin reichen 
Binnenkörper. Diese Gebilde entsprechen den Pansporoblasten und 
sind jedenfalls durch Teilung aus einzelligen Elementen hervor- 
gegangen. Daneben konnten wir jedoch auch Fälle beobachten, in 
welchen die Teilung und Abschnürung bloß den einen Pol befallen 
hatte. In den übrigen Bezirken war das Protoplasma homogen, 
ungeteilt und enthielt zerstreute kleine Chromatinpartikelchen, die 
man wohl als Chromidien bezeichnen kann. 

Von der größten Wichtigkeit wäre es, Stadien zu finden, welche 
noch keine Teilungstendenz zeigen. Es ist uns dies bis jetzt, ebenso 
wie anderen Forschern, mit Sicherheit noch nicht gelungen. Jedoch 
fanden wir zellige Elemente, welche von normalen Gewebsele- 
menten (Muskelkernen, Leukocyten) einigermaßen abwichen und 
daher möglicherweise als solche Erstlingskeime anzusprechen sind, 
so z. B. ovoide, kernartige Gebilde in Muskelfeldern, mit sehr 
großem, chromatinreichem Binnenkörper. Bestärkt wurde diese Auf- 
fassung durch ein stärkeres Tinktionsvermögen des umgebenden 
Gewebes gegen Haematoxylin. 

Ein zweites Stadium besitzt schon eine dünne, strukturlose 
Hülle. Die umgebende Muskulatur ist jedoch noch vollständig un- 
geändert. Die Chromatinnukleolen haben ihre scharfe Begrenzung 
verloren, das Protoplasma färbt sich intensiver, die Grenzen sind 
ebenfalls verwischt. 



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Versammlung der Sektion für Zoologie. 



In einem dritten Stadium beobachten wir bloß eine grob- 
scbollig-e Maße ohne g-leichmäßige Form der Elemente. Stellenweise 
macht die intensive Haematoxylinfärbung einem rötlichen Stich 
Platz. Die umgebende Muskulatur behält noch ihre Struktur, nimmt 
jedoch mitunter schon eine intensivere Färb barkeit gegen Haema- 
toxylin an. 

In einem vierten Stadium tritt ein dicker, mit Haematoxylin 
intensiv sich färbender Saum um die Schläuche auf (Fig. 1), wel- 
cher eine deutliche quere Strei- 
' - -'"^ ' ■ . fung zeigt. Die Streifen setzen 

sich in die bloß Eosinfärbung zei- 
genden Muskelfasern fort, wobei 
diese vielfach eine Abknickung er- 
fahren. Auf Schiefschnitten sieht 
man deutlich, daß sich die Struk- 
V tur der Muskulatur in die stark 

^ ' färbbare Zone verliert. 

Man beobachtet dann Spal- 
tungen in aufeinander senkrecht 
stehenden Richtungen, welche nur 
zum Teil mit der Querstreifung 
übereinstimmen. 

Der Übergang der Struktur 
ist ein so ausgeprägter, daß sich nicht bloß die Hauptscheiben Q, 
sondern auch die Zwischenscheiben Z deutlich verfolgen lassen. 

Der Inhalt der Schläuche, welche in diesem Stadium einen 
Durchmesser von O'l mm noch nicht überschreiten, hat sich schon 
in der Weise differenziert, daß aus den länglichen Schollen distinkte 
Gebilde (Fig. 3a) geworden sind, welche sich an einem Ende stärker 
färben. Eine Sichelform haben sie noch nicht angenommen. 

Erst im fünften Stadium treten die Sichelformcn auf. Die 
Pansporoblasten fehlen häufig vollständig, und die SichelkJh-perchcn 
reichen bis an die scharf l)egrenzte, mit Haematoxylin färbbarc Zone. 
Erst bei großen Schläuchen treten die Pansi)oroblastcn in einer 
kontinuierlichen, epithelartigen Schichte auf. 

Von diesen, einem sechsten Stadium zugeh()rigen Schläuchen 
wurde cifu r von '2 2 mm Dicke geschnitten. Die Dicke der Pan- 




Fig. 1. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



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sporoblastenschiclit beträgt 11 f.i. Die Dicke der färbbaren Schicht 
beträgt 5 jw, sie ist geringer als bei den früheren Stadien. Die 
regelmäßig streifige Struktur ist nicht mehr vorhanden (Fig. 2), 
sondern bloß eine feinfaserige Zeichnung*. 

Die Pansporoblasten haben bedeutend an Zahl zugenommen, 
sie sind in mehrfacher Schicht vorhanden. Weiter nach innen sind 
alle Kammern strotzend mit Sichelkörperchen gefüllt. Im Innern 
des Schlauches sind die Kammern leer von Sichelkörperchen. 

Dies ist in groben Zügen das Bild von mehreren Typen, wie 
sie mitunter in demselben Schnitt, mitunter in verschiedenen Prä- 
paraten zur Beobachtung kommen. 

Im folgenden soll auf einzelne wichtige Details eingegangen 
werden. 

Die Sichelkörperchen. Die als Sporen angesprochenen 
Sichelkörperchen zeigen die bekannte Gestalt, welche Janin mit 
der einer Banane vergleicht. 

Bezüglich der Struktur ergeben sich Differenzen je nach der 
Behandlungsmethode. Fadenförmige Anhänge sowie irgendeine selb- 
ständige Bewegung konnten wir am frischen Präparate nicht kon- 
statieren, dagegen ist eine feine quere Streif ung an dem einen Ende 
mitunter nicht zu verkennen. 

An nach Giemsa gefärbten Präparaten weist dieses Ende 
häufig einen homogenen roten Farbenton auf, das andere Ende ist 
blau eingesäumt und zeigt daran anschließend ein oval begrenztes 
feines Netzwerk mit roten Körnern in den Knotenpunkten. Das 
Mittelstück ist fein blau gekörnt, dann folgt ein queres Band mit 
roten Körnern. Häufig ist auch eine alveoläre schwärzliche Zeich- 
nung an dieser Stelle vorhanden. Bei Haemalaunfärbung tritt bloß 
die Körnchenansammlung am Ende hervor. 

Die Länge differiert zwischen 8-5 fj, und 16 ^, noch größere 
Differenzen zeigt die Breite. 

Auf Schnitten erweist sich das Ende mit den chromatischen 
Elementen häufig halsartig abgeschnürt. 

In manchen Schläuchen ist die Gestalt der Sporen ausge- 
sprochen spindelförmig. Die chromatische Substanz ist ebenfalls 
an dem einen Ende angehäuft, gegen die Mitte zu liegt eine Va- 
kuole. 



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Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Die Sicbelkeime sind mit Vorliebe parallel angeordnet und 
enge aneinander geschmiegt. 

Die Sporoblasten.^) Schon früher wurden einerseits die rund- 
lichen Elemente der Anfangsstadien, andererseits die Randkügel- 
chen der vorgeschritteneren Stadien beobachtet, welche an der 

/ 




Fig. 2. 

l^criphcrie dieser Schläuche in Kammern oder epithclartig ange- 
ordnet sind. Letztere zeigen überdies neben dem großen unregel- 
mäßigen JiiimcnluM-per verstreute, stark mit llaemalaun tingicr- 
barc, scharf begrenzte Körner. 

*) Die hier bnsproclMüicn (jel)il(lc werden von den einen als Sporoblastcn, 
vfMi .•iiifl<'r('ii rils l'anK|)ürol)la8teii hczciclinct. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



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Als besonders auffallend muß das Vorkommen ganz ähnlicher 
Gebilde, welche der Kapsel außen (Fig. 1) aufsitzen, bezeichnet 
werden. 

Das gewöhnliche Verhalten bei mittleren Schläuchen ist fol- 
gendes: 

Die homogene Schichte besitzt Lücken, in welche peripher 
die Randkörperchen einzeln eingelagert sind (Fig. 2). Die Zwischen- 
substauz kann dann die Form von dicken Balken besitzen. Weiter 
nach innen vermehren sich die Inhaltsgebilde. Die Lücken werden 
dementsprechend immer größer, die Wände dünner. Noch weiter 
nach innen zu treten dann plötzlich in den Kammern anstatt ihrer 
die Sichel- oder Spindelkörperchen auf. 

Nach der allgemeinen Annahme entstehen die Sichelkörper- 
chen aus den Randgebilden. 

Es entstehen aber auch die Sichelkörperchen aus den Ele- 
menten der früher beschriebenen Anfangsstadien, welche somit beide 
als Pansporoblasten, respektive beim Übergang zu den Sichelkörper- 
chen als Sporoblasten zu bezeichnen sind. 

Die Entstehung der Sichelkörperchen. Die Entwick- 
lung der Sichelkörperchen spielt sich durchaus nicht so klar ab, 
wie wir dies sonst bezüglich der Sporenentwicklung bei den Pro- 
tozoen zu sehen gewohnt sind. Von Details konnten wir an Schnitten 
und in Ausstrichen folgendes beobachten: 

Wir haben ihr Auftreten schon in relativ kleinen Schläuchen 
konstatiert. Die Pansporoblasten der Anfangsstadien haben sich stark 
vermehrt. Die Gebilde strecken sich in die Länge, färben sich in- 
tensiv mit Haematoxylin, die länglichen Schollen bekommen dann 
mehr ovale Gestalt, sind aber noch immer sehr dick, erst später 
entstehen daraus die definitiven schmalen Sicheln. 

Auf Ausstrichen konnten wir noch folgende Übergangsformen 
beobachten (Fig. 36): 

Wir sehen zuerst Stadien, in welchen von einem plumpen 
rundlichen Mittelstück ein oder zwei Fortsätze ausgehen. Das Mittel- 
stück verschmächtigt sich, und durch allmähliche Nivellierung kommt 
ein mehr oblonger Körper zustande. 

Die Entwicklung der Spindelformen spielt sich in der Weise 
ab, daß die Sporoblasten einseitig auswachsen (Fig. 3 c), oder viel- 



(SO) Versammlung der Sektion für Zoologie. 

mehr das Plasma begibt sich zum größten Teil auf eine Seite. Da- 
durch erklärt sich die Lage des chromatischen Binnenkörpers an 
dem einen Ende. Seine Struktur hat sich jedoch geändert, er hat 
sich in einzelne Körnchen geschieden. 




Fig. 3. 



Dabei sind die Sichelkörperchen imstande, sich zu vermehren | 
(Fig. od, c, /■). Eine Längsteilung wurde schon von anderen For- > 
Schorn angegeben fKoch). Wir konnten eine solche sowohl auf - 
Ausstrichen als auch auf Schnitten beobachten. Anfangs ist eine *' 
Einkerbung an dem einen, aufgetriebenen Ende sichtbar. Diese 
setzt sich fort, bis schhclllich die Teile des Zwillingsgebildes bloß 
mehr an dem anderen Ende zusammenliängen. Auch Ijängsspalten 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



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im Innern bei zusammenhängenden Enden wurden als Ausdruck 
der beginnenden Teilung beobachtet. 

Alle diese Vorgänge sind nur relativ selten deutlich sichtbar. 
Sie müssen jedoch sehr häufig vorkommen und sich jedenfalls sehr 
rasch abspielen, denn es wäre sonst die enorme Zahl von Sicheln 
nicht erklärbar. 

Das Zugrundegehen der Sichelkörper. Die auffälligste 
Erscheinung bei den Miescherschen Schläuchen ist der Umstand, daß 
schon bei relativ kleinen Schläuchen die Sichelkörper im Zentrum 
verschwinden. Von den meisten Forschern wird ein Zugrundegehen 
angenommen, nur Pfeiffer vermutet eine Wanderung nach außen. 

Diesbezüglich konnten wir folgendes konstatieren: 

Wir konnten das Verschwinden schon bei einem Schlauch 
von 6 mm Durchmesser beobachten. Bei einem Schlauch von 1 mm 
Dicke waren zwei Drittel des Innenraumes von leeren Kammern 
eingenommen. Nur hie und da findet sich in letzteren eine Sichel. 
Das Verschwinden ist meist ein ziemlich plötzliches; neben strotzend 
gefüllten Kammern finden sich schon leere. Der Zerfall des Sichel- 
körperchens scheint in der Regel von dem einen Ende auszugehen 
(Fig. 3^). Das Ende bröckelt sich in Form von Körnchen ab, 
der Inhalt verblaßt, am längsten hält sich ein grobmaschiges Gerüst. 
Kleine, mit Eosin sich färbende Scheibchen, welche sich vielfach 
noch finden, dürften der Rest der Sporen sein. 

Häufig begegnen wir nicht bloß im Zentrum, sondern auch 
an der Peripherie, wo die Entwicklung der Sicheln anscheinend 
noch in voller Blüte steht, einem Zerfall. Gerade unter den Spindel- 
formen konnten wir diesen Prozeß deutlich verfolgen. 

Die Körperchen bekommen große Vakuolen, verlieren die Färb- 
barkeit und gehen zugrunde. 

Schließlich beobachteten wir auch Schläuche, in welchen keine 
Spur mehr von Sicheln vorhanden war. Auch die normalen Hüllen 
sind vollständig zugrunde gegangen und durch eine mehrschichtige 
Bindegewebskapsel, in welche Leukocyten eingelagert sind, er- 
setzt. Die Bindegewebszellen stehen palissadenartig um das Lumen 
herum. In der Mitte sind noch Reste des Karamergerüstes wahr- 
nehmbar, welche mit Detritus und einer großen Anzahl von ein- 
gewanderten Leukocyten und eosinophilen Zellen gefüllt sind. 

Z. B. Ges. 60. Bd. f 



(82) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Wir müssen nach diesen Untersuchungen das Zugrundegehen 
für den normalen, in den Entwicklungskreis dieser Gebilde ge- 
hörigen Vorgang ansehen. 

Die Hülle. Nach unseren Untersuchungen ist es zweifellos, 
daß die von anderen Autoren als Stäbchensaum, Porenkanälchen, 
Wimperbesatz angesprochene Hülle aus quergestreifter Muskelsub- 
stanz besteht. 

Nur in manchen Fällen ist eine scharfe Grenze zwischen ihr 
und der Sporoblasten schiebt vorhanden. In anderen Fällen ist bloß 
eine diffus stärker gefärbte Zone vorhanden, welche sich einerseits 
auf die umgebende Muskulatur, andererseits auf die Sporoblasten- 
zone erstreckt und dadurch die Struktur der Sporoblasten verwischt. 

An solchen Präparaten fehlt die homogene Hülle als zusammen- 
hängende Membran, die Sporoblasten liegen epithelartig nebenein- 
ander und sind bloß durch eine Kittsubstanz voneinander getrennt. 
Andererseits ist gerade bei kleinen Schläuchen die Stäbchenhülle gut 
und regelmäßig entwickelt^ während die homogene Hülle ebenfalls 
fehlt und die Pansporoblasten nur spärlich vorhanden sind (Fig. 1). 

Wie schon erwähnt, fassen wir die Stäbchenkapsel als Be- 
standteil der Muskulatur auf, welche jedoch eine eigentümliche Ver- 
änderung eingegangen sein muß, die in einer Konsistenzzunahme 
und einer Veränderung der Färbbarkeit zum Ausdrucke kommt. 
Verm()ge der crsteren Eigenschaft bleibt sie an durch das Mikrotom- 
messer lädierten Paraffinschnitten noch erhalten, während sich die 
Umgebung, auch die noch dieselbe Struktur zeigende Kapsel, schon 
ablöst. Die zweite Eigenschaft ist die Färbbarkeit mit Haemalaun 
und Eisenhaematoxylin. 

Als Ursache dieser geänderten Beschaffenheit muß eine Ein- 
flußnahme vonseiten des Schlauchinhaltcs angesprochen Averden. Wir 
müssen die Absonderung einer auf die BeschafKcnhcit des Muskelge- 
webes chemisch wirkenden Substanz, eine Sekretion annehmen, 
welche eine Art Füllung bewirkt. Die Streifung wäre dann durch 
das Auftreten von Spalten in der so veränderten Muskulatur, welche 
durcli den beim konzentrischen Wachstum ausgeübten tangentiellen 
Zug bewirkt wird, erklärt. 

Aus unseren rrä])nraten ist ersichtlich, daß die Streifen sich 
iiiitnnfer in die (^uerstreifung der Muskulatur fortsetzen. Das kann 



Versammlang der Sektion für Zoologie. 



(83) 



natürlich nur bei längsg-etroffener Muskulatur der Fall sein. Auf 
Querschnitten ist bei normaler Muskulatur bloß die Struktur der 
Cohnheim sehen Felder zu sehen. Daß auch hier sich regelmäßige 
Linien zeigen, findet ebenfalls in dem durch das Wachstum aus- 
geübten Zug seine Erklärung. 

Übrigens läßt das Wachstum des Schlauches auch die Lage 
der Muskelfasern nicht ungeändert. Vielfach finden sich Umbiegun- 
gen der Fibrillen. An den Polen der Schläuche sehen wir die 
Muskelfibrillen vollständig in Unordnung geraten und auf Serien- 
schnitten ist die Nähe des Schlauchpoles, abgesehen von der später 
zu besprechenden Veränderung der zelligen Elemente, schon an der 
veränderten Lagerung ersichtlich (Fig. 4). 

Im weiteren Verlauf des Wachstums und mit der Vergrößerung 
des Schlauches wird dann die Grenze des Muskelbündels erreicht. 
Die Kapsel wird nicht mehr weiter gebildet und daher durch Deh- 
nung und Druck dünner. Die regelmäßige Struktur verwischt sich, 
und anstatt dessen wird sie feinfaserig. Es tritt dann auch eine 
Bindegewebshülle auf. 

Nach diesen Darlegungen würden wir uns also der älteren 
AufPassung Virchows und anderer Forscher anschließen, nach 
welcher die Stäbchenschicht keine fremde Bildung wäre. Sie ist 
demnach auch nicht ein ektoplasmatisches Ausscheidungsprodukt 
des Parasiten, als welche sie auch in Dofleins Lehrbuch der Pro- 
tozoenkunde angeführt ist. 

Damit fällt aber auch die daran geknüpfte Analogisierung mit 
der Streifenkapsel von Knidosporidien weg. 

Die zelligen Elemente der Kapsel und ihrer Umge- 
bung. Es wurde schon früher hervorgehoben, daß außerhalb der 
Kapsel sich Elemente finden, welche mit den Sporoblasten eine 
große Ähnlichkeit besitzen. Aus unseren Präparaten geht hervor, 
daß auch sonst Beziehungen zwischen den zelligen Elementen der 
Umgebung und den Schläuchen vorhanden sind. An den Polen der 
Schläuche findet sich eine Zunahme der Muskelkerne (Fig. 4). Es 
macht den Eindruck, als ob sie in Zuwanderung begriffen wären. 
Dabei erscheinen die Kerne in eigentümlicher Weise verändert. 
Allem Anscheine nach handelt es sich um Muskelkerne, die jedoch 
in ihrer Beschaffenheit so verschieden sind, daß wir von einer Poly- 

f* 



(84) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



morphie sprechen können. Bald sind sie ganz unregelmäßig ge- 
staltet, mit einem feinen Chromatinnetz und schwacher Kernmembran 
versehen, bald findet sich eine ausgeprägtere Kernmembran, deut- 




Fiff. 4. 

lichcs Chromatinnetz und ein oder mehrere Nuklcolen, bald auch 
ein 8ta))f()rniiger Cliromatinbalken , von dem ein Chromatinnetz 
zur Membran zieht, häufig beobachten wir auch sehr große, aber 
ganz plattgedrückte Kerne mit schwachem Chromatinnetz und dünner 
Membran. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



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In der Hauptsache erscheinen die Kerne gegen den Schlauch- 
pol zu orientiert. 

Bei mittelgroßen Schläuchen sehen wir in dem chromatisch 
noch nicht geänderten Teile der Kapsel Kerne in regelmäßigen 
Intervallen eingelagert, welche eine Kernmembran, Chromatin- 
nukleolen und ein Gerüst besitzen. In ihrer Umgebung ist das Ge- 
webe hofförmig gelichtet. 

An den Nukleolen sind mitunter sehr eigentümhche Teilungs- 
vorgänge zu beobachten. Es sind zwei Chromatinzentren vorhanden, 
welche durch einen schwächer gefärbten Strang miteinander ver- 
bunden sind. 

Sie sind offenbar durch Teilung entstanden. Der eine dieser 
Zentren kann sich wieder teilen und der Verbind ungsstrang rückt 
dementsprechend daselbst auseinander. 

Solche Kerne finden sich auch mitten in der Kapselsubstanz 
(B^ig. 2); wir treffen aber auch solche große platte Kerne mit einem 
oder mehreren Nukleolen im Innern des Kapselraumes zwischen 
den Sporoblasten. Sie sind dann schwer von letzteren zu unter- 
scheiden. 

Daß durch diese Teilung der Nukleolen eine Teilung des 
Kernes vorbereitet ist, dafür spricht auch eine Einkerbung an der 
Oberfläche. 

Veränderungen im Muskelgewebe. Von verschiedenen 
Forschern wird angegeben, daß das umgebende Gewebe trotz des 
Vorhandenseins von Schläuchen sich reaktionslos verhalte. Andere, 
besonders ältere Forscher (Rieck, Pütz), beschreiben jedoch sehr 
tiefgreifende Veränderungen. Sie verweisen auf die Tatsache, daß 
das Fleisch solcher stark infizierter Tiere blaß und wässerig sei 
und daher sogar genußuntaughch werde. 

Zugleich werden nähere Angaben über Entzündungserschei- 
nungen mit Leukocytenwucherung gemacht, jedoch wird die Frage, 
ob die einwandernden Erreger direkt diese Entzündung hervor- 
rufen, ob es sich also um eine „gregarinöse" Myositis handle, offen 
gelassen. 

Nach unseren Untersuchungen konnten wir folgendes kon- 
statieren: Abgesehen von der oben beschriebenen Veränderung 
und Vermehrung der Muskelkerne, sowie der Wanderung zu den 



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Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Scbläucheii an den Polen ist mitunter von Entzündung tatsächlich 
nichts zu beobachten. 

Dagegen findet sich in anderen Fällen wieder eine Anhäufung 
von Leukocyten, Vielehe mitunter ganz lokahsiert auftritt, mitunter 
in einem Streifen die Schläuche umgibt. Sie tritt bei solchen 
Schläuchen auf, welche schon das ganze Muskelbündel ausgefüllt 
haben und bis zum intermuskulären Bindegewebe reichen. 

Häufig begegnen wir Herden, in welchen die Muskelsubstanz 
in voller Auflösung begriffen ist. Die Querstreifung ist entweder 
nur mehr angedeutet oder ganz verloren gegangen, daneben findet 
sich ein ausgesprochener Kernzerfall mit eigentümlichen Teilungs- 
vorgäDgen, indem kleine, stark mit Kernfarbstoffen sich färbende 
Partikeln in Hantelform mit dünnem Verbindungsfaden auftauchen. 
Inwieweit es sich hier um auch normalerweise vorkommende und 
als „Sarkolyse" bezeichnete Prozesse handelt, können wir nicht 
entscheiden. 

Zusammenfassung. Auf Grund unserer Untersuchungen ge- 
langen wir zu folgenden Resultaten: 

1. Die Stäbchenhülle ist nicht als ektoplasmatische Hülle des 
Schlauches, sondern als verändertes Muskelgewebe aufzufassen. 

2. Die Sichelkörperchen entstehen durch eigentümhche Um- 
formungs- und Auswachsungsprozesse aus den Sporoblasten. 

3. Es findet auch nachträglich eine Vermehrung der Sichel- 
körper durch Längsteilung statt. 

4. Das Zugrundegehen der Sichelkörper geht nicht bloß im 
Zentrum des Schlauches, sondern auch in den peripheren Kammern 
vor sich. 

5. Durch die Schläuche werden die Muskelkerne zur Ver- 
mehrung, Umänderung und Zuwanderung angeregt. 

Schlußbemerkungen. 

Wiewohl unsere Untersuchungen, wie uns scheint, einige be- 
merkenswerte Details zutage gefördert haben, ist es uns doch nicht 
gelungen, über die wichtigste Frage, die nach der Entstehungs- 
ursache, Aurkliiniiig zu versclialfen. Als Erstlingskcime konnten ge- 
wisse Gebilde nur verniutungsweise angesprochen werden. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



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Das Vorkommen solcher Parasiten im Fleisch von großen 
Pflanzenfressern ist sonderbar genug. Bei der kolossalen Verbreitung 
der Schläuche^ welche bei manchen Tieren (Büffel, Schaf, Schwein, 
Pferd) nahezu zu den regelmäßigen normalen Vorkommnissen zählen, 
müssen wir diese Wirte als spezifische ansehen. Diese Wirte hätten 
dann auch für die Weiter Verbreitung zu sorgen. 

Einerseits ist es nun weiter höchst sonderbar, daß das Zugrunde- 
gehen, der Tod der Parasiten in den Schläuchen, den gewöhnUchen 
Ausgang darzustellen scheint, andererseits ist ein Auswandern der 
Keime aus den Schläuchen nicht zu beobachten, wenn wir von ver- 
einzelten Befunden von isolierten Sicheln im Gewebe, welche mög- 
licherweise mechanisch hinein befördert wurden, sowie von einem 
Fall von Erguß in die Umgebung absehen. Auch dann könnte nur 
eine Ablagerung in den Darmtrakt eine Abscheidung nach außen 
mögHch machen. Es bliebe als Möglichkeit zur Weiterverbreitung 
nur übrig, daß das Fleisch von einem anderen Tier verspeist und die 
Parasiten so frei gemacht würden, so wie dies bezüglich der Band- 
wurmfinnen und Trichinen der Fall ist. Dann müßten wir aber auch 
in solchen Individuen, zu welchen in erster Linie der Mensch gehört, 
als Zwischenwirten eine Infektion finden. Das ist nun nicht der Fall. 

Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich in morphologischer Be- 
ziehung. 

Wenn wir von Sporogonie sprechen, so setzen wir geschlecht- 
liche Vorgänge voraus. Davon ist hier nichts zu finden. Auch der 
Begriff „Sporen" läßt sich in dem landläufigen Sinne auf die Sichel- 
körperchen nicht anwenden. 

Wenn wir auch bezüglich einer Hülle der Sichelkörperchen 
keine völlige Klarheit erlangen konnten, so ist doch sicher, daß 
eine rigide Kapsel nicht existiert. Ferner vermissen wir einen 
Sporozoiten und schließlich ist eine Längsteilung von Sporen bei 
den Sporozoen ebenfalls etwas Ungewöhnnches. Es hat deshalb 
schon Janin betont, daß es sich um Vorgänge handelt, welche 
eher als Schizogonie zu deuten wären. Dann müßten natürhch die 
entsprechenden Ausdrücke fallen. Bemerkenswert ist, daß v. Ratz 
die Sichelkörperchen selbst als Sporozoiten auffaßt. 

Die Beobachtung des Vorkommens von Übergangsformen, 
welche zu den fixen Gewebszellen zu führen scheinen, veranlaßt 



(88) 



Versammlung der i^ektion für Zoologie. 



uns, die Frage der Parasitennatur überhaupt in Diskussion zu 
stellen. 

Wir verkennen nicht die Momente, welche von vorneherein 
die Gebilde als parasitische Protozoen erscheinen lassen; ferner sind 
wir uns über das Fehlen pathologisch-anatomischer Analogien klar, 
da wir keinen pathologischen Prozeß kennen, durch welchen die 
Gewebszellen veranlaßt würden, charakteristisch und gleich geformte 
Gebilde in so kolossaler Anzahl zu erzeugen. 

Wir fühlen uns jedoch bezüglich der Protozoennatur zu zweifeln 
veranlaßt durch die vielen Differenzen, welche zwischen diesen Ge- 
bilden und allen uns bekannten parasitischen Protozoen bestehen. 

Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf die eingangs erwähnte 
Ansicht älterer Autoren hingewiesen, welche allerdings zum Teil 
auf Grund einer unzureichenden Technik und zu einer Zeit, als 
unsere Kenntnisse auf dem Gebiete der Protozoenkunde noch gering 
waren, den parasitischen Charakter bestritten. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 1. April 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Publikationen unter Hin- 
weis auf die zum Teil erscheinenden eingehenden Referate vor: 

Tutt J. W., A Natural History of the British Lepidoptera, 

Vol. X. (Butterfl., IH.) London, 1909. 
Sitowski, Dr. L., Motyle Pienin. II. (Krakau, 1910.) 
Sterneck, Dr. Jak. v., Verzeichnis der Makrolcpidopteren des 

Egerlandes. (Lehr- und Lernmittelrundschau, li)09.) 
Berichte der lepidopterologischcn Sektion (eine zum 

Teil haiidHchriftlich ergänzte Samndung, 189G — 1909). 

II. Derselbe demonstriert hierauf eine für Österreich-Ungarn 
neue Noctuidenart : 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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Hydroecia moesiaca H.-S. Von dieser seltenen Noetuide 
erbeutete Herr Hauptmann Prall im September 1909 ein sehr 
großes (Vorderfliigellänge 22 mm) in Herkulesbad an elektri- 
schem Licht. Das Stück gelangte durch freundliche Vermittlung 
des Herrn Fr. Hoff mann an das Hofmuseum. Diese östhche Art 
ist mit Sicherheit bisher nur aus Bulgarien und Armenien bekannt 
geworden. Eine nahe verwandte Art (Hijdr. ])uengeleri Tur.) wurde 
kürzlich aus Sizilien beschrieben. 

HL Herr Fritz Preissecker weist einige von ihm erbeutete 
Argynnis-FoxmQn vor, und zwar: 

Argynnis adippe L. ab. intermedia Tutt. Ein cT vom 14. Juni 
1909 aus Wippach in Krain, bei welchem auf der Hinterflügel- 
unterseite auch die Flecke der Mittelbinde nur schwach silbern be- 
stäubt sind und die mittleren Silberflecke des Wurzelfeldes zu 
einem großen Längsfleck zusammenfließen. 

Argynnis adi])i)e L. var. hajuvarica Spul. Ein cT vom 13. Juli 
1908 aus Karlstift im niederösterreichischen Wald viertel, welches 
mit oberösteiTeichischen Stücken aus Weyer (siehe diese „Verhand- 
lungen", Jahrg. 1905, S. 400) vollständig übereinstimmt. In der 
Färbung der Hinterflügelunterseite kommt das vorliegende Stück, 
da auch der Innenrand stark grünlich getönt ist, der Art niohe L. 
äußerst nahe. Ob hajuvarica, welche aus Niederösterreich bisher 
nicht bekannt war, im nordwestlichen Teile des Waldviertels der 
Charakter einer Lokalform zukommt, kann vorläufig, da von dort 
nur dieses eine Stück der Art adippe vorliegt, nicht entschieden 
werden. Im südlichen Waldviertel, in der Wachau, fliegt die 
Stammform. 

Argynnis niohe L. nov. ab. caeca. Ein am 20. Juni 1909 bei 
Wippach gefangenes, der f. eris Meig. angehöriges 5 zeichnet sich 
dadurch aus, daß auf der Hinterflügelunterseite die silbernen Kerne 
der Ozellen vollständig verschwunden sind. Überdies fallen bei 
dem vorgewiesenen Stücke die Ozellen selbst iufolge der fast durch- 
aus grünlichgrauen statt gelben Färbung der Binde, in welcher sie 
stehen, nur wenig auf. Übergangsstücke zu dieser Form, bei denen 
nur noch zwei Ozellen, und zwar schwach gekernt sind, finden 
sich hie und da. 



(90) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



IV. Herr Dr. Karl Schawerda spricht über zweiArctiiden- 
formen aus Bosnien und der Herzegowina: 

1. Parasemia plantaginis L. In Bosnien fiel mir auf, daß 
Farasemia plantaginis L. mehr in der Form Jiospita Schiff, und hi- 
color Rätz. vorkommt und die gelbe Stammform seltener ist. Auf dem 
Trebevic erbeutete ich anfangs Juli in einer Höhe von mehr als 
1000 m nur zwei Stück der gelben Stammform und einige Weib- 
chen mit blutroten Hinterflügeln. Alle anderen gehörten der weißen 
Form an. So ist dies auch in Sibirien der Fall, während in Öster- 
reichs Alpen die gelbe Stammform vorwiegt. Alle in Bosnien und 
in der Herzegowina erbeuteten plantaginis und liospita sind auf 
den Vorderfliigeln breit hell gezeichnet. Besonders auifallend ist es, 
daß der dem Innenrand der Vorderflügel parallele, lange helle 
Streifen, der ziemlich breit ist, konstant unterbrochen erscheint. 
Ich verfolgte die Sache weiter und fand unter ungefähr 1000 Fal- 
tern dies nie bei unseren Alpentieren (ich spreche natürlich nur 
von plantaginis, luteo obsoleta, liospita und hicolor, da bei den 
dunkleren Formen durch die Abnahme der hellen Zeichnung be- 
sagter Streifen an Breite auch abnimmt und sehr oft abreißt), wohl 
aber bei allen Tieren aus Bosnien und aus dem Kapellagebirge. 
Auch bei zwei Faltern aus den Karpathen und bei einem sibiri- 
schen Exemplar konnte ich das Unterbrochensein des Streifens finden, 
ebenso bei der Form caiicasica M6n. Meine Sicherheit war so groß, daß 
ich im Hofmuseum Herrn Prof. Dr. Hebel von weitem die Falter 
bezeichnen konnte, welche aus Bosnien und Kroatien stammten 
und welche nicht, wobei ich mich nicht ein einziges Mal irrte. 

Diese charakteristische Lokalform des Südostens Europas möge 
den Namen f. interrupta führen. 

Varasemia p)lci'*^taginis liospita interrupta. 

Farasemia plantaginis liiteoohsoleta interrupta. 

Farasemia plantaginis liospita interrupta (die häufigste Form 
in Bosnien). 

Farasemia plantaginis hicolor interrup)ta. 

lircitc fhellcj Vordcrflilgelzeichnung. Unterbrochener Längs- 
ßtreifen am Vorderflligelinncnrand. 

I>()snicn, Ilcrzc^^^owina, Kapclhi^^cbirge, Karpathen und walir- 
Hchcinlich für den ganzen Südosten Kuropas charakteristisch. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(91) 



Ich möchte aber ausdrücklich betonen, daß nicht das Unter- 
brochensein des Längsstreifens allein für diese Lokalform maß- 
gebend ist, sondern außerdem die breite helle, der floccosa nahe- 
kommende Zeichnung der Vorderflügel und die Zugehörigkeit zu 
den vier lichteren Formen. 

2. Phragmatohia lucttiosa H. G. Treitschke sagt von 
dem 5 von luduosa, daß sein Kolorit dem des cT von spilosoma 
mendica Cl. gleiche. Dr. Rebel bemerkt in seinem neuen Werke, 
daß das cT rußigbraun, das 9 heller bräunlich sei. „Auf den Vorder- 
flügeln sind drei gebrochene Querreihen schwarzer Flecke, die zu- 
weilen unterbrochen sind und am Vorderrand verdickt auftreten. 
Oft noch eine Fleckenreihe vor dem Saume und in den Fransen. 
Die Hinterflügel mit schwärzlichem Mittelpunkt und solchen Flecken 
vor dem Saum. Steiermark, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Dalmatien." 
Herr Leo Schwingenschuß und ich fanden Mitte Juli 1908 auf 
dem Wege von Gacko (Herzegowina) nach Cemerno (dem höchsten 
österreichischen Fort an der montenegrinischen Grenze, 1300 m) 
drei schwarze, stark behaarte Raupen dieser Art, die ich in Wien 
mit Salat fütterte und zur Verpuppung brachte. Die Puppen über- 
winterten in leichten braunen Gespinnsten bei offenem Fenster und 
wurden öfters mit Schnee bedeckt. Im März ins Zimmer genommen, 
ergaben dieselben bald zwei Falter, ein Männchen und ein Weib- 
chen. Die Tiere fielen mir sofort durch ihre Größe (Folge des 
guten Futters?) und durch das im weiblichen Geschlechte helle 
gelblichgraue Kolorit auf. Auch das cT ist nicht so braun wie die 
Falter der Stammform, die mir aus Fünf kirchen in Ungarn vorlagen, 
sondern mehr schmutziggrau. Die schwarze Fleckenzeichnung ist 
viel intensiver als bei der braunen Stammform. Die meisten Falter 
haben schön rote Schenkel des ersten Fußpaares und einen oben 
und seitlich stark schwarz gefleckten Leib. Ich erzielte sofort die 
Copula und gegen 300 in einem Haufen gelegte Eier. Nach der 
liebenswürdigen Untersuchung des Herrn Fritz Haus er in Wien, 
dem ich an dieser Stelle bestens danke, messen dieselben 0*89 bis 
— 95 mm. Sie sind rund bis schwach eiförmig. Die Oberfläche 
ist rauh mit deutlicher polygonaler (netzförmiger) Zeichnung, hell 
ockerweißlich und dünnschalig. Später wurden dieselben einige 
Tage vor dem Schlüpfen braunrötlich und kurz vor dem Schlüpfen 



(92) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



blauschwarz. Nach zwölftägiger Aufbewahrung im geheizten Zimmer 
krochen die ßäupchen aus. Dieselben sind erst gelblichgrau und 
haben einen schwarzen Kopf. Nach der ersten Häutung in neun 
Tagen sind sie honiggelb mit einem weißlichen Rückenstreifen und 
beiderseits mit Härchen besetzten schwarzen Warzen. Kopf und 
Nackenschild braunschwarz. Nach der zweiten Häutung ist die 
Raupe graubraun mit einem lichten grauen Rückenstreifen, neben 
welchem rechts und links je eine Reihe größerer und mehr seithch 
eine Reihe kleinerer schwarzer behaarter Warzen stehen. Kopf 
schwarz. Nach der letzten Häutung ist die Raupe stark behaart 
und vollständig schwarz, der Zwischenraum zwischen dem dritt- 
letzten, vorletzten und letzten Segment rötlich. Die Raupen laufen 
bei Gelegenheit schnell und überpurzeln sich dabei. Die Raupen 
verpuppten sich noch im Juni, acht Wochen nach dem Schlüpfen. 
Die locker braunumsponnenen Puppen überwinterten alle unter den- 
selben Bedingungen wie die Eltern. Aus denselben erhielt ich 
zuerst 30 9. Erst dann kamen die cf. Zum Schluß waren beide 
Geschlechter in gleicher Anzahl vertreten. Ich habe ein derartiges 
Vorkommnis im Gegensatz zu den Tagfaltern, bei denen zuerst 
die cT schlupfen, schon bei Parasemia plantaginis beobachtet. 

Acht Wochen nach dem ersten Falter kroch der letzte (wieder 
ein 9). Da fast alle Raupen binnen 14 Tagen verpuppt waren, 
dürfte dieses auf zwei Monate verteilte Auskriechen der Falter ein 
geheimes Walten der Natur zur Erhaltung der Art sein. Die Falter 
sind durchwegs etwas größer als die der Stammform. Die haben eine 
Spannweite von 30 mm, die 9 eine solche von 35 mm. Die Farbe 
der cT ist schmutziggrau, die der 9 ganz lichtgrau mit gelb- 
lichem Stich. Beide Geschlechter sind zu 90 Prozent stark schwarz 
gefleckt. 

Es ist dies besonders bei den 9 ausgesprochen, wo manch- 
mal eine fünfte Fleckenreihe vorhanden ist und mit den ebenfalls 
stark ausgeprägten Randflecken dann gegen 30 schwarze Flecke 
auf den VorderflUgeln stehen. In diesen Fällen sind auch die Reihen 
schwarzer Rücken- und Scitenflecke des Abdomens besonders stark 
ausgeprägt. Bei einigen wenigen Exemplaren erscheint durch Ver- 
einigung der dem Vorderrand genäherten Flecke ein Ansatz zur 
Bildung von 1 bis 3 Querstreifen in beiden Gesclilcclitern. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



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Bei einem g, dem extremsten, vereinigt sich die apikale 
Fleckenreihe (die fünfte) mit der Fransenfleckenreihe (der sechsten) 
zu einer schwarzen Zackenreihe. 

Andererseits kommen auch fast ungefleckte und g vor. Es 
erscheint dann auch das Abdomen ungefleckt. Ich besitze zwei im 
Mai gefangene cf aus der Herzegowina (Rilji und Bisina) und zwei 9 
(Rilji, 29. April, und Trebevi6 in Bosnien), die ebenfalls im Freien 
gefangen wurden und auch so stark schwarz gefleckt sind. Auch 
bei diesen im Freien gefangenen Tieren ist die Färbung keine so 
ausgesprochen braune wie bei der Stammform, sondern schmutzig- 
grau und hellgrau mit gelblichem Stich. Da unter den mir vor- 
liegenden Tieren der Stammform neben den Exemplaren aus Fünf- 
kirchen in Ungarn und Züricher Zuchtprodukten auch ein braunes g 
aus Ragusa steckt (also ebenfalls von einer niedrig gelegenen Loka- 
lität) und da die Fundorte meiner Tiere aus dem Okkupations- 
gebiete alle hoch gelegen sind (Trebevic und Cemerno liegen über 
1000 m hoch), ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, 
daß es sich hier um eine Höhenform handelt. Mindestens handelt 
es sich aber um eine sehr gut ausgeprägte (es liegen mir 50 und 
ebensoviele 9 vor) Lokalform, die ich hiermit mit dem türkischen 
Mädchennamen „Djamila" belege. 

Die fast ungefleckte Form dieser Lokalrasse mit fast unge- 
flecktem Flügeln und Abdomen möge nach Herrn Janecko^ dem 
ich viel Material aus dieser Gegend verdanke, f. Janeckoi heißen. 

Spilosoma luctuosa djamila. (Schwarze Fleckung stärker, 
schmutzig dunkelgrau, q hell gelblichgrau.) 

Spilosoma luctuosa djamila forma janeckoi. (Fleckung ver- 
schwindend. Abdomen ungefleckt. Farbe wie bei djamila.) 

V. Schließlich hält Herr stud. phil. H. Zerny einen Vortrag: 
Ülber myrmekophile Lepidopteren. 

Seit langer Zeit schon ist es bekannt, daß viele Lycaeniden- 
raupen auf ihrer Futterpflanze häufig in Begleitung von Ameisen 
angetrofi'en werden. Diese laufen über die Raupe hinweg und setzen 
sich auf deren Rücken, ihr Verhalten gegenüber den Raupen ist 
jedoch kein feindliches, sie verletzen diese nicht, die Raupen zeigen 



(94) Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 

auch keine Zeichen der Beunruhigung. Bei genauem Zusehen sieht 
man, daß die Ameisen sie unaufhörlich mit ihren Fühlern und 
Vorderbeinen betasten (betrillern), besonders am Thorax und an 
den letzten Segmenten der Raupe, und zwar so lange, bis aus einem 
Querspalt des 7. Abdominalsegments ein Tropfen einer kry stall- 
klaren, etwas zähflüssigen Substanz hervortritt, den die Ameisen 
mit großer Gier auflecken. Diesen Vorgang kann man mehrere Male 
hintereinander, in Zwischenräumen von einigen Sekunden bis zu 
einigen Minuten, beobachten. Die Ausscheidung des Sekretes scheint 
von der Beschaffenheit der Futterpflanze abhängig zu sein. Ed- 
wards beobachtete nämlich in Nordamerika die Raupen von Cya- 
niris pseudargiolus B. et Lee, welche sich von Blüten nähren, 
auf verschiedenen Pflanzenarten, von denen die eine {Cimicifuga 
spec.) wohlriechende, süß schmeckende und saftreiche Blüten be- 
sitzt, während die anderen (Actinomeris und Cornus spec.) bittere, 
weniger saftreiche Blüten trägt, und fand, daß nur solche Raupen, 
welche sich von den Blüten der ersteren Art nährten, das Sekret 
ausschieden und auch von Ameisen besucht wurden, während die 
anderen keine Sekretion und daher auch keinen Ameisenbesuch 
zeigten. Wurden Ameisen zu solchen Raupen gebracht, so betasteten 
sie sie wohl einige Male, ließen sie aber bald wieder unbeachtet. 
Es ist dies die einzige Angabe über die Abhängigkeit der Sekretion 
von der Futterpflanze und bedarf daher noch einer Bestätigung 
durch Experimente und die chemische Untersuchung des Sekretes. 
Dieses scheint für die Ameisen jedenfalls sehr wohlschmeckend zu 
sein, so daß sie, wenn sie eine sezernierende Raupe entdeckt haben, 
alles andere, auch Blattläuse^ deren zuckerhältige Exkremente sie 
ebenfalls sehr lieben, in Stich lassen und von der Raupe nicht 
weichen, so lange sie sezerniert. 

Manche Raupenarten werden nur gelegentlich oder zufällig 
von Ameisen besucht, bei vielen ist der Ameisenbesuch aber eine 
gesetzmäßige Erscheinung, wenigstens innerhalb bestimmter Ge- 
biete, ja für einige indische Arten scheint er für das Gedeihen der 
Raupe unumgänglich nötig zu sein, so daß von Ameisen isoliert ge- 
haltene Raupen zugrunde gehen. Viele dieser Arten sorgen schon 
als Falter für das Gedeihen ihrer Nachkommenschaft, indem sie 
ihre Eier nur an solche Exemplare ihrer Futterpflanze legen, die 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(95) 



eine größere Anzahl von Ameisen oder Ameisennestern beherbergen. 
Eine bestimmte Raupenart scheint meist nm* von einer oder meh- 
reren bestimmten Ameisenarten besucht zu werden, doch liegen 
hierüber noch keine genügenden Beobachtungen vor. 

Das bereits erwähnte Organ, welches das von den Ameisen 
begehrte Sekret liefert, besteht aus einem von wulstigen Rändern 
umgebenen Querspalt, der auf der Dorsalseite des 7. Abdominal- 
segments in der Mitte des Hinterrandes desselben gelegen ist. Aus 
ihm kann die Raupe willkürlich, wahrscheinlich durch Kontraktion 
bestimmter Muskeln, ein kleines, rundes Wärzchen hervortreten 
lassen, welches auf seiner Spitze den Sekrettropfen trägt. Es muß 
angenommen werden, daß dieser Spalt die Öffnung einer darunter 
in der Haut gelegenen Drüse bildet, doch ist die Anatomie des 
Organes völlig unbekannt. Der Spalt scheint bei allen darauf hin 
untersuchten Arten gleich gebaut und gelagert zu sein. 

Alle Lycaenidenraupen, welchen der Querspalt zukommt, be- 
sitzen noch zwei weitere, sonst bei Lepidopterenraupen unbekannte 
Gebilde, deren morphologische und physiologische Bedeutung bis 
jetzt nicht sichergestellt ist, die aber wahrscheinlich ebenfalls in 
Zusammenhang mit dem Ameisenbesuch stehen. Es sind dies zwei 
auf dem 8. Abdominalsegment seitUch hinter den Stigmen gelegene, 
willkürlich ausstreckbare und in die Haut vollkommen zurückzieh- 
bare Zäpfchen, welche an ihrer Spitze mit einer Krone von zarten, 
tentakelartigen, aber nicht einziehbaren Fortsätzen besetzt sind, die 
ihrerseits wieder in ihrer ganzen Länge nach unten gerichtete Börst- 
chen tragen. Diese Zäpfchen, welche häufig „Tuben" genannt wer- 
den, werden meistens nur dann ausgestülpt^ wenn Ameisen sich 
bei oder auf der Raupe befinden, sie zeigen aber keine Spur einer 
Sekretion und werden von den Ameisen auch gar nicht beachtet. 
Da sie meist kurze Zeit vor einer Sekretion ausgestülpt und un- 
mittelbar vor dieser wieder eingezogen werden, so meint Edwards, 
daß sie den Ameisen als Signale dienen, um ihnen das baldige Ein- 
treten einer Sekretion anzuzeigen, eine Vermutung, die bei der auf 
ziemlich niedriger Stufe stehenden Ausbildung des Gesichtssinnes 
dieser Tiere kaum das Richtige getroffen haben dürfte. Einer an- 
deren Ansicht war de Nic6ville. Er fand, daß die nicht myrme- 
kophilen (7i(refi§-Raupen, welche kein Sekretionsorgan besitzen, sehr 



(96) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



große, wohl ausgebildete „Tuben" haben (deren Homologie mit den 
„Tuben" der myrmekophilen Arten jedoch durchaus nicht bewiesen 
ist) und diese bei jeder Berührung mit einem fremden Gegenstand 
in wirbelnde Bewegung setzen. Er meint nun, daß die „Tuben" 
ursprünglich Verteidigungsorgane waren, etwa nach Art der Nacken- 
gabeln der Pöf^^i^io-Raupen oder der ausstreckbaren Schwanzfäden 
der Cen^fa-Raupen, und bei Curelis es jetzt noch sind, während sie 
bei den myrmekophilen Formen, wo sie bedeutend kleiner sind, 
eine solche Funktion nicht mehr nötig hatten uud infolge Nicht- 
gebrauch verkümmerten. Diese Erklärung kann ebenfalls nicht be- 
friedigen, da erstens die „Tuben" der myrmekophilen Arten durch- 
aus nicht den Eindruck rudimentärer Organe machen und zweitens 
es rätselhaft bliebe, warum sie gerade im Beisein der Ameisen am 
tätigsten sind, wo die Raupen ja gerade keines anderweitigen 
Schutzes bedürfen. Die plausibelste, aber durch keine Beweise ge- 
stützte Erklärung gibt Thomann. Er beobachtete, daß, als er eine 
Anzahl Raupen von Lycaena argyrognomon Bergstr. in eine ver- 
schlossene Blechschachtel mit fein durchlochtem Deckel gebracht 
hatte, alsbald eine große Zahl von Ameisen sich einfand, die in 
die Schachtel einzudringen versuchten und, als sie geöffnet wurde, 
sogleich auf die Raupen zuliefen und mit ihren Manipulationen be- 
gannen. Er schließt daraus, daß die Ameisen durch einen von den 
Raupen ausgehenden Duft angelockt, was ja kaum anders möglich 
sein dürfte, und daß dieser Duft von den in Rede stehenden 
„Tuben" erzeugt werde. Eine ganz ähnliche Beobachtung teilt noch 
Krodel mit. 

Was für einen Gegendienst leisten nun die Ameisen für die 
ihnen gebotene Nahrung? 

In den jüngeren Raupenstadien sind Sekretionsorgane und 
Tuben wohl schon vorhanden, aber noch nicht in Funktion und es 
werden zu dieser Zeit die Raupen auch nicht von Ameisen besucht. 
Findet man nun von Parasiten besetzte Raupen, so kann man ziem- 
lich sicher sein, daß diese in ihrer Jugend angestochen wurden, 
denn sobald die Drüse, etwa um die dritte Häutung, ihre Funktion 
erlangt und damit der Ameisenbesuch begonnen hat, so erfreuen 
sich die Iiauj)en eines erfolgreichen Schutzes vonseiten der Ameisen 
gegen die sie bedrohenden Parasiten, und unter den sich zur Ver- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(97) 



puppung anschickenden Tieren wird man nur selten ein von Para- 
siten besetztes antreffen. So beobachtete Edwards in Nordamerika 
einmal, wie eine einzelne, auf einer Raupe von Cijaniris pseudar- 
gioliis B. et Lee. sitzende Ameise eine sich nähernde Ichneurao- 
nide durch eine heftige Abwehrbewegung* in die Flucht jagte. 

Die Puppen der myrmekophilen Lycaeniden finden sich häufig 
in den Nestern der Ameisen selbst und es ist daher anzunehmen, 
daß die Raupen sie entweder selbst aufsuchen oder aber von den 
Ameisen dahin gebracht werden. Das letztere wurde unter anderem 
bei uns an Lycaena minima Fuessl. und in Indien an Tarucus 
(Lampides) theophrastus F. beobachtet. In letzterem Falle wurden 
die verpuppungsreifen Raupen von den Ameisen mit sanfter Gewalt, 
ohne daß sie sie irgendwie verletzten, von den Bäumen, von deren 
Blättern sie sich nährten, in ihre an deren Fuß befindlichen Nester 
geführt und hier vorsorglich mit Erde bedeckt. Sobald man sie 
bloßlegte, bedeckten sie die Ameisen von neuem oder schafften sie 
in tiefere Teile des Nestes. Den eben geschlüpften Imagines lassen 
sie bei der Entfaltung der Flügel ihren Beistand angedeihen, in- 
dem sie z. B. auf den Boden gefallenen Tieren wieder auf die Beine 
helfen. Faltern jedoch, deren Flügel verkrüppelt bleiben, beißen 
sie diese ab und schleppen den Körper ins Nest, wahrscheinhch 
als Nahrung für sie und ihre Larven. Man kann hier wohl nicht 
umhin, anzunehmen, daß die Ameisen dabei mit einer gewissen 
Überlegung handeln, da ihnen ja Puppen und Falter nicht den ge- 
ringsten unmittelbaren Nutzen gewähren. 

Die myrmekophile Lebensweise ist in der Familie der Lycae- 
niden sehr verbreitet, besonders viele myrmekophile Arten enthält 
aber die mit Lycaena verwandte Gruppe. Doch ist die früher von 
manchen ausgesprochene Ansicht, daß alle Lycaena-Arten und Ver- 
wandte myrmekophil, die Thecla- und Chrysophamis-Gruip'pe (wenn 
wir nur von der paläarktischen Fauna sprechen) aber nicht, nicht 
mehr aufrecht zu erhalten; denn einerseits sind Neolycaena (llieda) 
Tengstroemi Ersch. und Thestor hallus F. (nach Scudder), nach freund- 
licher Mitteilung des Herrn Leo Schwingenschuss auch Chryso- 
pJianus dispar rutilus Wrbg., die beide zu der letzteren gehören, 
myrmekophil, Lijcaena opülete Knoch dagegen nicht (nach Vieh- 
meyer). Von den paläarktischen Xi/cae^^a-Arten (im weitesten Sinne) 

Z. B. Ges. 60. Bd. g 



(98) 



Versararaliing der Sektion für Lepidopterologie. 



sind folgende als myrmekophil bekannt, d. h. sie besitzen Drüse 
und Tuben: haetica L., telicanus Lang, theoplirastus F., trochilus 
Frr., argus L., argyrognomon Bgstr., lysimon Hb., haton Bgstr., 
orion PalL, astrarcJie Bgstr., eumedon Esp., icarus Rott., amanda 
Sehn., Jiylas Esp., Escheri Hb., hellargus Rott., corydon Poda, ad- 
metiis Esp., damon Schiff., iolas 0., sehrus B., minima Ftissl., cyl- 
larus Rott., melanops B., ariow L., arcas Rott., argiohis L., also 
die meisten Arten, deren Raupen bisher bekannt geworden sind. 
Ferner sind myrmekophil einige amerikanische und sehr viele indo- 
australische Arten. Auch eine neotropische Riodinide (Erycinide), 
Tlieope eudocia Hew., wurde in der Gesellschaft von Ameisen be- 
obachtet und soll auch ein Sekret ausscheiden (nach Guppy); die 
Abbildung zeigt zwei warzenartige Bildungen auf einem der letzten 
Segmente, doch fehlen hierüber leider genauere Untersuchungen. 

Überblicken wir das Gesagte, so stellt sich das Verhältnis 
zwischen Lycaenidenraupen und Ameisen als eine auf hoher Stufe 
stehende Symbiose (Trophobiose) dar: auf der einen Seite sehen 
wir die Ausbildung besonderer, im Dienste der Trophobiose stehender 
Organe, auf der anderen das Auftreten eines hoch entwickelten 
Instinkts. 

Eine andere, weit primitivere Form einer Trophobiose zwi- 
schen Ameisen und Lepidopterenlarven wurde erst in jüngster Zeit 
von Thomann entdeckt. Die Raupen von Fsecadia pusiella 
Roemer und decemgiUtella Hb. traf er an ihrer Futterpflanze, Litlio- 
spermum offtcinale L., stets in Begleitung von Ameisen. Sie wurden 
von diesen in ähnlicher Weise betrillert wie die Lycaenidenraupen, 
obwohl sie keine besonderen Sekretionsorgane besitzen. Die Ameisen 
hielten sich meist in der Nähe des Mundteiles der Raupen auf, wäh- 
rend diese Stengel und Blätter ihrer Futterpflanze benagen, und er 
konnte beobachten, daß sie den dabei aus den verletzten Pflanzen- 
teilen hervorquellenden Saft begierig aufleckten. Die Gegenleistung 
der Ameisen für die auf diese Weise mühelos erhaltene Nahrung 
bildet hier ebenfalls die Verteidigung der Raupen gegen die Angriffe 
von Parasiten. 

Während in den liislicr besprochenen Fällen myrmckopliilcr 
Lebcns\v('iK(; sowohl Kaiipcn vvi(^ auch Ameisen aus ihrem Zusammen- 



Versaramlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(99) 



leben einen Vorteil ziehen, kennen wir aber andererseits eine Reihe 
von Lepidopterenarten, die nur zum Zwecke der Ausbeutung der 
Ameisen deren Nester aufsuchen. 

Hieher gehört eine Anzahl von Heteroceren- Raupen, so in 
Europa die Arten der TmeidengSittim g Myrmeco^ela Z., deren Raupen 
sich vom Baustoff der Ameisennester ernähren und zum Schutz 
gegen die Augriife der Ameisen sich mit Seide ausgesponnene 
Gallerien bauen, in denen sie sich auch verpuppen. 

Vor einigen Jahren wurde von Hagmann in den Wäldern 
bei Para in Brasilien eine sehr interessante myrmekophile Pyra- 
lide (Chry saugine) entdeckt und von Hampson als Pachypodistes 
Goeldii beschrieben. Ihre Raupen leben in den Nestern von Boli- 
choderus gihhoso-analis Forel, welche in Baumkronen kleine Papier- 
nester baut. Sie fertigen sich aus der Papiermasse des Nestes 
muschelförmige Gehäuse, die anfangs auch einen ventralen Schlitz, 
später aber nur eine Öffnung an der Vorderseite besitzen. Aus 
dieser steckt die Raupe ihren Kopf, wenn sie von der Nestmasse 
frißt. Die Verpuppung findet ebenfalls in diesem Gehäuse statt. 
Der frisch geschlüpfte Falter zeigt eine dichte Bekleidung mit 
gelben, steifen Haaren auf dem Körper^ den Beinen und sogar auf 
den Flügeln. Diese Haare sitzen nur sehr lose und gehen bei der 
geringsten Berührung verloren. Der Schmetterling verliert sie, wenn 
seine Flügel vollständig entwickelt sind. Diese merkwürdige Haar- 
bekleidung bildet, wie es nahe liegt, anzunehmen, ebenso wie die 
Gehäuse der Raupe und Puppe, eine wirksame Schutzeinrichtung 
gegen die Angriffe der Ameisen, die, wenn sie den Falter ergreifen 
wollen, nur ein Büschel Haare erwischen, so daß ihm Zeit bleibt, 
unversehrt zu entkommen. 

In Ameisennestern wurde auch die Raupe und Puppe von 
Orrhadia rubiginea F. gefunden, welche erstere von ihren Ver- 
wandten durch den Besitz einer langen, rotgelben Behaarung ab- 
weicht, welche vielleicht ebenfalls mit der myrmekophilen Lebens- 
weise in Zusammenhang steht, doch ist darüber nichts Näheres 
bekannt. 

Die weitaus interessanteste unter allen myrmekophilen Lepi- 
dopteren ist aber unstreitig die indoaustralische Lycaenide Liphjra 
hrassolis Westw. Die Imago legt ihre Eier auf Stengel oder Blätter 

O 



(100) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



solcher Bäume, welche Nester der grünen Blattschneiderameise, 
Oecophylla smaragdina F., enthalten. Die Raupen dringen in die 
Nester ein, wo sie infolge ihres Körperbaues gegen Angriffe der 
Ameisen geschützt sind. Sie sind, wie alle Lycaenidenraupen, von 
asseiförmiger Gestalt, sind aber stark dorsoventral abgeflacht und 
an den Seiten mit einem scharfen, vorspringenden Rande versehen. 
Die Rückenfläche und die seitlichen Teile der Ventralfläche besitzen 
eine sehr harte, stark chitinisierte Haut, die einen vollkommen un- 
beweglichen, kaum die Segmentgrenzen erkennen lassenden Schild 
bildet. Weich und beweglich ist nur der mittlere, die Beine tragende 
Teil der Ventralseite samt dem Kopf, der unter den Schild zurück- 
gezogen werden kann. Dieser ventrale, weiche Teil ist duröh einen 
scharfen Rand des anschUeßenden Schildes und durch einen seine' 
Seiten umsäumenden Haarbesatz vollständig nach außen abgeschlossen 
und so gegen Angriffe der Ameisen gesichert. Die Abdominalbeine 
zeigen eine Art sekundärer Stemmatonkopodie, indem die sonst bei 
allen Rhopaloceren vorhandene Reihe nach innen gerichteter Haken 
rückgebildet ist und einem Kranze von mehreren Reihen nach 
außen gerichteter Haken Platz gemacht hat. Diese Ausbildung 
sekundärer Kranzfüße steht wahrscheinlich mit dem Leben in den 
engen Gängen der Ameisennester in Zusammenhang, wo Kranz- 
füße jedenfalls eine leichtere Fortbewegung gestatten als Klammer- 
füße. Die Nahrung der ivip%ra-Raupen bilden die Larven ihrer 
Wirtsameisen, welche sie mit ihren dazu besonders befähigten Mund- 
teilen aussaugen. Hire Mandibeln sind nämlich mit je drei scharfen, 
spitzen Zähnen besetzt, die geeignet sind, die Haut der Ameisen 
larven zu durchbohren, während die übrigen Mundteile zusammen 
eine Saiigröhre bilden. Bei der Verpuppung wird die letzte Larven- 
haut nicht abgeworfen, sondern sie bildet, ähnlich wie bei vielen 
Dipteren, eine harte Hülle um die sehr weiche und zarthäutige 
Puppe, welche darin wie in einem Kokon liegt, wieder eine ganz 
eigenartige Anpassung an die myrmekophile Lebensweise. Die 
friscbge.schlüpfte Imago ist an Abdomen, Thorax, Beinen, Fühlern 
und Vorderflügehi mit einer großen Menge sich sehr leicht ablösen- 
der Schuppen bedeckt, welche jede Bewegung des Tieres in ganzen 
Wolken davonstieben läßt. Suchen nun Ameisen den frisch- 
gcschlUpftcn Falter, wenn er das Nest zu verlassen sucht, anzu- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(101) 



greifen, so hängen sich diese anscheinend klebrigen Schuppen an 
ihren Körper^ ihre Fühler und Beine, so daß sie sofort von ihrem 
Angriff ablassen, da sie genügend zu tun haben, um sich von den 
sehr fest anhaftenden Schuppen zu befreien. Es soll, wie Dodd 
berichtet, ein ergötzlicher Anblick sein, in welche Bestürzung und 
Aufregung die Ameisen bei einem Angriff auf eine Liphjra geraten 
und wie sie sich durch Putzen und Schütteln der unangenehmen 
Dinger zu entledigen suchen. Wir erkennen in diesem leicht ab- 
lösbaren Schuppenkleid der Liphyra hrassolis eine interessante 
Analogie zu dem früher besprochenen Fall von Facliypodistes Goeldii, 
indem hier die Schuppen dieselbe Wirkung erzielen wie dort die 
Haare, nämlich ein unversehrtes Entkommen des frischgeschlüpften 
Falters. 

Wie wir gesehen haben, werden alle im zweiten Teil dieses 
Referates besprochenen myrmekophilen Lepidopteren wegen ihrer 
Unangreifbarkeit von den Ameisen in ihren Nestern geduldet und 
sind daher der Gruppe der Synöken zuzurechnen; während aber 
die ersteren den Ameisen wohl kaum einen beträchtlichen Schaden 
zufügen, hat sich bei Liphyra hrassolis ein echter Eaumparasitis- 
mus entwickelt, und es ist dies um so interessanter, als sich ge- 
rade unter den Lycaeniden, zu denen ja Liphyra hrassolis gehört, 
wenn sie auch in manchen Punkten von deren gewöhnlichem Ty- 
pus abweicht, diejenigen Lepidopteren finden, die sich einer ganz 
anderen, auf Symbiose beruhenden Art der myrmekophilen Lebens- 
weise angepaßt haben. 

Literaturverzeichnis. 
a) Allgemeines. 

1. Wasmann, Krit. Verz. d. myrmekophilen und termitophilen Arthropoden, 

S. 169 (1894). 

2. Escherich, Die Ameise, S. 112, 161 (1906). 

2 bis. Berge-Kcbel, Schmetterlingsbueh, 9. Aufl., S. A32, Fig. A54, S. A51 
(1910). 

b) Honigraupen (Lycaeniden). 

3. D. (anonym) in Fuessly, Neues Magazin, Bd. II, S. 383 (1785) (L. argy- 

rognomon). 

4. Pezold in Scriba, Beiträge zur Insektengesehichtc, S. 230 ff., Taf. 15 

(1793) (L. damo7i, argyrognomon, C. rubi). 



(102) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



5. Frey er, Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde, Bd. II, S. 121 (1836) 

(L. argyrognomon). 

6. Zell er, Stett. Ent. Zeit., 1852, S. 425 (L, corydon). 

7. Plötz, Stett. Ent. Zeit., 1865, S. 115 (L. argyrognomon). 

8. Guenee, Ann. Soc. Ent. France, 1867, p. 665, PI. 13, Fig. 9—12 (L. haetica). 

9. Newman, Brit. Butterflies, p. 125 (1871) (X, corydon). 

10. M'c Cook, Tr. Am. Ent. Soc, Vol. VI, p. 289 (1877) (C. pseudargiolus). 

11. Edwards, Canad. Ent., Vol. X, p. 1, 181 (1878) (C. pseudargiolus). 

12. Saunders, 1. c, p. 14 (L. Scudderi). 

13. Moore, Lepidoptera of Ceylon, Vol. I, p. 70 (1880/81). 

14. Miskin, Trans. Ent. Soc. Lond., 1883, p. 343, PI. 15 (Ogyris). 

15. Edwards, Butterflies of North America, 2. Ser., p. 13 (327), Lycaena 

Taf. III (1884) (C. pseudargiolus). 

16. Aurivillius, Ent. Tidskr., Vol. V, p. 190 (1884) (L. argyrognomon). 

17. „Psyche«, Vol. IV, p. 299 (1885). 

18. Doherty, Journ. As. Soc. Bengal, Vol. 55, p. 112 (1886). 

19. Aurivillius, Ent. Tidskr., Vol. VIII, p. 63 (1887). 

19 bis. Scudder, Proc. Boston Soc. Nat. Hist., Vol. 23, p. 357; Zoolog. Jahres- 
bericht Neapel, 1888, S. 74. 

20. Scudder, Butterflies of New England, Vol. I, p. 15, PI. 86, Fig. 14, PI. 87, 

Fig. 14, 19 (1889). 

21. Niceville, Journal Bombay Nat. Hist. Soc, Vol. III, p. 164, PI. 26, 27 

(1888). 

22. Mathew, Trans. Ent. Soc. Lond., 1888, p. 153 (Jalmenus evagoras); ibid., 

1889, p. 312 (L. lulu). 

23. Niceville, Indian Museum Notes, Vol. I, Nr. 1, p. 11 (1889). 

24. — , Butterflies of India., Burma and Ceylon, Vol. III, p. 7 (1890). 

25. Brants, Tijdschr. v. Ent., Vol. 37, p. XXXIII (1894). 

26. Abafi- Aigner, Illustr. Zeitschr. f. Ent., Bd. III, S. 185 (1898)-, ibid., IV, 

S. 124 (1899) (L. orion). 

27. Niceville, Journ. As. Soc. Bengal, Vol. 69, p. 190 (1901). 

28. Thoraann, Jahresbericht nat. Ges. Graubiinden, N. F., Bd. 44, S. 1, Taf. 

(1901) (L. argyrognomon). 

29. Frohawk, The Entom., Vol. 36, p. 57 (1903) (L. arion). 

30. Grave, Ent. Ree, Vol. 16, p. 203 (Hypolycaena livius); p. 19 (L. iheo- 

phrastus) (1904). 

31. Guppy, Trans. Ent. Soc Lond., 1904, p. 226, PI. 18, Fig. 1, la—d (Theope 

cudocia). 

32. Krodel, Allg. Zeitschr. f. Ent., Bd. IX, S. 103 ff. (1904) (L. corydon und 

damonj. 

33. Bethune-Baker, Trans. Ent. Soc. Lond., 1905, p. 269 (Ogyris). 

34. Ilarrison, Ent. Kec, Vol. XVII, p. 267 (1905) (L. asirarche). 

35. Kay ward, Tlic Entoni., Vol. 39, p. 197 (L. corydon); p. 219 (L. hellargus) 

(1906). 



VersaramluDg der Sektion für Lepidopterologi( 



(103) 



35 bis. Viehmeyer, Ent. Wochenblatt, 1907, S. 43ff. 

36. Tutt, Nat. Hist. ßrit. Lep., Vol. VIII, p. 80 (1906); Vol. IX, p. 75, 323, 

348 (L. hactica), 445 (C. argiolusj (1908); Vol. X, p. 221, PI. 52 (L. ar- 
giis, hellargus) (1909). 

37. — , Eut. Kec, Vol. 20, p. 89 (1908). 

37 bis. Kershaw, Trans. Ent. Soc. Loud., 1907, p. 245, PI. 22 (Sinndasis lo- 
hita). 

38. Dadd, Sitzungsber. Berl. Ent. Ver., 1909, S. 20 (L. minima). 

39. Stichel, Int. ent. Zeitschr., Bd. III, S. 19 (1909). 

c) Übrig-e Formen. 

40. T ho mann, Jahresber. nat. Ges. Graubünden, N. F., Bd. 50, S. 21 (1908); 

Soc. Ent., Bd. 23, p. 105 (1908) (Psecadia). 

41. Zeller, Linn. Ent., Vol. VI, p. 177 (1852) (3Iyrmecozela). 

42. Buchanan-White, Scottish Naturalist, Vol. I, p. 258 {1^12) (Myrmecozela). 

43. Hartmann, Mitt. Münch. Eut. Ver., Bd. III, S. 200 (1879) (Myrmecozela). 

44. Donisthorpe, Ent. Ree, Vol. 20, p. 89 (1908) (Myrmecozela). 

45. Wasmann, Deutsche Ent. Zeitschr., 1897, S. 259 (Mikrolepidoptereu aus 

Madagaskar). 

46. Snellen, Tijdschr. v. Eni, Vol. 51, p. 181, PI. 5 (1908) (Batracliedra myr. 

mecophila). 

47. Hagens, Berl. ent. Z., 1865, S. 112 (Orrhodia ruhiginea). 

48. Hampson, Trans. Ent. Soc. Lond., 1905, p.245, Fig. {Pachypodistes Goeldii). 

49. Hagmann, ßiolog. Zentralblatt, Bd. 27, S. 1, Taf. (1907) (Pachypodistes 

Goeldii). 

50. Dodd, Entom., Vol. 35, p. 153 ff. (1902)-, Vol. 36, p. 211 (1903) (Liphyra 

hrassolis). 

51. Chapman, ibid., Vol. 35, p. 225 ff., PI. 4 (1902); Vol. 36, p. 36, 89 (1903) 

(Liphyra hrassolis). 

52. Holland, Canad. Ent., Vol. XIX, p. 61 (1887) (Liphyra hrassolis). 

53. Bingham, Fauna of Brit. India, Vol. II, p. 452, Fig. 100-102 (1907) (Li- 

phyra hrassolis). 

54. Bischoff, Sitzungsber. Berl. Ent. Ver., 1909, S. 19 (ÄrgynnisJ. 



Referate. 

Publikationen über Lepidopteren. 

(Referent Prof. Dr. H. Rebel.) 

Tutt, J. W. A Natural History of the British Lepidoptera. Vol. X. 
London. Berlin, 1909. 

In rascher Folge ist von diesem Werke, welches an Gründlichkeit, aber 
auch Weitschweifigkeit alle bisherigen lepidopterologischen Publikationen weit- 



(104) 



Referate. 



aus übertrifft, der dritte Band der Tagfalter, welcher als zehnter der ganzen 
Reihe bezeichnet ist, erschienen. Der starke Band von über 400 Seiten bringt 
in den ersten drei Abschnitten (p. 1 — 40) die Fortsetzung der allgemeinen 
Lebensgeschichte der Tagfalter und behandelt die Chrysophanidae, Urbicolidae 
(Hesperiidae) und Papilionidae. Der ganze Rest des Buches ist der Bearbei- 
tung von nur fünf Arten Ruraliden (Lycaeniden) gewidmet, und zwar von 
Everes argiades, Cupido minimus, Pleheius argus (aegon), Cyaniris semiargus 
und Ärgiades thetis (hellargus). 

Es liegt auf der Hand, daß bei einer so eingehenden Behandlung des 
Stoffes ein großer Teil des Textes auf Reproduktionen von Originalbeschrei- 
bungen und historisch-systematischen Darstellungen entfällt. Einen sehr breiten 
Raum nehmen aber auch die überaus detaillierten Angaben über die ersten 
Stcände ein, die zum größten Teil von Dr. Chapman herrühren und vielfach 
Klarheit über die zum Teil noch recht unvollständig bekannt gewesenen frü- 
heren Lebensstadien dieser fünf in ganz Europa häufigen „Bläulingsarten" 
bringen. 

In systematischer Hinsicht besitzt dieser Band des Tu tt sehen Werkes 
(im Zusammenhange mit dem vorhergehenden) eine große Bedeutung, indem 
die schon oft versuchte Auflösung der Gattung Lycaena eine eingehende Be- 
gründung, namentlich auch durch Herbeiziehung der zahlreichen nächstver- 
wandten asiatischen und nordameiikanischen Formen erfährt. So kommt es- 
daß nicht bloß jede der fünf behandelten Arten einem eigenen Genus an- 
gehört, sondern innerhalb der Subfamilie der Lycaeninae noch zwei weitere 
Kategorien (Tribus), nämlich Everidi (mit Everes und Cupido) und Plebeiidi 
(mit Plebeius, Cyaniris und Ärgiades) unterschieden werden. Ohne die wissen- 
schaftliche Berechtigung dieser so weit gehenden Annahme höherer Kategorien 
in Abrede stellen zu wollen, sei doch nur darauf hingewiesen, daß bei gleich 
intensiven Studien der Formen sich noch zahlreiche andere umfangreiche Lepi- 
dopterengattungen in ähnlicher Weise systematisch auflösen ließen und die 
Befolgung der Tuttschen Systematik nur in dem einen Falle im gewissen Sinne 
einen Widerspruch mit der Beibehaltung so zahlreicher anderer bestehender 
Sammelgruppen bedeuten würde. Gewiß ist auch heute der Stand der Syste- 
matik in den einzelnen Lepidopterengruppen bereits ein sehr ungleicher, aber 
gerade bei Tagfaltern nach den Arbeiten von Schatz, Aurivillius und Grote 
doch ein relativ einheitlicher. Hier, wie in so vielen Fragen, eilt also das 
Tuttsche Werk gleichsam der Zukunft voraus und bildet für den P'achmann 
ein höchst wertvolles Litcraturniagazin, durch dessen Benützung in vielen 
Punkten das (iuellenstudiura erspart oder wenigstens sehr erleichtert wird. 

Für die große Menge der Entomologen, für welche das Werk ursprüng- 
licli nufli berechnet war, übersteigt der Umfang des Gebotenen aber weitaus 
das praktische Bedürfnis. Dazu kommt noch, daß es oft nicht leicht ist, 
die 8elbstän(lig(;n Ansichten des Autors von den bloß referitircndcn 'J'eilen des 
liuchv.H zu unterscheiden. So wenig angeraten werden kann, eine deutsche 
Cborsetzung den ganzen Tu tt Kchen Werkes (die vor Jahren durch Dr. Gill- 



Referate. 



(105) 



mer geplant wnr) herauszugeben, so dankbar wäre die Aufgabe, eine Publi- 
kation in deutscher Sprache erscheinen zu lassen, die in konziser, übersicht- 
licher Form das wirklich Neue und die zahlreichen Richtigstellungen zur all- 
gemeinen Kenntnis auch der deutschen Entomologen brächte. Schon eine 
auszugsweise Beschreibung der Raupen und ihrer Lebensweise, worüber Tu tt 
bei jeder Art 15—20 Seiten Mitteilungen macht, wäre sehr erwünscht und 
würde einem vielseitigen Interesse entsprechen. Dabei könnten genaue Lite- 
raturhinweise auf das Tuttsche Werk verbunden sein, so daß jeder Interessent 
in der Lage wäre, sich auch im Original allfällige weitergehende Informationen 
leicht zu holen. 

Aus der großen Zahl von Mitteilungen, welche die Kenntnis der Falter- 
formen betreffen, sei nur jene über (Lycaena) polonus Z. kurz erwähnt. 
Ursprünglich nach Exemplaren von Posen und Frankfurt a. 0. beschrieben, 
zeigt diese Form im männlichen Geschlechte ganz das Aussehen von L. cory- 
don, jedoch die blaue Färbung von thetis (hellargus). In der Folge zog Stau- 
dinger ähnlich gefärbte Stücke aus Aragonien, dem Taurus und Syrien zu 
dieser Form (Kat., ed. III, Nr. 613 c). Das Auffinden einzelner Stücke in 
England unter thetis, welche sofort als Hybridformen zwischen thetis und 
corydon angesprochen wurden, ergab nach Untersuchung einer im Britischen 
Museum befindlichen Type von polonus Tj. die volle Übereinstimmung mit 
dieser und damit auch eine Bestätigung der schon von Zell er vermuteten 
hybriden Abstammung. Höchst wahrscheinlich handelt es sich also bei dem 
echten polonus Z. um Nachkommen von thetis (9) der zweiten Generation 
mit corydon (^f). Dagegen gehören die von Staudinger hierher gezogenen 
Stücke aus Aragonien und Westasien einer blauen corydon-Foxm an.^) 

Im Gegensatz zu den bisherigen Bänden des Tu tt sehen Werkes ist 
der vorliegende mit einer größeren Zahl (53) photographischer Tafeln aus- 
gestattet, welche namentlich auch der Darstellung von Eiformen, der Haut- 
bekleidung der Larven (darunter Taf. 52 der Honigdrüsen bei Pleheius argus 
Raupe), des Genitalapparates der männlichen Falter und aberrativen Falter- 
formen gewidmet sind. 



Steuer, Dr. Adolf. Plank ton künde. Leipzig und Berlin, B. G. Teubner, 
1910. Gr.-8°. XV + 723 S., 365 Abbildungen und 1 Tafel. 

Die Planktonuntersuchungen drohten in der letzten Zeit durch große 
Einseitigkeit das Interesse des großen Kreises von Naturhistorikern zu ver- 
lieren. Endlose Fanglisten, oft nur von einem oder wenigen Fängen herrührend, 
Neubeschreibungen oder gar nur Umtaufungen alter Formen waren die Haupt- 
arbeit der Zoologen und Botaniker, welche sich mit Planktologie beschäftigten. 
Das Aufrollen biologischer Fragen, besonders mit Rücksicht auf die Fisch- 

^) Höchst wahrscheinlich gehört zu hybr. polonus Z. auch die als cory- 
don ab. beschriebene hafneri Preiss. [in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1908, 
(S. 68j] aus Krain und auch calydonius Lowe (conf.Tutt, Ent. Ree, XXII, p. 29). 



(106) 



Referate. 



zucht, brachte eine bestimmte Richtung in die Planktonforschung, Daneben 
wurde statistisch gearbeitet und in neuester Zeit die experimentelle Seite an- 
gegangen. Was die Planktonkunde für jeden Naturhistoriker so anziehend 
macht, ist der Umstand, daß verschiedene Disziplinen miteinander in Berührung 
kommen, sich gegenseitig ergänzend und befruchtend. 

Der riesige Umfang, den die Planktonliteratur in weiterem Sinne in den 
letzten Jahren angenommen hat, machte es aber bereits schwierig, sich über 
die neueren Fragen zu orientieren und das Material kritisch zu bearbeiten. 

Es war ein guter Gedanke, den Stand unserer gegenwärtigen Kennt- 
nisse in der Planktonkunde zusammenfassend darzustellen. Der Verfasser war 
durch seine Arbeiten im Süß- und Meerwasser wie wenige berufen, das riesige 
Material zu sichten. Nach einer Einleitung, welche den Begriff und die Defini- 
tion des Planktons bringt, folgt ein Kapitel über das Wasser; es werden die 
Lotungsergebnisse und die hierzu notwendigen Apparate besprochen, die 
chemische Zusammensetzung des Wassers, seine Temperatur, Lichtverhältnisse, 
Farbe, Geruch und Druckverhältnisse, immer mit Angabe der hierzu not- 
wendigen Apparate. Der Bewegung des Wassers (Wellen und Strömungen) 
und den meteorologischen Einflüssen ist ein Abschnitt gewidmet. 

Das nächste Kapitel bringt die Methodik der Planktonforschung, die 
Beschreibung der Fangapparate für qualitative und quantitative Fänge, die 
Technik des Beobachtens, Zählens, Färbens etc., schließlich die statistische 
Planktonforschung. 

Den Anpassungserscheinungen des Planktons ist das IV. Kapitel ge- 
widmet. Schwebevermögen, Theorie des Schwebens, Temporalvariation, die 
Fortpflanzungsverhältnisse der Planktonten, ihre Farbe sowie Lichtproduktion 
und Perzeption werden hier zusammengefaßt vorgeführt. 

Die vertikale Schichtung und Wanderung des Binnen- und Haliplanktons, 
die Ursachen der Wanderungen werden im Kapitel V besprochen. Der hori- 
zontalen Verteilung des Planktons ist das VL Kapitel gewidmet. Es sei hier 
aus der Fülle des Interessanten nur auf die Entstehung des Planktons und 
auf die Ausführungen über die Sargassosce hingewiesen. Die Aveiteren Kapitel 
befassen sich mit der geograi)hischen und temporalen Verbreitung des Plank- 
tons, mit seiner B(ideutung für den Haushalt der Natur und für den Menschen, 

Jeder Naturhistoriker, mag er sich mit Planktonstudien befassen oder 
nicht, wird das Werk, besonders in seinen allgemeineren Teilen, mit (^enuß 
studieren und manche Anregung finden. 

Die vielen Abbildungen sind eine erwünschte Zugabe zum Texte. Die 
Ausstattung eine musterhafte. 10s kann nur gewünscht werden, daß (bis Buch 
weiteste Verbreitung linde. .1. Jirunnthaler (Wien). 



Bericht über die allgemeine Versammlung. {^^'^) 

Allgemeine Versammlung* 

am 3. November 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Leiter des Generalsekretariates Herr R. Schrödinger 
teilt mit, daß folgende Dame und Herren der Gesellschaft bei- 
getreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Frisch, Karl R. v,, stud. phil., Wien, 

VIII., Josefstädterstraße 17 . . . Dr. A. und E. Rogenhofer. 
„ Jahn, Dr. Rudolf, städt. Oberbezirks- 
arzt, Wien, VI., Windmühlgasse 27 . Dr. v. Hayek, Dr. v. Lindhoudt. 
„ Lalak, Dr. Eduard, städt. Arzt, Wien, 

V., Strohbachgasse 2 ..... . „ „ 

„ Vetters, Dr. Hermann, Priv.-Doz. und 
Sektionsgeologe, Wien, III./2, Rasu- 

movskygasse 23 Prof. Dr. 0. Abel, R. Schrödinger. 

Unterstützendes Mitglied : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Fräul. Sterzinger Irene, Lyzeallehrerin, 

Iglau A. Handlirsch, Dr. A. Steuer. 

Herr Prof. Dr. Hans Molisch spricht: „Über die Ein- 
lagerung von Mangan bei Wasserpflanzen." (Mit mikrosko- 
pischen Demonstrationen.) 



Hierauf hält Herr Prof. Dr. 0. Abel einen Vortrag: „Über 
Diplodocus.^^ (Siehe unsere „Abhandlungen", Bd. V, Heft 3.) 



(108) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Allg'emeine Versammlung* 

am 5. Januar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 

Der Leiter des Generalsekretariates Herr R. Schröding er 
bringt zur Kenntnis, daß folgende Herren der Gesellschaft bei- 
getreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Brandis, Prof. Erich, S. J., Travnik, 

Bosnien R. Schrödinger, J. Brunnthaler. 

„ Seyfert Richard, stud. phil., Wien, 

II., Rembrandtstraße 6 A. Handlirsch, Dr. Pietschmann, 

Herr Singer, Dr. Karl, praktischer Arzt, 

Aschaflfenburg Karl Mandl, R. Schrödinger. 

„ Urban, Dr. Viktor, k. k. Polizeiarzt, 

Wien, X., Laxenburgerstraße 6 . . Joh. Vetter, Dr. E. Korb. 

Herr Prof Dr. R. v. Wettstein spricht über: „Der Gene- 
rationswechsel bei den Pilzen und seine phylogenetische 
Bedeutung." 

Ferner demonstriert Herr Priv.-Doz. Dr. 0. Forsch „Blüten- 
biologische Momentaufnahmen". 



Allgemeine Versammlung* 

am 1. Februar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 



D(;r Leiter des Generalsekrctariatcs Herr Rnd. Schrödinger 
teilt mit. (laß tol^^ende Herren (i(!r Gesellschaft beigetreten sind: 



Bericht über die allgemeine Yersaramlung. 



(109) 



Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Betsch Karl, Konstantinopel, Grande 

rue de Pera Prof. Fahringer, Dr. F. Werner. 

„ Hicker Eich., k.k. Kontrollor, Haders- 
dorf -Weidlingau, Mauerbachstr. 135 F. Heikertinger, Hugo Scheuch. 

„ Kränzlin, Prof. Dr. Fritz, BerlinC/II, 

Klosterstraße 76 Dr. Rechinger, Dr. Zahlbruckner. 

„ Kautz Hans, k. k. Ob. -Ingen., Wien, 

XII., Theresienbadgasse 4 .... A. Hirschke, Prof. Dr. H. Rebel. 

„ Niedermeyer Albert, Wien, XVIII., 

Kutsehkergasse 13 Dr. K. Miestinger, Dr. F. Werner. 

„ Ritter, Dr. Wolfgang, Wien, VII., 

Xeubaugasse 9 A. Handlirsch, F. Siebenrock. 

„ Sulzbeck, Ernst Ritter v., k. k. Hof- 
Oberrechnungsrat, Wien, XIII./l, 

Lainzerstraße 62 R. Schrödinger, Dr. Zahlbruckner. 

„ Walther, Alfred H., Architekt, Wien, 

XVIII. /l, Anastasius Grüngasse 38 Frl. A. Mayer, R. Schrödinger. 

Hierauf hält Herr Prof. Dr. L. v. Lorenz einen Vortrag: „Aus 
dem Tierleben der Grönland-See." (Mit Lichtbildern.) 



Allgemeine Versammlung' 

am 2. März 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 



Der Generalsekretär Herr J. Brunn thaler teilt mit, daß fol- 
gende Damen und Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 
P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Lax Otto, stud. phil., Wien, VIIL, 

Schlösseigasse 17 J. Brunnthaler, F. Wurdinger. 

„ Mencik Emanuel, Offiziant, Chru- 

dim, Böhmen den Ausschuß. 



(HO) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



P. T. Vorgeschlagen durch: 

Fräul. Odstrcil Melanie, Lyzeallehrerin, 

Wien Prof. T.Pintner, Prof. F.Werner. 

„ Sporer Helene, Wien, V., Wiedner 

Hauptstraße 113 H. Cammerloher, Dr. 0. Porsch. 

Hierauf spricht Herr Prof. Dr. Edler von Tschermak: „Über 
pflanzenzüchterische und botanische Eindrücke aus Nord- 
amerika." (Mit Lichtbildern.) 



Allgemeine Versammlung* 

am 4. Mai 1910. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 

Der Vorsitzende macht Mitteilung, daß die Gesellschaft seit 
der letzten Monatsversammlung das Ableben zweier Ehrenmitglieder 
zu beklagen hat. 

Prof. Dr. Alexander Agassi z starb am 27. März d. J. auf 
der Überfahrt von Amerika zur Eröffnung des ozeanographischen 
Museums in Monaco, Prof. Dr. E. v. Beneden in Liege am 
28. April 1910. 

Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen der Trauer von 
den Sitzen. 

Der Generalsekretär Herr Josef Brunn thaler teilt mit, daß 
folgende Dame und Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 

P. T. Vorgeschlagen durch 

Herr Fruhwirt, Prof. Dr. Karl, Waldhof b. 

Anistcttcn J. Brunnthaler, l^rof. v. Wettstein. 

„ Ilofuiann, Dr. K., Wien, III., Scidl- 

gasse 28 H. Keisser, Prof. Dr. V\ Werner. 

„ Kratzinann Ernst, stud. ])hil., Wien, 

VII., KaiH(!rHtraße 5 1. l'»ninnthaler, Dr. Watzl. 

„ Magocsy-Dictz, Prof. Dr. S., Ruda- 

pcht, VI II., Iil6sucza 25 den Ausschuß. 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(III) 



Unterstützende Mitglieder : 
P. T. Vorgeschlagen durch: 
Herr Ruft, Dr. Eugen, Wien, XIII., Dom- 
mayergasse 11 den Ausschuß. 

Fräul. Ullrich Hedwig, Wien, XIII., Beck- 

maungasse 14 „ „ 

Hierauf spricht Herr Priv.-Doz. Dr. H. Przibram über: 

Die Verteilung orgaiibildender Fälii§keiteii auf Körper- 
regionen. 

Id einem vor S^/g Jahren auf der 78. Versammlung Deutscher 
Naturforscher und Ärzte in Stuttgart gehaltenen Vortrag (l) habe 
ich „die Regeneration als allgemeine Erscheinung in den drei 
Reichen" nachzuweisen gesucht. Als Gegenstück hiezu möchte ich 
heute auf die Grenzen^ welche der Regenerationsfähigkeit, nament- 
lich im Tierreiche^ gesetzt sind, eingehen und allgemeine Vorstel- 
lungen entwickeln, welche uns die Rätsel der Regulation tierischer 
Eier und der Regeneration entwickelter Tiere in einem minder 
mysteriösen Lichte erscheinen lassen als bisher. 

Unseren Ausgangspunkt möge die Erscheinung der Polarität 
bilden. 

Allbekannt ist die Polarität des Kristalles. Da der Kristall 
aus chemisch gleichartigen Teilchen zusammengesetzt ist, so ist 
diese Polarität ausschließlich ein Ausdruck der parallen Orientierung 
sämthcher Teilchen, deren jedes nach verschiedenen Richtungen 
des Raumes eine verschieden große Wachstumsgeschwindigkeit 
entfaltet. 

Die Organismen unterscheiden sich wesentlich von den 
Kristallen durch ihre heterogene Zusammensetzung. Die Urtiere 
geben im allgemeinen, entzweigeschnitten, wieder ganze Tiere, 
indem der vordere Teil den hinteren, und umgekehrt, ergänzt. 
Über eine etwaige chemische Verschiedenheit dieser Teile wissen 
wir aber nichts. 

Betrachten wir nun eine Pflanze, so weist sie einen Wurzel- 
und einen Sproßpol auf, die aus chemisch verschiedenen Organen 
bestehen. Die Polarität der Schichtung verschiedener chemischer 
Substanzen im Pflanzenkörper hat meist die Eigenschaft mit der 



(112) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Polarität der Richtung, wie wir sie an den Kristallen kennen, 
gemein, daß bei Durchtrennung der Kontinuität die fehlenden 
Pole wieder ergänzt werden. So treiben bei einem quer entzwei- 
geschnittenen Weidenreis am oberen Ende des hinteren Stückes 
neue Sprosse, am hinteren Ende des oberen Stückes neue Wurzeln. 
Obzwar durch äußere Bedingungen, wie Licht und Schwerkraft^ 
die Schichtung bis zu einem gewissen Grade veränderlich ist, was 
einer Strömung organbildender Substanzen zugeschrieben werden 
kann, so halten doch die Pflanzenreiser ihre ursprüngliche Polarität 
mit groi3er Zähigkeit fest. Analog sind die Verhältnisse bei den 
in ihren Wachstumsbedingungen an die Pflanzen erinnernden nie- 
deren Hydroidpolypen. 

Etwas anders verhalten sich die ebenfalls zu den Coelenteraten 
gehörigen Aktinien. Stücke der hinteren Körperregion vermögen 
stets die vordere neuzubilden, nicht aber die vorderste Region, 
welche die Tentakeln begreift, die hintere. Was geschieht aber 
mit ab- oder angeschnittenen Teilen dieser vordersten Region? 
Solche Teile können weiterwachsen unter Aufrechterhaltung ihrer 
früheren Wachstumsrichtung; ihre Richtungspolarität ist also auch 
nach Beseitigung der Schichtungspolarität geblieben. Allein dies 
braucht nicht das definitive Resultat zu sein. Unter Umständen 
kann auch ein Wachstum in der entgegengesetzten Richtung ein- 
treten: es wird aber trotzdem wieder ein solcher Pol gebildet, wie 
bereits einer vorhanden ist. Seine Richtung ist jedoch verkehrt. 
Wie ich im früheren Vortrage gezeigt habe, erfolgt diese Polumkehr 
durch Drehung der Zellen, naraentUch bei Zellteilung. Die Rich- 
tungspolarität ist also von der Polarität der Schichtung 
trennbar. 

Verfolgen wir ein weiteres Beispiel: Der Regenwurm — wie 
die meisten Würmer — lälit sich in drei Zonen zerlegen, deren 
mittelste nach vorne einen Kopf, nach rückwärts einen Schwanz 
hervorzubringen im Stande ist. Die vorderste vermag zwar nach 
vorne einen Kopf, aber nach rückwärts keinen Schwanz, die 
hinterste nacli rückwärts einen Schwanz, aber nach vorne keinen 
Kopf hervorzubringen. Es ist also eine Polarität der Schichtung 
vorhanden, die den vollständigen Wurm erzeugt, aber auch eine 
Polarität der Richtung, welche nach Zerstörung jener übrigbleibt. 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(113) 



Auch in diesem Fall kann die Polarität der Richtung* zwei gleich- 
polige Enden hervorbringen: aus der vordersten Region entstehen 
unter Drehung der Grenzzellen zweiköpfige, aus der hintersten 
zweischwänzige Würmer. 

Der Kürze wegen empfihlt es sich, den von Driesch geprägten 
Ausdruck: totipotent, für Stücke, welche alle Teile hervorzubringen 
imstande sind, zu gebrauchen. Bei den Manteltieren sind dies alle 
Stücke der mittleren Körperregion, hingegen wahrscheinlich nicht 
die bei den Siphonen, denn angeschnitten erzeugen sie unter Umkehr 
der Eichtungspolarität auch an den zentralgewendeten Schnittstellen 
Endorgane: Augen und Siphonenrand. 

Bei den vöUig radiär entwickelten Vertretern der Stachel- 
häuter finden wir keine totipotenten Regionen mehr. Die Scheibe 
ohne Arm vermag bei Haar-, See- und Schlangensternen keinen 
Arm mehr hervorzubringen. Ebensowenig vermag der Arm eine 
Scheibe zu erzeugen, wohl aber geht aus einem vereinigten Scheiben- 
und ArmbruchstUck ein ganzer Stern hervor. Mindestens beim 
Haarstern vermögen jedoch die ganz oder halb losgelösten Arme 
distal- und auch zentral wärts eine neue Arm spitze zu regenerieren. 
Auch hier bleibt also nach Aufhebung der Schichtungspolarität 
eine Richtungspolarität bestehen, welche umkehrbar ist. Im Gegen- 
satze zu den bisher besprochenen Fällen handelt es sich hier aber 
um seitliche Anhänge. 

Bei den entwickelten Mollusken, Vertebraten und Arthropoden 
finden wir keine totipotenten Körperregionen — die Keimdrüsen 
ausgeschlossen. Dementsprechend können auch bei diesen Tier- 
gruppen nach Kastration keine neuen Keimprodukte gebildet werden. 
Die Schichtungspolarität ist also am stärksten ausgesprochen. Doch 
läßt sich auch hier die Richtungspolarität isolieren, wenn es gelingt, 
Teile mit sehr beschränkter Potenz noch zum Auswachsen in zen- 
traler Richtung zu bewegen. Eine solche Methode gibt das An- 
brechen von Schwänzen oder Extremitäten an genügend plastischen 
Stadien an die Hand oder die Implantation völlig isoHerter Stücke. 
Solche erzeugen bloß das ihnen zukommende distale Stück, wenn 
keine Richtungsumkehr — wahrscheinlich infolge der zu großen 
Starrheit der Gewebe — mehr möglich ist, sonst an beiden Enden 
distale Partien. Während bei den Vertebraten die GUedmaßeu stets 

Z. B. Ges. 60. Bd. Ii 



(114) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



nur wieder Gliedmaßen derselben Art regenerieren^ auch bei ihrer 
völligen Entfernung- bloß Gliedmaßen gleicher Art wieder von der 
benachbarten Rumpfpartie gebildet werden, ist dies bei den Arthro- 
poden nicht der Fall: hier sind die Gliedmaßen bipotent, es können 
an Stelle von Augen Fühler, an Stelle von Fühlern Beine, an Stelle 
von Kieferfüßen Scheren, an Stelle von Scheren Schreitbeine u.s. f. 
gebildet werden. Betrachten wir die Anordnung der Gliedmaßen 
am Körper eines Krebses oder eines Insektes, so finden wir, daß 
stets die weiter nach vorne stehende Extremität durch die weiter 
nach rückwärts stehende ersetzt wird — eine Ausnahme bilden die 
Flügelpaare — , also die Schichtungsfolge jener Materialien, die 
nach Erlöschen der normalen Formbildungsmittel herangezogen 
werden, einer nächsten metameralen Schichte angehören. 

Außer der distalen und zentralen Wachstumsrichtung und der 
Schichtung von vorne nach hinten finden wir bei den meisten 
Tieren eine ausgesprochene Dorsiventralität(2) und Bilateralität (B), 
die ich andernorts bespreche. 

Nachdem wir uns über die Polaritäten und organbildenden 
Fähigkeiten des entwickelten Tierkörpers orientiert haben, müssen 
wir nun zusehen, ob ein Zusammenhang zwischen der Schichtungs- 
polarität der Eier und jener des entwickelten Tieres besteht. 

Die Eier der Meduse Aegineta zerfallen bei der ersten Furche 
entweder in zwei gleich große oder in verschieden große Blastomeren. 
Im ersteren Falle entstehen zwei vollwertige Medusen aus jeder 
isolierten Blastomere, im letzteren bloß aus der unteren. Bei Hal- 
bierung des Eies senkrecht auf die erste Furche können Ganz- 
bildungen entstehen. (Vielleicht entspricht die kleine Mikromere der 
nicht totipotenten Zone der erwachsenen Aktinie?) 

Beim Seeigelei ist die Polarität von vorneherein manchmal 
deutlich sichtbar, dann V€rm()gen zwar senkrecht zur Hauptachse 
entzweigeschnittene Eier Ganzbildungen hervorzubringen, nicht aber 
Stücke, die bloß vom animalen oder bloß vom vegetativen Pole 
etwas bekommen haben. Im späteren Verlaufe der Entwicklung 
wiederholt sich diese Beschränkung fUr jede schon abgegliederte 
Organanlage auch bei dem Secsternei. Hiermit scheint nun die 
große Teilbarkeit des Seesternes nach der Mctamorpliwse in Wider 
Spruch zu stehen. Allein in Wirklichkeit handelt es sich bei der 



Bericht über die allgemeine Yersammhing. 



(115) 



queren Zertrennuug- des Seesternes selbst nicht um eine Sonderung 
von verschiedenen Organanlagen, indem jeder Querteil von allem 
erhält. 

Bei den Mollusken scheint jeder Eiregion von vorneherein 
eine bestimmte eindeutige Rolle zuzufallen. 

Die Tunikaten sind insoferne von Interesse, als hier wie bei 
den Seesternen ein Wechsel in den Potenzen der Regulation vor- 
zuliegen schien: allein wir können uns sehr gut die Versuchsergeb- 
nisse an verschiedenen Stadien damit erklären, daß eine quere 
Durchtrennung in durchaus verschiedene Regionen fallen mußte. 
Beim Ei sind verschiedene Möglichkeiten beschrieben und gegeben. 
Bei der Gastrida können noch zwei vollständige Larven erhalten 
werden; dann erlischt diese Fähigkeit bei der weiteren Streckung 
der Larve, um wieder beim entwickelten Tiere aufzutreten. Die 
anscheinend unterbrochene Verteilung der Fähigkeiten steht in Zu- 
sammenhang mit der Formstreckung und -Krümmung und mit der 
dadurch bedingten Schnittführung, welche bei geometrischer Analogie 
nicht morphologisch gleichwertige Teile sondert. 

Aus allen diesen Beispielen geht hervor, daß wir einen kon- 
tinuierlichen Übergang von der Eischichtung zur Schichtung am 
entwickelten Tiere verfolgen können: die Verteilung der form- 
bildenden Fähigkeiten hängt von der Verteilung der Eiregionen 
ab; Eiregulation und Regeneration entwickelter Tiere zeigen die- 
selben Gesetzmäßigkeiten. 

Zusammenfassend ergeben sich die folgenden Sätze: 

1. Die Metazoen besitzen außer der auch am Kristalle zu 
beobachtenden Polarität der Richtung (des Wachstums) noch eine 
Polarität der Schichtung aus chemisch differenten Schichten, 
welche von vorne nach hinten verlaufen. 

2. Ein Tierteil ist nicht imstande etwas anderes zu erzeugen, 
als den ihm angehörenden Schichten entspricht, welche vom Ei 
angefangen ohne Veränderlichkeit ihrer Potenzen immer weiter ver- 
teilt werden (Abnahme der Totipotenz). 

3. Die Schichtungspolarität ist nur insoferne umkehrbar, als die 
Stoffe der Schichten beweglich sind, „zirkulieren", was bei den 
nicht zu Einzelindividuen abgegrenzten Pflanzen und Polypen zu- 
trifft. Die Richtungspolarität kehrt sich insoferne um, als an nicht 



(116) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



totipotenten Teilen auch nach proximaler Richtung die distale Aus- 
bildung erfolg't, falls noch genügende Plastizität eine Drehung der 
freien Grenzzellen gestattet. 

4. Für die Erklärung der Eiregulation kann daher vorderhand 
mit denselben Prinzipien wie für die Regeneration entwickelter 
Tiere das Auslangen gefunden werden. 

Ergänzungsschriften des Vortragenden. 

(1) . Regeneration als allgemeine Erscheinung in den drei Reichen der 
Natur. Vortrag, Versammlung Deutscher Naturforscher u. Ärzte, Stuttgart. — 
Naturwissensch. Rundschau, XXI, Nr. 47—49, 1906. 

(2) . Die Verteilung formbildender Potenzen in dorsoventraler Richtung. 
Eingesandt für die Roux-Festschrift. — Archiv f. Entwicklungsmechanik, 
XXX, 1910. 

(.3). Asymmetrieversuche als Schlüssel zum Bilateralitätsproblerae. Vor- 
trag, angemeldet für den Internat. Zoologen-Kongreß, Graz, August 1910. 



Außerordentliche Greneral -Versammlung' 

am 1. Dezember 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Leiter des Generalsekretariates Herr Rudolf Schröding er 
teilt mit, daß folgende Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 
P. T. Vorgeschlagen durch: 
Herr Luhne Vinzenz, k. k. Realschulpro- 
fessor, Wien, Xni., Linzerstraßo 40 Prol. v. Wettstein, Dr. E. Janchen. 
„ Mayer Karl, I)eaniter der k. k. Finanz- 

Laiidesdirektioii, Innsbruck . . . Karl Kühler, R. Schrödinger. 
y, Mieszczewski jnn., Ladislaus v., 

Krakau, Annagasse den Ausschuß, 

„ Sarnthcim Ludwig, (jraf v., Wien, 

L, lCliHal)('thHtraf)(! 20 v. Ilandel-Mazz,, R. Schrödinger. 

Der Präsident teilt hierauf mit, daß der Ausschuß über Antrag 
einer Oru|)))(; von Mitgliedern beschlossen bat^ der auncrordentliclicn 
General versanitnlung die Wahl des Herrn Josef Kaufmann zum 



Bericht über die außerordentliclie General -Versammlung. (117) 



Ehrenmitgliede der Gesellschaft, in anbetracht seiner Verdienste 
um die Gesellschaft, vorzuschlagen. 
Die Wahl erfolgt einstimmig. 

Herr Dr. K. Pietschmann spricht hierauf über: „Eine Fahrt 
an Grönlands Westküste". (Mit Skioptikonbildern.) 



Ordentliche General -Versammlung' 

am 6. April 1910. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Präsident eröffnet die Versammlung, konstatiert die Be- 
schlußfähigkeit und hält nachstehende Ansprache: 

Verehrte Versammlung! 

Das abgelaufene Jahr war für unsere Gesellschaft ein Jahr 
ruhiger ungestörter Tätigkeit, was wir urasomehr mit Freude be- 
grüßten, als die vorhergehenden Jahre eine Reihe außergewöhn- 
licher Ereignisse brachten. Mag die Unmöglichkeit^ besonderer 
Vorkommnisse zu gedenken, bei Vereinen anderer Art den Jahres- 
bericht zu einem weniger befriedigenden gestalten, in dem Wesen 
unserer Gesellschaft liegt es, daß eine ungestörte Hingabe an unsere 
Aufgaben das Willkommenste ist. Daß trotz des Ausbleibens be- 
sonderer Ereignisse das Gesellschaftsleben ein sehr intensives war, 
das wissen Sie alle; dies beweisen die zahlreichen Vortragsabende, 
Umfang und Inhalt unserer Publikationen, die Frequenz unserer 
Sammlungen, die Tätigkeit unserer Kommissionen und Sektionen. 
Es sei mir gleich einleitend gestattet, allen jenen Männern, die sich 
nach dieser oder jener Richtung um unsere Gesellschaft verdient 
gemacht haben, herzlichst zu danken. 

Nur einen Namen will ich bei dieser Danksagung speziell 
erwähnen^ es ist dies der des Herrn Rudolf Schrödinger, welcher 
in uneigennützigster Weise die Vertretung des Herrn Generalsekre- 
I tärs während dessen afrikanischer Reise übernahm. 

Der Stand unserer Mitglieder ist im abgelaufenen Jahre nahezu 
unverändert geblieben; einem Zuwachsen von 16 MitgHedern steht 



(118) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



ein Austritt von 19 Mitgliedern gegenüber. Sechs Mitglieder ver- 
loren wir durch den Tod, es sind dies die Herren: Dr. Rudolf Bergh 
in Kopenhagen, Friedrich Fleisch mann in Wien, Friedrich v. 
Halpern in Aachen, Dr. C. Kraatz in Berlin, Major Hutten v. 
Klingenstein in Wien und unser Ehrenmitglied, geh. Regierungs- 
rat Prof. Dr. Anton Dohrn in Neapel, der sich nicht bloß durch seine 
wissenschaftlichen Arbeiten, sondern insbesondere durch die Grün- 
dung und Ausgestaltung der berühmten zoologischen Station in Neapel 
unvergeßliche Verdienste um die Gesamtbiologie erworben hat. 

Wenn wir der Verluste gedenken, die der Tod unserer Ge- 
sellschaft brachte, müssen wir auch einen Moment der Erinnerung 
unserem Kanzlisten Kornelius Frank widmen, der im abgelaufenen 
Jahre am 24. Mai starb, nachdem er durch 32 Jahre hingebungs- 
voll unserer Gesellschaft gedient hatte. Die Umgestaltung, welche 
die ganze Geschäftsgebarung unserer Gesellschaft in den letzten 
Jahren erfuhr, ließ seine Person naturgemäß etwas in den Hinter- 
grund treten; gerade die älteren Mitglieder werden sich aber noch 
an die Zeiten erinnern, in denen Frank über den Rahmen seiner 
Verpflichtungen hinausgehend, eine ganz unschätzbare Tätigkeit ent- 
faltete, die ihn unserer dauernden Dankbarkeit würdig erscheinen 
ließ. Wir glaubten den Verdiensten Franks Rechnung tragen zu 
sollen, indem wir nach seinem Ableben die gesamten Kosten, welche 
Krankheit und Tod verursachten, auf Vereinsmitteln übernahmen und 
unter den Mitgliedern der Gesellschaft eine Sammlung einleiteten, 
deren recht ansehnliches Erträgnis den unmündigen Kindern Franks 
zugeführt wurde. Ich benutze diesen Anlaß^ um nochmals all den- 
jenigen, welche sich an dieser Sammlung beteiligten, auf das Herz- 
lichste zu danken. 

Die von uns seit Jahren durchgeführten Vorarbeiten für eine 
pflanzengeographische Detailkartc von Österreich wurden im Berichts- 
jahre eifrig weitergeführt. An den Aufnahmen beteiligten sich in 
diesem Jahre die Herren Dr. Ginzbcrger, Dr. Vicrhappcr, Prof. 
Dr. Xcvole, J. Baumgartner. Das k. k. Ackerbauministerium hat 
;iuch in diesem Jahre in dankenswertester Weise die Weiterfuhrung 
dieser Arbeiten durch Zuwendung einer Subvention erm()glicht. 

Einen außerordentlich erfreulichen Aufschwung nahm im Be- 
richtsjahre die Tätigkeit unserer Lehrmittel-Sektion. Ohne dem 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(119) 



detailierten Berichte unseres Herrn Generalsekretärs vorgreifen zu 
wollen, erwähne ich, daß im Sinne des in den letzten Jahren aus- 
gearbeiteten Programmes eine sehr große Zahl tadelloser Lehr- 
mittel fertiggestellt wurde, deren Verteilung an Lehranstalten eben 
im Zuge ist. Herr Dr. Ginzb erger hat sich durch die Leitung, 
Herr E. Wibiral durch unermüdliche Durchführung der Arbeiten 
Anspruch auf unseren Dank erworben. 

Wie Sie wissen, halten wir es auch für unsere Aufgabe, in 
bescheidenem Maße für den Naturschutz der Heimat einzutreten, 
so lange eine andere Instanz hiefür bei uns noch nicht existiert. 
Im Sinne dieser Aufgabe haben wir im abgelaufenen Jahre zwei 
Erfolge zu verzeichnen. Wir haben schon vor längerer Zeit an die 
bosnische Landesregierung ein eingehend motiviertes Ansuchen ge- 
richtet um Erhaltung eines größeren botanisch interessanten Gebietes 
als Schongebiet. Bei der Auswahl der dabei in betracht kommen- 
den Gebiete war uns insbesondere Herr Dr. Heinrich Baron Handel- 
Mazzetti behilflich. Am 9. Juli 1909 erhielten wir einen Erlaß des 
k. u. k. gemeinsamen Finanzministeriums, nach welchem „die beider- 
seitigen Hänge des Klekovaca-Gebirgsstockes . . . vom Forstbetriebe 
ausgeschaltet sind und die Erhaltung der in diesem Gebiete vorhan- 
denen Waldbestände als Naturdenkmal in Aussicht genommen ist". 

Die Landesregierung in Sarajevo wurde auch bereits beauf- 
tragt, die zur formellen Durchforschung und verordnungsmäßigen 
Festlegung notwendigen Erhebungen einzuleiten und die konkreten 
Anträge zu erstatten. 

Diese günstige Erledigung der Angelegenheit ist umso er- 
freulicher, als es damit gelungen ist, einen Wunsch zu erfüllen, 
welchen die Gesamtheit der 1905 gelegentlich des internationalen 
botanischen Kongresses in Wien versammelten Botaniker in einer 
Resolution zum Ausdruck brachte. 

Im vorigen Herbste stellten die Herren Ginzb erger und 
Teyber im Ausschusse den Antrag, zwei kleine, bei Ottental nächst 
Mistelbach gelegene Grundstücke als Standorte der Cramhe tatarlca 
pachtweise zu erwerben, um auf diese Weise wenigstens für die 
nächsten Jahrzehnte diese pflanzengeographisch hochinteressanten 
Standorte zu erhalten. Auch diese Aktion ist Dank der Bemühungen 
der beiden Herren bereits erfolgreich durchgeführt, und zwar in 



(120) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



einer Art und Weise, die unsere Gesellschaft finanziell nicht be- 
lastet. 

Überblicke ich die Gesamttätigkeit unserer Gesellschaft im 
abgelaufenen Jahre, so gelange ich zu dem Wunsche, mit dem ich 
meinen Bericht schließe, daß es ihr vergönnt sein möge, die er- 
rungene Stellung zu bewahren und weiterhin in gleicher Intensität 
und Extensität ihre Aufgaben zu erfüllen. 



Es folgen hierauf die Jahresberichte der anderen Funktionäre: 

Bericht des Greneralsekretärs Herrn J. Brunnthaler. 

Die Geschäfte des Generalsekretärs führte in der zweiten 
Hälfte des Jahres während der Abwesenheit des Berichterstatters 
in liebenswürdigster Weise unser Ausschußmitglied Herr Kudolf 
Schrödinger, wofür ihm der herzlichste Dank ausgesprochen sei. 

Die Zahl der Versammlungen war auch im Berichtsjahre eine 
sehr befriedigende. Es wurden fast 50 Sitzungen abgehalten mit 
mehr als 100 Vorträgen und Demonstrationen. 

Das Lehrmittel-Komitee war Dank der auch heuer bewilligten 
Subvention des hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht im- 
stande, die erste größere Serie von Lehrmitteln für Schulen fertig- 
zustellen und bei dem hohen Ministerium die Verteilung zu bean- 
tragen. Es wurden hergestellt: 



20 Serien von botanischen Objekten in Formalin (und 
zwar: Zitrone, Feigenbaum, Johannisbrot, Ölbaum, 
Eibe, Fichte, Tanne, Zirbelkiefer, Schwarzföhre, 
Kotföhre, Lärche, Wacholder, Lebensbaum, Zy- 
presse, Ginkgo, Cycas) in 16 Objekten .... 320 Obj. 

20 Serien von zoologischen Objekten in Formalin (und 
zwar: Entenmuschel, Miesmuschel, Tintenfisch, See- 
pferdchen, Katzenhai, Plattfisch, Makrele) in 7 Ob- 
jekten 1^40 „ 

20 Serien von Biologien von Schmetterlingen (Kohlweiß- 
ling, Harlekin, llingelspinncr, Nonne) in 4 Objekten . <S0 „ 



20 Herbarien a 200 Pflanzen 



4000 Ex. 



Zusammen 



540 Obj. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(121) 



Weitere Serien sind in Vorbereitung. Herrn Dr. A. Ginz- 
berg-er sei hiermit der Dank ausgesprochen für seine Mühewaltung 
in Lehrmittelangelegenheiten. 

Herr Dr. F. Ostermey er hat sich wie seit vielen Jahren der 
großen Mlihe unterzogen, nnser Herbar in Ordnung zu halten, wofür 
wir ihm zu Dank verpflichtet sind. 

Der Geschäftsbetrieb hat durch das Ableben unseres lang- 
jährigen Kanzlisten, Herrn C. Frank, eine Änderung insoferne 
erfahren, als durch Bestellung einer Kanzlistin und eines Dieners 
die Möglichkeit geboten wurde, den gesteigerten Anforderungen 
besser gerecht zu werden. Eine weitere wichtige Neuerung ist die 
gemeinsame Versendung der Sitzungsprogramme für alle Veranstal- 
tungen zweimal monatlich, und zwar an alle Wiener Mitglieder. 

Es sei schließlich neuerlich an alle Mitgheder die dringende 
Bitte gerichtet, sich der Anwerbung neuer Mitglieder eifrigst zu 
unterziehen. 



Bericht des Redakteurs Herrn Kustos A. Handlirsch. 

Wer sich der Mühe unterzieht, die Publikationen dieses Ver- 
eines durchzublättern, sieht darin wie in einem Spiegel das getreue 
Bild unseres gesamten Vereinslebens, ja das Bild des Vereines 
selbst, mit seiner den verschiedensten Forschungsrichtungen huldi- 
genden Mitgliedschaft, die sich aus Fachgelehrten und Liebhabern 
zusammensetzt. Aus solchen, die ihre Aufgabe darin sehen, in 
altbewährter bescheidener Weise Einzelbeobachtungen und Funde 
mitzuteilen, und aus solchen, die das vorliegende Material geistig 
weiter verarbeiten, neue Ziele, neue Bahnen suchen, in welche der 
große Strom der Arbeit zu leiten wäre. Aus Männern, deren Beruf 
es ist, zu forschen, und aus Männern, die in der Beschäftigung 
mit Naturobjekten nur eine Erholung von der Last der Alltäglich- 
keit suchen. 

Zweifellos liegt in dieser Kombination etwas ungemein reiz- 
volles und befruchtendes. Die Abwechslung erfreut uns und ver- 
hindert oft das Versinken in allzu unfruchtbare Einseitigkeit. 

Wir können kaum eine überhaupt in den Rahmen des Vereines 
fallende Disziplin nennen, die im abgelaufenen Jahre nicht in 



(122) 



Bericht über die ordentliche General -Versarnmlun^,^ 



irgend einer Form in unseren Schriften zum Worte g-elangt wäre. 
Von der rein deskriptiven, beziehungsweise lokal faunistischen oder 
floristischen Richtung bis zur allgemeinen Morphologie, Tier- und 
Pflanzengeographie, von der speziellen Physiologie und Ökologie 
bis zur allgemeinen Biologie, Phylogenie und Deszendenztheorie 
sind alle Schattierungen vertreten. — Auf einer Seite unserer „Ver- 
handlungen" finden wir die von jeder Spekulation freie Beschreibung 
einer neuen Schmetterlingsvarietät, auf der nächsten eine Dis- 
kussion über die höchsten Probleme der' Naturforschung. Und ich 
glaube, es ist recht so, denn in der Wissenschaft soll volle Gleich- 
berechtigung herschen. Unsere Schriften wollen nicht nur populär, 
aber auch nicht nur akademisch sein, wissenschaftlich, aber frei 
von allen sonstigen Schranken. 

Sie finden in dem 59. Bande unserer „Verhandlungen", der 
seinen Vorgänger, dank einer nicht unbeträchtlichen Überschreitung 
des Präliminares, für deren nachträgliche Genehmigung ich unserem 
Ausschusse Dank schuldig bin, um 5 Bogenlängen überragt, auf 
386 Seiten die Berichte über 62 Veranstaltungen unserer Gesell- 
schaft nebst 13 Referaten und auf weiteren 518 Seiten 20 selbst- 
ständige Arbeiten. Von den Originalarbeiten und Mitteilungen, 
die durch 57 Textbilder, 1 Tafel, 1 Porträt und 1 Karte illustriert 
sind, behandeln 8 allgemeine Themen, während 65 auf die Zoologie 
und Paläozoologie und 16 auf die Botanik entfallen. 173 Tier- 
und 4 Pflanzenformen wurden hier zum ersten Male beschrieben. 

Ich bin in der angenehmen Lage, konstatieren zu können, 
dali auch unsere zweite Zeitschrift, die anläßlich des 50 jährigen 
Bestandes der Gesellschaft gegründeten und für die Aufnahme 
größerer monographischer Arbeiten bestimmten „Abhandlungen", 
nunmehr, nachdem die altbewährte Firma Gustav Fischer in Jena 
den Verlag übernommen hat, in etwas rascherer Folge als bisher 
zu erscheinen beginnen. 

Mit einer 62 Seiton starken Arbeit unseres so überaus rührigen 
Mitgliedes R. Schrödinger über den Rlütenbau der zygomorphen 
Pianunculaceen, für deren reiche Illustricrung er selbst durch Bei- 
Htellung der fertigen Klicliccs sorgte, konnte der JV. Hand abge- 
Hclilossen werden. In rascher Folge erschienen dann die ersten drei 
Nuramern des V. Bandes mit einer kleineren Arbeit Irene Ster- 



Bericht über die ordentliche General -Versamnilimg. 



(123) 



zingers über die S2nrorhis- Arien der nördlichen Adria, einer Moos- 
flora der jiilisclien Alpen von Direktor J. Glowacky, beziehungs- 
weise einer reich illustrierten Arbeit unsereres verehrten Prof. 
0. Abel über die Rekonstruktion des Biplodocus. Weitere drei 
Nummern werden im Laufe der nächsten Monate erscheinen. 

Ich glaube nur im Sinne der Versammlung zu handeln, wenn 
ich allen unseren literarischen Mitarbeitern hiemit den wärmsten 
Dank ausspreche, in erster Linie aber den Schriftführern der 
Sektionen, denen die Zusammenstellung der Sitzungsberichte gewiß 
oft beträchtliche Mühe verursachte. 



Bericht des Rechnungsführers Herrn Julius t. Hunger- 



hyehler. 
Einnahmen pro 1909 : 

Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen . . K 6.870 . 40 

Subventionen „ 3.090. — 

Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 

pflanzengeographische Aufnahme Österreichs . „ 1.000. — 
Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die 

Naturalwohnung im Landhause „ 5.000. — 



Verkauf von Druckschriften und Druckersätze . . „ 837 . 78 
Interessen von Wertpapieren und Sparkassa-Einlagen „ 784.78 
Vom k. k. naturhistorischen Hofmuseum: Erlös für 
die vom kais. Rate Prof. Dr. G. Mayr der Ge- 
sellschaft vermachte Hymenopteren- Sammlung 
(vgl. diese „Verhandlungen", 1908, S. 516) per „ 8.000.— 



Unvorhergesehene Einnahmen 151.42 

Summa . . K 25.734.38 
Ausgaben pro 1909 : 

Honorar des Herrn Generalsekretärs K 1.200. — 

Besoldung des Kanzlisten und der Diener .... „ 1.374.41 

Remunerationen und Neujahrgelder „ 97. — 

Gebührenäquivalent „ 39 . 23 



Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 
richtung (gegen Feuersgefahr un d Einbruch) . „ 152 . 29 

Transport . . K 2.862.93 



(124) 



Berieht über die ordentliche General -Versammlung. 



Transport . . K 2.862.93 
Beheizung, Beleuchtung- und Instandhaltung der Ge- 
sellschaftslokalitäten . „ 977.06 

Kanzleierfordernisse „ 1.053.77 

Porto und Stempelauslagen „ 1.288.13 

Herausgabe von Druckschriften: 

„Verhandlungen", Bd. 59 (10 Hefte), 
Druck, broschieren und Illustra- 
tionen K 6.884.88 

„Abhandlungen", Bd. IV, 5. Heft: 
Der Blütenbau der zygomor- 
phen Ranunculaceen etc. Von 

K Schrödinger . . . . . „ 67.27 „ 6.952.15 

Bücher- und Zeitschriftenankauf „ 1.265.05 

Buchbinderarbeit für die BibHothek „ 748 . 55 

Honorar für Referate 50 . — 

Reisespesen etc. (für die pflanzengeograph. Aufnahrae) „ 670 . — 

Für Einrichtungsgegenstände „ 1.138.82 

Sonstige verschiedene unvorhergesehene Auslagen 
(Krankheit und Begräbniskosten für den ver- 
storbenen Kanzlisten, Darwinfeier etc.) . . . „ 739.87 
Zum Ankaufe von Einheitlicher konvertierter steuer- 
freier 4*^/(,iger Kronenrente im Nominalbetrage 

von 7000 K „ 6.748.20 

Summa . . K 24.494.53 

Ferner besitzt die Gesellschaft derzeit an Wertpapieren: 

K 12.000. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4 ^/o ige 
Kronenrente (Mai-Novemberrente), 

K 5.000. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4% ige 
Kronenrente (Januar-Julirente), 

K 400. — •^V2%'8'G Österreichische steuerfreie Staatsrentc 
(Investitionsrente), 

1 Stück ]{udolfs-Los, Serie 3898, Nr. 48, per 10 fl. ö. W., 

1 „ Chiry-Los, Nr. 784, per M) 11. K. M., 

2 „ Aktien des „Botanischen Zcntralblattes", ddo. Leiden, 
1. Januar 1902, a 250 11. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(125) 



A^rzeichnis 
der im Jabre 1909 der Gesellschaft gewährten 



Subventionen: 

Von Sr. k. u. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef 1. K 400. — 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchl. Herren Erz- 
herzogen : 

Eainer „ 100.— 

Eugen ^^100.— 

Franz Salvator „ 50. — 

Friedrich ^,100.— 

Von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Johann 

von Liechtenstein „ 100. — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern ...... 80. — 

Von Ihrer kgl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern „ 20. — 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberland „ 40. — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 600. — 

Vom löbl. Gemeiuderate der Stadt Wien „ 1500. — 

Subventionen für spezielle Zwecke: 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 

für Beteilung von Schulen mit Lehrmitteln . . K 2000 . — 

Vom hohen k. k. Ackerbauministerium für die pflanzen- 
geographische Aufnahme Österreichs . . . . „ 1000 . — 



A^rzeichnis 
der für das Jahr 1909 geleisteten höheren Jahresbeiträge 



von 1 4 K aufwärts. 

Vom hohen k. k. Ackerbauministerium K 50 . — 

Von den P. T. Herren : 

Dräsche Freih. v. Wartimberg, Dr. Richard . . . „ 100. — 

Wettstein v. Westersheim, Dr. Richard .... „ 50. — 

Bartsch Franz, k. k. Hofrat «40. — 

Steindachner, Dr. Franz, k. k. Hofrat 40. — 

Schwarzenberg, Fürst Adolf Josef, Durchlaucht . . „ 30. — 



(126) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Leonhart Otto, Nedwed Karl, Rothschild, Albert 

Freih. v, je K 20.— 

Netiischill Franz 55 lö- — 

Berg-h, Dr. Rudolf, Imhof, Dr. Em. Othmar, Rossi 

Ludwig-, Universitätsbibliothek Tübingen je . . „ 14. — 



Bericht des Bibliothek-Komitees. 

Die Geschäfte der Bibliothek besorgten die Herren General- 
sekretär J. Brunnthaler und Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 
Der Zuwachs der Bibliothek im Jahre 1909 betrug: 

Ä. Zeit- und Gesellschaftsschriften: 

als Geschenke ... 4 Nummern in 5 Teilen, 
durch Tausch ... 304 „ „411 „ 

„ Kauf „ „_62_ „ 

Zusammen . . 332 „ „ 478 

B. Einzelwerke und Sonderabdrücke: 

als Geschenke ... 677 Nummern in 688 Teilen, 
durch Tausch ... 68 „ „ 68 „ 
„ Kauf . . . . 15 „ „ 40 „ 
Zusammen . . 760 „ ,,796 „ 

Es wurden daher der BibHothek einverleibt 1092 Nummern in 
1274 Teilen. Die Zahl der Einzelwerke und Sonderabdrücke betrug 
am Ende des Berichtsjahres 9434 Nummern. 

Der reiche Zuwachs an Einzelwerken und Sonderabdrücken 
beruht auf der Einreihung der von dem verstorbenen Ehrenmit- 
gliede Prof. Dr. Gustav Mayr unserer Gesellschaft testamentarisch 
vermacliten Bücherei und der Schenkung von Büchern unseres 
Ehren in itgHcdcs Josef Kaufmann. 

Ferner widmeten Geschenke der Bibliothek Frau L. Errera- 
Iküssel und die Herren: Prof. Dr. 0. Abel-Wien, Dr. J. Bauni- 
^^artner-Wiencr-Ncustadt, Prof. Dr. 0. Borge-Stockholm, J. Born- 
mnllcr Weimar, Prof Dr. K. W. Dalla-Torrc- Innsbruck, Dr. A. v. 
Degen-Budapcflt, Dzi uczy nski-Wien, Dr. K. Escherich-Tarand; 
Pn»f. Dr. K. FrilHcli (iiaz, E. Gal va^^ii-Wicn, Dr.J. G ;'iy cr-Koniorn, 
Prof I)r. K robben Wien, K. Ilascbrock ihunbiirg, F. liinHlcl- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(127) 



Wien, Prof. A.Hetscliko-TescheD, Dr. Hirc-Agram, Dr. E. Janchen- 
Wien, Dr. A. Jolles-Wien, Dr. P. Kammerer-Wien, Dr. K. v. 
Keissler-Wien, J. H. Klintz, Fr. Klapalik-Prag-, St. Kopec- 
Krakau, Prof. Dr. R. Krieger-Leipzig-, E. Krug-Sao Paulo, V. Kul- 
cziüski-Krakau, Prof. Lopriore-Padua, Dr. W. Mit! ach er- Wien, 
Se. Holieit Albert 1. von Monaco, Dr. Fr. Ostermeyer-Wien, 
J. Paul-Brünn, Prof. J. Podpera-Brünu, Dr. 0. Porsch-Wien, 
E. Peuter-Helsingfors, Dr. H. R eh m- München, Ing. J. Schorstein- 
Wien, Prof. Dr. Y. Schiffner-Wien, Dr.W. Sedlaczek-Mariabrunn, 
Kustos Dr. Fr. Siebenrock-Wien, J. Thonner-Wien^ Dr. Fr. Tölg- 
Saatz, Dr. K. Toldt junior-Wien, EraiHo Conte Turati-Mailand, 
E. Verson-Padua, Dr. V. Vouk-Wien, Prof. Dr. E.Warming-Kopen- 
hagen, Hofrat Dr. F. v. Weinzierl-Wien, Prof. A. Willi-Salzburg, 
Prof. Dr. E. Woloszczak-Wien, Prof. Dr. 0. Zacharias-Plön, 
Kustos Dr. A. Zahlbruckner-Wien. 

Rezensionsexemplare liefen ein von den Verlagsbuchhandlun- 
gen: F. Deuticke-Wien und Leipzig, Ger des & Hödel-Berlin, 
K. Gerold & Sohn-Wien, B. Goeritz-Braunschweig, P.J.Göschen- 
Leipzig, .,Hilfe"-Berlin-Schöneberg, A. Holder- Wien, Dr.W. Klink- 
hardt-Leipzig, „Kosmos"-Stuttgart, P. Parey-Berlin, Quelle & 
Meyer -Leipzig, E. Ungleich -Leipzig. 

Das Bibliotheks-Komitee erfüllt eine angenehme Pflicht, indem 
es allen Spendern den verbindlichsten Dank ausspricht. 
Verausgabt wurden für die Bibliothek: 

für Ankäufe und Pränumerationen . . . K 1265.05 

„ Buchbinderarbeiten „ 748.55 

Zusammen . . K 2013.60 
Neue Tausch Verbindungen wurden eingeleitet mit der 
Societe Portugaise des Sciences Naturelles, Lisbone, 
The Glasgow Naturalist, Glasgow, 
Marcellia, Padua, 

Laboratoire de Zoologie et de Physique Maritime, Concar- 
nerea. 

Teichwirtschaftliche Versuchsstation in Frauenberg, 
Koleopterologische Zeitschrift, München, 
Indian Museum, Calcutta. 



(128) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Nach Aiifstelliiug neuer Stellagen wurde in der Zeitschriften- 
abteilung unserer Bibliothek mit der Neusignierung und teilweisen 
Umstelking derselben begonnen. 

Bei den mannigfachen Arbeiten, welche die Instandhaltung 
der BibHothek erfordert, wäre es nicht möglich gewesen, den reichen 
Einlauf des heurigen Jahres zu bewältigen und mit der Neusig- 
nierung beginnen zu können, wenn nicht unser verehrter Herr 
Vizepräsident Dr. Fr. Ost er mey er sich tatkräftig an diesen Arbeiten 
beteiligt hätte. Es ist mir, angesichts der heutigen Generalver- 
sammlung, ein Bedürfnis, für diese unermüdliche Mitarbeiterschaft 
die Gefühle aufrichtigen Dankes zum Ausdrucke zu bringen. 



Die Versammlung nimmt sämtliche Berichte genehmigend zur 
Kenntnis. 

Der Generalsekretär teilt mit, daß folgende Dame und Herren 
der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Fräul. Fiala Menta, Wien, IV., Plößlgasse 3 J. Brunnthaler, Dr. 0. Forsch. 
Herr Lebzelter Viktor, stud. phil., Wien, 

VI., Schmalzhofgasse 10 Dr. K. Miestinger, Prof. Werner. 

„ Stolfa Johann, Wien, I., Naglerg. 25 den Ausschuß. 

Ferner teilt derselbe mit, daß die Gesellschaft unserem Mit 
gliede, dem bekannten Botaniker und speziell Gramineenforsche 
Herrn Prof. Dr. E. Hackel zu seinem 60. Geburtstage die beste 
Glückwünsche übermittelte, welches Schreiben von einer große 
Anzahl Wiener Botaniker mitgefertigt wurde. 

Hierauf spricht Herr Dr. Karl Holdhaus über: „Die Faun 
der Gebirgsbäclie." (Mit Demonstrationen.) 

Ibrr Prof Dr. L. Hecke zeigte eine grolle Zalil von Auto 
chrombiidcrn von phytopathologischen Objekten. 



Versammluug der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (129) 



Bericht der Sektion für Paläontolog^ie und 
Abstammungslehre. 

Zweiter und dritter Diskussionsabend 

über ph^^logenetische Probleme 
am 31. und 30. April 1909. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Diskussion st hema: 

Was ist eine IVIonstrosität? 

Prof. Dr. 0. Abel: AYenn von Seiten der Sektion für Paläo- 
zoologie die Anregung ausgegangen ist, Uber den Begriff der „Mon- 
strosität" und deren Definition zu diskutieren, so bedarf diese An- 
regung in gewissem Sinne einer Rechtfertigung. Es wird mit Recht 
die Frage aufgeworfen werden können, ob das bisher bekannte 
Material an fossilen Organismen eine genügende Zahl von Fällen 
enthält, in denen man von monströsen Bildungen sprechen kann. 

Die Zahl derartiger Fälle ist im Vergleiche zu Monstrositäten 
lebender Formen gewiß verschwindend klein. Wir kennen monströse 
Riesenhirschgeweihe, monströse Backenzahnbildungen bei fossilen 
Sirenen sowie eigentümliche Knochenveränderungen bei Cetaceen 
(Cetotlierium amhiguum, FacJujacantlius), Sirenen (EotJiernou, Proto- 
siren, Eosiren, Halitlierium^ Metaxythernmi, Felsinotherium usw.), 
Sauropterygiern {Froneusücosaurus etc.), auffallende Zahnformen 
(Elexilias Colunibi, E. primigenius), bei welchen man im Zweifel 
sein kann, ob man diese Bildungen als pathologische Erschei- 
nungen anzusprechen hat wie die Fälle der Pachyostose bei fos- 
silen Cetaceen, Sirenen und Sauropterygiern, oder als sprunghaft 
aufgetretene, vererbte und gesteigerte Variationen oder 
als Mißbildungen in dem Sinne, wie ihn die Anatomen auf 
Erscheinungen bei lebenden Formen anwenden. Da auch die „Mon- 
strosität" zu jenen Termini gehört, deren Anwendung bei Ana- 

Z, B. Ges. 60. Bd. i 



(130) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

tomen, Zoologen und Botanikern schwankend erscheint, so ist es 
wünschenswert, in einer gemeinsam von den Vertretern der ver- 
schiedenen biologischen Disziplinen veranstalteten Diskussion die 
Frage zu erörtern, in welchem Sinne die Bezeichnung „Monstro- 
sität" in den verschiedenen biologischen Disziplinen angewendet 
wird, um durch eine Vergleichung der betreffenden Definitionen zu 
einem einheitlichen Ergebnisse zu gelangen. 

Darwin gibt in seiner „Entstehung der Arten" folgende De- 
finition : 

„Unter einer ,Monstrosität' versteht man meiner Mei- 
nung nach irgend eine beträchtliche Abweichung der 
Struktur, welche der Art meistens nachteilig oder doch 
nicht nützlich ist." (S. 62.) 

„Im domestizierten Zustande kommen oft Monstrositäten vor, 
welche normalen Bildungen in sehr verschiedenen Tieren ähnhch 
sind." (S. 63.) 

„Es ist mir aber bis jetzt nach eifrigem Suchen nicht gelungen, 
Fälle zu finden, wo Monstrositäten normalen Bildungen bei nahe 
verwandten Formen ähnhch wären." (S. 63.) 

„. . . Eine noch viel größere Zahl muß als Monstrositäten be- 
zeichnet werden, wie das Erscheinen von sechs Fingern, einer 
stachligen Haut beim Menschen, das Otter- oder Ancon-Schaf, das 
Niata-Rind usw." (S. 277.) 

In „Variieren der Tiere und Pflanzen" sagt Darwin: 

„Monstrositäten gehen so unmerklich in bloße Variationen 
über, daß es unmöglich ist, sie zu trennen." (II, S. 290.) 

„Viele Monstrositäten können kaum als Entwicklungshemmun- 
gen angesehen werden." (II, S. 65.) 

„Pflanzen können bis zu einem außerordentlichen Grade mon- 
strös werden und doch ihre volle Fruchtbarkeit beibehalten." (II, 
S. 191.) 

„Andererseits werden Monstrositäten, welche von geringeren 
Varietäten nicht scharf zu trennen sind, oft dadurch verursacht, 
daß der Embryo noch im Uterus der Mutter oder im Ei verletzt 
wird." (II, S. 307.) 

„Wird irgend ein Teil oder Organ durch Verkümmern mon- 
HtröB, 80 l>lcibt njcist ein Rudiment." (II, S. 307.) 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (131) 

Aus diesen Äußerungen Darwins geht hervor, daß wir Mon- 
strositäten in seinem Sinne nicht ohne weiteres als krankhafte 
Erscheinungen definieren dürfen. Es geht weiters daraus hervor, 
daß wir eine Monstrosität nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten 
beurteilen können; wir hätten Monstrositäten zu unterscheiden, die 
durch das Auftreten neuer Organe, Veränderungen ererbter Organe 
und Reduktion oder Verlust von Organen entstehen und Monstro- 
sitäten, die durch Verletzung oder Erkrankung von Organen hervor- 
gerufen werden. Die Entwicklungshemmungen (Hasenscharte, Wolfs- 
rachen, schräge Gesichtsspalte usw.) hat Darwin nicht in den 
Begriff der Monstrosität mit einbezogen. 

Es ist nun die Frage aufzuwerfen, welche Gesichtspunkte für 
die Bestimmung und Definition einer Bildung als Monstrosität als 
maßgebend zu betrachten sind und ob es überhaupt möglich ist, 
zu einer einheitHchen Definition und scharfen Abgrenzung des Be- 
griffes einer Monstrosität zu gelangen. Wir werden uns vielleicht 
dafür zu entscheiden haben, ob wir eine Monstrosität rein nach 
morphologischen oder nach genetischen oder nach physio- 
logischen Gesichtspunkten beurteilen müssen oder ob eine 
Kombination dieser Gesichtspunkte statthaft ist. 

Diskussion. 

Dr. W. Himmelbaur: Im allgemeinen versteht man wohl 
unter „Monstrosität" eine durch Einwirkung fremder 
Kräfte zustande gekommene Bildung wie z. B. Pflanzengallen. 
Wenn bei Lippenblütlern regelmäßige Blüten auftreten, kann man 
diese Bildungen nicht als monströs bezeichnen. 

Der physiologische Gesichtspunkt bei Beurteilung einer mon- 
strösen Bildung kommt erst in zweiter Linie in Betracht; eine 
monströse Bildung kann für den Organismus und dessen Fortbe- 
stehen schädlich oder unschädHch sein. Ich verstehe unter „fremder" 
Kraft jene, die nicht im Zusammenhang mit dem Organismus steht. 

Dr. A. V. Hayek: Der Begriff „Monstrosität" ist sehr vieldeutig. 

Unter „Monstrosität" verstehe ich eine Mißbildung, 
dieauf irgendeineEntwicklungsstörung zurückzuführen ist. 

Eine solche Entwicklungsstörung muß nicht angeboren sein, 
sondern kann auch später entstanden sein. 

i* 



(132) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Der Begriff „Monstrosität" ist nur in genetischem 
Sinne zu fassen, und zwar als pathologische Veränderung, 
welche durch Entwicklungsstörung auftritt. 

Bei fossilen Tieren wird eine pathologische Veränderung — 
z. B. Osteomyelitis — schwer festgestellt werden können und wird 
schwer zu deuten sein. 

Dr. Löwi: Eine Monstrosität entsteht während der 
Entwicklung und geht mehr oder weniger durch äußere 
Kräfte hervor. Nur die stärksten Abnormitäten (Doppelbildungen 
etc.) wären als „Monstrositäten" zu bezeichnen, geringere Abwei- 
chungen vom normalen Typus als Abnormitäten. Pathologische 
Erscheinungen dürfen mit monströsen nicht verwechselt 
werden. 

Franz Maidl: Als monströs ist jene Bildung anzusehen, 
die außerhalb der Variationsbreite einer Art liegt und 
durch fremde Kräfte hervorgerufen wird. Der Begriff „mon- 
strös" ist nicht bei allen Arten in gleicher Weise zu begrenzen. 

Prof. Dr. 0. Abel ist der Meinung, daß durch die Einschal- 
tung der Variationsbreite in die Definition die präzise Fassung der- 
selben sehr erschwert wird. Polydaktylie und das Auftreten über- 
zähliger Hörner bei Ziegen und Schafen wird meistens als Mon- 
strosität bezeichnet, kann aber auch als sprunghafte Abänderung 
angesehen werden. Variation (respektive Mutation) und Monstrosität 
wären in diesem Falle durch keine scharfe Grenze getrennt. 

Franz Maidl: Eine Definition ist immer der Natur in ge- 
wissem Sinne aufgezwungen. In der Tat dürften Monstrositäten und 
Variationen nicht durch eine scharfe Grenze zu scheiden sein. 

Obertierarzt Th. Hammerschmid: Als Monstrositäten 
sind jene Erscheinungen zu bezeichnen, die auf 11cm- 
mungsbildungen zurückzuführen sind. p]ine homologe Ver- 
änderung der Organe kann bei einer Art monströs, bei einer zwci- 
t(;ri i)atlH)lo;^*isch sein. 

Dr. F. Neresheimer: In die zuletzt vorgeschlagene Einteilung 
kann man die Erscheinungen der Polydaktylie und Poiykeratie 
nicht einreihen. 

Dr. A. V. Hayek: Die Definition ist im wesentlichen richtig, 
kann aber noch j)rilziHcr gefiißt werden. Ich schlage folgende 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (133) 



Definition vor: Monstrosität ist eine durch Störung in der 
Entwicklung hervorgerufene Formveränderung. 

Prof. Dr. 0. Abel wirft die Frage auf, wie die Erscheinung 
der Pachyostose zu beurteilen sei. Wenn Pachyostose in den meisten 
Fällen eine schwere Schädigung des Organismus bedeutet, so ist 
sie doch unter gewissen Lebensverhältnissen von Nutzen für das 
betreffende Individuum und für die Art, z. B. bei den Sirenen, 
deren pachyostotischer Thorax als Panzer und Schutz gegen Ver- 
letzungen in der Brandung dient. In der Pachyostose der Sirenen- 
knochen hätten wir den Fall einer vererbten Krankheit, die für 
den Fortbestand der Art nützlich war. 

Dr.^ A. V. Hayek weist auf den Dachshund hin, der zuerst eine 
Monstrosität darstellte, die später durch Vererbung fixiert wurde. 

Prof. Dr. 0. Abel möchte die Verkrümmungen der Dachshund- 
beine als vererbte Rhachitis betrachten, nicht als Monstrosität. 

Dr. Löwi weist auf die Vererbung der krummen Beine der 
Schafe hin. 

Prof. Dr. R. v. Wettstein: Es wird schwer möglich sein, zu 
einer scharfen und unzweideutigen Definition der „Monstrosität" zu 
gelangen. Wir wissen nicht in allen Fällen, was die Entstehungs- 
ursache einer Monstrosität ist; wir wissen ferner nicht immer, ob 
sie nützlich oder schädlich ist, ferner, ob sie vererblich ist oder nicht. 

Die Klärung dieser Frage ist vielleicht auf einem anderen 
Wege möglich. Wir verwenden zwei Bezeichnungen: „Abnormität" 
und „Monstrosität". Beide sind Bildungsabweichungen, aber sie sind 
voneinander verschieden. 

Abnorm ist eine Abweichung vom normalen Typus, 
die aber noch innerhalb der unserer Erforschung zugäng- 
lichen Variationsbreite liegt. 

Monströs ist eine Abweichung vom normalen Typus, 
die außerhalb dieser Variationsbreite gelegen ist. 

Eine abnorme Abweichung ist z. B. eine tetramere Blüte bei 
einer pentameren Enzianart, eine monströse das Aufti'eten einer 
zweiten Blüte statt eines Gynoeciums. 

Dr. 0. Porsch wirft die Frage auf, ob nicht der Begriff der 
Funktionsfähigkeit oder Funktionsunfähigkeit mit der Monstrosität 
verknüpft werden soll. 



(134) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Prof. Dr. 0. Abel meint, daß dann jedenfalls ausdrücklich 
die Funktionsfähigkeit des monströsen Organs für die betreffende 
Art festzustellen sei. Es kann selbstverständlich eine Bildungsab- 
weichung- für die eine Art funktionsfähig sein, für die zweite Art 
dagegen nicht. 

Dr. S. Thenen weist auf die Abnormitäten in der Stellung der 
Konifercuzapfen hin. 

Prof. Dr. 0. Abel meint, daß bei der Definition der „Mon- 
strosität" das Schwergewicht auf den morphologischen Gesichtspunkt 
zu legen sei und daß aus den bisherigen Ausführungen hervorgehe, 
daß es vorteilhaft wäre, den physiologischen Standpunkt ebenso 
wie den genetischen auszuschalten. 

Dr. F. Neresheimer gibt zu bedenken, daß es schwer halten 
dürfte, Monstrositäten und Abnormitäten scharf zu trennen, da 
häufiger auftretende Monstrositäten als Abnormitäten zu bezeich- 
nen wären. Der Unterschied würde also in dem seltenen Auf- 
treten der als Monstrositäten zu bezeichnenden Bildungsabweichun- 
gen liegen. 

Dr. A. V. Hayek möchte betonen, daß pathologische Verände- 
rungen nicht als Monstrositäten zu bezeichnen seien. 

Darüber entspinnt sich eine längere Debatte, an der sich die 
Herren Dr. v. Hayek, Dr. 0. Forsch, 0. Antonius, E. v. Paska 
und F. Maidl beteihgen. Die Versammlung beschließt, die Diskus- 
sion an einem der nächsten Abende fortzusetzen. 

Fortsetz II ni»' der Diskussion am 80. April 1909. 

Dr. 0. Porsch meint, daß die Diskussion erst fortge- 
setzt werden solle, nachdem eine Anzahl von Jkispielen erläutert 
worden sei. Er schließt alle jene Veränderungen des pflanzlichen 
Or^^aiiisnius von der Diskussion aus, welche eine direkte Kcak- 
tion des (Organismus auf die Eingrifle eines anderen })tlanzliclicn 
oder tierischen Organismus darstellen (z. B. Hexenbesen, Bllanzen- 
gallen etc.). 

Die von Dr. O. I'orsch angeführten Heispiele Ixitrafen fol- 
i:(']i(U' Fülle: 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (135) 

1. Vevbänderung (Fasziation), Hahnenkamm etc.; kann aber 
ohne Änderung der BUitenstellung- sogar Gattungscharakter sein. 
Beispiel: die afrikanische Orchideengattung Megaclinkim. 

2. Calycanthemie. 

3. Vergrünung. 

4. Füllung. 

5. Durchwachsung. 

6. Aktinomorphie anstatt typischer Zygomorphie, bedingt durch 
Veränderung der Lage der Blüte zum Horizont. 

7. Verwachsung von Blütenblättern statt normaler Trennung. 

8. Trennung von Blütenblättern statt normaler Verwachsung. 

9. Apokarpie statt Synkarpie und umgekehrt. 

10. Auftreten von Geschlechtsorganen an Stellen, wo dieselben 
normal nie zur Entwicklung gelangen, z. B. Entwicklung eines Staub- 
gefäßes in der Achsel, eines Laubblattes bei Fuclisia, Entwicklung von 
Staubgefäßen in den Fruchtknoten an Stelle von Samenanlagen (bei 
BoecJiea) und Entwicklung von Samenanlagen in Antheren statt 
Pollensäcken (bei Sempervivtim) etc. 

In ausführlicher Erörterung wurde für jeden Einzelfall fest- 
gestellt, ob derselbe als Monstrosität oder als Abnormität im Sinne 
der Wettsteinschen Definition aufzufassen sei. 

Dr. 0. Forsch möchte den physiologischen Gesichtspunkt bei 
der Definition der Monstrosität nicht ausgeschaltet sehen. Die Stö- 
rung der Funktionsfähigkeit ist bei monströsen Organen stets zu 
beobachten. 

Prof. Dr. V. Schiffner meint, daß Fasziationen und Zwangs- 
lagerungen bei Pflanzen nicht als Monstrositäten, sondern als Ab- 
normitäten anzusehen wären. 

Dr. 0. Forsch betont, daß seiner Meinung nach die Ursache 
der Erscheinung nicht als maßgebend für die Definition derselben 
betrachtet werden kann. 

Frof. Dr. V. Schiffner: Vielleicht könnten wir sagen: „mon- 
strös" ist eine spontan auftretende Bildung, deren Ursache wir 
nicht kennen. 

Frof. Dr. R. v. Wettstein: Ich möchte den von Forsch 
ergriffenen Gedankengang fortgeführt sehen; Forsch hat ver- 
scliiedene Beispiele besprochen und einzelne Fälle als monströse 



(136) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Bildungen bezeichnet, worin ich ihm beipflichte. Warum aber sind 
nun diese Bildungen als monströs bezeichnet worden? 

Dr. 0. Forsch: Dies ist geschehen, weil es Abweichungen 
vom normalen Typus sind, die außerhalb der Variations- 
weite liegen, wobei die Funktionen dieses Organkomple- 
xes mindestens gestört, wenn nicht aufgehoben sind; eine 
derartige Mißbildung kann niemals durch Erblichkeit zur Variation 
führen. Dagegen entstehen die „Halbrassen" von De Vries durch 
verminderte Fertilität. 

Frl. Herzfeld: Ist bei Papaver somniferum polyceplialum auch 
das zentrale Gynoeceum funktionsunfähig geworden? Wenn es 
normal entwickelt ist, ist die Pflanze nur partiell funktionsunfähig. 

Dr. 0. Porseh: In solchen Fällen sollte nicht der ganze Or- 
gankomplex monströs genannt werden, sondern nur das Androeceum. 

Dr. A. V. Hayek: Nach der zuletzt gegebenen Definition wären 
alle pathologischen und alle erworbenen Mißbildungen vom Begriff 
einer Monstrosität ausgeschlossen. 

Prof. Dr. 0. Abel: Die Mißbildungen an den Geweihen der 
Cerviden würden, soweit sie pathologischer Natur sind, aus dem 
Komplex der Monstrositäten nach dieser Fassung der Definition 
auszuschalten sein. 

Prof. Dr. R. v. Wettstein: Ich bin dafür, die Störung der 
Funktionsfähigkeit aus der Definition auszuschalten, und 
zwar aus folgenden Gründen: 

Im Falle Fuchsia ist es ganz gut möglich, daß dieses eine 
Staubgefäß normal funktioniert, trotzdem bleibt es aber eine Mon- 
strosität, und das Gleiche gilt für den Fruchtknoten von Papaver. 
Zudem sind ja alle Fälle von Funktionsstörungen dieser Art Über- 
schreitungen der Variationsbreite; das Beispiel von Miltonia wäre 
ein Fall einer Abnormität, da es noch in die Variationsweite der 
Art fällt. 

Prof. Dr. 0. Abel konstatiert, daß der morphologische Ge- 
sichtspunkt bei der Definition der „Monstrositäten" immer mehr in 
den Vordergrund rückt. 

Dr. 0. Porsch: Ks wäre der Fall bei Delphinium besonders 
zu l)(;rlicksichtigcn, in dem Samenanlagen an Ulattlaj)])en auftreten; 
der Bau der Anlage kann durchnns normal sein und doch müßte 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (137) 



diese Bildung- als monströs bezeichnet werden, weil diese Abwei- 
chung außerhalb der normalen Variationsweite liegt. 

Dr. H. Vetters: Vielleicht sollte man untersuchen, in welchem 
Sinne der Begriff der Monstrosität zum ersten Male klar definiert 
wurde. 

Prof. Dr. 0. Abel: Die erste Definition, die überhaupt als 
solche in Betracht kommen kann, hat Darwin in folgender Weise 
in der „Entstehung der Arten" gegeben (vgl. oben). 

Da aber seit dieser Zeit der Terminus „Monstrosität" in sehr 
verschiedenem Sinne für sehr verschiedene Erscheinungen ange- 
wandt worden ist, so war es eben notwendig, eine neue Abgren- 
zung des Begriffes zu versuchen, um eine eindeutige Anwendung 
der Bezeichnung zu erzielen. 

Dr. H. Przibram: Der Zeitpunkt der Erwerbung einer 
monströsen Bildung kann kein Kriterium abgeben, da wir nie fest- 
stellen können, ob etwas angeboren ist oder erst im Leben erworben 
wird. Auch durch Regeneration entstehen Monstrositäten, z. B. bei 
Krebsen Augen statt Scheren usw. 

Dr. 0. Forsch möchte nochmals betonen, daß der in der De- 
finition Darwins enthaltene Gesichtspunkt der Schädlichkeit oder 
Nützlichkeit für die Beurteilung einer Monstrosität irrelevant ist. 

Prof. Dr. 0. Abel wirft die Frage auf, ob mau bei monströser 
Ausbildung eines Organs oder einer Organgruppe nur dieses oder 
das Individuum als monströs zu bezeichnen hätte. 

Prof. Dr. V. Schiffner: Bei Fuchsia ist die ganze Pflanze 
monströs. 

Prof. Dr. 0. Abel: Sollen wir die Pachyostose der Sirenen als 
eine monströse Bildung bezeichnen? Ursprünglich ist die Pachyostose 
als Krankheit aufgetreten, die sich später vererbte und sogar bei 
der küstenbewohuenden Lebensweise der Seekühe durch Bildung 
eines der Küstenbrandung Widerstand leistenden inneren Panzers 
nützlich wurde. 

Dr. H. Przibram: Woher wissen wir, daß die Pach^'^ostose 
eine Krankheit ist? 

Prof. Dr. 0. Abel: Aus der analogen Struktur der Knochen 
bei Sirenen und allen anderen Wirbeltieren, bei denen diese Kno- 
chenveränderung sicher krankhaft ist, wie z. b. beim Menschen. 



(138) Yersammlimg der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre, 



Dr. H. Przibram möchte die Pachyostose der Sirenen nicht 
als monströs bezeichnen. 

Dr. H. Vetters: Es wird schwer zu entscheiden sein, ob es 
sich von Fall zu Fall um eine Monstrosität oder um eine sprung- 
hafte Abänderung handelt (z. B. die Unterkieferknickung bei Dino- 
tliermm und Eqiius). 

Frl. Herzfeld kommt nochmals auf die Funktionsunfähigkeit 
zurück und gibt Beispiele von abnormen Bildungen, die ebenfalls 
funktionsunfähig sind (Durchw^achsungen bei Nadelbäumen). 

Dr. 0. Forsch erklärt, die Frage der Funktion aus dem Be- 
griffe der Monstrositäten nunmehr ausschalten zu wollen. 

Obertierarzt Th. Hammerschmid meint, daß Monstrositäten 
in der Pathologie der Haustiere in der Regel als „Monstra" be- 
zeichnet werden, und zwar versteht man darunter intrauterin er- 
worbene Mißbildungen, die für das Tier schädlich sind und oft das 
Leben in Frage stellen. 

Franz Maidl wirft die Frage auf, ob denn für alle biologi- 
schen Disziplinen der Begriff der Monstrosität gleich zu fassen sei. 

Prof. Dr. 0. Abel bezeichnet eben dies als das wünschens- 
werte Ziel, da sich sonst die Verwirrung in der Anwendung des 
Terminus ins Ungemessene steigern würde. 

K. Rat Dr. E. v. Haläcsy hält beim Menschen nur die intra- 
uterin erworbenen Mißbildungen für Monstrositäten und wünsclit 
die Definition nicht im universellen Sinne, sondern für die ver- 
schiedenen Disziplinen in verschiedener Fassung aufzustellen. 

Dagegen sprechen Dr. A. v. Hayek und Prof. Dr. 0. Abel. 

Prof. Dr. 0. Abel greift nochmals auf die von Wettstein ge- 
gebene Definition zurück und wiederholt dieselbe mit der Abände- 
rung in der Fassung: 

„Monstrosität ist eine gelegentliche Abweichung vom 
normalen Tyj)us" etc. 

Dr. H. Vetters wünscht den Zusatz: „welche als solche 
niclit regelmäßig vererbt wird". 

Dr. E. V. Halacsy sclilicßt sich der Ansicht an, daß der ])atho- 
logi.sdic ( lcsi('litsj)mikl v::\\\7. ansgcscJialtet werden soll. 



Versaramlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (139) 



Prof. Dr. R. v. Wettstein pflichtet dieser Auffassung aus dem 
Grunde bei, weil in vielen Fällen nicht zu entscheiden ist, ob eine 
pathologische Erscheinung vorliegt oder nicht. 

Dr. A. Kolisko macht Mitteilung von einer monströsen Bildung 
bei einem Schmetterling (Trauermantel mit einem Raupenkopf). 

Dr. E. Janchen möchte den Begriff „Monstrosität" möglichst 
weit fassen und auch das pathologische Moment nicht gänzUch 
ausgeschaltet sehen. Der Begriff sollte möglichst weit gefaßt werden, 
aber rein morphologisch, und zwar folgendermaßen: 

1. „Monströs" ist jede Abweichung von der normalen Va- 
riationsbreite. 

2. „Abnorm" ist jede Abweichung vom normalen Typus. 
„Monströs" wäre also ein höherer Grad von „abnorm". 

Dr. V. Pietschmann meint, daß nach Wettsteins Definition 
jene Individuen, welchen ein Organ fehlt, aus dem Begriff der 
Monstrosität herausfallen würden. 

Prof. Dr. R. v. Wettstein erwidert, daß das Fehlen eines 
Organs über die normale Variationsbreite hinausgeht und daß solche 
Individuen gewiß als monströs zu bezeichnen sind. 

Dr. H. Vetters möchte zum Schlüsse noch darauf hinweisen, 
daß Monstrositäten vererbt werden und somit solche Formen zum 
Ausgangspunkt neuer Stammesreihen werden können, bei welchen 
die einstige monströse Bildung nunmehr regelmäßig auftritt, ge- 
steigert und zu einer normalen Erscheinung wird. 

ßesum^ des Yorsitzenden. 

„Ich danke zunächst allen Herren, die sich an der Diskussion 
beteiligt haben, und gebe meiner lebhaften Befriedigung darüber 
Ausdruck, daß wir auch diesmal wie schon bei der Beratung über 
den Begriff der Monophylie und Polyphylie zu einer Definition des 
strittigen Begriffes der Monstrosität gelangt sind, welche die Ver- 
treter aller einschlägigen biologischen Disziplinen befriedigen dürfte. 
Mit Berücksichtigung der verschiedenen vorgeschlagenen Abände- 
rungen kann die zuerst von Wettstein vorgeschlagene Definition 
nunmehr folgendermaßen formuliert werden: 



(140) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



„Monstrosität ist eine gelegentlich auftretende, nicht 
pathologische Abweichung vom normalen Bau eines Or- 
ganes, welche über die erfahrungsgemäß wahrscheinliche 
Variabilität des Organismus oder des Organes wesentlich 
hinausgeht. 

„Ich danke den beiden Schriftführern Herren Dr. A. Rogen- 
hof er und Dr. G. Schlesinger für ihre Mühewaltung und schließe 
die Diskussion." 



Exkursion der Sektion für Paläontologie 
nach Ernstbrunn 

am 13. Juni 1909. 

An der Exkursion in das Gebiet der oberjurassischen Korallen- 
riffe von P]rnstbrunn beteiligten sich 29 Mitgheder und Gäste unter 
der Führung von Prof. Dr. 0. Abel, der einige Tage vorher einen 
Vortrag über „die Fauna der Korallenriffe des oberen Alpenjura" 
gehalten hatte. Beim Besuche der Steinbrüche in Dörfles könnt 
die riffbewohnende Bivalven- und Gastropodenfauna sehr gut de- 
monstriert werden, da durch neuere Sprengungen einzelne überaus 
fossilreiche Partien des weißen, sehr reinen Korallenkalkes bloß- 
gelegt worden waren. Eine Stelle der Kalkwand im größten Stein- 
bruch von Dörfles zeigte hunderte von dichtgedrängten Steinkernen 
der Bivalvengattung Diceras mit der charakteristischen Art D. hu- 
halinum. Peters und dem selteneren B. Lud und 1). harariciim^ Ne- 
rincen, Trochus, Natica, Tylostoma etc. Die Übergußschichtung des 
Ernstbrunner Biffes konnte auf der Höhe des Berges sowie auf dem 
Wege nach Niederleis an mehreren Stellen beobachtet werden. 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (141) 



Bericht der Sektion für Paläontolog^ie und 
Abstammung^slehre. 

Versammlung am 21. Oktober 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Herr R. Schröding er üb er nimmt den Vorsitz. 
Hierauf hält Herr Prof. Dr. 0. Abel folgenden Vortrag-: 

Über die allgemeinen Prinzipien der paläontologischen 

Rekonstruktion. 

Die Leichen und Leichenteile fossiler Tiere liegen in der Mehr- 
zahl der Fälle in einem außerordentlich stark zerstörten Zustande 
vor. Dieser Umstand war viele Jahrzehnte hindurch einer der 
hauptsächlichsten Gründe für die bei den Zoologen früher bestan- 
dene Abneigung gegen die wissenschaftliche Bearbeitung fossiler 
Tierreste, deren Beschreibung meist von Geologen durchgeführt 
wurde, die nicht immer die für zoologische Untersuchungen not- 
wendigen Vorkenntnisse besaßen. Allmählich hat sich jedoch eine 
Änderung dieser ungesunden und für die Entwicklung der Paläonto- 
logie ungünstigen Verhältnisse vollzogen, da sich die Erkenntnis 
immer mehr Bahn brach, daß auch die fossilen Tiere als Tiere und 
nicht als „Denkmünzen der Schöpfung" oder als Chronometer der 
Erdgeschichte zu betrachten sind. Das erwachende Interesse der 
Zoologen für die Paläontologie hatte zur Folge, daß die Unter- 
suchung der fossilen Tierreste unter anderen Gesichtspunkten als 
früher erfolgte; vor allen Dingen aber mußte erst eine Methode 
gefunden werden, um die fossilen Tierleichen einer zoologischen 
Untersuchung zugänglich zu machen und so entwickelte sich Schritt 
für Schritt eine dem Zoologen fremd gewesene Methode, die pa- 
läontologische Rekonstruktion. 

Noch heute stehen manche Bearbeiter fossiler Tierreste auf 
dem Standpunkte, daß die wissenschaftliche Untersuchung mit der 
morphologischen und systematischen Bestimmung der Reste als ab- 



(142) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



geschlossen zu betrachten ist. Dieser Standpunkt ist keineswegs zu 
billigen; es mui3 immer wenigstens der Versuch gemacht werden, 
die fehlenden und unbekannten Organe und Organteile auf ver- 
gleichend-anatomischer Basis zu ergänzen, um ein möglichst voU- 
stcändiges Bild von der Gesamtorganisation des fossilen Tieres zu 
gewinnen. Der Erfolg einer derartigen Rekonstruktion wird selbst- 
verständlich umso größer sein, je mehr Körperelemente des zu er- 
gänzenden Tieres bekannt sind und wird namentlich bei den fos- 
silen Vertretern jener Gruppen gelingen, aus deren Hartteilen sich 
ein befriedigendes Bild der Gesamtorganisation gewinnen läßt, also 
beispielsweise bei den Echinodermen, Crustaceen und Insekten, 
namentlich aber bei den Vertebraten. 

Die Rekonstruktion eines fossilen Vertebraten besteht zunächst 
in der Rekonstruktion des Skelettes. Sie muß, obwohl diese 
Bemerkung eigentlich überflüssig sein sollte, auf genauester morpho- 
logischer Kenntnis aller bekannten Skeletteile des fossilen Tieres 
basieren; sie kann aber nur dann Anspruch auf einen höheren 
Grad der Vollkommenheit machen, wenn der Rekonstrukteur auch 
die Morphologie der verwandten fossilen und lebenden Formen be- 
herrscht und sich über die systematische Stellung des zu rekon- 
struierenden Tferes völlig im klaren ist. 

Mit der Rekonstruktion des Skelettes ist aber die Aufgabe 
des Paläozoologen noch nicht abgeschlossen; die Ergänzungen ein- 
zelner Abschnitte der Gliedmaßen oder einzelner Wirbel, Rippen 
usw. sind noch nicht ausreichend, um uns eine Vorstelhmg von der 
Körperhahung und den Bewegungen, kurz vom Gesamthabitus 
des fossilen Tieres zu vermitteln. 

Dieser Teil der Rekonstruktion eines fossilen Tieres ist zweifel- 
los der schwierigste der ganzen Untersuchung. Die zahllosen ver- 
unglückten Rekonstruktionen lehren, daß sie mißlingen müssen, 
wenn nicht sorgfältige Studien über die verwandtschaftlichen Be- 
ziehungen zu genauer bekannten Formen, über den Mechanismus 
der Skelettclemcnte, die Stärke und Lage der Muskelansätze und 
Gcfäßlr»cher, den möglichen Bewegungswinkcl der Gliedmaüenab- 
Kclinitt(; und der einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule, der Funktion 
der Kiefer und des (Jebisscs, vor allem al)cr Vergleiche mit jenen 
foHsilen TiercMi vorangegangen sind, deren Körperbau nicht in morpho- 



Versammlung der Sektion für Paläontologie imd Abstammungslehre. ( 1 43) 



logischer, sondern in physiologischer und ethologischer Hin- 
sicht zu Vergleichen herausfordert. 

Die Rekonstruktion eines fossilen Tieres wird also erst dann 
als gelungen zu betrachten sein, wenn es möglich war, seine Le- 
bensweise zu ermitteln. Daher muß eine der wichtigsten Auf- 
gaben der modernen Paläozoologie darin bestehen, die 
Lebensweise der lebenden Tiere und deren Anpassungen 
an dieselbe sorgfältig zu ermitteln, um durch Analogie- 
schlüsse zu einem Urteile über die Lebensweise der fos- 
silen Formen gelangen zu können. 

Erst nach Abschluß aller dieser Untersuchungen ist es möglich, 
auf wissenschaftlicher Basis eine Rekonstruktion des äußeren 
Gesamtbildes durchzuführen, womit die Rekonstruktion des Tieres 
beendet erscheint. 

Diese Grundsätze werden jedoch bei der Durchführung von 
Rekonstruktionen fossiler Formen keineswegs immer befolgt, sondern 
sehr häufig in der einen oder anderen Richtung vernachlässigt. Ein 
Durchblättern namentlich jener Schriften, die durch gemeinverständ- 
liche Darstellung für weitere Leserkreise bestimmt erscheinen, zeigt, 
daß sich auch gegenwärtig noch viele Autoren der Schwierigkeiten 
einer paläontologischen Rekonstruktion nicht bewußt zu sein schei- 
nen; es wäre sonst nicht möglich, daß eine so große Zahl ganz 
verfehlter Rekonstruktionen immer wieder veröffentlicht wird, die 
von einer krassen Unkenntnis des Zeichners in anatomischer oder 
ethologischer Hinsicht Zeugnis ablegen. Wenn Leibniz in seiner 
Protogaea im Jahre 1749 ein „Unicornu fossile" rekonstruiert hat, 
das aus einem Pferdeschädel und Pferdearmen, einem Mammutstoß- 
zahn und den Wirbeln irgend eines anderen großen Säugetieres 
komponiert ist und das eine vollständige Unkenntnis des anatomi- 
schen Baues der Säugetiere an den Tag legt — das „Unicornu 
fossile" besaß nach Leibniz nur zwei Vorderbeine usw. — so ist 
dies aus dem Tiefstande der anatomischen Forschung um die Mitte 
des XVHL Jahrhunderts erklärlich. Wenn aber in modernen Publi- 
kationen der obercretacische Flugsaurier Pteronodon mit Federn und 
einer Halskrause wie der kahlköpfige Aasgeier dargestellt wird 
(in dem von Dr. L. Waagen verfaßten paläontologischen Teile des 
neuen Werkes „Himmel und Erde", 190y), so ist dies ein Beweis 



(1 44) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

dafür, daß die im Vorstehenden klargelegten Grundsätze sich noch 
keiner allgemeinen Anerkennung zu erfreuen haben. Daß das An- 
sehen der Paläontologie in Zoologenkreisen durch solche abenteuer- 
liche und falsche Rekonstruktionen eine schwere Schädigung erleiden 
muß, ebenso wie durch phylogenetische Spekulationen von der Art 
der Arbeiten G. St ein man ns, ist ganz begreiflich. 

Es ist außerordentlich lehrreich, die verschiedenen paläonto- 
logischen Eekonstruktionen bestimmter Formen zusammenzustellen, 
um den Fortschritt unserer Kenntnisse von dem Lebensbilde des 
betreffenden Tieres genauer zu verfolgen. Besonders instruktiv ist 
ein Vergleich der Rekonstruktionen von Flugsauriern, die deutlich 
zeigen, wie sich unsere Kenntnisse von diesen merkwürdigen Rep- 
tilien schrittweise erweitert haben. Noch im Jahre 1866 stellte 
0. Fr aas den Eamphorhynchus auf dem Strande von Solnhofen auf 
allen Vieren schreitend dar.^) Der konisch endende Schwanz des 
Tieres erschien nach dieser Auffassung in einer Reihe von Panzer- 
ringen eingeschlossen, der fünfte Finger (Flugfinger) wie ein Fleder- 
mausflügel nach hinten und oben zurückgelegt und der kropfartig 
nach vorne gebogene Hals auf der Ventralseite mit gerundeten 
Lappen besetzt. Heute wissen wir, daß die EampJiorhyncJius-AYten 
(mit Ausnahme des damals noch unbekannt gewesenen R. Kokeni) 
überaus lange Flügel besaßen, w^elche im Ruhezustande ähnlich wie 
Schwalbenflügel sich kreuzten und deren Spitzen bis zum Ende des 
langen, steifen Schwanzes reichten; ein wahrscheinHch senkrecht 
stehendes rhombisches Steuersegel bildete das Ende des außer- 
ordentlich sehnigen Schwanzes, der dieselbe mechanische Rolle 
si)ielte wie die langen Schwänze und Steuer unserer modernen 
„Eindecker"- Fhigmaschinen. Ebenso können wir aus dem ganzen 
Jjau des Iihamphorhynchtis-Hkehtts schließen, daß dieser Fhigsaurier 
die Flügel nicht mehr flatternd bewegte, sondern schwebte und 
segelte, wofür namentlich die Flügelform spricht. Daß JHeranoäon 
ein Segler, aber kein Flieger war, geht aus dem kielioscn Brust- 
bein hervor, das ähnlich gebaut ist wie das des Albatros. [Vgl. 
diese „Verh.", liK)7, S. (254).] 



») 0. I rariH, Vor der Siiiidniit! Stuil^,^•^^t,, 1806,8.290, Vip;. lO.'J (Rcipro- 
duktion (Ich KntwurfcH de« hiiu/A'mHvMvAi /(jicliiior« A. Fji^;uet). 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (145) 



Eine heute durchgeführte Rekonstruktion des Bhamphorhyn- 
chus muQ also, da wir erheblich mehr von seinem Körperbaue 
wissen und auch viel tiefer in das Verständnis der Mechanik seines 
Fluges eingedrungen sind, ein wesentlich anderes Bild geben als 
die vor fünfzig Jahren durchgeführten „Restaurationen". Immer 
mehr haben wir uns in unseren Vorstellungen dem Bilde genähert, 
das dieses merkwürdige Flugreptil im Leben geboten haben muß. 

Haben wir uns aber einmal mit der Form, den Bewegungs- 
möglichkeiten und dem Aussehen des Tieres vertraut gemacht, so 
werden wir imstande sein, auch seine Lebensgewohnheiten entweder 
aus seiner Körpergestalt per analogiam der lebenden Flugtiere ab- 
zuleiten oder aus seiner Körpergestalt Schlüsse auf eine eigenartige 
Lebensweise ziehen können. 

So werden wir uns die Frage vorzulegen haben^ welche 
Körperstellung das Tier in voller Flugbewegung und im Aus- 
ruhen eingenommen haben muß. 

Da der lange Flugfinger, wie aus den Gelenkverbindungen 
hervorgeht, nicht zusammengelegt werden konnte^ sondern steif 
blieb, so müssen im Ruhezustand die beiden langen und spitzen 
Flügel des Bampliorlujnclms nach Schwalbenart gekreuzt gewesen 
sein. Das Vorhandensein der drei starken Fingerkrallen an den 
Fingern II, III und IV ist ein Beweis dafür, daß sich Bliamplio- 
rJiynchus mit Hilfe dieser Krallen, die physiologisch wie eine 
einzige starke Kralle fungierten, an rauhen Vorsprüngen wie 
Felszacken, Baumästen usw. anheften konnte. 

In dieser Stellung hat nun auch zweifellos das Tier geruht. 
Da aber beim Anheften an einen Baum oder eine Felswand der 
langschnauzige Schädel nicht gerade nach vorne gestreckt werden 
konnte, so mußte der Hals zur Seite gebogen werden. Ob er unter 
den Flügel gesteckt wurde wie bei den Vögeln oder über den 
Flügel gelegt wurde, ist natürlich schwer zu sagen; für wahrschein- 
licher halte ich das Verbergen des Schädels unter dem Flügel in 
der Ruhestellung. Ein ruhender Rhampkorhynchus muß also im 
Ruhezustand ungefähr das Aussehen einer Mauerschwalbe besessen 
haben. Da die Hinterbeine bei Bamphorhjnchus im Gegensatz zu 
den Vorderbeinen sehr schwach und verkümmert erscheinen, so 
darf daraus der Schluß gezogen werden, daß diese Flugreptilien 

Z. B. Ges. GO. Bd. k 



(146) Versamrahing- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



senkrecht von Baumästen oder Felsvorsprüngen herabhingen und 
sich beim Ausruhen nicht mit den Füßen ankrallten. Die Hinter- 
füße werden wohl nur dann gebraucht worden sein, wenn sich das 
Tier auf kurze Zeit auf den Boden niederließ. Wir dürfen weiter 
vermuten, daß die Küstenwälder und Küstenfelsen von zahlreiche" 
Scharen dieser Pterosaurier bevölkert waren. 

Das Gebiß weist auf Insektennahrung hin, die im Fluge er- 
hascht wurde, wobei das Tier mit weit ausgespannten Flügeln un 
schräg herabhängendem Schwänze geflogen sein muß. 

Ob die Pterosaurier Nachttiere oder Tagtiere waren, ist schwer 
zu entscheiden; unter den Vögehi geht die Mehrzahl bei Tage au 
Insektenjagd aus, während die Chiropteren bekanntlich Nachttier 
sind. Da die Reptilien in diesem Punkte sehr verschiedene Lebens 
gewohnheiten besitzen^ so haben wir für die Beantwortung diese 
Frage vorläufig keinen Anhaltspunkt. 

Die flüchtige Erörterung dieser Fragen sollte zeigen, daß wi 
bei der ])aläontologischen Rekonstruktion eines fossilen Tieres all 
diese Möglichkeiten der Lebensweise in Erwägung ziehen müssen 
Das ist aus dem Grunde notwendig, weil wir uns ja nicht nur ein 
Bild von der Haltung und äußeren Körpergestalt des fossilen 
Tieres entwerfen, sondern auch den Versuch unternehmen wollen, 
uns das Tier in seiner Umgebung und seinen Lebensfunk- 
tionen vorzustellen. 

* * 

Der Vortragende geht sodann zur eingehenden Erörterung der 
älteren und neueren l^ckonstruktionen des Dlplodoctis über und 
bespricht dieselben unter Vorlage seiner neuen Rekonstruktion so- 
wie von zahlreichen Skizzen, Photographien, Zeichnungen und 
Lichtbildern. (Dieser Teil des Vortrages ist in den „Abhandl." d. k.k. 
zool.-botan. Ges., M. V, Heft 3, am 24. März 1910 unter dem ^ritel 
„Die Rekonstruktion des Biplodocus^^ erschienen.) 

Diskussion. 

Herr Dr. Fritz König (München) legt ein von ihni ausge- 
flllirtcs Modell (I(;h rckonstni iert(^n l)lj)l<nlucuH vor und be- 
merkt, daß diescH Modell zunächst als Versuch anzusehen sei, an dem 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (147) 

mit Rücksicht auf die Ausführungen des Vortragenden Änderungen 
durchzuführen wären. 

Als Hauptgrundlage dienten neben den älteren Gesamtbildern 
des Sauropodentyps die von 0. Abel entworfene neue Rekonstruk- 
tion des Biplodocus in „Bau und Geschichte der Erde", 1909, 
Fig. 146, S. 128, sowie die Abbildungen von 0. C. Marsh in „The 
Diuosaurs of North America" (besonders die Tafeln XXII, XXIII, 
XXIV, XXV, XXVI II, XXXVIII, XLII), wobei natürlich der Ver- 
schiedenheit der Typen Rechnung getragen wurde. 

Bis zu einem gewissen Grade diente auch der Wiener Abguß 
als Vorlage, jedoch speziell unter weitgehenden Änderungen in der 
Beinstellung, Kopfhaltung und besonders der Schulter- und Becken- 
breite. Die meiste Anregung aber empfing ich aus Gesprächen mit 
meinem verehrten Lehrer Prof. Abel. 

Die weitere Bearbeitung erfolgte in annähernder Konstruktion 
der Muskulatur (nach obigen Tafeln u. a.) unter stetem Vergleich 
mit lebenden Tieren. Herangezogen wurden Kasuar, Elefant, Rhi- 
nozeros^ Tejueidechse, ferner Löwe und Hund als Vergleichsobjekte. 
Letztere deshalb, da mit vollster Absicht von der bisherigen „Heu- 
bauch "-Rekonstruktion abgesehen wurde und die Type eines auf 
Ebenen (Strandebenen) laufenden, relativ nicht hohen Tieres zum 
Vergleich benützt wurde. 

Speziell die Spuren von Kasuar wurden nach den verschieden- 
sten Bewegungsarten beobachtet und zum Vergleich verwendet. 
Ferner wurden noch eine Reihe Bewegungsaufnahmen Schillings 
eingesehen. Die spezielle Verwertung dieser dürfte die Grundlage 
der nächsten Demonstration bilden. 

Die einzelnen Teile werden unter folgenden Gesichtspunkten 
dargestellt: 

Kopf mäßig beweglich, etwas kameloid, jedoch in die Axe 
gestellt — angenommene Beweglichkeit die des Eidechsenkopfes. 
Man beachte übrigens die gar nicht große Beweglichkeit des Kopfes 
der GiratFe; der in der Axe stehende Eidechsenkopf ist beweglich, 
ebenso der Schlangenkopf. 

Da das Tier Characeen oder ins Wasser gefallene Blätter 
fressend gedacht ist, so ist der Kopf analog der Stellung lang- 
halsiger Vögel tief und ein wenig seitlich gestellt modelliert. 

k* 



(148) Versaiiimliino- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Das eigenartige, iiacli Art eines Eecliens oder besser einer 
Obstraufe gebaute Gebiß können wir uns übrigens anschaulich als 
nützlich vorstellen, wenn wir uns etwa den Diplodocus in die Ge- 
gend hineindenken^ die ein rezentes Beispiel kolossalster Verwach- 
sung mit Wasserpflanzen bietet: die Strecken mit Seen und Sümpfen 
am oberen Nil oder Tsadsee (letzterer bietet auch zwei biologische 
Äquivalente, Nilpferd und Krokodil als Partner). Diese Vegetation 
weicher, leicht vergänglicher (also nicht leicht kohlegebender) Pflan- 
zen, die in kolossalster Üppigkeit knapp an sandige Wüstengegenden 
mit abwaschenden Torrenten grenzt und den Nilpferden und Kroko- 
dilen Versteck und Wohnung gewährt, dürfte vielleicht ähnliche Ver- 
hältnisse bieten. Wie vielleicht die großen Sauropoden dann durch 
den langen Hals die Pflanzen hinabwürgten, zeigt sich uns, wenn wir 
beobachten, wie ein laughalsiger Vogel (Kasuar Trockenfutter, Enten, 
Schwäne nasses Futter) durch Schlingbewegung, nach Ausschleudern 
des Wassers und Seitwärtsschleudern des Schnabels das Futter 
in den Magen hinabbefördert. Die Halswirbel des Diplodocus sind 
leicht gebaut und scheint eine freilich mäßige derartige Bewegung 
nicht ausgeschlossen. Die Aneinanderpassung der Wirbel zur sig- 
moidalen Halslinie, wie die hier vorher gezeigte Rekonstruktion des 
Herrn Prof. Abel zeigt, deutet auch auf die Möglichkeit einer 
solchen Bewegung hin, die aus einem Signioidkrümmen und Aus- 
strecken in rascher Folge beruht. Um dem Modell eine neutralere 
Stellung zu geben, wurde dem Halse die ruhige, wenig sigmoide, 
gestreckte Haltung gegeben, die den Moment des Erfassens der 
Nahrung darstellt (also behagliche Freßstellung). 

Muskulatur des Halses. Hier wurde zum Vergleiche die 
allerdings ganz anders fressende Giraffe mit dem Vogclhalse koni- 
l)iiii(;rt herangezogen. Der Hals ist nicht drehrund, sondern etwas 
kantig mit starken Muskelansätzcn, an der inneren Halshäll'tc die 
Muskeln ziemlich gespannt, da ja das Tier in diesem Moment den 
Hals durch Muskclzug balanzicrt; ein tiefliegender Hautsack an der 
lial.sbasis, als den meisten Pflanzenfressern (auch den pllanzen- 
fressenden Keptilicn) eigen, wurde angedeutet, desgleichen ein klei- 
nerer Kchlsack. 

I)ie Mr»;,^liclikeit eines Sciiallnpparjitcs ist bei (hinirtig großen 
'l icicn kaum von der Hand zu wciisen; man vergleiche Übrigens 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (149) 

die Laute, die die Krokodile iu Aügst und Wut von sich geben. 
Überhaupt wurde die Haut massig-, faltig und beweglich, wie bei 
Dickhäutern angenommen. 

Schultern und Vorderextremitäten. Die Schultern ziem- 
Hch breit mit gewaltigen Muskelansätzen, die Scapula hochgestellt. 
Die an ihr aufsitzenden Muskeln gespannt, sowie es die etwas 
gespreizte Stellung der Beine, die den Schwerpunkt des Vorder- 
tieres nach vorne verlegt, verlangt. Starke Muskeln führen auch 
zum Knochenkamme, dessen Muskulatur mit rückwärts stärker 
werdender Verknöcherung immer stärker angedeutet ist. 

Stellung der Beine schwach nach hinten eingeknickt, jedoch 
nach Analogie anderer Formen die Zehen etwas einwärts gestellt 
(Ellbogen aber nach außen gedreht), so daß die Knickung der 
Vorderbeine auch durch die stark kontrahierte Muskulatur der 
Schenkel verdeckt erscheint. 

Durch diese Knickung^) ist die ziemlich bewegungsunmög- 
liche Stellung der Beine zu dem gekrümmten mittleren Teile der 
Wirbelsäule ausgeglichen. 

Die Beine, speziell die Unterschenkel, sind muskulös, jedoch 
nicht nach Art der Dickhäuter säulenförmig angenommen. Der 
sauropode Vorderfuß wurde nach Analogie der Fährten nicht dem 
Elefanten- oder rhinozerosartigen Fuße, sondern etwa einer Kombi- 
nation eines fünfzehig gedachten Laufvogels (Kasuar) mit einem 
ballenauftretenden laufenden Raubtiere gedacht. (Die Fährten der 
Dickhäuter sind wie runde Stempelabdrücke, die erhaltenen fünf- 
fingerigen Fährten dagegen haben vieles mit Laufvögeln gemeinsam.) 
Dadurch, daß ich diesen Füßen den Typ eines nicht allzu schwer- 
fälligen muskulösen Tieres gab, mußte auch der Körper schlanker, 
ohne die sonst beliebte Walzenform angenommen werden (übrigens 
zeigen auch Eidechsen diese Gestalt, nicht nur Säuger). Durch 
diese taillenartige Einschnürung am Bauche mußten jetzt auch die 
Folgen der eigenartigen Beckenform der Dinosaurier ausgedrückt 
werden in einem häutigen, ziemlich tief herabhängenden Sacke, in 
dem die gewaltig vergrößerten Pubes und Ischia reichlich Platz finden. 



1) Die in der Rekonstruktion von Prof. Abel ausgerechnete noch stärkere 
Knickung wird bei der definitiven Rekonstruktion akzeptiert werden. 



(150) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstanmuingslelire. 



Die Basis der Konstruktion des Tieres, die wuchtigste und 
gewaltigste Partie ist der Beckenglirtel mit den kolossalen Wirbeln 
und der verknöcherten Sacralregion. 

Die Beine sind gestreckt (wegen der Schwerpunktsverlegung 
bei der angenommenen Kopfhaltung) und wieder stark muskulös. 

Die im Thorax ziemlich gebogene Wirbelsäule mit den großen 
Dornfortsätzen erreicht hier die größte Höhe und Stärke; große 
Muskeln ziehen von der Beckenregion an den Knochenkamm und 
in den inneren Teil des eine mächtige Waffe darstellenden Schwanzes, 
der in seinem ersten Drittel wuchtig und auch muskulös als weitere 
Stütze dient und in eine dünne Spitze endigt. Der Schwanz ist 
wieder nicht drehrund, sondern von rhombischem Querschnitte. Der 
Schwanz mußte aus technischen Gründen gebogen werden, wodurch 
der Typ höchster Streckung (z. B. gegenüber dem bedeutend 
kürzeren Brontosaurus) nicht so augenscheinlich ist. Die Wendung 
schon von der Mitte an deutet ein mögliches Herumschlagen nach 
Krokodilart an. 

Die Haut, die dünn angenommen ist, läßt das Spiel einzelner 
Muskeln deutlich sehen. 

Dem Gesamtbilde liegt die Idee eines relativ bewegHchen, 
friedlichen, wenig intelligenten Sumpflaufticres zu Grunde. Die 
definitive Gestaltung dieses provisorischen Modelles erfordert aber 
noch eingehende Studien. 

Prof. Dr. Abel dankt Herrn Dr. König für die interessanten 
Mitteilungen und die Vorlage des Modells, das, wie schon der Vor- 
redner bemerkte, noch mehrerer Verbesserungen bedarf. 



Versammlung am 16. Dezember 1909. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

li(;ir R. Schrödinger übernimmt den Vorsitz und leitet die 
Ncuwalil des V'orstandcs ein. 

Die biHlicrigcn Vorstandsmitglieder werden wiedergewählt. 

Prof, Dr. 0. Abel übernimmt wieder den Vorsitz und erteilt 
Herrn Dr. Gunther Schlesinger das Wort zu folgenden Vortrag: 



Versaminlimg- der Sektion für Paläontoloi;ie und Abstammungslehre. (151) 



Die eiszeitliche Fauna der Bärenhöhle hei Kiifstein in Tirol, 

Die Bären- oder Tischoferhöhle im Kaisertal bei Kufstein 
wurde im Herbste 1906 von Prof. Dr. M. Schlosser^) in München 
ausgebeutet und das daraus gezogene Material von dem Forscher 
in einer Weise bearbeitet, die nicht nur für jede Höhlenforschung, 
sondern auch für jedes geologisch -paläontologische Arbeiten ge- 
radezu als Muster gelten kann. Eine Fülle von neuen Gedanken 
bringt uns Schlosser im Anschluß an das nicht gerade günstigste 
Material, für die verschiedensten Gebiete gibt ihm die verhältnis- 
mäßig kleine Höhle Anhalts- und Stützpunkte für wertvolle For- 
schungen. 

Zunächst gibt uns der Autor ein allgemeines geologisches 
Bild der Höhle. Im Hauptdolomit gelegen, steigt sie in drei Terrassen 
nach hinten an und enthält in diesen von rückwärts begonnen 
^ folgende Schichten: 

Sinterschicht — Steinchenschicht — Bran-dschicht 
grauer Letten — grauer Letten — grauer Letten 
Höhlenlehm — Höhlenlehm — Höhlenlehm. 

Die drei obersten sind Kulturschichten mit Knochen von 
Menschen und Haustieren und Artefakten; sie nehmen in der 
Richtung des Pfeiles an Alter zu. Sie sind Verwitterungs- und 
Lösungsprodukte der Höhlenwände wie der Höhlenlehm, welcher die 
älteste Rißwürminterglazial-Bildung darstellt und reichlich Knochen 
des Höhlenbären führt. Dagegen stellt der graue Letten den Rück- 
stand der Schmelzwässer des Würmgletschers dar. 

Auf die Entstehung der Höhle und ihre Geschichte über- 
gehend, gibt uns der Verfasser eine eingehende Darstellung der 
Ursachen und Kräfte, die zur Bildung der Höhle führten und sie 
später weiter bauten. Die Entstehung fällt in die erste Phase des 
Rißwürminterglazials; am Ende dieses Zeitabschnittes dürfte der 
Kaiserbach bereits unter das Niveau der Höhle gesunken sein. Nun 
beginnt in der zweiten Phase die Ablagerung des Höhlenlehms 



1) M.Schlosser, Die Bären- oder Tischoferhöhle im Kaisertnl bei Kuf- 
stein. — Abh. d. k. bayr. Akad. d. Wisseusch, in München, 1909, S. 387—506, 
Taf. I-V. 



(.152) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



und eine reiche Besiedlung durch Ursus spelaeus. Die Würmeiszeit 
machte dem Tierleben ein Ende; eine Gletscherzunge erstreckte 
sich, wie an den abgehobelten Felsblöcken zu erkennen ist, in 
die vordere Halle, schloß die Höhle nach außen ab und setzte im 
Innern den grauen Letten als Schmelzwasserrückstand ab. Das 
Postglazial ist, wenn überhaupt, nur durch Keste vom Uhu und 
Schneehuhn vertreten. Die Höhle war infolge des Gletschersees 
jedenfalls unzugänglich. Erst in der neolithischen Zeit beginnt die 
Besiedlung durch den Menschen und hält an bis zur Bronzezeit. 

Der Umstand, daß Höhlenlehm und Steinchenschicht Bildungs- 
produkte der Höhle selbst sind, ermöglicht einerseits Schlüsse auf 
das absolute Alter der Schichten, andererseits eine Berechnung der 
durchschnittlichen Jahreserosion des Kaiserbaches, der ja zweifel- 
los — darauf weist das Vorhandensein von Bachgerölle im untersten 
Höhlenlehm hin — zu Anfang der zweiten Phase des Rißwürm- 
interglazials im Niveau der Höhle geflossen ist. Mit Berücksichtigung 
der übereinstimmenden Berechnungen von Nuesch, Heim, 
Brückner und Steck dürfen wir für die Bildung der 30— 40 cm 
hohen Steinchenschicht 14.000 — 20.000 Jahre, für die des 120 cm 
mächtigen Höhlenlehms demnach 56.000 — 80.000 Jahre im Maximum, 
und 42.000 — 60.000 Jahre im Minimum annehmen. Da nun das 
Bachgerölle 598 m hoch liegt, der Bach jetzt 517 m, beträgt die 
Gesamterosion 80 m. Dieselbe verteilt sich bei Vernachlässigung 
der glazialen Wirkungen auf 14.000 -|- 42.000 Jalire im Minimum 
und 20.000 + 80.000 Jahre im Maximum. 

Die Rechnung ergibt also pro Jahr die ungemein geringe 
Vertiefung von 1-43— 0*8 mm. 

Schlosser meint, daß wir mit einer Korrektur die Jalires- 
erosion mit 1 mm festsetzen können. Wenn wir mit dieser (h-ößc 
und den 14.000—20.000 Jahren Postglazial die Höhe des Fhißbcttcs 
am Anfang dieser Zeit berechnen, erhalten wir eine Erhöhung um 
16 — 20m gegen jetzt; und iicradc in diesem Niveau ündcn sieh 
Spuren des jHJstglazialcn Fhißnfers. 

Die Tierreste der Tischofer Höhle gliedern sich in die Reste 
von wihlk'bcndon Formen und von HaustieriMi. Unter crstercn sind 
die zaiilrcichHtcn die von Ursus sjmlams (ungefäiir Oberresie von 
200 auKgcwachsencn und 180 juvenilen Individuen). Mit Rücksicht 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (153) 

auf den Umstand, daß wir nur entweder sehr große Exemplare 
oder junge Tiere treffen, meint Schlosser, daß die Höhle alters- 
schwachen Männchen und werfenden Weibchen zum Aufenthalt 
gedient habe. Bei der Bearbeitung der Skelettreste, die zweifellos 
einer einzigen Art angehören, zeigte sich, daß die Länge der 
Knochen um ^4 — Vs schwanken kann (bei vollkommen ausge- 
wachsenen Individuen). Außerdem fanden sich Knochen von Lupus 
vulgaris, Vulpes vulgaris, Hijaena s])elaea, Felis spelaea, Erinaceus 
europaeus, Cervus elaplms, Bangifer tarandus, Capella nqoricapra, 
Ibex cfr. alpinus, Ärctomys marmotta, Myoxus glis, Mus sylvaticus, 
Ärvicola aniphihius, Lepus europaeus, ferner vom Uhu, der Stein- 
dohle und dem Schneehuhn. 

Die Reste der Haustiere verteilen sich auf Canis familiaris 
intermedius, Bos taurus, Ovis aries, Cap^ra hircus (?) imd Sus scrofa 
domesticus. Die Reste weichen durchgehends von denen der nahen 
Pfahlbauten auf der Roseninsel im Starhemberger See erhebhch 
ab und lassen eher auf eine Einwanderung von Süden her über 
den Brenner schließen. Insbesondere ist das kleine Torfrind der 
Pfahlbauer gar nicht vertreten, vielmehr gehört das Tischofer Rind 
der großen Primigeniusrasse an. Auch das Schwein hat nichts mit 
Sus scrofa palustris zu tun, sondern scheint ein eigenes Zähmungs- 
produkt aus dem Wildschwein zu sein. 

Zusammen mit den Haustierresten fanden sich zahlreiche 
Überreste des neolithischen und bronzezeitUchen Menschen; die- 
selben sind auf drei Plätze verteilt. An der linken Höhlenseite 
wurden Skelettreste von 3 — 5 Erwachsenen und 3 — 4 Kindern mit 
einer Fülle neolithischer Geräte zutage gefördert. Die Funde um 
den sogenannten „Bronzepfeiler" in der Mitte ergaben unzwei- 
deutig, daß zu dieser Zeit die Höhle als Gießerwerkstätte diente. 
Rechts lagen die Überreste von etwa 7 Erwachsenen, 12 jugend- 
lichen Individuen und 15 Kindern mit nur wenigen neoHthischen 
Steingeräten und einem Bronzeröhrchen. Hier fanden sich auch 
die meisten Haustierreste. Schlosser meint nun, daß die Höhle 
in der ersten Phase der Besiedlung als Begräbnisstätte benützt 
worden sei, wobei er annimmt, daß die Leichen einfach auf den 
Boden gelegt und der Verwesung überlassen wurden; bezüglich 
der letzten Phase haben seine Untersuchungen kein Resultat ergeben. 



(154) Versaininlung- der Sektion für Paläontologie und Abstaninmngslehre. 



Diskussion. 

Prof. 0. Abel spricht die Meinung- aus, daß es sich bei den 
neolithischen Funden um Anthropophagie handle. Dr. G. Schle- 
singer möchte sich dem noch weitergehend anschließen und seinem 
Zweifel Ausdruck geben, ob das eine Bronzeröhrchen die Annahme 
eines bronzezeitlichen Alters der Pfunde an der rechten Seite hin- 
länglich begründen kann oder ob dieses sich nicht auf sekundärer 
Lagerung befindet und wir es auch hier mit neolithischen Anthropo- 
phagen zu tun haben. 

Dr. A. Rogenhofer bemerkt, daß auch in Niederösterreich in 
der diluvialen Höhle von Hundsheim sich eine reichhaltige und 
interessante Fauna vorgefunden hat, welche Freudenberg^) vor 
kurzem bearbeitete. Diese Höhle ist insbesonders durch die Khino- 
zerosfunde berühmt und weist sonst eine ganz ähnliche Fauna auf 
wie die Tischoferhöhle, deren Bearbeitung durch Schlosser aber 
als mustergiltig angesehen werden kann. 

0. Antonius: Zu Bär: Genau dieselbe Neigung zu indivi- 
dueller Variation wie der Höhlenbär zeigt auch der gewöhnliche 
Braunbär, bei dem man — gänzlich unabhängig von der geographi- 
schen Kassenbildung — die erstaunlichsten Abweichungen in den 
Schädelverhältnissen feststellen kann. 

Zu Wolf: Im Gegensatz hiezu handelt es sich beim \Yolf 
weniger um individuelle Variationen, sondern um Rassenneubildung 
auf geographischer und biologischer Grundlage. Die auftallende 
Verschiedenheit der quartären und rezenten Wolfsformen läßt sich 
hiedurch gut erklären. 

Zu Steinbock: Daß die von Schlosser aus der Bärenhöhle 
beschriebene Form weder mit dem rezent-piemontesisehen Stein- 
bock, noch mit der Quartärform der Voralpen übereinstimmt, dürfte 
auf die Neigung der Stcinb()cke zu geographischer h'assenbildung 
zurückzuführen sein. So sind z. B. aus dem Altai mindestens vier 
gut unterscheidbare Rassen des sibirischen Steinbocks bekannt. 
Ähnlich ist es im Tian-Schan und im Kaukasus und ähnlich war 
CH jedenfalls auch in den Alpen. 



*) Fr(;ii(lcn bcr/^ VV., Die Fauna \ (>n Ilniidsliciui in NiedcröMtcrrcicli. 
— Jahrb. «I. Geol. Ueichsanst, 1908. 



Versanimlung der vSektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (155) 



Versammlung am 16. Februar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Herr Dr. Günther Schlesinger hielt einen Vortrag- Uber 

Lebensweise, Anpassungen und Staiuniesgeschichte der 

Mormyriden. 

Nachdem der Vortragende auf die Notwendigkeit der Fest- 
stellung von Reihen und Typengruppen sowohl für die phylo- 
genetische wie insbesondere für die ethologische Forschung 
hingewiesen und im Anschluß an 0. Abels ^) Ausführungen die 
Unterschiede zwischen Ahnen-, Stufen- und Anpassungsreihen 
beleuchtet hatte, die vielfach verwechselt zu Fehlschlüssen Anlaß 
gaben und dadurch diese Art phylogenetischer Forschung berab- 
setzten, erläuterte er an Hand der zugrunde liegenden Arbeit über 
diese Fischgruppe,^) unterstützt von einer Reihe von Lichtbildern, 
die Stammesgeschichte der Mormyren, ihre Anpassungstypen und 
-reihen. 

Von kurzschnauzigen Formen ausgehend, hat diese Fisch- 
famihe eine Reihe von Typen entwickelt, die scharf voneinander 
getrennt sind. Es sind dies: 

1. Kurzschnauzige Formen ohne Kinnanhang: 

1. Mormyrops-Tyi^xxs (Mormyrops, Isichthys), 

2. GymnarcJms-Tj-pm (Gymnarchus) , 

3. Petrocephalus-Ty piis (Petrocephalus, MarcMsenius, Sto- 

niatorJiimis, Hippopotaniyrus und die Gnatho- 
nenuis-Yoxmtn ohne Kinnanhang), 

4. IIyperopisiiS-Tj}^xii^ (Hyperopisus) . 

n. Kurzschnauzige Formen mit Kinnanhang: 

5. Longiharhis-Tjpns (die Gnathonemus -Formen mit 

Kinnanhang). 

1) O.Abel, Die Paläozoologie als Stütze der Abstammungslehre. — 
Neue Freie Presse, Wien, 21. Januar 1909, S. 22, und das gleichnamige' Kolleg 
vom Sommersemester 1909. 

-) G.Schlesinger, Zur Ethologie der Mormyriden. (Mit 21 Fig. i. T.) 
- Annalen d. k. k. naturhist. Hofmuseum, Bd. XXIII, H. 3 u. 4, Wien, 1909, 



(156) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



III. Laiigschnauzige Formen: 

6. Camj^ylomormyr HS -Tyiius (Genyomyrus, Campylomor- 

myrus ), 

7. Mormyrns-Ty}^\x^ (Myomyrus, Mormyrus). 

Etliche Anpassuiigsreihen zeigen uns die Entwicklung einzelner 
Typen und geben uns ein Bild der stammesgeschichtliclien 
Entwicklung. So erfolgt eine allmähliche Längenstreckung des 
Körpers verbunden mit einer Verengerung des Maules in der Gruppe 
der Mormyropen, die zur Gestalt eines Isichthys führt. Des- 
gleichen können wir die Weiterbildung des Tastbärtels bei Gnatlio- 
nernus stufenweise von einer leichten Schwellung bis zum Wühl- 
rüssel eines GnatJionemus longiharUs verfolgen. Ebenso zeigen uns 
ethologische Zwischenglieder die allmähhche Verlängerung der zwar 
äußerlich ähnlichen, morphologisch aber gänzlich verschie- 
denen gekrümmten Rostren von Campylomonnyrus und Mormyrus. 

Alle diese Reihen laufen in der Regel parallel mit einer pro- 
gressiven Reduktion der Zähne an Zahl, Größe und Form. 

Übergehend auf die Lebensweise der Mormyren führte der 
Vortragende zunächst eine Zahl von Fischen vor, bei welchen die 
Einwirkungen der drei wichtigsten Momente in der Lebensweise 
besonders deutlich sind, die Einwirkungen von Aufenthaltsort, 
Lokomotionsart und Nahrungsweise. 

Auch bei den Mormyriden können wir die Wirkungen dieser 
drei Faktoren verfolgen. 

So steht mit dem Aufenthalte dieser Fische, der nach der 
ethologischen Analyse wie nach der direkten Beobachtung das stark 
schlammige Wasser der afrikanischen Flüsse und Seen ist, die Aus- 
bildung einer Kiemendcckelhaut und eines mcmbranr)scn 
Kiemen Segels in Verbindung, das in der Sch winimrichtung 
überhängend einen vortrefflichen Schutz gegen das Ein- 
(Irin^^en von Schlamm bietet. Wir finden diese Bildung auch 
immer bei Fornien des Schlammwassers, z. B. AnyuUld, Murdcna, 
Misf/urnus, Gymnotidae, Folyptcrus und Calamoichthys. 

Was die Lokomotion bctrill't, so ist diese bei den einzelnen 
Gruppen sehr verschieden und steht mit der Anordnung der Flossen, 
insbesondere der unpiiaren, in innigster Beziehung. 



Versammlung- der J^ektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (15'^) 



Die Mormyropen bewegen sich reißend und geiadlinig vor- 
wärts, eine Tatsache, die aus der typisch sagittiformen Körper- 
g-estalt hervorgeht; der Übergang zu einer mehr benthonischen 
Lebensweise und einer schlängelnden Bewegung- prägt sich in der 
Längenstreckung des Körpers aus. 

GymnarcJms bewegt sich durch Undulation der Dorsahs 
vorwärts, wobei der Körper vollkommen steif bleibt. Die Formen 
des Fetroceplialus-, Longiharhis- und Campylomormyrus -Typus 
tragen eine Beflossung, die im Verein mit der kompressen, hohen 
Körpergestalt am ehesten der der Riffische vergleichbar ist. Fetroce- 
plialus und die ihm gleichen Formen sind in der Tat Mittelwasser- 
schweber, die Arten des Longiharhis- und Canij^ylomormynts-Tjpvis 
halten sich nahe dem Boden auf und haben an der mächtigen 
Caudalis zusammen mit den opponierten unpaaren Flossenelementen 
ein wirksames Nachdruckorgan für ihre wühlende Lebens- 
weise. 

Von besonderem Interesse sind die Flossenverhältnisse von 
Hyperopisus und Mormyrus. Während bei ersterem die Dorsalis 
sehr klein ist, die Analis dagegen lang und wohlentwickelt, so 
daß sie in ihrem Wirken einer hypobatischen Caudalis ähnHch, 
durch abwechselndes Ruhen und Tätigsein eine pickende Bewegung 
zur Folge hat, ist bei letzterem gerade das Umgekehrte der Fall. 
Die Analis ist klein, die Dorsahs mächtig und Uber den ganzen 
Rücken reichend. Ihr Wirken^ vereint mit dem der breiten Pek- 
toralen muß eine tupfende Bewegung zur Folge haben, welche 
infolge der RückenkrUmmung in der Richtung des Rüssels erfolgt. 

Enge im Zusammenhang- mit Aufenthalt und Lokomotion 
steht auch die Nahrungsweise unserer Fische. 

Die einer raschen, reißenden Bewegung fähigen Formen, 
Mormyrops und Gymnarchus sind Räuber, die allerdings auch 
ähnlich unserem Hechte alles Verzehrbare fressen. In dem Maße, 
als mit der Längenzunahme ihr pfeilartiges Hinschießen ab- 
nimmt, jagen sie leichter zu erhaschender Beute und Detritus- 
stücken nach. 

Die Mittelwasserschweber, also alle Formen des Fetroceplialns- 
Typus fressen Pflanzen, insbesondere harte Ufergräser. Es erwiesen 



(158) Versammlung der Sektion für Paläontologie imd Abstammungslehre. 



dies vielfältige Magenuntersucbungen und die nagerartige Anordnung 
der bei älteren Tieren flach abgekauten Zähne. 

Die Ausbildung eines Tastbärtels hängt mit einer Änderung 
der Nahrung zusammen, indem schon die Übergangsformen zum 
Longiharhis-Ty^us nach kleinen Larven, Würmern und Detritus- 
stücken im Schlammboden wühlen. 

Campijlomormyrus deckt seinen Lebensunterhalt durchwegs 
aus dem Detritus. Seine Schnauze ist derart ausgebildet, daß er 
keinerlei Kaubewegungen ausführen kann; jedenfalls nimmt er 
ähnlich den Lophobranchiern die Nahrung durch ein Vakuum auf. 

Mormyrus grundelt unter Steinen nach Würmern, Insekten 
u. dgl., wozu ihn seine Lokomotion in vorzüglicher Weise befäliigt. 

Während all diese Formen hinsichtlich ihrer Lebensweise . 
gewisse Beziehungen zeigen, steht Hyperopisus gänzlich abseits. 
Seine Bewegungsfähigkeit ist verschieden, bei ihm ist allein von 
allen ^lormyren der Unterkiefer vorgezogen, die Pharyngealia sind 
mit einem breiten Pflaster kugeliger Zähne besetzt; all dies 
läßt ethologisch nur eine Deutung zu, die in einer Mageninhalt- 
untersuchung ihre volle Bestätigung findet: Hyperopisus ist 
Muschelfresser und nährt sich von Cyclas, einer kleinen 
Nilbivalve. 



Versammlung am 16. März 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Der Vorsitzende macht Mitteilung von einer soeben er- 
schienenen Publikation von Max Schlosser über den Fund dreier 
neuer Afl[en;;-attnngen aus dem Oligocän Ägyptens (Mocripithccus 
Marlcgrafl Sehl., Farapithecus Fraasi Schi., Propliojyitheeus JfaecJceli 
Schi.), von welchen die letztgenannte Form der älteste bis jetzt be- 
kannte Mcnschcnaftc ist. PropliopiÜtccus J/acrJceli (2 J (= i), 1 C, 2 P, 
M ; ist bereits ein echter Gibbon vom Tyi)us der neogenen Gattung 
PlUjpithcrus. Die J (=i), C u. P stehen schon vertikal, die Kieferäste 
verlaufen parallel und sind in einer festen Sympliyse vereinigt. 
In der Gri'ȧe stellt di(; nenc^ Form zwischen (Jhrysofhrh: und ('cltus. 
..hl pliylogenctiKcher Hinsicht," sagt M. Schlosser am Sclilusse 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (159) 



seiner vorläufigen Mitteilung, „kommt dieser neuen Gattung 
zweifellos eine hohe Bedeutung zu, denn sie ist nicht nur der 
Ahne aller Simiiden, sondern vermutlich auch der Hominiden". 

Herr R. Schrödinger stellt den Antrag, den Titel der Sektion 
dahin zu erweitern, daß auch die Abstammungslehre ausdrücklich 
in den Titel aufgenommen werde. Der Antragsteller begründet 
diesen Vorschlag in eingehender Weise und betont, daß ja in der 
Sektion seit ihrem Beginn die Abstammungslehre, zu deren Stützen 
die Paläozoologie zählt, gepflegt worden sei, daß aber in letzter 
Zeit gelegentlich der von der Sektion für Paläozoologie veran- 
stalteten Diskussionsabende über allgemeine phylogenetische Pro- 
bleme der Wunsch aufgetaucht sei, deszendenztheoretische Fragen 
überhaupt im Pahmen der Sektion zu erörtern. 

Dr. 0. Porsch wünscht, daß auch die Phytopaläontologie 
in den Kreis der Aufgaben der Sektion miteinbezogen werde und 
beantragt daher die Änderung des Sektionstitels in „Sektion für 
Paläontologie und Abstammungslehre". 

Bei der darauffolgenden Abstimmung wird der Antrag 
Schrödinger-Porsch einstimmig angenommen. 

Hierauf hält Herr Hellmut Otto Antonius einen von zahl- 
reichen Lichtbildern unterstützten Vortrag über seine „Unter- 
suchungen über die Abstammung der eurasiatischen Wild- 
pferde". 

Im Anschlüsse an diese Darstellung spricht Herr Privatdozent 
Dr. Hugo Obermaier über „Das diluviale Pferd in seinen 
Beziehungen zum quartären Menschen" und demonstriert 
eine große Zahl vorzüglicher Lichtbilder mit Tierzeichnungen von 
der Hand des prähistorischen Menschen. 

In der anschließenden Diskussion weist Prof. Dr. 0. Abel 
auf die große wissenschaftliche Bedeutung der neuentdeckten Tier- 
zeichnungen aus den französischen und spanischen Höhlen hin 

^) Max Schlosser, Über einige fossile Säugetiere aus dem Oligoea'n 
von Ägypten. — Zoolog, i^nzeiger, Bd. XXXV, Nr. 16, 1. März 1910, 
S. 501—508. 



(160) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



und betont die Wichtigkeit dieser scharf beobachteten Zeichnungen 
für die paläontologische Rekonstruktion jener Formen, von denen 
wir uns nur schwer ein Bild machen konnten. Besonders wertvoll 
sind die neuentdeckten Zeichnungen des Höhlenlöwen, des Höhlen- 
bären, des Mammuts und des Wildpferdes. Der Vorsitzende ersucht 
Herrn Antonius, sich darüber zu äußern, ob wir in den prä- 
historischen Pferdezeichnungen an den Equus Prpjetvalslcyi oder 
an das große diluviale Wildpferd vom Nordrande der Alpen (Wels, 
Heiligenstadt usw.) zu denken haben. 

Herr Antonius erklärt^ daß das große Wildpferd aus Heiligen- 
stadt zweifellos der Ahne des schweren norischen Pferdes ist, der 
aus Frankreich und Spanien noch nicht bekannt ist; jedenfalls 
sind das verschiedene Arten, die nicht miteinander verwechselt 
werden dürfen. Der Redner wendet sich mit Entschiedenheit gegen 
die Bezeichnung des großen fossilen Wildpferdes als Eqmis cahallus 
und knüpft daran Bemerkungen über die Benennung der domesti- 
zierten Formen überhaupt. 



Versammlungen am 20. April und 18. Mai 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Herr Prof. Dr. 0. Abel macht davon Mitteilung, daß Prof. 
Dr. F. Werner seinen angekündigten Vortrag über „Einige neue 
Beispiele für die Irreversibilität der Entwicklung" wegen dringender 
Abreise zu verschieben gezwungen war und legt mehrere Arbeiten 
über nordamerikanische Dinosaurier von R. S. Lull und 0. P. llay 
vor; besonders eingehend bespricht er die Untersuchungen Lulls 
über die Rekonstruktion von Stegosaunis. 

Herr Kustos A. Ifandlirsch sprach Uber: 
Einige interessante Kapitel der Paläo-Entomologie. 

Zu (l(Mi größten Schwierigkeiten, welche sich der phylo- 
f^cnetisclien Forsch ung entg(;genstellen, gehiu't die Beantwortung 
der zwei Fragen: 1. Welche Charaktere sind monophy letisch 
cntKtanden und welche hctcrophy letisch V und 2. Jst die 



Versammhing- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (161) 



Irreversibilität ein absolut gültiges Gesetz oder nur eine 
häufige Erscheinung? 

Nach meiner Ansicht ist in erster Linie die Paläontologie 
berufen, zur Beantwortung dieser beiden Fragen beizutragen, und 
ich möchte mir daher erlauben, heute einige Kapitel aus meinem 
speziellen Arbeitsgebiete, aus der Insektenpaläontologie, zur Sprache 
zu bringen, welche auch einige Streiflichter auf die vorhin er- 
wähnten Fragen werfen. 

Am besten dürften sich hiezu folgende Probleme eignen: 

1. Wie war die ursprüngliche (Stellung) Haltung der 
Flügel bei den Insekten? 

2. Ist die aquatile, beziehungsweise amphibiotische 
Lebensweise bei den Insekten primär oder sekundär, 
respektive ist sie monophyletisch oder heterophyletisch 
entstanden? 

3. Waren die ältesten Insekten karnivor oder phy- 
to phag? 

4. Wie und wann ist die Holometabolie entstanden; 
mono- oder heterophyletisch? 

5. Wie ist das Vorkommen von Rtesenformen unter 
den fossilen Insekten zu erklären? 

Wenn diese Fragestellung auch sehr ethologisch klingt, so 
enthält sie doch den Kern fast aller Kontroversen, welche in der 
Insektenphylogenie noch aktuell sind, denn zwischen Lebensweise 
und Körperbau besteht ja immer ein ebenso inniger Zusammenhang 
wie zwischen diesem und der Phylogenie. 

Bevor ich jedoch auf die Beantwortung der Fragen eingehe, 
will ich in aller Kürze zusammenfassen, was wir überhaupt über 
fossile Insekten heute wissen. Eine solche kurze Übersicht halte 
ich deshalb für notwendig, weil seit dem Erscheinen meines Hand- 
buches schon sehr viel neues Material dazugekommen ist, welches, 
wie ich gleich vorausschicken will, meine damals ausgesprochenen 
Ansichten allerdings nur bestätigt und einige empfindliche Lücken 
ausfüllt. 

Wir kennen bis jetzt zirka 1000 Arten paläozoischer In- 
sekten, von denen die ältesten dem unteren Oberkarbon angehören 

Z. B. Ges. GO. Bd. 1 



(162) Versammlung der vSektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

und von allen heute lebenden Entwickluugsreihen so verschieden 
sind, anderseits aber einen so verallgemeinerten Insektentypus vor- 
stellen, daß ich sie unbedingt als Stammgruppe ansprechen mußte. 
Diese Stammgruppe muß den leider etwas ungeschickten Namen 
Palaeodicfyoptera führen. Wir finden sie noch sehr reich im mitt- 
leren Oberkarbou, im oberen und im Perm nur mehr in einzelnen 
Resten. 

Neben Paläodictyopteren erscheinen schon teils im mittleren 
Oberkarbon, teils im oberen und im Perm verschiedene neue Typen, 
welche in verschiedener Richtung höher diti'erenziert sind und viel- 
fach bereits deutliche Anklänge an noch heute lebende Gruppen 
erkennen lassen. Ilirer ganzen Organisation nach sind es Über- 
gangsformen zwischen der Stammgruppe und höher entwickelten 
Ordnungen. Ich habe mich bemüht, dieser Stellung, soweit tunlich, 
in den Namen Ausdruck zu geben: Frotepliemeroidea, Frotodonata, 
TrotorÜioptera, Protohlaitoidea, Megasecoptera, Iladentomoidea, Froto- 
liemiptera. 

Außer diesen höher spezialisierten Übergangsformen gab es 
aber auch mehrere, die offenbar wieder ausstarben, ohne zur Ent- 
stehung neuer, dauernder Gruppen geführt zu haben, wie die Mixo- 
termitoiden, Reculoiden, Sypharopteroiden. 

\o\\ den noch heute erhaltenen Ordnungen, welche ich kurzweg 
als „moderne" bezeichnen will, finden wir zuerst nur die aus Proto- 
blattoiden hervorgegangenen Blattoiden oder Schaben, später im 
Perm auch echte Ephemeroiden, Perlarien, llemipteren und Man- 
toiden. 

Soweit wir alle diese Ordnungen kennen oder beurteilen 
kcMinen, waren es durchwegs heterometabole Formen. 

Aus dem Mesozoikum kennen wir gleichfalls etwa 
1000 verschiedene Insektenarten, aber diese Fauna zeigt 
bereits ein viel moderneres Gepräge, denn mit Ausnahme einer 
triasischen Protodonnte finden wir nunmehr ausschließlich moderne 
Ordnungen. Sowohl die Paliiodictyopteren als die erwälinten i)aläo- 
zoiftclien Übergangsgru[)pen sind erloschen. Zu den hereits im 
Paläozoikum vcM'tretenen II(;terometal)olcn (^Fphemeriden, Perlaiicii, 
Rlat(()id(;n, Mantoiden und llemipteren) konnnen echte Odonaten, 
LociiKtoidcn, Pliasnjoiden und schon in der Trias beginnen holo- 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie mid Abstammungslehre. (163) 

metabole Formen mit den Koleopteren, Sialiden, denen sich bald 
die Panorpaten, Phiyg-anoiden, Dipteren, Neuropteren, später auch 
die Lepidopteren und Hymenopteren zugesellen. In die Kreide 
dürfte dann der letzte Ruck fallen, der die Insekten weit auf jene 
Höhe brachte, in der wir sie bereits im Tertiär finden. Die 6500 
bisher gefundenen tertiären und quartären Insekten unter- 
scheiden sich höchstens generisch von den heute lebenden und 
verteilen sich auf alle auch nur halbwegs artenreichen rezenten 
Familien, deren Fossilisation überhaupt zu erwarten ist. 

Ich bin gewiß weit davon entfernt, den Wert der fossilen 
Funde für phylogenetische und andere Schlußfolgerungen zu über- 
schätzen, aber eine quantite n^gligeable sind sie heute nicht mehr! 
8500 Arten geben schon ein Bild einer Evolution und schließen 
bis zu einem gewissen Grade wohl den „Zufall" aus, den die 
Herren Morphologen so gerne ins Treffen führen, wenn ihnen eine 
paläontologische Tatsache nicht paßt. — Daß unter den meso- 
zoischen Insekten kein Paläodictyopteron gefunden wurde und unter 
den tertiären keine der genannten Übergangsgruppen, ist ebenso- 
wenig ein Zufall, als daß im Karbon weder ein Käfer noch eine 
Termite, Fliege oder Wespe gefunden wurde. — Und doch wollen 
jene Stimmen nie verstummen, welche aus rezenten geographischen 
und anderen Momenten schließen wollen, diese oder jene Gruppe 
müsse viel älter sein, als es Handlirsch behauptet. 'Neuerdings 
wurden wieder 2000 Exemplare von Perminsekten gefunden und 
es ist wieder kein Käfer darunter, obwohl mein verehrter Kollege 
Dr. W. Horn aus geographischen Beobachtungen auf ein mindestens 
permisches Alter einer schon hochspezialisierten Käfergruppe (Cicin- 
deliden) schließen will. Neuerdings wurden Hunderte von Lias- 
insekten untersucht und es ist wieder weder eine Psocide noch 
eine Termite darunter, obwohl nach Ansicht einiger Autoren auch 
diese Gruppen viel älter als kretazisch sein sollen. 

Nun aber wollen wir an die Beantwortung unserer fünf 
Fragen schreiten. 

Die erste derselben, welche die Flügelstellung betrifft, 
scheint mir durch die paläontologischen Funde wohl endgültig er- 
ledigt zu sein, denn alle Vertreter der Paläodictyopteren, von denen 
mehr als ein Flügel erhalten ist — und es sind deren schon ziera- 

1* 



(164) Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



lieh viele — zeigen die Flugorgane ganz oder fast ganz horizontal 
ausgebreitet. Bei auch nicht einem einzigen dieser Fossile liegen 
die Flugorgane nach hinten über das Abdomen zurückgeschlagen. 
Das kann kein Zufall sein, denn bei anderen Gruppen wie Prot- 
orthopteren, Protoblattoiden, Blattoiden etc. finden wir bei den Fos- 
siHen fast immer die Flügel in der Ruhelage über dem Abdomen 
gefaltet, sehr selten in der Flugstellung, und da nie so regelmäßig 
ausgebreitet wie bei den Paläodictyopteren. Wir finden die ursprüng- 
liche Fliigelhaltung auch noch bei einigen paläozoischen, aus Paläo- 
dictyopteren abzuleitenden Gruppen, wie bei den Protodonaten, 
Protephemeroiden und Megasecopteren ; innerhalb der modernen 
Ordnungen nur mehr bei Odonaten und Ephemeroiden, also bei aus- 
gesprochenen Lufttieren, und selbst bei diesen Formen ist schon teil- 
weise eine kleine Änderung eingetreten, indem ein großer Teil der 
Odonaten (Zygoptera) die Flügel in der Ruhelage mit der Oberseite 
aneinanderschmiegt und etwas schief nach hinten legt. Ähnlich ver- 
halten sich die Ephemeroiden^ bei denen sich diese Stellung schon 
an den permischen und jurassischen Fossilien erkennen läßt. 

Daß die horizontale Lage die primäre ist, wird auch durch 
einige Paläodictyopterenlarven bewiesen, bei denen die Flügel- 
scheiden horizontal abstehen. In jüngster Zeit fand sich auch ein 
karbonisches Fossil, welches sich nur als Megasecopterenlarve 
deuten läßt und bei dem die Flügelscheiden gleichfalls noch ziem- 
lich stark nach den Seiten ausgespreizt sind. Überdies fanden sich 
paläozoische Larven von Protoblattoiden und selbst von Blattoiden, 
bei welchen die Flügelscheiden viel mehr divergieren als bei den 
Imagines und als bei den rezenten Formen. Wenn wir ausnahms- 
weise unter hochentwickelten rezenten Gruppen Formen finden, 
weldie die Flügel auch in der Ruhelage horizontal ausgebreitet 
oder vertikal aufgestellt halten, wie z. B. die 'ragschnietterlinge, so 
handelt es sich hier wohl um eine sekundäre Erscheinung, und 
schon die ontogcnetische Entwicklung zeigt uns, datl es so ist. 

Man wird vielleicht fragen, warum ich auf dieses Thema so 
grolles Gewicht lege. Es geschieht erstens deshalb, weil die ur- 
Rj)rllngnche Stclhing fllr Frage der Fntstehung der Flügel von 
großer IJedcMitung ist, und zweitens, weil sie uns einige Anhalts- 
punkte gibt beziigli<;h der LebenKwcisc der ersten Insekten. 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (165) 



Es ist ohne weiteres klar, daß Formen mit horizontal aus- 
gespreizten Flügeln weder in der Erde noch unter Steinen, noch 
im Holze, unter Rinde, noch auf der dicht mit Pflanzen bewachsenen 
Oberfläche der Erde gut leben konnten. Die Lebensweise der 
Odonaten und Ephemeriden gibt uns wohl einen Fingerzeig in 
dieser Richtung: Diese Tiere sitzen entweder an einem frei auf- 
ragenden Objekte ruhig oder sie fliegen und schweben in der Luft. 
Außer der Luft gibt es nur noch ein Milieu, welches einem Tiere 
mit horizontal ausgespreizten Fortsätzen des Thorax einigermaßen 
die Fortbewegung gestatten würde, und zwar das Wasser. Damit 
wären wir nun bei der Beantwortung der zweiten Frage an- 
gelangt, die sich auf die aquatile oder amphibiotische Lebensweise 
der Urinsekten bezieht. 

Da uns direkte Beweise hier noch fehlen, sind wir auf In- 
dizienbeweise und Schlußfolgerungen angewiesen. An dem Ab- 
domen keines einzigen echten erwachsenen Paläodictjopteron 
konnten Kiemenanhänge ^) nachgewiesen werden und bei den 
bekannt gewordenen Larvenformen ist leider das Abdomen nicht 
hinlänglich erhalten. Letzteres gilt auch für die bisher aufgefun- 
denen Larven von Protodonaten und für die jüngst entdeckte eines 
Megasecopterons. Dagegen hat Brongniart ein erwachsenes Me- 
gasecopteron abgebildet, dessen Hinterleib Anhänge trägt, welche 
lebhaft an die Extremitätenkiemen gewisser rezenter Ephemeroiden- 
larven erinnern. Die Persistenz larvaler Kiemen im Imaginal- 
zustande wäre an sich nichts Merkwürdiges, denn sie ist bei den 
amphibiotischen Perlarien häufig zu beobachten, aber sie würde 
uns gewiß gestatten, auf eine amphibiotische Lebensweise der 
Megasecopteren zu schließen. Wir hätten also hier bereits eine 
zweifellos direkt aus Paläodictyopteren hervorgegangene amphi- 
biotische Gruppe. Betrachten wir nun die modernen immer oder 
zeitweise aquatilen Ordnungen, so finden wir darunter einige, die 
ausnahmslos amphibiotisch sind, andere, bei denen nur einzelne 
Formen eine solche Lebensweise führen und andere, bei denen 
auch die Imagines aquatil sind. 



^) Die fälschlich als solche gedeuteten Anhänge sind nichts als ab- 
stehende Pleiiralplatten der Segmente. 



(166) Versanimlung der Sektion für Paläontologie und Abstninmiuigslehre. 



Ausnalimslos ampliibiotisch sind die Ephemeroiden, Sialiden, 
Perlarien und Odonaten, und es wird wohl kaum daran zu zweifeln 
sein, daß ihre als Kiemen funktionierenden Organe echte abdominale 
Extremitäten sind. Ephemeroidenlarven kennt man bereits aus dem 
Perm und es ist sehr bemerkenswert, daß diese noch auf dem 
9. Segmente Kiemen besaßen, während bei jurassischen Formen 
sowie bei den rezenten bereits eine Reduktion zu bemerken ist. 
Diese Befunde zwingen uns wohl, die beiden genannten Gruppen 
(Ephemeriden und Sialiden) als primär amphibiotisch zu betrachten. 
Die gesamte Morphologie leitet uns nun darauf hin, auch diese 
beiden Gruppen als selbständige Seitenäste der Paläodictyopteren 
zu betrachten, so daß wir auf eine amphibiotische Lebensweise 
dieser letzteren schheßen können. 

Daß auch die Perlarien primär amphibiotisch sind, können 
wir wohl aus den mehrgliedrigen (bei Taeniopteryx) koxalen Kiemen- 
anhängen aller drei Thorakalbeine sowie aus der Benützung der 
letzten Abdominalextremitäten (Cerci) zur Atmung schließen. Auch 
diese Gruppe ist wohl ein Derivat der Paläodictyopteren und schon 
im Perm vertreten. Daß auch die Odonatenlarven ursprüngliche 
Wasserbewohner sind, möchte ich nicht bezweifeln, umsomehr, als 
die Larven einer mesozoischen Stammgruppe, Anisosygoptera, ge- 
radeso mit Hilfe der Cerci atmeten wie die der heute lebenden 
Zygopteren, was darauf schließen läßt, daß die heute bei Aniso- 
pteren vorkommende Darmatmung das Sekundäre ist. Ob die 
Vorläufer der Libellen, die Protodonaten, welche von der Trias bis 
zum mittleren Oberkarbon reichen, wo sie durch sehr interessante 
Formen geradezu in Paläodictyopteren übergehen, Larven mit 
äußeren Abdominalkiemen besaßen, wissen wir nicht, aber daß sie 
amphil)iotiscli waren, ist kaum zu bezweifeln. 

Eine fast ausnahmslos amphibiotische Grupi)e sind die Pliry- 
ganoiden oder Köcherjungfern, bei denen aber die larvalen Atmungs- 
organe, soweit man die Sache heute beurteilen kann, nichts Ur- 
sprüngliches sind. 

Letzteres gilt zweifellos auch für die ziemlich zahlreichen im 
Wasser lebenden Larven der Dipteren und für einzelne wasser- 
bcwohnen«le Hynienoptcren- und L(^])i(l()pterenlarven. Für ent- 
schieden ])riniär da^rci^'^cin mul) ich die Larven gewisser echter 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (167) 



Neuropteren halten, welche ganz ähnliche Kiemenextremitäten be- 
sitzen wie jene der Sialiden: Die Sisyriden, welche unter den heute 
lebenden Keuroptereu so ziemlich die tiefste Stelle einnehmen und 
an die ältesten bekannten fossilen Neuropteren erinnern, während 
die oben erwähnten amphibiotischen Dipteren, Lepidopteren und 
Hymenopteren entschieden zu den höher entwickelten Gliedern 
dieser Ordnungen gehören und wenigstens zum Teile gezwungen 
sind, ihren Luftbedarf an der Oberfläche des Wassers zu decken. 

Bei den Hemipteren gibt es keine amphibiotischen Formen, 
dagegen eine Reihe von rein aquatilen. Aber diese müssen sich 
immer ihren Luftv'orrat an der Oberfläche holen, denn sie sind 
offenbar sekundäre Wasserbewohner. Dasselbe gilt für eine Reihe 
von Koleopteren, die im reifen Zustande immer an die Oberfläche 
kommen müssen. Einige Koleopterenlarven freilich bereiten mir 
Sorge, denn sie besitzen abdominale Kiemen, welche jenen der 
oben erwähnten primär amphibiotischen Ephemeriden und Sialiden 
nicht unähnlich sind. Während aber bei jenen auf ontogenetischem 
Wege die Extremitätennatur nachgewiesen wurde, steht ein solcher 
Beweis hier noch aus und ich glaube nicht, daß er je erbracht 
werden wird, denn diese Koleopteren sind keineswegs die tiefst- 
stehenden, sondern relativ hoch spezialisierte Gruppen (Gyriniis etc.). 

Eine Entscheidung in dieser letzteren Frage wäre 
von der allergrößten Bedeutung nicht nur für die In- 
sektenphylogenie, sondern vielleicht für die gesamte 
Entwicklungslehre, und zwar aus folgenden Gründen: 

1. Sind die Kiemen der genannten Koleopteren homolog mit 
jenen der Ephemeriden, Sialiden und Sisyriden, so können wir ent- 
weder dabei bleiben, sie für primäre Organe zu halten oder für 
Neubildungen in ursprünglicher Form. 

Im ersten Falle müßten wir logischerweise die Koleopteren 
von amphibiotischen Vorfahren ableiten und infolgedessen die ge- 
samte heute ziemlich allgemein angenommene Koleopterenphylo- 
geuie, die von rein terrestren Formen ausgeht, über den Haufen 
werfen. Wir müßten dann aber auch annehmen, daß aus den 
hochspezialisierten Ruderfüßen der Gyriniden und aus ihren kom- 
plizierten Fühlern usw. wieder ursprüngliche einfache Formen ent- 
standen seien, wie wir sie bei Canthariden, Carabiden etc. finden, 



(168) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstanmiungslehre. 



daß sicli also die Entwicklung hier in einem gewissen Sinne um- 
gekehrt habe. 

Fassen wir aber den zweiten Fall ins Auge und betrachten 
wir die genannten Kiemen als Neubildungen in ursprünglicher 
Form, so wären sie als glänzendes Argument gegen die Irrever- 
sibilität anzuführen. Das wäre aber nach meiner Ansicht ein Un- 
glück für die Phylogenetik, weil wir mit demselben Rechte bei 
allen anderen Bildungen und Organen behebig häufiges Verschwin- 
den und Wiedererscheinen annehmen könnten. Es würde uns jede 
Richtschnur abhanden kommen, denn bewußt oder unbewußt 
arbeitet die Phylogenetik ja doch schon lange mit der von Dollo 
so glücklich präzisierten Arbeitshypothese, und ich glaube nicht, 
daß es je ein ernster Forscher gewagt hätte, von einem blind- 
gewordenen Höhlenbewohner wieder ein Tier mit gut entwickelten 
normalen Augen abzuleiten oder aus einer fußlosen und kopflosen 
Made eine ephemeroide oder caraboide Larve etc. 

2. Sind die genannten Kiemen der Koleopterenlarven nicht 
homolog mit ursprünglichen Abdoniinalbeinen, so fallen sie in die- 
selbe Kategorie wie die Tracheeukiemen gewisser Dipteren oder 
der Phryganoiden und beweisen uns wohl, daß ein einmal ver- 
loren gegangenes Organ nicht wieder in derselben ursprünglichen 
Weise neu gebildet wird. Und wir hätten wieder ein Glied mehr 
in der Reihe glänzender Belege für die Nichtumkehrbarkeit der 
Evolution. 

Man sieht also, daß die Frage, ob die ursprünglichen Insekten- 
larven amphibiotisch oder terrestrisch waren, von hoher Bedeutung 
ist, ganz abgesehen von dem alten Streite bezüglich der Ableitung 
der Insekten überhaupt. 

Sollte mein hochverehrter Gegner Prof. A. Lameere in Brüssel, 
dessen ritterliche Kampfesweise ihn in einen sehr sym{)athisclien 
Gegensatz zu meinen norddeutschen Gegnern bringt, mit seiner 
Ansicht durchdringen, wonach die Paläodictyopteren terrestrische 
Tiere waren, so müßte man logischerweise noch viel weiter gehen 
und alle larvalen Kiemen^ auch jene der Sialidcn, Sisyriden und 
Ephemeriden, die nachgewiesencrmalien Extremitäten sind, als 
konvcTgente NeiUMwcrbuniicii deuten und — das Gesetz Do 1 los 
wäre begraben. 



Versammlung' der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre (169) 



Ich für meine Person bin fest davon überzeugt, daß sowohl 
die Urinsekten als eine Reihe von ihnen abgeleiteter Formen, wie 
die Protodonaten und Odonaten, die Protephemeroiden und Ephe- 
meriden^ die Megasecopteren, Sialiden, Neuropteren und auch die 
Perlarien, primär amphibiotisch waren, daß sowohl in der Reihe, 
die offenbar von Megasecopteren ausgeht (Panorpaten, Phryganoiden, 
Dipteren, Lepidopteren), und in der Reihe der echten Neuropteren, 
als bei den Protorthopteren, Protoblattoiden und vielleicht noch 
anderen, also heterophyletisch ein Übergang zum reinen Landleben 
stattfand (verbunden mit einem Schwunde oder mit starker Modi- 
fikation der Abdominalextremitäten), daß sich aber später wieder 
manche dieser terrestren Formen dem Wasser zuwandten, jedoch 
nie mehr imstande waren, die ursprünglichen Kiemen neu zu 
bilden. Wohl einwandfreie Belege für diese Ansicht finden wir in 
den Wasserwanzen, die, trotzdem sie schon im Jura „fertig" 
waren, noch immer nicht durch Kiemen atmen; in den Dyti- 
sciden, CuHciden, Stratiomyiden , Tabaniden und vielen anderen 
Formen. 



Gehen wir nun zur Erörterung der dritten Frage über, die 
sich auf die Ernährungsweise der ältesten Insekten bezieht. 

Wir können weder den Mageninhalt noch die Exkremente 
der ausgestorbenen Insekten untersuchen und sind daher auch bei 
dieser Frage auf Rückschlüsse aus der Morphologie auf die Etho- 
logie und auf andere indirekte Methoden angewiesen. 

Man kann die heute lebenden Insektengruppen nach der Art 
der Nahrungsaufnahme in mehrere ziemlich scharf zu unter- 
scheidende Gruppen einteilen, und zwar in solche, welche im- 
stande sind, feste Nahrung zu zerkleinern, in solche, welche nur 
Flüssigkeiten aufnehmen können, und in solche, welche gar nichts 
fressen. Es ist begreiflich, daß sich diese Unterschiede wenigstens 
bis zu einem gewissen Grade in dem Bau der Mundteile aus- 
drücken, daß wir also bei kauenden Formen mehr oder minder 
kräftige und kurze Kiefer, bei saugenden mehr oder minder rtissel- 
artig verlängerte und bei der dritten Kategorie sehr reduzierte 
Kiefer finden werden. Ausnahmen, wie die Saugzangen gewisser 
Larven und andere Details, können hier füghch übergangen werden, 



(170) Versamnilimg- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



denu es wird sich bei fossilen Formen docli in erster Linie um 
die Haupttypen bandeln. 

Scbwieriger wird es sein, zu entscheiden, was die betreffen- 
den Formen gekaut oder gesaug't haben, tierische oder pflanzliche 
Substanzen, denn besonders bei den kauenden Mundteilen ist kaum 
ein durchgreifender morphologischer Unterschied mit der Verschie- 
denheit der Kost verbunden und auch bei den Eüsseln läßt sich 
noch keine strikte Regel aufstellen, wenn man auch im allgemeinen 
sagen kann, daß ein vorstreckbarer, starrer Rüssel, der kräftig, 
aber nicht zu lang ist, eher einem blutsaugenden Tiere angehören 
kann, als ein weicher, sehr langer, oder gar der Unterseite des 
Körpers angeschmiegter. Ich möchte in dieser Hinsicht nur an 
die Saugrüssel der Pßanzenläuse erinnern, im Vergleiche mit jenen 
der Raub- und Wasserwanzen, oder an die Rüssel eines Tahanus 
und Culex einerseits und einer Pangonia oder Nemeskina ander- 
seits, ferner an die Rollrüssel der Lepidopteren, an die weiche 
Zunge der Bienen usw. Dazu kommen aber noch einige weitere 
Schwjerigkciten, welche darin liegen, daß eine und dieselbe Gruppe, 
ja oft Speeles abwechselnd Tier- und Pflanzenkost nimmt und daß 
oft die Jugendstadien sich von ganz anderen Dingen ernäbren als 
die reifen Tiere. Wenn icli es trotzdem versuche, die Nahrung 
alter fossiler Insekten zu ermitteln, bei denen ja hochangepaßte 
typische Mundteile a priori nicht zu erwarten sind, so geschieht es 
nur mit einigem Vorbehalt auf Grund gewisser Eigentümlichkeiten, 
die, wie mir scheint, doch in einem ziemlich konstanten kausalen 
Verhältnisse zur Nahrung der Insekten stehen. Betrachten wir 
z. B. die Hemiptercn, so finden wir fast ausnahmslos, daß mit einer 
räuberischen Lebensweise eine größere Beweglichkeit des Kopfes, 
sei es durch lialsartige Verlängerung desselben oder des Thorax 
und eine gewisse Prognathie zusammenfällt. Sehr häufig finden 
wir auch, daß bei räuberischen Tieren die Vorderbeine ganz be- 
sonders ausgebildet sind und sprechen sogar von Fang- und Raub- 
beinen. Wenn wir weiter Umschau halten in der Insektenwelt, 
so Hchcn wir, daß iilinliche Erscheinungen vielfach wiederkehren, 
ja daß typische Räuber fast immer irgendeines der genannten An- 
zeicluMi oder (h-reii mehrere zugleich besitzen. Jch brauche da 
nur Uli die .Muntiden zu erinnern, an Raubfliegen, an die lang- 



Versammlung der Sektion für PaIäontolo<>ie und Abstammungslehre. 1 ) 

lialsig-en Raphidien, Neuropteren (Mantispa) und viele andere. Man 
vergleiche den Kopf eines Staphyliniden oder Carabiden mit jenem 
einer CJirysomela oder den Kopf einer CarabidenlarvC; einer Ra- 
jMdia-LsiYve oder eines Ameisenlöwen mit dem Kopfe einer Kaupe 
und wird zugeben, daß man bei einiger Vorsicht doch auch unter 
den Insekten Pflanzen- und Fleischfresser wird nach äußeren Merk- 
malen unterscheiden können. 

Nun lassen uns aber gerade bei den Paläodictyopteren fast 
alle diese Anhaltspunkte im Stiche und wir können nur sagen, 
daß bei einigen von diesen Urinsekten kauende Mundteile vorhan- 
den waren, aber keineswegs von eminent räuberischem Typus. 
Auch typische Fang- oder Raubbeine kennen wir nicht; der mäßig- 
große Kopf ist auf breitem Prothorax sitzend angebracht und wir 
könnten uns ohneweiters dazu entschließen, diese Urinsekten für 
phytophag zu halten, wenn nicht bei den rezenten Ephemeriden 
oder Eintagsfliegen einige Momente vorhanden wären, die uns Be- 
denken einflößen müssen. Die Larven der Eintagsfliegen leben 
auch von tierischer Kost und haben trotzdem keine der oben er- 
wähnten Räubermerkmale scharf ausgeprägt und im reifen Zustande 
fressen die Eintagsfliegen gar nichts. Vielleicht führten die Paläo- 
dictyopteren auch ein ähnliches Eintagsleben, vielleicht nahmen sie 
wehrlose, träge oder tote tierische Substanz zu sich, und streng- 
genommen ist es ja nicht zu wundern, daß bei einer so tief stehen- 
den Formengruppe noch keine hohe Spezialisation der vorderen 
Körperregion eingetreten war. 

Viel günstiger stehen bereits die Verhältnisse bei manchen der 
aus Paläodictyopteren abzuleitenden Formen. So finden wir z. B. bei 
den Protodonaten bereits die charakteristischen, nach vorne gerichteten 
bedornten Beine, welche es den Libellen erlauben, im Fluge eine 
Beute zu erhaschen und während des Fluges dem Munde zuzu- 
führen. Bei der Protephemeride dagegen finden wir ebensowenig- 
einen Anhaltspunkt wie bei den Paläodictyopteren und echten 
Ephemeriden. Bei sehr vielen Protorthopterenformen finden wir 
einen sehr stark vorgestreckten, halsartig verlängerten Prothorax, 
dazu manchmal noch einen prognathen Kopf, beides ganz ähnhch 
wie bei den heute lebenden Raphidien oder Kamelhalsfliegen. 
Manche Protorthopteren haben dagegen einen kurzen Prothorax, 



(172) Versaminlimg der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

dafür aber mächtig entwickelte, offenbar zum Fangen einer Beute 
eingerichtete Vorderbeine. Auch bei den Protoblattoiden ist der 
Kopf im Gegensatze zu den echten Blattoiden noch frei und vor- 
streckbar und auch hier finden wir Beine, die offenbar zum Fest- 
halten einer Beute dienten. Bei den Protohemipteren (Eugereon) 
finden wir einen vorgestreckten Kussel und lange Beine. Bei 
Megasecopteren fehlt uns wie bei den Paläodictyopteren ein äußeres 
Zeichen für die karnivore Lebensweise; wir können aber vielleicht 
auch hier auf karnivores Leben schließen, wenn wir einerseits die 
noch auffallende Ephemeridenähnlichkeit und anderseits die karni- 
vore Nachkommenschaft berücksichtigen. 

Aus dem Gesagten scheint mir nun hervorzugehen, daß wir 
jedenfalls berechtigt sind, die Protohemipteren, Protodonaten, Prot- 
orthopteren und Protoblattoiden für Raubtiere zu halten, umso- 
mehr, als die auf tiefster Stufe stehen gebliebenen Nachkommen 
dieser Gruppen noch heute durchwegs räuberisch leben: Odonaten, 
viele Locustoiden, Mantoiden und die tiefstehenden Koleopteren, 
die Wasserwanzen und viele Landwanzen. Daß wir aber auch mit 
großer Wahrscheinlichkeit auf ein räuberisches Leben der Megase- 
copteren, Protephemeriden und selbst der Paläodictyopteren schließen 
können, weil alle direkten Nachkommen dieser Gruppen karnivor 
sind: Perlarien, Sialiden, Raphididen, Neuropteren, Ephemeriden, 
Panorpaten. 

Ich glaube also, daß Lameere kein Recht hat, einem Teile 
der paläozoischen Insekten bereits eine phyto})hagc Lebensweise 
zuzuschreiben. Er meint, es sei unwahrscheinlich, daß zu einer 
Zeit, in der schon viele Landpfianzcn vorhanden waren, die In- 
sekten sich ihrer nicht bemächtigt hätten. Wenn man aber be- 
rücksichtigt, wie die paläozoische Flora beschaffen war, so wird 
man es nicht so unwahrscheinlich finden, denn, was heute auf 
Kosten von Koniferen und Gefäß kryptogamen lebt, ist verschwin- 
dend wenig im Vergleich mit der Masse der auf Angi()si)ermcn 
vorkoMimenden Insekten und - abgesehen vielleicht von (hm Ko- 
leopteren, Ilymenopteren und Lepidopteren — sind es nie tief- 
stehende Formenelemente, die wir auf Gymnospermen und Gefäß- 
kryptogamen finden. Es ist vielleicht nicht ohuo Interesse, hier 
an die von 0. M. Reuter festgestellte Tatsache zu erinnern, 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (l'i^S) 

daß die auf Koniferen lebenden Hemipteren vorwiegend nur zur 
Überwinterung auf Koniferen gehen, sonst aber Angiospermen 
fressen. 

Daß Lameer e einen Wert darauf legt, schon im Paläozoikum 
echte phytophage Insekten zu haben, ist übrigens sehr begreiflich, 
weil er es war, der die Entstehung der Holometabolie geradezu 
auf das Eindringen der Larven in Pflanzengewebe zurückführen 
wollte, und weil er immer dafür eintrat, die Holometabolie, be- 
ziehungsweise das mit starken histolytischen Vorgängen verbundene 
Hinausschieben der Flügelbildung auf das letzte, der Imago un- 
mittelbar vorangehende, ruhende Stadium, sei monophyletisch ent- 
standen. Ein gemeinsamer Vorfahre aller Holometabolen, also der 
Lepidopteren, Dipteren, Phryganoiden, Koleopteren, Hymenopteren, 
Neuropteren, SiaHden, Raphididen, müsse daher phytophag gewesen 
sein und diesen gemeinsamen Vorfahren will er nun in den Mega- 
secopteren erkennen. 

Damit sind wir nun bei der vierten Frage angelangt, bei 
einer Frage, die geradezu der iVngelpunkt der gesamten Insekten- 
phylogenie ist: Sind die Holometabola eine monophyletische 
oder eine polyphyletische Gruppe, eine natürliche oder künst- 
liche? 

Wir werden gut tun, uns der Beantwortung dieser Hauptfrage 
durch Aufstellung mehrerer enger begrenzter Fragen zu nähern. 

1. Ist es aus morphologischen Gründen möglich, alle 
Holometabolen von Megasecopteren abzuleiten? 

2. Waren die Megasecopteren überhaupt schon holo- 
metabol? 

3. Ist es möglich, daß sie, beziehungsweise ihre 
Larven von Landpflanzen lebten oder gar im Inneren von 
Pflanzen? 

4. Spricht überhaupt etwas für eine solche Lebens- 
weise der Vorfahren unserer Holometabolen? 

1. Der Versuch, alle Holometabolengruppen, die ja in morpholo- 
gischer Beziehung so ungeheuer weit divergieren, auf ein gemein- 
sames Urschema zurückzuführen, ergibt naturgemäß einen sehr all- 
gemeinen Typus, der entschieden nicht so hoch spezialisiert gedacht 
sein kann wie die Megasecopteren, denn die allen Holometabolen 



(174) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



gemeinsamen Charaktere sind, abgesehen von der Holometabolie, so 
ziemlich identisch mit den allen Insekten gemeinsamen Merkmalen. 
Lame er e hat es versucht, die Reduktion der Flilgelqueradern als 
für Holometabolen charakteristisch hinzustellen und diese Überein- 
stimmung mit den Megasecopteren besonders hervorgehoben, bei 
denen allerdings auch die Zahl der Queradern eine geringe ist. Er 
hat aber vergessen, daß einerseits unter den holometabolen Neu- 
ropteren und Sialiden viele Formen mit reichlichen Queradern exi- 
stieren und mit einem Geäder, das noch heute ursprünglicher ist, 
als jenes der karbonischen Megasecopteren, und daß anderseits Re- 
duktionen der Queradern in fast allen heterometabolen Gruppen 
vorkommen (Orthopteren, Blattoiden, Ephemeriden, Perliden, He- 
mipteren, Embiden). 

Schon aus flügelmorphologischen Gründen ist es also unmög- 
lich, alle Holometabolen von Megasecopteren abzuleiten. 

2. So lange noch kein Jugendstadium eines Megasecopterons 
bekannt war, konnte ich meinem Gegner nicht ohneweiters das 
Recht absprechen, diesen Insekten eine vollkommene Verwandlung 
zuzuschreiben, obwohl mir schon die immer horizontal ausgebreite- 
ten Flügel und besonders die ungeheuer langen Cerci Bedenken 
einflößten, denn es ist eine Tatsache, daß primär ausgespreizte 
Flügel nur bei Heterometabolen vorkommen, welche auch aus- 
schließlich im Besitze gut entwickelter Cerci sind. Seit ich aber 
unter den Karboninsekten, die mir Prof. Schuchert von der Yale- 
Universität zur Bearbeitung schickte, ein Objekt fand, welches die 
vier Flügelscheiden einer offenbar zu den Megasecopteren gehören- 
den Larve deutlich erkennen läßt und noch dazu in der charak- 
teristischen, ziemlich stark nach den Seiten divergenten Lage, hege 
ich gar keinen Zweifel mehr an der heterometabolen Natur der 
Megasecopteren. 

3. Der gesamte Bau, die Flügelstellung und namentlich die 
langen Cerci machen es höchst wahrscheinlich, daß die Megaseco- 
pteren im Imaginalstadium ähnlich lebten wie die Ephemeriden: es 
waren Schweber, die nicht so gebaut waren, wie jene Masse von 
Insekten, di(; wir als i)hytoi)hag kennen. Und von einem Leben 
im Inneren von lMI;m/cn kann bei Holcluin Formen schon gar niclit 
die Rede sein. Aber auch die Larven waren sicher nicht holz- 



Versammhing der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre, (l'^o) 

bohrend und vermutlich, wie schon früher erwähnt, aquatil, also 
entweder Algen. Detritus- oder Fleischfresser. 

4. Betrachten wir der Reihe nach alle holometabolen Insekten- 
gruppen hinsichtlich ihrer Ernährungsweise, so ergibt sich bezüglich 
der Lepidopteren, die sowohl im reifen als im larvalen Zustande 
fast ausnahmslos von Pflanzen leben, wohl die Phytophagie als 
etwas Primäres, denn alle von tierischen Produkten (Wachs, Haare 
etc.) lebenden Formen sind abgeleitete und schon die ursprüng- 
lichste Gruppe lebt von Moos, beziehungsweise Pollen. Endophagie 
tritt wohl schon bei relativ tiefstehendeu Schmetterlingen auf. wie 
bei den Cossiden, Hepiahden, findet sich aber ganz unabhängig in 
den verschiedensten anderen Pveihen (Tineiden, Sesiiden, Tortri- 
ciden, Xoctuiden, Geometriden usw. ). Die endophagen Larven sind 
immer in bestimmter Richtung spezialisiert und beweisen uns, daß 
die Endophagie bei den Lepidopteren etwas Sekundäres ist. 

Bei den Hymenopteren finden wir schon die tiefststehende 
Gruppe, die Blattwespen, typisch phytophag, aber auch hier sind 
die endophagen Elemente, wie die Sirexe, Cephiden etc. nicht die 
ursprünglichsten, sondern, nach den Larven zu schließen, die frei- 
lebenden Pamphiliden (Lydiden). 

Schwieriger zu beantworten ist die Frage bei den Dipteren, 
wo wir unter den alten Gruppen mit eucephalen Larven solche 
finden, die in der Jugend von Pilzen leben, andere, die von tieri- 
scher Kost und manche, die von Erde, also von faulenden Sub- 
stanzen leben. Auch die reifen Tiere leben entweder vom Blute 
anderer Tiere oder sie fressen gar nichts oder endlich sie lecken 
Pflanzensäfte. Typisch phytophag in dem Sinne, wie z. B. die 
Lepidopteren, also direkt kräuterfresseud, sind nur wenige Dipteren, 
und meistens Vertreter höherer Gruppen, und endophag in Pflanzen 
leben gleichfalls nur solche (Cecidomyiden, Acalypteren etc.). Nach- 
dem die ursprünglichsten Dipteren wohl mic Bibioniden, Myceto- 
philiden und Ptychopteriden nahe verwandt waren, dürfen wir an- 
nehmen, daß sie von faulenden pflanzlichen Substanzen und Pilzen 
lebten und sicher nicht endophag waren. 

Bezüglich der Koleopteren läßt sich sagen, daß die typisch 
pflanzenfressenden Elemente, wie die Chrysomeliden. Cerambyciden, 
Rhynchophoren, Buprestiden, Lymexyliden, Bostrychiden usw., nicht 



(176) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

ZU den primitivsten Formen gehören und daß anderseits viele 
sicher tiefstehende Gruppen eminent karnivor sind^ wie die Ade- 
phagen (fast ausnahmslos), sehr viele Famihen der Staphylini- 
formien, Malacodermaten u. a. Viele Formen sind im Larven- 
zustande und reif gleich gefürchtete Eäuber. Phytophagie und 
namentlich Endophagie sind sicher sekundär und polyphyletisch 
entstanden. Ausschließlich und jedenfalls primär karnivor müssen 
wir die echten Neuropteren, die Raphidioiden und Siliaden 
nennen, ebenso die Panorpaten. Bezüglich der Phryganoiden, 
die im reifen Zustande wohl gar nichts oder höchstens Pflanzen- 
säfte (?) genießen, läßt sich nach der teils phytophagen, vorwiegend 
aber karnivoren Lebensweise der Larven wohl auch vermuten, daß 
die Fleischnahrung die primäre ist. 

Wir sehen also, daß gar kein Anhaltspunkt dafür vorhanden 
ist, die hypothetische Stammform aller Holometabolen für phyto- 
phag, geschweige denn für endo-phytophag zu halten und somit 
wären alle vier Vorfragen in negativem Sinne beantwortet. La- 
me eres Theorie dürfte also als nicht hinlänglich begründet er- 
scheinen. 

Wollten wir aber dennoch an der einstigen Existenz gemein- 
samer Ahnen aller Holometabolen festhalten, so müßten das gerade- 
zu holometabole Paläodictyopteren gewesen sein, und wir würden 
am Ende gar noch gezwungen, die Heterometabolie poly[)hyletisch 
aus der Holometabolie abzuleiten, also das nach Ansicht aller 
Forscher Ursprüngliche von dem Abgeleiteten. 

Wenn wir aber nun auch darüber im Reinen sind, daß di 
Holometabolie nicht monophyletisch durch Endophytophagi 
zustande kam, so bleiben doch noch die Fragen offen: Wann is 
sie entstanden und aus welcher Ursache? 

Das Wann? dürfte nicht allzuschwer zu beantworten sein 
denn wir finden im Paläozoikum keine einzige als solche kennt 
liehe lioloiiietabole Type, in der Trias aber schon echte Käfer un 
Sialidcii und können aus dem Vorkommen bereits höher speziali 
sierter Panor|)aten, Phryganoiden^ Dipteren und Neuropteren i 
LiaH wolil Bcliließen, daß auch diese Ordnungen schon in der Tri 
da waren. Im braunen Jura fanden sicli zweifellose Schmetterling 
und im weißen Jura Ilymenopteren, die aber alle nicht die erste 



Versammlung der Sektion für Paläontologie imd Abstammungslehre, (l'^?) 



Formen der betreifenden Ordnungen gewesen sein können, so daß 
wir auch den Anfang dieser in eine frühere Periode, also minde- 
stens in den Lias verlegen können. Wir werden also nicht irren, 
wenn wir die Entstehung der Holometabolie in die Wendezeit vom 
Altertum zum Mittelalter der Welt und eventuell in den Lias ver- 
legen. Und gerade das ziemlich gleichzeitige Auftreten so ver- 
schiedener holometaboler Typen spricht für eine heterophyletische 
Entstehung derselben aus einem uns vorläufig noch nicht bekannten 
Anlasse. Irgend einen speziellen Anlaß müssen wir aber doch an- 
nehmen, weil es ganz unwahrscheinlich ist, daß die Holometabohe 
einfach das orthogenetische Erreichen einer gewissen Entwicklungs- 
liöhe bedeute. Wie käme es denn, daß nur ein Teil der Formen 
holometabol wurde und das gerade in ganz bestimmten Perioden, 
während die alten heterometabolen Entwicklungsreihen sich neben- 
her bis in unsere Tage weiter erhielten? Es scheint mir daher 
nahezuliegen, wenn wir uns nach äußeren Ursachen umsehen^ die 
nicht an allen Orten, also nicht auf alle Glieder der damahgen 
Fauna gleich einwirkten, und wir werden diese äußeren Ursachen 
vielleicht am leichtesten ermitteln, wenn wir uns vorerst die Frage 
vorlegen: Was ist die Holometabolie? Ist es eine Anpassung an eine 
bestimmte Lebensweise der Larve, wie es manche Autoren meinten, 
oder eine Anpassung an bestimmte klimatische Verhältnisse? 

Daß es keine Anpassung an die Phytophagie ist, sehen wir 
schon daran^ daß auch heterometabol gebliebene Formen typisch 
phytophag geworden sind, wie die Acridier, Phasmoiden, Homo- 
pteren etc. und daß es viele primär karnivore Holometabolen gibt. 
Daß es keine Anpassung an die Endophagie ist, haben wir früher 
gezeigt. Daß es keine Anpassung an das Wasserleben ist, steht 
fest, weil sowohl terrestre als aquatile Formen holometabol ge- 
worden sind, beziehungsweise heterometabol geblieben sind. Eine 
Anpassung an subterranes Leben kann es aus demselben Grunde 
nicht sein, ebensowenig das Resultat des Parasitismus. Wir werden 
also geradezu gezwungen, an einen meteorologischen Faktor zu 
denken, wenn wir uns nicht dem alles leicht erklärenden Vitalismus 
ausliefern wollen. 

Bevor wir aber an die Ermittlung der meteorologischen Ur- 
sache schreiten, erscheint es mir wünschenswert nachzuforschen, 

Z. B. Ges. 60. Bd. m 



(178) Yersammlimg der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



ob .,Klima" überhaupt und in welchem Grade einen wesentlichen 
Einfluß anf das Gepräge einer Fauna auszuüben imstande ist. Und 
dadurch gelange ich zur Besprechung der fünften Frage: Wie 
sind die Riesenformen zu erklären? 

Daß wir in den Tropen und Subtropen nicht durchwegs 
große und auffallende Insektenformen finden, sondern auch unge- 
heuer viele kleine und unscheinbare, ist eine allbekannte Tat- 
sache. Es scheint eben sehr viele Insektengruppen zu geben, die 
überhaupt nicht imstande sind, über eine gewisse Größe hinauszu- 
wachsen. Fselaphiden, Tineiden, Trichopterygier, Chalcididen, Culi- 
ciden, Aphiden, Psociden etc. sind in der Nähe des Eises ebenso 
unscheinbar wie in den äquatorialen Urwäldern, und es gehört 
wohl bei diesen Gruppen die Kleinheit zum Charakter, genau so 
wie andere Merkmale. 

Trotzdem wird das Durchschnittsmaß in tropischen und sub- 
tropisclien Gebieten ein nennenswert größeres sein als in kälter 
gemäßigten und kalten Gebieten, weil jene Gruppen, welche nicht 
zur Kleinheit verurteilt sind^ fast ausnahmslos um so mehr an- 
sehnliche und um so größere Formen entwickeln, je mehr wir uns 
dem Äquator nähern. 

So finden wir die größten oder die überwiegende Zahl der 
großen Arten folgender Gruppen durchwegs in warmen und heißen 
Gebieten: 

Orthoptera: Locustoidea, Acridioidea, Phasmoidea, Mantoidea, 
Blattoidea. 

Odonata: Agrionidae. 

Neuropteroidea: Myrmeleonidac, Ascalaphidae, Psychopsi- 
dac, Sialidae. 

llymenoptera: Apidae {Bomhus nicht! aber Xylocopa etc.), 
Spliegidae, Pompilidac, Scoliidae, Vespidae, Formicidae. 

('olcoptera: Lucanidae, Scarabaeidae, Cetoniidac, Dynaslidac, 
Buj)r(:stidae, FJateridae, Tenebrionidae, Cerambycidac, Ivliynclio- 
]diora etc. 

Lcpidoptera: Bhopaloccra (OrnUhopfcra, Papüio, lIcMia, 
Morjtho, (Udi()o etc.), Saturniidnc , Sphin.i;idae, Noctuidae (Tlnj- 
mria) etc. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie nud Abstammungslehre. (179) 



Hemipteroidea: Pentatomidae, Coreidae, Pyrrhocoridae, Re- 
duviidae, Cryptocerata, Fulgoridae, Cicadidae, Coccidae etc. 

Wem diese Tatsachen nicht genügen, der möge in den kälteren 
Gebieten Umschau nach auffallend großen Insektenformen halten. 
Er wird finden, daß die hier vorkommenden einzelnen ansehnhchen 
Arten noch immer klein sind im Vergleiche zu den tropischen, er 
wird aber auch bemerken, daß es meist ReHkte aus einer wärmeren 
Zeit sind: z. B. Mantis, Saga, Locusta, Lucanus, Saturnia usw. 

Auf Grund dieser Tatsachen glaube ich vollauf berechtigt zu 
sein anzunehmen, daß tropisches oder subtropisches Klima bei den 
Insekten die Entstehung großer üppiger Formen begünstigt, daß 
also jedenfalls ein solches Klima (s. 1.) für die überwiegende Menge 
der Insekten als das günstigste gelten kann. 

Daß riesige Formen heute sowohl in alten Gruppen (Locust., 
Blatt., Odonaten, Fulgoriden etc.) als auch bei den jüngsten auf- 
treten (Acridier, Tagfalter, Lamellicornier etc.), scheint mir doch 
mehr für die Annahme äußerer Faktoren als Ursache, als für eine 
orthogenetische Erklärung der Erscheinung zu sprechen. 

In dieser Ansicht werde ich durch die Ergebnisse meiner 
paläontologischen Studien bestärkt, welche in bezug auf die Größen- 
verhältnisse der Insekten in den einzelnen Perioden ganz verblüffende 
Resultate ergeben haben. 

Die gesamte Insektenfauna des unteren und mittleren Ober- 
karbon, also die älteste, die wir kennen, war eine Riesenfauna, 
denn die durchschnittliche Flügellänge betrug 51 mm, eine Länge, 
welche nur wenige von den heute in unseren Breiten lebenden 
Formen erreichen. Unter etwa 400 Arten dieser Schichten ist nur 
eine einzige, deren Flügel weniger als 10 mm mißt, dafür sind über 20 
bekannt, welche mehr wie 100 mm und sogar 6, die über 200 mm 
und 3, die über 300 mm lange Flügel haben, eine Länge, welche 
in keiner späteren Periode mehr erreicht wurde. Man könnte nun 
sagen, das seien auf orthogenetischem Wege rasch emporgewachsene 
Formen, Endglieder, wie z. B. die Dinosaurier und andere Tiere. 

Die Untersuchung zeigt aber, daß dies nicht der Fall ist, 
denn gerade diese großen Formen bilden den Ausgangspunkt für 
alle Entwicklungsreihen, die sich ja bis heute erhalten und ins 
Unglaubliche vermehrt haben. 

m* 



(180) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 

Daß die bedeutende Größe nicht an diese eine Periode und 
nicht an die systematische Kategorie gebunden ist, sondern ab- und 
wieder zunimmt, könuen wir dann sehr gut bei manchen Gruppen 
weiter verfolgen: schon die Fauna des oberen Oberkarbon ist eine 
viel weniger ansehnliche uud erreicht nur mehr eine durchschnitt- 
liche Flügellänge von 20 mm (gegen 51 mm im mittleren Ober- 
karbon). Keine einzige Form erreicht mehr als 60 mm Flügellänge 
und fast ein Viertel bleibt unter 10 mm. 

Im Perm sinkt das Durchschnittsmaß bereits auf 17 mm. 

Aus der Trias ist zu wenig bekannt, um ähnliche Berechnun- 
gen mit Erfolg anstellen zu können, doch glaube ich aus einzelnen 
Formen schließen zu können^ daß kaum eine wesentliche Abnahme 
zu bemerken sein wird. 

Dagegen finden wir im Lias eine Reduktion auf 11 mm durch- 
schnittliche Flügellänge, im oberen Jura aber wieder ein Ansteigen 
auf 22 mm.i) 

Besonders instruktiv wird der Vergleich einzelner Verwandt- 
schaftsgruppen, wie z. B. der Blattoiden, die von 32 mm im mitt- 
leren Oberkarbon auf 19 im oberen, 17 im Perm, 20 in der Trias 
und 10 im Lias sinken, oder der Protorthopteren + Orthopteren 
mit 44, bezw. 38, 12, 12 und wieder 31 mm im oberen Jura; oder 
der Protodonaten mit 183 im mittleren und 60 im oberen Ober- 
karbon, 90 im Perm und Trias, der Odonaten mit 39 im Lias und 
56 im oberen Jura, der Koleopteren mit 9 in der Trias, 6 im Lias 
und 12 im oberen Jura, der Neuropteren mit 14 im Lias und 43 mm 
im oberen Jura usw. 

Diese Zahlen sind um so bemerkenswerter, als es sich fast 
durchwegs um Fundorte handelt, die heute in der gemäßigten Zone 
der nördlichen Hemisphäre liegen und als vielfach dieselben Genera 
von einer Formation zur anderen grr)ßere oder kleinere Arten auf- 
weisen. So sind z. B. die Klcana-kviQn des Malm fast alle (l()p])elt 
80 groß als jene des Lias usw. 



') Obwolil iii:i)icli(i (inippcii, wie, Dipteren etc., die oHoiilcir iiiclil ini- 
HtunHc hiiid j^n»l'i zu werden, im .Iiiim und Li;iH f";ist ^ieicli ^roll .sind. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (181) 



Durchschnittliche Länge eines Vorderflügels.^) 





littleres 
bon 


rkarbon 










Mittel- 


Tropi- 
ien 






a> 










Ol 






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2 








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O 


o 


Palaeodictyoptera (Ur-Insekteii) . 


67 


50 


7 












Protorthoptera, Orthoptera, Per- 


















laria (Geradflügler etc.) .... 


44 


38 


12 


12. 


12 


31 


14 


30 


Protoblattoidea (ür-Scbaben) , , 


33 


12 


18 












Blattoidea (Schaben) 


32 


19 


17 


20 


10 


12 


7 


lO 


Coleoptera (Käfer) 






— 


9 


6 


12 


4 


(10) 


Hymenoptera (Hautflügler) .... 






— 


— 


— 


35 





(10) 


Protodonata et Odonata (Libellen) 


183 


60 


90 


90 


39 


56 


31 


43 


Megaloptera et Neuroptera (Netz- 


























15 


14 


43 


10 


48 


Megasecoptern et Panorpatae 




















47 


?40 


15 




10 


13 


9 


20 


Phryganoidea (Köcherjungfern) . 










5 


13 


7 


14 


Diptera (Zweiflügler) 










6 


6 


4 


(6) 


Lepidoptera (Schmetterlinge) . . 










?6 


40 


11 


(20) 


Hemipteroidea (Schuabelkerfe) . 






36 




7 


12 


4 


11 


Alle Insekten zusammen • • • | 


51 


20 


17 


14 


11 


22 


7 


(16) 



Nach diesen Erfahrungen bleibt mir absohit nichts anderes 
übrig, als an Schwankungen der äußeren Bedingungen zu denken, 
also an ein Abwechseln günstigerer und weniger günstiger Zeiten 
für die Insekten. Man vergleiche in meiner Tabelle die Spalten 
5 und 7 mit 6 und 8 ! 



^) Bei der Berechnung der Durchschnittsmaße wurden sämtliche fossilen 
Arten berücksichtigt. Bei den rezenten wurden alle Arten nur berücksichtigt, 
wenn die Gruppe nicht allzu umfangreich ist (Blattoidea, Neuropterea, Phry- 
ganoidea etc.)-, bei den formenreichen Ordnungen wurde innerhalb einer 
Gruppe stets nach gleichem Prinzipe vorgegangen, aber als Basis je nach 
dem Umfange der Gruppe jede 3.— 10. Art berücksichtigt. Nur bei jenen 
Zahlen, welche in () stehen, mußte eine mehr oberflächliche Schätzung vor- 
genommen werden, weil gegenwärtig noch keine zu exakten Zählungen ge- 
eigneten Faunenwerke vorliegen. Von den Maßen der fossüen Insekten be- 
ruhen die triasischen erst auf einem geringen Materiale, so daß sie vorläufig 
mit Reserve aufzunehmen sind. 



(182) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Was uns die Paläontologie in bezug auf andere Tiergruppen 
diesbeziiglieh lehrt, fühle ich mich nicht berufen, eingehend zu er- 
örtern, doch möchte ich auch hier einige wenige Momente an- 
führen, die mir besonders bemerkenswert erscheinen. 

Die größten fossilen Protozoen, die bekannten Nummuliten, 
finden sich auch fossil hauptsächlich in südlichen Gegenden; die 
wenigen noch heute lebenden Reste dieser Gruppe sind tropisch. 
Im oberen Jura finden sich auffallend große Medusen. Von Dino- 
sauriern findet man in der Trias große Formen, im Lias sind sie 
spärlich, im oberen Jura sehr groß und reichlich vorhanden. Die 
Pterosaurier erreichen im oberen Mesozoikum (Jura und Kreide) ihre 
bedeutende Größe. Riflfkorallen, die bekanntlich heute nur in 
warmen Meeren existieren, finden sich in unseren Breiten im Kar- 
bon, fehlen im Perm, sind in der Trias wieder reich vertreten, im 
Lias aber nur mehr in den untersten Schichten zu finden; im oberen 
Lias fehlen sie, treten aber im oberen Jura wieder besonders reich 
auf. In der unteren Kreide sind sie wieder selten, in der mitt- 
leren reichlich entwickelt, ebenso im Alttertiär. Im Jungtertiär 
treten sie zurück und finden sich im Pliozän nur mehr im Süden. 

Daß aber auch bei vielen anderen jetzt lebenden Tiergruppen 
die größten Spezies oder die Mehrzahl der großen ähnlich wie bei 
Insekten an die wärmeren Gebiete gebunden sind, scheint mir 
festzustehen. Ich erinnere nur an die Myriopoden, Arachniden, 
Crustaceen, Cephalopoden, Muscheln, Schnecken, namentlich an die 
Landscimecken mit den riesigen südamerikanischen Ampullarien 
und Glandinen, den asiatischen Nanina-, den australischen Fanda- 
und den afrikanischen Ächatina- Arten ^ an die Re})tilien (Iguaniden, 
Varaniden, Riesenschildkröten, Boa, Python, Krokodile etc.). Auch 
bei Amphibien scheint die Sache im allgemeinen noch zu stimmen, 
bei Vögeln wohl nur teilweise (Strauße, Albatros, Kasuare etc.). 
Doch mag hier, ähnlich wie bei Fischen, die Wanderung das Bild 
cinigerniaßeu verwischen. Am wenigsten läßt sich diese Krschci- 
nun;^ vielleicht bei Sängern heute festhalten, weil zwei Gruppen, 
welclie riesige Formen enthalten, gerade recht weit vom Äcjuator 
abgerückt sind (Cctaceen und Pinnipcdier). 

Ob einzelne AuHnalinisfillle nicht auf aberrante Lebensweise 
und daher aberrantes Lxistenzoptiniuni oder auf ein Entstcheu der 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (183) 

betreffenden großen Formen in einer klimatisch günstigeren Zeit 
zm-ückziiführen sein werden, wird sich wohl zeigen. Vielleicht 
verhalten sich marine Tiere überhaupt etwas anders als terrestre. 



Wenn wir uns nun auf die Basis stellen, daß das 
Klima (s. 1.) in einer gewissen Wechselbeziehung zur 
Größe der Tierformen und speziell der Insekten steht, so 
müssen wir annehmen, daß es sich gegen Ende des Pa- 
läozoikums und im Lias wesentlich verschlechterte, also 
gerade in jenen Zeiten, in welchen die Holometabolie 
entstanden sein kann. Für die Existenz dieser Schwankungen 
sprechen ja auch viele andere Momente: die Eiszeitspuren gegen 
Ende des Paläozoikums, die Wüstenbildungen in der Permzeit, das 
Auftreten von Jahresringen in den Koniferenstämmen am Ende der 
Karbonzeit^ das Verschwinden der riesigen Equisetaceen am Ende 
der Trias usw. 

Besonders wichtig erscheint mir jedoch der Umstand, daß sich 
solche Änderungen des Klimas (im weiteren Sinne) nie auf die 
gesamte Erdoberfläche erstreckten, daß sie also ihren Einfluß immer 
nur auf einen Teil der Fauna und Flora ausüben konnten, denn 
auf diese Weise erklärt es sich zwanglos, daß nicht alle Insekten 
am Ende des Paläozoikums holometabol geworden sind. 

Inwiefern nun eine Verschlechterung des Klimas geeignet 
sein konnte, die Holometabolie zuwege zu bringen, scheint mir 
nicht schwer verständlich, wenn man bedenkt, daß die Holometa- 
bolie eigentlich doch nichts anderes ist als ein Hinausschieben der 
Entwicklung definitiver, für die Larve entbehrlicher Organe in die 
Zeit nach Aufnahme des nötigen Nahrungsquantums, also eine An- 
passung an eine relativ kurze Fraßperiode oder mit anderen Worten 
eine Anpassung an Vegetationsperioden, beziehungsweise Jahres- 
zeiten. Dabei erscheint es mir vorerst ziemlich irrelevant, ob es 
sich um Kälte- oder Trockenheitsperioden handelte. 

Daß manche Momente für eine solche x^nnahme sprechen, 
habe ich schon in meinen „Foss. Ins." betont und darauf hinge- 
wiesen, wie verschieden sich im ganzen die Holometabolen und 
Heterometabolen in bezng auf Thermophilie verhalten. Man kann 



(184) Versamraluiig der Sektion für Paläontologie und Abstauiinungslehre. 



aber diese Verhältnisse noch g-reller beleuchten, wenn man nur 
die ältesten und ursprünglichsten Gruppen der Holometabolen ins 
Auge faßt, die ja hier in erster Linie maßgebend sind, weil es für 
die Ermittlung der Ursache irrelevant ist, welchen Lebensbedin- 
gungen sich die höher spezialisierten Nachkommen der ursprünglich 
holometabol gewordenen Insekten später angepaßt haben. 

Fassen wir die Sache so an, so ergibt sich für die fünf oder 
sechs Reihen, die nach meiner Ansicht selbständig holometabol 
geworden sind, eine Anzahl bemerkenswerter Tatsachen: 

1. Die Gattung Sialis (Megaloptera) fehlt in den Tropen und 
kommt nur in der paläarktischen und nearktischen Region und in 
Chile vor. 

2. Die Raphidioiden sind ausschUeßHch paläarktisch und ne- 
arktisch. 

3. Von den echten Neuropteren ist eine der ursprünglichsten 
Gruppen, die Sisyriden, rein paläarktisch und nearktisch und auch 
die Hemerobiiden leben noch überwiegend in gemäßigtem Klima. 

4. Von den Panorpaten leben nur wenige Arten und nicht 
die primitivsten in den Tropen, alle anderen in kälteren und ge- 
mäßigten Ländern. Unter den aus Panorpaten abzuleitenden Ord- 
nungen sind die Phryganoiden ihrer großen Masse nach nicht 
thermophil, sondern vorwiegend in kälteren und gemäßigten Ge- 
genden zuhause. Unter den Dipteren sind die tropischen Formen 
bei den höheren Gruppen (Asiliden, Bombyliiden, Tabauiden, 
Nemestriniden, Acroccriden^ Midasiden, Apioceridcn, Acalyptcren, 
Syrphiden etc.) unvergleichlich zahlreicher als unter den tiefstehen- 
deu Nematoceren und besonders Eucephalen (Bibioniden, Mycto- 
])hiliden etc.). — Die primitivste Lepidoptereiigruppe (Eriocepha- 
liden) kommt in Europa, Nordamerika und Neuseeland vor. 

5. Die ursprünglichsten Ilymcnoptercn, die Familie der Ten- 
thrcdinideii, sind nur durch relativ sehr wenige Elemente und 
durch ausnahmslos hr)her spezialisierte Typen in den Tropen ver- 
treten, während die große Masse der 151attwespcn in kälteren Ge- 
bieten lebt; Hpezicli die am tiefsten stehenden Lydiden fehlen in 
den 'J'ropen wolil f^^änzlich. Dage^^cn sind viele hochentwickelte 
Hynieiiopt('r(Mi-(;ni|)j)('n wie die Spiiegiden, Scoliiden, Mutilliden, 
Apiden, I "ornii(ti(lcii in den 'JVopen reich entwickelt. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (185) 

6. Aucli bezüglich der Koleopteren läßt sich nachweisen, daß 
von den tiefstehendeu Carabiden (also abgesehen von Cicindehden) 
relativ viel mehr Formen in kälteren Ländern zu finden sind als 
z. B. von den hochspezialisierten Longicorniern, LamelHcorniern, 
Tenebrioniden und Rhynchophoren. 



Wenn ich diese Tatsachen noch damit zusammenhalte, daß 
bei sehr vielen dieser tiefstehenden Holometabolen die vollgefressene 
Larve längere Zeit und sehr oft über den Winter liegt, bevor sie 
sich verpuppt,^) daß ferner fast allgemein die Ausbildung der 
definitiven Organe in die Zeit des Futtermangels fällt, so glaube 
ich doch vollauf berechtigt zu sein, die Ursache der Holometabolie 
in dem Wechsel nahrungsreicher und nahrungsarmer Jahreszeiten zu 
suchen. 



Diskussion über Riesenwuchs. 

Dr. 0. Forsch meint, daß für den Riesenwuchs zwei Momente 
in betracht kämen: 

1. Die Ruhe der Entwicklung, 

2. die Ernährungsweise. 

Prof. Dr. 0. Abel legt die Verhältnisse bei Wirbeltieren dar. 
In dieser Klasse zeigen sich folgende Erscheinungen: 

1. Die ältesten Formen sind ganz klein, wir treffen dies in 
allen Gruppen (Fische, Stegocephalen, Amphibien, Reptilien, Säuge- 
tiere) mit Ausnahme der Vögel. 

^) Leider sind verläßliche Angaben über die Verteünng der einzelnen 
Entwicklungszustände auf die Jahreszeiten nirgends in größerem Maße zu- 
sammengefaßt. Es fällt mir aber auf, daß doch bei den Holometabolen das 
Überwintern unvergleichlich häufiger im reifen Larven- oder Puppenstadium 
erfolgt als bei den Heterometabolen. Die meisten landbewohnenden ürtho- 
pteroiden überwintern im Eizustande, die amphibiotischen tieterometabolen 
dagegen als Larven. Die Ph}'sopoden haben mehrere Generationen und über- 
wintern als Imago, die Hemipteren entweder als Imago oder im Ei. Dagegen 
überwintern fast alle Tenthrediniden als reife, eingesponnene Larve oder 
Puppe, ebenso die Sialiden, Panorpaten, Hemerobiden, viele Käfer, Dipteren, 
Lepidopteren usw. Genaue Statistik wäre eine enorme Geduldarbeit, aber 
sehr lehrreich. 



( 186) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



2. Die Größenzunahme erfolgt ziemlich konstant. 

3. Die größten Formen sind (falls keine spezielle Degeneration 
[Insularformen] eingetreten ist) am Ende der Stammesreihe anzu- 
treffen, z. B. die Proboscidier, Cetaceen, Perissodactylen, 
insbesondere die Nashörner, Pferde usw. Dazu kommt noch, 
daß hier die Riesenformen typisch arktisch sind: Elasmotlie- 
riiim, Mammuth, Riesenhirsch, Höhlenbär, Elch, Grönlands- 
wal, Walroß, Stellersche Seekuh usw. 

4. Die Zeit des Auftretens der Riesenformen scheint für viele 
Gruppen das Quartär zu sein. Riesenformen treten im Phstozän in 
folgenden Gruppen auf: Cetaceen, Sirenen, Xenarthra Südamerikas; 
Aves (flugunfähige Riesenvögel); Marsupialia (Diprotodon, Thyla- 
coleo, Notothermm)] Nashörner (Elasmotherium) u. s. f. 

Etliche Stämme zeigen aber schon viel früher Riesenwuchs: 
TitanotJierium, Arsinoitheritim und eine Reihe von Ungu- 
laten erreichen schon im Tertiär das Maximum der Körpergröße 
und verschwinden dann. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die 
Säugetiere den Höhepunkt ihrer Entwicklung und ihre Blütezeit 
schon überschritten haben; nur wenige Gruppen sind noch heute 
in Blüte (Chiroptera, Rodentia, Artiodactyla, Odontoceti, Simiae). 
Der Höhepunkt der phylogenetischen Entwicklung der verschiedenen 
Stämme ist durch das Auftreten von Riesenformen gekennzeichnet. 

Eine ähnliche Ausbildung riesiger Körperdimensionen am Ende 
der Entwicklung einer Reihe treffen wir auch bei den Reptilien: 
z. B. Ichthyosauria, Plesiosauria, Py thonomorpha, ver- 
schiedene Stämme der Dinosauria. Ferner Stegocephalen: 
Maslodonsaurus. Ähnlich ist es unter gewissen Evertcbraten. Die 
Riesenkrebse des Paläozoikums nehmen konstant an Größe zu 
und verschwinden dann; bei Trilobiten und Ammoniten sehen 
wir dassell)e, und zwar liegen auch hier die Riesen formen 
stets am Ende der Stammesreihen. 

Dr. Neresheimer meint, daß unter den Wirbellosen die 
gnißten Formen im Meere, und zwar in der 'J'iefsee sind: Asseln, 
Pantopodcn, Actinien, Kral)ben, Appendicularicn ; dabei ist zu be- 
denken, daß die Wassertemperatur in der Tiefe 0" oder geringer 
ist. Bei Fischen finden wir in vielen (irii[)pen eine Gröüenzunalinic 
der Arten; nWigiicli, daß dies mit der Größenzunalime des verfüg- 



Versarainlimg der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (1 87) 



baren Raumes zusammenhängt. Semper hat diesbezüglich Ex- 
perimente angestellt und gefunden, daß in den größten Aquarien 
auch das Wachstum am größten war. 

Prof. Dr. 0. Abel weist auf die Tatsache hin, daß jeder Bach 
eine bestimmte Maximalgrenze für die darin lebenden Forellen hat, 
und erwähnt noch die Degeneration insularer Säuger (Elefanten der 
Mittelmeerinseln, Hirsche, Pferde, Flußpferde) im Gegensatz zu dem 
Riesenwuchs der Vögel unter gleichen (insularen) Verhältnissen. 

Nachdem noch Herr Fr. Maidl und Kustos A. Handlirsch 
zu dieser Frage das Wort ergriffen haben, wird die Diskussion ge- 
schlossen. 



Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 14. Januar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Prof Dr. Theodor Pin tn er referierte über neuere Lite- 
ratur. Der Vortragende gibt eine Übersicht über die als „Stäbchen" 
(Hyaloide, Graff) bezeichneten Bildungen des Integuments der 
Turbellarien und berichtet über die Arbeiten von C. H. Martin 
(1908), denen zufolge die Nematocysten der Strudelwürmer mit den 
Nesselkapseln der ihnen als Futter dienenden Cnidarier identisch 
sind, genau so wie das von denen der Äolididen seit längerem 
bekannt ist und neuerlich bestätigt wurde (Cuenot). Zum Schlüsse 
berichtet der Vortragende über die Symbiose von Algen bei Acoelen 
nach den Arbeiten von Gamble und Keeble (1907 — 1908). 

Hierauf sprach Herr Dr. Franz Werner über Poly embryonie 
bei Gürteltieren (Takisia). 



Versammlung am 11. Februar 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Nach einigen einleitenden Worten von selten des Herrn Prof. 
Dr. Lorenz v, Liburnau betreffs seiner im Erscheinen begriffenen 



(188) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Arbeit über die ersten Ankunftszeiten verschiedener einheimischer 
Zugvögel im Frühling der Jahre 1897 — 1903^) sprach Herr Dr. 
A. Defant: 

Über den Einfluß des Wetters auf die Ankunftszeiten der 
Zugvögel im Frühling. 

Als Beobachtungsmaterial für die ganze Untersuchung dienten 
die tabellarischen Zusammenfassungen der Beobachtungen über die 
ersten Ankunftszeiten verschiedener Zugvögel im Frühling der 
Jahre 1897—1903, die von Prof. Dr. L. v. Lorenz und Dr. M. 
Sassi für die vom Vorredner dargelegten Untersuchungen bereits 
fertiggestellt waren. Bei der Bearbeitung des Beobachtungsmaterials 
an der Hand der Wetterkarten verdienen zwei Punkte besonders 
hervorgehoben zu werden. Als Gebiet, dessen Witterungsverhält- 
nisse man mit den Ankunftsdaten der Zugvögel verglich, wurde 
nicht das Beobachtungsgebiet der Zugvögel, das Gebiet der ornitho- 
logischen Stationen genommen, sondern jenes Gebiet, das die Zug- 
vögel vor dem Erreichen der meldenden Stationen durchfliegen 
mußten; ausschlaggebend dafür war die Ansicht, daß der Vogel in 
seinem Fluge nach Norden nur vom tatsächhchen, augenbhcklich 
hervorgehenden Wetter beeinflußt wird, also vom Wetter der 
durchflogenen Gebiete und nicht vom Wetter jener Gebiete, 
die er eben erreicht hat. 

Zur Bestimmung der Witterungsverhältnisse wurden stets die 
Wetterkarten benützt und hierin vornehmlich die Luftdruckvertei- 
lung der durchflogenen Gebiete ins Auge gefaßt. Ausschlaggebend für 
diesen Gedanken war die meteorologische Tatsache, daß durch die 
Luftdruckverteilung eine ganze Reihe anderer meteorologischer Fak- 
toren in bestimmter Gruppicruni;- gegeben erscheint, daß also durch 
die Luftdruckvertciking nicht bloß ein meteorologischer Faktor be- 
rücksichtigt wird, sondern eine ganze Gruppe derselben. 

Da eine Bearbeitung und Darlegung des ganzen Beobachtungs- 
niatcrials zu unifangreicii geworden wäre, wurden bloß die Beob- 
achtuiigsdaten zweier Bepräsentanlen jener Gruppe von Vögel, die 
friiiizciliir iiirc lUiise iiacJi Norden antreten, und zwei Uepräscn- 



») „SclIwalbe^ 1010, iiiod. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(189) 



tanten einer zweiten Gruppe von Zugvögel, die spät ihren Frithlings- 
zug antreten, genauer und eingehender untersucht. Die Repräsen- 
tanten der ersten Gruppe waren Feldlerche und Star, jene der 
zweiten Rauchschwalbe und Kuckuck. Bestimmend für die Wahl 
dieser Zugvögel war die Anzahl der vorliegenden Meldungen: das 
Arbeiten mit großen Zahlen ist angenehmer und sicherer als mit 
wenigen und deshalb von Zufälligkeiten mehr abhängigen Werten. 

Eine genaue Darlegung der ganzen Untersuchungsmethode 
ist hier unmöglich und wird anderswo mit großer Ausführlichkeit 
mitgeteilt werden; hier mögen nur die wichtigsten Resultate in 
gedrängter Kürze Platz finden. Das Hauptergebnis, das aus den 
Untersuchungen direkt folgt, ist, daß die Vögel sich stets für ihren 
Frühlingszug schönes, ruhiges, wärmeres Wetter aussuchen; die 
Gebiete, die sie durchfliegen, müssen sich ganz besonders eines 
solchen Wetters erfreuen, damit sie ihren Zug ungehindert fort- 
setzen können. Bei Berücksichtigung der Druck Verteilung ergab 
sich, daß zur Zeit des kräftigsten Zuges hoher Druck fast 
immer den Südosten oder Osten Europas inne hat und 
niedriger Druck immer westlich bis nordwestlich davon liegen 
mußte. Die Bedingung eines hohen Druckes im Südosten bis Osten 
bedingt aber stets schönes ruhiges Wetter für den Balkan, Griechen- 
land und Süditalien, also gerade für jene Gegenden, in denen der 
Vogelzug im Frühling fällt. 

Eine zweite, nicht minder wichtige, mit der ersten vielleicht 
innig verknüpfte Bedingung für eine rasche Abwicklung des 
Frühlingszuges der Vögel war ein von Osten nach Westen ge- 
richteter Druckgradient. Der Einfluß desselben zeigte sich bei 
allen betrachteten Arten in fast gleicher Weise; namenthch bei 
Star und Feldlerche, die den Zug nach Norden frühzeitig antreten, 
war dieser Einfluß des Gradienten besonders stark, so daß man 
aus dem Zusammenhang zwischen Druckgradient und Ankunfts- 
daten folgern konnte, daß der Zug nur bei stärkeren südöstKchen 
Winden, die dieser Druckgradient erzeugt, sich fortentwickeln kann. 
Auch beim Kuckuck war dieser Einfluß noch stark bemerkbar, 
während er sich gerade bei der Schwalbe etwas weniger gut aus- 
drückt. Nun ist die Schwalbe als einer der besten Flieger bekannt, 
so daß wir hiedurch auf den Gedanken geführt werden, ob nicht 



(190) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



die Vögel zu ihrem Zuge nach Norden sich der günstigen südöstlichen 
Winde bedienen und ob nicht gerade die Entwicklung des Zuges 
nur bei südöstlichen Winden besonders gut sich gestaltet. 

Man kommt dadurch in Berührung mit der vielbesprochenen 
Frage, ob der Flug der Vögel mit oder gegen den Wind vor sich 
geht. Durch obige Untersuchung können wir uns ganz sicher der 
Ansicht zuwenden, daß die Vögel nur mit dem Winde ihren Früh- 
jahrszug ausführen; sie benötigen direkt der südlichen Winde, um 
den weiten Weg von Griechenland bis in unsere Gegenden so rasch 
als möglich zurückzulegen. Die Nordwinde hemmen den Zug der 
Vögel, lassen aber erst dadurch den Vogelzug in lebhaftere Er- 
scheinung treten. Beide Windrichtungen, die Südwinde wie die 
Nordwinde, spielen so beim Frühlingszug der Vögel eine ausge- 
zeichnete Rolle: südliche Luftströmungen begünstigen in auffallen- 
der Weise den Flug der Vögel auf ihrer Wanderschaft nach Norden; 
nördliche Winde führen Hemmungen und Stauungen des Vogel- 
zuges herbei und lassen erst dadurch den Zug zu einer auffälligen 
Erscheinung werden. 



Versammlung am 11. März 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dr. Bruno Wahl hielt einen Vortrag: 
Über Turbcllaricn. 

Der Vortragende gibt zunächst einen kurzen Bericht über 
gewisse Veränderungen, welche das System der Turbellarien in 
letzterer Zeit (insbesonders durch L. v. Graffs l^earbeitung der 
lurhcllarien in Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreiches) 
erfahren hat. 

Vor allem muß an Graffs neuem System auffallen, daß die 
Acoela allen übrigen 'J'urbellarien, die als Coelata zusammen- 
gefaßt werden, gegenübergestellt werden und will Graff damit 
ausdrucken, daß er die „Acoclic" der Acoela als einen ursprüng- 
lichen, priniiircn Charakter auffasse, aus dem sich erst S])äter der 
lunienliältige Darm der übrigen Turbcllaricn entwickelt habe. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(191) 



Die niedrigste Entwicklung zeige das Parenchym von Proporus 
und Otocelis, wo der ganze Leibesraum gleichmäßig von einer Plasma- 
masse erfüllt ist ohne Balken und Platten, nur stellenweise netz- 
artig oder schaumig und mit Freßzellen im zentralen und peripheren 
Teile, w^elche Freßzellen unregelmäßige Fortsätze haben und den 
Anschein erwecken, daß sie das ganze Parenchym frei durchwan- 
dern könnten. 

Bei AmpJiiscolops cinereus sehen wir einen vorgeschritteneren 
Entwicklungsgrad, die Mittelpartien werden von einem schaumigen 
Parenchym erfüllt mit zahlreichen Freßzellen^ aber ohne gröbere 
Balken oder Platten, wogegen die Hauptmasse des Parenchyms, 
durch dichtere Muskelmassen teilweise vom ersteren abgegrenzt, 
nur wenig Freßzellen enthält, aber ein echtes Reticulum aus Balken 
und Platten aufweist. 

Den vorgeschrittensten Grad stelle Convoluta convoluta dar, 
deren Binnenparenchym ein Syncytium ohne Zellgrenzen und ohne 
eine bestimmte äußere Umgrenzung ist; dessen Kontur lediglich 
von der Gestalt der umgebenden Gewebe abhängt und in den seit- 
lichen Partien auch noch von dorsoventralen Muskeln durchsetzt 
wird. Das periphere Parenchym aber ist ein Bindegewebe, welches 
den Anschein eines spongiösen Gewebes erweckt und der Freß- 
zellen entbehrt. 

Die Ansicht Graffs, daß sich die Darmverhältnisse der cölaten 
Turbellarien aus der Acölie der Acölen entwickelt habe, soll ihre 
Stütze darin finden, daß bei keinem acölen Turbellar bisher eine 
Coelogastrula mit Sicherheit konstatiert werden konnte, und daß 
sogar bei den cölaten Turbellarien in der Entwicklung dem Auf- 
treten des Darmes ein Stadium vorherzugehen scheine, welches der 
Scheidung von Ento- und Mesoderm entbehre. 

Neueren Datums ist auch die Einteilung, welche v. Gr äff für 
die Rhabdocoela (s. str.) trifft; außer der Beschaffenheit der Ge- 
schlechtsdrüsen wird hiebei unter anderem auch der Bau des 
Pharynx in betracht gezogen, um die bezüglichen FamiUen in 
Gruppen zusammenzufassen. Graff hat für den Pharynx gewisse 
Typen aufgestellt; während sich die Unterschiede zwischen Pharynx 
Simplex, bulbosus und plicatus gut charakterisieren lassen, ist es 



(192) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



nicht leiclit möglich^ fiir die Unterschiede der einzelnen Abarten 
des Ph. bulbosus eine allgemein giltige Beschreibung zu geben. 

Der Pharynx der Turbellarien stellt im einfachsten Falle eine 
Einstülpung des Körperintegumentes dar, bestehend aus Epithel, 
Ring- und Längsmuskeln. Es kann weiterhin eine Schichtenum- 
drehung der Muskulatur im Bereiche des Pharynx statthaben, es 
können sich außen Pharynxdrüsen anheften und zwischen diesen 
radiär verlaufende Muskeln. Ein derartig beschaffener Pharynx 
heißt Pharynx simplex. Dementgegen ist der Ph. compositus ent- 
weder ein zwiebelartig verdickter Bulbus oder eine Ringfalte, deren 
Binnenraum von radiären, zwischen der äußeren und inneren Wand 
ausgespannten Muskelfasern durchsetzt wird und mit dem freien, 
distalen Ende sich als Ringwulst aus dem Grunde einer Pharyngeal- 
tasche erhebt. Die erste Hauptform des Ph. compositus ist der Ph. 
bulbosus, dessen Binnenraum durch ein Muskelseptum vom Mesen- 
chym des Körpers abgegrenzt ist. Bei der zweiten Hauptform des 
Ph. compositus^ nämlich beim Ph. plicatus aber kommuniziert der 
Binnenraum der Pharyngealfalte offen mit dem Mesenchym des 
Körpers. 

Nicht so strikt läßt sich die Unterscheidung der drei Abarten 
des Ph. bulbosus ausdrücken, nämlich des Ph. rosulatus, doliiformis 
und variabilis. Wenn z. B. v. Graff zur Unterscheidung anführt, daß 
die Muskelschichten des Ph. variabiHs meist eine umgekehrte 
Reihenfolge zeigen als die Muskulatur des Ph. doliiformis oder des 
Ph. rosulatus, so trifft dies eben nicht für alle Arten mit Ph. varia- 
bilis zu. Nicht alle Gattungen mit Ph. doliiformis weisen dicke 
bandartige innere Ringmuskeln auf, wie dies tatsächlich bei manchen 
Gattungen, beziehungsweise Arten der Fall ist, nicht immer ist die 
Pliaryn^i:caltasche des Ph. rosulatus mit dem Exkretionsbechcr ver- 
huiiden, die Stellung der Längsachse des Ph. doliiformis und Ph. 
rosulatus ist verschieden tlichen Schwankungen unterworfen, steht 
beim Ph. rosulatus nicht immer senkrecht zur Längsachse des Tieres 
und kann manchmal beim Ph. doliiformis einer zur Längsachse 
nahezu Hcnkrcchten Stellung sich ziemlich nähern. Bezüglich des 
Kpithels des Pharynxlumens werden nur beim Ph. rosulatus stets 
die Kerne im Epithel sicher erkannt, wogegen sie beim Ph. dolii- 
loriiiiH und variabilis vielfach bisher nicht beobachtet wurden. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(193) 



Kurz, eine scharfe Scheidung der drei Typen des Ph. bulbosus ist 
nicht vorhanden, wenn wir nur jene Eigenschaften in betracht 
ziehen, welche bis vor einigen Jahren über den Bau dieses Organes 
bekannt waren. Die Untersuchung einer Reihe von Formen mit 
Ph. dohiformis in den letzteren Jahren hat aber ergeben, daß wir 
einen Ph. doliiformis mit ganz bestimmten anatomischen Merkmalen, 
aber doch von dem prinzipiell anders gebauten Ph. rosulatus und 
Ph. variabilis unterscheiden können. Allerdings wurde ein ent- 
sprechender Bau bei manchen sonst nächst verwandten Arten, be- 
ziehungsweise Gattungen bisher noch nicht konstatiert, doch dürfte 
eine neuerliche Untersuchung dieser Formen uns den gewünschten 
Aufschluß bringen. 

Für eine große Zahl aber von rhabdocölen Turbellarien mit 
Ph. doliiformis sind wir bereits heute in der Lage, den Bau ihres 
Pharynx auf ein gemeinsames Schema mit sicheren anatomischen 
Merkmalen zurückzuführen. 

Die zu besprechenden Arten gehören den von Graff aufgestellten 
FamiKen der Graffilliden und Dalyelliiden an. Die charakteristischen 
Eigenschaften des Baues des Pharynx der hieher gehörenden Gattun- 
gen haben wir im Verhalten des Pharynxepithels zu suchen. 

Bei allen in letzterer Zeit genauer untersuchten Arten sind 
die Epithelzellen des Pharynxlumens langgestreckt, sie reichen 
von der vorderen Spitze des Pharynx bis über das hintere Ende 
desselben und enthalten meist erst in diesem hintersten Teile die 
Zellkerne. Innerhalb dieses allgemeinen Schemas sind bisher drei 
verschiedene Modifikationen des Baues des Ph. doliiformis bekannt 
geworden ; als Repräsentanten dieser drei Typen werden vom Vor- 
tragenden besprochen: Dalyellia, Anoplodmm und Phaenocora 
(= Berostoma). Die näheren Einzelheiten hierüber werden an 
anderer Stelle eingehend veröffentlicht werden, wie auch über eine 
neue systematische Einteilung, welche der Vortragende für jene 
Gattungen trifft, die Graff bisher in den Familien der Dalyelliiden 
und Graffilliden vereinigt hat. Auf Grund anatomischer Verhältnisse 
werden folgende Familien und Subfamilien formiert und wie nach- 
stehend definiert: 

I. Fam. Dalyelliidae: Liporhynchia mit einem tonnenför- 
migen Pharynx und einer Geschlechtsöffnung; die weiblichen Ge- 

Z. B. Ges. 60. Bd. n 



(194) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



scbleclitsdrüsen sind entweder paarige Germovitellarien oder paarige 
Yitellarien mit davon getrennten paarigen oder unpaaren Germarien 
Eine Vagina fehlt. 

a) Subfam. Daly elliinae: Dalyelliiden mit einer im hinteren 
Körperteile gelegenen Geschlechtsöffnung und unverästelten 
(höchstens gelappten) Vitellarien, die in der Hauptsache 
vor der Geschlechtsötfnung liegen. 

b) Subfam. Phaenocorinae: Dalj^elliiden mit einer auf der 
Ventralseite nach vorne verschobenen Geschlechtsöffnung 
und unverästelten oder netzförmigen Dotterstöcken^ die zu 
einem großen Teile hinter der Geschlechtsöffnung liegen. 

II. Farn. Umagillidae : Liporhynchia mit einem tonnen- 
förmigen Pharynx und einer annähernd terminal gelegenen Ge- 
schlechtsöffnung; die weiblichen Geschlechtsdrüsen bestehen aus 
paarigen Vitellarien und paarigen oder unpaaren Germarien. Die 
als Receptaculum scminis fungierende Vereinigungsstelle von Keim- 
und Dotterst()cken (beziehungsweise von deren Ausführungsgängen) 
ist mit dem Atrium genitale durch einen Ductus communis und 
eine Vagina verbunden. 

a) Subfam. Umagillinae: UmagilHdcn mit paarigen Hoden. 

b) Subfam. Collastominae: UmagilHdcn mit unpaarem, me- 
dian gelegenen Hoden. 

Die bekannten Gattungen sind daher folgendermaßen zu 
gruppieren : 

La) Dalyelliinae: Vejdovshya, Provortex, Balyellia, Jense- 
nia (inkl. Castrella)^ Bidyniorchis, Opistonium. 

I. b) Phaenocorinae: Paravortex, GraffUla, ritacnocora. 
II. a) Umagillinae: Umagllla, Syndesmis, Anoplodiiim. 
n. bj Collastominae: (JoUaf^fowa. 

Die beiden neuen Familien Dalyelliidac und Umagillidae 
W ahl sollen die bisherigen Graffschcn Familien der Dalyelliidae 
und Oraffillidae ersetzen; der Vortragende stellt sich auf den 
Standpunkt, daß das von Graff zur Unterscheidung der Dalyel- 
liiden und (Jranillidcn herangezogene Merkmal (paarige oder un- 
paare Ausbildung des Kcimstockes) sich nicht zu einer natlirliclien 
Kintf'ilinii: der liiehcr gehörigen Gattungen eigne, da, insbesondere 
nach KenntniKnalinie von einigen in neuerer Zeit autgel'undenen 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(195) 



Gattungen, liiedurcli nächst verwandte Formen getrennt würden, 
wogegen andererseits viel ferner stehende Gattungen zusammen- 
gestellt werden müßten. So ist beispielsweise die Verwandtschaft 
zwischen ümagiUa und Änoploclkini oder zwischen Provortex und 
BahjeUia viel größer als zwischen Änoplodium und Balyellia oder 
zwischen ümagilla und Frovortex. 

Dementgegen erscheint dem Vortragenden der Mangel oder 
das Vorhandensein einer Vagina als einer zweiten Verbindung (neben 
dem Ductus communis) zwischen der als Eeceptaculum seminis 
fungierenden Stelle des w^eiblichen Geschlechtsapparates und dem 
Atrium genitale geeignet, als Grundlage für die Unterscheidung 
zweier Familien (Dalyelliidae und ümagillidae) zu dienen. 

Sehr interessant ist die parasitische Familie der Fecampiidae 
durch ihre postembrjonale EntAvicklungsgeschichte. Aus den Eiern 
der Fecampiiden schlüpfen Larven (Fig. Ä) von etwa 0'22 mm 
Länge aus, die durch ihre langen Zilien lebhaft beweglich sind. 
Im Hautepithel liegen zahlreiche Ehabdoide. Am Vorderende des 
Körpers finden sich zwei rotgelbe Pigmentaugen und der Mund, 
welcher in eine Pharyngealauschwelluug führt, die sich in einen 
Oesophagus und endlich in einen durch großkernige Zellen ausge- 
zeichneten Darm fortsetzt. 

Diese Larven bohren sich durch die Haut des Wirtes, nämlich 
verschiedener Krabbenarten, ein, gelangen in die Leibeshöhle der 
Wirte und wachsen hier. Alsbald verlieren die Tiere die Rhabdoide 
der Haut, auch Mund, Pharynx und Augen gehen vollständig ver- 
loren und dafür findet eine Pigmentierung des vorderen Körper- 
endes statt. Allmählich entwickelt sich nun der Geschlechtsapparat. 
Im ausgewachsenen Tiere ist die Darmhöhle allseits geschlossen, 
das Gehirn nur klein, der Leibesraum ist erfüllt mit Mesenchym- 
gewebe und eigenartigen, mächtig sich entwickelnden Drüsen, die 
radiär zur Körperoberfläche ziehen, den Nidamentaldrüsen. Den 
Darm umscheiden die Dotterzellen und dann findet man noch 
paarige Zwitterdrüsen, die ventral hauptsächlich Keimzellen, dorsal 
mehr Spermazellen enthalten und sich durch einen Gang bis zum 
Uterus fortsetzen, in welchem Selbstbefruchtung der Keimzellen 
stattfindet und wo je zwei von einem Haufen von Dotterschollen 

n* 



(19(3) Versammhiiig der Sektion für Zoologie. 

umgebene Keimzellen durch eine gemeinsame Eischale umschlossen 
werden. 

Die geschlechtsreifen Parasiten verlassen wieder den Wirt, 
indem sie dessen Hautpanzer an weicheren Stellen durchbohren, 
sie verkriechen sich dann unter Steinen und spinnen aus dem 

Sekret der früher erwähnten Nidamental- 
driisen einen Kokon^ der außen aus lockeren 
Fasern besteht, innen aber ein dichteres Ge- 
webe aufweist. Dieser Kokon (Fig. B) hat 
eine birnförmige Gestalt und enthält in 
seiner Mitte noch das Tier, welches mit 
seinem Kopfende dem Stiele des Kokons 
zugewendet ist. Der Zwischenraum zwi- 
schen dem Tier und der Kokonwand wird 
allmählich mit Eiern erfüllt, welche aus 
der am hinteren Körperende des Tieres ge- 
legenen Geschlechtsöffnung entleert wer- 
den. Mit der Zunahme der Anzahl der in 
diesem Zwischenräume gelegenen Eier ver- 
liert das Tier an Größe, wird fadenförmig 
dünn und geht schließlich zugrunde. Die 
Größe der weiß gefärbten Kokons beträgt bei F. xanthocepliala 
o b mm, bei F. enjtlirocephala bis 10 mm. 

Eigenartig sind auch die Veränderungen, welche der Parasit 
bei seinen Wirten hervorruft. Von den zwei Arten von Fecampla 
lebt eine in der Leibeshöiile von Carcintis maenas, an dem sie 
eine dunkle Verfärbung des Hautpanzers des Wirtes hervorruft; 
diese Art, F. eryilirocephala, wurde auch in Fupaxjurus hernhardus 
und in Flatycarcinus xmgurus gefunden. Die zweite Art, F. xaniho- 
cejihala, lebt in Idotea neglecta, deren Gcschlcchtsapi)arat durch 
den Parasiten in der Entwickhing gehemmt wird, wenn es auch 
nie zu einer vollständigen Kastration des AVirtsticrcs kommt. 

Wir veniankcn die Kenntnis der Entwicklung dieser Tiere 
den Herren Caullery und Mesnil. 

ilicrauf ficnionstrierte ll(;rr Dr. K. Toldt Jun. ein(Mi „llespi- 
rationsscli inn fllr das Präpariermikroskop". 




A Larve, 
B Kokon einer Fecampia. 

Innerhalb des Kokons liegt 
das Muttertier (E) und eine 
große Anzahl von Eiern (T). 

Nach Caullery und Mesnil. 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



(197) 



Bekanntlicli schlägt sich bei längerem Arbeiten mit dem Prä- 
pariermikroskope sehr oft der Atemdunst auf dem Objekttisch nieder. 
Abgesehen vom Keinlichkeitsstandpunkte wird das besonders lästig, 
wenn der Atemdunst mit dem Objektträger, beziehungsweise mit 
der Präparierschale in Berührung kommt, weil dann infolge der 
Adhäsion mit dem Objekttische das Hantieren mit den Präparaten 
erschwert wird. Ferner wird es schon mancher unangenehm emp- 
funden haben, daß bei Untersuchungen über einer stark riechenden 
Flüssigkeit (Alkohol^ Formol u. dgl.) der Dunst derselben direkt 
eingeatmet wird. Endlich werden durch das Ausatmen leicht trocken 
liegende Objekte weggeblasen. Diese Übelstände Averden durch eine 
einfache Vorrichtung, welche dem Referenten bereits gute Dienste 
geleistet hat, beinahe vollständig beseitigt. Da sie vielleicht auch 
manchem anderen nicht unerwünscht sein dürfte, sei sie hier kurz 
besprochen. 

Der Respirationsschirm besteht aus dem eigentlichen Schirm 
und einer Klemme, die mit einer Schraube an dem Lupenträger 
des Präpariermikroskopes befestigt wird. Der Schirm bildet eine 
nierenförmige Fläche von zirka 6"5 cm Länge und 3'5 cm Breite 
und besteht aus einem wasserdicht imprägnierten Gewebe, welches 
über einen Reif aus biegsamem, vernickeltem Kupferdraht locker aus- 
gespannt ist. Die Enden des Drahtes liegen in der Mitte der ein- 
gebuchteten Längsseite des Schirmes und sind in das Ende eines vier- 
kantigen federnden Messingstiftes von 12 mm Länge eingelassen, 
welcher in der Ebene des Schirmes quer aus demselben heraussteht. 
Dieser Stift kann in ein entsprechendes viereckiges Loch der Klemme 
hineingesteckt werden, und zwar so, daß der Schirm horizontal, 
also parallel zum Objekttisch gerichtet ist. Das Stiftende, an 
welchem der Draht befestigt ist^ trägt eine kleine senkrechte Scheibe 
mit fein gekerbtem Rande, welche als Griff beim Ein- und Aus- 
schieben des Schirmes dient. 

Die zweimal rechtwinkelig umgebogene Klemme ist aus ge- 
schwärztem Messing möglichst kompendiös, dabei aber solid kon- 
struiert. Sie ist in Dimensionen (Innenhöhe 10 mm, Tiefe 12 mm) ge- 
halten, welche wohl für den Lupenarm der meisten Präpariermikro- 
skope ausreichen dürften, und wird an demselben mit dem Schrauben- 
kopf nach unten befestigt. Letzterer ist eine horizontale kreisrunde 



(198) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Scheibe mit gekerbtem Eand; das obere Ende der Schraube trägt ein 
kleines rundes Plättchen. Das Loch für den Schirmstift befindet sich 
vorne am oberen Ende des senkrechten Armes und reicht in den oberen 
Querarm hinein. Die freien Kanten und Ecken sind abgerundet. 

Die Klemme und somit der Schirm kann, je nachdem, mit 
welchem Auge mikroskopiert wird, links oder rechts an dem Lupen- 
träger befestigt werden. Wird der Schirm nicht benötigt, kann er 
mit Leichtigkeit aus der Klemme herausgezogen werden, während 
diese selbst, ohne hinderlich zu sein, am Mikroskope verbleibt. 
Übrigens ist die Klemme ebenso einfach zu entfernen, wie sie 
leicht anzubringen ist. Man gewöhnt sich überdies bald an den 
Schirm selbst, so daß er ständig aufmontiert bleiben kann. 

Infolge der Biegsamkeit des Drahtes kann der Schirm je 
nach Bedarf auf- oder abwärts verbogen und in dieser Weise be- 
liebig umgeformt werden. Für mittelgroße Nasenformen dürfte die an- 
gegebene Schirmgröße meistens ausreichen. Viel breiter darf er nicht 
gemacht werden, weil er daün beim Präparieren hinderlich würde. 

Hervorgehoben werden muß, daß diese Vorrichtung nur dann 
verwendbar ist, wenn der Nasenrücken mit dem Lupenarm an- 
nähernd parallel gerichtet ist, also nur bei Präpariermikroskopen 
mit einfachem, d. h. nicht seitlich abknickbaren Lupenarm. Des- 
gleichen hat sie für jene wenig Zweck, welche mit stark seitwärts 
gewendetem Gesichte mikroskopieren. Weil dann auch die Nasen- 
löcher seitwärts gerichtet sind, wird der Objekttisch kaum benetzt 
und der Dunst der Flüssigkeit nicht direkt eingeatmet. 

Die Ausführung dieses Respirationsschirmes hat die Wiener 
Vertretung der Firma Karl Zeiss in Jena (Wien, IX., Fcrstel- 
gasse 1) freundlichst übernommen. Dieselbe liefert auf Wunsch das 
Stück zu 7 K. 

Versammlung am 13. Mai 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 
Herr Dr. Karl v. Frisch hielt einen Vortrag: 
Zur Pliysiolo^^ic des FiirbwcchseLs der FLsclic. 

Die Fäbi^^kcit des Karbwcchscls, welche so vielen niederen 
Wirbeltieren zukoniint, ist Ijckaniitlich auf Gestaltsilnderungen der 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



(199) 



schwarzen Pig-mentzellen (Melauophoreii) iu der Haut zurückzu- 
führen. Diese können sich flächenhaft ausbreiten und ringsum 
verzweigte Fortsätze aussenden (wobei es sich wahrscheinUch nicht 
um amöboide Bewegungen, sondern um eine Wanderung der Pig- 
mentkörnchen innerhalb der Zelle handelt), dann erscheint das Tier 
dunkel. Befinden sich aber die Melanophoren im Zustand der 
Pigmentballung, sind die Fortsätze verschwunden und ist das 
schwarze Pigment jeder Zelle auf einen kleinen Raum konzentriert^ 
so ist das Tier hell. 

Diese Pigmentzellen sind in ihren Bewegungserscheinungen 
dem Zentralnervensystem unterworfen, indem sie durch eigene 
Nerven zur Kontraktion gebracht werden, sie bewahren aber da- 
neben — bei verschiedenen Tiergattungen in verschieden hohem 
Maße — eine gewisse Selbständigkeit. Ihr Expansionszustand kann 
nämlich durch elektrische, mechanische, chemische, thermische und 
Lichtreize auch lokal beeinflußt werden, und zwar auch dann noch, 
wenn ihr Zusammenhang mit dem Zentralnervensystem vöUig auf- 
gehoben ist, so daß es sich olfenbar dabei um direkte Wirkungen 
auf die Pigmentzellen handelt. 

Bei den Fischen ist diese direkte Beeinflui3barkeit gegen- 
über der Macht, die das Zentralnervensystem über die Pigment- 
zellen hat, von untergeordneter Bedeutung. Das Gehirn ist es, von 
dem normalerweise der Anstoß zum Farbwechsel ausgeht, sei die 
Ursache nun eine Gemütserregung oder eine Änderung in der Farbe 
der Umgebung, welche ja manchmal täuschend kopiert wird. 
Mittels Durchschneidungsversuchen und durch elektrische (tetanische) 
Reizung konnte die Anwesenheit eines Zentrums für diese Funktion 
am Vorderende des verlängerten Marks festgestellt werden. Reizung 
dieser Stelle hat maximale Aufhellung, ihre Zerstörung maximale 
Verdunklung des ganzen Tieres zur unmittelbaren Folge. Von hier 
ziehen die Fasern ins Rückenmark, wo sich wahrscheinlich ein 
zweites Zentrum befindet, von dessen Existenz man am lebenden 
Fisch nichts merkt: aber zirka eine halbe Stunde nach dem Tode 
des Tieres geht von hier eine Erregung aus, die maximale Pigment- 
ballung bewirkt; das Absterben des Rückenmarks wird die Ursache 
dieser Erregung sein; mit der bekannten „Anämieaufhellung ' hat 
diese Aufhellung nichts zu tun. Wie sich aus weiteren Durch- 



(200) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



trennung'sversuclien ergab, treten die „pigmentomotorischen" Nerven 
in der Gegend des 15. Wirbels (die Angaben beziehen sich auf die 
Elh'itze, Phoximis laevis) aus dem Rückenmark ins sympathische 
•Nervensystem über, in welchem sie von dieser Stelle aus (sie liegt 
zwischen Bauch- und Rückenflosse) sowohl nach vorne als auch 
nach hinten verlaufen. Sie treten nun segmental aus dem Sym- 
pathicus in die Spinalnerven über und gelangen mit diesen zu den 
Pigmentzellen der Haut. 

Hierauf sprach Herr cand. phil. Franz Mai dl: 

Über die Coelomverliältnisse von llyr^ostoma, 

(Kritisches Sammelreferat.) 

Die Myzostomen sind schon dadurch interessant geworden, 
daß sie lange Zeit keinen endgiltigen Platz im System finden 
konnten. Man hat sie nacheinander zu den Trematoden, Hirudineen, 
Chaetopoden, Crustaceen und Tardigraden gestellt.^) Gegenwärtig 
bilden sie eine Familie der Polychaeten. Es sind durchwegs Para- 
siten, entweder endoparasitisch in Cysten oder ektoparasitisch an 
verschiedenen Körperteilen von Crinoideen, seltener als Darmpara- 
siten in Asteriden lebend, wie Mijsostoma asterias Marenz. 

Da die Organisation dieser Tiere infolge der parasitischen 
Lebensweise von der der übrigen Polychaeten einigermaßen ab- 
weicht, haben sie den Zoologen manche Schwierigkeiten gemacht. 
Eine davon ist die Frage nach den Coelom Verhältnissen. Bevor 
ich jedoch auf diese eingehe, möchte ich einen kurzen Überblick 
über die Gesamtorganisation dieser Tiere geben, soweit es zum 
Verständnis unserer speziellen Frage notwendig ist. 

Betrachten wir dazu Myzosloma cirriferiim in toto an der 
Hand einer von Graff gegebenen Abbildung. 2) 

Das Tier ist scheibenfiu'inig, dorsal konvex, ventral abgeplattet. 
Am Rande der Scheibe sieht man eine größere Anzahl von Cirrcn, 
auf der Unterseite fünf Paar borstentragender Fußstummel und 
mit diesen abwechselnd vier Paar naj)rarti^' gestalteter sogenannter 
„Scitenorgane", die nach Graff als Saugnäi)fe, nach Nansen als 



') Vp:l, (l;iH Lit(;r.'itnrverzeicliniH am SeliIiisH(^ (lieser Arlxiit: 4, j). 08. 
») 4, Taf. III, ri^,'. 1. 



Versammluug- der Sektion für Zoologie. 



(201) 



Exkretionsorgane und nach Wlieeler und Stummer als Sinnes- 
organe fungieren.^) Von der MundöfFnung- zieht sich der Darm 
ohne Windung zur Kloake, indem er nach rechts und links stark 
verästelte Seitenzweige abgiht, die bis zum Rande des Körpers 
reichen. Dorsal vom Darm liegt der sogenannte „Uterus", der mit 
seinen Seitenästen ungefähr die Form des Darmes wiederholt und 
am Hinterende dorsal von der Afteröffnung mit dieser in eine 
Kloake mündet. Ich möchte gleich hier erwähnen, daß der Aus- 
druck Uterus für das obengenannte Organ durchaus nicht am Platze 
ist. Unter Uterus versteht man nämlich den Teil des weiblichen 
Genitalapparates, der als Fruchtbehälter fangiert, in dem also die 
Eier wenigstens einen Teil der Embryonalentwicklung durchmachen. 
Das ist aber hier durchaus nicht der Fall. Der sogenannte „Uterus" 
der Myzostomen fungiert nur als Eiersack, wie er ähnlich bei 
andern Ohgochaeten vorkommt, in dem die Eier nicht ihre Em- 
bryonalentwicklung durchmachen, sondern nur ihr Wachstum voll- 
enden. Ich werde daher in der Folge den irreführenden Ausdruck 
„Uterus" vermeiden und dafür den Ausdruck „Eiersack" gebrauchen. 
Beachtenswert ist auch der Umstand^ daß die Eiersackäste in ihrem 
ganzen Verlauf den Darmästen folgen. Es scheint dies eine physio- 
logische Bedeutung für die Ernährung der im Eiersack befindlichen 
Eier zu haben. Dadurch, daß die Eiersackäste unmittelbar über 
den Darmästen liegen, ist ein direkter, auf osmotischem Wege er- 
folgender Übertritt der Nahrungssäfte des Darmes in den Eiersack 
möglich und dadurch eine reichliche Ernährung der Eier in erster 
Linie vor allen anderen Organen gewährleistet. Vielleicht hängt es 
auch damit zusammen, daß die Eier sich nicht an die ventrale 
Wand des Eiersackes anlegen, wo sie den Übertritt der Nahrungs- 
säfte möglicherweise behindern würden. 

Ich kehre wieder zu meiner Organisationsskizze zurück. Ven- 
tral von und zwischen den Darmästen befinden sich die Testikel, 
die gegen die Seiten des Körpers zu tibergehen in vasa efferentia, 
die sich jederseits zu einem vas deferens mit einer vesicula semi- 
nalis vereinigen. Diese münden durch einen ductus ejaculatorius 
nach außen. 



12, p. 553 und p. 564. 



(202) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Es handelt sich nun um die Frage, wie steht es mit der 
Coelomhöhle bei den Mvzostomen. Ich habe mich mit dieser Frage 
auf Anregung- meines hochverehrten Lehrers, Herrn Prof. Dr. Karl 
Grobben, beschäftigt, dem ich hiefür an dieser Stelle meinen er- 
gebensten Dank ausspreche. 

Mit der Frage nach den Coelomverhältnissen bei Myzostomen 
haben sich bisher hauptsächlich Semper, v. Graff, Nansen, Beard, 
Wheeler und zuletzt Stummer-Traunfels beschäftigt. 

Semper nimmt in seiner Abhandlung „Zur Anatomie und 
Entwicklungsgeschichte der Gattung 3Iysostoma^^ überhaupt keine 
Leibeshöhle bei diesen Tieren an.^) 

Graff betrachtet in seiner Monographie „Das Genus Mijzo- 
stoma^ als Leibeshöhle das Netz feiner Lückenräume, das die in 
ihr zu reichlicher Entwicklung gekommene Bindesubstanz übrig 
gelassen hat.^) 

In einer späteren Arbeit desselben Autors „Verzeichnis der 
von den United States Coast-Survey Steamers „Hassler" and „Blake" 
von 1867 — 1879 gesammelten Myzostomiden" findet sich freilich 
die obigem widersprechende Bemerkung, daß bei einem 9 von 
Myzostoma cysticolum die Leibeshöhle mit Eiern angefüllt sei.^) 

Nansen betrachtet in seiner Arbeit „Bidrag til Myzostomernes 
Anatomi og Histologi" als Leibeshöhle die Hohlräume, in welchen 
die Eier liegen. Die Ovarien faßt er als Derivate des Epithels der 
Leiheshöhle auf. Dieses Epithel sei nur teilweise erhalten, besonders 
in dem „Uterus" und den angrenzenden Teilen an der dorsalen 
Seite; dort erscheine es bewimpert.^) 

Während sich die Angaben der drei vorgenannten Autoren 
auf kurze Bemerkungen beschränken, haben sich Beard, Wheeler 
und Stummer näher mit der Leibeshöhlenfrage beschäftigt. 

In der 1804 erschienenen Arbeit „On the Life History and 
Development of the gemis Myzostoma^' spricht Beard die Ansicht 
aus, daß man eigentlich von einer Lcibesh()hle bei Myzostoma 
nicht reden ki'mne, da dieselbe durch die starke Entwicklung der 
Sexualorgano außerordentlich umgebildet sei und eigentlich nur die 
der »Sexualfunktion dienenden Teile erhalten gchlieben seien.'') 



') 11. I». .VI. •-') -1. |K c:',. •') p. ■') 10, p. 7ü. 1, p. 551. 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



(203) 



Als die erste gTundlegende Arbeit über die Sexual- und die 
damit zusammenhängenden Coelomverbältnisse ist die 1896 er- 
schienene Arbeit Wheelers „The Sexual Phases of Myzostoma^', 
erschienen in den Mitteilungen der zoologischen Station Neapel, 
Bd. XII, 2. Heft, zu nennen. Eine vorläufige Mitteilung veröffent- 
lichte derselbe Autor im Zoologischen Anzeiger, 1894, „Protandric 
Hermaphroditism in Myzosioma^'. In letzterer Arbeit beweist 
Wheeler, daß die „problematischen Organe" Nansens die eigent- 
lichen Ovarien der Myzostomen sind. Da die Frage nach der 
Natur dieser Organe in einem gewissen Zusammenhang mit unserem 
Thema steht, gehe ich näher auf diese Beweisführung ein. 

Von allen Autoren bis auf Wheeler wurden als Ovarien der 
Myzostomen die zwischen und über den Darmästen gelegenen 
Einlassen bezeichnet.^) Die rechts und links vom Darm gelegenen, 
zuerst von Nansen beschriebenen, „Problematic Organs" genannten 
Zellhaufen interpretierte dieser Autor als abortive Ovarien.^) 
Wheeler hat nun diese Zellhaufen genau untersucht und ist dabei 
zu folgenden Resultaten gekommen. 

Die „problematischen Organe" Nansens sind solide Wuche- 
rungen des Peritonealepithels. Unter den in strangförmigen Massen 
angeordneten Zellen sind viele mit karyokinetischen Figuren zu 
beobachten, besonders bei jungen Myzostomen. Das Resultat dieses 
Teilungsprozesses ist die Produktion von Zellgruppen von je drei 
Zellen. Eine dieser Zellen ist groß und ziemlich durchsichtig, die 
zwei anderen sind klein und eng au die beiden Seiten der großen 
angelegt. Die freien Seiten der Zellhaufen ragen in den „Uterus" 
hinein. Von hier aus fallen die sich ablösenden Dreizellgruppen in 
den „Uterus" und wandern in die Zweige desselben ein. In diesen 
legen sie sich an das Epithel an und beginnen zu wachsen. Die 
akzessorischen Zellen vereinigen sich vollständig mit der Mittelzelle, 
deren Kern zum Keimbläschen wird. Die Kerne der akzessorischen 
Zellen sind noch einige Zeit sichtbar und verschwinden dann all- 
mählich unter den sich bildenden Dotterkörnchen. „Die merk- 
würdige und konstante Anordnung der Zellen in Gruppen zu je 
dreien ermöglicht es, ihre Entwicklung Stufe für Stufe von ihrem 



^) 13, p. 178. 



2) 10, p. 78. 



(204) 



VerScainmluiig- der Sektion für Zoologie. 



UrspruDge in Nansens Organen an bis zu ihrer Anlegung und 
ihrem Wachstum in den Zweigen der sogenannten „Ovarien" zu 
verfolgen."^) Nach Analogie mit den Verhältnissen der Chaeto- 
poden ergibt sich nach Wheeler, daß als Leibeshöhle der Myzo- 
stomen demnach die ganzen sogenannten „Ovarien" (der Autoren 
bis auf Wheeler), also das, was wir Eiersack genannt haben, an- 
zusehen sind und daß diese Leibeshöhle keineswegs rudimentär, 
sondern vollständig entwickelt ist.^) 

In der zweiten oben schon genannten Arbeit („The Sexual 
Phases of Myzostoma''^) zieht Wheeler die Konsequenzen seiner 
Entdeckung für die bisher strittige Frage, ob es unter den ver- 
schiedenen Arten von Myzostomen solche mit herraaphroditischen 
5 und Ergänzungsmännchen gebe, oder ob nicht vielmehr die 
Ergänzungsmännchen nichts anderes als protandrische Hermaphro- 
diten seien. Diese Frage, welche Nansen aufgeworfen, hatte 
Beard in ersterem Sinne beantwortet, weil die „Ovarien" (der 
Autoren bis auf Wheeler) in den betreffenden Tieren, den Er- 
gänzungsmännchen, nicht zu konstatieren seien. Wheeler be- 
antwortet die Frage im entgegengesetzten Sinne. Die Ergänzungs- 
männcheu sind protandrische Hermaphroditen, denn bei allen sind 
die „problematischen Organe" Nansens, die sich als die wahren 
Ovarien erwiesen haben, deutlich in verschiedenen Stadien der 
Entwicklung zu beobachten. 

Unsere Frage betreffen die im folgenden wiedergegebenen 
Beobachtungen Wheelers an jungen und jüngsten Tieren. 

An den jüngsten untersuchten Individuen konstatiert Wheeler 
dorsal vom Darm eine ziemlich geräumige Leibeshöhle, in welche 
die oben beschriebenen „problematischen Organe" Nansens, die 
sich als die waliren Ovarien erwiesen haben, als schwache Ver- 
dickungen des Pcritonealepitliels hineinragen.*^) Im ventralen Paren- 
chym (retikulären l^indegcwcbc) sind kleine Anhäufungen von Sper- 
matogonien zu sehen, die infolge ihres embryonalen Charakters schwer 
von den anderen Zellen des Parcnchyms zu unterscheiden sind.*"^) 

Auf Grund eigener Untersuchungen an Mysesioma (jlabnim 
und rlrrifcrum füge ich hinzu, daß die oben beschriebene Leibes- 



') i:^ p. 17!». 



1:5, )). 178 und 171). 



=•) M, p. 239. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(205) 



höhle von einem flachen Plattenepithel ausgekleidet ist, das sich 
an der Dorsalwand von dem angrenzenden Bindegewebe stellen- 
weise nur undeutlich abhebt, über den Darm hin aber immer 
deutUch zu verfolgen ist. Eine wirkliche Höhlung habe ich bei 
den jüngsten von mir untersuchten Tieren nur in der Nähe der 
Mittel-(Sagitall-)ebene des Tieres gesehen, jedoch lassen sich die 
die Höhlung auskleidenden Epithe- 
hen als fest aneinander gepreßte 
Epithelplatten soweit gegen den 
Körperrand hin verfolgen^ als die 
in diesem Stadium erst in Entwick- 
lung begrilfenen Darmäste reichen. 
Diese fest aneinander gepreßten Epi- 
thelplatten sind bei etwas älteren Hodenanbge \ 
Individuen schon voneinander ge- 
trennt und bieten dann das von 
Wheeler beschriebene Bild einer 
ziemlich geräumigen Höhle dar. 

Was die Anhäufungen von 'Vergrc325X 
Spermatogonien anbelangt, so kann ^ig. i. Querschnitt durch Myz 

glabrum (jung). 




Borste 



ostoma 



ich ergänzend bemerken, daß sich 
die ersten Andeutungen solcher in 

der Gegend der männlichen Ausführungswege (ductus ejaculatorii) 
und schon mit diesen verbunden finden. 

An etwas älteren Tieren beobachtete Wheeler weiter eine 
Verkleinerung der Leibeshöhle und führt diese darauf zurück, daß 
vom ventralen Peritoneum der Leibeshöhle Spermatogonien ent- 
stünden, in das ventrale Parenchym hinein wucherten und in der 
Folge durch ihr Wachstum das Lumen der Leibeshöhle verkleinerten.^) 

Diese Vermutung Wheelers kann ich nicht betätigen, wie ich 
überhaupt keine sekundäre Verkleinerung der Leibeshöhie feststellen 
konnte. Nach meinen Beobachtungen geht »vielmehr die Entwick- 
lung des ganzen männlichen Genitalapparates von dem oben be- 
schriebenen Zellhaufen an den ductus ejaculatorii^) aus, und zwar 
in folgender Weise: 



14, p. 239. 



2) Siehe Fig. 1: Hodenanlage. 



(206) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Jeder Zellliaufeii wächst zu einem soliden Strang ans, indem 
an seinen proximalen Teilen eine starke Zellvermehrung- stattfindet, 
was schon aus den daselbst häufig zu beobachtenden Teilungsfiguren 
ersichtlich ist. Während der Strang weiterwächst und sich dabei 
immer mehr verzweigt, erfolgt gleichzeitig die Umbildung der Zellen 
in Spermatogonien, Spermatozyten usw. In den männlichen Aus- 
führungs wegen ^ den vesiculae seminales, vasa deferentia bis in 
die von letzteren nicht scharf zu unterscheidenden vasa etferentia 




vesivula 
semmäliS 

bchleim 

Sphincter 
Jv,^ (Anlage) 



Ggschlechts -l 
Zellen ^ 



\ ,-\ ■ • v ^ 



ÜUCfuS 

V/, tijaculator. 



' • tpithcl der Samenblase 



Vergr c. 325 X 

Fig". 2. Qiicrsclinitt durch Myzosloma glahrum (etwas 
älter als F\g. 1). 



hinauf, ])leiben dabei die an der Peripherie des Stranges gelegenen 
Zellen in ihrer ursprünglichen Lage und Natur erhalten und bilden 
das diese Ausführiuigswege auskleidende Epithel. Dieses E})ithel 
ist nur bis in die vasa efferentia liinauf /u verfolgen, von dort an 
scheint jeder Ej)ithclbclag aufzuhcM'cn, indem die Enden der lloden- 
strUnge nur von (ieschlechtszellen eingenommen werden. Der Epi- 
thelbelag der niiinnlichen Ausflihrungswcge ist jn den vesiculae 
seminales und in> Anfang der vasa deferentia ziemlich hoch, fast 
cutisch, verflaclit sicli jiber dann schnell und selir stark, so daß 
man nicht genau sag(;n kann, an welcher Stelle er eigentlich auf- 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



(207) 



hört. Streckenweise Unterbrechungen im Epithelbelag- der männ- 
lichen Aiisfithrungswege, wie sie v. Stummer beschreibt, möchte 
ich daher nicht annehmen. Ich komme vielmehr auf Grund meiner 
Beobachtungen zu der Ansicht, daß die männlichen x4usfährungs- 
wege von Mysosioma von einem ununterbrochenen, allerdings oft 
sehr verflachten Epithel ausgekleidet sind. 

Die übrigens bei den einzelnen Individuen überaus wechselnde 
Form des vielverzweigten Hodenstranges scheint tatsächlich nur 
durch die schon bestehenden Organe und Muskelpartien bedingt 
zu sein, indem der Strang dorthin wächst, wo er jeweilig den ge- 
ringsten Widerstand findet, also in die Lücken des retikulären Binde- 
gewebes hinein, dasselbe teilweise zur Seite, teilweise vor sich her- 
drängend und zu den von Graff als tunica propria beschriebenen 
bindegewebigen Membranen verdichtend. Das die Stränge um- 
gebende Bindegewebe wächst in der Folge zwischen die Spermato- 
gonien, respektive Spermatozyten oder Spermatozoenballen hinein 
und trennt sie oftmals von ihrem ursprünglichen Entstehungsort ab, 
wodurch das Ende des Hodenstranges schließlich in voneinander iso- 
lierte Follikel aufgelöst wird. Diese Erscheinung hat schon Nansen 
an den „subektodermalen Hoden" beobachtet und beschrieben.^) Im 
Laufe der Entwicklung können nämlich die Hodenstränge auch 
gegen die dorsale Seite des Tieres und in das zwischen Haut- 
muskelschlauch und Peritoneum befindliche Bindegewebe hinein- 
wachsen und dort in einzelne Follikel, die „subektodermalen Hoden" 
Nansens, aufgelöst werden. Diese Hodenpartien gelangen dann 
nicht mehr durch die normalen männlichen Ausführungswege^ son- 
dern durch Dehiszenz nach außen, wie Nansen dies bereits ab- 
bildet. 2) 

An etwas älteren Tieren hat Wheeler ferner beobachtet, wie 
sich die „Ovarien" (Wheelers) mit gleichzeitigem Wachstum der 
Leibeshöhle vergrößern und endlich an ihrem freien Ende sich in 
die schon beschriebenen Dreizellgruppen aufzulösen beginnen.^) 

Diese Dreizellgruppen gelangen in die Leibeshöhle, flottieren 
dort eine Zeitlang, bis sie sich an das dorsale Peritoneum ansetzen^ 



1) 10, p. 78 und 79. 2) 10, PI. VIII, Fig. 2 und 3. 14, p. 240 

und 241. 



(208) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



das mm einen eigentümlichen Umbildungsprozeß erfährt. Dasselbe 
scheint nämlich zwischen die angelegten Eizellen hineinzuwachsen 
und so Follikel zu bilden^ in denen die Eizellen bis zum Stadium 
vollkommener Reife verharren.^) 

Soweit die Ausführungen Wheelers, die ich vollkommen be- 
stätigt gefunden habe und denen ich nur noch hinzufügen möchte: 

Indem immer mehr Eizellen sich anlegen und überwachsen 
werden, bildet sich nach und nach eine immer dickere Lage von 
Eizellen in allen Stadien des Wachstums, namentlich in den Ästen 
des Eiersackes, während dessen medianer Teil insbesondere gegen 
das anale Ende des Tieres zu in der Regel von Eifollikeln frei 
bleibt und nur die aus den Follikeln wieder frei gewordenen reifen 
Eier aufnimmt. Ich erwähne noch, daß nicht alle Eier in solchen 
Follikeln ihr Wachstum zu vollenden brauchen, sondern daß man 
immer einige Eizellen in verschiedenen Wachstumsstadien in der 
Leibeshöhle frei flottieren sieht. Die Frage, ob die Follikel vom 
Peritoneum allein abstammen oder ob auch die akzessorischen Zellen 
der Dreizellhaufen daran beteiligt sind, läßt Wheeler offen, hält 
aber das letztere für wahrscheinlicher. i) Ich möchte mich auch 
eher für diese Ansicht entscheiden, da die akzessorischen Kerne 
noch an bereits in Follikel befindlichen Eizellen nachweisbar sind. 
Für unsere Frage ist übrigens nur wichtig, daß das dorsale Peri- 
tonealepithel bei jungen Tieren vorhanden ist und erst später zur 
FolHkelbildung aufgebraucht und dadurch als solches unkenntlich 
wird; es erscheint daher die Auffassung gerechtfertigt, daß die 
Follikel, in denen die Eier liegen, als abgekapselte Teile der Coelom- 
liölile aufzufassen sind. 

Beim Vollreifen Tier sehen die Verhältnisse dann sehr kom- 
pliziert und verwirrend aus. Dorsal vom Darm ist alles von Ei- 
mas.sen erfüllt. Ein deutliches Peritonealepithel, das dieses Eilager 
umgrenzen würde, ist höchstens streckenweise als dünner Überzug 
Uber den Darinästen zu sehen, überall sonst ist dasselbe durch die 
mächtig herangewachsenen Einlassen so zerdehnt und verflacht, daß 
08 nicht mehr vom angrenzenden l^indegewebe unterscheidbar ist. 
Kegelmäßigc Eiersackäste sind ebenfalls nicht mehr unterscheidbar, 

») H, p. 211 un.l 2-12. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(209) 



da die Eimassen dieselben so erweitert haben^ daß endlich nur mehr 
ein mehr oder weniger gelappter dorsaler Eiersack unterscheidbar 
ist, in welchem Eier und vereinzelte Spermatozoenknäuel durch- 
einander liegen. Eifollikel sind in diesem Stadium nicht mehr 
unterscheidbar, nur hie und da einzelne Kerne und Plasmastränge, 
die ursprünglich zu den Follikel gehört haben mögen. Das häufige 
Vorkommen von Spermatozoen zwischen den Eiern erklärt sich 
Stummer im Zusammenhang mit seiner Hypothese^ daß die Ei- 
massen durch ihren Druck das Peritonealepithel sprengten und so 
in die Bindegewebslücken hineingelangten, wobei auch einzelne 
Spermatogonien aus den oftmals in unmittelbarer Nähe gelegenen 
und ebenfalls nur vom Bindegewebe umhüllten Hodenfollikel zwi- 
schen die Eier gelangen könnten.^) Ich kann zwar der Hypothese 
Stummers, die ich im folgenden näher besprechen werde, nicht 
zustimmen, finde es aber bei der unmittelbaren Nachbarschaft, in 
der oft Eifollikel und Hodenpartien angetroffen werden, nicht un- 
möglich, daß Spermatozoen bei dem starken Wachstum der Hoden- 
stränge ihrerseits hie und da die trennenden Bindegewebs- und 
Peritoneumpartien durchbrechen und in die Eifollikel oder in den 
Eiersack hineingelangen. 

Ventral vom Darm ist wiederum alles von Spermamassen 
erfüllt. Von den männlichen Ausführungswegen sind nur mehr die 
ductus ejaculatorii, die vesiculae seminales und ein Teil der vasa 
deferentia unterscheidbar und nur in diesen ein Epithelbelag sicht- 
bar. Alles andere ist in größere oder kleinere formlose und nur 
von Bindegewebe begrenzte Spermamassen aufgelöst. 

Was folgt nun für unsere Frage aus den oben kurz skizzierten 
Ausführungen Wheelers sowie meinen eigenen Beobachtungen? 

1. Der dorsale Spaltraum bei jungen Tieren und der ganze 
von Eiern erfüllte Sack bei Vollreifen Tieren ist nach Wheelers 
und meinen eigenen Beobachtungen der Coelomhöhle zuzurechnen. 
Das dieselbe bei jungen Individuen auskleidende Epithel ist im 
Laufe der Entwicklung einerseits in Eizellen (in den Ovarien), 
andererseits zu Follikelepithel umgewandelt worden ; nur ein kleiner 
Teil, die ventrale Begrenzung der Höhle, ist erhalten geblieben. 



12, p. 578. 

Z. B. Ges. 60. Bd. 



O 



(210) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



2. Den mäDiilichen Gescblecbtsapparat rechnet Wh eel er, wenig- 
stens nach der Ansicht v. Stumm ers/) nicht der Coelomhöhle zu, 
spricht sich aber eigentlich nirgends deutlich über diese Frage aus. 
Die Stelle, ans der v. Stummer schließt, daß Wh eel er den männ- 
lichen Geschlechtsapparat nicht der Coelomhöhle zurechne, lautet: 

„In the youngest stages of M. glabrum examined, the sperma- 
togonia . . . . do not project into the bodycavity Hke the oogonia 
of many species, but into the ovarian stroma encloses the Pflügers 
colums of the Vertebrate, thus cutting them of from the peritoneum."^) 

Ich habe schon oben bemerkt, daß ich hier zu anderen Resul- 
taten gekommen bin, die sich mit denen Beards und v. Stummers 
decken, die wir im nachfolgenden betrachten wollen. 

Beard weicht in seiner 1899 erschienenen Arbeit: „The Se- 
xual Condition of Mijzostoma glabrum''^ in zwei wesentlichen Punkten 
von den Ausführungen Wheelers ab. 

Einmal hält Beard an der schon in seiner früheren Arbeit 
(On the Lifehistory and Development of the Gemis Myz'ostoma^ 
1884) ausgesprochenen Behauptung fest, daß nicht die „proble- 
matischen Organe" Nansens, sondern das gesamte dorsale Epithel 
der Leibeshöhle als Ovarium fungiere^ und dann rechnet Beard 
auch den männlichen Genitalapparat der Leibeshöhle zu. Er ist 
der Ansicht, daß der ganze männliche Genitalapparat auf einen 
ventral vom Darm gelegenen Rest des Peritoneums zurückzuführen 
sei, findet aber die Zellen dieses Restes schon bei den jüngsten 
Tieren in Spermatogonien verwandelt.^) 

Zum ersten Punkt möchte ich bemerken, daß Wh eel er noch 
im selben Jahre auf die Arbeit Beards im Zoologischen Anzeiger, 
Bd. XXII, Nr. 591^ geantwortet und seine Ansicht verteidigt hat. 
Näher auf diese Kontroverse, an der sich auch Prouho mit einem 
iJ^^f) im Zoologischen Anzeiger erscliiencnen Artikel: l)ioicit6 et 
iIf'nna]»hroditism chez les Myzostomes" beteiligt hat, einzugehen, 
hätte für unsere spezielle Frage weniger Wert, ich möchte nur so- 
viel sagen, daß ich mich auf Grund meiner Beobachtungen eben- 
falls der Ansicht Wheelers anschließen muß, daß die „problema- 
tifichcn Organe" Nansens die Q^igcntlichen Ovarien der Myzosto- 



'j 12, )). r.7(j. 



11, 1..271. 



') ;{, )). 298--;-iüü. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(211) 



men sind. lu diesem Punkte befindet sich auch v. Stummer in 
Übereinstimmung mit Wheeler.^) 

Was den zweiten Punkt anbelangt, so befindet sich dagegen 
V. Stummer in Übereinstimmung mit der Ansicht Beards, daß 
sowohl der weibliche als auch der männliche Geschlechtsapparat 
als Derivat des Coeloms aufzufassen sei.^) 

Während sich also die Ansichten Wheelers und v. Stummers 
bezüglich des Baues des weiblichen Genitalapparates im großen 
und ganzen decken, stellt Letzterer eine neue Hypothese als Er- 
klärung dafür auf, daß die Eier unter dem Epithel in Follikel zu 
liegen scheinen, deren Zellen in Verbindung mit den Zellen des 
retikulären Bindegewebes stehen. Er glaubt nämlich, daß die Eier 
in Lücken des retikulären Bindegewebes liegen und daß die sie 
umgebenden Zellen nichts anderes als retikuläre Bindegewebszellen 
seien. Durch den Druck der Eimassen würde das Peritoneum an 
bereits vorgebildeten Stellen gesprengt, die Eizellen drängen in die 
Lücken des retikulären Bindegewebes ein und erweiterten dieselben 
durch ihr Wachstum, so daß endlich der Eindruck entstehe, als ob 
die Eier in Follikel lägen. ^) Ich glaube nicht, daß Stummer mit 
dieser Hypothese recht hat, denn man sieht die Eizellen schon zu 
einer Zeit in Folhkel liegen, wo von einem Druck der Eimassen 
auf das Peritoneum deshalb keine Rede sein kann, weil das Lumen 
der Leibeshöhle den Eimassen noch Platz genug zur Ausbreitung 
läßt. Ich halte demnach die Ansicht Wheelers für die wahr- 
scheinlichste, daß die Eifollikel aus dem Peritoneum ihren Ursprung 
nehmen. 

Anders verhält es sich mit der Frage, ob der männliche Ge- 
nitalapparat auch ein Derivat des Coeloms sei^ wie Beard ver- 
mutet, oder ob er ein solches nicht sei, wie aus Wheelers Aus- 
führungen hervorgehen soll. 

V. Stummer schließt sich, wie schon oben erwähnt, in dieser 
Frage Beard an*), und zwar auf Grund folgender Beobachtungen. 

V. Stummer beschreibt und bildet Teile der vasa deferentia 
ab, an denen eine epitheliale Auskleidung und im Innern gelegene 
Spermatogonien, Spermatozyten und Spermatozoiden zu sehen sind. 



12, p. 279. 



2) 12, p. 576. 



12, p. 578. 



*) 12, p. 576. 

0* 



(212) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Diese epitheliale Auskleidung, die sieb in der Samenblase, in den 
yasa deferentia und streckenweise auch in den vasa efierentia vor- 
finde, dagegen in den eigentlichen Hodenfollikel gänzHch zu Ge- 
schlechtszellen umgewandelt erscheine, betrachtet v. Stummer als 
dem ursprünglichen Peritoneum homolog. Als im Stadium der 
Umbildung zu Geschlechtszellen begriffene Epithelzellen sieht v. 
Stummer Zellen in den vasa efferentia an, die sich teilweise von 
dem Epithel losgelöst zu haben scheinen und sich durch nichts als 
durch ihre Größe von Spermatogonien unterscheiden. Meine eigenen 
Beobachtungen decken sich hier bis auf einige schon weiter oben 
berührte Punkte vollständig mit denen Boards und v. Stummers, 
ich gehe daher nicht näher auf dieselben ein. 

Anhangsweise möchte ich bemerken, daß der ductus ejacula- 
torius nicht coelomatischen, sondern ektodermalen Ursprungs zu 
sein scheint, wenigstens findet nach den Beobachtungen Nansens 
und Graffs eine vollständige histologische Übereinstimmung und 
Kontinuität zwischen dem Epithel des Körperinteguments und dem 
der ductus ejaculatorii statt, ^) während andererseits das letztere 
sieh scharf von dem Epithel der Samenblase abhebt. 

Für unsere Frage ergibt sich aus allen diesen Arbeiten: 

1. Der weibliche Genitalapparat ist, wie Wheeler bewiesen, 
ein Teil des Coeloms, und zwar dessen dorsaler Teil. Eine nähere 
Beschreibung der Verhältnisse dieses Coelomteiles habe ich schon 
oben gegeben. 

2. Der männliche Genitalapparat ist, mit Ausnahme des ductus 
cjaculatorius, im Gegensatz zu den Vermutungen Wheelers und in 
Cbcreinstimniung mit den l^eobachtungen Boards, v. Stummers 
und meinen eigenen, ebenfalls ein Teil des Coeloms. 

Das ursprüngliche ]*eritoncale})ithcl ist in den männlichen 
Ausfiilirungswegen als epitheliale Bekleidung der vcsiculae seminalcs, 
vasa deferentia und efferentia erhalten, in den eigentlichen Testikeln 
vollständig in Geschlechtszellen umgewandelt. Ein l^umcn dürfen 
wir in diesem Teile deshalb nicht erwarten, weil ein solches von 
(Ich fortwährend entstehenden (Geschlechtszellen ausgefüllt wird. 

') 12, 1». 581-582 nnd 1\'if. XXXVII, Fi^^. 0. 

») 10, Tab. VIII, ri- r, lind ^, p. (il, 'j'nf. X, Fi^-. (;. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(213) 



Zum Schlüsse möchte ich noch kurz die Frage nach dem 
Exkretionssystem bei den Myzostomen behandeln, weil dieselbe in 
einem gewissen Zusammenhang mit unserer Frage steht. 

Man hat lange nach einem Exkretionssystem bei den Myzo- 
stomen gesucht. Mecznikow und Beard hielten die männhchen 
Ausftthrungswege für modifizierte Nephridien^); Nansen sprach 
die Ansicht aus, daß die „Seitenorgane" als Exkretionsorgane fun- 
gieren könnten.^) Beard und mit ihm fast gleichzeitig Wheeler 
bezeichneten endlich die schon von Nansen als „lateroventrale 
Ovidukte" beschriebenen Schläuche zu beiden Seiten des Darmes 
als die wahren Nephridien.^) Wheeler hat die Richtigkeit dieser 
Behauptung höchst wahrscheinlich gemacht durch die Feststellung 
des im anatomischen und histologischen Bau begründeten sekre- 
torischen Charakters dieser Organe^) Daß die Mündung dieser 
Schläuche nach außen bei verschiedenen Spezies ein verschiedenes 
Verhalten zeigt, z. B. bei Myzostoma 'belli und Mysostoma cysticolum 
ohne Vermittlung einer Kloake direkt nach außen führt, ^) wird 
von Wheeler und v. Stummer als ein weiterer Beweis für die 
nephridiale Natur dieser Organe angesehen. 

V. Stummer schheßt demnach sich der Ansicht Wheelers an,^) 
weist aber daraufhin, daß eine endgiltige Lösung dieser Frage nur von 
der Kenntnis der Entwicklungsgeschichte dieser Organe zu erwarten 
sei. Für 2Iyzostoma asteriae Marenz. beschreibt v. Stummer diese 
Nephridien näher und bemerkt unter anderem, daß sich das lang 
gewimperte, hochzylindrische Epithel des Nephridiums am Nephro- 
stom scharf abhebe von dem niedrigen, kurz bewimperten Epithel 
des „Uterus".') Ich konnte ein solches Verhalten bei Myzostoma 
glahnmi nicht beobachten, finde vielmehr, daß der Ubergang des 
„Uterus"- Epithels in das Nephridialepithel ein ganz allmählicher 
ist, so daß man überhaupt nicht sagen, kann wo der Uterus aufhört 
und der Nephridialschlauch anfängt. Ich habe die Verhältnisse an 
ganz jungen Tieren studiert in der Hoffnung, dadurch vielleicht 

1) 9, p. 242 und 1, p. 566. jo, p. 76 und 77. 

^) 2, p. 403, Anm. 6-, 3, p. 297 und 298: 14, p. 275—278-, 10, p. 78, Tab. I, 
Fig. 8 und 10, Tab. VII, Fig. 25 und 26, Tab. IX, Fig. 20, 21 und 23. 

*) 14, p. 275. ^) 14, p. 276 und 277. ^) 12, p. 584 und 585. 

') 12, p. .585 und 586. 



(214) 



Versammlung der »Sektion für Zoologie. 



Aufklärung über die Entwicklung dieser Schläuche zu bekommen, 
konnte aber nur konstatieren, daß die Schläuche auch schon bei 
den jüngsten von mir untersuchten Tieren sowohl mit der Kloake 
als auch mit der Coelomanlage verbunden sind. Das Einzige, was 
ich feststellen konnte, ist die vollkommene histologische Überein- 
stimmung zwischen den Zellen der Coelomanlage und denen der 
„Nephridien", ein Umstand, der vielleicht auf eine Entstehung der 
„Nephridien" vom Coelom hindeutet. Es würde eine solche Ent- 
stehung mit der Entwicklungsgeschichte der Nephridien bei anderen 
Anneliden übereinstimmen, denn soweit wir über die Entwicklungs- 
geschichte der Nephridien bei anderen Anneliden unterrichtet sind, 
nehmen dieselben wahrscheinlich vom Dissepiment ihren Ursprung, 
sind also ebenfalls Coelomderivate.^) 

Literaturverzeichnis. 

1. John Beard, On tlie Life-liistory and Development of tlie Genus Mijso- 

stoma (F. S. Leuckart). — Mitth. Z. Stat. Neapel, Bd. V, 1884, S. 544 
bis 580, Tab. XXXI, XXXII. 

2. — The Nature of the Herraaphroditism of Myzostoma. — Zool. Anzeiger, 

17. Jahrg., 1894, S. 399—404. 

3. — The Sexual Conditions oi Myzostoma glahrum (F. S. Leuckart). — Mitth. 

Z. Stat. Neapel, Bd. XIII, 1898, p. 479—564, Tab. XIII— XVII. 

4. L. v. Gr äff, Das Genus Myzostoma (F. S. Leuckart). Leipzig, 1877. 

5. — Verzeichnis der von den United States Coast-Survey Steamers „Hassler" 

and „Blake" von 18G7 zu 1879 gesammelten Myzostomiden. — Bull. Mus. 
Comp. Z. Cambridge. Vol. XI, 1883, p. 125—133. 

6. Cl aus -G robben, Lehrbuch der Zoologie, Erste Hälfte, 1909, S. 396, Abs. 3. 

7. Korschelt-Heider, Lehrbuch der vergleichenden Entwicklungsgeschichte 

der wirbellosen Tiere, Spezieller Teil, Erstes Heft, 1890, S. 195-197. 

8. E. V. Mar enzeil er, Myzostoma asteriae nov. spcc, ein Endoparasit von 

^s^mas-Arten. — Anzeiger der kais. Akademie d. Wissensch, in Wien, 
Nr. XVIII, Juli 1895. 

9. K. Mecznikow, Zur Entwicklungsgeschichte von Myzosiomum. — Zeit- 

schrift f. Wissensch. Zoologie, Bd. XVI, 1866, S. 236—244, Taf. XIII A. 

10. F. Nansen, Bidrag til Myzostomernes Anatomi og Ilistologi. — Bergen, 

1885, Tab. I— IX (mit englischem Resume). 

11. Semper, Zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Gattung Myzo- 
stoma ^Leuckart). — Zeitschrift f. wiss(!nsc]i. Zoologie, Bd. IX, 1858, 
S. 48-64, Taf. III u. IV. 



») 7, p. 195-197. 



Versammlung äer Sektion für Zoologie. 



(215) 



12. R. Ritter v. Stumm er- Tr<aunf eis, Beiträge zur Anatomie und Histologie 

der Myzostomen. I. Myzostoma asteriae Marenz. — Zeitschrift f. wissensch. 
Zoologie, Bd. LXXV, 1903, 8. 496-595, Taf. XXXIV— XXXVIII. 

13. W. M. Wheeler, Protandrie Hermaphroditism in Mijzostoma. — Zool. 

Anzeiger, Nr. 447, XVII. Jahrg., 1894, S. 177—182. 

14. — The Sexual Phases of Myzostoma. — Mitt. Zoolog. St. Neapel, Bd. XII, 

2. Heft, 1896, p. 227—302, Tab. X— XII. 

15. — J. Beard on the Sexual Phases of Myzostoma. — Zool. Anz., Nr. 591, 

Bd. XXII, 1899, S. 281—288. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologfie. 

Versammlung am 6. Mai 1910. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit refe- 
rierenden Bemerkungen vor: 

Hampson, Sir George F., Catalogue of the Lepidoptera 

Phalaenae in the British Museum. V-ol. IX (Noctuidae, 

Fortsetzung). London, 1910. 
Hafner J., Verzeichnis der bisher in Krain beobachteten 

Großschmetterlinge, n. Teil. (Laibach, „Carniola," 1910.) 
Kopec St., Über morphologische und histologische Folgen 

der Kastration und Transplantation bei Schmetterlingen. 

Krakau, 1910. 

Nickerl, Dr. Ottok., Die Federmotten Böhmens. (Beitrag zur 
Insektenfauna Böhmens, VII. Prag, 1910.) 

II. Derselbe macht über das Vorkommen von Papilio machaon 
ab. nlger Heyne bei Wien nachstehende Mitteilungen: 

Herr Rudolf Müller, k. k. Postbeamter in Wien, erbeutete um 
den 22. Juli 1907 in der Umgebung von Mauer bei Wien ein männ- 
liches, etwas geflogenes Stück obgenannter Aberration, welches 
vollständig mit den Angaben und der Abbildung bei Spengel 
(Zool. Jahrb. [Abt. Syst.], XII; 1899, S. 375, Taf. 17, Fig. 9, j^, 



(216) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



am 27. Mai 1896 bei Wetzlar erbeutet), übereinstimmt, wie ein im 
Hofmuseum vorgenommener Vergleich ergab. Das Stück ist voll- 
ständig, auch am Körper, rußigschwarz gefärbt und läßt nur auf 
den Hinterflügeln die auf kleine schwache Flecke reduzierte blaue 
Antemarginalbinde erkennen. 




Papilio machaon ab. niger Heyne. 



Außer für die obgenannten Stücke von Mauer und Wetzlar 
sind auch für ein bei Weinheim im Großherzogtum Baden am 
12. April 1882 erbeutetes Exemplar nähere Angaben bekannt ge- 
worden. Die sehr seltene Aberration kann darnach in beiden Ge- 
nerationen des Falters auftreten und scheint den Charakter einer 
„Mutation" zu besitzen. Das Wiener Stück befindet sich in der 
Sammlung des Herrn Müller, der auch die pliotographischc Auf- 
nahme zur Verfügung stellte. 

III. Herr Hauptmann II. Ilirschkc bespricht und demonstriert 
folgende neue A])errationen paläarktischer Lcpidoptercn: 

1. Pfirnrfßc mr(/f;ra var. lijssa 15. ab. hrrmlni. 

2. V(n(ir<)f' Incra var. ominala Krul. ab. huenei. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(217) 



3. Coenonympha oedippiis F. ab. ocellata. 

4. Clirysophanus dispar var. rutilus Wemb. ab. aurafa. 

5. Chrysoplianiis liippothoe var. euryhia 0. ab. tvallentini. 

6. Chrysophanus alciphron Rott. ab. gerhardti. 
1. Lycaena icarus Rott. ab. cotirvoisieri. 

8. Äcronycta aceris L. ab. asignata. 

9. Ägrotis triangulum Hufu. ab. aveUanea. 

10. Ägrotis plecta L. ab. ftiscicosta. 

11. Ägrotis plecta L. ab. strigata. 

12. Brachionycha sphinx Hufn. ab. ohscura. 

13. Euclidia triquetra F. ab. fumata. 

14. Äcidalia trilineata Sc. ab. nigrocostata. 

15. Timandra amata L. ab. roseata. 

16. Larentia cognata var. geneata Feisth. ab. perversa. 

17. Larentia aptata Hb. ab. confusa. 

18. Larentia sociata ab. 

19. Larentia hastata L. ab. latifasciata. 

20. Numeria pulveraria L. ab. unicolor. 

21. Gnoplios sordaria var. mendicaria H.-S. ab. radiata. 

22. Psodos coracina Esp. ab. argentacea. 

23. Fidonia roraria F. ab. aequaestriga. 

24. Endrosa irrorella Cl. ab. hrunnescens. 

25. Zygaena epliialtes L. ab. atritella. 

26. Mamestra leiicopJiaea View. ab. conjimcta. 

27. Ägrotis exclamationis L. ab. conjimcta. 

28. Orrhodia fragariae Esp. ab. conjimcta. 

29. Lygris prunata L. ab. internipta. 

30. Larentia corylata Tbnbg*. ab. internipta. 

31. Larentia sagittata F. ab. interrupta. 

32. Gnoplios dilucidaria Hb. ab. interrupta. 

Die nähere BeschreibuDg- dieser Aberrationen erfolgt gleich- 
zeitig in diesen „Verhandlungen". 

IV. Derselbe bepricht und demonstriert weiters zwei Zwitter 
aus seiner Sammlung: 

1. Acherontia atroposL. Der linke Fühler sowie die linke Hälfte 
des Leibes, welche die rechte weibliche Hälfte überragt, ist männlich. 



(218) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Die toteiikopfälinliche Zeichnung am Thorax ist scharf halbiert, 
und zwar die auf der linken männlichen Seite dunkel, während 
die auf der rechten weiblichen Seite licht ockerbräunlich ist. 

Der linke Vorderflügel ist schmäler und kürzer (58 mm) als 
der rechte (62 mm). Ein ähnliches Verhältnis besteht bei den Hinter- 
flügeln. 

Auch ist die Zeichnung auf der rechten ($) Seite der Vorder- 
flügel, namentlich die ockergelben Querbinden im Wurzel- und Saum- 
felde deutUcher als auf der linken (cT) Seite. 

Dieser Zwitter wurde im Oktober 1909 an einer Telegraphen- 
stange in der Nähe des Stadlauer Bahnhofes sitzend gefunden. 

2. Catocala dilecta Hb. Der rechte Fühler ist männlich, der 
linke sowie der Leib weiblich. Die Oberseite des linken Vorder- 
flügels ist normal, jene des rechten aber abweichend von der Stamm- 
form gezeichnet. Der äußere Querstreifen bildet hier nicht den 
sehr langen Doppelzahn ober der Mitte, sondern verläuft von dem 
Vorder- gegen den Innenrand gerade. Der Raum um die Nieren- 
makel ist dunkler als bei der Stammform. 

Auch die Oberseite des rechten Hinterflügels ist abweichend 
von der Stammform gezeichnet, indem die schwarze Mittelbinde 
nur ober der Mitte die scharfe rechtwinkelige Ecke bildet, dann 
aber gegen den Innenrand nur schwach gebogen verläuft, statt 
noch die zweite Ecke zu bilden. Endlich ist die Saumbinde am 
Vorderrand breiter. Aus von Dalmatien stammenden Puppen ge- 
zogen. 

Herr Dr. Rebel bemerkt zu vorstehenden Mitteilungen, daß 
von Ächerontia atropos bisher erst ein gynandromorplies Exemplar 
bekannt gemacht wurde (vgl. Taschenberg, Zeitschr. für d. ges. 
Naturw., J^d. XXII, 1863, S. 520). 

Für Catocala dilecta liegt überhaupt noch keine Angabe über 
Gynandromorphismus vor, wohl aber für andere Catocala-Artcn. 

V. Derselbe weist schließlich noch die Typen von rarnqssius 
mnemosync ab. arcuata Ilirschke, Farnassius mnemoi>yne ab. taeniata 
nirschkc und Erehia stygne var. styriaca Ilirschke, welche im 
XX. Jalir(;s})crichte des Wiener Entom. Vereins beschrieben wurden, 
vor und bemerkt l)ezliglicli des Namens vorgenannter Aberration 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(219) 



(iaeniata), daß derselbe bereits von Stichel [Sitzungsber. d. Berl. 
entom. Gesellsch., 1909, S. (38), Taf. I, Fig. 4] für eine ähnliche 
mnemosyne-khQYY2ii\on vergeben wurde, welche aber sonst den 
Charakter von var. liartmanni besitzt, wogegen bei vorliegender 
Aberration gerade die reinweiße Grundfarbe bei vollständiger Aus- 
bildung einer Binde auf den Hinterfltigeln (die auch in Zelle 6 
geschlossen erscheint) charakteristisch ist. Wegen der Namens- 
gleichheit wird daher für letztere Aberration der Name fasciata 
in Vorschlag gebracht. 

Herr Dr. Galvagni bemerkt bezüglich Parnass. mnemosyne 
ab. arcuata, daß er dieselbe Aberration im männlichen Geschlechte 
auch am 26. Juli 1909 bei Nevea alpe im Kaccolana-Tal (Italien) 
angetroffen habe, wogegen die daselbst fliegenden weiblichen Stücke 
der ab. hahichi Bhtsch. angehörten. 

Dieselbe Aberrationsrichtung (arcuata) bei Farnass. apoUo be- 
obachtet Dr. Galvagni an einem bei Loog (Trentatal, Küstenland) 
am 24. Juli 1909 erbeuteten cT. (Vgl. Jahresber. d. Wiener Entom. 
Vereins, 1909, S. 173 [9].) 

VI. Herr Leo Schwingenschuß bespricht unter Vorweisung 
eine durchaus schwärzlich berauchte Aberration von Ftilopliora 
plumigera Esp. (d^), für welche der Name ohscura in Vorschlag 
gebracht wird. Das vorgewiesene Stück wurde am 30. März 1909 
in Lang-Enzersdorf bei Wien erbeutet. Gleichgefärbte Stücke wurden 
ebenfalls aus der Umgebung Wiens von Hietzing, Neuwaldegg, 
Mödling und Laxenburg bekannt. 

VII. Herr Dr. Schawerda weist folgende interessante For- 
men vor: 

1. Ärgynnis niohe ab. eris Meig. Ein oberseits normales 
9, bei dem auf der Unterseite der Hinterflügel die vom Vorder- 
rand bis zum Analwinkel reichende Binde, in der in drei Zellen 
winzige weiße Pupillen stehen, stark dunkelbraun gefärbt ist. 
Diese auffallende Binde ist nach innen von sattgelben Monden 
begrenzt, nach außen ist sie sehr dunkel eingefaßt und von den 
sattgelben Randmonden begrenzt. Grünliche oder silberne Farben- 
töne fehlen vollständig. Die braune Farbe ist auf den Hinterflügeln 



(220) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



etwas verbreiterter und auch auf den Vorderflügeln ist die Unter- 
seite stärker braun. Die braune, zu den reingelben Monden stark 
kontrastierende Binde gibt dem Tiere etwas Apartes. Diese von 
mir phaeotaenia genannte Form stammt von Herrn A. Bayer 
und wurde bei Pernitz im Piestingtal (Niederösterreich) im August 
erbeutet. 

2. Derselbe Herr zog aus Eaupen von Rannersdorf in Nieder- 
österreich eine interessante Form von Spilosoma urticae Esp., die 
auch im Wiener Hofmuseum vertreten ist und die Herr Dr. Bebel 
in seinem neuen Werke ab. pluripunda nennt. Die schwarzen 
Punkte der Vorderflügel fließen am Vorderrand und in einer zweiten 
und dritten demselben parallelen Linie zu schwarzen Linien zu- 
sammen. Der Name pluripuncta möge seinem Wortlaute gemäß 
den Exemplaren bleiben, deren schwarze Punkte reichlich die 
Vorderflügel zieren. Für die so ausgeprägt schwarz gestreiften 
Stücke schlage ich den Namen nigrostriata vor. 

3. Ebenso müssen die zahlreichen Stücke von Erebia euryale 
var. ocellaris Stdgr., die auf der Oberseite nur Spuren der ocellaris- 
Zeichnung aufweisen (in Form vereinzelter roter Flecke oder von 
Augenresten), von der Form extrema Schaw., die ich vollständig 
schwarzbraun aufgefaßt wissen will, abgetrennt werden. Sie sind 
nicht mehr typische ocellaris und noch nicht extrema, sondern die 
f. intermedia. Zu ihnen gehört das Gros meiner Stücke aus St. 
Ulrich in Gröden. 

4. Stücke von Folia venusta B. aus Digne in Südfrankreicli 
aberrieren ziemlich stark. 

Herr F. Wagner lieferte mir ein Stück (9) aus St. Fiel in 
Portugal, das mir sofort durch die stark vorherrschende rote Farbe 
auffiel. Der Thorax ist rot. Die Wurzeln der Vorderflügel sind 
stark rot gefärbt. Das ganze äußere Viertel ist bis zu den Fransen 
rot, was bei den typischen Stücken nie der Fall ist. Diese ausge- 
dehnte rote Färbung soll nach Herrn F.Wagner bei allen Faltern, 
die er aus St. Fiel erhielt, vorhanden sein. Es scheint sich dem- 
nach um eine Lokalform aus Lusitanicn zu handeln. Erythra 
(d. Ii. „Die Bote") möge diese Form genannt sein. 

:). \'oni Otsrlicr (Fcldwics) liat vor einigen Jahren Herr 
l''r. \\';ign(;r die stark ^^cäugte Manto-Fünn ocdlald besclirieben. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(221) 



Dr. Seil a wer da weist drei cT und zwei $ dieser Form vor, die 
Ende Juli und Anfang August auf dem Dürrnstein bei Lunz (Lechner- 
alm) und am Mittersee bei Lunz gefangen wurden. Aus diesem 
südwestlichen Winkel Niederösterreichs stammen auch Lycaena ica- 
rus var. celina Aust. mit deutlichen Randpunkten auf den Hinter- 
flügeln (26. Mai, Lunz am See, F. Sauruck); Lijcaena hellargus 
ab. alhofimh'iata Gillm. mit rein weißen ungefleckten Fransen (Lunz, 
Lunzberg-Elendspitze, 1000m, 14. Juni, F. Sauruck); Lycaena cori- 
don ab. Si(avis Schultz mit nach innen rot gesäumten, schwarzen 
Saumpunkten der Hinterflügeln (Lunz, Luuzberg, 12. Juli, F. Sau- 
ruck); Erehia eriphyle Frr., ein großes Weibchen, hell rostrot 
gefleckt und deutlich geäugt (Lechnergraben am Dürrnstein, Finster- 
gstaud, 23. Juli, F. Sauruck); Äporoj^hyla liitiilenta Bkh. cf (Lunz, 
9. September, am elektrischen Licht, F. Sauruck) und Hesperia 
andromedae Wallgr. cT (Lechnergraben, Beginn der Latschenregion). 

VHL Herr Josef Nitsche berichtet über zwei neue Lepi- * 
dopteren- Aberrationen aus der Wiener Gegend : 

1. Am 14. Mai 1907 erbeutete ich auf dem Troppberge nahe 
der Ruine ein kleines Stück von Tapilio machoon, bei welchem auf 
den Hinterflügeln der schwarze Strich am Querast der Mittelzelle 
vollständig fehlt, so daß es als ab. estrigata bezeichnet werden 
kann. Das Stück Aveicht auch durch einen weniger geschwungenen 
Saum der Vorderflügel etwas von normalen Stücken ab. 

2. Unter normalen Stücken von Äglia tau erbeutete ich auf 
dem Hermannskogel im Mai 1906 ein cf, bei welchem auf der 
Unterseite der Flügel die schwärzliche Bestäubung, wie sie nament- 
lich im Apikaiteil der Vorderflügel und längs des Kostalrandes der 
Hinterflügel normalerweise sich findet, vollständig fehlt, für welche 
Aberration ich den Namen impulverea in Vorschlag bringe. Im 
Jahre 1909 gelang es mir, je ein gleiches am 17. April am 
Hameau und am 18. April am Dreimarkstein zu erbeuten. Im 
Wiener naturhistorischen Hofmuseum fand sich auch ein weibHches 
Stück der gleichen Aberration. Letzteres Stück stammt aus der 
berühmten Sammlung des Abbe Mazzola und ist tadellos erhalten. 

Bemerkt sei noch, daß es sich lediglich um eine Aberration 
der Unterseite handelt, da Stücke mit schwächer bestäubter Ober- 



(222) 



Versammlung" der Sektion für Lepidopterologie. 



Seite trotzdem die normale schwarze Bestäubung der Unterseite 
haben können. 

IX. Herr Dr. Egon Galvagni legt eine interessante Publi- 
kation Prof. Dr. Pfurtsch ellers: „Die Verwandlung des Kohlweiß- 
lings" („Natur", V. Jahrg., 1909, Heft 17, S. 513—528, mit Text- 
figuren) zur Ansicht vor. 

Prof. Bebel macht auf den Zusammenhang dieser Publikation 
mit der Herausgabe der Wandtafeln desselben Autors aufmerksam. 

X. Herr Prof. Rebel berichtet über die Verhandlungen mit 
dem Musealausschuß des niederösterreichischen Landesmuseums,^) 
wonach eine beide Teile befriedigende Erledigung zu erwarten steht. 

Sowohl über die Abgabe von geeignetem Material an das Hof- 
museum, als vorläufige Sammelstelle, als über die nunmehr inten- 
siver in Angriff zu nehmende faunistische Erforschung von Nieder- 
österreich entsteht eine längere Diskussion, an der sich besonders 
die Herren Hofrat Schima, Dr. Schawerda, Dr. Galvagni, 
Fritz Wagner, Fr. Preißecker und Prof Rebel beteiligen. 



Referate. 

Kecliiiig"cr, Dr. Karl. IJotanisclie und zoologische Ergebnisse einer 
wissenschaftlichen Forschungsreise nach den Samoa-Inseln, 
dem Neuguinea-Archii)el und den Salomons-Inseln. II. Teil. Be- 
arbeitung eines Teiles der botanischen Ausbeute, der Orthopteren und 
Eriophyiden von den Samoainseln sowie der Mollusken sämtlicher bereister 
Inseln. 178 S. Mit G Tat". (Aus den Denkschriften d. niath.-nat. Klasse d. 
kais. Akad. d. Wissenscli. in Wien, Bd. LXXXIV, 1908.) 

Über den ersten Teil der vorliegenden wertvollen Publikation h.it Dr. 

L. Linsbauer im LVIII. Bd. dieser „Verhandlungen", S. (18G) und (187), 

berichtet. 

D«T /weite 'J'eil zeriiillt in folgende Abschnitte: 1. Musci von V. F. 
BrotlieruH (lielKinf,'^forH). II. I'teridophy tae von K. Kechinji^er (Wien). 
III ( ' \ p ( rif ( ;i (• \ K. l';i 1 1 ;i ((Jraz). IV. A na to mische U n torsuch un^j^en 



\ gl. .ScktionslM iiclit vom 5. Noveniljer 1000 [diese „Verhandlungeji", 
.Jahrg. 1000, S. (:\2i)l 



Referate. 



(223) 



samoanischer Hölzer von A. Burgerstein (Wien). V. Molluscac von 
A. Oberwimmer (Wien). VI. Eriophyidae von A. Nal epa (Wien). VIT. Or- 
thopterae von K. Holdhaus (Wien). 

Die Bearbeitung der Laubmoose ergab folgende neue Arten, deren 
Autor durchwegs Brotherus ist: Campylopus samoanus, Exodictyon Hecliin- 
geri, Macromitrium suhgoniorhynchum, Eriopiis subreniotifolins, Ectropothecium 
excavatum, E. cyathotliecioides, E. Eechingeri, E. strictifoUum, E. rupicolum, 
E. stigmophyllum, Vesicularia samoana, Meiotheciuin Bechmgeri. Außerdem 
wurden neun Arten das erste Mal für das Gebiet der Samoainseln nach- 
gewiesen. 

Der mit 6 hübschen Vegetationsbildern und 12 Textiiguren ausgestattete 
Teil über Pteridophy ten beginnt mit einer allgemeinen Schilderung der 
Farnflora der Samoainseln vom pflanzengeographischen und biologischen Stand- 
punkte aus. Außerdem ist eine ganz neue Art {Pteris Utoralis Rech.) be- 
schrieben, während eine für die Samoainseln neue Pteridophytengattung 
(Botrycliium) und neun für diese neue Arten verzeichnet werden. Auch der 
spezielle Abschnitt enthält bemerkenswerte biologische Bemerkungen, so bei- 
spielsweise bei liymenophyllum dilatatum (Forst.) Sw., Acrostichum aureum 
L., Polypodium Phymatodes L., Asplenium Nidus L., Aspidium unitum R. 
Br. u. a. m. 

Von Cyperaceen lagen nur 17 Arten vor, von welchen aber acht für 
die Samoainseln neu sind, darunter die überhaupt neue Art Carex Bechingeri 
Palla, welche — den Prinzipien des Autors^) entsprechend — ohne lateinische 
Diagnose publiziert ist. 

Sehr wertvoll ist die Untersuchung von ungefähr 140 samoanischen 
Holzarten durch A. Burgerstein. In einer kurzen Einleitung bespricht 
dieser Autor einige terminologische Schwierigkeiten in der Bezeichnung der 
einzelnen Elemente des Holzes. Die untersuchten Arten gehören 42 Dikotylen- 
Familien und drei Monokotylen-Familien au. 

Mollusken sammelte Rechinger sowohl auf den Samoainseln als 
auch auf Bougainville (Salomonsinseln), hier allerdings fast ausschließlich 
Land- und Süßwasserformen. Neue Arten sind: Melania (TarebiaJ sturanyi 
Oberw., Melania (s. str.) rechingeri Oberw. (beide aus Bougainville) und Gibhida 
calliostomoides Oberw. (von der Samoainsel Upolu). Als neue Subspezies ist 
Papuina cJiancei rechingeri Oberw. aus Bougainville beschrieben. Diese neuen 
Formen sind nebst Chloritis (Sulcobasis) isis Pfr. auf der beigegebenen Tafel 
abgebildet. 

Wie wenig über die Eriophyidenfauna der pazifischen Inseln bisher 
bekannt ist, kann aus dem Umstände entnommen werden, daß von sechs 
Phytoptocecidien, welche Rechinger auf der Insel Upolu sammelte, fünf für 
die Wissenschaft neu sind. Dazu kommt noch eine gleichfalls neue Galle aus 



^) Vgl. Palla, Gegen den Artikel 36 der internationalen Regeln der 
botanischen Nomenklatur. — Österr. botan. Zeitschrift, 1908, S. 55. 



(224) 



Referate. 



Ceylon. Neu beschrieben werden folgende Arten: Eriophyes hibisci Nal. (auf 
Hibiscus rosa sinejisis L., Upolu), E. hihiscitileus Nal. (auf Hibiscus tiliaceus L., 
Upolu und Savaii), E. altiis Nal. (auf Ipomoea denticulata Choisy, Upolu), E. 
aoecus Nal. (Substrat unsicher, Upolu), E. samoensis Nal. (auf Spiraeanthemum 
samoense A. Gray, Upolu), E. pauropus Nal. (auf Nephrolepis hirsutula Pres), 
Upolu), E. cingulatus Nal. (auf Eugenia Wightiana Wight, Ceylon), Phyllo- 
coptas Eechingeri Nal. (als Inquiline bei Eriophyes samoensis) und Oxypleurites 
bisetus Nal. (als Inquiline bei Eriophyes hibisci). Zwei Tafeln stellen die neuen 
Arten und deren Gallen dar. 

Holdhaus benützte die Gelegenheit, welche sich bei der Bearbeitung 
der von Rechinger auf den Samoainseln gesammelten Orthopteren ergab, zur 
Zusammenstellung eines kritischen Verzeichnisses der bisher von den Samoa- 
inseln bekannten Orthopteren. Außer dem von Rechinger gesammelten Mate- 
rial lagen dem Autor die in der großartigen Orthopterensammlung von Brunner 
v. Wattenwyl enthaltenen, von den Sammlern des ehemaligen Museum 
Godeffroy in Hamburg erbeuteten samoanischen Orthopteren vor, ferner 
das einschlägige Material des Hamburger Museums, welches zumeist denselben 
Ursprung hat, aber auch einzelne von Rein ecke gesammelte Arten umfaßt. 
Dem Verzeichnis der Arten geht ein allgemeines Kapitel über den „Charakter 
der Samoaner Orthopterenfauna" voraus. Die Zahl der von den Samoainseln 
bekannten Orthopterenarteu beträgt 56, von denen viele Beziehungen zu Arten 
der melanesischen Inseln zeigen oder überhaupt dort ebenfalls vorkommen, 
während relativ viele auf Samoa endemisch zu sein scheinen. Als neue Arten 
werden beschrieben: Labia Rechingeri Holdh., Chelisoches Lilyanus Holdh.^ 
Loboptera maculicornis Holdh., Nesotettix (nov. gen.!) samoensis Holdh., Äcri- 
dinm (CyrtacanthacrisJ siercorarium. Holdh., Nemobius grandis Holdh., Gryllodes 
insidaris Holdh., lihapihidophora Bechingeri Holdh. Abbildungen sind dieser 
wertvollen Orthopterenbearbeitung leider nicht beigegeben. 

Fritsch (Graz). 

Claus-Grobben. Lehrbuch der Zoologie, begründet von C. Claus, neu- 
bearbeitet von Dr. Karl Grobben. 2. Auflage (achte, neubearbeitete Auf- 
lage des Lehrbuches von C.Claus). Marburg in Hessen, N. G. Elwertsch 
Verlagsbuchhandlung, 1910. 

Ks ist das gewöhnliche Los der Leinbücher, daß sie mit ihrem Verfasser 
begraben werden. Die Ursache liegt nicht so sehr in der Befürchtung, daß 
nacli dein aufgelösten Kontakte des Autors mit seinen Schülern die Nach- 
frage eine geringere sein werde, sondern in der begreiflichen Abneigung eines 
Neubear])eiter8, seine zeitraubende Leistung mit der wenn auch ruhmvollen 
Flagge des Vorgängers zu decken und bei einem vorgeschriebenen Festhalten 
an den f'hcrzeugungen des ursprünglichen Verfassers die eigenen der Ver- 
gaiig(;nlieit zum Opfer zu bringen. Die Gegenwart verlangt von einer Neu- 
bearbeitung mehr als einen bloßen Bericht über d(!n Jcsweiligen Stiuul der 
WlHflenHchaft für die Be<iuemen, sie erwartet von einem hervorragenden Forscher 



Referate. 



(225) 



und Lehrer, der sich der Mühe unterzieht, ein Lehrbuch zu schreiben, nur 
ein solcher kommt hier in betracht, daß er seine eigenen Anschauungen der 
Dinge kundgebe und sie mit dem ganzen Ansehen seiner Persönlichkeit ver- 
trete. Die persönliche Note ist auch das Geheimnis des Erfolges, denn nur 
sie facht das Interesse weit über die Kreise der Studentenschaft hinaus an. 
So erging es auch dem Lehrbuche der Zoologie von C.Claus. Schon bei 
der ersten Neubearbeitung schlug Grobben seinen eigenen Weg ein. Der 
alte Rahmen zwar und die erste Signatur wurden pietätsvoll beibehalten, 
aber jener umschloß eine neue, selbständige Leistung. In der eben erschienenen 
zweiten Auflage ist dieser Charakter noch feiner ausgeschiiffen. Übrigens 
herrschte allgemein von Anbeginn die richtige Beurteilung des tatsächlichen 
Verhältnisses vor, da man stets von Grobbens Zoologie und kaum von einer 
neuen Auflage des Lehrbuches der Zoologie von Claus sprach. 

Es bedarf wohl nicht einer besonderen Erörterung, daß der Verfasser 
mit seiner bekannten Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit die neueste Lite- 
ratur zur Vervollkommnung auch dieser zweiten Auflage seines Werkes heran- 
zog. Grobben erkannte das Bedürfnis, eine Spezialität des Claus sehen 
Lehrbuches, die Systematik, weiter zu entwickeln und die Fortschritte auf 
diesem Gebiete will ich kurz berühren. Eine ausführliche Auseinandersetzung 
und Begründung seines neuen Systems veröfientlichte der Verfasser bereits 
im Jahrg. 1908 dieser „Verhandlungen" unter dem Titel: Die systematische 
Einteilung des Tierreiches. — In der Division der Coelenterata sind die Ver- 
änderungen gering. Nur die Anthozoen, die eine Unterklasse der Sajpliozoa 
waren, werden zu einer eigenen Klasse erhoben. Einschneidender sind die 
Veränderungen in der Division der Coelomata. Während Grobben früher 
die Tierkreise der Zygoneura, Ämbulacralia, Chordonia unterschied, erzielte 
er eine höhere Präzision und wesentliche Vereinfachung dadurch, daß er die 
Ämbulacralia und CJiordonia in eine Gruppe zusammenzog, weil die Weiter- 
entwicklung der Gastrula das einheitliche Merkmal zeigt, daß der Urmund 
zum After wird und der Mund am entgegengesetzten Ende durchbricht. 
Gr ebben gibt diesem Tierkreise sowie dem Reste der Coelomata neue Namen. 
Die letzten bilden die Protostomia {Zygoneura Hatscheks), jene die Deutero- 
stomia. Die Protostomia enthalten keine Unterkreise, die Beuterostomia zer- 
fallen in drei: Ämbulacralia, übereinstimmend mit dem früheren Typus der 
Ämbulacralia (Kladus Echinoderma und Enteropneusta), Homalopterygia mit 
dem einzigen Kladus der Cliaetognatha, Chordonia (Kladus der Tunicata, 
Äcrania und Vertebrata). Neu ist der Unterkreis der Homalopterygia für die 
vielfach herumgeworfenen CJiaetognatlia. Die sekundäre Bildung des Mundes 
weist auf die Beuterostomia, doch ist es noch nicht festgestellt, daß der After 
auf den Gastrulamund zurückzuführen sei. Die Klasse der Coelhelminthes der 
ersten Auflage (mit den Ordnungen der Botatoria, GastrotricJia, Kinorhyncha, 
Nematoda, Isematomorpha und Äcantlwcephali) wird, um Verwechslungen mit 
der abweichenden Auffassung anderer Autoren vorzubeugen, in Äschelminthes 
umgetauft. In den Scoleciden wird eine Klasse für die von den Bryozoa 

Z. B. Ges. 60. Bd. p 



(226) 



ßeferate. 



abgetrennten Ento-procia errichtet. Die Branchiura (Familie der Argulidae) 
werden eine selbständige Ordnung. Ebenso die früher den Opilioniden einge- 
reihten Eicinulei. In der Unterklasse der Myriapoden werden die Ordnung 
der Frogo7ieata aufgelassen und die frühereu Legionen der Symphyla, Fauro- 
poda, Diplopoda zu Ordnungen. Die bisher als Ordnung der Myriapoda auf- 
gefaßten Chüopoda werden ausgeschieden und zu einer der vier Unterklassen 
der Eutmcheata erhoben. An Stelle der Klassen der Balanocephala und 
Biscocepliala im Kladus der Enteropneusta treten die der Helminthomorpha 
(uom. uov.) und die Pterobranchia. 

Wo es der "Verfasser für notwendig hält, unterläßt er es nicht, auf die 
Mängel der angenommenen Gruppierung hinzuweisen. Mit der gemischten 
Gesellschaft der „Mesozoen", die ihren Protektoren schon manche Enttäuschung 
bereiteten, hat er sein System nicht beiastet. 

Text und Figuren der neuen Auflage, deren Notwendigkeit nach kurzer 
Frist der beredteste Anwalt für die Bedeutung und Vorzüge des Werkes ist, 
zeigen einen nicht unbeträchtlichen Zuwachs. E. v. Marenzeller. 

Laus Heinrich, k. k. Professor an der Lehrerbildungsanstalt in Olmütz. 
Schulflora der Sudetenländer mit besonderer Eücksicht auf Mähren, 
mit pflanzengeographischen und biologischen Hinweisen zum Schulgebvauche 
und für botanische Exkursionen. Brünn, 1908. Druck und Verlag von Fr. 
Irrgang. (Gebunden K 5.) 

Die Absicht des Verfassers, ein kleineres Gebiet seiner Schulflora zu- 
grunde zu legen, pflanzengeographische und biologische Bemerkungen, ein- 
gehendere Standortsangaben, endlich außer den Bestimmungstabellen noch 
Beschreibungen der einzelnen Arten beizugeben, ist als eine recht glückliche 
zu bezeichnen und in dieser Hinsiclit nahm ich das gut ausgestattete, auch 
nicht zu teuere Buch mit Interesse zur Hand. Ich komme aber nach ein- 
gehender und wiederholter Durchsicht doch nur zu dem Ergebnisse, daß das 
Werk wohl ein ganz brauchbarer Behelf ist, um sich über die Verbreitung 
der einzelnen Arten Aufschluß zu verschaffen, daß es aber erst in einer sorg- 
fältig bearbeiteten Neuauflage, nach Beseitigung der offenbar durch zu hastige 
Arbeitsweise bedingten Versehen, seinem Zwecke ganz entsprechen dürfte. 

Ich sehe im folgenden von Druckfehlern, Flüchtigkeiten in der Nummern- 
gebung bei den analytischen 'Jabellen, Inkonsequenzen in der Nomenklatur 
u. dgl. ganz ab und möchte zuerst darauf aufmerksam machen, daß die auf 
S. XII— XXIV liclindliche Tabelle (zur Bestimmung der Familien) für Ginkgo, 
Thuja, Cii]/rcs8ii8, Asparagus (die Kladodien sielit doch jeder Anfänger für 
nadelfürniige Blätter an), Arten von Fotamogcton mit Scliwimmblättern, J^ortu- 
laca, Sderanthus, INcgundo im Sticlie läßt, daß die im speziellen Teile ange- 
fülirten Familien der Platanaceen, Xanthoxyle(!n (wohin der Verfasser Ptclea 
und AilanthuM rechnet) und Bigiioniaceen (wohin vom Verfasser auch J*aulownia 
/^enteilt wini) im ScIiIühkc!! fehlen, d;iß kIcIi in der ( Üianikteristik der Ama- 
i :nit:i(M'eii. ( ':i 1 1 i 1 1 icli.'icecn. .Moriiceeii. l>ef iil.iceen, Olcli idjiceen, y\ ni;u yllida('(!(!n, 



Referate. 



(227) 



Aristolochiaceen, Tiliaceen, Asclepiadaceen, Oenotheraceen (die Siidetenflora 
hat keine Art ohne Bliiinenkrone) und Campamilaceen Unrichtigkeiten finden 
und daß endlich die Aufstellung der Gegensätze trotz Ausführlichkeit mehr- 
fach der nötigen Schärfe entbehrt. 

Aus dem nun folgenden Teile fiel mir bei der Durchsicht auf, daß die 
Charakteristik der Ophioglossaceen (S. 1) unklar ist (die Unterscheidung von 
Ophioglossum und BotrycMum wurde S. 10 vergessen), daß es nicht angeht, 
bei Taxus und Junijjerus (S. 17) von einer 1 (beziehungsweise 3) „Niißchen" 
einschließenden Scheinbeere, bei Pinns, Ahies u. s. f. von „Früchten in Zapfen" 
zu sprechen, daß ^Äbies canadensis'' (S. 19) eine Picea (und keine Äbies) ist 
und daß man nirgends im Florengebiete Cupressus sempervirens in Parkanlagen 
und Friedhöfen (S. 20) antreffen wird! Sparganium affine hat doch keine 
„gestielten" Früchte (S. 25), so wenig wie bei Potamogeton piisilUis der 
„Blütenstiel länger als die Ähre" ist; im Gattungsschlüssel der Gramineen 
(S. 28—33) kommen Hordeum, Seeale und Elymus unter Gräser mit kurzen 
oder fehlenden Grannen zu stehen, Baldingera soll eine „reichblätterige" Rispe 
haben, Ghjceria und Gatabrosa werden — im Gegensatze zu Phragmites — 
zu den „nicht am Wasser wachsenden" Gräsern gebracht, endlich ist die so 
leichte Unterscheidung von Tragus und Milium zu einer dem Anfänger gewiß 
schwierigen gemacht, Unrichtigkeiten finden sich fernerhin (S. 58) bei Festuca 
lieterophylla {F. pseudovina ist im Schlüssel vergessen) und Bromns japonicus 
(S. 63); Carex soll (S. 68) „bei den weiblichen Blüten zwei zu einem Schlauch 
verwachsene Blättchen" haben; Scilla wird im Schlüssel der Liliaceen (S. 99 
nicht glücklich unter den Gattungen mit verwachsenblättriger Blütenhülle an- 
geführt; Crocus vernus und albiflorits werden (S. 118) nur durch Blütenfarbe 
unterschieden; Salix pentandra soll „oben drüsige Blütenstiele" (S. 133), 
Eumex acetosella „Frucht und Blüteuliülle verwachsen" haben (S. 149); Clematis 
integrifolia ist aus dem Bestimmungsschlnssel der Ranuncuhiceen (S. 187 ft\) 
nicht zu eruieren, ebenda werden für Adonis (S. 189) „zwei bis viele" Blüten- 
blätter angegeben; Arabis Halleri steht (S. 230) unter den Arten mit „Stengel 
weiß behaart", zwei Zeilen später heißt es „Stengel zerstreut behaart oder 
kahl"; Phaseolus coccineus stammt nicht aus Nordamerika, so wenig wie Cava- 
gana arborescens aus Sizilien (S. 305); welche Medicago hat Blüten „in reich- 
blättrigen Trauben" (S. 279)?; Cytisus Kitaibelii kann aus dem Gattungs- 
schlüssel der Leguminosen (S. 278) nicht eruiert werden; die Unterscheidung 
von Euphorbia und Mercurialis (S. 315) ist zum Teile unrichtig, ebenso die 
Angabe von „etwa zehn" Zungenblüten für AcJiillea (S. 475). 

Schließlich noch ein Wort über die den einzelnen Arten beigegebenen 
Beschreibungen. Der Verfasser hat es in dieser Hinsicht so gehalten, daß 
gewöhnlich die Familien durch einen Gattungsschlüssel eingeleitet werden, 
daß weiterhin größeren Gattungen ein Bestimmungsschlüssel der Arten, kleinereu 
(2—5 Arten umfassenden) auch ein solcher oder keiner (regellos) vorangestellt 
wird; kurzgehaltene Beschreibungen finden sich für jede Art vor. Selbst- 
verständlich ist der Benützer des Buches im letzterwähnten Falle auf die Art- 

p* 



(228) 



Referate. 



beschreibungen allein angewiesen, wogegen nichts einzuwenden -wäre, wenn 
diese nicht häufig so unglücklich redigierte und unbefriedigende Angaben 
brächten, daß der Bestimmende dem Verfasser wenig Dank zollen wird; hievon 
statt vieler ein Beispiel: S. 66 heißt es bei Agropijrum repens „Wurzelstock 
mit kriechenden Ausläufern", bei A. caniniim „rasenförmig, ohne Ausläufer", 
beim darauffolgenden A. intermedium (das nach A. repens zu stellen gewesen 
wäre!) fehlt die entsprechende Angabe, dafür steht „Halm steif" u. s. f., bei 
A. caninum „Halm schlaff" u. s. f., bei A. repens „Halm und Scheiden meist 
kahl", weiterhin bei diesem „Ährchen öblütig-, Hüllspelzen lanzettlich, zu- 
gespitzt, erhaben 5 nervig", bei A. caninum „Älirchen 3 — 5 blütig; Deck- 
spelzen lanzettlich, kürzer als die geschlängelte Granne", bei A. intermedium 
nichts vom Ährchen, bloß „Hüllspelzen stumpf, Deckspelzen unbegrannt, selten 
begrannt" — wer kommt da leicht ins Eeine? 

Heimerl (Wien). 

Hesse, Riehard. Der Tierkörper als selbständiger Organismus (aus 
Hesse und Doflein, Tierbau und Tierleben in ihrem Zusammenhang be- 
trachtet, 1. Bd.). Mit 480 Abbildungen im Text und 1.5 Tafeln in Schwarz-, 
Bunt- und Lichtdruck nach Originalen von H. Geuter, M. Hoepfel, E. L. 
Hoess, E. Kissling, W. Kuhnert, C. Merculiano, L. Müller-Mainz, 0. Vollrath 
und dem Verfasser. Leipzig und Berlin, Druck und Verlag von B. G. Teubner, 
1910. In Leinwand M. 20, in Halbfranz M. 22. 

Bei Durchsicht des vorliegenden prächtigen Buches drängt sich unwill- 
kürlich der Vergleich mit „Brehms Tierleben" auf; beide sind ja als Volks- 
bücher gedacht: Das „Tierleben" sollte bestimmt sein, „in gebildeten Familien 
sich einzubürgern und zu einem Hausschatze im besten Sinne des Wortes zu 
werden", wie Brehm selbst im Vorworte zur 2. Auflage (1876) bemerkte. 
Hesse erklärt, sein Buch sei so gehalten, „daß jeder, der über eine gute 
Schulbildung verfügt, es verstehen kann-, vor allem sind größere Vorkenntnisse 
auf dem Gebiete der Zoologie nicht vorausgesetzt". 

Der Vergleich der beiden Werke zeigt nicht nur die gewaltigen Fort- 
schritte auf jenem Gebiete der Naturwissenschaft, das man „Biologie" nennt, 
er gibt auch zu erkennen, in welchem Mnße sich das Verständnis des großen 
deutschen Lesepublikums für biologische Fragen vertieft haben muß, wenn 
man ihm heute solch' nahrhafte Kost vorsetzen darf — ohne die üblichen 
Reizmittel einer feuillet(miHtiscl)eii Sclireil)art. An Brehm schätzten wir vor 
allem den ]\Ieist(;r der Lrzälilung: durch die einschmeichelnde Art der Dar- 
stellung wußte er seine Hörer und Leser zu fesseln. Für Hesses Buch war 
schlichte, sachliche Klarheit das Hauptziel, „da ja der Stoff allein in so un- 
gewöhnlichem Maße üb(;rall wieder fesselt und überrascht". 

War Hreli niH Tierleben die reich illusfricrte Fibel, mit (hiren Hilfe das 
deutsche Volk (ins Buclistabienm im groß(Mi, lelxmdigen BucIk; der Natur er- 
l<;rm'n sollte, ho könnten wir das H osse-Dof I (ii n sehe Werk eine natur- 
\viv«fii«fli;iniif'li<' r.ilicj iif'tDKii. ein Volkslehrl)Ucli, das nicht nur gelesen. 



Referate. 



(229) 



sondern Seite für Seite ernstlich studiert sein will. In den Illustrationen 
treten die tieferstelienden Kleintiere den hochorganisierten Großtieren gegen- 
über in den Vordergrund. Die bunten Vollbilder der letzteren nehmen sich 
neben den zahlreichen anatomischen, histologischen, embryologischen Detail- 
figuren im Text wie pädagogische Hilfsmittel aus, auf die man doch noch 
uicht ganz verzichten wollte, um den Lernenden den Übergang von der leichten 
Lektüre der Fibel zum ernsten Studium der Bibel zu vermitteln. Wenn doch 
vielleicht die Aufnahmsfahigkeit der wissensdurstigen Leser zeitweise unter 
der Fülle des gebotenen Neuen zu sinken beginnen sollte, werden ihnen die 
Betrachtung der von bekannten Tiermalern entworfenen Farbentafeln er- 
wünschte Ruhepausen sein, um alsbald das Studium mit frischen Kräften fort- 
zusetzen. 

Die Einteilung des Stoffes ist übersichtlich und klar. 

Im Vorwort gibt der Verfasser eine kurze, historische Skizze von dem 
Werdegange der biologischen Betrachtungsweise, die so lange Zeit von der 
„Hochflut deszendenztheoretischen Interesses" zurückgehalten worden war. 
Dem Andenken Bergmanns und Leuckarts, der Verfasser des trefflichen 
Buches: „Anatomisch-physiologische Übersicht des Tierreiches", in dem diese 
Betrachtungsweise zum ersten Male im Zusammenhang durchgeführt wurde, 
hat Hesse sein Werk gewidmet. 

In der Einleitung werden sodann die Grundprobleme des Lebens, der 
Aufbau des Protoplasmas, das System der Tiere und die Abstammungslehre 
übersichtlich dargestellt. 

Der erste der vier Abschnitte (Bücher nennt sie der Verfasser) be- 
handelt die Statik und Mechanik des Tierkörpers, die Stützgerüste der Wirbel- 
losen und Wirbeltiere und die verschiedenen Arten der Bewegung (Gleiten, 
Schreiten, Schweben, Schwimmen, Springen, Laufen, Klettern, Fliegen u. dgl.). 

Der Besprechung des Stoffwechsels und seiner Organe ist das nächste 
Kapitel gewidmet; hier werden Art der Ernährung, Atmung, Exkretion, Blut- 
kreislauf, Körpertemperatur erörtert. 

Im dritten Buche bietet der Verfasser eine sehr übersichtliche Darstellung 
der Fortpflanzung und Vererbung im Tierreiche und einen Abriß der Entwick- 
lungsgeschichte. Daß bei dieser Gelegenheit die Mendel sehen Regeln, die 
Theorie von der Individualität der Chromosomen, Geschlechtsbestimmung, 
Amphimixis u. dgl. abgehandelt werden, sei nur nebenbei erwähnt als Bei- 
spiele der großen Mannigfaltigkeit des Gebotenen. 

Das letzte, vierte Buch betrifft die Darstellung des Nervensystems und 
der Sinnesorgane; ein Schlußkapitel, betitelt: „Das Ganze und seine Teile", 
bespricht die Arbeitsteilung im Tierkörper, die Bindung der Teile zum Ganzen, 
die Anpassung der Teile aneinander. 

Die Zusammenstellung eines Buches, in welchem so Verschiedenartiges 
zur Sprache kommt, erfordert umfassende Literaturstudien. Daß diese vom 
Verfasser gründlich besorgt wurden, vermag jeder Spezialist beim aufmerk- 
samen Durchlesen der sein engeres Forschungsgebiet betreffenden Abschnitte 



(230) 



Referate. 



selbst festzustellen. Ein Literaturverzeichnis bringt eine Auslese der wichtig- 
sten Arbeiten, hauptsächlich zusammenfassende Übersichten, und soll jenen 
zur Unterstützung dienen, die irgend eine der aufgeworfenen Fragen näher 
verfolgen wollen. Aufgefallen ist uns noch, wie gut und ungezwungen der 
\'erfasser Kunstausdriicke verdeutscht hat. Etymologische Erklärungen fremd- 
sprachiger Termini finden sich überdies im Register. 

Ein Wort des Lobes verdient schließlich noch der rührige Verlag für 
die gediegene Ausstattung des Bandes, dem der zweite Band hoffentlich bald 
folgen wird. Ad. Steuer (Innsbruck). 



Bericht der Sektion für Paläontolog^ie und 
Abstammungslehre. 

Versammlung am 16. November 1910. 
Vorsitzender: Herr A. Handlirsch. 

Herr Prof. Dr. 0. Abel sprach über ..Die Vorfalircn der 
Vög-el und ihre Lebensweise". 

Der Vortragende gibt zunächst eine Übersicht der aktiven 
und passiven Flugtiere und bespricht u. a. den FallbaHonflug 
von Draco, worüber vor kurzem K. Deninger (Naturw. Wochen- 
schrift, 9. Januar 1910) berichtete. Er demonstriert ein künstlich 
aufgeblasenes Exemplar von Braco lineaius und teilt mit, daß 
Kustos F. Siebenrock schon vor längerer Zeit diese Fähigkeit 
des Aufblasens bei Draco festgestellt hat. 

Zur Vorfahren frage der V()gel Ubergehend, bespricht der Vor- 
tragende in eingehender Weise Hand- und Fiißbau der Tlicropoden 
und weist nach, daß bereits die ältesten Tlicropoden in der Stärke 
und Länge der Finger (zweiter Finger stets der längste) sowie in 
der licduktion der ulnaren Finger (5., 4., später auch der 15.) eine 
unverkennbare Anahtgie mit den V()gcln zeigen. 

\']v weist l'crncr naeli, daß einige der ältesten Tlicropoden einen 
o|)p(. liierbaren, nach liinten abstehenden Ilallux besessen liaben, 
wie aus den Käbrten im ( 'onrHictieutsandstcin (IMiät) von Massa- 
ebu^etts sowie miis den l'^iiliskeletten rbiUiselier, jiirassiscber und 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (231) 



kretazisclier theropoder Dinosaurier hervorgeht (Anchisaurus, Allo- 
saums, Tyrannoscmriis). Bei vorschreitender Anpassung an das 
Schreiten und Laufen drehte sich entweder der Hallux wieder 
nach vorne (z. B. Plateosaurus) oder er bheb an seiner ursprüng- 
lichen Stelle am Hinterrande des Metatarsus und verkümmerte (z. B. 
Compsognathus). 

Aus diesen Tatsachen schließt der Vortragende auf eine ar- 
borikole Vorstufe der terrestrischen Theropoden einerseits und der 
arborikol gebliebenen Vögel anderseits. Die Annahme schreitender 
und laufender Lebensweise hat später bei den Vögeln wie bei den 
bipeden Dinosauriern zu einer Außerdienststellung des primär oppo- 
nierbaren Hallux geführt. 

Damit fällt die Annahme einer Abstammung der Vögel von 
laufenden Dinosauriern, die von Franz Baron Nopcsa und J.Vers- 
luys vertreten wurde. 

Die Verlängerung des Index in der Theropodenhand sowie 
die Verstärkung der Krallen am Daumen und Zeigefinger, ferner 
die Schrägstellung der Zehenkrallen einiger obertriassischer Thero- 
poden ist vielleicht als Anzeichen dafür anzusehen, daß der arbori- 
kolen Stufe der theropoden Dinosaurier eine grabende, terrestrische 
Lebensweise voranging. 

Als Analogon wären die Eichhörnchen heranzuziehen, welche 
gleichfalls von grabenden^ bipeden Steppentieren abstammen und 
sekundär arborikol geworden sind. 

Eine ausführliche Darlegung dieser Untersuchungen wird im 
Januarheft dieser „Verhandlungen" erscheinen. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna 
von Kärnten. 



Von 

Dr. med. Roman Puschnig (Klagenfurt). 
Mit einer Figur im Texte. 

(Eingelaufen am 2. April 1909.) 

Nachfolgend sind, in Erweiterung und Ausführung einer 
bereits im Jahre 1896 in der „Carinthia" gebrachten Liste der 
„Kärntischen Orthopteren" (31)/) Beobachtungen wiedergegeben, 
welche in den Jahren 1894 — 1908,^) intensiver und methodisch aller- 
dings nur in den zwei ersten und zwei letzten Jahren dieses Zeit- 
raumes, an der kärntnerischen Ortliopterenfauna gemacht wurden 
und auch in diesen Jahren durch berufliche Zeitbindung mancher- 
lei Beschränkung, insbesonders in den alpinen Exkursionen, er- 
fahren mußten; ich komme auf die daraus sich ergebenden Lücken 
und Mängel dieser faunistischen Skizze noch zurück. Es sind im 
folgenden 69 für Kärnten bekannte genuine Orthopterenarten (ohne 
Forficuliden) angeführt, von denen ich aber drei (Facliytylus 
daniciis, Oedaleiis nigrofasciatus und Bhacodeis discrepans) als für 
unsere Fauna nicht sicher festgestellt vorläufig zurückstelle. Bei 
der relativ geringen Artenzahl und der starken Verbreitung der 
meisten Arten ist es dem aufmerksamen Beobachter möglich, über 
den morphologischen und biologischen Wert der einzelnen Formen, 
über Größen-, Form-, Farbenverhältnisse, Konstanz und Variabilität 
derselben, über Häufigkeit oder Seltenheit, Gesondertheit oder Ubi- 

^) Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das endständige 
Literaturverzeichnis. 

^) Anläßlich der Korrektur wurden noch einige im Jahre 1909 gemachte 
Beobachtungen eingefügt. 

Z. B. Ges. 60. Bd. 1 



2 



Roman Puschnig. 



qiiität des Vorkommens usw. ein viel reicheres, klareres und abge- 
rundeteres Bild zu bekommen als bei anderen, ungleich formen- 
reicheren Insektengruppen. Und darauf, auf die möglichst treue 
Wiedergabe dieses Bildes, wie es die einzelnen Komponenten der 
Orthopterenfauna in Kärnten bieten, möchte ich im nachfolgenden 
das Hauptgewicht legen, denn der faunistische Eigencharakter 
eines Landes äußert sich^ besonders im Vergleiche mit nachbarlichen 
Gebieten, bereits in der Eigenheit dieser Verhältnisse, bevor noch 
das bloße systematische Verzeichnis der vorkommenden Formen 
wesentliche Unterschiede verrät. 

Von neuen Formen ist eine vorläufig für Kärnten endemische 
Po(Us7}i a-Form, Poclisma Prossenii, beschrieben. Einige Form- 
variationen (Stenohothms parallelus var. pratensis und var. 
silvestris, Podisma pedesiris var. major, Podisma alpina var. 
alpestris subvar. carinthiaca) und einige Farbenvariationen 
(Mecostetlms grossus var. mediovittata, Chrysochraon hrachjpterus 
var. suhcaerulea, Cahptenus Italiens var. hilineata und Decti- 
CHS verrucivonis var. unicolor) sind herausgehoben, weil sie mir 
durch eine gewisse Konstanz der Erscheinung oder Häufigkeit des 
Auftretens bemerkenswert erschienen und ich sie in der mir zu- 
gänglichen Literatur nicht beschrieben oder benannt fand; nur einige 
von ihnen (die PoJisma -Abarten) sind möglicherweise endemisch, 
die anderen gewiß nicht. — In der Literatur fand ich folgende 
Angaben über das Vorkommen von Orthopteren in Kärnten. Fischer 
führt 1854 in seinen „Orthoptera europaea" (12) für zwei Arten 
{Gomphocerus sihiricus und Pterolepis germanica = lihacocleis discre- 
pans; letztere Angabe ist nicht zu akzeptieren; vgl. im speziellen 
Teil) „Carinthia" als Fundiandan. In den „Jahrbüchern des naturhist. 
Landesmuseums von Kärnten" vom Jalire 1873/75 führt Latzel in 
seinen mehrfach anregenden „Beiträgen zur Fauna Kärntens" 13 Ortho- 
pterenarten an (Tettix hipimctatus, Mecostetlms grossus, Stenoh. hi- 
gfdffdus, Stetho})hyma fuscum, Oedip. coerulescens, Psophus stridulus, 
Jiarhitistes serricauda, Xi])hidm7n fuscum, Decticiis verrucivorus, 
Thamnotrizon apterus, Ephip)>igera Vitium, Gryll. campestris und 
(Irglhfalpa vulgaris); über ein ungewöhnlich massenhaftes Auftreten 
von (irijll(>t<d]ia indgar'is findet sich ein kurzer Bericht in der „(^arin- 
thia" (Ick Jahres 187H (4). Brunner l'iihrt in seinem l'rodromus (1S82) 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



3 



Kärnten als Fundiand für folgende neun Arten an : StenohotJirus stig- 
maticus, Podisma pedestris und Schmidti (Fezotettix pedestris und 
mendax), Leptophyes albovittata und hosci, Locusta caudata, Tliamm- 
trison fallax, Troglophiliis cavicola und Gryllus frontalis. In Redten- 
bachers „Dermapteren und Orthopteren des Erzherzogtums Öster- 
reich", 1889, wird die Pasterze am Großglockner für Podisma frigida 
angegeben. 1886 konnte ich in der „Carinthia" (31) durch Bei- 
fügung weiterer 26 Arten im ganzen 50 genuine Orthopteren für 
Kärnten zählen. Seither finde ich noch eine Angabe bei Tümpel 
(Gleradflügler Mitteleuropas, 1900) bezüglich Pachytylus danicus und 
bei Fröhlich (Odonaten und Ortho pt. Deutschlands, 1903) bezüglich 
Oedaleus nigrofasciatus; beide Angaben beruhen wahrscheinlich auf 
Irrtum (vgl. bei den betreffenden Arten). Redtenbacher führt in 
seinen „Dermapteren und Orthopteren von Österreich-Ungarn und 
Deutschland", 1900, noch drei weitere kärntnerische Arten (Steno- 
hothriis miniatiis, Poecilimon Fieberi und PachytracJielus gracilis) 
an. Dazu kommen noch 13 von mir seit Veröffentlichung der 
„Kärntischen Orthopteren" gefundene Formen.^) Von den für 
Kärnten feststehenden 66 Arten habe ich zwei (Podisma fri- 
gida und PachytracJielus gracilis) nicht selbst beobachtet. Alle 
übrigen habe ich zum größten Teile selbst gesammelt, einige, dar- 
unter seltenere Funde, verdanke ich der freundlichen Sammeltätig- 
keit anderer, bei den betreffenden Arten genannter Beobachter. 

Ich führe nun zunächst die Kärntner Orthopterenarten syste- 
matisch an, wobei ich mich an die von Redtenbacher in seiner 
Österreich. Fauna (1900) angewendete Nomenklatur halte. Der 
Liebenswürdigkeit Karnys verdanke ich eine Liste der neueren 
revidierten Nomenklatur,^) welche wohl noch nicht allgemein be- 



^) Diese 13 für die Kärntner Fauna meines Wissens neuen Arten sind 
im folgenden systematischen Teil durch ein vorgesetztes * bezeichnet. 

^) In Parenthese weise ich auf die Schwierigkeiten und Mißlich- 
keiten hin, welche die moderne Nomenklaturrevision ganz besonders 
für den in der Provinz mit naturwissenschaftlichen Studien sich beschäftigenden 
Beobachter mit sich bringt, eine Nomenklaturrevision, welche, scheinbar mehr 
auf historische als naturhistorische Anschauungsart zurückgehend, an Stelle 
einer möglichst prägnanten Naturgeschichte der Formen eine recht kompli- 
zierte Geschichte der Autoren auszudrücken bestrebt zu sein scheint! 

1* 



4 



Roman Pusclinig. 



kannt und aDgenommen sein dürfte, und füge dieselbe bei jeder 
Art in [ ] Klammern bei.^) 

Farn. Blattidae. 

Subfam. Ectobiiiii. 

*Äp]ilehia maculata Scbreb. [Äphlehia onaculata (Schreb.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Sattnitz). 

Ectohia lapponica L. [Ectohius lapponicus (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Worstsee), Krapp- 
feld (Dürnfeld), Metnitztal (Oberhof, ca. 1000 m; leg. Dr. 
Löhner), Spitzkofi bei Kirchbach im Gailtal. Juh, August. 
Ectohia livida Fabr. [Ectohius perspicillaris (Herbst).] — Fund- 
orte in Kärnten: Rosental (Kottlagraben). 9. /VI. 1907. 

Subfam, ßlattiiii. 

Blatta germanica L. [BlaUella germanica (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurt (in Wohnhäusern). 

Subfam. Per iplaiie tili i. 

Stylopyga orientalis L. [Blatta orientalis (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurt (in Wohnhäusern). 

Von den im Freien mehr oder minder versteckt lebenden 
Kleinschaben liegen nur gelegentliche Funde vor, welche keinen 
Ausdruck der gewiß allgemeineren Verbreitung bilden. Ectohia 
lapponica traf ich nicht nur im Grase und auf niederen Büschen, 
besonders Nadelhölzern, sondern auch unter Steinen (Kreuzberg) 

Anhangsweise seien hier die von mir in Kärnten nur gelegentlich 
gesammelten Dermapteren erwähnt; sie scheinen mir auch biologisch von den 
genuinen (Orthopteren so sehr verscliieden, daß sie in eine einheitliche fauni- 
sti.Hclie Betrachtung besser nicht einbezogen werden. Ich fand in Kärntiüi 
Forficula nuricularia L. (bei Khigeufurt und Guttaring sowie im Bärenlaie 
[Karawanken] auf Wiesen, in Maisfcldern) und Ckclidura acanihopimia (iene 
(bei St. Peter im Holz, oberes DrauUil, in den Bliitenglocken von Campanula 
(jlomerata L.). Latzel (3ü) traf Avechura hipunctaia Fabr. „in Oberkärnten 
auf dem oberen Katzensteg zum Kalserthörl unter St{!inen" iin. Aiu'h Labia 
müwr \j. kommt, ihrer allgcuKMuen Vcrbrcilung (!ntspre{'hend, sicherlich in 
Kärnten V(m. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



5 



an. Von den zwei Hausschaben, welche wohl im ganzen Lande 
verbreitet sein werden, erscheint mir in Klagenfurt Stylopyga orien- 
talis häufiger als Blatta germanica; ich fand beide Arten im gleichen 
Hause, doch nicht in den gleichen Wohnungen vor. Blatta germa- 
nica traf ich vereinzelt auch an der Außenseite von Häusern an. 
(Klagenfurt, Theaterallee, 30./X. 1908.) 

Farn. Acridiidae. 

Subfam. TettiginL [Acrydiini.] 

Tettix hipunctatus L. [Äcrydium hipunctatum (L.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Glebiet (Sattnitz, Kreuzberg, Gorit- 
schitzen; hier bereits von Latzel(30) häufig gefunden. Glan- 
furtwiesen, Polsterteich bei Stein), Drauauen bei Annabrticke, 
Wasserhofen bei Grafenstein, Klopeinersee, Gurktal (Straß- 
burg — Zammelsberg). April — Oktober. — Farben Variationen: 
var. nutans Hagb., var. scutellata De Geer, var. carinalis 
Fieb. u. a. 

Tettix Krniissi Saulcy. [Äcrydium nigricans (Sow.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Sattnitz, Goritschitzen, Kreuz- 
berg, Ulrichsberg, ca. 900 m), Rosental (Bärengraben — Stou- 
hütte). Oberes Drautal (Windschnurn bei Spittal a. d. Dr.), 
Metuitztal (Mödringgraben, 1100 m, leg. Dr. Löhner). April 
bis Oktober. — Farbenvariationen: var. limhata Fieb., circum- 
scripta Fieb., scripta Zett., carinalis Fieb., scutellata De Geer. 
Tettix subulatus L. [Äcrydium suhulatum (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Sattnitz, Kreuzberg, Gorit- 
schitzen, Leudorf, Glanfurtwiesen, Portendorfer Teich), Moos- 
burg, Drauauen bei Annabrücke, Klopeinersee, St. Leonhard 
bei Villach. April bis Oktober. — Farbenvariationen : var. 
fusca Fieb. (am häufigsten), var. nigra Fieb., var. nehulosa 
Fieb., var. livida Fieb. 
Tettix suhtdatus var. attenuatus Selys. [Äcrydium suhulatum var. 
attenuatum (Selys).] — Fundorte in Kärnten: Annabrücke bei 
Grafenstein, Moosburg, Klopeinersee. — Farbenform: fusca Fieb. 
Die europäischen Tettix-k\'im sind durch ihre Varianten- 
bildung, die sich auf Farbe und Form bezieht, bemerkenswert. 



6 



Roman Puschnig. 



Es erscheint mir nicht unwahrscheinlich, daß es sich hier um eine 
Art Mutation handehi kann und ich finde in mancliera Analogien 
mit der Libellenart Platycnemis pennipes, welche, ebenfalls durch 
markante anatomische Eigentümlichkeit (Schienenbildung der Vorder- 
beine, bei Tettix Pronotumstachel), durch diffuse, in den Lokalitäten 
ziemlich wahllose Verbreitung ausgezeichnet, ähnlich wie Tettix in 
zahlreichen Varianten auftritt, die, auf den ersten Blick schwer 
übersehbar, sich doch nach zwei Ordinanten (Färbung und Ab- 
dominalzeichnung) in ein natürliches Schema einordnen lassen.^) 
Bei den Je^io; -Arten sind die Struktur Verhältnisse, insbesonders 
Pronotumlänge die eine, Pronotum Zeichnung und -färbung die 
andere Richtung, nach der hin Variation auftritt. Karny hat 
(18, 22) in verdienstlicher Weise die alten, kaum übersehbaren 
Fi eb ersehen Färbungsvariationen kritisch geordnet und in Be- 
stimmungstabellen ^) gebracht. Mit demselben Rechte muß aber auch 
die morphologische Variationsrichtung festgehalten werden, weil 
erst beim Festhalten beider Momente ein Überblick über die Ge- 
samtheit der Variationen und damit vielleicht ein Einblick in das 
Wesen und den Wert dieser Variationsbildung gewonnen werden 
kann. Deshalb möchte ich mich auch der Auflassung der Art 
Tettix Kraussi Saulcy nicht anschließen.^) Ich finde die Form in 
Kärnten mindestens ebenso verbreitet, aber entschieden zahlreicher 
als Tettix hipimctatiis (sie scheint nach Redtenbacher in Gebirgs- 
gegenden häufiger als hipunctatus zu sein) und durch die kürzeren 
und dickeren Fühler, den vorne winkeligen Halsschild und die ge- 
kürzten Flügel recht deutUch unterscheidbar. Auch die Form atte- 
nuatus Selys erscheint mir des Heraushebens wert, weil sie, auf 

') Vgl. diefibczüglicli „Känitn. Libelleiistudieii", Carintliia, II, 1905. 

^) Diese sind naturgemäß nicht erschöpfcmd. Speziell von Tettix hi- 
punctatus fand ich in Kärnten melirere, in der Karny sehen Tabelle niclit 
niiterzubringcnde Farbenspielarten, deren ausführliche Beschreibung mir aber 
bei (b-r großen Vai iationslireite der Art wenig of)|)()rtnn (iracheint. 

^) Meine AnHassJuig find(! ich nachträglich jiucli Ixm z\v(!i nordischen 
Autoren vertret<Mi, nämlich Sahl])erg (Um de finska arteriia of Ortliopterslägt 
et Tettix Charp., llelsingfürs, 1H93, ref in VVr. Knt. Zeit , Bd. XIII, 1894) und 
Ilaij (Über yWiia: AVrm.w: Snulcy, Wr. Em(. Z('it., P,d.XXVn, 1908). Letzterer 
iintcTHcheidet drei Formen von T. Kraussi (l/rnch/i dem, inlcrmcdia, iiiacroptcm), 
von dicHCJi ist in Kärnten hrachjfptcra bei weitem die; liiiiifigste. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaiina von Kärnten. 



7 



den ersten Blick vom typischen Tettix suhulatus unterscheidbar, 
durch das wie bei hipundatus kurze, die Knie der Hinterschenkel 
nicht oder nur ganz wenig- überragende Pronotum einerseits, durch 
den wie bei suhulatus gerade, nicht gewölbt verlaufenden Mittelkiel 
andererseits ein Bindeglied zwischen den beiden Arten darzustellen 
scheint; ihr „spezifischer" Wert ist natürlich, dem scheinbar in 
Artenbildung begriffenen Verhalten der ganzen Gattung entsprechend, 
nur ein geringer. — Die Tettix -Arten finden sich zwar mit Vorliebe 
an feuchten Stellen, bei Wassergräben, Teichen, auf Seewiesen, 
nicht selten ganz gewandt schwimmend, wie es nach Fischer auch 
exotische Tettigiden tun, doch sind sie mehr minder ubiquitäre 
Formen, welche auch auf ganz trockenem Boden, sonnigen Waldhängen 
(Goritschitzen) und auch mitten im Walde (Sattnitz) anzutreffen 
sind. Sie überwintern gewiß auch in Kärnten, wenn ich sie auch 
im Winter selbst noch nicht gefunden habe. Aber in den ersten 
warmen Tagen nach unserem lang sich hinziehenden Winter treten 
an den der Sonne ausgesetzten Waldhängen (Goritschitzen, 11. April), 
während nahe gelegen noch Schnee sich findet, bereits die zierlichen 
Erd schrecken in allen ihren Formen vollständig ausgebildet und 
geschlechtsreif auf und sind nun während des ganzen Frühjahrs 
und Sommers zahlreich, spärlicher noch bis in den Spätherbst (Ende 
Oktober) hinein anzutreffen. In Larvenform traf ich Tettix hi- 
viinctatus auch Anfang August an. 

Subfam. Tryxalini. [Acrydiini.] 

Farapleurus aUiaceus Germ. [Farapleurus alliacetis (Germ.).] — 
Fundorte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Eben- 
tal, Sattnitz, Glanfurtwiesen, Wörthersee- Ausfluß, Velden am 
Wörthersee, leg. Dr. Werner [39]), Moosburg, Ossiachersee, 
Villacher Gebiet (St. Leonhardt, Ruine Finkenstein), Dobratsch 
(Wald wiese in ca. 1700 m Höhe), Oberes Drautal (Wind- 
schnurn bei Spittal a. d. Dr.), Millstättersee (Seeboden, Mill- 
statt). Von R e d t e n b a c h e r (34) für Kärnten angeführt. August 
bis Oktober. Larven noch Ende August. 
Diese schöne pontische Form ist in Kärnten als verbreitet 
und häufig zu bezeichnen und findet sich meist als Sumpfwiesen- 
form in Gesellschaft von Mecostethus grossus, Stenobotlirus dorsatus, 



8 



Roman Puschnig. 



elegans und parallelns, Xipliidium fuscum und dorsale, jedoch 
keineswegs auf allen von diesen Formen belegten Sumpfwiesen. 
Ich habe den Eindruck, daß sie mehr besonnte^ warme Plätze be- 
vorzugt und auch nicht jedes Jahr gleich zahlreich auftritt. Aus- 
nahmsweise findet sie sich auf Plätzen von mehr trockenem oder 
besser nur beschränkt feuchtem Charakter (Finkenstein, Schloi3- 
ruine; Kreuzberg, Steinbruch; Dobratsch). Wie Grab er (14) fand 
auch ich die 9 überwiegend. 

Nicht uninteressant ist das mikroskopische Elytrenbild dieser 
Art. Der gelbe Streif am Vorderrande der Flügeldecken erscheint 
durch Einlagerung körnig- schoUigen Pigmentes in das zwischen 
der hinteren Adventivader des Mediastinalfeldes und der ersten 
Radialader gelegene Feld bedingt, der schmale schwarze Streif 
dahinter einfach durch das starke Bündel der drei knapp neben- 
einander liegenden Kadialadern gebildet. Von besonderem Interesse 
ist es aber, daß man bei den dieser Art ähnlich wie bei Meco- 
stethus grossus (s. d.) die vena spuria des Diskoidalfeldes, auch 
kleine Strecken der dritten Radialader (nicht aber die Querleisten 
des Diskoidalfeldes) von „Zirpschuppen" bedeckt findet, jedoch in 
viel spärlicherer, lückenhafter, abortiv aussehender Reihe. Das Ver- 
halten müßte an einer größeren Reihe von Flügelpräparaten ver- 
glichen werden, ist aber schon als Ausdruck des nahen, vielleicht 
allerdings nur biologisch konvergenten. Konnexes der Gattungen 
Mecostethus und Parapleiirus bemerkenswert. 
MecostetJius grossus L. [Mecostethus grossus (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Glanfurtwiesen, Ebental, Polster- 
teich bei Stein, Wörthersee -Ausfluß; bereits von Latzel (30) 
hier gefunden); Keutschachersee, Hafnersee bei Keutschach, 
Aich waldsee im Rosentale, Faakersee (Ufer und Insel), Klopeiner- 
see, Läiigssee, Ossiachersee, Weißensee (918 m), Greifenburg 
im Drautale, St. Leonhard bei Villach. Juli bis Ende September, 
vereinzelt noch im Oktober und November (Glanfurtwicscn, 
lo./Xl. 1907) anzutreffen; Larven noch Ende August. — Var. 
mcdiovittaia m. f Wörthcrsec-Ausnuß, Faakersee). 
Mfcost. grossus ist eine baltische Snmj)fwiesenform, deren 
Verb rc i tu n^rs^'-c biet hauptHächlich Nord<;uroj)a und das nördliche 
Mittclcnr<)j)a bildest; südlich von den Alpen ist die Form nur ver- 



Beiträge zur Kenntnis der Ortliopterenfauna von Kärnten. 



9 



ein zeit zu treffen. Schon in Tirol ist diese Verbreitungsart markiert, 
indem sich die Form nach Grab er (14) in Nordtirol häufig- und 
bis zu bedeutender Höhe (6000 Fuß) auf Sumpfwiesen vorfindet, 
während sie in Siidtirol selten ist, jedoch von Krauss (23) bei 
Völs gefunden wurde. In Kärnten ist sie an geeigneten Stellen, 
das sind Sumpfwiesen, Uferwiesen an Seen, Flüssen, Bächen und 
Wassergräben, Schilfwiesen, häufig, fast stets in Gesellschaft an- 
derer Sumpforthopteren, vor allem Stenobothrus parallelus, dorsahts 
und elegans, XijyMdiimi fuscimi und dorsale, seltener Parapleurus 
aUiaceiis, alle diese Arten an Gewandtheit und Flugfähigkeit über- 
treffend. Besonders die überfliegen häufig kurze Strecken, wenig- 
stens von einem Schilfbusche zum anderen. — In höheren Gebirgs- 
lagen (über 1000 m), wo sie in Tirol nach Graber (14) sich in 
anderer Gesellschaft, Gomphocerus Sibiriens und riifus, Stenobothrus 
viridulus, Fesotettix alpestris, findet, traf ich sie in Kärnten bisher 
nicht an. 

Alle Kärntner Exemplare scheiden sich im männlichen und 
weiblichen Geschlechte (das bei dieser Art ziemlich gleich stark 
vertreten erscheint) in zwei Gruppen verschiedener Färbung: 
in eine scheinbar häufigere und typischere, dunkelbraun gefärbte 
und in eine weniger häufige, hellbraun, besonders auf der Ober- 
seite gelbbraun gefärbte Form, welche bereits Brunner (3) als 
„abgeblaßte Varietät des Laibacher Moors" erwähnt. Beide Formen 
zeigen dieselbe Konstanz der typischen Zeichnungsverhältnisse 
(Vorderstreifen der Elytren, Hinterschienenriug, der übrigens aus- 
nahmsweise fehlen kann), beide Formen aber auch dieselbe Varia- 
biHtät der Größen- und Formverhältiiisse, insbesonders der sehr 
verschiedenen, bald scharf ausgeprägten, bald stark abgeflachten 
Stirngrübchen. Beide Formen kommen gleichörtlich und gleichzeitig 
vor (Glanfurt wiesen). Die markanteste Ausbildung der hellen Form 
findet sich in einzelnen Exemplaren gegeben, welche durch einen 
hellgelben, über die Mitte des Kopfes und Pronotums und über das 
Analfeld der Flügeldecken hinziehenden Mittelstreifen ausgezeichnet 
sind (var. mediovittata m.). 

jVuch bezüglich der Größen Verhältnisse finde ich bei den 
9 — während die zwischen 15 und 20 mm Körperlänge schwanken 
— zwei Gruppen, eine von kleineren, 24 — 26 mm körperlangen 



10 



Roman Puschnig. 



und eine von größeren, 30—33, ja selbst 36 mm langen Exemplaren; 
vorwiegend, doch nicht ausschließlich bilden die dunklen Exem- 
plare die großen 9. — Die Fitigeldecken überragen bei den Kärntner 
Exemplaren nur bei den cT und bei den kleinen 9 die Hinterleibs- 
spitze und bleiben bei den großen 9 etwas hinter denselben zurück. 
Noch erwähne ich, daß besonders bei den dunklen 9 die helle 
weißgelbe Färbung der oberen Legescheidenklappen auffällt und 
daß ich die von Brunner erwähnte rauchige Trübung der Flügel- 
spitzen nur bei den cT angedeutet, bei den 9 aber nicht vorfand. 

Tümpel (37) teilt von Mecost. grossus mit, daß die Art ab- 
weichend von anderen Acridiern zirpt, welche ihr Zirpen durch 
Reiben der an der Innenseite mit beweglichen Zapfen versehenen 
Hinterschenkel an den glatten Adern der Deckflügel hervorbringen. 
Bei Mecost. grossus ist die Innenseite der Hinterschenkel glatt, dafür 
aber „die hintere Radialader und ihre Verzweigungen mit kleinen 
harten Schüppchen bedeckt". Dieses Verhalten ist makroskopisch 
und mit Lupenbetrachtung nicht festzustellen. Im mikroskopischen 
Bilde finde ich an den Flügeldeckenpräparaten männlicher Tiere 
zwar nicht die dritte Radialader, welche ganz knapp an die zweite 
angelegt verläuft und streckenweise mit ihr ganz verschmilzt^ wohl 
aber die starke vena adventiva des Diskoidalfeldes und die von 
ihr zur radialis III und ulnaris I abgehenden Queradern mit regel- 
mäßig und dicht aneinander gereihten, rundhchen oder rundlich- 
dreieckigen schuppen- oder zapfenförmigen Gebilden bedeckt; beim 
9 fehlen dieselben. (Vgl. hierzu Parapl. alliacetis.) 
Chnjsochraon hrachyjjferus Ocsk. [FAithystira hracliyptera (Ocsk.).] 
— Fundorte in Kärnten: Klagcnfurter Gebiet (Sattnitz, Maria- 
Rain), Wildenstein, Lavanttal^ Saualpe— Weite Alpe (1600 bis 
IHOOm), Görtscliitztal (Friesach— Guttaring), Metnitztal (()l)er- 
liof, leg Dr. Löh 11er), Tarvis (Schlitzaschlucht). Kurzlliigclige 
Form. Juni bis September, vereinzelt bis November. 
s}(})('(icrulca m. Metnitztal (Oberhof, Kalcherwiese, ca. 1000 ni; 
leg. Dr. Löhn er, August HH)8). 
* (Utrysochraon flispar Germ. [Kuihifsti/ra dispar (Germ.).] — Fundorte 
in K;inif(Mi: Lavanttal (4. -6./IX. 1000, d", 9; cT langfliigelig). 
Nun den hcideii (! hrffsorhraon -Arti*.]] ist auch in Kärnten 
h/ fif hif/tfrrns die bei weitem häufigere Vorm. Sie (indet sich, bisher 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaiina von Kärnten. 



11 



stets nur kurzflügelig gefunden, als nicht regelmäßiger Begleiter 
der bei Mecostetlius grossus genannten Sumpfwiesenformen,. liebt 
vor allem feuchte "VTaldwiesen im Tal und in der Höhe (Saualpe, 
Weite Alpe; ferner auch Fensteralm in Steiermark, noch l./XI. 
1896). feuchte Waldhänge (Sattnitz) und Schluchten (Schlitzaschlucht). 
Bei beiden Formen scheinen die 9 wesentHch häufiger zu sein. Be- 
züglich der Unterscheidung der beiden Arten finde ich vor allem 
an keinem Kärntner Exemplar von hrachypterns die Forderung- 
Brunn er s (Prodromus) „pronotum laevissimum" vollständig erfüllt, 
sondern insbesonders den hinteren Teil des Pronotum stets fast 
ebenso gerunzek wie bei dispar. Bei den g, welche durch die 
verschiedene Form der Legeröhre ja sofort unterschieden werden 
können, zeigt sich an einzelnen Exemplaren auch der nur relative 
ünterscheidungswert der Kniefärbung: ein fe^ar- Weibchen (Lavant- 
tal) zeigt keine Spur von Dunkelfärbung der Knie. — Von Farben- 
variation ist hübsche grüne Streifenzeichnung an Kopf und 
Pronotum von hracliypterus (teils zwei Seitenstreifen allein, teils 
ein dicker Mittelstreif und zwei schmale Seitenstreifen, letztere 
Zeichnung allerdings nur am Kopfe) nicht selten und leitet w^ohl 
zu der von Werner (39) im Pitteutale (Niederösterreich) gefundenen 
Farbenform über; ein (//s^xo* -Weibchen aus dem Lavanttal ist durch 
zerstreute schwarze Punkte auf der Vorderhälfte des Pronotum, 
spärlicher auch auf dem Kopfe ausgezeichnet; auffallend dunkle 
Exemplare von Iracliypterus fing ich in der Sattnitz. Die be- 
merkenswerteste Farbenvarietät von Chrys. hrachypterus sam- 
melte jedoch Dr. Löhn er im Metnitztal (var. suhcaerulea m). Der 
Körper dieser Variation ist oben und seithch, am Pronotum auch 
unten, blau, dunkel schiefergraublau bis blauschwarz gefärbt. 
Kopf, Pronotum, Abdomen und die Oberseite der Hinterschenkel 
zeigen die Blaufärbung, welche besonders deutlich bei den 9, 
durch die kurzen rötlichbrauuen Flügelstummeln ungedeckt, in Er- 
scheinung tritt, während bei den cT das Blau weniger markant 
und am Abdomen bis über die Mitte durch die rötlichen Flügel 
gedeckt ist. Teilweise Blaufärbung beobachtete ich auf xAlpen- 
wiesen wiederholt an verschiedenen Orthopteren, besonders Steno- 
hothnts paralleJus und Decticus verrucivorus (s. d.), doch nie in 
solcher Ausdehnung wie bei dieser Chrys. hrachyj^terKS-YsLrieiät. 



12 



Kornau Pu sehn ig. 



Doch bemerke ich ausdrücklich, daß mir nur die konservierten 
Tiere vorlagen, welche nach dem Fange in Alkohol kamen und 
hier 4 — 6 Wochen belassen waren. Eine Farben änderung ist 
ganz gut möglich, kaum aber eine Erzeugung des Blau durch 
die Konservierung. Herr Dr. Löhn er erinnerte sich an grünblaue 
Färbung eines der lebenden Exemplare. Jedenfalls verdient die 
Sache eine Nachprüfung.^) 

^ Epacromia tJialassina Fabr. [Äiolopus thalassinus (Fabr.).] — 
Fundorte in Kärnten : Wörtherseeausfluß, Sumpfwiesen (28. /VIII. 
1908, cf, 9). 

Das Vorkommen dieser mediterranen, wenn auch weiter als 
Epacr. strepens nach Norden vorgeschobenen (so von Grab er (14) 
in Nordtirol am Innufer bei Weer und Wattens häufig gefundenen, 
von Karny [nach einer brieflichen Mitteilung] im Prater bei Wien 
gesammelten) Form ist bemerkenswert und überraschte mich des- 
halb, weil die angeführte Lokalität von mir seit vielen Jahren 
regelmäßig besucht und ihre typische Sumpfwiesenfauna stets nur 
aus den gewöhnlichen Formen Mecosth. grossus, Stenob. dorsatus- 
ehgans und parallelus, Xipliid. fiiscum zusammengesetzt gefunden 
wurde; Epacr. thalassina trat 1908 in mäßiger Anzahl, gegenüber 
den genannten Sumpfwiesenschrecken zurücktretend, auf. Die ge- 
sammelten Exemplare (long. corp. 23", elytr. 24") sind durchwegs 
braun. Von strepens (Istrien) sind sie u. a. durch den schlankeren 
Bau, insbesondere die schmäleren Flügeldecken, welche jedoch der 
weißen Flecke nicht ganz entbehren, dieselben nur viel zerstreuter 
aufweisen (gegenüber südlichen Exemplaren, vgl. Werner, Orthopt. 
Fauna Egypt.), und durch die kaum am Rande getrübten (bei 
strepens am Rande stark geschwärzten), durchsichtigen, etwas bläu- 
lich schimmernden Hinterflügel zu unterscheiden, von tergestina 
durch die trapezfr»rmigen (bei tergestina dreieckigen) Stirngrübchen 
und die ungcfurclite Stirn geschieden. Einige Exemplare sind älm- 
lidi wie die var. mediovittata von Mecosth. grossus durch einen 
breiten gelben Mittelstreifen des Koj)fes und Pronotums ausgezeichnet, 

') S(*itli< r ciliiclt idi die ^^Iciclic FjirbcnvMrietiit Jiucli aus Siidtin»!, wo 
8ic Herr Ma;^. v. licllHc.lüin am 18. /VIII. !!»()!) an der Doloniitcii.straßc, von 
Tre Crocc nach Cortina (1800 ni) in (Miii^ifcm KxJMnplan^n fand. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



13 



während das dorsale Flügeldeckenfeld durch einen längs der zweiten 
Ulnarader ziehenden schmalen gelben Streifen in analoger Weise 
eingekantet ist wie bei Caloptemis italicus var. hilineata (s. d.). 
Stenohotlirus paralldus Zett. [CliortJiij^j^us paralleliis (Zett.).] — 
Fundorte in Kärnten : Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Falken- 
berg, Goritschitzen, Ebental, Pauker, Glanfurtwiesen, Wörther- 
see, Friedelhöhe ob KoUitsch, Sattnitz). Karawankengebiet 
(Maria-Eain, Unterbergen, Aichwaldsee im Rosentale, Bärental, 
Stouhütte^ Klagenfurter Hütte [1660 m], Dobratsch [in zirka 
1700 m Höhe]). Maria Saul-Zollfeld, Magdalensberg (1056 m), 
Moosburg, Keutschachersee, Ossiachersee, Klopeinersee, Römer- 
quelle (leg. Dr. Steuer). Villacher Gebiet (leg. Dragatin). 
Krappfeld (Althofen, Guttaring), Gurktal (Straßburg — Zammels- 
berg), Metnitztal (Oberhof, Mödringgraben, Paalgraben — Flatt- 
nitz^ leg. Dr. Löhner), Drautal (Spittal a. d. Dr., Greifenburg, 
Berg), Weißensee, Gailtal (Kötschach, Gailberg). Tarviser 
Gebiet (Tarvis, Schlitzaschlucht, Seifnitz, Seissera, Weißenfelser- 
seen, Raibl, Fellaauen bei Lußnitz). Lavanttal. Juni bis No- 
vember; stärkstes Auftreten im August und September, späteste 
Beobachtung 15. November (1907) auf den Glanfurtwiesen 
bei Klagenfurt. 

Stenohotlirus parallelus ist in Kärnten nicht bloß die häufigste 
Stenohothrus-¥ oxm^ sondern überhaupt der verbreitetste und ge- 
meinste Geradflügler. Wo Wiesenheuschrecken vorkommen, 
fehlt parallelus selten, meist überragt seine Individuenzahl die aller 
anderen Formen. Feuchte Lokalitäten vorziehend und als regel- 
mäßiger Begleiter der schon genannten Sumpfwiesenformen, ins- 
besonders Mecostethus grossus, Stenohotlirus dorsatus und elegans, 
auftretend, findet er sich auch auf trockenen Plätzen, schädigt mit 
anderen Stenohotlirus -Arten und mit Decticus verrucivorus Felder 
und Wiesen, hüpft mit Stenohotlirus higuttulus auf Straßenrainen 
und Weggräben, mit Stenohotlirus viridulus und rufipes auf Wald- 
wiesen herum; in den Karawanken findet er sich mit Fsoplius 
strididus, Fezotettix pedestris u. a. in der Talsohle (Rosental); steigt 
mit ihnen aufwärts (Stouhütte), läßt sie dann zurück und bevölkert 
allein noch die Latschenbuschregion der Höhe (Klagenfurter Hütte^ 
1660 m). Auf anderen Bergen (z. B. Magdalensberg) steigt er mit 



14 



Roman Pusehnig-. 



Psophns stridulus, Locusta cantans und Dedicus verrucivorus bis 
zu den Wiesen des Gipfels hinauf. — Beide Geschlechter sind 
anuäliernd gleich vertreten, die 9 vielleicht etwas prävaherend. 
Die Kurzflügeligkeit der Art ist in Kärnten sehr prägnant 
ausgesprochen: die langfliigelige Varietät {montamis Chp., var. 1 
Briinner) fand ich überhaupt noch nie; bei den 9 reicht die Elytra 
meist bis zum vierten, seltener dritten oder fünften Abdominal- 
segment, selten etwas weiter, bei den cf zeigt nur ein Teil, aller- 
dings der größere, das typische Verhalten, indem die Flügeldecken 
die Hinterleibsspitze überragen, während bei einer großen Zahl zum 
Teil an gleicher Stelle mit den typischen Exemplaren gefundener 
Individuen (Schlitzaschlucht, Weißenfelserseen, Römerquelle) die 
Hinterleibsspitze von den Flügeldecken gerade noch erreicht wird 
oder auch ganz frei bleibt. 

Die Färbung der Art variiert zunächst in der Bildung zweier 
Typen, einer vorwiegend hellen, lichtbraun gefärbten und einer 
vorwiegend dunkelbraun gefärbten Individuengruppe, beide durch 
Übergänge verbunden. Von Färbungs- und Zeichnungseinzelheiten 
der im ganzen ziemlich einfärbigen Art ist das Vorkommen grauer 
und drapfarbcner Mittel- und Seitenstreifen am Kopfe (Kara- 
wanken), von schwarzen Kopfseiten streifen (Lavanttal), von 
schwarzer Einfassung der gelbweißen Pronotumseitenkiele 
(Weißensee), von bläulicher oder violetter Färbung der Ab- 
dominalseiten (Magdalensberg), endlich von {Stenohothrus eleg ans 
ähnlichem) schwefelgelben Streifen in den VorderfHigelu 
(Glanfurtwiesen, Keutscliachcrsee) hervorzuheben. Auch die für die 
Art spezifisclie Dunkclfärbung der Knie wechselt in Ausdehnung 
(ganzes Knie oder nur ein schmales Feld an der Innen- und Außen- 
seite) und Intensität (braun bis schwarz). Exemplare (aus Tarvis 
und vom Aicliwaldseej, welche die für parallelm charakteristischen 
Größen- und Formverhältnisse der Elytrcn mit kaum angedeuteter 
oder auch ganz fehlender Kniebräunung verbinden, bihien einen 
Arten üb ergang von Stenohothrus parallchiH und (loraatus. 

Audi die Variation der Größen Verhältnisse läßt, allerdings 
nur iin weiblichen Geschlechte, die Bildung zweier Gruppen er 
kennen, von denen die eine, die der kleineren Individuen, zirka 
IH nun, die andere, die der gröberen Individuen, ca. 22 mm Körper- 



Beiträge zAir Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



15 



länge aufweist; letztere erreicht also die Brunnersehe var. 2, die 
sich im Süden (Görz) findet, mit 30 mm Körperlänge^ nicht. Auch 
die Form Verhältnisse variieren, wie bei einer so zahlreich vor- 
kommenden Art natürlich. An einem größeren Materiale sieht man 
vor allem die Ausbildung des Stirngriibchens von dem für die 
Gattung charakteristischen, scharf umschriebenen tiefen Rauten- 
grübchen bis zur flachen, nur bei seitlicher Beleuchtung undeutlich 
umgrenzten punktierten Fläche, ja bis zur völligen Obsoleszenz 
variieren; auch in letzterem Falle ist das breit gebliebene Stirn- 
grübchenfeld sicher unterscheidbar von der schmalkantigen analogen 
Fläche bei dem im Habitus nicht unähnlichen Chrysochraon. Weiters 
wechselt das Verhalten der Seiten kiele des Pronotums, welche 
bei einer Individuengruppe ganz wenig gebogen, fast parallel 
erscheinen, bei der anderen aber eine leichte Schweifung der 
vorderen Hälfte (natürlich ohne Winkelbildung) aufweisen; mit der 
ersten Seitenkielform ist gewöhnlich eine leicht winkelig vor- 
springende, mit der zweiten eine rund lieh -bogige Pronotum- 
hinterrandform verbunden. Eine Kombination dieser Gruppenbildung 
in den Farben-, Größen- und Formverhältnissen konnte ich, natür- 
lich durch Übergänge verbunden, unter den Exemplaren des Kara- 
wankengebietes feststellen, indem sich im weiblichen Geschlechte 
eine Gruppe von kleineren und helleren Individuen mit geradem 
Pronotumseitenkiel und rund lieh -bogigem Hinterrande von einer 
Gruppe größerer dunkelbrauner Individuen mit geschweiften 
Seitenkielen und winkeligem Hinterrand unterscheiden ließ. Erstere 
Gruppe (var. pratensis m.) scheint mir auf den Wiesen der Talsohle, 
letztere (var. silvestris m.) auf den ansteigenden Waldwiesen und 
in der Höhe häufiger vorzukommen, in den ganzen sich kreuzenden, 
durcheinander wogenden, durch Übergänge sich verbindenden Varia- 
tionsverhältnissen aber etwas wie Formsonderung und Artenbildung 
vorzuliegen. 

Stenohothms dorsatus Zett. [Chorthipjnis dorsatus (Zett.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Sattnitz, 
Glanfurtwiesen, Kanonhofteich, Seeausfluß, Welzenegg), Moos- 
burg, Hafnersee bei Keutschach, Aichwaldsee im Rosentale, 
Annabrücke, Glantal (Karnburg, Zollfeld — Maria-Saal), Römer- 
quelle bei Gutenstein (Ür. Steuer), Ossiachersee, St. Leonhard 



16 



Roman Puschnig. 



bei Villach, Drautal (Windscbnurn bei Spittal a. d. Dr.), Gail- 
tal (Kircbbacb), Tarvis, Gurktal, Metnitztal (Oberbof, leg. Dr. 
Löhner), Lavanttal. Juli bis Mitte November. 
Stenohof Jir US elegans Charp. [Chorthippus alhomarginatus (Geer).] 
Fundorte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Siebenhügel, Glan- 
furtwiesen, Sattnitz), Moosburg, Annabrücke, Klopeinersee, 
Gailtal (Kirchbach), Metnitztal (Oberhof, leg. Dr. Löhn er). 
Juli bis November. 

StenohotJirus parallelus, dorsatus und elegans bilden ein nah- 
verwandtes Artentrias, in dem dorsatus und elegans ein in besonders 
nahem Zusammenhange stehendes Artenpaar darstellen. Bei Unter- 
suchung eines zahlreichen Materials desselben Fundortes (Glanfurt- 
wiesen) finde ich folgende Verhältnisse. Auffallend ist zunächst die 
bedeutende Mehrzahl der 9 von dorsatus -elegans. Der Um- 
stand, daß dieselben größer und schwerfälliger, also leichter zu 
fangen sind als die kleineren, behenderen ist dabei nicht wesent- 
lich, denn bei paralleles, wo dieser Unterschied noch stärker aus- 
geprägt ist, überwiegt die Zahl der 9 nur um weniges. Von den 
9 sind etwa 7io Materiales typische dorsatus mit den 
für diese Form charakteristischen Aderverhältnissen, meist mit 
leicht geschweiften Halsschildkielen, gewöhnlich grün oder braun, 
ähnlich wie ptarallelus teils hell, teils dunkler gefärbt, selten mit 
gelbem Kostalfeldstreifen; ^lo ^^"^ typische elegans mit dem 
cliarakteristischen Verlauf der Radialadern (das beste Bild hiervon 
gibt Fröhlich (13) in einem Photogramme), meist schlanker und 
etwas kleiner als dorsatus, häufig mit fast geraden Halsschildkielen, 
gewtihnlich dunkler gefärbt und mit gelbem Kostalstreifen. ^/^^ ent- 
fallen auf Individuen, welche abgesehen von dem, wie bereits 
Brunner bemerkt, überhaupt nicht spezifischen Verhalten der 
übrigen Formmerkmale, in der Struktur der Jladialadern ausge- 
sprochene Übergangsformen darstellen, die man völlig beliebig 
zu dorsatus oder zu elegans stellen kann. Ich wäre in der Lage, 
ganze Serien von Übergangsfornien des Aderverhaltcns zu bringen, 
ja CR finden sich Exemplare, die auf jeder Seite verscliicdcnes 
Verhalten zeigen, auf der einen das Abbiegen der dritten Kadial- 
adcr nach hinten {r2rg(ms), auf der anderen mehr oder minder 
liarallcicri Verlauf der L'a(liala(l(;rn (dorsfdus) aufweisen. Ich glaube 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaima von Kärnten. 



17 



auch nicht, daß elegans weniger verbreitet vorkommt als dorsatus^ 
nur überall spärlicher, so daß sich erst unter einem größeren dor- 
sö!^?/s-Material regelmäßig elegans-Exem^^lan'e finden. In Kärnten 
sind beide Formen bisher ausschließlich als Glieder der Sumpf- 
wiesenfauna gefunden worden. [Grab er (14) erwähnt das gelegent- 
liche Vorkommen von dorsatus auf sterilen Plätzen in Nordtirol, 
ich selbst fand elegans auf trockenem Karstboden in Opcina und bei 
Cigale auf Lussin.] — Noch wäre von den Kärntner Exemplaren 
von dorsat'iis-elegans zu erwähnen, daß eine relative Flügelktirze, 
dergestalt, daß die 2 — 3 letzten Hinterleibsringe unbedeckt bleiben, 
bei den 9 beider Arten häufig, ja regelmäßig zu beobachten ist. 
Stenohothrus higuttulus L. [Stauroderus higuUulus (L.).] — Fund- 
orte in Kärnten [für Kärnten bereits von Latzel (30) als 
Stenohothrus vanabilis Fieb. var. nigrinus nebst einer „wahr- 
scheinlichen Larvenform von St. vciriahilis var. purpurescens^^ 
angeführt] : Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Falkenberg, Kanon- 
hofteich, Sattnitz, Welzenegg, Worstsee, Wörthersee), Moos- 
burg, ülrichsberg (Gipfel, 1018 m), Magdalensberg (1056 m), 
St. Georgen am Längssee, Klopeinersee, Wasserhofen bei Grafen- 
stein, Römerquelle bei Gutenstein, Bärental, Villach, Tarvis, 
Raibl, Weißenfelserseen, Spittal a. d. Dr., Millstatt, Guttaring, 
Gailtal (Kirchbach, Spitzkofl), Lavanttal, Grundalm — Schiestl- 
nock (1600— 2000 m). Juli bis Oktober. 
Stenohothms hicolor Charp. [Stauroderus hicolor (Charp.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Goritschitzen, 
Ebental, Sattnitz, Glanfurtwiesen, Portendorfer Teich), Anna- 
brücke, Moosburg, St. Georgen am Längssee, Römerquelle, 
Magdalensee bei Villach, Drautal (Windschnurn, Greifenburg), 
Millstättersee (Millstatt, Seeboden), Weißensee, Krappfeld, 
Metnitztal (Oberhof, Mödringer Schläge, Pachlergraben, leg. 
Dr. Löhner). Juli bis Oktober. 

Bicolor und higuttulus sind ein Artenpaar, dessen enger Zu- 
sammenhang in ihrer Speziesgeschichte sich wiederspiegelt. Schon 
von Charpentier (1825) getrennt, wurden sie von Fieber (1852) 
und Fischer (1853) wieder als Stenoh. variahilis vereinigt, bis 
Brunner in seinem Prodromus (1882) die alte Trennung wieder 
durchführte, seine etwas scbematische Charakterisierung aber erst 

Z. B. Ges. GO. Bd. 2 



18 



Romau Puschnig. 



von Krau SS (1886) durch ein genaues und wohlumschriebenes 
morphologisches und biologisches Bild beider Arten ersetzt wurde. 
Die Richtung der Artsonderung erscheint morphologisch und funk- 
tionell (in der verschiedenen Art des Zirpens) in der ausgedehnteren 
Resonanzfeldbildung von higuUulus cf ausgesprochen, während die 
analoge Spaltung der 9 derzeit noch viel unschärfer ausgeprägt ist. 
Unter den kärntnerischen Exemplaren von variahilis sens. lat. fiel 
mir bei den die Trennung von higuUulus und hicolor nie schwer, 
während unter den 9 neben Exemplaren mit dem typischen Flügel- 
schnitt von higuUulus oder hicolor (letzterem nach Art der südhchen, 
istrischen Exemplare) sich auch solche finden, deren Einreihung 
zweifelhaft ist. — Was die Färbung anbelangt, so finde ich im 
ganzen und großen ähnUch wie Karny in Niederösterreich (21) 
bei hicolor vorwiegend grüne, bei higuUulus gelbbräunliche und 
braune Individuen. Sehr häufig ist bei beiden Formen die helle, 
gelbe oder gelbbraune Färbung von Kopf-, Pronotum- und Flügel- 
rückenteilen. Eine seltenere, aber bei beiden Formen (Sattnitz) 
gefundene Varietät ist durch grauweiße bis kreideweiße Färbung 
des Rückens ausgezeichnet. In Alkohol, auch in Formol verliert 
sich diese Färbung, welche auf den Flügeldecken durch Ausfall 
der Pigmentanhäufung in den Zellen des Geäders bedingt erscheint. 
Ich bezeichnete die Varietät in den „Kämt. Orthopt." als var. leuco- 
notus, sie entspricht nach einer Mitteilung Karnys der var. velata 
Charp. des Stenoh. haemorhoidalis. Werner (Orthopt.- Fauna des 
Pittentales) fand diese Farbenform von Stenoh. higuUulus (und ebenso 
von Gomphocerus rufus) in Niederösterreich (Sebensteiner Schloß- 
l)erg) und in Kärnten (Velden am Wörthersee). Bezüglich des Vor- 
kommens in Kärnten kann ich die von Brunner (Prodromus) 
angegebene strenge Sonderung des Vorkommens in Wald (higuUulus) 
und Wiese (hicolor) nicht bestätigen. Beide Formen sind im ganzen 
Lande verbreitet, higuUulus wohl häufiger als hicolor. Heide finden 
sich auf Wald- und FeUlwicsen, mehr auf trockenen als auf feuchten 
Stellen. BigrUtulus scheint im ganzen trockene Plätze, auch un- 
krautbewachsenc Gräben und Straßenränder, mehr oder minder 
Hterilc Stellen f Kreuzberg, Steinbruch), waldiges Terrain und höhere 
Lagen zu bevf)rzugen^ hicolor auf den Wiesen der Ebene und Täler 
liiiiiiiger zu sein. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



19 



StenohotJirus pullus Phil. [Stauroderus pullus (Phil.).] — Fundorte 
in Kärnten: Friedelhöhe ob Kollitsch am Wörthersee (Juli 
1896), Hochobir, ober dem Potschulasattel (1500—1600 m, 
15./IX. 1907), Raibl (l./IX. 1905), Lußnitz (Fellaauen, 29./VI. 
1908). Von Redtenbacher (34) wird der Wörthersee und 
Villach als Fundort angegeben. 

Die Art ist in Kärnten eher als selten zu bezeichnen, wenn 
auch weitere Beobachtung gewiß noch andere Fundorte ergeben 
wird. Auf dem Hochobir fand ich sie auf den kurzgrasigen Wiesen 
zwischen Junipems- und Latschenstauden häufig, hier wie anderswo 
nur kurzflügelige Exemplare. Dadurch und durch die dunklen 
Knie erscheint pullus im Habitus parallelus-sihnlich^ ist aber durch 
die gebogenen Pronotumkiele und die Färbung unschwer zu trennen. 
"^StenohotJirus morio Fabr. [Staiiroderus morio (Fabr.).] — Fundorte 

in Kärnten: Hochobirgebiet (Jowanberg, ca. 1200 m, 28. /VI. 

1908, leg. Prossen). 

Diese Form erinnert in ihrem Habitus (braune Färbung der 
Decken und Flügel mit auffälliger Paralleladerung) und ihrem bio- 
logischen Verhalten (Schnarren) sehr an Stenoh. miniatus, von dem 
sie allerdings durch die Struktur der Flügeldecken (Basalerweiterung, 
vereinigte Ulnaradern) leicht zu trennen ist. Ihr Vorkommen ist 
entschieden ein selteneres, vielleicht sporadisches. 
"^StenohotJirus apricarius L. [Stauroderus apricarius (L.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Lavanttal (Preblau -Wolfsberg, 5./IX. 1900), 
Metnitztal (Oberhof, Kalcherwiese , August 1909, leg. Dr. 
Löhner). 

Die Form ist in Kärnten jedenfalls selten [ebenso nach Grab er 
(14) in Nordtirol, während Fröhlich (13), der ein schönes Elytren- 
photogramm gibt, sie in Deutschland, speziell im Aschaffenburger 
Gebiet, als häufig bezeichnet]. 

StenohotJirus viridulus L. [Omocestus viridulus (L.).] — Fundorte 
in Kärnten: Ulrichsberg (ca. 900 m Höhe), Dobratsch (in ca. 
1700 m Höhe), Mallnitzer Tauern (leg. Prossen), Louza bei 
Mallnitz, Feistritzeralpe (1260 m, leg. Pfarrer Krizay), Metnitz- 
tal (Oberhof, Paulgraben — Flattnitz, leg. Dr. Löhner), Gurktal. 
August, September. 

2* 



20 



Roman Puschnig. 



Stenöbothnis rufipes Zett. [Omocestus rufipes (Zett.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Falkenberg^ 
Sattnitz, Ebental— Gurnitz, Glanfurtwiesen). Juli bis Oktober. 
* StenohotJirus liaemorrhoidalis Charp. [Omocestus haemorrhoidalis 
(Cbarp.).] — Fundorte in Kärnten : Klagenfurter Gebiet (Gorit- 
schitzen, 5./X. 1903; Sattnitz, l./IX. 1907), 
Die drei mitteleuropäischen Glieder der vmt^wks- Gruppe stehen 
in Kärnten an Häufigkeit des Vorkommens anderen nicht seltenen 
Formen, speziell higuttulus-hicolor, wesentlich nach. Eine sichere 
Differenzierung ihres Vorkommens ist mir nicht möglich, doch scheinen 
alle drei mit Vorliebe Wald bewohn er zu sein. Am seltensten ist 
haemorrhoidalis, am häufigsten wohl viridulus. Viridulus findet sich 
vorwiegend im Gebirge und tritt hier nicht selten in einer gelb- 
rückigen Form (ähnlich higuUulus) auf. 

Stenohothrus miniatiis Charp. [Omocestus miniatus (Charp.).] — 
Fundorte in Kärnten: Villacher Gebiet (Mallestig, Ruine Finken- 
stein, 22./VIII. 1900), Raibl (l./IX. 1905), Saualpe— Weite 
Alpe— Zirbitzkogel (in ca. 2000 m Höhe, 6./IX. 1896). Von 
Redte nbacher wird der Großglockner als Fundstelle an- 
geführt (34). 

Diese schöne, scharf charakterisierte, schon durch ihr Schnarren 
auffällige Form findet sich in Kärnten ziemlich zerstreut meist auf 
trockenen, kurzgrasigen Plätzen des Gebirges. [In großer Meng 
fand ich sie außerhalb Kärntens am 29. /VII. 1907 auf einer kurz- 
grasigen, steinigen Halde neben der Straße bei Zaga (Flitsch — Toi 
mein) im Küstenlande.] 

Stenohothrus lineatus Panz. [Omocestus lineatus (Panz.).] — Fund 
orte in Kärnten: Worstsee bei Klagenfurt, Villacher Gebie 
(St. Magdalena, Seebach), Gurktal (Straßburg — Zammelsberg) 
Lavanttal, Gailtal (Manndorf), Lußnitz (Fellaauen), Louzaspitz 
bei Mallnitz (2166 m). Juli bis September. 
Nach den bisherigen Funden scheinen die 9 bei dieser Form 
zu überwiegen. Bei einem •^reile derselben sind die Flügeldecken 
etwas kürzer als der Hinterleib, allerdings nicht so kurz wie bei 
dem nahcHt(!h('i)den, in Kärnten l)isher nicht gefundenen Stcnoh. 
}iuirom(i(:ulalus J I.-S. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaiina von Kärnten. 



21 



StenohotJinis stigmaticus Kamb. [Omocesttts stigmaticus (Ramb.).] — 
Fundorte in Kärnten. Diese Art wurde von Brunn er (Pro- 
dromus) auch für Kärnten angeführt; ich bekam bisher erst 
ein d aus der Sattnitz bei Klagenfurt, am 30./V1II. 1909 von 
Mag'. V. Bellschan gesammelt. 

GompJiocerus sünricus L. \_Gompliocenis Sibiriens (L.).] — Fundorte 
in Kärnten: Bodental (Ogrisalm, ca. 1400 m), Dobratsch (Alpen- 
wiese oberhalb der Bleiberger Knappenhütte, ca. 1700 m Höhe), 
Goldeck bei Spittal a. Dr. (Gipfel, 2139 m), nördliche Saualpe 
bis Weite Alpe (ca. 2000 m), Louza bei Mallnitz (2166 m), 
Mallnitzer Tauern (leg. Prossen), Maltatal (Schoenau, 1185 m), 
Metnitztal (Pachlergraben , ca. 1200 m, leg. Dr. Löhner), 
Feistritzeralm (1720 m, leg. Pfarrer Krizay). August, Sep- 
tember. 

Diese ausgesprochen alpine Form wurde schon von Fischer 
(Orthopt. Europas, 1854) als „in alpibus Carinthiae et Helvetiae" 
vorkommend erwähnt. Die Kärntner Fundorte werden sich jeden- 
falls noch mehren lassen. Gomph. sihiricus findet sich auf den kurz- 
grasigen Wiesen der Höhe teils allein, teils mit Fezotettix dlpiestris 
zusammen ; am Dobratsch fand ich ihn auf Alpenwiesen mit reicher 
Vegetation sehr zahlreich zusammen mit Fesotettix alpestris und 
pedestris, Stenohothrus viridulus und parallelus und Farapleurus 
alliaceus. Der Schoenauer Fundort im Maltatal liegt etwas unter 
der gewöhnlich angegebenen unteren Grenze des Vorkommens 
(1200 m). Im Karawankengebiet fand ich die Art nur vereinzelt 
(Bodental). Auch in Nordtirol ist nach Grab er (14) Gomph. sihiricus 
im Kalkgebirge sehr selten (an einer einzigen Stelle, Zirler Mulde) 
gefunden worden, in den Schieferalpen gemein. 
Gompliocerus ruftis L. [Gompliocenis rufus (L.).] — Fundorte in 

Kärnten: Metnitztal (Friesach — Dobritsch, Wald, 1167 m, 

13./IX. 1896), Lavanttal (Preblau— Wolfsberg, Talsohle, 7./IX. 

1905), Gailtal (Spitzkofl, 22./VI. 1909, leg. Fräulein Grueber). 

Die von Werner (39) beschriebene weißrückige Farben- 
varietät — analog der var. leuconotus von higuttulus-hicolor — fand 
ich ebenfalls (Friesach). — Die vena spuria des erweiterten Media- 
stinalfeldes kann (wie ich an Exemplaren von Rohitsch -Sauerbrunn 
konstatierte) beim cf auch fehlen, ist also nicht gut als Hauptmerk- 



22 



Roman Puschnig. 



mal in eine Bestimmungstabelle aufzunehmen (Tümpel, Gerad- 
flilgler Mitteleuropas). 

Gompliocerus maciilatus Thunb. [^Gompliocerus maculatus (Thunb.).] 
— Fundorte in Kärnten: Falkenberg bei Klagenfurt (671m, 
trockene Waldwiese, 13./X. 1907, 9). 

Diese vorzugsweise der Ebene angehörige Form ist, nach dem 
vereinzelten Fund zu schließen, in Kärnten wesentlich seltener als 
die beiden anderen Gomphocerus-kYiQn. 

Stetliophyma fuscum Fall. [Äcryptera fusca (Fall.).] — Fundorte 
in Kärnten: Raibl (l./IX. 1905, 9), Golitza (Quadiawiese, 
18./VI. 1908, 9 larv.), Bärental (Straße, 22./VIIL 1908; Höhen- 
weg, Poautz, 1135 m, 8. /IX. 1909, zahlreich). Bereits vo" 
Latzel (30) von Tarvis und von den Weißenfelserseen an- 
geführt. 

Diese stattHche, durch den kurzen konischen Brusthöcker und 
die geringe Schrägstellung der Stirne an den Acrididenhabitus er- 
innernde Form ist nach G rab er in Nordtirol namenthch auf steilen 
Plätzen nicht selten und richtet wegen ihrer großen Gefräßigkeit 
an der Heuernte Schaden an. Unter den Raibler Exemplaren ist 
ein 9 durch die Größe (long. corp. 39" gegenüber den von Brunner 
u. A. angegebenen 33"; long, pronot. 7", elytr. 13", alae post. 9") 
und durch das Freibleiben der sonst von der Supraanalklappe be- 
deckten oberen Legeröhreklappe auffällig, zeigt aber die typische 
fuscum-F'SLi'himg. In den Karawanken (Bärcntal) scheint die For 
an einzelnen Stellen häufig zu sein. 

Subfam. Oedipotliiii. [Oedipodini.] 

()('AÜ])0(la cocrtilesccns L. [Ocdipoda coendescens (L.)-] — Fundort 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Glangasse, Sattnitz, Kreuz 
l)erg, Goritschitzen, Gösseinig, Glanfurtwiesen, Kanonhofteich 
Worstsccj, Moosburg, Karnburg— IJlrichsberg, Kloi)einersce 
Villaclier Gebiet (Sccbach, Magdalcnscc), Uosental (Ferlach 
von Latzel [30] angeführt), Fricsach, Guttaring, Spitta 
a. (1 Dr.— Millslatt. Juli bis Oktober. 

Ordijiixbt ((/rrfdrHrois MW. warfßinala Karny. Satliiit/ ( l.ii. 15. /IX 
1907;. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopteren laima von Kärnten. 



23 



Die blau fliigel ige Sehnarrheuschrecke ist in ganz Kärnten 
ziemlich gleichmäßig verbreitet und findet sich, im Gebirge schein- 
bar nicht hoch hinaufgehend, mit Vorliebe auf Waldwiesen, Wald- 
räudern und Lichtungen, gelegentlich, jedoch seltener als Fsoplius 
sfridulus^ an Straßenrainen und auf Straßen (selbst in der Stadt, 
Klagenfurt, Glaugasse, wohl verflogen), auf mit Nesseln und Disteln 
bewachsenen Hügeln, besonders gerne aber auf trockenen Hängen, 
die sich an feuchte Stellen, Tümpeln, Teiche, Seen anschließen 
(Sattnitz, Moosburg, Magdalensee u. a.). (Auch am Meeresstrande 
fand ich die Form unter ähnlichen Verhältnissen, so in Servola bei 
Triest, am Lido bei Venedig.) Gelegentlich gesellt sie sich selbst 
auf Sumpfwiesen der mehrfach erwähnten Sumpfwiesenfauna bei, 
allerdings in ziemlich geringer Individuenzahl (Glanfurtwiesen). — 
Bezüglich der Größen Verhältnisse fand ich bei den Kärntner 
Exemplaren ein Schwanken der Körperlänge von 17 — 20 mm bei 
den cT, 24 — 27 mm bei den $; als ausgesprochene Zwergform 
fand ich ein wohlausgebildetes cf von nur 13 mm Körperlänge am 
Kanonhofteiche bei Stein (Klagenfurt). Die Färbuugsvariation 
bezieht sich zunächst auf das Auftreten von helleren und dunk- 
leren Individuen. Bei den längere Zeit in Alkohol oder Formalin- 
alkohol gelegenen Individuen wird das blaue Pigment der Hinter- 
flügel mehr oder minder ausgiebig extrahiert oder verändert, so daß 
an den nachträghch gespannten Exemplaren nur selten das charak- 
teristische Blau (alae laete coeruleae, sagt Brunn er) erhalten bleibt, 
sondern viel häufiger blaß Grünlichblau, Bläulichweiß, Olivgrün, 
Gelblichweiß, Gelb als Färbungsrest übrig bleibt.^) Doch beobachtete 
ich auch an lebenden Exemplaren (Moosburg) blaßgrünliche Fitigel- 
färbung statt der blauen. Die rotflügelige Oedij). miniata Fall, fand 
ich in Kärnten nie, ebenso nicht Celes variahilis Fall. — Die durch 
den gelben Hinterrand des Pronotums ausgezeichnete var. margmata 
Karny, nach Karny (21) eine ausgesprochene Pveliktform, welche 
bereits Brunn er (Prodromus) als bei Klagenfurt vorkommend er- 
wähnt, fand ich erst 1907 in der Sattnitz in einigen Individuen 

1) Analoge Pigmentverhältnisse finden sich auch bei anderen Oedi- 
podiden. Vgl. hierzu Karny s Beschreibung der gelbflügeligen var. Ebneri 
von Psophus stridulus (Mitteil, des natiirwiss. Vereines an der Univ. Wien, 
Bd. VIIL 1910). 



24 



Roman Puschuig. 



unter den zahlreichen gewöhnlich gefärbten Exemplaren. Häufig 
ist die Form, welche ich außerhalb Kärntens bei Monfalcone (Istrien) 
auf trockenem Karstboden antraf, jedenfalls nicht. 

Pachytylus duniciis L. [Pachytylus danicus (L.).] — Vorkommen in Kärnten. 
Für diese ausgesprochen südliche, bezüglich südwestliche Form, welche, 
außerhalb Europas weit verbreitet, in Europa sich nach Brunner (3) 
in Spanien, südlichem Frankreich, Wallis, Dalmatien, Griechenland, 
nach Eedtenbacher (34) auch im oberen Rheintal, Bregenzerwald, 
Belgien und Deutschland findet, nach Krauss(24) in Krain vorkommt 
und von Graber (14) vereinzelt in Tirol (Passeyer und Leviko), ferner 
von Kr au SS in Vorarlberg gefunden wurde, wurde von Tümpel 
(Geradflügler Mitteleiu'opas) auch Kärnten als Fundland angeführt 
und auf eine diesbezügliche briefliche Anfrage Krauss als wahr- 
scheinlicher Autor dieser Angabe genannt. Doch konnte ich in den 
Kr au SS sehen Arbeiten keine solche Angabe finden, so daß eine Irrung 
nicht ausgeschlossen ist. Jedenfalls könnte es, sich nur um ganz ver- 
einzelte Funde handeln, als deren Lokalität mir am wahrscheinlichsten 
das Kanaltal erscheinen würde. 

Oedaleus nigrofasciatus De Geer. [OedaUus nigrofasciatus (De Geer).] — Vor- 
kommen in Kärnten. Fröhlich (13) führt für diese südliche, zerstreut 
auch in Österreich (Oberweiden, Meierling in Niederösterreich nach 
Redtenbacher, Brixen, Meran, Leviko in Südtirol nach Grab er) ge- 
fundene Form Kärnten als Fundland an und bezeichnet Grab er und 
Krauss als Gewährsmänner; ich konnte keine Originalangaben finden 
— ein sporadisches Vorkommen wäre wohl möglich. 

Psophiis stridulus L. [PsopJius stridulus (L.).] — Fundorte in 
Kärnten : Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Sattnitz), Maria- Rain 
im llosentale, Bärental, Stouhütte— Matschacheralm (bis 1100 m), 
Uh-ichsberg (in 900 m Höhe), Magdalensberg (Gipfel, 1056 m), 
Hochobir, Unterschäffleralpe (1200 m), Römerquelle bei Guten- 
stein (leg. Dr. Steuer), Klopeinersee, Drautal (Spittal a. d. Dr., 
Greifenburg), Greifenburg — Weißensee, Gailtal (Kirchbach), 
Görtschitztal, Friesach, Guttaring, Maltatal (Pflüglhof), Mill- 
statt, Gurktal, Flattnitz (1180 m, leg. Dr. Löhner), Lavanttal 
(Prchlau— Wolfsberg), Tarvis (Schlitzaschlucht, Seissera), Raibl, 
Lußnitz, WciOenfclserscen. Jkrcits von Latzcl (80) als „häufig 
in ganz Mittel- und Oberkärnten" bezeichnet. Juli bis Oktober; 
Larven im Juni. 

Ps(t)tJiufi stridulus, dnrcli die Ceuerrotcn , schwarzbraun ge- 
ränderten llintcrflllgcl und sein lautes Schnarren beim Auflliegcn 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



25 



wohl die auffälligste Orthopterenerscheinung im Lande, ist in 
Kärnten allgemein verbreitet und häufig, häufiger noch als 
Oedipoda coemlescens, mit der er sich gewöhnlich nicht an gleicher 
Stelle findet. Mehr oder minder üppige Wiesen, auch die Ufer von 
Seen (Raibiersee, Weißenfelsersee u. a.), auf denen er mit Stenob. 
parallelns, Decticus vermcivonis und Locusta cantans sich findet, 
Waldwiesen, Berghalden und Holzschläge, auf denen er mit Pe^o- 
tettix pedestris und Stenoh. higuUulus zusammen vorkommt, sind 
seine bevorzugten Plätze. Das Gebirge liebt er mehr als das Tal, 
ohne hier zu fehlen. In Oberkärnten begegnet man ihiti noch 
häufiger als in Unterkärnten. Häufig kreuzt er die staubige Land- 
straße oder Bergwege, mit seinem graubraunen Körper vorzüglich 
der Bodeufärbung angepaßt, bis er, auffliegend und aufschnarrend, 
in Farbe und Laut auf sich aufmerksam macht (Schreckmittel?). 
Im allgemeinen wenig variierend, sind doch zwei Färbungstypen 
bei beiden Geschlechtern vertreten: hellere, lichtbraun und grau- 
braun gefärbte, oft wie mit grauweißem Anflug überpudert aus- 
sehende Individuen einerseits, dunkle, pechbraune, braunschwarze 
bis fast ganz schwarze (Maltatal) Individuen andererseits; zu ersterem 
Typus stellen die 9, zu letzterem die d" das größere Kontingent. 
Übergänge verbinden beide Gruppen, sind aber seltener als die 
Typen. Hinterflügelfärbung und Hinterschenkelzeichnung nimmt 
an der Variation nicht teil. — Bezüglich der Größe sind einzelne 
9 (Weißenfelserseen) hervorzuheben, welche die Brunnerschen 
Durchschnittsmaße von 30 — 32 mm, die als Durchschnitt auch in 
Kärnten Geltung haben, bedeutend tiberschreiten und 38, ja 43 mm 
Körperlänge aufweisen. Gerade bei diesen großen Exemplaren ist 
die Verkürzung der Flügeldecken sehr ausgesprochen, indem diese 
nicht wie bei den typischen 9 bloß die Hinterleibsspitze frei lassen, 
sondern das ganze hintere Drittel, ja selbst die ganze hintere Hälfte 
des Abdomens unbedeckt lassen. Diese großen Exemplare sind in 
dem Tarviser Gebiete nicht selten. — Bemerkenswert erscheint 
mir ferner ein d von den Weißenfelserseen, bei dem die Hinter- 
hälfte des Pronotums im Gegensatze zur normal beschaffenen runze- 
ligen und dunklen Vorderhälfte blasig aufgetrieben, hell und 
glatt, vom Vorderteil durch eine sich auch auf den sonst bei Fsoplius 
nicht eingeschnittenen Mittelkiel erstreckende Furche geschieden 



26 



Roman Puschnig. 



ist; die völlige Symmetrie der wohl pathologischen Bildung spricht 
gegen eine Verletzung als Entstehungsursache, während eine solche 
für eine halbseitige, ähnliche Bildung bei einem Preblauer cf 
wohl herangezogen werden kann; bei diesem zeigt die linke Pro- 
notumhälfte eine glatte, bullöse Auftreibung, etwa von Form und 
Größe eines Fazettenauges dieser Art. Eine Flügelmißbildung von 
PsopJms stridulus hat Karny (19) beschrieben. 

Subfam. Acridiini. [Locustmi.] 

Cahptenns iialims L. [Calli2:)tami{s italicus (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Falkenberg, Sattnitz, 
Worstsee, Friedelhöhe ob Kollitsch am Wörthersee, 734 m), 
Moosburg, Kollnitz bei St. Paul im Lavanttale. Juli (Anfang 
August noch Larven) bis Mitte Oktober (Falkenberg, 13./X. 
1907). 

Calopt. italicus, welcher im Süden, so nach Krauss (Orthopt.- 
Fauna Istriens) in Istrien, die häufigste Acrididenform ist, in Ungarn 
wiederholt als Schädling beobachtet wurde (vgl. G. A. Künstler 
in diesen „Verhandlungen", Bd. XVII [Jahrg. 1867]), in Nordtirol 
nach Grab er sehr selten (erst zweimal gefunden),^) in Südtirol 
gemein ist^ ist in Kärnten zerstreut, doch nicht ganz selten, an 
trockenen, stark besonnten Waldhängen anzutreffen. Eine Massen- 
entfaltung von Individuen, wie sie alle Acrididcngenera gelegentlich 
aufweisen, zeigt er bei uns nicht und wird diesbezüglich durch 
das alpine Genus Podisma vertreten. Ebenso konnte ich an der 
zur Variation neigenden Form in Kärnten nur jene Färbungsabart 
wiederholt finden, welche durch zwei, bei geschlossenen Flügeln 
nach hinten konvergierende, ein spitzwinkeliges, nach vorne offenes 
Dreieck bildende gelbe Streifen des Analfeldes der Flügeldecken 
ausgezeichnet ist (var. hilineata m.), ohne daß sich diese Streifen 
an Pronotuniseitenstreifcn, wie bei der var. niargmella Serv., an- 
HchlielJcn wiird(*n. 

Podisma jtedcslris L. [Podisme pcdcsiris (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Falken borg, 671 m, Goritschitzcn, 

') Nach einer bricfliclicii Mitteilurif,^ von Dr. Kr:uiH.s war Calopt. italicus 
bei lunHiu'uck au der Ikenucrhtralio uelir iiiiuijg. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



27 



Sattnitz, Ebental — Gurnitz, Worstsee), Ulrichsberg (ca. 900 m), 
Lippekogel bei Launsdorf (1070 m), Römerquelle bei Guten- 
stein, Bärental, Stouhütte bis gegen Klagenfurter Hütte (1000 
bis 1500 m), Hochobir (Jovanberg^ leg. Prossen), Dobratsch 
(in ca. 1700 m Höhe), Feistritzeralm (1720 m, leg. Pfarrer 
Krizay), Mallnitzer Tauern (leg. Prossen), Goldeck bei Spital 
(Gipfel, 2139 m), Maltatal, Metnitztal (Oberhof, Mödringgraben, 
Pachlergraben, 1000 — 1200 m, leg. Dr. Löhner), Kanaltal mit 
Seitentälern (Tarvis, Lußnitz, Seissera, Raibl, Weißenfelser- 
seen). Juni bis Oktober. 

Wird bereits von Brunner (Prodromus) für unser Gebiet an- 
geführt: „In Kärnten und in der Gegend von Wien tritt Pod. pede- 
stris in das Hügelland." — Fast alle Kärntner Exemplare von 
Pod. pedestris gehören der kurzflügeligen Form an. Nur am 
Worstsee fand ich (8./VIIL 1909) ein der langflügeligen Form 
(var. alata). Die Exemplare des Tarviser Gebietes sind im weib- 
lichen Geschlechte durch relativ bedeutende Größe (long. corp. 
30 — 34 mm), eine gewisse Einfärbigkeit, hell gelbbraune Färbung 
mit Rücktreten der bei den übrigen Individuen ziemlich lebhaften 
Kopf-, Pronotum- und Abdominalzeichnungen und besonders kurze, 
meist nur bis zur Mitte des zweiten Abdominalsegmentes reichende 
Elytren ausgezeichnet (var. major m.); eine spezifische Unter- 
scheidung läßt die Gleichheit der Pronotum- und Analstruktur nicht 
berechtigt erscheinen. 

Podisma alpina Koll. [Podisme alpina (Koll.).] — Fundorte in 
Kärnten. I. var. collina Br. Bärental bis zur Stouhütte 
(UOOm, Juli und August 1907 und 1908), Dobratsch (in 1700m 
Höhe, 26./VIII. 1906). II. var. alpina Br. subvar. carin- 
thiacam. Grundlalm—Schiestlnock (1600 -2000m, 19./VIIL 
1896), Saualpe— Weite Alpe (ca. 2000m, 6./IX. 1896), Metnitz- 
tal (Oberhof, Mödringgraben, Pachlergraben, 1200 m). 
Bei der geflügelten Form (var. collina)^ welche recht lebhaft 
gefärbt ist, erreichen die Flügeldecken fast die Hinterleibsspitze 
(cT) oder lassen das letzte Drittel derselben frei (9 und Teil der 
c^^). Die kurzflügelige alpina-Form zeigt im Vergleich zu nieder- 
österreichischen Exemplaren noch kürzere, das dritte Hinterleibs- 
segment nicht überragende Elytrenschuppen, welche ähnlich wie 



28 



Roman Piischnig. 



bei Fod. Fieheri Scudd. und Schmidti Fieb. stark seitlich gertickt 
sind, ihre ovoide und relativ breite Form jedoch beibehalten haben 
(subvar. carinthiaca m.). Die can?^^/^^aca-Exemplare aus dem Met- 
nitztal (leg-. Dr. Löhn er) zeichnen sich durch ins Bläuliche gehende 
dunkle Schieferfarbe aus, ähnlich, wenn auch nicht so markant, 
wie die aus derselben Gegend stammende var. siibcaenilea von 
Chrysochraon hracliypterus. 

Podisma Schmidti Fieb. (==mendax Br.). [Podisme Schmidti (Fieb.).] 
— Vorkommen in Kärnten. Brunn er führt im Prodromus 
u. a. Kärnten als Fundland dieser Art ohne nähere Orts- 
angaben an. Ich fand sie bisher nur einmal (Worstsee bei 
Klagenfurt, 8./VIII. 1909, 9). 
Podisma frigida Bohem. [Podisme frigida (Bohem.).] — Vorkommen 
in Kärnten. Von Redtenbacher (Orthopt. Niederösterreichs 
und Orthopt. v. Österreich-Ungarn u. Deutschland) wird die 
Pasterze des Großglockners als Fundort dieser hoch- 
alpinen Form angegeben. 
* Podisma [Podisme] Prossenii nov. spec. 

Similis Podismae frigidae, cum margine pronoti postico angu- 
lato, elytris lanceolatis acuminatis; differt a Podisma frigida sidcis 
transversis pronoti distinctis (non ohliteratis), tihiis posticis flavis 
(non ruhris), elytris non contiguis, valvuUs inferioribus ovipositoris 
graciliorihiis et tenuorihus. 

Rotbraun gefärbt. Am ganzen Körper behaart, mit spär- 
licheren und langen Haaren an Kopf, Thorax, Abdomen und Elytren, 
mit kürzeren und dichten an den Extremitäten. Fühler etwas 
kürzer als Kopf und Pronotum zusammen. Kopf oben mit drei 
schmalen hellen Längslinien. Stirnrippe stark gefurcht, insbesonders 
zwischen den Fazcttenaugen. Pronotum hinten wie bei Podisma 
frigida stumpfwinkelig gerandct, jedoch mit drei scharf aus- 
geprägten, durchgezogenen Querfurchen, deren hinterste etwa in 
der Mitte des Pronotums verläuft. Mittelkicl in der hinteren Hälfte 
des Pronotums scharf ausgeprägt, in der vorderen undeutlich linien- 
förmig. Hintere Hälfte des Pronotums gek()rnt, vordere glatt. Pro- 
notum oben braun mit deutliclicin Goldschimmer, besonders l)cim 
n\ Hcitlicl) mit zwei durch eine belle Zwischenzonc getrennten 
»ch Warzen Flecken, von denen der obere länger und schmäler, 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



29 



streifenförmig- ist und sich von der mittleren Querfurche nach vorne 
an der Seite des Kopfes bis zum Hinterrand des Fazettenauges 
hinzieht, während der untere kürzer und breiter, unregelmäßig vier- 
eckig erscheint und zwischen der hinteren und vordersten Pronotum- 
querfurche liegt. Flügeldecken braun gefärbt, lanzettförmig, 
beim cf bis zur Mitte des Abdomens reichend, beim $ etwas kürzer, 
sich in der Mitte nicht berührend. Flügel kleiner als die Flügel- 
decken, bräunlich. Hinterschenkel gelbbraun mit zwei schwarzen 
Flecken an der Außenseite, zwei ebensolchen undeutlicheren schwärz- 
lichen innen, Knie geschwärzt. Hinter schienen gelb mit schwarz 
bespitzten Dornen. Abdomen oben gelbbraun, unten fahlgelb, seit- 
lich mit schwarzen Flecken auf jedem Segment, so daß insbesonders 




I. n. ni. IV. V. VI. 



Pronotiimf ormen der elytrenbesitzenden österreichischen Podisma-Arten. 

(Von 9) von oben gesehen, mit schematisierten Seitenkonturen, in doppelter Größe.) 
I. Podisma frirjida Bohem. II. Podisma Prossenii nov. spec. III. Podisma pedestris h. lY . Podisma 
ulpina Koll. var. collina Br. V. Podisma Schmidti Fieb. (= mendax Br.). VI. Podisma Fiebert 

Scudd. (= Schmidti Br.). 

das in ähnlicher Weise wespenartig gestreift erscheint wie Pö- 
disma j^edestris-Mäiimchen. Abdominalende des cT gleich gestaltet wie 
bei Fodisma frigida, nach oben gekrümmt, mit stumpfer, abgerundeter 
Subgenitalplatte und platten, gekrümmten, an der Spitze stumpfen 
Cerci; diese sind hellbraun mit gelblich weißer Spitze. Legeklappen 
des 9 ähnhch wie bei Fodisma frigida, doch etwas länger und 
schmäler, Zahneinschnitt der unteren Klappen weniger stark. — 
Maße: cf, Länge des Körpers 16 mm, Pronotum 4*5 mm, Flügel- 
decken 5-5 mm; 9, Körper (ohne Legeröhre) 22mm, Pronotum 5mm, 
Flügeldecken 7 mm. 

Die gut charakterisierte Form steht Fodisma frigida sehr 
nahe. Insbesonders zeigt die Form des Pronotumhinterrandes, nach 
welcher sich die bisher bekannten österreichischen Fodisma -kvi^xi 
mit Flügeldecken in drei Gruppen scheiden lassen (vgl. Abbildung), 



30 



Roman Piischnig. 



— frigida und Prossenii mit stumpfwinkeligem, pedestris und alpina 
mit ruudbogigem, Ficheri und Schmidti mit abgestutztem, bezüglich 
ausgerandetem Hinterrand — die Verwandtschaft beider Arten; 
doch ist Prossenii durch die gelben Hinterschienen, die stark aus- 
geprägten Halsschildfurchen, die sich nicht berührenden Flügel- 
decken und die grazileren Legeklappen von frigida unterschieden; 
pedestris unterscheidet sich von der neuen Form durch die bläuliche 
Schienenfärbung, den abgerundeten Halsschildrand und die ent- 
weder ganz kurzen, stummeiförmigen oder aber vollständig ent- 
wickelten Elytren, alpina durch den rundlichen Halsschildrand, den 
Subgenitalconus des und die zahnlosen Scheideklappen des 9, 
Schmidti und Fieheri durch die Pronotumform und die seitlich ge- 
stellten, schmalen Flügeldecken. 

Über die Verbreitung der Form werden erst weitere Beob- 
achtungen aufklären; möglicherweise ist sie eine mehr oder minder 
lokale. Ich besitze sie bisher nur in zwei Exemplaren (cf und 9), 
welche Herr Musealsekretär Lehrer Prossen Ende August 1907 
auf der Heidnerhöhe des Eisenhutes in ca. 1900— 2000m Höhe 
auf einer Bergwiese sammelte. Leider war es im folgenden Jahre 
(1908) weder dem ersten Sammler noch mir möglich, diese Stelle 
wieder aufzusuchen. 

Fodisma (früher Pezotettix) ist in ihren kurzflügeligen euro- 
päischen Formen eine Charaktergattung für alpine Gebiete 
und dementsprechend in unserem Berglande wohl vertreten. Bekannt 
sind bisher aus Kärnten fünf Arten, während z. B. Fröhlich (13) 
für ganz Deutschland nur zwei Arten kennt. Die Massenentfaltung 
von Individuen, welche andere Acridiergenera, wie Äcridium, Calo- 
ptenus, im Süden zeigen, wird im Gebirge durch Podisma-Yormm 
aufgeboten, von denen insbesonders Podisma pedestris sich verbreitet 
und zahlreich findet, von der Talsohle aufwärts mit Stenoh. parallelus 
zusammen feuchte, mit Stenoh. higuttulus, Psophus stridulus u. a. 
trockene Plätze bewohnt, besonders zahlreich aber auf üppigen 
Al|)enwiescn zu vielen Hunderten zwischen den Jlhododendron- 
BüKclien herunihüpft. Auch die erreichten Grr)ßenvcrhältnisse von 
J'(jd. pfdestris (var. major) weisen auf Existenzoptima hin, die diese 
Form in den Alpen findet. In den Karawanken fand ich im Bären- 
tale J'odis7}ui jirdc^lris zusammen mit der kollinen Form von l*o- 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaima von Kärnten. 



31 



disma alpestris und mit Stenob. parallelus bis zur Stouhütte (zirka 
1100 m), dann alpestris verschwinden und pedestris mit Stenob. 
parallelus bis etwa 1500 m vereinigt, letzteren aber als allein be- 
herrschendes Orthopter der Region der Klagenfurter Hütte (1600 m) 
bis zur Vegetationsgrenze am Hochstuhlfuß (Bielschitzasattel) hinauf. 
Genauere Studien über das Vorkommen der einzelnen Podisma- 
Arten, von denen Grab er in Nordtirol ^et^es^ns nur im Kalkgebirge, 
alpina aber vorwiegend im Schiefergebirge fand, werden noch 
manches Neue, nicht unwahrscheinlicherweise vielleicht auch neue 
Formen ergeben, zu deren mehr oder minder lokaUsierten Bildung 
Podisma als fliigelverkümmerte Gattung ja Eignung besitzt. 

Farn. Locustidae. [Tettigoniidae.] 

Subfam. Phaneropterini. [Phaneropterini.] 

Phaneroptera falcata Scop. [Phaneroptera falcata (Scop.).] — Fund- 
orte in Kärnten : Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Falkenberg, 
Sattnitz, Friedelhöhe ob Kollitsch am Wörthersee, Worstsee). 
August bis Oktober. Larven im August gefunden. 

Poecilmion Fieheri Fieber. [Poecilimon ornatus (Schmidt).] — Vor- 
kommen in Kärnten. Von Redtenbacher (34) auch für 
Kärnten angeführt. Jovanberg^ Obirgebiet (ca. 1200 m, 18. /VI. 
1908, 9, leg. Prossen). Das Exemplar vom Jovanberg bleibt 
in den Maßen noch etwas hinter den von Brunn er für die 
kleine Krainer Form gemachten Angaben zurück: long. corp. 
22 mm, pronoti 6 mm, ovipos. 10 mm. 

Barhitistes serricauda Fabr. [Barbitistes serricauda (Fabr.).] — 
Fundorte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet [„auf Gesträuch 
in der Sattnitz", Latzel (30)], Metnitztal (Pachlergraben, 
1200 m, l./VIIL 1908, leg. Dr. Löhner). 

Leptopliyes albovittata Koll. [Leptophyes albovittata (Koll.).] — Fund- 
orte in Kärnten : Klagenfurter Gebiet (Reifnitz am Wörthersee), 
Maria-Rain, Oberes Drautal (Baidramsdorf, Windschnurn bei 
Spittal), Millstatt— Seeboden, Kanaltal (Lußnitz, Fellaauen), 
Krappfeld (Althofen — Guttaring). Larven im Juni, ausgebildete 
Tiere im Juli bis September. — Bereits von Brunner (Pro- 
drom us) für Kärnten angeführt. 



32 



Roman Puschnig. 



Leptopliyes Bösel Fieb. [Leptophyes Boscii (Fieb.).] — Fundorte in 
Kärnten: Sattnitz bei Klagenfurt (30./VIIL 1895, cT), Klopeiner- 
see (l./VIII. 1909, d", leg. Mag. v. Beilschan). — Auch be- 
reits von Brunn er für Kärnten angeführt (Prodromus). 

*Isophya camptoxix)lia Fieb. [Isophya pyrenaea (Serv.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Metnitztal (Oberhof, ca. 1000 m, Waldrand, 
August 1908, cf, leg. Dr. Löhner). 

* Orpliania denticauda Charp. [Folysarcus denticaudus (Charp.).] — 
Fundorte in Kärnten: Hochobir (Gipfel, in der Nähe des 
Rainerschutzhauses, 2043 m, $ adult., 15./IX. 1907; long. corp. 
34 mm, ovipos. 14 mm); Obirgebiet, Jovanberg, larvae (d 18 mm, 
g 20 mm long, corp., 28./VI. 1908, leg. Prossen). 

Subfam. Meconeinini. [Meconemini.J 

Meconema varium Fabr. [Meconema thalassinum (Geer.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Pappelmorogarten, 
August 1900, leg. v. Bellschan; Sattnitz, 9, 30./VIII. 1895; 
Haiden, juv., lO./VI. 1908). 

Von den Phaneropterinen und den nahestehenden Mecone- 
minen sind die meisten grtingefärbten und versteckt lebenden Arten 
gewiß, wenn auch zerstreut und nirgends in größerer Anzahl vor- 
kommend, doch weiter verbreitet, als die bisherigen Funde zeigen. 
Am häufigsten ist wohl Fhaneroptera falcata, die um Klagenfurt 
nicht selten ist, meist auf Gebüsch, manchmal aber auch auf Wiesen 
angetroft'en wird. Orpliania denticauda, eine aulTällig große und 
plumpe Form, fand ich in einem einzigen Exemplare auf der Höhe 
des Hochobir auf den kurzgrasigen Steinfeldern zwischen den 
Büschen von Gentiana germanica langsam herumkriechend, mit 
den für eine Locustidc auffallend kurzen Fühlern vorsichtig hcrum- 
fülilernd, dann im Grase zu fressen beginnend. Grab er kennt die 
Form nur von Südtirol (Judikarien), Schmidt [Orthopt. Krains (36)] 
u. a. vom Nanos in Krain und von Wippach, Werner (38) vom 
Picstingtal und anderen niederijsterreichisclien Plätzen. 

Subfam. Coiiocephalini. [Conocephalini.J 

Xi/>/ii(/nnn /'nsr?nn Fabr. [Xiphidion fmmm (Fa})r.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet („auf den Torfwiesen zwischen 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaiina von Kärnten. 



33 



Meiernigg und den sieben Hügeln selir häufig", Latzel, 1. c; 

Wörthersee -Ausfluß, Loretto, Sattnitz). Moosburg, Ossiachersee. 

Juli bis September, vereinzelt noch Oktober. 
*XipJiidium dorsale Latr. [Xiphidion dorsale (Latr.).] — Fundorte 

in Kärnten: Keutsehachersee, Faakersee^ Ossiachersee. August. 

Beide Xi2)Mdmm-F ormen sind Sumpfwiesenschrecken und als 
solche mit Stenoh. parallelns, Mecostethus grossus, Farapleurus allia- 
ceus zusammen zu finden. Fuscum ist verbreiteter und häufiger 
als dorsale und findet sich gelegentlich auch abseits von größeren 
Wasserflächen (Sattnitz, sumpfiger Waldhang). Häufig findet man 
neben den ausgebildeten Tieren Larven (bis Ende September), 
welche den dunklen Mittelstreif, der fuscum auszeichnet, meist 
prägnanter aufweisen als die ausgebildeten Tiere. 

Subfam. Locustini. [Tettigoniini.] 

Locusta viridissima L. [Tettigonia viridissima (L.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Stadt, in Wohnungen ver- 
flogen, in Gärten, Heil. Geist- Schutt, Lend; Wörthersee, Satt- 
nitz). Drauauen bei Annabrücke, Zollfeld, Längssee, Rosental 
(Maria-Rain, Unterbergen), Villacher Gebiet (St. Magdalena), 
Obirgebiet (Zauchengraben, Weg zur Unterschäffleralpe), Kanal- 
tal (Lußnitz). Juli bis September; Larven Anfang Juni bis 
Mitte Juli. 

Typische Form ohne braune Rückenfärbung, wie sie 
südliche Exemplare (z. B. von Spalato) auszeichnet. Dagegen 
weisen einzelne Exemplare (9) einen strichförmigen braun- 
schwarzen Fleck am Rande der v. dividens des Tympanal- 
feldes auf. 

Locusta caudata Charp. [Tettigonia caudaia (Charp.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Stadt, in Hausflur verflogen ; 
Straße bei Meiernigg). Unterbergen im Rosentale. Bärental 
(Poautz, 1135 m). Klopeinersee. (Ferner Veldesersee in Kraiu.) 
Juli, August. — Wird bereits von Brunn er (Prodromus) für 
Kärnten angeführt. 

Locusta cantans Füssly. [Tettigonia cantans (Füssly).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Sattnitz, Worstsee), Zollfeld, 
Magdalensberg (1056 m), Bärental (bis zur Stouhütte), Obir- 

Z. B. Ges. 60. Bd. 3 



34 



Roman Puschnig-. 



g-ebiet (Unterschäffleralpe, 1100 m), Arnoldstein (Hof der Abtei- 
ruine), Weißenfelserseen, Drautal (Millstatt — Seeboden, Wind- 
schniirn bei Spittal a. d. Dr., Gailberg), Maltatal, Lavanttal. 
Juni bis September. 

Von den drei Locusta -Avten ist in Kärnten cantans die bäufigste 
und verbreitetste, vwidissima ihr nur wenig nachstehend, während 
caudata seltener und vereinzelter anzutreften ist. Alle Formen finden 
sich auf Feldern, Wiesen und Waldhängen, am Boden (besonders 
caudata), ebenso aber auch im Gebüsch, Brombeerhecken und Farn- 
gestrüpp (besonders cantans) und auf Bäumen, Fichtenbäumen im 
Walde, Alleebäumen (besonders viridissima). Cantans, die stimm- 
gewaltigste, deren lautes Zirpen den abendlichen Wanderer z. B. 
durch das Bärental bis zur Stouhtitte geleitet oder vom Magdalens- 
berg, wo die Form sich auf dem Gipfel mit Stenoh. parallehis, Pso- 
phus strididus, Dectic. verrucivorus zusammen zahlreich findet, bis 
zum Fuß und bis zur Ebene des Glanfeldes herab kontinuierlich 
folgt, findet sich mit Vorliebe auf gebirgigem Terrain. Von viri- 
dissima, die gegenüber cantans bei weitem größere Flugorgane be- 
sitzt und relativ nicht schlecht fliegt^ ist es bemerkenswert, daß 
sie sich häufig — gelegentlich übrigens auch caudata — , offenbar 
verflogen, in der Nähe menschhcher Behausungen und Bauwerke, 
im Hausflur, Korridoren, Wohnungen (Klagenfurt), auf Eisenbahn- 
brücken (Pullach im Isartal bei München), auf Kaffeehaussesseln 
(Caf6 Specchi in Triest) antreffen läßt. Bei dieser Form traf ich 
an einem (im Zauchengraben, Obirgebiet) schwerfällig den Weg 
kreuzenden zwei aus dem After herausragende Nematoden (Mermis 
nigrescens Duj.?) als Schmarotzer an. 

Subfam. Decticini. [Decticini.] 

Dectictis verrucivorus L. [Decticus verrucivorus (L.).] — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet [schon von Latzel (30) hier- 
für angeführt; Kreuzbergfuß, Sattnitz, Ebental, Gurnitz, Glan- 
furtwicKcii, Siebcnhiigcl, Fricdellirihc ob Kollitsch am Wörtlier- 
sec, 734 m]; Zollfehl, Launsdorf, Tanzenbcrg, Magdalcnsbcrg 
flOöOnij, Roscntai (Untcrbergenj, Bärental (Stouhüttc— Klagen- 
furter ,1 lütte, bin ca. 1200 m), Kfinicniuelle bei Gutcnstcin. 
Villaclier Gebiet (St. Magdalena, Seebacli), KlopcinerHce, (Jail- 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



35 



tal (Pressegersee, Kirchbach, Kötschach), Görtschitztal (Fries- 
ach), Draiital (Spittal), Gurktal, Metnitztal (Oberhof, 1000 m, 
Paalgrabeu— Flattnitz, ca. 1300 m, leg*. Dr. Löhner), Aruold- 
stein (Abteiruine), Kanaltal (Tarvis, Seissera, Raibl, Weißen- 
felserseen, für letztere von Latzel angeführt), Lavanttal 
(Preblau — Wolfsberg). Juni bis September. Larven Juni, Juli, 
vereinzelt bis September. 

Decticus verrucivorus ist, wie Stenoh. parallelus unter den 
Feldheuschrecken, unter den Laubheuschrecken die gemeinste Form, 
der auch der nächst verbreitetste Thamnotri^on cinereus nachsteht. 
Im Gegensatz zu den Strauch- und baumbesteigenden Locusta -Arten 
bleibt sie bodenständig, ist aber als solche nicht nur in großer,- 
gewiß auch schädlich werdender Individuenzahl auf die kultivierten 
süßen Wiesen und Getreidefelder des Tales (Klagenfurt, Lavanttal u. a.) 
zusammen mit Stenohothrus - Arten und auf die feuchten, sauren 
Wiesen des Moor-, Sumpf- und Seerandgebietes (Seeausfluß, Sieben- 
hügel, verschiedene Seen) zusammen mit deren charakteristischen 
Orthopterenfauna beschränkt, sondern findet sich ebenso häufig auf 
Waldrändern und Waldwiesen (Sattnitz), in Gebirgstälern (Bärental, 
Seissera), hier gewöhnlich mit Psophus stridulus, Stenoh. parallelus, 
Thamnotr. cinereus, Podisma pedestris und alpina vergesellschaftet, 
und steigt mit diesen Formen auch bergan (Magdalensberg, Flattnitz). 

Der Mannigfaltigkeit des Vorkommens entspricht die recht 
starke Variabilität der Art sowohl in Größe als mehr noch in 
Färbung. Erstere bewegt sich bei den Kärntner Exemplaren zwischen 
26 und 30 mm bei den cT, 27 und 36 mm, bezüglich mit Legeröhre 
45 — 55 mm bei den 9. In der Färbung sind, und zwar bereits 
bei Larven ausgeprägt, zunächst zwei Gruppen zu unterscheiden, 
einerseits helle, mehr oder minder lebhaft grüne, bei denen die 
Zeichnung zurücktritt, so daß sie ganz Locusta-Sihnlieh ein färb ig 
werden können (var. unicolor m., Ebental, Raibl, Metnitztal), 
andererseits dunkle, braun gefärbte, mit mehr oder minder mar- 
kanter Zeichnung, besonders der Flügeldecken. Erstere scheinen 
häufiger im Tal und auf Wiesen, letztere mehr im Walde sich zu 
finden (Sattnitz, Bärental). Im übrigen variiert die Koptfärbung, 
die Halsschildumrandung, die Flügeldecken- und die Schenkel- 
zeichnung mannigfach. Hervorgehoben wurden schon von Latzel 

3* 



36 



Roman Puschnig. 



(1. c.) lebhaft g-rün gefärbte Exemplare mit gelbem Kopf (Klagen- 
fm*t, Weißenfelserseen); auf dem Magdalensberg fand ich Exemplare 
mit lebhaft gefärbter rötlichvioletter Stirne; ein Raibier Exemplar 
zeigt gelben Vorderrand der Hinterfliigel. — Einige 9 (Tarvis, 
Raibl, Römerquelle) zeigen die Flügeldecken etwas gekürzt, das 
Hinterleibsende nicht überragend, bezüglich nicht erreichend. — 
Die Entwicklung von Dect. verrucivorus scheint während des ganzen 
Jahres vor sich zu gehen und rasch zu verlaufen. Bereits Mitte 
Juni sind neben den zahlreichen, durch die lebhafte Färbung der 
Lar\enflügel (auf fahl gelbgrauem Grunde zwei schwarze Flecke) 
auffälligen Larven reife Exemplare anzutreffen und noch Anfang 
September fand ich (Raibl) vereinzelte Larven neben den zahl- 
reichen Imagines. 

Flatycleis Boeseli Hagenb. [Platycleis Boeselii (Hagenb.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Glanfurt- 
wiesen, Ebental), Rosen tal (Unterbergen), Drauauen bei Anna- 
brücke, Klopeinersee, Moosburg, Hafnersee, Keutscbachersee, 
Umgebung von Villach, Oberes Drautal (Spittal, Greifenburg), ] 
Gailtal (Kirchbach), Lavanttal (Preblau), Metnitztal (Oberliof, 
Kalcherwiese, ca. 1000 m, leg. Dr. Löhner). Juli bis September. 
In beiden Geschlechtern ist eine Kategorie hellbrauner und 
eine solche dunkelbrauner Individuen zu unterscheiden; bei 
den letzteren tritt die gelbweiße Halsschildumrandung, durch den 
Kontrast gehoben, viel markanter hervor als bei den ersteren. 
Platycleis hrachyptera L. [Platycleis brachyptera (L.).J — Fundorte 
in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Goritschitzen, 
Ebental), Magdalensberg (105G m), Saualpe (in ca. 2000 m 
Höhe), Oberes Drautal (Windschnurn bei Spittal), Metnitztal 
fO})erliof, Kalcherwiese, ca. 1000 m, leg. Dr. Löhner). Juli 
bis September. — Kurzflü gelige Form. Bei einigen männ- 
lichen Exemplaren ist die Oberseite des Pronotums zicmHcli 
lebhaft hell gelbbraun gefärbt. 
l'lalycleis (jrisea Fabr. [Platycleis yrlsca (Fabr.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Steinbruch, Fricdcl- 
h(»iie ob KollitHch am Wörthersee, 734 m, Goritschitzcn), 
Lavanttal n<()llriitz bei St. Paul, Basaltfclsen, 456 m). Juli bis 
Oktol)cr. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfaima von Kärnten. 



37 



Bei allen weiblichen Exemplaren ist die Longitudinalfurche 
des Abdomens, die nach Brunner (Prodromus) bei dieser Art 
häufig" obliteriert, gut ausgeprägt. 

Von den drei in Kärnten vorkommenden Platyeleis -Arten ist 
Flatijcl. Boeselii bei weitem die häufigste, ein ziemlich regelmäßiges 
Mitglied der Sumpfwiesen fauna, den Stenohothrus-, Mecostetlms-, 
Farapleiirus- und Xiphidium - Arten dieser Fauna allerdings an 
Individuenzahl sehr nachstehend. Platycl. hracliyptera scheint Wald 
und Berg als Aufenthaltsort zu bevorzugen, während die lang- 
flügehge, mediterrane Platycl. grisea sich mit Vorliebe im Gestrüpp 
stark besonnter, trockener Stellen findet. 

Thamnotrison cinereus L. [Pholidoptera cinerea (L.).] — Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Pappelmorogarten, Kreuzberg, 
Falkenberg, Goritschitzen, Sattnitz, Worstsee), Rosen tal (Unter- 
bergen), Drauauen bei Annabrücke und bei Weizelsdorf, Oberes 
Drautal (Spittal, Goldeck), Römerquelle bei Gutenstein, Längs- 
see, Krappfeld (Althofen), Görtschitztal, Friesach, Maltatal, Gurk- 
tal, Metnitztal, Raibiersee. Juni bis Oktober; Larven im Mai. 
Alle Kärntner Exemplare von TJiamn. cinereus zeigen eine 
meines Wissens weder von Brunner noch anderen Autoren ver- 
merkte Zeichnung des Abdomens, indem nämHch auf der Mitte 
jedes Abdominalsegmentes oben ein V-förmiger dunkelbrauner Fleck 
sich findet, so daß sich zusammen ein kettenartiger Medianstreifen 
ergibt. — Die 9 sind durch-wegs heller und größer als die cf , wo- 
durch die Form ziemhch dimorph erscheint. cT und 5 scheiden 
sich ferner in bezug auf Färbung und Zeichnung des Hals- 
schildes in zwei durch Übergänge verbundene Gruppen; bei 
der einen ist der Halsschild hellbraun, besonders oben licht ge- 
färbt und die schwarze Makel der Seitenlappen scharf ausgeprägt, 
bei der anderen ist der Halsschild mehr oder minder ein färb ig 
dunkelbraun und die Seitenmakel unscharf, undeutlich^ selbst, 
besonders bei 9, ganz verschwindend; die $ des letzteren Typus 
sind meist kleiner als die des ersteren. Während bei den meisten 
cinereus -Weihchen von den Elytren nur ein ganz schmaler Saum 
sichtbar ist, zeigen einige Exemplare dieselben in Form von kleinen 
gelbbraunen, genetzten, dreieckig-rundlichen Schuppen von 2-5 mm 
Länge und 2 mm Breite ausgebildet. 



38 



Roman Puschnig. 



lliamnotrizon fdllax Fisch. [PJiolidoptera fallax (Fisch.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Maria-Rain bei Klagenfurt, Bärengraben 
(Rosental), Gallizieu unweit des Wildensteinerfalles, Unter- 
schäffleralpe am Hochobir (ca. 1200 m). Ferner Veldesersee 
in Krain. Juni bis September. — Wurde bereits von Brunner 
(Prodromus) für Kärnten angeführt. 
Thammtrizon apterus Fabr. [Fholidoptera aptera (Fabr.).] — 
Fundorte in Kärnten: Kanaltal (Tarvis, hierfür bereits von 
Latzel(30) angegeben, Schlitzaschlucht), Görtschitztal (Fries- 
ach — Dobritsch), Goldeck bei Spittal a. Dr. August, September. 
— Ein 9 zeigt statt der ihm zukommenden lichtbraunen Stirn- 
färbung ganz die typische des cT (schwarz mit roten Flecken). 
Von den drei kärntnerischen Thamnotrizon -Arten ist cinereus 
die häufigste, besonders im Tal überaus verbreitet, während fallax 
und apfterus sich spärlicher finden und gebirgiges Terrain bevor- 
zugen. Strauchwerk und Gestrüpp, insbesonders von Buhns, Farn- 
kräutern und niederen Eichen beherbergen die ausgebildeten Tiere, 
während die Larven, von cinereus manchmal auch die Imagines, 
auch auf Wiesen anzutreffen sind. 

Pachytrachelus gracilis Br. [Pachytrachelus gracilis (Br.).] — Redten- 
b ach er (Derm. u. Orthopt. v. Österr.-Ung. u. Deutschland) führt 
auch Kärnten für diese Form an. Ich sammelte sie bisher 
nur im südlichen Steiermark (Rohitsch-Sauerbrunn). 

Rhacodeis discrepans Fieb. [Bkacocleis germanica (H.-S.).] — Diese südöst- 
liche, schon in Istrien (vgl. Krauss) häufige, von mir bei Grado ge- 
fangene Form wird von Fischer (Orthopt. Europ., 1854) als Pterolepis 
germanica H.-S. nur für Kärnten angeführt (habitat in Carinthia), 
eine Angabe, die von vornherein sehr unwahrscheinlich, in dieser aus- 
schließlichen Form aber gewiß unrichtig ist. Vielleicht liegt eine 
Verwechslung mit Croatia oder Carniola vor. Leider konnte ich die 
Originalangabe des ersten Beschreibers der Art (Herr.-Schäffer, 
Nomencl. entomol., II, Regensburg, 1810) nicht zur Einsicht bekommen. 
Brunner hat mit Recht diese Angabe in seinen Prodromus nicht auf- 
genommen. 

Subfam. Ej)hippii?crini. [Ephippigerini.] 

Kpliippigera vifiiim Sci'v. [Ephippigcr ephlppiger (Fabr.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klag(;iifiirter (jiebict (Kreuzberg, l^'alkenbcrg, 
Sattnitzj, Roscntal (Maria-Rain, hierfür schon von Latzcl(i5Ü) 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauua von Kärnten. 



39 



angeg-eben), Villacher Gebiet (St. Leonbardt), Vellachtal (Rech- 
berg' — Eisenkappel), Krappfeld (Dürnfeld), Görtscbitztal (Fries- 
aeb). August, September. 

Diese auffällige pontische Form ist in Kärnten nicht selten, 
wenn aucb scheinbar ziemlich zerstreut, auch, wie mir scheint, 
nicht in jedem Jahre gleich häufig vorkommend. Sie findet sich 
regelmäßig auf Gebüsch, Eichenholzung, seltener auf Nadelbäumen 
und Farnen. In großer Zahl traf ich sie 1907 — und zwar die cT 
in entschiedener Überzahl — in einem Eichenbestande am Rande 
der Sattnitz. Trotz des lauten, schrillen, zweisilbigen Zirpens, das 
auf das Tier hinleitet, ist dasselbe doch im Eichenlaube, durch seine 
scheinbar auffällige gelbgrüne Färbung, welche vorzüglich in die 
Umgebung hineinpaßt, gut geschützt, nicht gleich zu finden. 

Subfam. Stenopelmatini. [Stenopehnatini.] 

Troglophilus caricola Koll. [Troglophilus caricola (Koll.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Von Brunner (Prodromus) wird unter an- 
deren auch Klagenfurt als Fundort dieser versteckt lebenden 
Form angegeben. Ich konnte sie bisher selbst nicht finden 
und fahndete auch in den Kalksteinhöhlen des Obirgebietes 
vergebens darnach. Dagegen erhielt ich eine 8 mm lange 
Larve (cT) dieser Art^ welche Herr Magister v. Beilschan 
gegen Ende Oktober 1909 halberstarrt zwischen dem Fenster 
gefunden hatte, eine gewiß ungewöhnliche Lokalisation. Das 
betreffende Wohnhaus steht in einem ausgedehnten, auch 
andere Orthopteren (Oedip. coenilescens, Locusta viridissima, 
Thamn. cinereiis) enthaltenden Obstgarten (Pappelmorogarten). 
Das Exemplar stimmt in den Form Verhältnissen, auch der 
Genitalanhänge, völlig mit den von Krauss (24) gegebenen 
Zeichnungen überein. 

Farn. Gryllidae. [Ächetidae.] 
Subfam. Gfryllini. [Ächetini.] 

Gryllus campestris L. [Liogryllus campestris (L.).] - Fundorte in 
Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Kreuzberg, Goritschitzen, Welzen- 
egg, Glanfurtwiesen, Siebenhügel), Karnburg, Maria-Rain, Um- 



40 



Roman Puschnig. 



gebiing von St. Veit, Villacb, Tarvis, Drautal, Gailtal, Görtschitz- 
tal, Lavanttal. — Schon von Latzel (30) angeführt. Ist im 
ganzen Lande verbreitet. April bis Oktober, ausgebildete Tiere 
im Mai und Juni. 

Grijllus domesticus L. [Ächeta domestica (L.).] — Vorkommen in 
Kärnten; Das Heimchen kommt nach zuverlässigen Beob- 
achtern (Sabidussi beobachtete es in Bleiburg) in Kärnten 
vor, ich selbst fand es nicht. In Tirol ist es nach Gr ab er (14) 
„in Küchen und anderen warmen Orten" ziemlich allgemein 
verbreitet, in Krain nach Schmidt (36) auf dem Lande nicht 
selten. Im Süden scheint es vereinzelt oder regelmäßig außer- 
halb von Wohnlichkeiten aufzutreten; Werner (40) traf es in 
Ägypten häufig im Freien, Krauss fand es in Algerien in 
Oasen im Freien, ich fing bei Triest eine Larve dieser Art an 
der Riva von St. Andrea (März 1896). 

Gryllus frontalis Fieb. [Ächeta frontalis (Fieb.).] — Fundorte in 
Kärnten: Windschnurn bei Spittal a. Dr., Wiese (d^, 12./VIII. 
1896), Drauauen bei Annabrücke (9, 29./VI. 1909, leg. Mag. 
V. Beilschan). — Auch von Brunner (Prodroraus) für Kärnten 
angeführt. Karny nennt (21) Gryllus frontalis eine „pontische 
Form, bezüglich deren Vorkommen auf baltischem Gebiet ab- 
solut keine sichere Aufklärung gegeben werden kann". 

Subfam. Grryllotalpini. [Gryllotalpini.] 

Gryllotalpa vulgaris Latr, [Gryllotalpa gryllotalpa (L.).] — Fund- 
orte in Kärnten: Klagenfurter Gebiet (Wiesen, Felder, Gärten, 
Glanfurtwiesen, schon von Latzel (30) angeführt). Nicht selten 
die Landstraße kreuzend (Meiernigg — Sekirn am Wörthersee, 
leg. Dr. Steuer; Pölling im Krappfelde). April bis September. 
Die Werre, in Kärnten gevv()hnlich „Werrl" genannt, ist wahr- 
scheinlich im ganzen Lande verbreitet und gilt als Schädling. In 
Gärten ist sie dies gewiß und wird durch 'J'opfftillen, selbst durch 
eingesetzte Maulwürfe zu vertilgen gesucht. Kolazy (29) glaubt 
auf Grund von Ex])erimenten, daß Gryllotalpa vulgaris vorwiegend 
Ticrfresscr sei und bei seinem llerninwülilen die Pflanzen nur ent- 
wurzle und die oberen Teile dersellx'n, niclit aber die Wurzeln an- 
fresse; selbst wenn dies allgemein zutreßen würde, so würde docli 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



41 



der von Kolazy daraus gezogene Schluß der Nützlichkeit der 
Werre nicht zutreffen. — Über ein ungewöhnlich starkes Auftreten 
der Maulwurfsgrille wird in der „Carinthia" vom Jahre 1878 (4) 
berichtet: „Bei Gelegenheit der letzten Überschwemmung in der 
Umgebung von Klagenfurt war das massenhafte Erscheinen der 
Maulwurfsgrille in der Gegend der Schmelzhtitten an der Laibacher- 
straße bemerkenswert. Dieses den Landwirten und Gärtnern so 
ungemein schädliche Insekt wurde durch das plötzlich eindringende 
Wasser der Glanfurt überrascht und aus seinen Schlupfwinkeln ge- 
trieben. Man konnte Tausende dieser Tiere auf der Oberfläche 
des Wassers schwimmen sehen, von wo sie sich auf die höher ge- 
legenen trockenen Stellen zu retten suchten. Viele davon erreichten 
die Straße, wo sie von Vorübergehenden zertreten und erschlagen 
wurden." (R. v. H.) 

* * 

Wenn ich im nachfolgenden versuche, aus meinen Kärntner 
Beobachtungen allgemeine Gesichtspunkte, mehr in Form ge- 
stellter als gelöster Fragen und sich ergebender Probleme, her- 
auszuheben, so möchte ich zunächst auf die wohl in der Natur der 
Sache liegenden Mängel und Lücken der bisherigen faunistischen 
Untersuchungen hinweisen. Nicht fasse ich als solche die Um- 
grenzung des Gebietes als politischer Bezirk (Kronland Kärnten) 
auf. Ein Blick auf zahlreiche treffliche faunistische Arbeiten aus 
den verschiedensten Gebieten zeigt, daß diese Beschränkung der 
Sammeltätigkeit und Bearbeitung des gewonnenen Materials auf 
ein politisch-geographisches Gebiet allgemein üblich, weil praktisch 
naheliegend und eigentlich schwierig zu umgehen ist. Selbst- 
verständlich muß man sich innerhalb dieses Gebietes über die 
natürlichen geographischen Verhältnisse und über Zusammenhang 
oder Verschiedenheit derselben mit oder von den Nachbargebieten 
klar werden.^) 



^) Vergleiche zu dieser Frage: Handlirsch, „Über sogenannte Lokal- 
faunen" (in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1900), und Freih. v. Hormuzaki, 
„Einige Worte über sogenannte Lokalfaunen"-, Handlirsch, Bemerkungen 
hierzu (in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1901). 



42 



Roman Puschnig. 



Kärnten^) ist als Teil der österreichischen Alpenländer Berg- 
land zwischen Berg-ländern, von den Nachbarkronländern größten- 
teils durch Gebirgsmassen getrennt oder auch verbunden. Es ist 
„ein Teil des großen Längstales der Ostalpen, dessen tiefste 
Durchschnittslinie vom Talwege der Drau gebildet wird, welche 
fast durchwegs die beiden großen Alpenzüge des Landes, die 
Urgebirgs- und Kalkalpen, voneinander trennt" (Amthor- 
Jaborn egg). Dandit ist das auch für die Fauna Wesentliche des 
geographischen Aufbaues des Landes skizziert. Es sind große 
diskontinuierliche, zum Teil in die Nachbarländer übergreifende, 
in ihrem geologischen und petrographischen Aufbau heterogene 
Gebirgsmassen, und zwar die kristallinische Zentralzone der 
Plohen Tauern und Norischen Alpen, die Kalk- und Dolomit- 
massen der Karnischen Alpen, der Karawanken, der Julischen 
und der Steineralpen, die Schotterablagerungen und Konglo- 
merathöhen des Klagenfurter Beckens, welche alle durch ein 
einheitliches hydrographisches System, das «der Drau mit ihren 
parallelen (Gail) oder queren (Möll, Lieser, Gurk, Lavant u. a.) 
Nebenflüssen, verbunden werden. Ein einziges größeres, sich nach 
Süden öffnendes, nicht dem Drausystem angehöriges Tal (vom 
Paalbach und Kankerbach abgesehen), das der Fella (Canaltal), 
bildet einen für Talwanderer südlicher, mediterraner Herkunft offenen 
Eingangsweg, während das in 200 km Länge fast die Mitte des 
Landes von Westen nach Osten durchziehende Tal der Drau östliche 
und westliche Eingangspforten, die ersterc (östliche) vielleicht für 
die Invasion pontischer Elemente in Betracht kommend, darbietet. 
Die Frage nun: entspricht dem verschiedenen Charakter der Kärntner 
Gebirge, insbesonders der Verschiedenheit des Urgcbirges und des 
Kalkgebirges, die sich auch floristisch kund gibt, eine Verschieden- 
heit der Orthopterenfauna? läßt sich vorläuflg noch nicht beant- 
worten, wenn auch Analogien zu diesbezüglichen, in Tirol ge- 
machten l^oobachtungcn Grabers schon vorliegen. Zentrum der 
liier niedergelegten Beobaclitiingen ist Klagen für t und das Klagen- 
furter Becken gewesen, das seiner Lage nach faunistisch ganz 

Zu den ^('(»^nipliiMclien An^?iib(Mi \viii(l<ni licrant^e/o^^cn : Aiiitlioi- 
.I;ilM)rii('^(^^ Kiirntiicrliilinii-, III. Aufl.; y\ iii t lioi - liab i, Siidtirol, Kiinitoii, 
V.m, und Ziipfl, Kariittii, lOOt;. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



43 



interessant ist und in seinen Vorbergen den verschiedenen Charakter 
der Hauptgebirge teilweise wiedergibt. Seine Orthopterenfauna 
dürfte im großen und ganzen festgestellt sein, wenn auch Über- 
raschungen und für das Gebiet neue Formen immer noch auftauchen 
können (vgl. Epacromia ilialassina). Von Klagenfurt aus wurden 
die Draure viere und die größeren Nebentäler im Laufe der Jahre 
wiederholt besucht, so daß diese Exkursionen im großen und ganzen 
ein einigermaßen einheitliches Bild der Talfauna zu machen 
gestatten. Ganz anders ist es mit den Gebirgsexkursionen. Hier 
liegen vorläufig nur Stichproben vor, Stichproben zwar aus allen 
Hauptketten, aber in keiner, auch nicht in den von Klagenfurt am 
ehesten zugänglichen Karawanken, irgendwie vollständig. Da könnte 
auch nur im Laufe der Jahre von dem Zusammenwirken ver- 
schiedener lokaler Beobachter und Hochtouristen, welche von ihren 
Alpenwanderungen Material mit sicheren Orts- und Höhenangaben 
brächten, eine Vervollständigung zu erwarten sein. Eine Topo- 
graphie der Kärntner Orthoptereufauna würde also nach dem 
heutigen Stande auch im Talgebiet ziemliche Ungleichheiten, die 
aber überbrückt werden können, im Gebirgsgebiet aber klaffende 
Lücken aufweisen. Ich beschränke mich daher auf die Heraus- 
hebung einiger Punkte und erwähne bezüglich des allgemeinen 
topographischen Charakters unseres Gebietes nur noch den großen 
Reichtum an Seen, sowohl mehr oder minder ausgedehnten Tal- 
seen (Wörther-, Ossiacher-, Faaker-, Längssee usw.) mit mehr 
oder minder typischer Sumpfwiesenfauna, als auch ausgesprochener 
größerer und kleinerer Gebirgsseen, von denen nur der Weißen- 
see und Raibiersee orthopterologisch bekannt sind, ferner den L^m- 
stand, daß, wenn auch Talebenen, als größte das Klagenfurter 
Becken (mittlere Höhe 450 m), die Gebirgsformation unterbrechen, 
diese doch zu wenig ausgedehnt und zu sehr, so gerade im Klagen- 
furter Becken, von Hügelketten und Vorbergen durchzogen sind, 
als daß für unsere Fauna eine Unterscheidung von Formen des 
Gebirges und Formen der Ebene möglich wäre. Tal- und Berg- 
formen sind zu trennen, aber ihr Konnex ist von vornherein örtlich 
ein naher. So gehen in unserem Gebiete Formen, welche anderswo 
der Bergregion angehören, ganz in die Talsohle hinab (Fodisma 
pedestris, Stenohothrus pidlus, higuttulus, Psophns stridulus), um- 



44 



Roman Piischnig. 



gekehrt finden sich Formen der Ebene, falls sie überhaupt bei uns 
vorkommen, auf bergigem oder wenigstens hügeligem Terrain 
(Gompliocerus maculatiis, Parapleurus alliaceus). — Im Klagen- 
furter Gebiet, das, wie bemerkt, noch am besten bekannt ist, sind 
drei nach ihrer Art faunistisch verschiedene Gebiete zu unter- 
scheiden: 1. das Sumpfwiesen- und Überschwemmungsgebiet der 
Glanfurt, vom Wörthersee -Ausfluß beginnend und längs der Sattnitz 
sich hinziehend, mit typischer Sumpfwiesenfauna; 2. der am Süd- 
ufer des Klagenfurter Beckens und des Wörthersees sich hinziehende, 
das Seebecken vom Drautal trennende Sattnitzziig, ein aus 
„Konglomeraten und lignitführenden, lakustren Ablagerungen der 
jüngeren Tertiärzeit" aufgebauter, floristisch und faunistisch reicher 
Hügelzug mit den Erhebungen des Predigerstuhls (713 m) und der 
Turia (984 m)^ und 3. die nördUch vom Wörthersee ziehenden, sein 
Seebecken vom Ossiachersee abgrenzenden Waldhöhen mit dem 
hauptsächlich aus Chloritschiefer bestehenden Kreuzberg, Grazer 
Kogl, Falkenberg (671 m) und Taubenbühel (1076 m). Die Sattnitz 
ist das orthopterenreichere Gebiet, im großen und ganzen fand ich 
aber doch die meisten Orthopterenarten der Sattnitz auch im Kreuz- 
berggebiete wieder, so daß die bisher nur in einem Gebiete auf- 
gefundenen Formen vielleicht weiterhin auch ihrer Singularität ent- 
kleidet werden mögen. Nur in der Sattnitz traf ich bisher unter 
anderen Barbiüstes serricauda, Leptophyes hosci, Meconema varium, 
Stenohotlims stigmaticus und die var. marginata von Oedipoda coeru- 
lescens, nur am Kreuzberg unter anderen die drei Platycleis- Arten 
(lloeseli, hrachjptera und grisea) und Gomphocenis maculakis. — Die 
Talfauna des Landes hat im großen und ganzen, wie bemerkt, einen 
ziemlich einheitlichen Charakter. Ein besonders orthopterenreiches 
Tal, in welchem manche Formen (Psoji/ms stridulm, Podisma pedesiris, 
Thamn. clnereusj besonders starke Größen entwicklung zeigen, 
ist das Canaltal, schon das Tarviser und Kaibier Gebiet. — Von 
der alpinen Fauna ist topographisch bisher nur zu erwähnen^ daß 
Podifima j)cdestris in allen Gebieten, Ur- und Kalkgebirge^ vor- 
koninicnd gefunden wurde, Podisma alpina noch von den 'J'aucrn 
aussteht, l*odinma frigida und JVosiffcnii hingegen bisher für Kärnten 
erst lokalisiert, erstere Art im Tauerngebiot (Pasterze), letztere in 
den Nori.schen Alpen (Eisenhut) nachgewiesen ist; Gom^ykoccrus 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



45 



Sibiriens ist in den Karnischen und Norischen Alpen, nur einmal 
in den Karawanken, Orphania denticauda bisher nur in den Kara- 
wanken (Hochobir) gefunden worden. 

Von allgemeinen morphologischen Verhältnissen scheint 
mir vor allem die Flügelkürzung hervorzuheben zu sein. Ich habe 
den Eindruck — bestimmter möchte ich es nicht fassen — 
als ob in Kärnten als Bergland eine gewisse Tendenz zum Vor- 
kommen oder zur Bildung von Formen mit gekürzten Flügeln 
und Flügeldecken bestehen würde, und zwar nicht im alpinen Ge- 
biete allein, sondern auch in der Talregion. Der strikte Nachweis 
wäre wohl nur durch den Vergleich mit zahlreichen Exemplaren 
derselben Art aus Flachland-, vielleicht auch aus anderen Alpen- 
gebieten zu erbringen, während mir dafür nur die Maßangaben 
(Brunn er, Redtenb acher) zur Verfügung standen. Von Arten mit 
reduzierten oder fehlenden Flügeln kommen in Kärnten vor (die 
häufig und zahlreich vorkommenden sind gesperrt gedruckt): 
Chrysochraon hrachypterus und dispar, Stenoh. parallelus, pullus, 
Stethophyma fuscum, Podisma pedestris, alpina, Schmidti, frigida, 
Prossenii, Tettix suhulaUis, bipunctattis, Kraussi, Leptophyes 
alhovittaia, hosci, OrpJiania denticauda, Foecil. Fieheri, Barhitist. 
serricauda, Isopthya camptoxypha, Xiphidium dorsale, Platycleis Boe- 
seli, brachyptera, Thamnotrison cinereus, fallax, apterus, PacJiy- 
tracJielus gracilis, Ephippigera vitium und Troglophilus caricola, 
zusammen 28 Arten, d. i. 42 ^^/^ der Gesamtartenzahl (66). Von 
diesen Formen ist von den Arten Stenoh. parallelus, Chrysochraon 
hrachypterus und dispar, Platycleis Boeseli und hrachyptera die ander- 
wärts gefundene langflügelige Varietät in Kärnten bisher nicht, von 
Podisma pedestris nur einmal gefunden worden. Stenoh. parallelus 
ist die typische Flügelkürzung des 9 sehr prägnant, aber auch die 
cT zeigen zum Teil Elytrenkürzung (siehe im speziellen Teil). Die 
kurzflügelige Form von Podisma alpina tritt bei uns mit gegenüber 
niederösterreichischen Exemplaren noch mehr ausgeprägter 
Elytrenreduktion auf (subvar. carinthiaca). Ferner zeigen regel- 
mäßig gekürzte und hinter dem gewöhnlich angegebenen Maße 
zurückbleibende Elytren nur im weiblichen Geschlechte Stenoh. dor- 
satus und elegans, Psophus stridulus und bei einem Teil der 
weiblichen Individuen relative Kürzung (Freibleiben der Hinter- 



46 



Roman Puschnig. 



leibsspitze) die typisch laugfliigeligen Formen Mecostetlius grossus, 
Stenob. h igiittulus, hicolor und lineatus, Decticus verrticivortis. 
Mit diesen Arten steigt die Zahl der, Erscheinungen von Elytren- 
reduktion aufweisenden Formen in Kärnten auf 36, d. i. 54*^/^ der 
Gesamtartenzahl. Keine Flügelverktirzung weisen von mehr oder 
minder häufigen Arten Faraplezirus alliacetis, Stenob. miniatus, 
Gompliocerus sibiricus, Oedipoda coendescens, Caloptemis italicus und 
Locusta spec. auf. — Als morphologische Erscheinungen, welche, 
bei mehreren Arten sich findend, vielleicht eine gleichmäßige und 
gesetzmäßige Ursache besitzen, hebe ich noch das Auftreten von 
hellen und dunklen Individuengruppen bei Mecost. grossus, 
Stenob. parallelus, Oedipoda coendescens, Psophus strididiis, Decticus 
verrucivorus und teilweise noch Thamn. cinereus hervor; Gruppen- 
bildung in den Größenverhältnissen zeigen, vorwiegend oder 
ausschließlich im weiblichen Geschlechte, Mecost. grossus, Stenob. 
parallelus^ Psophus stridulus, Podisma pedestris. — Bezüglich des 
Verhältnisses der Geschlechter finde ich ausgesprochenes Über- 
wiegen der 9 bei Parapleurus alliaceus, Clirysochraon bracliypterus 
und dispar, Stenob. dorsatus-elegans, minder deutlich bei Stenob. 
miniatus und lineatus, Podisma pedestris; dagegen fand ich bei 
Epliippigera vitium die cf in Uberzahl. 

Die Beziehungen der Orthopteren zur Umgebung, ihre Ab- 
hängigkeit von bestimmten Terrainverhältnissen ist recht ausgeprägt. 
In Kärnten fand ich folgende ökologische Verhältnisse.^) 

I. Sumpfwiesenformen. Das wasserreiche Kärnten zeigt 
an seinen zahlreichen Uferwiesen der Seen und Flüsse, Schilfwiesen 
und Flacbmooren (vielleicht auch den spärlicheren und nicht durch- 
suchten Hochmooren) eine recht typische und konstante Ortliopteren- 
gesellscliaft. Mecost. grossus, ^Varapl. alliaceus, * Clirysochraon 
brachypterus und dispar, Stenob. parallelus, * dorsatus, ele- 
gans, Tettix subulatus, bipunctatus, Kraussi, "^Xiphidium fuscum 
und dorsale, Decticus verrucivorus, * Platycleis lioeseli, dazu ge- 
legentlich Stenob. bicolor und rufipes, Oedipoda coendescens und 

Bei (Ich (>kolo^,MH(•,ll('.^ A]\}i;'.\\)m .sind die in den ^^enanntcn Boden- 
forinationon zahlrei(;li auftretenden Arten ^jenperrt f;(idruciit, die für die 
Formation beHonder« cliarakteriHt iHelien, nicdir oder minder ;im1" Hi(! be- 
MchrUnktcn Formen dun li ein vor;;(!Hetzte8 * heraiiagehoben. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



47 



vereinzelt '^Epacromia tJialassina sind die hierher gehörigen Formen. 
Die typischen Arten dieser Fauna zeigen einen mehr oder minder 
ausgeprägten Habitus, schlanke, lange Körperform mit entweder 
unverkürzten schmalen, langen, des erweiterten Resonanzfeldes ent- 
behrenden (Farapl., Mecost.) oder mit verkürzten (Chnjsochraon, 
Xipli. dorsale, Platycl. Eoeseli) Flügeln, Zurücktreten der Körper- 
behaarung, Auftreten von in der Längsrichtung des Körpers orien- 
tierten schmalen Streifenzeichnungen (Mecostethus, Para^üeurus, 
Epacromia, Xiphidumi), Anpassungen, w^elche trotz des Organi- 
sationsabstandes unwillkürlich an analoge Verhältnisse bei anderen 
Sumpf- und Schilfwiesentieren [Dolomedes, Ocyale (Schilfspinnen); 
Äcrocephahis -Arten (Rohrsänger)] einigermaßen erinnern. 

II. Talformen. Bewohner der Wiesen, der Kulturen und 
Felder des Tales sind vorwiegend folgende Arten: Stenoh. paral- 
lelus, elegans, ^hicolor (weniger higuUulus)^ apricarius, Gomph. 
rufiis, Psoph. stridulus, Pod. pedestris und dlpina, var. collina, 
Tettix spec, Loc. "^viridissima und caudata, "^Dect. verrucivoriis, 
Platycl. Eoeseli und hrachyptera, Thamn. cinereus, Gryllus 
campestris, * Gryllot. vulgaris. Ein Teil der Formen (Steno- 
hotJirus, Bedicus, Platycleis, Gryllus) zeigt mehr oder minder 
Massenentfaltung von Individuen und damit einhergehend (Steno- 
hotJirus, Decticus) reichliche Färbungs- und Zeichnungsvariation bei 
Vorherrschen von Grün oder Braun als Grundfärbung. 

III. Wald formen. Eine naturgemäß gemischte Gruppe, so- 
wohl die Bewohner der trockenen oder feuchten Waldwiesen als 
auch die in spärlicherer Individuenzahl sich entfaltenden bäum-, 
Strauch-, gehölz-, gestrüppbewohnenden Arten umfassend. Hierher 
gehören: *Äphleh. mamlata, Ectopia lapponica, die *viridulus- 
Gruppe von StenohotJinis (viriduliis, rufipes, liaemorrlioidalis) , Stenoh. 
higtittulus, GompJi. rufus, * Oedip. coeriilescens, Psoph. stri- 
dulus, Calopt. italicus, Tettix spec, * Phan. falcata, LeptopJiyes 
spec, Mecon. varium, Loc. viridissima und *cantans, Beet, verni- 
civorus, Platycl. hrachyptera, * Thamn. fallax, apterus, cinereus, 
*Ephipp. Vitium. Die Formen der Waldwiesen zeigen in der Regel 
dunklere Grundfärbung als die Wiesenformen des offenen Tales, 
die Gebüsch- und Baumbewohner (Phaneroptera, Meconema, Ephippi- 
gera) häufig mehr oder minder wirksame Schutzfärbung. 



48 



Roman Puschnig. 



IV. Bergform en. Auch hier kommen Wald- und Wiesen- 
formen in betracht und nur ein kleiner Teil der Arten ist aus- 
gesprochen alpin, d. h. dem Tale ganz fehlend [vgl. dazu Heller 
und Dalla Torre (15)]. Stenoh. parallelus, viridulus, higuttulus, 
^pidliis, miniaüis, *morio, Gompli. sihiricus, maculatus, Steth. 
fuscum, Oedip. coerulescens, Fsoph. stridulus, Podisma Bi^ea.^ 
Tettix, * Orpli.denücauda, Loc.cantans, Dect.verrucivoriis, Flatycl. 
hrachyptera, TJiamn. fallax, apterus. Die ausgesprochen alpinen 
Formen, insbesondere die Formen der Alpenwiesen zeigen eine 
Reihe von Eigentümlichkeiten. Kurzfliigeligkeit zeichnet die 
Pot?isma-Gruppe, Stenoh. parallelus, pulUis u. a. aus. Starke Be- 
haarung, dann ein kräftiger, derber, muskulöser Körperbau, 
insbesonders an den dicken, etwas gekrümmten Schenkeln und 
Schienen der Beine ausgeprägt, sind als Anpassungserscheinungen 
gegen Kälte und Wind verständhch und besonders deutlich bei 
Fodisma und Gomplwcems vorhanden, so daß die eigenartige Hyper- 
trophie der Vorderschienen von Gomph. sibiricus cT, wenn auch ihrem 
Wesen und ihrem biologischen Werte nach wohl nicht sicher auf- 
geklärt, nur wie ein Übermaß einer allgemeinen Bildung er- 
scheint. Die günstigen Nahrungsverhältnisse üppiger alpiner Wiesen 
erzeugen einerseits auffällig große Formen (vgl. Psoph. stridulus, 
Pod. pedestris var. major), andererseits treten, vielleicht unter dem 
Einflüsse ähnlicher Lebens-, besonders Lichtbedingungen, wie sie 
der Schönheit der Alpenflora zugrunde liegen, bunte und auifällige 
Farbenvariationen auf, die das Tal vermissen läßt. (Vgl. Stenoh. 
parallelus, Chrys. hrachypterus var. suhcaerulea, Ded. verrucivorus). 

V. Ubiquitäre Formen sind, wie aus vorstehendem hervor- 
geht, in Kärnten ausgesprochen Stenoh. parallelus, Psoph. stridulus, 
die Tettix-kvidw und Beet, verrucivorus. 

VL Besonderheiten des Vorkommens zeigen bei uns in 
gleicher Weise wie anderswo Gryllus campestris und Gryllotalpa 
als Erd-, Irogloph. caricola als Höhlen-, Blatta, Stylojyyga und 
Grylhts domesticus als Hausbewohner. 

Die pliänologischen Verhältnisse, die Zeit des Erscheinens, 
der Dauer und des Verschwindens der Orthopteren in Kärnten sind 
nacli den bislierigen Beobachtungen bei den einzelnen Arten an- 
gegeben, im großen und ganzen bietet die Orthopterenl'auna dies- 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



49 



bezüglich — vielleicht nur in Folge mangelnder Kenntnis des ge- 
nauen Verhaltens der einzelnen Arten, welche Kenntnis zu gewinnen 
durch die Schwierigkeit der Larvenbestimmung erschwert ist — 
ein ziemlich einheitliches Bild, aus dem von den frei lebenden 
Arten nur die überwinternden Tettix-Formen und Gryllus campestris 
herausfallen. Die doch ziemlich nahestehende, freihch biologisch 
sehr verschiedene Libellengruppe z. B. zeigt viel weitergehende 
Differenzierung der Phänologie der einzelnen Arten, selbst innerhalb 
derselben Gattung {Aesclina, Ägrion; vgl. „Carinthia'', 1908, 4). 
Im nachfolgenden will ich einen Dekurs des Orthopterenlebens 
mit ausschließlicher Beschränkung auf das Klagenfurter Gebiet 
zu skizzieren versuchen. Klagenfurt, durch seine Temperaturextreme 
bekannt, ist durch kurzes, wenig ausgesprochenes Frühjahr, langen, 
heißen Sommer, schönen, aber bald kühlen Herbst und langen, 
kalten Winter im allgemeinen ausgezeichnet. Dem entspricht das 
späte Auftreten der Frühlingsfauna. Die ersten Orthopteren- 
beobachtungen beginnen Mitte April, wo an besonnten Hängen 
(Goritschitzen) das zierhche Völkchen der Te^ia; -Arten, und zwar 
ausgebildete, jedenfalls überwinterte Tiere, sich tummelt, während 
auf den Feldern die überwinterten Grillenlarven (Gryllus campestris) 
sich finden. TemperaturmitteF) des Monats ist 9° C, während der 
März bloß 2-7° aufwies. Teüix und GryUiis bilcjen auch noch den 
Hauptbestand des Mai (Temperaturmittel 13-8°); ziemlich vereinzelt 
treten Larvenformen, am häufigsten von Thamn. cinereus und von 
Tettix, ausnahmsweise ausgebildete Tiere {Stenob. ruftpes, Kreuz- 
berg, 16. /V.) auf. Im Juni (Temperaturmittel 17 6°) ist schon 
reichere Larvenentwicklung vorhanden, ausgebildete Tiere sind noch 
in Minderzahl. Von Larven sind in diesem Monat Stenob. parallelus, 
Psa2)Ji. strididus, Lepiopli. albovittata, Loc. viridissima und cantans, 
Beet, verrucivoriis, Thamn. cinereus und fallax zu bestimmen; völlig 
entwickelt kommen in der zweiten Monatshälfte bereits außer den 
Tettix -kvi^u Stenob . parallelus (außerhalb Klagenfurts auch pullus 
und miniatus), Pod. pedestris, Loc. cantans und Beet, verrucivorus 
zur Beobachtung. Im Juli (Monatsmittel 19'4°) wimmelt es auf 



^) Temperatiirang-aben nach dem Jahrbuch des k. k. Hydrographischen 
Zentralbureaus, 1900-, zitiert in Zöpfls „Kärnten". 

Z. B. Ges. 60. Bd. 4 



50 



Roman Puschnig. 



Feldern und Wiesen von Orthopteren, insbesonders StenohotJmis- 
Arten, aber noch Mitte JuU sind von letzteren die Larven über- 
wiegend und bis Mitte August, vereinzelt auch später, noch neben 
den ausgebildeten StenohotJirus -Formen (besonders der dorsatus- 
und higuUulus-GYnppe) Larven zu finden, so daß auch mir Grabers 
Vermutung (Orthopt. Tirols) einer doppelten Generation dieser (und 
anderer) Arten v^ahrscheinlich zutreffend erscheint. Larven sind 
im Juli noch neben den bereits ausgebildeten Tieren zu finden von 
Mecost. grossus, Oedip. coerulescens, Loc. caudata, Tliamn. fallax, 
ferner von Calopt. itcdiciis und Fhan. falcata. Gegen Ende des 
Monats wird nun das Maximum der Ortliopterenfauna nach Arten- 
und Individuenzahl erreicht, welches den ganzen August (Monats- 
mittel 18-2°) bis etwa Mitte September (Monatsmittel 14-2°) anhält. 
Alle Familien, die Tryxaliden obenan, haben ihre Imagines meist 
in großer Individuenzahl und nur von wenigen Formen finden sich 
spärlich Larven daneben (Stenoh.parallelus u. a.; Gryllus campestris). 
Fast die ganze Orthopterengesellschaft erscheint im August komplett, 
nur vereinzelte Formen (Ephipp. Vitium, Fhan. falcata, nach den 
bisherigen Beobachtungen wenigstens) treten erst Ende August bis 
anfangs September in Imagoform dazu. In der zweiten September- 
hälfte tritt bereits eine immer deutlichere Verarmung der Ortho- 
pterenfauna, zunächst der Individuenzahl, ein; teils mag die ge- 
schwundene Sommerhitze, teils das Gemähtsein der Felder dabei 
mitwirken. Dafür machen sich jetzt und noch mehr im Oktober 
(Teraperaturmittel 8 9^), in welchem Monat auch die Artenzahl rasch 
abnimmt, die Kestlinge im raschelnden Laub umso hörbarer bemerk- 
bar. In der ersten Oktoberhälfte sind noch die Tettix -Arten, Stenob. 
parallelus, dorsatus-elegans, higuttulus-hicolor, viridulus, rufipes, hae- 
morrhoidalis, Oedip. coerulescens, Fsoph. stridulus, Calopt. italicus, Fod. 
pedestris, Fhan. falcata, Xiph. fusciim, die J^latycleis -Arien und 
Thamn. ci/nereus vorhanden, in der zweiten verschwinden sie allmäh- 
lich bis auf die Tettix- und die häufigsten Stenobothrus- Formen. 
November (mit 2*^ Mitteltemi)cratur) l)ringt mit den eintretenden 
NachtfröHtcn den Schluß. Die derberen Glieder der Sumpfwicsen- 
fauria, Stcnoh. parallelus, dorsatus, elcyans und Mecost. grossus, finden 
sich, der Sommerflllle gogcnllbcr freilich recht H])ärlich, noch Mitte 
November (ir>./Xl. Ili07j auf den Sumpfwiesen der Glanfurt, deren 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



51 



Wiesentümpeln bereits Eisbildung am Eande zeigen. Zuletzt fand 
ich noch am 20. November (1904) mehrere Stenohothnis (hicolor- 
Männcbeu) auf dem Ulrichsberge bei Klagenfurt. Spätere Beob- 
achtungen liegen bis jetzt nicht vor [während z. B. Graber bei Inns- 
bruck im November noch eine ziemliche Artenzahl (12 Arten) und einen 
Stenob. variabilis (higuttulus-bicolor) noch am 15. Dezember antraf]. 

Zum Schlüsse versuche ich die bisher bekannte Kärntner Ortho- 
pterenfauna auf ihren tiergeographischen Wert hin zu vergleichen. 
Da es sich dabei nur um Vergleichs werte handelt, so darf ich die 
nachstehenden, verschiedenen Autoren entnommenen Zahlen (stets 
ohne Forficuliden) wohl heranziehen, wenn ich auch weiß, daß 
sie teils infolge der Ausdehnung der Artenzählung über das behandelte 
Gebiet hinaus (so bei Brunner, Europa), teils durch seither neu 
hinzugekommene Arten, teils auch wegen systematischer Verschie- 
bungen korrekturbedürftig sind; aber die mit ihnen verglichenen 
66 Kärntner Arten haben ja auch nur einen vorläufigen, relativen 
Zahlenwert. Ich vergleiche zunächst die Zahl der Kärntner Gat- 
tungen und Arten mit den von Brunn er für Europa (Prodromus), 
Redtenbacher (34) für Österreich-Ungarn und Deutschland und 
denselben Autor (33) für Niederösterreich angegebenen Zahlen.^) 









Öst.-Üng. u. 


Nieder- 


Kär 


nten 


Familien 


Jijuropa 


Deutschland 


österreich 




Gattg. 


Arten 


Gattg. 


Arten 


Gattg. 


Arten 


Gattg. 


Arten 


Blattodea 


6 


23 


7 


16 


4 


7 


4 


5 


Mantodea 


7 


13 


3 


4 


1 


1 






Phasmodea .... 


1 




1 


1 










Acridiodea .... 


44 


148 


26 


71 


20 


53 


12 


34 


Locustodea .... 


39 


214 


27 


89 


16 


29 


15 


23 




13 


33 


10 


17 


5 

1 


8 


2 


4 




110 


435 


74 


198 


46 


98 


33 


66 



Es würde demnach Kärnten 15^ q der europäischen Fauna 
und ein Drittel der deutsch-österreichischen Fauna aufweisen. 



1) Für Mitteleuropa gibt Tümpel (37) nur 157 Arten in 62 Gattungen 
an, was wesentlich zu wenig ist. 

4* 



52 



Roman Puschnig. 



Seine Artenzahl wird von der Niederösterreichs: 98, Tirols (nach 
Dalla Torr es letzter Zusammenstellung, Literaturverzeichnis 9): 
106, Krains (nach Schmidt und Krauss): 75, oder Istriens (nach 
Krauss): 108 Arten, wesentUch übertrofFen, übertrifft aber die Zahl 
der bisher bekannten Arten Nordtirols (nach Dalla Torre, 1. c): 
54.^) Bei aller Kelativität des Wertes dieser Zählungen dürfte es 
annähernd richtig sein, wenn man Kärnten bezüglich der Zahl 
seiner Orthopterenarten (66) etwa zwischen Nordtirol (54) und dem 
allerdings wesentlich formenreicheren Südtirol (98) einreiht. Schwer, 
weil nicht zahlenmäßig zu fassen, ist eine Beurteilung der Indi- 
viduenmasse im Vergleich zu anderen Gebieten. Eine derartige 
Massenentfaltung von Individuen, wie sie in südlicheren Gebieten, 
z. B. Istrien und Dalmatien, in der Orthopterenhauptzeit an vielen 
Stellen zu beobachten ist, dergestalt, daß jeder Schritt am Wege 
längs der bestaubten Feldumfassungen Scharen von Tryxaliden 
(besonders Stenöb. hicolor) aufscheucht und jede Karstwiese zahl- 
reiche Vertreter mediterraner Formen beherbergt, findet in unserem 
Gebiete wohl nicht statt. Dafür erscheint die Orthopterenfauna 
ziemlich gleichmäßig und gewiß nicht individuenarm über das 
Land verbreitet, nur die vegetationslosen Berghöhen und das licht- 
arme, innerste Waldgebiet ganz vermeidend, die größte Individuen- 
entwicklung auf den Wiesen des Tales wie der Alpen zeigend. 
Von Berichten über abnorm starkes Auftreten einer Art als Schädling, 
wie solche z. B. von Stenoh. parallelus aus Korneuburg (Kollar in 
diesen „Verbandlungen", Jahrg. 1858), von ]^od. alpina aus Graz 
(Kollar, 1. c), von Calopt. italicus aus Ungarn (Künstler in diesen 
„Verbandlungen", Jahrg. 1867) vorHegen, oder über Invasion von 
Wanderheuschrecken, wie sie z. B. aus dem Jahre 1542 nach Co- 
belli (0) im Trentiner Gebiet durch einen Gedenkstein in Poniarallo 
in Erinnerung erhalten wird, ist aus Kärnten wenig bekannt; nur 
das ungewöhnlich zahlreiche Erscheinen von Gryllotalpa vulgaris 
(siehe dort) wäre eventuell hier zu nennen.^) 

*) Die Angaben Dalla Tor res bezüglich Nord- und Südtirol (54 und 
98 Arten) dürften durch Berücksichtigung von Beobachtungen von Krauss 
(23 und 25) kleine VerHchicbungcn (sriahrcn. 

Inzwischen fand ich auch in Kiirnt(;n (2G. Sej)t('inl)er lOOD) einen eine 
Ileuschrcckeniu vasion im Jahre 1G9.'] erwähnenden Gedenkstein, nimilich 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



53 



Wenn ich die Kärntner Arten nach ihrem tier geographischen 
Werte in baltische, pontische und mediterrane zu scheiden 
versuche, so bin ich mir klar, daß bei diesem Schema tischen 
Vorgehen Arten von recht verschiedenem faunistischen Charakter 
zusammengestellt werden müssen. Für die Beurteilung des Faunen- 
charakters dürfte diese Art des Vergleiches aber ausreichen. Ich 
glaube von den Kärntner Formen als wesentlich nord- und zentral- 
europäische, baltische Formen die folgenden anführen zu können 
(die gesperrt gedruckten sind in Kärnten häufig): Aplüeh. macu- 
lata, Ed. la-pponica, Tettix 'bipunctatus und Kraussi, Mecost. gros- 
sus, Stenöb. dorsatus, elegans, xjaralleltis, viridtdus, haemorrhoi- 
dalis, rufipes (?), lineatus, stigmaticus (?), morio, apricarius (?), 
higuttulus, hicolor, Gompli. rufus, maculatus, sihiricus, Fsopli. 
stridulus, Fod. pedestris, alpina, frigida, Prossenii, Leptophyes 
albovittata, Mecon. variuni, XipJi. dorsale, Loc. cantans, JDeci. 
verrucivorus, Flatycl. hrachyptera und Roeseli, Thamn. cinereus, 
zusammen 33 Arten, d. i. die Hälfte der Gesamtzahl. Als pon- 
tisch, beziehungsweise illyrisch möchte ich auffassen: Parapl. 
alliaceus, Chrys. hrachypierus und dispar, Stenob. miniatiis und 
pulliis (?), Steth. fuscum, Fod. Schmidti, Flian. falcata, Isopliya 
camptoxypha, Foecilimon Fieheri (?), Barh. serricaiida, Leptoph. 
liosci, Orph. denticauda, Xiph. fuscum, Loc. caudata, Thamn. fallax 
und apfterus, Facliytr. gracilis (?), EpMpp. Vitium (?),^) Troglopli. 
caricola, Gryllus frontalis, zusammen 21 Arten, d. i. 31% der 
Gesamtzahl. Das pontische Element ist, allerdings nur in weit ver- 
breiteten Arten^ in Kärnten relativ stark vertreten und stellt be- 
sonders zur Sumpfwieseufauna (Farapleurus, Chrysochraon, Xip>hi- 

auf dem sogenannten Prunnerkreuze am Zollfelde (Virunum), welches um das 
Jahr 1690 von dem landschaftlichen Beamten und Antiquar Joh. Dom. Prunner 
unter Einfügung von Römersteinen errichtet wurde. Auf der Ostseite des 
Kreuzes findet sich eine Gedenktafel, welche die wichtigsten lokalen Ereignisse 
zur Zeit der Errichtung des Kreuzes anführt, nämlich das Erdbeben des Jahres 
1690, den darauffolgenden (1692) Neubau der Klagenfurter Stadtpfarrkirche 
und eine im folgenden Jahre (1693) erfolgte Heuschreckeninvasion: „Anno ex 
post MDCXCIII copiosum locustarum genus Carinthiam aliasque provincias 
invasit." 

^) Für Ephippigera vitium nimmt Bertkau (1) das südwestliche 
Europa als wahrscheinliche Heimat an. 



54 



Roman Puschnig. 



ditmi) Vertreter; auch einige charakteristische alpine oder montane 
Formen (Stenob. miniatus, piiUiis, Orph. denticauda) sind wahr- 
scheinlich pontisch. Als mediterrane Formen wären anzuführen: 
Ect. livida, Blatta germanica, Stylop. orientalis, Tettix suhu- 
latus (?)/) Epacr. tlialassina, Oedip. coerttlescens (speziell die 
var. marginata), Calopt. italicus, Loc. viridissima, Flatycl. grisea, 
Gryllus campestris und domesticus, Gryllot. vulgaris, das sind 
12 Arten oder 18 der Gesamtzahl. Von diesen Formen ist aber 
der größte Teil (Blatta, Stylopyga, Gryllus, Gryllotalpa, Oedipoda, 
Locusta) sehr weit, zum Teil (Blatta, Stijlopyga) über die ganze 
Erde verbreitet, so daß als einigermaßen charakteristische Medi- 
terranformen kaum mehr als 6 Arten (Ect. livida, Tettix suhulatus, 
Epacr. tlialassina, Calopt. italicus, Oedip. coerulescens var. marginata, 
Flatycl. grisea), also nur 9^/^ der gesamten Arten, beiben. Viel 
deutlicher wird der baltische Charakter unseres Gebietes, das 
Zurücktreten der mediterranen, aber auch der pontischen Elemente, 
bei Vergleich mit den Faunen anderer österreichischer Alpenländer. 
Niederösterreich, orthopterologisch vielleicht das interessanteste 
Kronland, weil sich in seiner, auch am besten durchforschten Fauna 
die Polymorphie des ganzen Staates wiederspiegelt, besitzt unter 
anderen folgende mediterrane Charakterformen, die in Kärnten 
bisher nicht gefunden wurden: Mantis religiosa, Tryxalis nasuta, 
Stenoh. petraeus, vagans, pidvinatus, Acrydium aegyptium, Calopt. 
Brunneri, Oecanthus pellucens. Ebenso fehlen uns diejenigen pon- 
tischen Relikte, welche nach Brunn er (Die autochthone Orthopteren- 
fauna Niederösterreichs) der Steppenfauna der unteren Wolga an- 
gehören und in Niederösterreich (Felixdorf, Oberweiden) gefunden 
wurden: Celes variahilis, Stenoh. nigromaculatus (auch crassipes und 
Eischeri)^ Gom2)h. antennatus, Steth. flavicosta, Stauronotus hrevi- 
collis, Sphingonotus coerulans, Flatycl. montana, affinis (wohl auch 
vittaia). Ausgesprochene Reliktenplätzc im Sinne Brunners 
und Kcdtcnbachers (2, 85) liabe ich in Kärnten bisher nicht 
gefunden. Für das eventuelle vereinzelte Vorkommen von Mediterran- 
formen (Mantis, Oecanthus) kämen als klimatisch einigermaßen 
gllnstigc Plätze das Lavanttal, die Gegend von Millstatt, vielleicht 

'j .Nach KniuHH (Orthoptorcnfauna Istrions) ist Tettix suhulatus baltisch. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



55 



auch das noch Weinbau beti'eibende Sittersdorf im Jaunfeld in Betracht, 
Stellen, die wiederholt ohne derartige Fundergebnisse besucht wurden.^) 

Von Salzburg und Steiermark sind mir Zusammenstellungen 
der Orthopterenfaunen nicht bekannt. Vielleicht würde die Salz- 
burger Fauna noch ausgesprochener baltisch-alpin ausfallen als die 
Kärntens. Die Fauna des nördlichen Steierniarks dürfte im großen 
und ganzen der kärntnerischen gleichkommen, gegen Süden treten 
jedoch südliche, in Kärnten fehlende Elemente dazu. Mantis reli- 
giosa wurde in der Umgebung von Graz [Hoff er (17)] mehrfach 
beobachtet; in Rohitsch-Sauerbrunn fand ich (32) ConocepTialiis 
mandihularis und Platyjyhyma giornae. 

Von den Nachbarländern Kärntens ist Tirol das orthoptero- 
logisch am besten 'Graber. Krauss, Cobelli, Dalla Torre) be- 
kannte Gebiet und ein Vergleich mit den beiden faunistisch so ver- 
schiedenen Teilen dieses Landes, Nordtirol (mit Vorarlberg; und 
Südtirol, erscheint von einigem Interesse, wenn auch manche Ver- 
gleichsverhältnisse bei eingehenderer Kenntnis der Vergleichsgebiete 
sich anders darstellen dürften. Im großen und ganzen hat die 
Kärntner Fauna große ÄhnUchkeit mit der Nordtirols und unter- 
scheidet sich mit dieser von der Südtiroler Fauna durch das Fehlen 
einer großen Anzahl mach meiner Zählung 39) mediterraner, 
weniger pontischer Formen. Ich zähle als charakteiistische südliche 
Arten, welche in Südtirol vorkommen, in Nordtirol und Kärnten fehlen, 
folgende Formen auf: Mantis religiosa, Trijx. nasuta, Taracimma 
tricolor, Stenoh. pulvinatus und jjetraeus, Splnng. coenilans, Epacr. 
strejyens, Fezotettix giornae, TyJojjsis liVdfolia, Jlecon. hrevipenne, 
Flatycl. intermedia, Epliixjp. lirnhata, OecanÜtus 2)ellucens, Xemohius 
>ilvestris und lieydeni, Gryllomarpkadalmatitia, Tridadylus variegatus. 

Gemeinsam mit Nord- und Südtirol hat Kärnten (nach meiner 
Zählung; 42 Arten, meist weitverbreitete, zum größten Teil baltische 
Formen: Ed. lappmica und livida, 2Iecost. grossus, Earapl. alUa- 

^) Inzwischen erfuhr ich von Herrn Oberbaurat Grueber, daß derselbe 
im Sommer 1909 in Feistritz im Rosental an einer Telegraphenstange eine 
unverkennbare Mantis religiosa angetroffen habe. Die Richtigkeit der Beob- 
ichtung vorausgesetzt, hat es sich in diesem Falle wohl sicher um eine Ein- 

:hleppung aus dem Karstgebiete durch einen Zug der Karawaukenbahn ge- 

andelt. 



56 



Roman Puschnig. 



ceus, CJirys. hrachypterus, Stenoh. dorsatus, parallelus, viridulus, 
haemorrlwidalis, rufipes, miniatus, lineatus^ morio, higiittulus und 
hicolor, Gomph. ruftis und sihiricus, Stetli. fuscum, Epacr. thalassina, 
Oedip. coerulescens, Psopli. strididus, Pod. pedestris und alpina, 
Calopt. italicus, Tettix stihtdatus, hipunctatus und Kraussi, Barh. 
serricaiida, Leptopli. alhoviUata, Mecon. varüim, Xipli. fuscum, Loc. 
viridissima, caudaia und cantans, Dect verrucivorus, Platycl. hrachy- 
ptera und Eoeseli, Thamn. cinereus und apterus, Gryllus campestris 
und domesticus, Gryllot. viägaris. 

In Nordtirol gefundene Arten, die bisher von Stidtirol und 
Kärnten ausständig sind, sind Epacr. tergestina und Bryodema 
tuherculata [die Angabe von Meran als Fundort für letztere Art ist 
nach der Feststellung von Krauss (23) irrig]; dagegen sind Nord- 
tirol und Kärnten folgende, für Südtirol bisher fehlende Arten 
gemeinsam: Stenoh. apricarius \n\^ pidlus, Gomph. maculatus; Stenoh. 
elegans, bisher ebenfalls nur für Nordtirol angegeben, wird gewii] 
auch in dem Südtiroler dorsatus-elegans-lA2(iQr\2i\ aufzufinden sein. 
Größer ist bemerkenswerter Weise die Zahl der Arten, welche 
Kärnten mit Südtirol gemeinsam hat, während sie in Nordtirol 
bisher fehlen: es sind dies Aplileb. maculata, Pod. frigida und 
Schmidti, Phan. falcata, Poec. Fieheri, Leptoph. hosci, Orph. denti- 
cauda, Isopli. camptoxyplia, Ephipp. Vitium und Trogloph. caricola; 
mit der Zeit wird wohl auch diese Liste sich verkleinern, gleich 
wie die bei Grab er (14) für Nordtirol noch fehlenden Formen 
Lepitopli. alhovittata, Loc. caudata und Gryllus domesticus seither 
(Krauss) auch für dieses Gebiet festgestellt wurden. Tiroler Arten, 
welche, für Nord- und Südtirol nachgewiesen, für Kärnten bisher 
noch fehlen, sind Stenoh. vagans, Oedip. miniata, Pachyt. danicus, 
Tettix Türki (von Krauss nach einer brieflichen Mitteilung auch 
in Nordtirol gefunden), Platycl. hicolor, Platycl. stricta [an nov. 
spec.?, vgl. Heller und DallaTorre (15)], Änalota alpina, Anta- 
xius ]»edesfris und Conoc. mandlhulaHs (Südtirol und Vorarlberg). 
Dem gegenüber sind auch sechs Kärntner Arten anzufülireii, welclie, 
soviel ich weiß, für Tirol bisher noch fehlen, nämlich Chrys. dispar, 
Vod. Prosscnii, Xiph. dorsale, Thamn. fallax, Pachytr. grarUis und 
(hyllus frontalis, durch weg« Arten, die auch in Kärnten bisher 
nicht häufig gefunden wurden. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



57 



Krain besitzt wohl in seinem nördlichen Teile eine der 
Kärntner Fauna ähnliche Orthopterenfauna — so zeigen die Ufer 
des Veldesersees die auch in Kärnten gewöhnliche Sumpfwiesen- 
fauna — , es ist aber vom Karst her reichlich mit südlichen Formen 
versehen, welche in Kärnten fehlen; ich nenne (nach Schmidt 
und Krauss) von südlichen Formen Mantis religiosa, Stenoh. xmlvi- 
natus, Pachyt. nigratorius und danicus, Oedaleus nigrofasciatus, 
Flatypli. giornae, Pod. salamandra, Conoc. mandihtdaris und Oec. 
pellucens, von südöstlichen Gompli. antennatus, Celes varidbilis, 
Sphing. coendans, Platycl. hicolor und montana, Thamn. Chahrieri 
und litoralis, Ephipp. linibata. — Nicht uninteressant wäre ein ge- 
nauerer Vergleich unserer Fauna mit der Bosniens [vgl. Werner 
(41), Ebner (10)]. Im schroffsten Gegensatz zur Herzegowina 
erinnert das Landschaftsbild Bosniens mit seinem Waldreichtum, 
seinem Wasserreichtum, seinen weit hinauf kultivierten und be- 
waldeten Mittelhöhen an kärntnerische Verhältnisse. Wie weit eine 
wirkliche Analogie oder Ähnlichkeit der floristischen Verhältnisse 
besteht, weiß ich nicht. Faunistisch bemerkt Werner^) bezüglich 
der Reptilien- und Amphibienfauna, daß die Fauna Bosniens 
„im allgemeinen ganz mit der Kärntens übereinstimmt, aber in 
Vipera ursinii, Zamenis gemonensis var. caspius und Emys orhi- 
cularis charakteristische Tiere des pannonischen Gebietes besitzt". 
Bezüglich der Orthopteren sind ebenfalls die Charakterformen, 
welche Werner (40) als „für Bosnien (im Gegensatz zur Herzego- 
wina) eigentümlich" hervorhebt, zum großen Teile in Kärnten ver- 
breitete und für die Kärntner Fauna charakteristische Arten: Tettix 
Kranssi und hipunctakis, Chrysochraon, Gomphocerus, Stetli. fuscum, 
Pod. pedestris, Orph. denticauda, Lepioxjhijes, PJian. falcata, Meco- 
nema, Pacliytr. gracilis, XipMdium, Platycl. Boeseli. Daneben fehlt 
es aber, wie auch bei der größten klimatischen und floristischen 
Übereinstimmung beider Länder durch die Verschiedenheit der 
Nachbargebiete vorauszusetzen ist, nicht an Arten, die in Kärnten 
nicht vorkommen, so Maniis religiosa, Stenoh. crassipes und nigro- 
mamlatus, Oedip. miniata, Oedal. nigrofasciatus, Pod. salamandra, 



^) Werner, Die Reptilien und Amphibien Österreich-Ungarns und der 
Okkupationsländer. Wien, 1897. 



58 



Roman Piischnig. 



Paracaloptenus Brunneri, Fesot. giornae, Poecil. thoracicus, Isoph. 
modesta, Pachytr. striolatus und frater, Thamn. Frivaldskyi und 
Utoralis, Platycl. hicolor, Trogloph. neglecUis, Oec. pellucens, Aclieta 
deserta und die von Ebner (10) bescliriebenen neuen Arten Isophya 
Tolgi und Pholidoptera Karnyi. Der Unterschiede sind also ge- 
nüg-end. 

Ich glaube zusammenfassend schließen zu können: die Ortho- 
pterenfauna Kärntens, dem südalpinen Gebiet angehörig, 
weist vorwiegend baltisch -alpine Formen mit spärlichen pon- 
tischen und noch mehr zurücktretenden mediterranen Beimengungen 
auf; eine einzige neue Art, Podisma Prossenii, erscheint bisher 
endemisch. 

Zum Schlüsse dieser Arbeit sage ich allen Herren, welche 
dieselbe einerseits durch Sammeltätigkeit (Mag. v. Beils chan, Dr. 
Löhner, Prossen, Dr. Steuer), andererseits durch freundliche 
Beantwortung gestellter Anfragen (Herren Karny, Dr. Krauss, 
Dr. Tümpel, Prof. Dalla Torre, Prof. Werner), insbesonders 
aber durch Kontrolle und Bestätigung verschiedener Bestimmungen 
(Herren Karny und Prof. Werner) gefördert haben, aufrichtigsten 
Dank. Mit ihrer weiters erbetenen Förderung hotfe ich, dieses Stück 
faunistischer Heimatskunde im Laufe der Jahre noch weiter aus- 
gestalten zu können. 



Verzeichnis der benützten Literatur. 

1. Bertkau, „Über den Tonapparat von Ephippicjera vitium''. Bonn, 1879. 

2. Brunner v. Wattenwyl, „Über die autoclitlione Orlliopterenfauna Nieder- 

österreiclis". — Diese „Verhandlungen", Bd. XXXI, Jahrg. 1881. 
Derselbe, „Prodromus der europäischen Orthopteren". Leipzig, 1882. 

4. „Carinthia", iMittcil. d. naturhist. Landesmuseums für Kärnten, 68. Jahrg., 

1878. — K. V. H., „Ungewöhnlich häufiges Auftreten der Maulwurfs- 
grille". 

5. Co bei Ii, „Gli Ortottc^ri del Trentino". Rovereto, 1883. 
(•». Derselbe, „Contribuzioni alla fauna degli Ortotteri del Trentino". — 

Diese „Verhandlungen", Bd. XXXIX, Jahrg. 1889 (Sitzungslxir.). 
7. Ix^r.Hclbc, „(Jontribuzioni all' ()rt<)tterol()gia del Trentino". II. — L. c. 

Bd. XLII, Jahrg. 189'^ (SitzuugHber.). 
H, Dalla Torre, „Beiträge zur ArthropodcMifauna Tirols". — lUirichte de 

naturwisH.-mcdiz. Vereins für Innsbruck, Bd. XII, 1881/82. 



Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Kärnten. 



59 



9. Derselbe, „Polare Grenzen der Orthopteren in Tirol". — Entomologisches 
Jahrbuch, Bd. XVIII, 1909. 

10. Ebner, „Beiträg*e zur Orthopterenfauna Bosniens und der Herzegowina". 

— Diese „Verhandlungen", Bd. LVIII, Jahrg. 1908. 

11. Fieber, „Synopsis der europäischen Orthopteren, mit besonderer Rück- 

sicht auf die in Böhmen vorkommenden Arten". Prag, 1854. 

12. Fischer, „Orthoptera europaea". Leipzig, 1854. 

13. Fröhlich, „Die Odonaten und Orthopteren Deutschlands, mit besonderer 

Berücksichtigung der bei Aschaflfenburg vorkommenden Arten". Jena, 
1903. 

14. Graber, „Die Orthopteren Tirols, mit besonderer Rücksicht auf ihre 

Lebensweise und geographische Verbreitung". — Diese „Verhand- 
lungen", Bd. XVII, Jahrg. 1867. 

15. Heller und Dal 1 a Torr e, „Über die Verbreitung der Tierwelt im Tiroler 

Hochgebirge". II. Abt. — Sitzungsber. der kais. Akad. der Wiss. in 
Wien, math.-nat. Kl., Bd. LXXXVI, Abt. I, Jahrg. 1882. 

16. Hinterberger, „Beiträge zur Charakteristik der oberösterreichischen 

Hochgebirge". — 18. Bericht des Museums Francisco - Carolinum in 
Linz, 1858. 

17. Hoff er, „Über Vorkommen von Mantis religiosa in Steiermark". — Mitteil. 

des naturwiss. Vereines für Steiermark. Graz, 1889. 

18. Karny, „Die zoologische Reise des Naturwissenschaftlichen Vereines 

nach Dalmatien im April 1906; Orthoptera und Blattaeformia". — 
Mitteil, des naturwissensch. Vereines an der Universität Wien, Bd. VI, 
Jahrg. 1908. 

19. Derselbe, „Über eine Mißbildung des Hinterfltigels hei Psophus stridulus^. 

— Stett. Ent. Zeit., 1907. 

20. Derselbe, „Über die faunistische Bedeutung flugunfähiger Orthopteren". 

— Mitteil, des naturwiss. Vereines an der Univ. Wien, Bd. V, 1907. 

21. Derselbe, „Beiträge zur Kenntnis der einheimischen Orthopterenfauna". 

— Diese „Verhandlungen", Bd. LVII, Jahrg. 1907. 

22. Derselbe, „Revision der Acrydier von Österreich-Ungarn". — Wr. Ent. 

Zeit., Bd. XXVI, 1907. 

23. Kr au SS, „Beiträge zur Orthopterenfauna Tirols". — Diese „Verhand- 

lungen", Bd. XXIII, Jahrg. 1873. 

24. Derselbe, „Die Orthopterenfauna Istriens". — Sitzungsber. der kais. 

Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-nat. Kl., Bd. LXXVII, Abt. I, 
Jahrg. 1878. 

25. Derselbe, „Neuer Beitrag zur Orthopterenfauna Tirols mit Beschreibung 

zweier neuer Pezotettix-Avten^^ . — Diese „Verhandlungen", Bd. XXXIII, 
Jahrg. 1883. 

26. Derselbe, „Beiträge zur Orthopterenkunde". — L. c, Bd. XXXVI, 

Jahrg. 1886. 



60 



Roman Puschnig. 



27. Derselbe, „Beitrag zur Kenntnis der alpinen Orthopterenfauna". — Wr. 

Ent. Zeit., Bd. V, 1886. 

28. Derselbe, „Beitrag zur Kenntnis der Orthopterenfauna der Sahara". — 

Diese „Verhandlungen", Bd. LH, Jahrg. 1902. 

29. Kolazy, „Über die Nahrung der Gryllotalpa vulgaris L." — Diese „Ver- 

handlungen", Bd. XXI, Jahrg. 1871. 

30. Latzel, „Beiträge zur Fauna Kärntens". — Jahrbuch des naturhist. 

Museums zu Klagenfurt, Bd. XXII— XXIV, 1873/75. 

31. Puschnig, „Kärntische Orthopteren". — „Carinthia", II. Mitteil, des 

naturhist. Landesmuseums für Kärnten in Klagenfurt, Bd. LXXXVI, 
1896. 

32. Derselbe, „Einige Beobachtungen an Odonaten und Orthopteren im 

steierisch-kroatischen Grenzgebiete". — Mitteil, des naturwiss. Vereines 
für Steiermark. Graz, 1907. 

33. R e d t e n b a c h e r, „Die Dermapteren und Orthopteren des Erzherzogtums 

Österreich". Wien, 1889. 

34. Derselbe, „Die Dermapteren und Orthopteren von Österreich-Ungarn 

und Deutschland". Wien, 1900. 

35. Derselbe, „Die Gliederung der Ortliopterenfauna Niederösterreichs". — 

Jahresber. des k. k. Elisabethgymnasiums. Wien, 1905. 
3(>. Schmidt, „Verzeichnis der von mir in Krain aufgefundenen und in 
meiner Sammlung befindlichen Orthopteren". — Mitteil, des Museal- 
vereines für Krain, Bd. I. Laibach, 1866. 

37. Tümpel, „Die Geradflügler Mitteleuropas". Eisenach, 1901 und 1908. 

38. Werner, „Die Orthoptereufauna von Pernitz (Piestingtal, N.-Ö.)". 1900. 

39. Derselbe, „Beiträge zur Orthopterenfauna des Pittentales von Sebenstein 

bis Aspang". 

40. Derselbe, „Die Orthopterenfauna Ägyptens mit besonderer Berück- 

sichtigung der Ercmiaphilen". — Sitzungsber. der kais. Akad. der 
Wis.s. in Wien, math.-nat. Kl., Bd. CXIV, Abt. I, Jahrg. 1905. 

41. Derselbe, „Die Dermapteren und Orthopteren Bosniens und der Herzego- 

wina". Wien, 1907. 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



61 



Bearbeitung* der von J. A. Knapp im nord- 
westlichen Persien gesammelten Pflanzen. 

Von 

Josef Bornmüller, 

Kustos des Herbarium Haussknecht (Weimar). 
(Eingelaufen am 18. März 1909.) 

Die Bearbeitung- der im Jahre 1884 von J. A. Knapp im 
Auftrag Dr. J. E. Polaks in der Provinz Adserbidschan des nord- 
westlichen Persiens gesammelten Pflanzen, Eigentum des Bota- 
nischen Instituts der k. k. Universität in Wien, wurde zwar 
vor Jahren von den Herren H. Braun und Dr. K. Rechinger in 
Angriff genommen, und zwar wurden von ersterem im Jahre 1889 
die Labiaten (in diesen „Verhandlungen", Bd. XXXIX, S. 214— 239), 
von letzterem die Salsolaceen, Amarantaceen und Polygonaceen 
(ebenda, S. 240 — 248) sowie im Jahre 1894 die Ranunculaceen, 
Berberidaceen, Papaveraceen und Fumariaceen (ebenda, Bd. XLIV, 
S. 88 — 92) veröffentlicht, seitdem ist aber leider wiederum mehr 
als ein Jahrzehnt verflossen, ohne daß die mit großen Opfern und 
Strapazen zusammengebrachten Sammlungen dem Ziel ihrer Be- 
stimmung näher gebracht worden wären. Ich begrüßte daher eine 
Aufforderung seitens der Direktion des Botanischen Instituts der 
k. k. Universität in Wien, Herrn Prof. Dr. Wettstein R. v. Westers- 
heim, die Bearbeitung dieser Materialien zu übernehmen, mit einer 
gewissen Freude, umso mehr, da mich die Flora dieser von mir noch 
nicht besuchten, an Endemismen reichen Teile Persiens lebhaft inter- 
essieren mußte, mir außerdem bezüglich der Zeit keine Schranken 
gestellt waren, so daß ich die Bestimmungen gelegentlich der Durch- 
arbeitung anderer persischer Sammlungen vornehmen konnte. 

Indem ich die Resultate hier bekannt gebe, kann ich zu 
meiner Rechtfertigung, wenn sich etwa später bei genauerer Durch- 
forschung des von Knapp bereisten Florengebietes irrige Angaben 
in meiner Arbeit bemerkbar machen sollten, nicht ganz unerwähnt 
lassen, daß das eingesammelte Material in vieler Beziehung recht 



62 



J osef Bornmüller. 



ZU wünschen übrig läßt; es ist nicht sonderlich gut erhalten, vor 
allem aber weder mit dem rechten Interesse eingesammelt, noch 
mit der wünschenswerten Sorgfalt präpariert. Oft sind nur peinlich 
dürftige Stücke^ mitunter nur kleine, kaum bestimmbare Fragmente 
vorhanden; in vielen Fällen, leider gerade von den interessantesten, 
neuen oder seltensten Arten, liegt nur ein einziges kärgliches In- 
dividuum vor. Wahrscheinlich, wie aus der unten folgenden Reise- 
route ersichtlich, hat Knapp viel zu viel Zeit mit ständigem Herum- 
reisen verloren, er hätte besser getan, sich statt dessen auf einige 
wenige, tief im Gebirge günstig gelegene Plätze zu beschränken, 
um hier eine intensivere Sammeltätigkeit zu entfalten. Übrigens 
hat Knapp erst nach der Rückkehr seinen Pflanzen die Standorts- 
augaben — daher die stereotype Ausdrucksweise derselben — bei- 
gefügt, kleine Irrtümer sind also diesbezüglich nicht ausgeschlossen. 

Was die Literaturangaben betrifft, so beschränke ich mich 
darauf, allein Boissiers Flora Orientalis zu zitieren, beziehungs- 
weise darauf zu verweisen; auch in der Anordnung der Familien 
folge ich diesem für unser Gebiet doch fundamentalen Werke. Ich 
sehe also von der von H. Braun begonnenen Weise, dem Namen 
eine lange Reihe von Zitaten folgen zu lassen, ab, überzeugt, daß 
eine solche Ausstattung, die wohl in einer Landesflora am Platz 
ist, in einer schlichten Aufzählung vorliegender Aufsammlungen 
gar nicht zur Geltung kommt, daß dieselbe dabei unendlich mehr 
Arl)eit und auch weit mehr Raum beanspruchen würde, ohne daß 
diese bibliographischen Notizen, wenn sie nicht gerade Neues en' 
halten oder Irrtümer aufklären, von nennenswertem Nutzen sind. 
Was z. B. unter Phlomis tuherosa L. zu verstehen ist, weiß jeder; 
II. Braun läßt in seiner Aufzählung der Knappschen Labiate 
CS. 233) dem Namen dieser Pflanze eine Menge von Zitaten (10 Zeilen 
füllend) folgen, während die Standortsangabe, die uns doch hier in 
erster Linie interessiert, so kurz gehalten ist („Scher in montiu" 
graminosis"), daß sie uns so viel wie nichts sagt. Abgesehen, da 
ein Ort dieses Namens „Scher" wohl nicht existiert, es sollt 
.,Ser" heißen,') so ist das kleine Diu'fchen „Ser" in der Nähe vo 

•) Kn}i|)|) Hclirciht im Ttincnir wio f;iHt auf allen Mtikctteii Sor, im 
(ic^^enHat/. zu .Scher-'J'ßchui (Irh ^^loichcn GobictCH. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 63 



der Stadt Urumia selbst auf einer Spezialkarte nicht zu ermitteln 
oder falls eine neuere Karte es doch anführen sollte, nur nach 
langem Suchen auffindbar. Diese ungenauen, oft widersprechenden, 
häufig aber schwer zu entziffernden Angaben auf den Knapp sehen 
Etiketten hatten zur Folge, daß H. Braun wie Dr. Kechinger in 
ihren Abhandlungen häufig verschiedene (falsch entzifferte) Namen, 
die der Fernerstehende mühsam enträtseln kann, für ein und die- 
selbe Ortschaft anführen. So ist zu lesen: Gelosa neben Selosa, 
Carik = Tschehrek der Kiepertschen Karte, Merdiseh neben 
Mirse und Merdiseh, Chaman und Chamin statt Chanian, 
respektive Khanian (deren es im Gebiet zwei gibt), Samkaleh 
statt Sain-kale, Scher (stets so bei Braun) statt Ser, Scher 
und Cai (als zwei verschiedene Ortschaften) statt Scher- Tschai 
(ein Fluß! = Schaher Tschai bei Kiepert), Disa-Chald statt 
Disa-Khalil (Kiepert), Nakcivan neben Nakitschewan, Khos- 
roes neben Khosrowo, Gawilan neben Galivan oder Salivan, 
Senuch neben Senneh, Sargul neben Sorgül, Gök-tepe neben 
Djök-tepe, Var neben War, Hasan beili neben Hasan bek etc. 
Ob der häufig genannte Ort „Dise-siamek" (respektive Diza- 
siamek) unter Umständen nicht ganz anders (etwa Dise-siakusch) 
heißt, ist wie manche Angabe ohne andere Hilfsmittel kaum sicher 
zu ermitteln. 

Um diese kleinen Ubelstände zu beseitigen, ferner um die 
Standortsangaben so wieder zu geben, daß sie jedermann an der 
Hand einer besseren Karte verständlich sind, schließlich um den 
Vorteil zu erreichen, daß die vorliegende Abhandlung einen Über- 
blick über die gesamte Ausbeute Knapps gewährt, schien es mir 
geradezu geboten, die Arten der wenigen bereits publizierten Familien 
hier nochmals namentlich, d. h. in kürzester Form, mitaufzuzählen, 
und zwar mit Angabe des Distriktes, beziehungsweise der nächst- 
liegenden größeren Stadt des betreffenden Ortes, aber ohne Zusatz 
des Datums und der näheren standortlichen Verhältnisse, worüber 
ja die Originalarbeiten Brauns und Rechingers Auskunft geben. 
In der gleichen Weise mußte ich in meiner Gesamtaufzählung von 
einer wortgetreuen Wiedergabe der Knapp sehen Etikettenangaben 
Abstand nehmen; die Lage solcher Orte, die auf keiner Spezial- 
karte zu finden sind, war meist aus dem von Knapp hinterlassenen 



64 



Josef Bornmüller. 



Itinerar ersichtlich; wenn die Namen auch dort nicht angegeben 
waren, war die mutmaßliche Lage aus dem Sammeldatum feststellbar. 
Ferner strebte ich eine einheitliche orthographische Schreibweise 
der Ortsnamen an, die allerdings von der Kiepertschen Karte und 
vieler Atlanten insofern abweicht, als ich mich nur deutscher Laut- 
zeichen bediene und so z. B. nicht (wie Knapp) „Tebriz, Zendjire, 
Tesucz, Carik, Zamesli" schreibe, sondern „Tebris, Sendschire, 
Tesutsch, Tschahrik, Sameschli". — Der Übersicht halber 
stelle ich ein Verzeichnis der in der Enumeratio erwähnten Orts- 
angaben voran und beschränke mich darauf, über den Gang 
der Reise nur in kürzester Form hier einige wichtigere Notizen, 
die ich dem von Knapp hinterlassenen Itinerar entnehme, anzu- 
führen : 

Abigerm, im Sahend-Gebirge. 
Ach-dere, im Distrikt Afschar. 
Achkend, bei Maraga. 

Achmedabad (Ahmedabad), im Distrikt Afschar. 
Adschari, Distrikt südöstlich vom Urumia-See. 
Afschar, südöstlich vom Urumia-See im Quellgebiet des Dscha- 
gatu- Flusses (Saruk). 

Alibulach, im Distrikt Karadagh. 
A ras in, im Distrikt Karadagh. 
Arpalech, im Distrikt Karadagh. 
Bend, Dorf bei Urumia. 

Besnoraschin („Beznoraszin"), in Transkaukasien. 

Carik = Tschahrik. 

Chanian, s. Khanian. 

De Ii Ii, im Distrikt Karadagh. 

D igele, bei Urumia. 

Diliman, Stadt westlich vom nördHchen Ende des Uriimia-Secs, 
1350 ni über dem Meere. 

Uisa-chalil („Diza-i-khalil, Disa-Chald" ), westlich von Tebris, 
am See. 

VDiHe-siamek (? „Diza-siansch, Disa-siakuli"), l)ci Uniniia, 
am See. 

„Djök-tepe", s. Gök-tepe. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 65 



Dschagatu (Djaghatou), großer Fluß, im Süden in den See 
mündend, heißt im Oberlauf Saruk. 

Gawilan (nicht „Saliwan"), zwischen Urumia und Diliman. 

Gelosa (bei H. Braun f äschlich Selosa), Gebirge südlich von 
Diliman. 

G es cht, Dorf bei Kho'i. 

Ghisghapan, s. Kiskapan (Distrikt Afschar). 

Gök-tepe („Djök-tepe"), bei Urumia, am See. 

Gömör-chane, bei Urumia, östlich. 

Gogan, westlich vom Sahend, am See. 

Gülisähr, nordöstHch von Tebris (im Karadagh). 

Güsilkapir, im Gebiet des Dschagatu-Flusses; bei Sain-kale. 

Gul, zwischen Maraga und Marhametabad. 

Guschtschi (? Gulintschi), bei Urumia, ostwärts. 

Hasanabad, im Distrikt Afschar. 

Hasanbeili, Dorf im Karadagh (= „Hasanbek", Hassanbeglu 
bei Kiepert). 

Hebeschi, am See (bei Urumia?). 

Isperechan (Isperachan), an der Nordseite des Sahend. 

Jenidsche (Jenidje), bei Tebris. 

Karadagh, großer Gebirgsdistrikt nördlich von Tebris bis 
zur russischen Grenze. 

Kar ad schal, bei Khoi. 

Karnaru, Gebirge südlich von Diliman. 

Khanian (Chanian), Ostufer des Urumia-Sees, südöstlich der 
Halbinsel Schahu; eine gleichnamige Ortschaft auch bei Maraga. 

Khoi, große Stadt nordwestlich vom Urumia -See; 1200 m 
über dem Meere. 

Khosrowo („Khosroes", Chosrowa, Khousrava), südwestlich 
von Diliman. 

Kinakir, bei Eriwan. 

Kiskapan (Ghisghapan), im Distrikt Afschar. 

Kotursu, am Tacht-i-Bälkis (Distrikt Afschar). 

Lala, bei Tebris. 

Leilan, bei Marhametabad. 

Liwan (Livan), bei Tebris. 

Mahmudtschik, bei Marhametabad. 

Z. B. Ges. 60. Bd. 5 



66 



Josef Bornmüller. 



Majan (Mayan), bei Tebris, gegen den See hin. 

Maraga (Maraghe), Stadt südlich vom Sahend; 1500 m übei*' 
dem Meere. 

Mar and, Dorf zwischen Tebris und Kho'i. 

Marhametabad, südöstlich vom Urumia-See; Stadt, 1280 m 
über dem Meere. 

Merdise (?„Meridze", nicht „Merdisch", nicht „Mirse"), west- 
lich von Tebris, am See. 

Morandschuk (Marandjuk), bei Diliman oder bei Urumia. 

Nakitschewan (Nakcivan), Stadt in Transkaukasien, an der 
persischen Grenze; 900 m über dem Meere. 

Naulu-bulach, ein Berg bei Arasin im Distrikt Karadagh. 

Neschdaweh, Dorf nördlich vom Urumia-See, bei Marand. 

Sadarag, in Transkaukasien. 

Sahatli, östlich von Urumia. 

Sahend (Saehend), Gebirge von ca. 4000 m; südlich von 
Tebris. 

Sain-kale (Sain-kala, nicht „Samkaleh''), am Dschagatu-Fluß. 
Sameschli („Zameschli"), bei Urumia. 
Sandschud, zwischen Sam-kale und Kiskapan (Distrikt 
Af schar). 

Sarna, bei Khosrowo. 

Sarschuran (Zaraschora), im Distrikt Afschar, am Fuße des 
Tacht-i-Bälkis. 

Saruk, Name des oberen Flußlaufes des Dschagatu. 
Scher-Tschai (Schaher-tschai), Fluß bei Urumia. 
Schindawur, östlich von Tebris, am See. 
Schurderek, zwischen Tebris und Khoi. 
Sendschanab (Zendjanab), bei Tebris. 
Sendschire (Zendjire), zwischen Tebris und KlioT. 
Senneh, zwischen Tebris und Khoi. 
Ser (nicht „Scher"), Dorf bei Urumia. 
Sofian, Dorf zwischen Tebris und Khoi. 
Sorgul („SargUl"), zwischen Diliman und Urumia. 
Siichaja Fontanka, nördlich von Erivvan. 
VSulindKclic (V„GuIin(lje"), bei Urumia. 
Tabriz, s. Tebris. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 67 
♦ 



Tacht-i-Bälkis (Tacht-i-Balktis), großes Gebirge im Distrikt 
Afschar; 3200 m hoch. 

Tacht-i-Soleiman, Bezirk am Fuße des Tacht-i-Bälkis; bei 
2120 m über dem Meere. 

Tebris (Tabriz, Taiiris), große Stadt; 1300 m über dem Meere. 

Tesutsch, am See bei Urumia (?). 

Trapezunt, Stadt im nördlichen Kleinasien. 

Tschahr ik (Tschehrek = Kala-i-Tschara, „Czarik"), südwest- 
lich von Diliman. 

Urumia (Urmia, Ourmi), Stadt westUch vom Urumia-See; 
der Urumia-See 1200 m über dem Meere. 

Wesir ob od, bei Urumia. 

War (Var), bei Khoi. 

Zamesli, s. Sameschli. 

Zaraschora, s. Sarschuran. 

Zendjanab, s. Sendschanab. 

Zendjire, s. Sendschire. 

Abreise von Wien am 29. März (1884); über Varna, 
Konstantinopel, Batum, Tiflis (12. April), Eriwan, Dschulfa am 
26. April an der Grenze Persiens und, Marand und Sofian be- 
rührend, am 29. April Ankunft in Tebris. Hier 14tägiger Auf- 
enthalt mit mehreren Exkursionen, z. B. nach Sendschanab, Isperechan, 
Abigerm, jedoch wegen Nachwinters baldige Eückkehr aus dem 
Gebirge. Mitte Mai über Senneh, Sofian, Marand, Sendschire nach 
Khoi (21. Mai). Ausflüge von hier nach Gescht, War und Ka- 
radschal. — Vom 8. bis 20. Juni stationiert in Khosrowo (südwest- 
Hch von Diliman); ergiebige Exkursionen nach den Bergen Kar- 
naru und Gelosa, einige Tage Rast in Tschahrik. — Weiterreise 
über Gawilan nach Urumia, Dauerstation bis 18. Juli; Ausflüge 
nach Gök-tepe^ Dise-siamek (? Dise-siakusch), Sameschli, Ser und 
am Scher-Tschai-Fluß entlang bis Wesirobod. — Abreise (19. Juli) 
von Urumia zur Küste des Urumia- Sees und mit dem Schiff quer 
über den See zurück nach Tebris, hierbei die Ortschaften Sahatli, 
Guschtschi, Tesutsch, Disa-chahl und Majan berührend und daselbst 
einiges sammelnd. Ankunft in Tebris 25. Juli und alsbald (28. Juli) 
Antritt einer großen Tour (über Sendschanab und Isperechan) auf 

5* 



68 



Josef Bornmüller. 



den Sahend; von hier nach Maraga (8. August), Abstecher nach 
Achkend (9. August) und über Mahmudtschik^ Sain-kale (am 
Dschagatu-Fluß), Hasanabad nach Sarschuran und Tacht-i-Soleiman 
(im Distrikt Afschar), Besteigung des Tacht-i-Bälkis am 18. August; 
zurück über Kiskapan, Sai'n-kale nach Marhametabad und über 
Leilan läugs der Ostküste des Sees (über Binab, Khanian, Gogan, 
Sendschanab) am 29. August Ankunft in Tebris. — Bis zum 
12. September krank in Tebris. Vom 13. bis 21. September Tour 
in das Waldgebiet des Distriktes Karadagh, und zwar in nord- 
östlicher Richtung bis Aber und von da nordwestUch nach Ali- 
bulach (Aliboulak) und Hassanbeili (Hassanbeglu); zurück über 
Ürüdschi und GuHsähr nach Tebris. Rüstung zur Heimreise. 
28. September bis 2. Oktober noch ein Ausflug zum Urumia-See, 
reiche Salzflora bei Schindawur und Merdise. Verzögerung der 
Heimreise durch Unfall (Armbruch) und so erst am 25. Oktober 
Aufbruch von Tebris; zurück über Tiflis (16. November)^ Batum, 
Konstantinopel (28. November), Varna, Bukarest; Ankunft in Wien 
am 9. Dezember (1884). 

ßanunculaceae.^) 

Clematis orientalis L. Sam-kale et „Sandschud" (inter distr. Adschari 
et Afschar). 

Thcdictriim icopyroides C. A. Mey. Diliman, in m. Karnaru et m. 
Gelosa. — Th. suUanahadense Stapf. Diliman, in m. Karnaru. 

— Th. elatum Jacq. Diliman, in m. Gelosa; Urumia, ad 
Wesirobod et Dise-siamek; Tebris, ad Sendschanab et in m. 
Sahend. 

Anemone hlanda Schott et Ky. Anatoliae bor. ad Trapezuntum. 
Ädotiis dentata Del. Inter Tebris et Khoi, ad Sennch. — A. caudata 

Stev. Khoi. — A. parvlflora Fisch. Diliman, in m. Gelosa. 
lianunculus sphaerospermus Boiss. et Bl. Urumia, prope Dise-siamek. 

— Ii. paucisiamineus Tsch. Ad Khoi'. — Ii. caucasicus M. ß, 

M Vf^l. (li(3 Originaiarbeit Dr. K. Küchingors, „Beitrag zur Flor 
von i'crhicn" in (licHcn „Verliaiidlungcn", lid. XLIV (Jalirg. 1894), S. 88— 92 
Jtanimculaceae, Bcrhcridcae, Püjjavoraccüic, Piiinariacc.ae. — Icli bc-Bolnänkö 
iiiicli auf Aiigahc der Arten und ilir(!r Standorte, letztere mit ^'•enaiuüer Be- 
zeielinung der Lage; Hiehc meine Bemerkung S. Ol. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 69 

In m. Tacht-i-Bälkis (distr. Afschar). — B. demissiis DC. In 
m. Sahend. — R. polyanthemos L. Ad Khoi, ibidem pr. War. 

— B. dasycarpus Boiss. Inter Tebris et Khoi, ad Marand. 

— B. repens L. Diliman, pr. Khosrowo. — B. sceleraius L. 
Ad Urnmia. — B. arvensis L. Inter Tebris et Khoi, ad Marand; 
pr. Khoi; Diliman, ad Khosrowo. — B. edulis Boiss. et Höh. 
Transcaucasia, ad Suchaja Fontanka ditionis urbis Eriwan. 

Ceratocephalus testicidatus (Crantz), syn. C. orthoceras DC. Trans- 
caucasia, ad Kinakir ditionis Eriwan; ad Sadarag- (prob, in 
Transcaucasia). — C. incurvus Stev. Tebris. — C. falcatus 
Pers. var. vidgaris Boiss. Tebris; Kho'i; ibidem ad War; Dili- 
man, in m. Karnaru et ad Tschahrik. 

Hellehoriis KocJiii Schiffner. Anatolia borealis, ad Trapezuntum. 

Garidella Nigellastriim L. Urumia, ad Ser. 

Nigella persica Boiss. Ad Sameschli ditionis Urumia. — N. arvensis L. 

Urumia, ad pagum Gök-tepe et ad Dise-siamek. 
Delpliinium Äjacis L. Urumia, pr. Digele. — D. Orientale J. Gay. 

Kho'i, pr. Karadschal et Gescht; Diliman, ad Khosrowo; Urumia. 

— JD. peregrinum L. ß. eriocarpum Boiss. Khanian (ad occasum 
m. Sahend, ad litus lacus Urumiensis). — D, cappadocicum 
Boiss. Urumia, ad Digele. — D. Holienackeri Boiss. Urumia^ 
ad Ser. — B. dasystachyum Boiss. et Bai. Urumia, ad Ser. 

— B. caendescens Freyn. Tebris, ad Iperechan; Urumia, 
inter Sorgul et Gawilan. — D. speciosum M. B. Tebris, ad 
Sendschanab. 

Berberidaceae. 

Leontice minor Boiss. Tebris; War ditionis Kho'i; Diliman, in m. 
Karnaru; Transcaucasia, ad Nakitschewan. 

Berheris densiflora Boiss. et Buhse. Tebris, inter Gogan et Send- 
schanab; distr. Adschari, ad Güsilkapir. 

Papayeraceae. 

Papaver caucasicum M. B. Diliman, in m. Gelosa. — P. hracteatum 
Lindl. Diliman, in m. Gelosa; Tebris, ad Sendschanab. — P. 
duhium L. Kho'i, ad War. — P. macrostomum Boiss. et Huet 
(Closterandra ntticrostoma, cfr. Fedde, Papav. 335). Urumia, 
ad fluv. Scher-Tschai. 



70 



Josef Bornmüller. 



Boemeria dodecandra (Forsk.) Stapf. Tebris. — B. kyhrida (L.) DC. 

Khoi; inter Tebris et Khoi, ad Marand et ad Sendschire. 
Glmicitim corniculatmn (L.) Curt. Diliman, ad Tschahrik et in m. 

Karnaru; Urumia, ad Ser. — G. grandiflorum Boiss. et Huet. 

Inter Tebris et Khoi, ad Sendschire. 
Hypecoum penäulum L. Khoi; Tebris. 

Fuinariaceae. 

Corydalis ,^persica Cham, et Sehl.". Tebris, ad Liwan. 

Bemerkung. Die Pflanze ist meiner Ansicht nach C. 
Boissieri Prain (in Bull, de l'Herb. Boissier, VII, [1899], p. 172), 
wozu ja auch die von Szovits bei Diliman gesammelte „Cory- 
dalis persica^ (Boiss., Fl. Or., I, 127) gehört, während echte 
G. persica seit Gmelin überhaupt nicht wieder gefunden 
worden ist. 

Fumaria Vaillantii Lois. Ad Tebris et Khoi et inter Tebris et 
Khoi pr. Marand; Diliman ad Khosrowo. — F. asepala Boiss. 
Ad Khoi et ibidem pr. pagum War; inter Tebris et Khoi ad 
Sendschire et Marand. 

Cruciferae. 

Chorispora tenella (Pall.) DC. — Boiss., Fl. Or., I, 143. 

Tebris, in arvis (2./V.). 
Chorispora Iherica (M. B.) DC. — Boiss., Fl. Or., I, 144. 

Khoi, in agris (23./V., flor.); Tebris, in arvis (2./V., fr.). 
MaUhiola odoratissima (M. B.) R. Br. — Boiss., Fl. Or., I, 149. 

Tebris, in rivi arenosis (ll./V.). 

Es liegt nur ein zwergiges blühendes Individuum vor, 

ohne Frucht kaum sicher bestimmbar. 
Cardamine uUginosa M. B. — Boiss., Fl. Or., I, 162. 

In ra. Sahend scaturiginosis et lapidosis ((J./VIII., c. flor.); 

KhoY, in rivulis (25./ V.); Khosrowo, in m. Gclosa scaturiginosis 

(14./VI., c. fr.). 

Arabis glahra (L.) Wcinni. — Boiss., Fl. Or., I, 107 (A. per- 
folidUi Lam.). 

Khosrowo, in m. Gclosa depressis (14./ VI.). 



Bearbeitimg von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 71 

Arabis auriculata Lam. — Boiss., Fl. Or., I, 169. 

Inter Khoi et Tebris, in collibus apricis ad Marand (19./V.); 

Khoi, ad War in lapidosis (29. /V.); Diliman, in m. Karnaru 

lapidosis (lO./VL). 
Ardbis hirsuta (L.) Scop. — Boiss., Fl. Or., I, 171. 

Anatolia borealis, in humidis coUium ad Trapezuutum (8. /IV). 
Arahis Caucasica Willd., A. alhida Stev. — Boiss., Fl. Or., I, 174. 

Isperechan, in m. Sahend saxosis (4. /VIII.); in m. Karnaru 

(dit. oppidi Diliman) fissuris umbrosis (lO./VI.). 
Var. ölympica Clem. — Boiss., Fl. Or., I, 176 (var. thyrsoidea 

Boiss.); siliquis abbreviatis. 

In saxosis m. Tacht-i-Bälkis (distr. Afscbar; 4./VIII.). 
Arabis mollis Stev. — Boiss., Fl. Or., I, 177. 

Karadagh; Alibulach, in summis saxosis (19./IX.). 

Es liegen von dieser aus Persien noch nicht nach- 
gewiesenen Art nur Rudera einer zwei Fuß hohen Pflanze im 

überreifen Zustande vor. 
Nasturtkm officinale (L.) R. Br. — Boiss., Fl. Or., I, 178. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.); distr. Afschar, 

ad Achmedabad (17./VIII.). 
Nasturtmm Mrdicuni Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., Suppl. 35. 

Adserbidschan (sine indicatione speciali loci; schedula desi- 

deratur). 

Barbaraea plantaginea DC. — Boiss., Fl. Or., I^ 183. 

Ditionis Marand, ad „Neschdaweh", in scaturiginosis (29. /IV.); 
inter Diliman et Urumia ad Tschahrik, in aquosis (17. /VI.). 

Erysimiim sisymbrioides C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 188. 
Transcaucasia: Besnoraschin, in arvis (IV. 1884). 

Erysimum repandum L. — Boiss., Fl. Or., I, 189. 
Khoi, in arvis (23./V.). 

? Erysimum passgalense Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 198. 
Diliman, in m. Gelosa pratis (14./VL). 

Früchte fehlen; daher sind die ärmlichen Exemplare 
unbestimmbar, doch stimmt die Pflanze am ehesten noch mit 
genannter Art, wenigstens nach Hausskn echt sehen Exem- 
plaren vom Sawers, überein. 



72 



Josef Bornmüller. 



Erysimum persicum Boiss. — Boiss., Fl. Or.^ I, 198. 

Khosrowo (dit. urbis Diliman), in glareosis (9./VI.); Urumia, 

in rivi Scher-Tscliai ripis (4. /VII.). 
Erysimum mmrostigma Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 206. 

Distr. Tacht-i Soleiman, in saxosis m. Taclit-i-Bälkis (18. /VIII., 

c. fl. et fr. juv.). 
Conringia orientalis (L.) Andrz. — Boiss., Fl. Or., I, 210. 

Tebris, in agris (2./V.); Khoi et Urumia, in arvis (23. /V. et 

28./VI.). 

Conringia persica Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 210. 

Tebris, in arvis (2./V., flor.); inter Tebris et Khoi, in arvis 

ad Sendschire (21. /V., c. fr.) et in argillosis ad Schurderek 

(19. /V.); Diliman, in glareosis ad Khosrowo (9. /VI., flor.). 
Alliaria officinalis DC. — Boiss., Fl. Or., I, 212. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris (12. /VI.). 
Sisymhrium xmmiliim Stev. — Boiss., Fl. Or., I, 213. 

Inter Diliman et Urumia, ad Tschahrik (16. /VI.) et in m. 

Karnaru lapidosis (10. et 12./VI.). 
Sisymhrium aUissimum L. — Boiss., Fl. Or., I, 217 (Ä ^>>am^owic^tm 

Jacq.). 

Tebris, in arvis (2./V.); Khoi, in arvis (25./V.). 
Sisymhrium Mo L. — Boiss., Fl. Or., I, 217. 

Transcaucasia: in arvis ad Besnoraschin ( „ Beznoraszin IV. 1 884). 
Sisymhrium I^oeselii L. — Boiss., Fl. Or., I, 217. 

Khosrowo, in glareosis (9./VI.). 
Sisymhrium runcinatum Lag. — Boiss., Fl. Or., I, 220. 

Tebris, in arvis (2./V.). 
I)raho2)sis nuda (Belang.) Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II 

5. 30, 1886. — Arahis nuda B61ang., Voy. icon. absque de 
scrip.; Boiss., Ann. Sc. Nat., 1M2, p. 42 (non 1862, p. 54). 
Inter Tebris et Kho'i, ad Schurderek in argillosis (19./V.) 
inter Khosrowo et Urumia, in lapidosorum humidis ad ']\schahrik 

06. /VI.) et in m. Karnaru umbrosis saxosis (lO./VI.); Urumia 
in arvis (28./VI.). 

Malcolmin afrlcana (L.) R. Ik. — Hoiss., Fl. Or., I, 223. 

Ad KlioY, Tebris et Urumia in arvis et siccis stcrilibus (2:)./V. 
2./V., 2. et 4./V1I.). 



Bearbeitnng von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 73 

Malcolmia tm'idosa Desf. — Boiss., Fl. Or., I, 225. 

Tebris, ad laciim pr. Scliindawiir in subsalsis (l./X.); Khoi, 
in arvis (3./V.); in argillosis ad War (9./^.)- 

Hesperis persica Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 236 et suppl. p. 46 
(H. podocarpa Boiss.). 

Urumia, Ser in saxosis (8. /VII., c. fr.); in m. Karnaru (dit. op- 
pidi Diliman) saxosis (12./VL). 

Die Exemplare von Ser stellen die kahlfrüchtige Form 
{H. Aladahadensis Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, 
S. 32 ), und zwar mit ganzrandigen Blättern (H. podocarpa 
Boiss.) dar; es sind üppig entwickelte Exemplare im Frucht- 
zustand. Jene vom Karnaru-Gebirge sind dürftig und an den 
Kelchen stark behaart (f. Mrticalyx). 
Sterigmostemon contortuplicatum (Boiss.). — Boiss., Fl. Or., I^ 242 
( Sterigma contortuplicatum ) . 

Tebris, in rivi arenosis (11. /Y.), et inter Tebris et Kho'i ad 
Schurderek (19./V.); Urumia, ad Dise-siamek in glareosis 
(30./VI.). 

Goldbachia laevigata (M. B.) ß. ascendens Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
I, 243. 

Tebris, in arvis (2./V., flor.) et ad Schurderek (19./V.); Kho'i, 
in agris (23. /V., c. fr.). 
Leptaleum ßifolmm DC. — Boiss., Fl. Or., I, 243. 

Nakitschewan, in graminosis (24./IV.); Tebris, in argillosis 
(2. et 26./V.).' 

Cocldearia glaucophijlla (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., I^ 248. 

Achkend (dit. oppidi Maraga ad radices meridionales m. Sahend), 

ad aquas minerales (9. /VIII.); distr. Afschar, ad aquas minerales 

pr. Achmedabad (17. /VIII; forma effusa, ramosissima, c. fr.). 
Äuhrietia Kotschyi Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 253. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris (12./ VI., c. fr.); Urumia; Ser, 

in saxorum fissuris (8. /VII.). 
Fibigia macroptera (Ky.) Boiss. — Boiss. ^ Fl. Or., I, 257; f. typica. 

Diliman, ad m. Gelosa pedem (14. /VI., c. fr.). 
Fibigia suffruticosa (Vent.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 259. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.) et ad War in saxosis (29. /V.); 

Diliman, in m. Gelosa lapidosis (24./VI.). 



74 



Josef Bornmüller. 



Physoptychis gnaphalodes (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or,, I, 260. 

Distr. Afschar; Tacht-i-Bälkis, intra rudera arcis (18. /VIII.). 
Älyssum hracteatimi Boiss. et Buhse. — Boiss., Fl. Or., I, 267. 

Inter Tebris et Khoi, in argillosis ad Schurderek (19. /V.); ad 

Khoi et Marand, in lapidosis (27. et 20./ V.); Karadagh, in 

aridis saxosis ad Hasanbeili. 

Es liegen meist nur ärmliche Fragmente (ohne Frucht) 

vor, die kaum bestimmbar sind. 

Älyssum mitrale W. K. — Boiss., Fl. Or., I, 270 („J.. argenteum 

Wittm."), suppl. p. 50 (rectius „Vitm."). 

Urumia; in saxosis ad Ser (8. /VII.). 
Älyssum eriopJiyllum Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., 273. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.); Kliosrowo, in 

giareosis (9./VI). 
Älyssum campestre L. — Boiss., Fl. Or., I, 283. 

Tebris, in collibus siccis (ll./V.). 
ß, micranthum Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 284. 

Tebris, in lapidosis ad Liwan (8./V.). Früchte fehlen, Be- 
stimmung unsicher. 
Älyssu7n linifolium Steph. — Boiss., Fl. Or., I, 286. 

Nakitschewan, in argillosis (24./IV.); ad Sadarag et Besno- 

raschin (IV.); Khoi, in agris (23./ V.) et in argillosis ad War 

(29./V.); Tebris, in siccis sterilibus (2./V.); Urumia, ad rivi 

Scher-Tschai ripas (2./VII.). 
Braha hnmiifolia Stev. — Boiss., Fl. Or., I, 295, Suppl. 54. 

Isperechan, in m. Sahend fissuris (5./V1II.). 
iJraha Huetii Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 302. 

Tebris, in pratis siccis ad Liwan (8./V.). 
Draha vcrna L. var. vulgaris DC. (pro spcc). Erophila vulgaris 

DC. — Boiss., Fl. Or., I, 304. 

Klioi, in pratorum siccis et in arvis ad Marand (23. et 29./ V.); 
Trapezunt (Anatol. bor.), in coilium giareosis (8. /IV.). 
(Hypcola dichotoma Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 310. - Ü. minim 
Stapf, Bot. Erg. Pol.-Fxp. n. Pcrs., lid. II, S. 35, 18SC,. 
KhoY, in lapidosis (27. /V.); intcr Kliot et Tebris ad Scndscliirc 
in apricis ('21./V.j. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 75 

Camelina silvestris Wallr. — Boiss., Fl. Or., I, 312. — Var.! 
Diliman, in arvis ad Kliosrowo (8. et 9. /VI.). 

Die Exemplare weichen durch gedrängte Fruchtstände 
ab, auch sind die Fruchtstiele starrer, kürzer und mehr hori- 
zontal abstehend; vielleicht liegt eine eigene Rasse vor, zumal 
auch Exemplare vom Kaspiseegebiet (leg. Weidemann) und 
von As chabad in Transkaspien damit übereinstimmen. Mit 
C. hispida Boiss. läßt sich die Form nicht vereinigen. 

Thlaspi arvense L. — Boiss., Fl. Or., I, 323. 

Urumia, in arvis (28./VI., c. fr.); Khoi, in incultis (6./VI.); 
Tebris, in agris ad Sendschanab (l./VIII., c. fr.). 

Thlaspi perfoliatum L. — Boiss., Fl. Or., I, 325. 

In lapidosis ad Marand (19./V.), Sendschire (21. /V.), War 
ditionis Khoi (29./ V.); inter Diliman et Urumia; ad Tschahrik 
(16./VI.) et in m. Karnaru (18. /VI.); ad Dise-siamek ad rivi 
ripas (30./VI.). 

Thlaspi ochroletmim Boiss. et Heldr. — Boiss., Fl. Or., I, 326. 
In m. Gelosa pratis (14./VI.); statio valde orientalis! 

Das Fruchtexemplar stimmt vorzüglich mit den von mir 
und Sintenis auf dem Monte Elias der Insel Thasos ge- 
sammelten Individuen (Exsikkat Nr. 359) überein. 

Capsella prociimhens (L.) Fr. — Boiss., Fl. Or., I, 340. 

Tebris, ad aquarum fossas (2./V.); Diliman, in m. Karnaru 
umbrosis saxosis (12./VI.); Urumia, in depressis humidis. 

Capsella hursa pastoris (L.) Moench. — Boiss., Fl. Or., I, 340. 
Khoi, in arvis (23./V.). 

Aethionema trinerviiim (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 342. 
Isperechan, in lapidosis versus Tebris (9./V.). 
ß. ovalifoliiim Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 342. 

Isperechan, in m. Sahend glareosis (5./VIII., c. fr.). 
y. sagittatum (Boiss., Fl. Or., I, 343) Bornm., Bull, de l'Herb. 
Boissier, S6r. 2, Vol. V (1905), p. 50. 
Inter Tebris et Khoi ad Marand (18. /V.). 

Aethionema tenue (Boiss. et Buhse) Boiss. — Boiss., Fl. Or.,I, 343. 
In m. Sahend saxosis ad Isperechan (5. /VIII., c. flor. et 
fr.); distr. Afschar, m. Tacht-i- Balkis ad liquescentes nives 
■ (18./VIII., flor.). 



76 



Josef Bornmüller. 



Specimina nostra e loco classico siliculis (maturis) cuneato- 

Ihieari-ohlongis, 6 — 7 mm longis, 2 mm latis, stylo suhhimilli- 

metrico terminatis, apice subacuüs (nec truncato-retusis) a de- 

scripiione Boissieriana discedunt. 
Äethionema grandiflomm Boiss. et Höh. — Boiss., Fl. Or., I, 346. 

Diliman, in m. KarDaru saxosis (lO./VI.); ?Ad Marand (19./V., 

specimina nondum evoluta). 
Äethionema armenum Boiss. — Boiss., Fl. Or., T, 347. 

Diliman, in m. Karnam saxosis (10. /VI.). 
Äethionema fimhriatum Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 349. 

Urumia, in saxosis ad Ser (8. /VII. et 14./VIII., c. fr.); inter 

Diliman et Urumia in m. Gelosa lapidosis (14./yi.). 
Aetliionema cristatim DC. — Boiss., Fl. Or., I, 352. 

Diliman, in m. Karnaru glareosis (10. /VI.). 
Var. spimäosum Bornm., Bull, de FHerb. Boissier, Ser. 2, Vol. V 

(1905), p. 52; dentibus silicularum spinulam longiusculam 

gerentibus. 

Tebris, in collibus siccis (11. /V.); inter Tebris et Kho'i, ad 

Sendscliire in argillosis (21. /V.); inter Diliman et Urumia, ad 

Tschahrik in saxosis (16. /VI.). 
Var. heteromorphum Bornm. (var. nov.), siliculis heteromorphis, 

inferioribus majusculis bilocularibus (ut in typo), superioribus 

parvis unilocularibus urceolatis (ut in Aeth. lieterocarpo J. Gay), 

Omnibus dentatis. 

Khoi, in lapidosis (29./V.). 
Aetliionema arahiciim (L.) Andrz. — Boiss., Fl. Or., I, 353 (Aeth. 

Buxhanmii Fisch, sub Tldaspide). 

Urumia, in rivi Scher-Tschai glareosis (2. et 4./Vn.); Diliman, 

in glareosis ad Khosrowo (9./VI.). 
Lcpidium sativtim L. — Boiss., Fi. Or., I, 354. 

Diliman, in rudcratis uti auffiiga pr. Khosrowo (11. /VI.). 
Lepidium iJraha L. — Hoiss., Fl. Or., I, 356. 

Inter Tebris et KhoY, ad Sendschirc in arvis (21./V., ilor.). 
Lepidium crassifolitim W. K. — Boiss., V\. Or., I, 357. 

KhoY, in pratis salsis (5. /VI.). 
Lrjndniw Inlifolünn L. — Boiss., Fi. Or., I, 35i). 

iJilinian, in hipidosis ad Tsciialn'ik (17. /VI.). 



Bearbeituug- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 77 

Lepidkmi mderale L. — Boiss., Fl. Or., I, 360. 

Karadag'h, in ruderatis ad Hasanbeili (17. et 18. /IX.). 
Lcpiditim vesicariiim L. — Boiss., Fl. Or., I, 361. 

Inter Tebris et Kho'i, in lapidosis ad Sendscbire (21./ V.); 

Diliman, in argillosis ad Khosrowo (8. /VI.) et inter Khoi et 

Diliman ad Gescht (30./V.). 
Lepidkmi j^erfoliatum L. — Boiss., Fl. Or., I, 362. 

Khoi, in agris (23./V.); Diliman, in glareosis ad Khosrowo 

(9./VI.); Tebris, in salsis ad Schindawiir (l.jX.). 
Euclidium syriacum (L.) R. Br. — Boiss., Fl. Or., I, 368. 

Tebris, in arvis (23. /IV., 2./V.); in argillosis ad Khosrowo 

(8./VI.). 

3Iyagrum perfoUaUim L. — Boiss., Fl. Or., I, 370. 

Khoi, in agris (23./V.); Urumia, ad Gök-tepe in cultis (26./ VI.) 

et in arvis ad Dise-siamek (30./VI.). 
Sanier aria glastifolia Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 375. 

Tebris, in collinis (11. /V., flor.); inter Tebris et Khoi, in 

montosis glareosis ad Tschahrik (17. /VI., fr.). 
Isatis latisiliqua Stev. var. nummularia Jaub. et Spach, Icon., Tab. 224, 

Fig. 8—9. 

Urumia, ad Ser in lapidosis (8./VIL). 
Isatis spec. ex äff. I. glaiicae Auch. (Boiss., Fl. Or.^ I, 378) vix 
determinanda. 

M. Sahend in lapidosis ad Isperechan (30./VII.); Morandschuk 

in lapidosis (7. /VI.). 
Brassica nigra L. — Boiss., FL Or., I, 390. 

Diliman, in arvis ad Khosrowo (8. /VI.). 
Brassica persica Boiss. et Höh. — Boiss., FL Or., I, 394. 

Inter Diliman et Urumia, in lapidosis ad Tschahrik (17. /VI., 

c. fr.); Khoi, in arvorum marginibus (29./V., flor.). 
Eruca cappadocica Reut. — Boiss., Fl. Or., I, 396. 

Khoi, in arvis (23./V.). 
Cramhe juncea M. B. — Boiss., Fl. Or., I, 407. 

Diliman, in aggeribus circa molinam ad Khosrowo (lO./VL); 

inter DiUman et Urumia, in lapidosis ad Khosrowo (lO./VI.). 
Bunias orientalis L. — Boiss., Fl. Or., I, 409. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Gelosa depressis (14./VI.). 



78 



Josef Bornraüller. 



Capparidaceae. 

Oleome ornUliopodioides L. a. stipitata Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
I, 411. 

Urumia, in collium bumidis glareosis (30./VI.); Sarna, in 
hiimidis lapidosis (21. /VI.); Diliman, in glareosis ad Khosrowo 
(9./VI.); Tebris, ad Sendschanab (l./VIIL). 
Copparis spinosa L. ß. canescens Coss. — Boiss., Fl. Or., I, 420. 
Urumia, inter Gawilan et Guscbtscbi (?Gulindje, 22./ VI.). 

ßesedaceae. 

Reseda lutea L. — Boiss., Fl. Or., I, 429. 

Kboi, in agrorum versuris (25./ V.); Tebris, in argillosis (11. /V.). 

Die Exemplare (ohne Frucht) sind kaum bestimmbar; 
eventuell zu B. truncata Fisch, et Mey. gehörig. 

Cistaceae. 

HeliantJiemum salicifolium L. — Boiss., Fl. Or., I, 441. 

Inter Khoi et Tebris, ad Marand (28./IV.). 
HeliantJiemum ledifolium (L.) Mill. ß. microcarpum (Coss.) Willk 

— Boiss., Fl. Or., I, 441, sub var. H. Nilotici (L.). — Grosser 

Cistaceae, p. 103. 

Inter Khoi et Tebris, in lapidosis ad Sendschire (21. /V.); Khoi 

in saxosis ad War (29./ V.); in ni. Karnaru lapidosis ditionis 

Diliman (10./ VI.); Urumia, in apricis ad Ser (8. /VII.). 
Helianthemum hirsutum (Thuill.) M6rat. — Boiss., Fl. Or., I, 446 

(H. vidgare Gärtn. a. virescens). Vgl. E. Jan eben in Osten* 

Bot. Zeitschr., Jahrg. 1908, Nr. 10 u. 11, „Zur Nomenklatur 

des gemeinen Sonnenröschen", S.-A., S. 15. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Ilasanbeili (17./IX.). 
Ifrlianlhemum nummularhmi (L.) Dun. — Boiss., Fl. Or., I, 446 

(//. vulgare ß. discolor p. p.). Vgl. E. Jauchen, 1. c, S. 13. 

Karada^i^h, in dumctis ad IJasanbeili fl6./IX., specimen de 

floratum ). 

Fnmana ])rocumhens (Dun.) Gr. et Godr. — Boiss., Fl. Or., I, 447. 

Karadagh, in saxosis ad llasanbefli (18./IX.). 
FHWfthfi (irfd)i('M (L.) Spach. — Boiss., Fl. Or., 1, 449. 

Karadagli, in saxosis (18. /IX.). 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



79 



Yiolaceae. 

Viola odorata X Sintenisii W. Becker nov. hybr. (?) 
Karadagh; Arasin, pr. fontem Naulu-bulach. 

Es liegt nur ein kleines blühendes Exemplar ohne den 
vermeintlichen Eltern vor. W. Becker bemerkt hierzu: „Diese 
Viola kann wegen der breiten Nebenblätter nicht zum Formen- 
kreis der V. alba gehören. Die breiten Nebenblätter sprechen 
für die Zugehörigkeit zur F. odorata. Darauf weisen auch 
die mittleren (kleineren) Blätter hin. Auffällig sind immerhin 
die großen, mehr behaarten und zugespitzten Blätter, welche 
an den Formenkreis der V. alba erinnern. Dasselbe gilt von 
den Fransen und den Spitzen der Nebenblätter. Wenn der 
Standort im Gebiet der (Unterart) F. Sintenisii liegt, deute 
ich die Pflanze als F. odorata X Sintenisii W. Becker. (Blüte 
dunkelviolett, odorata -fsn'hig.y Für die Deutung hybriden 
Ursprungs spricht die späte Blütezeit. Daß Knapp von den 
Eltern keine Exemplare eingesammelt und nur den Bastard 
mitgenommen hat, ist erklärlich, da erstere im September 
keine Blüten trugen. F. Sintenisii W. Becker, die Sintenis 
im Osten der südlichen Kaspiseeküste (Transkaspien und 
Masenderan) antraf, ist auch im Waldgebiet des nordwestlichen 
Persiens (Karadagh, Talysch) sicher verbreitet, denn ich be- 
gegnete dieser erst neuerdings (in Mitt. Thür. Bot. Ver., 
Bd. XXV, 1909, S. 1) unterschiedenen Unterart auch in Gilan 
bei Beseht sowie in den höheren Teilen des Elburs bei 
Feschend in 1800 m Höhe (Bornm. als F. Thessala Boiss. 
et Sprun in Beitr. z. Fl. d. Elbursgeb. Nordpers., S.-A.,S. 42; Bull, 
de l'Herb. Boissier, Vol. IV [1904], p. 58). 

Viola Kitaibeliana Roem. et Schult. — Boiss., Fl. Or., I, 466. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Viola modesta Fenzl var. parviflora Fenzl. — F. ebracteolata Fenzl. 

— Boiss., Fl. Or., I, 467. 

Urumia, in arvis (28./VI.); ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.); 
Kho'i, in saxorum glareosis ad War (29./ V.); inter Khoi et 
Tebris, ad Marand in declivitatibus (19./V.). 



80 



Josef Bornmüller. 



Polygalaceae. 

Polygala HoJienacJceriana Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 472. 

Khoi, in lapidosis (27./V.); ad War (29./V.). 
Polygala anatolica Boiss. et Heldr. — Boiss., Fl. Qr., I, 474. — 

P. major var. anatolica Chodat, Monogr., p. 437. 

Karadagh, ad Alibulach (19./IX.). 

Silenaceae. 

Velesia rigida L. — Boiss., Fl. Or., I, 478. 

Uriimia, aYi rivi Scher-Tschai ripas (2./Vn.) et inter Sorgul 

et Gawilan in apricis (21. /VI.); Diliman, ad pedem m. Karnaru 

in apricis (21./VL). 
Bianthns Cyri Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 482. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.). 
Dianthus x)achypetaliis Stapf in Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II 

(1886), S. 10. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.); Gul (inter Maraga et 
Marhametabad), in graminosis (22. /VII.). 
ß. coioratus Bornm. (var. nov.). Calyce et squamis calycinis 
jnirjmrascentihtis. 

Isperechan, in graminosis m. Sahend (30./VII.). 
Dianthus orientalis Sims. (= D. fimhriattis M. B.) subsp. D. scoparms 

Fenzl (= D. JSfassirecldini Stapf in Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., 

Bd. II [1866], S. 11). — Boiss., Fl. Or., I, 495 et 496 (incl. 

D. fimhriatus var. hrachyodontus Boiss. pr. p.). 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru fissuris. 
Dianthus crinitus Sm. — Boiss., F\. Or., I, 496. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.). 
/. crossopetalus (Fenzl) Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 496. 

Karadagh, in lapidosis ad Ilasanbcili (17. /IX.). 
Dianthus tahrisianus Bienert. — Boiss., FI. Or., I, 496. 

Urumia, in la])idosis ad Ser (8./VII.). 
Diantlins pusilhs Frcyn et Sint. — Frcyn in liiill. de Tllcrb. 

BoiHsier, Vol. III (1895), p. 75. 

In m. Sahend lapidosis ad Isperechan (4./ VIII.). 

Der Name D. pusillas wurde (vgl. Ind. Kcw., I, j). 745, 

et II, p. 1280j schon von F. W. Schmidt im Jahre 1790 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



81 



für eine anscheinend unaufgeklärte europäische (in Nyman, 

Consp. Fl. Europ. nicht erwähnte) Art verwendet. Der Freyn- 

Sintenissche Name wäre daher abzuändern. 
Tunica prolifera (L.) Scop. — Boiss., Fl. Or., I, 516. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Tunica pachygona Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 522. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VIL) et ad Sameschli 

in argillosis (8. /VIT.). 
Saponaria Vaccaria L. — Boiss., Fl. Or., I, 525. 

Khoi, in agris ad Gescht (30./V.); Diliman, in arvis ad Khos- 

rowo (8./VI.). 
ß. grandiflora Fisch. — Boiss., Fl. Or., I, 525. 

Inter Diliman et Urumia, ad Tschahrik in lapidosis (16./VI.); 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (7. /VII.) et in arvis ad 

Dise-siamek (30./VI.). 
Saponaria viscosa C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 531. 

Khoi, in lapidosis (27./V.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas 

(2., 4./VII.). 

Gijpsopliila trichotoma Wender ß. anatoUca (Boiss. et Heldr.) Bornm. 
— Boiss., Fl. Or., I, 542 (spec). 

Distr. Tacht-i-Soleiman (Afschar) ad aquas minerales ad Ach- 
medabad (17./VIII.). 

Diese Pflanze, die von Gr. trichotoma Wender gewiß nicht 
spezifisch verschieden ist, wurde bereits von Szovits in Ar- 
menien gesammelt (in Boiss., 1. c, nicht zitiert). 
Gypsophila paniculata L. ß. stricta Led., Fl. ross., I, p. 298. 
Urumia, Wesirobod in agris (4./VII.) 
Subsp. G. Ucolor Freyn et Sint., Bull, de FHerb. Boissier, S6r. 2, 
Vol. III (1903), p. 864—865. 

Urumia, in arvis elatioribus (2./VII.); Tebris, in agris ad 
Sendschanab (l./VIIL). 
Gypsophila pulchra Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II (1886), 
S. 13. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Gyx^sophila ruscifolia Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 546. 
Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII.). 

Z. B. Ges. 60. Bd. , 6 



82 



Josef Bornraüller. 



Es ist dies die typische Form, bei welcher die Stengel- 
blätter doppelt so lang' als breit sind. In Kurdistan sammelte 
ich dagegen eine Form, wo die Stengelblätter breiter als lang 
sind (Bornm., Exsikkat Nr. 955), die sich als f. latifolia 
Bornm. absondern läßt. 

Gypsopliila elegans M. B. — Boiss., Fl. Or., I, 551. 

Karadagh, in lapidosis et apricis ad Alibulach (18. /IX.). 

ÄcantJiopliylliim microcephalum Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 564. 
Tebris, in saxosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Acantliopliyllum crassifolium Boiss. — Boiss., FL Or., I, 564. 
Tebris, ad Sendschanab (l./VIIL). 

Acanthophyllum hurdicum Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., 
Suppl. 95. 

Urumia, in montosis ad Ser (8. /VII.). 
Silene conoidea L. — Boiss., Fl. Or., I, 580. 

Khot, inter segetes (23./V.); inter Tebris et Khoi, in arvis 

ad Sendschire (21. /V.); Khosrowo, in arvis (8./ VI.); Urumia, 

in arvis (8./VI.). 
Silene noctiflora L. — Boiss., Fl. Or., I, 581. 

Karadagh, in lapidosorum umbrosis ad Alibulach (19. /IX.). 
Silene viscosa (L.) Pers. — Boiss., Fl. Or., I, 582. 

Tebris, in glareosis ad Sendschanab (l./VIIL). 
Silene compacia Horn. — Boiss., Fl. Or., I, 582. 

Inter Diliman et Urumia, ad Tschahrik in rivi inundatis (16./VI.) 

et ad pedem m. Gelosa (14./ VI.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai 

ripas (2./VII.). 
Silene racemosa Otth. — Boiss., Fl. Or., I, 589. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (lO./VI.) 

et ad Tschahrik (16./VL); Urumia, ad Dise-siamek (30./ VI.). 
Silene caricifolia Bornm. spec. nov., sectionis Otitearum Boiss., 

Fl. Or., I, 606. 

Glaherrima, rhizomate erasso lignoso horizontali colh 

vestigiis fihrosis foliorum vetustis vestito multicipiti-suhcaespitosa 

foliis rosuralibus longilinea/rihus , gramineis, e hasi sessi 

latiore sensim angustatis, longitudinaliter muUinerviis, eis „Cari- 

cis firmae llost^ similihus, raulinis parvis paucis remotis(/Uf', 

linear ihus; caulihus pedalibus vel aUioribus sinijdicihtis suh- 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 83 



nudis; floribus hrevipedicellatis, in caintiihim terminale sub- 
spliaericnm dense congestis ; hracteis triangidari-öblongis, lanceo- 
latis, hyalinis, nervo crasso percursis, pedicellos super antihus; 
calyce glahro, campamdato (sicco nervoso), dentihus ovatis 
acutis p'urpurascentihus margine lata monhranaceis; petalis 
hreviter exsertis, lamina purpurea; Capsula (3 — 4 mm longa) 
calycem vix superante. 

Distr. Afschar (Tacht-i-Soleiman), in lapidosis ad Kiska- 
pan (16. /VIII.); Jenidsche in glareosis (4./IX.). 

Das Material dieser eigenartigen Pflanze ist zu dürftig 
und wenig gut erlialten, als daß sich danach eine vollständige 
Diagnose aufstellen Ueße. Das eine Exemplar ist bereits im 
Fruchtzustand, die Blütenreste der anderen beiden Individuen 
lassen auf rote Farbe schließen, wenigstens des Saumes der 
kurzen Fetalen, welche gegen die Basis gelblich gefärbt sind. 
Die ausgebreiteten Rosettenblätter ähneln denen von Carex 
firma, beziehungsweise eher einer Dianfhns -Art als einer 
Süene; sie sind (an der Basis) etwa 4 mm breit und 4 — 5 cm 
lang. Im Blütenstand erinnert S. caricifolia zunächst an S. 
Pioemeri Friv., doch ist der Stengel nur einköpfig. Eine ähn- 
liche Blattgestalt weist kaum eine zweite Art auch aller an- 
deren Sektionen der Gattung aus der Flora Vorderasiens und 
Europas auf. 

Süene stenohotrys Boiss. et Hausskn. var. eglandulosa Bornm. (var. 
nov.), calyce ut tota planta eglandulosa, ceterum ut in typo 
foliis subulatis filamentisque longe exsertis hirsutis. 

Isperechan, in m. Sahend lapidosis (4. VIIL); inter Dili- 
man et Urumia, ad Tschahrik in saxosis (16. /VI.). 

Da das Material sehr dürftig ist, ist eine sichere Be- 
stimmung kaum möglich. 

Silene spergulifolia Desf. — Boiss., Fl. Or., I, 612. 
Marand, in apricis declivitatibus (19./V.). 

Silene argida Fenzl ß. armena Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 618. 
Inter Dihman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (10: et 12./ VI.). 

Silene eremicana Stapf in Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II (1886), S. 17. 
Distr. Afschar, ad aquas minerales pr. Achmedabad (18. /VIII., 
f. dense caespitosa), 

6* 



84 



Josef Bornmüller. 



Silene Meyer i Fenzl a. (typica) suhglahra. — Boiss., Fl. Or., I, 623. 
Distr. Afschar (m. Taclit-i-Bälkis), in faucibus inter Hasanabad 
et Kiskapan et in saxorum fissuris ad Kiskapan (16. /VIII.). 
ß. persica Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 623. 
Isperechan in m. Sahend fissuris (5./VIII.). 

Silene commelinifolia Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 624. 

Inter Diliman et Uruniia, in m. Gelosa lapidosis (14. /VI.); in 
m. Karnaru saxosis (10. et 12./ VI.); distr. Afschari, ad aquas 
minerales pr. Achmedabad (19./V1II.). 

Das dürftige Exemplar vom Gelosa-Gebirge ist steril, 
reichdrüsig' und äußerst schmalblättrig und gehört jvohl zu 
var. lieteropliißla Freyn (Bull, de l'Herb. Boissier, Vol. V, 1897, 
p. 585) pr. spec; die Exemplare vom Karnaru und von Ach- 
medabad nähern sich stark der var. isophylla Bornm. in Plaut. 
Straussianae (Beihefte d. Bot. Zentralbl., Bd. XIX, 1905, S. 216). 

Silene inflata Sm. — Boiss., Fl. Or., I, 628. 
In m. Sahend depressis ad rivulos (8. /VI.). 

Silene Marschallii C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., I, 635. 

Inter Diliman et Urumia, in lapidosis ad Tschahrik (16. /VI.). 

Silene stvertiifolia Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 640. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VIL, f. verg. ad var. sieno- 
2)hyllam) et in salsis ad Sendschanab (30./VII.). 

Silene chlorlfolia Sm. — Boiss., Fl. Or., I, 640. 
Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 

Silene eremitica Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 644. — Subsp. S. 
praticola ad int. 

In m. Sahend graminosis (4./VIII.); Isperechan in graminosis 
(30./VII.). 

Die Pflanze erinnert lebhaft an S. BeicJienhachü Vis., FI. 
Dalm. und S. cldorantha Ehrh. Von der Beschreibung der S. 
eremitica Boiss. weicht unsere durch die geringe Höhe (nur 
etwa 1, nicht 2^2 I' uß hoch), durch ein längeres Kari)0])hor 
(von halber Länge der reifen Kapsel) und durch den Stand- 
ort ab. Nach Szovits' Angaben ist S. eremitica Boiss. ein 
15ewohner der salzigen sandigen Ebenen A(ler])cidsclianS; nach 
Knapp, welcher aHcrdings erst nach Absclihiß der Heise 
seinen i^lianzen die Fund- und Standortsangaben beinotiert 



Bearbeitimg von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 85 

hat, sind seine Individuen auf Gebirgswiesen eingesammelt. 
Ich sehe von einer Beschreibung ab, da ich im vorhegenden 
Falle einen Irrtum seitens Knapps nicht ausgeschlossen be- 
trachte, andererseits mir ein Originalexemplar der Szovits- 
schen S. eremitica zum Vergleich nicht zu Gebote steht. 
Melandrytmi enocalycinum Boiss. ß. persicum Boiss. et Buhse. — 
Boiss., Fl. Or., I, 661. 

Inter Diliman et Urumia, in argillosis ad Khosrowo (fr.) et 
in m. Karnaru umbrosis saxosis (lO./VL); distr. Afschar, Ach- 
medabad inter rudera Tacht-i-Soleiman (17. /VIII., c. fr. mat.); 
Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX., c. fr.); in 
m. Sahend lapidosis (6./VIIL, c. flor. nondum evolutis). 

Alsinaceae. 

Sagina saginoides (L.) Dalla Torre. — Boiss., Fl. Or., I, 662 {S. 

Linnaei Prsl.); suppl. p. 110 (S. saxatilis Wimm.). 

Ad m. Sahend rivulos (5./VIII.). 
Buffonia Oliveriana DC. — Boiss., Fl. Or., I, 604. 

Urumia, in aggeribus circa moenia (30./ VI.) et ad rivi Scher- 

Tschai ripas (2. et 4./VII.). 
Buffonia macrocarpa Ser. ß. elata Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 667. 

— Subvar. (nov.) velutina Bornm., folia dense pilis brevi- 

hus retrorsis obsita cana. 

Urumia, in aridis ad Sameschli (7./VIL). 
Buffonia calycina Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., Suppl. p. 110. 

Isperechan, in graminosis m. Sahend (30./ VII.) et ad Send- 

schanab in aridis montosis (l./VIIL). 
Älsine recurva (All.) M. B. a. nivalis Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 674. 

In saxosis m. Tacht-i-Bälkis, distr. Afschar (18. /VIII.). 
Älsine juniperina Fenzl s. lineata (C. A. Mey.) Boiss. — Boiss., 

Fl. Or., I, 677. 

Isperechan, in m. Sahend saxosis (ö./VIIL); inter Diliman et 
Urumia, in m. Karnaru fissuris (lO./VL); distr. Afschar in 
saxosis m. Tacht-i-Bälkis. 
Alsine urumiensis Bornm. spec. nov. 

Sectio: Mimiartiae. Annuae. Sepala uninervia fascia viridi 
nervo alho hipartita alho-marginata (Boiss., Fl. Or., 1, 679—682). 



86 Josef B ornmüUer. 

Ännua, glabra, pumila, 3 — 6 cm alta; caulihus simplici- 
his, erectis, a hasi ad apicem usqtie subflexuoso-hreviramulosis, 
rarius patule longmsque ramosis, ramtdis fascictdatim paucifloris ; 
foliis glabris suhtdatis, ad hasin trinerviis et late hyalino- 
marginato-connatis et margine longicüiato; florihus hreviter 
peduncidatis, dicliasialibus (qui in speciminihus ramosiorihus 
adsunt) longe pedunculatis (peduncido calyce subduplo longiori- 
hns, rectis); calycis 3 — 4 mm tantum longi ovato-conici hasi 
rodundati (non iit in A. Jacquinii Koch gihhoso-indurato- 
tmncati) sepalis lanceolato-suhulatis, stria dorsali viridi uni- 
nerviis, margine hyalino-marginatis, apice rectis (non suhidatim 
elongatis nec paido divergentihus) ; petalis parvis, alhis, di- 
midium calycem aequantihus, Capsula calyce tertiaparte hreviore. 

Klioi, in pratorum siccis (23./V. 1894). 

A. urumiensis gehört in die Verwandtschaft von A. 
Jacquitiii Kooh^) und mehr noch Yon A. FunUi Jord., beides 
Arten, die wir fast nur aus westhcheren Gebieten, Mittel- und 
Westeuropa kennen; wenigstens ist A. Funhii Jord. auf den 
Südwesten Europas beschränkt 2) und A. Jacquinii Koch ist 
im Gebiet der Flora Orientalis nur vereinzelt in Mazedonien, 
Albanien und Thessalien beobachtet worden. Da bei unserer 
der Kelch an der Basis abgerundet, nicht kantig und ab- 
gestutzt ist, also ähnlich wie bei A. tenuifolia (L.) geformt ist 
(Kelchblätter aber ein-, nicht dreinervig), kommt A. Jacquinii 
nicht weiter in Vergleich, wohl aber A. Funhii Jord. Von 
letzterer unterscheidet sich die östliche Art durch den Wuchs, 
der mehr dem der A. Jacquinii gleicht, durch die Kahlheit 
der Stengel, Blätter und Kelche, durch den wenig hervor- 
tretenden (mehr grünlichen) Mittelnerv der Sepalen und be- 
sonders durch die kürzeren (nur 3 — 4, nicht 5— 6 mm langen) 
aufrechten, d. h. nicht in eine sehr lange, etwas auswärts ge- 

Die richtif^ore Bezoicliming (iiescü* Art ist A. fascicidata .sub Are- 
naria) Wahlen)). 

») y,A. Funkii Ihiljicsy in Allj;:. Bot. Zeitsclir., Bd. VII (1901), 

S. 122, aus der Flora von Siidtiroi fitcllt nur eine Variation ^rewöhnliclicr A. 
Jacquinii Koch dar: var, trideniina Murr, DeutHo-lie Bot. Monatsschr., Bd. XVII 
8.21 (189(>;; vfjl. Dörfler, Herb, norm., Nr. 1221 (als A. FunUi). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 87 

richtete Pfriemspitze auslaufenden Kelchblätter. — Zu den 

von Stapf aus Nordpersien (Rudbar) beschriebenen Arten ^) 

der Sektion Minuartiae liegen keine Beziehungen vor; A. 

Budbarensis Stapf gehört in den Formenkreis der Ä. montana 

und A. Wiesneri Stapf in den der A. hrevis, beides Arten 

mit dreinervigen, doppelt größeren Kelchen. 
Alsine Meyeri Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 682. 

Inter DiHman et Urumia, in saxosis ad Tschahrik (17. /VI.). 
Alsine hrevis Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 683. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. et 4./VII.); ad Tschahrik 

in lapidosis (16./VI.). 
Alsine sclerantha Fisch. — Boiss., Fl. Or., I, 685. 

Marand, in arvis (20. /V.); inter Diliman et Urumia, in argil- 

losis ad Khosrowo (8. /VI.). 
Alsine siibtilis Fenzl. — A. Lydia var. Kotschyana Boiss., Diagn., 

II, 1, S. 86. — A. tenuifolia var. siiltilis Boiss., Fl. Or., 

I, 687. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII.) et ad Sameschli 
in rivi ripis (7./VII.); Sain-kale (distr. Adschari) in rivi Dscha- 
gatu ripis (13./VIII.). 

Als eine Varietät von A. tenuifolia betrachtet, hat die 
Pflanze A. tenuifolia var. Kotschyana (Boiss.) zu heißen. 

Queria Mspanica Loefl. — Boiss., Fl. Or., I, 688. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.) et ad War in glareosis (29./V.); 
Diliman, in m. Karnaru siccis sterilibus (12. VI.). 

Arenaria dianthoides Sm. — Boiss., Fl. Or., I, 691. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Gelosa pratis (14./VI.). 

Bemerkung. Die von Sintenis bei Gumüsch-khane 
in der Provinz Pontus gesammelte (Sint., Nr. 6111), von 
Haussknecht als A. polycnemifolia Boiss. bestimmte Pflanze 
ist von der nordpersischen Art dieses Namens (vgl. Bornm., 
Bxsiccat) weit verschieden; sie gehört zu A. scariosa Boiss., 
die seit Tchichatscheff nicht wieder gesammelt war. 



1) Bot. Erg. d. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, S. 20 (1886), in Denkscbr. der 
kais. Akad. der Wiss. in Wien, math.-nat. Kl., Bd. LI. 



88 



Josef Bornmüller. 



Arenaria gxjxjsopliiloides L. — Boiss., Fl. Or., I, 694. 

Diliman^ in lapidosis ad Tschahrik (16./VI. ; ß. parvifolia 
Boiss.); Urumia, in pratis montanis ad Ser (8./VIL). 

Die Pflanze von Ser mit nicht lang zugespitzten Sepalen 
liegt in zwei intermediären Formen vor; die eine ist ganz 
kahl am Kelch und im Blütenstand, Blüten groß (f. glaberrima 
Bornm. [Bull, de THerb. Boissier, S6r. 2, Vol. V, p. 125, 1905]), 
bei der anderen sind die Kelche kahl, der Bltitenstand reich- 
drüsig und die Blüten sind klein (f. intermedia). 

Arenaria Ssovitsii Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 695. 

DiUman, in m. Karnaru (ad Khosrowo) saxosis (lO./VI. 1884). 

Arenaria serpylUfoUa L. — Boiss., Fl. Or., I, 701. Forma sepalis 
glandnloso-hirtis. 

Khoi, in pratorum siccis (23. /V.); War, in lapidosis (29./V.); 
Sendschire, in apricis (21. /V.); Diliman, in apricis ad Tschah- 
rik (17. /VI.); Karadagh, ad Hasanbeili (17. /IX., fragmenta). 
Var. glandulosa Koch. 

Diliman, ad pedem m. Karnaru (lO./VL). 
Lepyrodiclis holosteoides (C. *A. Mey.) Fenzl. — Boiss., Fl. Or., 
I, 668. 

Diliman, inter segetes ad Khosrowo (8. /VI.) et in m. Karnaru 
lapidosis (10. et 12./VI.); Khoi, inter segetes (25./V.). 
Stellaria Kotschjana Fenzl. — Boiss., Fl. Or., I, 705. — Var. glabra 
Bornm., Bull, de l'Herb. Boissier, S6r. 2, Vol. V (1905), 
S. 126. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.); distr. Afschar, in asperis 

locis m. Tacht-i-Bälkis. 
Stellaria media (L.) Cyr. — Boiss., Fl. Or., I, 707. 

Urumia, in rivulorum ripis (28. /VI.); Diliman, in scaturiginosis 

ad Tschahrik (16. /VI.); Arasin (prob, in distr. Karadagh), pr. 

fontem „Naulii-bulach". 
Stellaria striata C. Koch in Linn., XV (1841), p. 107. — St. persica 

Boiss., Diagn., II, 1, p. 85 (1853). — Boiss., Fl. Or., I, 708 

(St. glauca With. ß. persica Boiss.). 

Tcl)ris. in pratis liiimidis ad Sondscbanal) (l./VIII.). 
Mocltringia trinrrvia fL.) Clairv. — Boiss., Fl. Or., I, 709. 

Karadagh, in saxorum muscosis (19. /IX.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 89 



Holosteum liniflorum Stev. — Boiss., Fl. Or., I, 710. 

Tebris, in collibus siccis (2. et ll./V.); inter Tebris et Kboi 
ad Sendscbire in lapidosis urabrosis (21. /V.); Kboi, in saxosis 
umbrosis (27. /IV.); Diliman, ad Khosrowo in glareosis (9. /VI.) 
et ad Tscbahrik (16. /VI.). — Rossia: Sadarag, in lapidosis 
(IV.). 

Cerastium anomaltim W. K. — Boiss., Fl. Or., I, 714. 

Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14./VI.). 
Cerastium irigynuni Vill. — Boiss., Fl. Or., I, 715. 

Probabiliter in m. Sabend (sine indicatione loci), ubi jam 

Bubse hanc speciem legit. 
Cerastium perfoliatuyn L. — Boiss., FL Or., I, 719. 

Tebris (Tauris), in arvis (2./V.); Diliman, in m. Karnaru lapi- 
dosis (21./VI.). 
Cerastium dichotomum L. — Boiss., Fl. Or., I, 721. 

Khoi, in saxosis argillosis ad War (29. /V.). 
Cerastium vulgatum L. — Boiss., Fl. Or., I, 726. — C. triviale Link. 

Inter Diliman et Urumia, in bumidis lapidosis ad Tscbahrik 

(16./VI.). 

Malachium aquaticum (L.) Fries. — Boiss., Fl. Or., I^ 731. 

Karadagb, in umbrosis ad AHbulacb (19./IX.). 
Spergularia rubra (Wahl). — Boiss., Fl. Or., I, 732. 

Tebris, in salsis ad lacum, pr. Schindawur (l./X.). 
Spergularia marginata (DC.) Kittel. — Boiss., Fl. Or., I, 733. 

Khoi, pr. Sendscbire ad rivulos (21. /V.); in salsis ad lacum 

Urumiensem in latere orientali inter Sahatli et Guschtschi 

(20./VII.). 

Paronychiaceae. 

Herniaria cinerea DC. — Boiss., Fl. Or., I^ 739. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.); Diliman, ad Khosrowo in glareosis 
(8. /VI.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./Vn.); ad 
Digele in arvorum aridis sterilibusque (28. /VI.). 

Herniaria glabra L. — Boiss., Fl. Or., I, 740. 

In m. Sahend bumidis argillosis (6./VIIL); Diliman, in glareosis 
ad Khosrowo (9. /VI.); Urumia ad rivi Scher-Tschai ripas 
(2./VII.). 



90 



J osef Bornmüller. 



Hernia/ria hirsuta L. — Boiss., Fl. Or., I, 740. 

In m. Sahend humidis glareosis (6./VIIL; f. glahrata!); distr. 

Adschari, in rivi ripis ad Sain-kale (13./VIII.); distr. Karadagh, 

ad rivi ripas (18. /IX.). 
Herniaria incana Lam. — Boiss., Fl. Or., I, 741. 

Tebris, in glareosis ad Sendschanab (I./VIII.); distr. Karadagh, 

in lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Paronychia hurdica Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 744. 

Kho'i, in lapidosis (8./VL); Diliman, in argillosis ad Khosrowo 

(9./ VI.); Urumia, ad Scher-Tschai ripas (2./VII.). 

Die Kelche der vorliegenden Pflanze sind auffallend . 

klein, die Abschnitte aber ziemlich ungleich, daher kaum als 

P. caespitosa Stapf (Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, S. 22, 

1886) anzusprechen. 
SclerantJms annuus L. — Boiss., Fl. Or., I, 750. 

In m. Sahend glareosis (4. /VIII.); ad Sendschanab in arvis 

(l./VIIL); Urumia ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.). 

Molluginaceae. 

Telephium Imperati L. ß. Orientale Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 754. 
Diliman, in humidis saxosis ad Tschahrik (16./VI.). 

Portulacaceae. 

Portulaca oleracea L. — Boiss., Fl. Or., I, 757. 
Urumia, in cultis (28./VI.). 

Tamariscaceac. 

Eeaumnria hypericoides Willd. — Boiss., Fl. Or., I, 761. — R 

hyrranica Jaub. et Spach, Ic, Tab. 248. 

Inter Khanian et Gogan, in lapidosis (27. /VIII.). 
Myricania germanica (L.) Desv. — Boiss., Fl. Or., 1, 763. 

Diliman, in inundatis ad Tschahrik (16. /VI.); Urumia ad rivi 

Schcr-THchai ripas (2./VII.). 
Tamarix Pallasii Desv. - Boiss., FI. Or., I, 773. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ri})as (2. /VII.) et in pratis intcr 

(iawilan et Gusclitschi (22./ Vi.); KhoT, in rivi ripis ad Kani- 

(Isclial (5./VI.); distr. Afschar, in rivi ripis ad Sa'in-kalc. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



91 



Frankeniaceae. 

Frankenia pidverulenta L. — Boiss., Fl. Or., I, 780. 

Tebris, in salsis ad Schindawur (l /X.). 
FranJcenia Jiirsuta L. e. erecta Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 780. 

Tebris, in salsis ad Merdise (30./IX.); Gömör-cbane (distr. 

urbis Urumia), in salsis ad lacum (25. VI.). 

Hypericaceae. 

Hypericum scabmm L. — Boiss., Fl. Or., 1, 796. 

Diliman, in m. Karnaru saxosis (10. et 12./VL). 
Hypericum hirsutum L. — Boiss., Fl. Or., I, 798. 

Distr. Karadagb, in lapidosis ad Alibulacb et in silvis caeduis 

ad Hasanbeili (17. et 19./IX.). 
Hypericum hyssopifoluim Vill. a. lydium Boiss. — Boiss., Fl. Or., 

I, 799. 

Diliman, in m. Gelosa pratis (14. /VI.) et in m. Karnaru saxosis 
(12,/VI.). 

Hypericum repens L. — Boiss., Fl. Or., I, 801. 

Inter Alibulacb etDebli(Karadagb), in graminosis (29./IX.,flor.). 

Es liegt nur ein einziges kleines Stengelcben vor; Kelcb- 
form mit H repens L. übereinstimmend. 

Hypericum lielianthemoides (Spacb) Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 802. 
Diliman, in m. Karnaru saxosis (lO./VI.). 

Hypiericum tetraptermn Fries. — Boiss., Fl. Or., I, 805. 

Kotursu (distr. Afsebar), in saxosis circa stagnulum (18. /VIII.). 

Hypericum perforatum L. — Boiss., Fl. Or., I, 809. 

Urumia, in rivi Scber-Tscbai ripis (4./VII.); Diliman, in lapi- 
dosis ad Tscbabrik (17. /VI.); Karadagh, in silvis caeduis ad 
Alibulacb (19. /IX., f. foliis latiuscidis). 

MalYaceae. 

Malva silvestris L. ß. mauritiana (L.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
I, 819. 

Kboi, in incultis ad Karadscbal (5./VI.). 
Malva horealis Wallm. — Boiss., Fl. Or., I, 820. 
Diliman, in ruderatis ad Kbosrowo (11. /VI.). 



92 



Josef Bornmiiller. 



Malva rotimdifolia L. — Boiss., Fl. Or., I, 820. 

Khoi, in agg-eribus (25./V.). 
Lavatera ihuringiaca L. — Boiss., Fl. Or., I, 823. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Ältliaea hirsufa L. — Boiss., Fl. Or., I, 824. 

Distr. Karadagh, in apricis lapidosis ad Hasanbeili (18. /IX.). 
Älthaea cannabina L. — Boiss., Fl. Or., I, 825. 

Distr. Karadagh, in apricis lapidosis ad Hasanbeili (18./IX.). 
Älthaea officinalis L. — Boiss., Fl. Or., I, 825. 

Marhametabad, in nemoribus secus rivum Dschagatu pr. Sain- 

kale (13./Vin.). 
Älcea Holienackeri Boiss. et Huet. — Boiss., Fl. Or., I, 833. 

Urumia, in montium arvis ad Ser (8. /VII.) et in arvis ad 

Digele (28./VI.). 

Alcea ficifolia L. y. glabrata Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 834. — 
A. flavovirens et Ä. Tahrisiana Boiss. et Buhse. 
Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (17. /VI.); Tebris, in lapi- 
dosis ad Sendschanab (I./VIII.). 

Älcea arhelensis Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., Suppl. p. 132. 
— Var. subglabra Bornm. CauUhus foliisque suhglaris. 
Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Die Pflanze stimmt bis auf die mangelnde Behaarung 
mit der Originalpflanze der Ä. arhelensis (bis zur Basis ge- 
teilte Blätter, sehr kurzer Außenkelch) gut überein; freilich 
fehlen reife Samen, wie überhaupt das Knappsche Älcea- 
Material äußerst dürftig, schlecht präpariert und so kaum be- 
stinim])ar ist. Auch bei Digele (in der Umgebung von Urumia) 
sammelte Knapp (28. /VI.) eine Älcea mit tief geteilten Blättern, 
aber mit größerem Außenkelch, die — vielleicht noch zu Ä. 
ficifolia L. gehörig — sich nicht bestimmen läßt. 

Ahufilon Avlcennac Gacrtn. — Boiss., Fl. Or., I, 830. 
'Jel)ris, in cuhis ad Khauian (26. /VIII.). 

Gossypium hrrhaceum L. — Hoiss., Fl. Or., 1, 840. 
Tebris, in agris cultum (26./ VI IL). 

IJihisrus Irionum L. — Hoiss., Fl. Or., I, 840. 
Urumia, in arvis (2. et 4./VII.j. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 93 

Linaceae. 

Linum corymhilostini Rchb. — Boiss., Fl. Or., I, 852. 

Urumia, in pratis siccis ad Bend (8. /VII.). 
Linum alhum Ky. — Boiss., Fl. Or., I, 858. 

Inter Diliman et Urumia, in apricis inter Gawilan et Sorgul 

(21. /VI.); distr. Afschar, in apricis locis m. Taeht-i- Balkis 

(18./VIII.). 

Limim Jmmile Mill. — Boiss., Fl. Or., I, 861. 

Inter Diliman et Urumia, in versuris inter pag. Gawilan et 

Sorgul (21./VI.). 
Linum tenuifoliiim L. — Boiss., Fl. Or., I, 863. 

Distr. Karadagh, in aridis saxosis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Linum austriacum L. — Boiss., Fl. Or., I, 864. 

Khoi, in graminosis (27. /V.); ad Sendschire (21. /V.). 
y. squamulosum Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 865. 

Inter Gawilan et Sorgul (inter oppid. Urumia et Diliman) in 

versuris (21. /VI.). 

Gferaniaceae. 

Geranium tiiberosiim L. ß. linearifoliimi Boiss. — Boiss., Fl. Or.,I,-873. 

Tebris, in collibus siccis (ll./V.). 
/. macTostylum Boiss. — Boiss., Fl. Or., I, 873. 

Khoi, ad Sendschire in lapidosis (21. /V.); inter Tebris et 

Khoi, ad Schurderek in saxosis (19./V.) et ad Sendschire 

(21./V.); Diliman, in m. Karnaru saxosis (12./ VI.) et in m. 

Gelosa fissuris (14./ VI.); inter Nakitschewan, in pratis (24. /IV.). 
Geranium collinum Steph. — Boiss., Fl. Or., I, 874. 

Tebris, in humidis pratis ad Sendschanab (l./VIIL) et in 

nemore ad rivum pr. Bend (8. /VII.). 
Geranium ihericum Boiss. ß. plaiypetalum (Fisch, et Mey.) Boiss. 

— Boiss., Fl. Or., I, 876. 

Distr. Karadagh, inter Alibulach et Dehli in saxosis (20./IX.). 
Geranium xyyrenaicum L. — Boiss., Fl. Or., I, 880. 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VI.); distr. Karadagh, 

in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Geranium xmsillum L. — Boiss., Fl. Or., I, 880. 

Khoi, in graminosis (27. /V.). 



94 



Josef Bornmüller. 



Geranium rotundifolium L. — ßoiss., Fl. Or., 1, 881. 

Dilimau, in m. Karnarii fissuris (12./VI.); distr. Karadagh, in 

silvis caeduis ad Alibiilacli et Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Geranium divaricotum Ehrh. — Boiss., Fl. Or., I, 881. 

Klioi, in saxorum glareosis ad War (29./V.); Diliman, in m. 

Gelosa fissuris (14./ VI.) et in m. Karnaru fissuris (10. /VI.). 
Geranium columhiniim L. — Boiss., Fl. Or., I, 881. 

Distr. Karadagli, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX.). 
Geranium Eohertianum L. — Boiss., Fl. Or., I, 883. 

Distr. Karadagli, in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.) et 

in lapidosorum umbrosis ad Alibulacli (19. /IX.). 
Geranium lucidum L. — Boiss., Fl. Or., I, 884. 

Distr. Karadagh, in muscosis saxosis (19./IX.). 
Erodium cicutarium (L.). — Boiss., Fl. Or., I, 890. 

Diliman, in glareosis ad Khosrowo. — Anatolia borealis, in 

collibus siccis ad Trapezuntum (8. /IV.). 
Erodium ciconium (L.) Willd. — Boiss., Fl. Or., I, 891. 

Kboi, in versuris (25./V.) et in argillosis ad Schurderek 

(19., V.). 

Biehersteinia muUifida DC. — Boiss., Fl. Or., I, 899. 

In m. Karnaru (ditionis oppidi Diliman) umbrosis lapidosis 
(12./VI.). 

Zygophyllaceae. 

Trihulus terrestris L. — Boiss., Fl. Or., I, 902. 

Urumia, in cultis (28./VI.) et ad rivi Scher-Tscliai ripas 

(2./VII.); Dise-siamek, in glareosis (30./ VI.); Diliman, in 

argillosis ad Khosrowo (8. et 9./VL). 
Zygophyllum Eahago L. — Boiss., Fl. Or., I, 913. 

Khoi, in argillosis ad Karadschal (G./VI.). 
Feganmn IJarmala L. — Boiss., Fl. Or., I, 917. 

Neschdaweh (? pr. Khoi), in ruderatis (29./V.). 

Riitiiccac. 

JHclamnus albus L. — Boiss., Fl. Or., I, 920 (I). Eraxinella Pers.). 
V cancasicus (F. et M.) Boiss. 
Distr. Karadagli. in silvis caeduis ad llasanbcili (17./IX.,c. fr.). 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 95 



Haplophyllum villosum (M. B.) Juss. — Boiss., Fl. Or., I, 931. 

Urumia, in coUibus aridis ad Dise-siamek (30./VI., flor.); distr. 

Karadagh, in aridis saxosis ad Hasanbeili (17. /IX., c. fr.). 
Haplophyllum suhcordatum Bge. — Boiss., Fl. Or., I, 932. 

Tebris, inter Tesutsch et Disa-chalil in arenosis (23./VIL). 
Haplophyllum Buxhaumii (Poir.) G.Don. — Boiss., Fl. Or., I, 937. 

Khoi, in saxosis ad War (29./V., nondum floribus evolutis, vix 

rite determinandum) ; Urumia, in colli bus aridis ad Dise-siamek 

in consortio H villosi. 
Haplophyllum acutifolium (DC, 1824) Don, Walp.^ Repert., I, p. 518 

(1842). — H. Sieversii Fisch. (1841). — Boiss., Fl. Or., I, 942. 

Ad Hasanabad in distr. Afschar (19./VIII.). 

Säpindaceae. 

Acer campestre L. — Boiss., Fl. Or., I, 948. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17./IX., ster.). 
Acer monspessulanum L. var. ihericum (M. B.). — Boiss., Fl. Or., 

I, 951 (in synon. typi). 

Distr. Karadagh in silvis caeduis (17. /IX.). 

Ampelidaceae. 

Vitis vinifera L. — Boiss., Fl. Or., I, 955. 

Distr. Karadagh, in nemoribus secus rivum (16./IX.). 

Terebinthaceae. 

Cotinus Coggygria Scop.; Rhus Cotinus L. — Boiss., Fl. Or., II, 4. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (IX.). 
Pistacia mutica L. — Boiss., Fl. Or., II, 6. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX.); distr. 

Afschar, in lapidosis ad Gtisilkapir (14./VIII.). 

Celastraceae. 

Evonymus verrucosus Scop. — Boiss., Fl. Or., II, 9. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Evonymus latifolius Scop. — Boiss., Fl. Or., II, 10. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 



96 



Josef Bornmüller. 



ßhamnaceae. 

Paliurus Spina- Christi MilL, 1768; P. aculeata Läm., 1796. — 
Boiss., Fl. Or., II, 12. 

Distr. Karadagb, in lapidosis ad Hasanbeili (IX.). 
Rhamnus kurdica Boiss. et Holl. — Boiss., Fl. Or., II, 17. — Var. 

glabra Bornm. Foliis glabris. 

Urumia, in saxosis ad Ser (8./VIL). 
Yar. persica (Boiss. et Höh.) Bornm. — A typo foliis integris tan tum 

diversa. 

Urumia, in saxosis ad Ser (8./VIL). 

Beim Dorfe Ser treten also beide Formen auf. Auch 
an anderen Plätzen sammelte ich (im Jahre 1893) Rh. Jcurdica 
mit ganzrandigen Blättern, die man demgemäß als Rh. persica 
bezeichnen müßte. In Stidpersien ist var. persica meist klein- 
blättriger und reicher bedornt. 
Rhamnus spathulifolia Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 17. — 
Hohenack., Exsicc. ! (non Sintenis, Exsicc. Transcaspicae, 
nec Bornm., Exsicc. e flor. Pers. bor. = Rh. Pallasii Fisch, 
et Mey. ; f. foliis latiusculis!). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Rliamnus Pallasii Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 17. — 
Forma foliis anguste lineari-lanceolatis. 

Khoi, in glareosis ad War (29. /V.); distr. Afschar, in saxosis 
ad Kiskapan (14./V1II.); Tebris, ad Sendschanab in asperiimis 

(i./vni.). 

Rhamnus cathartica L. — Boiss., Fl. Or., II, 19. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17./IX.). 

Le^'uminosae. 

Argyrolohium calycinum (M. B.j Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 33 
Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19. /IX.). 

Argifrolohium Irigondloidcs Jaub. et Spach. — Boiss., Fl. Or. 
II, 33. 

KhoY, in lapidosis (27./V.). 
(irnista ttnctoria L. — Boiss., Fl. Or., II, 42. 
Karadagh, in silvis caeduis (lÜ./iX.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 97 

Ononis antiquorum L. — Boiss., Fl. Or., II, 57. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VIL) et in rivi ripis 

ad Sameschli (7. VII.); Wesirobod, in agrorum versuris (4./ VII.). 
Ononis piisilla L., 1759. — Boiss., Fl. Or., II, 57 (0. Columnae 

All., 1774; 0. suUccuUa Vill., 1779). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19. /IX.). 
Trigonella asurea C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 67. 

Khoi, in lapidosis (23. et 27. /V.). 
Trigonella cajntata Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 68. 

Khoi, in agrorum versuris ad Karadschal (5./VI.); Urumia, 

in oleraceis ad Gök-tepe (Djök-tepe, 26. /VI.). 
Trigonella Foenum-graeciim L. — Boiss., Fl. Or., 11^ 70. 

Khoi, inter segetes (25. /V.); Urumia, in arvis ad Dise-siamek 

(30./VL) et in arvis ad Digele (28./VI.). 
Trigonella monspeliaca L. — Boiss., Fl. Or., II, 76. 

Inter Nakitschewan et Tebris, in arvis ad Marand (20./ V.). 
Trigonella Noeana Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 77. 

Diliman, in arvis ad Khosrowo (8. /VI); Urumia, in arvis ad 

Digele (28./VI); ad Khoi et Tebris (1., 2. et 25./V.; sine fr.). 

— Forma foliolis inciso-pinnatifidis : ad Kho'i (23./V.). 
Trigonella monantlia C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 77. 

Diliman, ad Khosrowo in glareosis (9. /VI.); Urumia, ad Dise- 
siamek (30. /VI.). 
Medicago sutiva L. — Boiss., Fl. Or.^ II, 94. 

Diliman, in m. Karnaru (12. /VI., floribus et fructubus deside- 

ratis; an 31. falcata L. ?). 
Medicago Gerardi Willd. — Boiss., Fl. Or., II, 100. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas 

(2./VII.). 

Medicago denticulata Willd. — Boiss., Fl. Or., II, 102. 

Urumia, in agris ad Digele (28./VI.). 
Medicago minima Lam. — Boiss., Fl. Or., II, 103. 

Urumia in rivi Scher-Tschai ripis (2./VII.) et in pratis ad 

Bend (8./ VII.); Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12./VI.). 
Medicago lupidina L. — Boiss., Fl. Or., II, 105. 

Khoi, in pratis siccis (23./V.). 

Z. B. Ges. 60. Bd. 7 



98 



Josef Bornmiiller. 



Melüotus officinalis Desr.? — Boiss., Fl. Or., II, 109. 

Diliman, in glareosis ad Khosrowo (9. /VI.; floribus et fructu- 

biis desideratis). 
Trifolium pratense L. — Boiss., Fl. Or., II, 115. 

Khoi, in humidis (25. /V.). 
Trifolium canescens Willd. — Boiss., Fl. Or., II, 117. 

Distr. Karadagb, inter AUbulach et Debli (20./IX.). 
Trifolium arvense L. — Boiss., Fl. Or., II, 120. 

Distr. Karadagb, in silvis caeduis ad Alibulach et Hasanbeili 

(17. et 19./IX.). 
Trifolium supinum Savi. — Boiss., Fl. Or., II, 126. 

Urumia, in rivi Scher-Tscbai ripis (7./VIL). 
Trifolium resupinatum L. — Boiss., Fl. Or., II, 137. 

Urumia, ad rivi Scher-Tscbai ripas (2./VII.). 
Trifolium repens L. — Boiss., Fl. Or., II, 145. 

Khoi, in humidis (25./V.). 
Trifolium hyhridum L. — Boiss., Fl. Or., II, 145. 

Urumia, ad Dise-siamek in rivi ripis (30./VI.). 
Trifolium anatolicum Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 146 {T hyhridi 

var.). 

Inter Diliman et Urumia, in humidis ad Tschabrik (17./VI.); 

Tebris, in declivibus humidis ad Sendscbanab (11. /VIII.). 
Trifolium amhiguum M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 147. 

Tebris, in declivitatibus humidis ad Sendscbanab (l./VIIL). 
Trifolium agrarium L. sensu Boiss., Fl. Or., II, 153. — T cam- 

pestre Schreb. 

Inter Diliman et Urumia, in rivi ripis ad Tschabrik (17. /VI.); 
Urumia, ad rivi Scher-Tscbai ripas (2./VII.) et ad Sameschli 
(7. /VII.); ad Dise-siamek (30. /VI.); distr. Karadagb, in silvi 
caeduis ad Alibulacb (19. /IX.). 

Lotus corniculatus L. — Boiss., Fl. Or., II, 165. 

Karadagb, ad Ali))ulacb in silvis caeduis (19./IX.); Diliman 
in humidis graminoBis ad Khosrowo (8. /VI.); Khoi, ad a(iuaru 
fossas (27./V.). 

Lotus tenuifolius Kcichb. — Boiss., Fl. Or., M, 166. 

Urumia, ad rivi Scbcr-'J'scbai ripas (2./VII.); ad Dise-siamek 
(30./VI.); KhoY, in ripis ad Kuradscbal (5./V1.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 99 



Lotus Gebelia Vent. — Boiss., Fl. Or., II, 168. — a. genuinus Boiss. 

Khoi, in lapidosis (27./V.); Urumia, in rivi argillosis ad 

Sameschli (7./VIL). 
Coronilla varia L. — Boiss., Fl. Or., II, 181. 

Diliman, in arvis ad Khosrowo (8./VL). 
Colutea arhorescens L. — Boiss., Fl. Or., II, 194. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Ilalimodendron argenteum DC. — Boiss., Fl. Or., II, 198. 

In latere australi m. Sahend, ad Achkend (9. /VIII.). 
GlycyrrMsa glabra L. a. glabra Reg. et Herd. — Boiss., Fl. Or., II, 202. 

Urumia, in dumetis secus rivum pr. Dise-siamek (30./VI., flor.) 

et inter Sorgul et Gawilan in versuris (21./VI., flor.); in 

dumetis ad Achmedabad et Hasanabad distr. Afschar (19./VIIL). 
Glycyrrhiza asperrima L. — Boiss., Fl. Or., II, 202. — Syn. Astra- 

galus glandulostis Beck in Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., 

Bd. II, S. 73. 

Inter Sorgul et Gawilan, in lapidosis (21. /VI.). 
Astrag alus (IV. Oxyglottis) tribuloides Del. ß. mimitus Boiss. — 

Boiss., Fl. Or., H, 225. 

Khoi, in aggeribus siccis (25./V.). 
Astragalus (IV. Oxyglottis) camptoceras Bge. — Boiss., Fi. Or., 

H, 227. 

Inter Tebris et Khoi, in collium g-raminosis ad Sendschire 
(21./V.). 

Es liegen nur drei sehr kleine, dürftig blühende Indi- 
viduen vor, die mit Pichlers Pflanze von Kaswin tiberein- 
stimmen; vgl. G. V. Beck in Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., 
Bd. n, S. 64. 

Astragalus (IV. Oxyglottis) oxyglottis Stev. — Boiss., Fl. Or., II, 229. 
Ditionis Khoi, in arvis ad War (31. /V.); in aggeribus siccis 
(25./V., c. flor. et fr.); inter Tebris et Khoi, ad pagum Marand 
in arvis (29. /V., specimina perpaupera florifera) ; inter Diliman 
et Urumia, ad Tschahrik, in lapidosis (17. /VI., c. fr.). 

Astragalus (VIII. Harpilobus) campylorrJiynchus F. et M. — Boiss., 
Fl. Or., II, 233. 

Tebris, in rivi arenosis (11. /V., flor.); ad Khosrowo in arvis 
(9./VI.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.). 

7* 



100 



Josef Bornmüller. 



Asiragalns (IX. Änhylotus) mikylotus F. et M. — Boiss., Fl. Or., 
II, 234. 

Urumia, in ag-geribus circa moenia (30./VI., appendice laminae 
vexilli lanceolata aciitissimal), 
Ästragahis (XX. Malacothrix) macrostachys DC. — Boiss., Fl. Or., 
II, 256. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (12./VI., 
c. flor. et fr.). 

Äsfragalus (XX. Malacothrix) mollis M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 260. 
Khoi, in lapidosis (27. V.); Urumia, in lapidosis (2./V1I.); 
ibidem ad pagum Ser (8. /VII.) et in aridis ad Dise-siamek 
(30./VI.); inter Tebris et Khoi, in arvis ad Sendschire (21. /V.). 

Astragalus (XX. Malacothrix) pauperiflorus Bornm. spec. nov. 
in Mitt. d. Thüring. Bot. Ver., N. F., Bd. XXIII (1908), S. 4—5. 

Terennis, acatilis; caudiculis subterraneis, tenuihus, 
stipularuni hyalinarum vestigiis dense ohsitis, depresse et laxe 
caespitosis; stiptilis membranaceo-hyalinis, majusculis, ovato- 
lanceolatis, petiolo adnatis, inter se connatis, nervosis; foliis 
glaucescentihus, parvis, cum. petiolo hrevi, 1'5 — 2 cm tantum 
longis et 0'5 cm latis, utrinque setulis alhis hasifixis siih- 
adpressis sparsim, ad rhachidem et paginae inferioris nervum 
medium densius pilosis; foliolis 6 — 7-jugis, densiusculis, minu- 
tis, ohlongis, ohtusis vel suhretusis, 3 mm longis, 1 mm latis; 
scapis hrevissimis, tenuihus, declinatis, adpresse pilosis ; capi- 
tulo perpaupero, 3 — 4-floro, laxiusculo, folia vix super ante 
hracteis triangulari- vel ovato-lanceolatis, hyalinis, setulosis 
pedicellum hrevissimum super antihus; calycis tuhulosi densius- 
cule suhadpressim alho-nigro-pilosi, tuho 4 — 5 mm longo, denti- 
hus 1 mm longis suhulatis; florihus e sicco violaceis, calyce 
duplo longiorihus; vexilli 13 — 14 mm longi lamina ohlonga, 
attenuata, apice biloba, alas eximie (3 mm) superante; legu- 
mine calycem rumpente, patule albo-nigro-hirsuto, ovato-ohlongo 
apice ohtuso et oblif/ue cuspidalo, maturo 4x7 mm lato longo 
Ispercchan in m. Sahend lapidosis (4./V1II. 1884, leg 
K napp). 

l^Iaiita nostra ad liuinilliiiias sectionis spcctans, notabilis 
folÜR ininutis parco pilosis, scapis subnullis paucilloris, lloribus 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 101 

parvis, vexillo subelongato bilobo; habitum refert Ä. melano- 
dontis Boiss., Ä. atricapilU Bornm., Ä. tenuiscapi Freyn et 
Bornm., Ä. plepei Boiss. A primo differt scapis foliö multo 
brevioribus (non longioribus), bracteis latiusculis (non lineari- 
bus); vexillo alas non parum tantum superante, bilobo; legu- 
mine non valde compresso cum rostro 9 — 10 mm (non 15 mm) 
longo. Speeles ceterae ejusdem habitus indieatae pedunculis 
long-is tenuibus vel Horum magnitudine vel colore vel calycis 
proportionibus longius distant. 
Ästragalus (XXVIII. Glycyphyllos) glycypJiyllos L. — Boiss., Fl. 
Or., II, 267. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Ästragalus (XXXIII. Christiana) Garagana F. et M. — Boiss., 
Fl. Or., II, 272. 

Urumia, in graminosis ad Dise-siamek (30. /VI.); Klioi, in 
arvis ad pagum War (29. /V.). 
Ästragalus (XXXV. Myohroma) fahaceus M. B. — Boiss., Fl. Or., 
II, 289. 

Khoi, in lapidosis (27. /V., c. fr.). 

Ästragalus (XXXV. Myohroma) torrentum Bge, — Boiss., Fl. Or., 
II, 295. — Speeimina authentica non vidi. 
Inter Diliman et Urumia, ad Tschahrik in declivitatum gla- 
reosis (17./VL). 

Bemerkung. Meine Exsikkaten dieser Bezeichnung aus 
dem assyrischen Kurdistan (a. 1893) gehören in den Formen- 
kreis des polymorphen Ä. aegohromus Boiss. et Höh. 

Ästragalus (XXXV. Myohroma) talyschensis Bge. — Boiss., Fl. 
Or., II, 297. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (lO./VI.) et 
in m. Gelosa pratis (14. /VI.). 

Bemerkung. Die von Pichler im Sefidrud-Tal bei 
Rudbar gesammelte, von Gr. v. Beck in Stapf, Bot. Erg. PoL- 
Exp. n. Pers., Bd. II, S. 67, als Ä. talyschensis Bge. angegebene 
Pflanze ist, wie ich bereits in meinen „Beitr. z. Fl. d. Elburs- 
geb. Nordpers." andeutete, nach Einsicht Pichlerscher Exem- 
plare in der Tat Ä. Samamensis Boiss. et Buhse vom klas- 
sischen (Buhse) Standort. 



102 



Josef Bornmiiller. 



Astragalus (XXXV. Myobroma) parvulus Bornm. spec. nov. in 
Mitt. d. Thüring. Bot. Ver., N. F., Bd. XXIII (1908), S. 8—9. 

Äcaiilis, plus minus dense patulo-hirstitus; caudici- 
hus tenuibus, suhterraneis valde elongatis (20 cm usque longis), 
nudis, remote tantum stipidas aphyllas connatas ohtusas fuscas 
glahras gerentilms; stiptilis foliigeris latis, oblongis, temiiter 
memhranaceis, alho-Jiyalinis, dorso patule Mrsiitis, ad marginem 
longe ciliatis; foliis perparvis, circumscriptione linearibus 
(25 — .55 mm longis, 5—8 mm latis), petiolo hrevi Mrsutissimo 
suffidtis; foliolis 7 — 11-jugis, densiusculis (non contiguis), 
planis, supra glahris, suhtus sparsim (copiosius secus nervum 
medium prominentem) longe hirsuiis, ovatis vel late ohlongis 
vel orhimlatis, ohcordatis, 2x2 vel 3X4 mm latis longis; 
florihus suhsolitariis, subsessilihus, hrevissime pedicellatis, pedi- 
cello glahro; calycis subglahri (sparsissime longipilosi) flavidi 
tuhulosi 8 mm longi dentihus lineari-stihtdatis, tubo 3 — 4-plo 
hreviorihus, apicem versus sparsim ciliolatis; petalis glahris, 
flavis, demum (saltem in specimine sicco) hrunnescentibus ; 
vexilli 16mm longi calycem duplo superantis lamina oblong a, 
apice rotundata, subbiloba; carina vexilli laminam dimidiam 
subsuperante; legumine? stylo? 

Distr. Karadagh, in graminosis ad Arpalech (inter Tebris 
et Aber); specimen unicum (16./IX.). 

Es liegt von dieser zwergigen Art leider nur ein einziges, 
nicht besonders gut erhaltenes Individuum mit nur vs^enigen 
Blüten vor, die ich, um die Grilfelbeschaifenheit kennen zu 
lernen, nicht zu zerlegen wage. Habituell erinnert die Pflanze 
am meisten an den kretischen A. nummularius DO. und wohl 
auch etwas an den persischen (mir von verschiedenen Stand- 
orten vorliegenden) A. ischredensis Bge., beides Arten mit 
beiderseits behaarten Blättern und zottigen Kelchen, letztere 
außerdem mit doppelt gnHlercn, sehr ansehnlichen Blüten. 
Da die Hlättchen ziemlich gedrängt stehen, wäre auch an eine 
Unterbringung unserer Art neben A. monanthemos Boiss. zu 
denken und ein Vergleich mit diesen und den zugehörigen 
Arten aiigcbraclit; a})er es genügt, auf die Zahl und Form 
der Fiederblättchen, den Blattumriß, die BlUtengröße und die 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 103 



Beschaffenheit der Stipulae hinzuweisen, um die in Boissier, 
Fl. Or. (p. 285), verzeichneten (Ä. monanthemos Boiss., A. 
purxmrascens Bge., A. concinnus Bth.) und die neuerdings 
beschriebenen, dieser kleinen Gruppe zugehörigen Spezies {A. 
rufescens Freyn et Bornm.^ Bull, de l'Herb. Boissier, Vol. VI, 
1898, p. 981, = A. variegatus Freyn et Bornm., olim in Bull, 
de l'Herb. Boissier, Vol. V, 1897, p. 592, non Franch.; A. 
chargmcliianns Freyn in Bull, de FHerb. Boissier, Ser. 2, 
Vol. IV, 1904, p. 764; A. lieterochroiis Bornm. in Bull, de FHerb. 
Boissier, S6r. 2, Vol. V, 1905, p. 757, PI. 9) sofort als aus- 
geschlossen betrachten zu können. 
Astragalus (?XXXV. Mijohroyna) spec. nov., ex äff. A. lanceolati 
Bge. (Boiss., Fl. Or., IL 293). 

Acanlis, ex scapus, e radice crassa caespitoso-compacius, 
collo rudimentis folionim densissime squamoso, stijndis lanceo- 
latis lanatis; foliis glaherrimis, miniitis (2 — 3 cm longis), 
remote 3 — o-jugis; foliolis ovatis, cuspidatis, saepiiis compli- 
catis, 2 mm latis, 3 — 5 mm longis; florihus suhsolitariis, sub- 
sessilihus, parvis, 15 mm longis, flavidis; calyce tubuloso, 
9 — 10 mm longo, glabro vel suhglahro, dentihus ad hasin intus 
lanatis triangidari-subiäatis, ttihiim dimidium sidjaequantihus; 
stylo?, legumine? {A. eriohasis m. ad int.; in herb. univ. 
Vindobon.) 

Tebris, in argillosis (2./V.). 

Die schlecht präparierten und dürftig erhaltenen Frag- 
mente lassen eine genaue Beschreibung der Blütenteile nicht 
zu; jedenfalls seien künftige Reisende auf diese eigenartige 
Pflanze aufmerksam gemacht. 
Astragalus (XXXVIIL Acanthopliace) Ssaliendi Fisch. — Boiss., Fl. 
Or., II, 311. 

Isperechan, in m. Sahend elatioribus (4. /VIII. , variat dentihus 
calycinis tuljo 2 — 3-x)lo hreviorihus). 
Astragalus (XLI. Adiaspastus) aureus Willd. — Boiss., Fl. Or., 
II, 331. 

Tebris; Isperechan, in m. Sahend elatioribus (4./VIIL); inter 
Diliman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (10./ VI., absque 
floribus et fructubus sed certe huc pertinens). 



104 



Josef Bornmüller. 



Astragalus (XLI. Ädiaspastus) Michauxianus Boiss. — Boiss., Fl. 
Or., II, 332. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Astragalus (XLIV. Bliacophonis) Andalanims Boiss. et Hausskn. — 
Boiss., Fl. Or., II, 345. 
Urumia^ in lapidosis ad Ser (8./VIL). 

Astragalus (XLV. PteropJionis) Knappii Bornm. (spec. nov.) in 
Mitt. d. Thttring. Bot. Ver., N. F., Bd. XXIII (1908), S. 12—13. 

Fruticosiis, late caespitosiis, dense alho-lanato- 
tomentosiis; ramis crassis, spinis longis (4 — 6 cm) patulis 
armatis, inferne inter stipularum rudimenta tomentosis; stipulis 
suhcoriaceis, eis foliorum inflorescentiae suhmemhranaceis, late 
ovatis, siihulatim acuminatis, glahris; foliolis 4-jugis, petiolo 
crassiuscido alho-tomentoso insidentihus, summis spinulam tenuem 
flavidam glahram duplo superantihus, planis ohlongo-lanceo- 
latis, 4 mm latis et 18 — 20 mm longis, longiuscule flavido- 
spimdosis; axillis subtrifloris, in capitulum ovatum vel ohlon- 
gum, circa 2 cm latum et 3 cm longum, foliis intermixtiim 
conglohatis; hracteis oUongo-linearibus, navicularihus, inferne 
glahris, dorso et superne dense alho-villosis, 8 — 10 mm longis, 
calyce paulo hreviorihus ; hracteolis liheris, inter dum nullis, 
mox deciduis, hracteam vix dimidiam aequantihus, linearihus; 
calycis 12 mm longi, villoso-hirsuti ad hasin saepius glahre- 
scentis dentihiis suhulatis, quam tuhus plus duplo longiorihus; 
florihus calycis dentes suhsuperantibus, flavidis (in specimine 
nostro valde defloratis). 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (lO./VL). 

Species nova prope A. tolmtensem Fisch, et A. tossiensem 
Freyn et Sint. (Österr. Bot. Zcitsclir., 18D3, S. 416; vidi ori^-.!) 
colocanda est, a quibiis foliis 3—4- (non 5 — 6-) jugis bractea- 
rimHjue forma (linearium, non ovato-ohlon^arnm) facilo distin- 
guitur; magis aflinis esse vidctur A. alhifolius Freyn et Sint. 
(Osterr. iiot. Zeitsclir., 1893, S. 417; vidi orif,^!), ut antecc- 
dentes florac Anatoliae borealis (Paplila^2;oniae) iiicola, a quo 
nostra plaiita diflert liabitu alicno, spinis brevioribus, non 
crcl)crrimiH nec crassis, capitulis cximic majoribus, nec non 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 105 

praesei'tim stipulis glabris et submembranaceis (non appresse 
hirtis et coriaceis), cetemm area geographica valde disjuncta. 

Das einzige mir zur Beschreibung vorliegende Exemplar 
ist leider nicht gut erhalten und läßt eine Analyse der Bltiten- 
teile nicht zu. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Art die 
Kelchbasis stark verkahlt, so daß man leicht geneigt ist, die 
Pflanze der Sektion Stenonychmm oder FlatonycJiimn zuzu- 
rechnen. Die Existenz von Bracteolen und die offenbar große 
Ähnlichkeit mit genannten Arten, besonders mit Ä. alhifolius 
Frein et Sint., weisen ihr meines Erachtens den natürlichsten 
Platz neben Ä. tokatensis Fisch, in der Sektion PteropJiorus an. 
Ästragalus (XLVIIL Hymemstegis) hymenocystis Fisch. — Boiss., 
FL Or., II, 378. 

Inter Diliman et Urumia, in lapidosis inter pagos Sorgul et 
Gawilan (21./VL). 
Ästragalus (LIX. Älopecias) dictyolobus C. A. Mey. — Boiss., Fl. 
Or., II, 412. 

Khoi, in rivi argillosis ad War (29./V., flor.); inter Diliman 
et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (10. /VI.). 
Ästragalus (LIX. Älopecias) cucullaris Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
II, 413. 

Tebris, in montium argillosis ad pagum Ser (8. /VII.). 
Ästragalus (LIX. Älopecias) Ecliinops Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
II, 419. 

Urumia, in declivitatibus (4./VII., flor.); Tschachlamasch (distr. 

Maraga), in pascuis. 
Ästragalus (LXl. Euodmus) odoratus Lam. — Boiss., Fl. Or., II, 423. 

Diliman, in graminosorum humidis ad Khosrowo (9. et 12./ VI.); 

Urumia; Dise-siamek, ad rivi ripas (30. /VI., specimina elata). 
Ästragalus (LXIV. OrnitJiopodium) trigonelloides Boiss. — Boiss., 

Fl. Or., II, 425. 

Inter Diliman et Urumia, in declivitatum aridis (17. /VI.). 

Leider liegt auch von dieser bisher nur von Au eher in 
Armenien gesammelten interessanten Pflanze nur ein einziger 
Fruchtstand vor, in dem man allerdings zunächst eine Trigo- 
nella vermuten möchte; die Früchte sind zollang, dünn, bogig 
aufstrebend, kopfig gedrängt. 



106 



Josef Bornmüller. 



Ästragakis (LXV. Onobrycliimn) hadschorensis Bge.? — Boiss., Fl. 
Or., II, 433. 

Tebris, in montosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Vergleicbsraaterial dieser seltenen kaukasischen Art liegt 
mir nicht vor; die Kelchzipfel von nur halber Länge des 
Tubus entsprechen nicht genau der Diagnose. Vielleicht ist 
es eine neue Art, die aber bei dem äußerst dürftigen Material 

— zwei kleine Individuen, das eine mit einem Blütenköpfchen, 
das andere mit einem Fruchtstand — kaum zu beschreiben ist. 

Ästragalus (LXV. OnohrycMum) aduncus Willd. — Boiss., Fl. Or., 
II, 435. 

In tota ditione ad occidentem et orientem lacus Urumiensis 
vulgaris esse videtur: ad Marand, Khosrowo, Khoi, Tebris, 
Urumia etc. 

Meist liegen nur schlecht erhaltene, unvollständige Stücke, 
beziehungsweise Fragmente vor, die nicht bestimmbar sind, 
doch vermutlich alles Formen ein und derselben Art, zum 
Teil zwergige von trockenen und sehr sonnigen Lagen. 
Ästragalus (LXV. Onohrychium) chahorasicus Boiss. et Hausskn.? 

- Boiss., Fl. Or., II, 437. 

Isperechan, in graminosis (30./VII.) et in m. Sahend lapidosis 
(4./VIII.). 

Die vorliegenden Fragmente einer schlankwüchsigen 
Pflanze mit schmallinearen Fiederblättern, diese 4— 5 paarig, 
dürften am ehestens noch genannter Art angehören. 

Ästragalus (LXXV. Proselius) latifolius Lam. ß. cho'icus (Bge.) Boiss 
Boiss., Fl. Or., II, 463. 
KhoT (loc. class.), in aridis ad pagum War (29. /V., c. flor.; 
folia lanceolata)] Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII., 
c. fr.; folia d—Tj-juga parva)] ibidem ad pagum Ser in lapi- 
dosis (8. /VII., c. fr.; folia lanceolata angustata)] ad Tschahrik, 
in apricis lapidosis (17. /VI., nondum floreus). 

Ästragalus (LXXV. Proselius) micrancist/rus Boiss. et Hausskn. — 
Boiss., Fl. Or, II, 475. 

Intcr Diliiiiaü et IJriuiiia, in m. Karnaru lapidosis (lO./VI., 
Hpccini. (Icflorat. cum fruct. juvenilibus). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 107 

Ästragalus (LXXV. Proselim) curvirostris Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
II, 476. 

Tebris, in lapidosis ad Liwan (8./V., c. flor.); Urumia, in lapi- 
dosis ad pagura Ser (8. /VII., c. fr.). 
Ästragalus (LXXVI. XijMdkim) vimineus Pall. — Boiss., Fl. Or., 
II, 478. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru pratis depressis 
(lO./VL). 

Oxijtroxns savellanica Bge. — Boiss., Fl. Or., II, 503. 

Ad nives deliquescentis m. Tacht-i Balkis (18. /VIII., ex speei- 

minibus pessimis vix certe determinanda). 
OnohrycMs sativa Lam. — Boiss., Fl. Or., II, 532. 

Urumia, in pratis ad Ser (8. /VII.); Diliman, in m. Gelosa 

pratis (14./VI.) et ad Tschabrik in lapidosis (16./VI.). 
Onohrychis carnuta L. — Boiss., Fl. Or., II, 537. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Onobryclüs marginata Beck in Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Fers., 

Bd. II (1886), S. 75. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Onohryclns spec. sect. Heliobryclndearnm (sec. specimina incom- 

pleta fragmentaria non determinanda). 

In m. Karnaru lapidosis ditionis oppidi Diliman (10. et 12./VI.); 

in collinis ad Morandscbuk (7. /VI.); Tebris, in glareosis (2./V.). 
Onohrychis suhütens Bornm, in ..Plantae Straussianae" (Beibefte d. 

Bot. Zentralbl., Bd. XIX, S. 247, 1905). 

Inter Kboi et Urumia (16./ VI.). 
Alliagi camelornm Fiscb. — Boiss., Fl. Or.. IL 559. 

Urumia, ad yias et muros pr. Wesirobod; Diliman, in agrorum 

versuris ad Kbosrowo (8. /VI.). 
Cicer arietinum L. — Boiss., Fl. Or., II, 561. 

Urumia, in apricis ad Digele. 
Cicer anatolicum Alef. — Boiss., Fl. Or., II. 562. 

In ditione urbis Urumia vel Tebris sine loci specialis indica- 

tione (scbedula desideratal). 
Vicia fruncahda M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 568. 

Distr. Karadagb, in silvis caeduis ad Alibulacb (19. /IX., c. fr.). 



108 ' ■ Josef Bo rnmül ler. 

Vicia hyrcanica Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 571. 

Khoi, in hortorum dumetis (27 ./V.) et in arvis ad Gescht 

(30./Y.); Urumia, in arvis (28. /VI.); Diliman, in agris ad 

Khosrowo (8./VI.). 
Vicia saüva L. — Boiss., Fl. Or., II, 574. 

Khoi, in hortorum dumetis (27. /V.). 
Vicia peregrina L. — Boiss., Fl. Or., II, 576. 

Khoi, in arvis adWar(29./V.,specimen parvulum sine fruetubus). 
Vicia narhonensis L. — Boiss., Fl. Or., II, 577. 

Urumia, in arvis (28. /VI.); Diliman, in agris ad Khosrowo 

(8. et lO./VL). 
Vicia Faha L. — Boiss., Fl. Or., II, 578. 

Diliman, in cultis ad Khosrowo (10./ VI.). 
Vicia Persica Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 582. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Gelosa pratis (14./VL). 
ß. stenopliylla Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 583. 

Tebris, in pascuis ad Sendschanab (l./VIIL). 
Vicia calcarata Desf. — Boiss., Fl. Or., II, 590. 

Khoi, in agris (8. /VI., c. fr.). 
ß. cinerea Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 590, 

Khoi, in agris (22./ V., flor.). 
Vicia villosa Roth. — Boiss., Fl. Or., II, 591. 

Urumia, in arvis (4./VIL); Diliman, in agris ad Khosrowo 

(8./VI.). 

Vicia tetrasperma (L.) Moench. — Boiss., Fl. Or., II, 596. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai, ripas (2./VII.). 
Ervum Lens L. — Boiss., Fl. Or., II, 598. 

Urumia, in agris ad Digele, ubi colitur (28. /VI.). 
Lathyrm Aphaca L. — Boiss., FI. Or., II, 602. — ß. hiflorm Post, 

1896. 

Khoi, in dumetis (25. et 27./V.) et in agris ad Gescht (30./V.); 

Diliman, in agris ad Khosrowo (8. /VI.). 
/.(i/hj/rns ('ircra L. - Boiss., Fl. Or., II, 605. 

Klioi, in agris (20./V.); in agris ad War (29. /V.) et Karadschal 

(r)./\'l.); Diliman, in agris ad Khosrowo (8. /VI.). 
Ldlhf/rus rhIornnfJnts l>oiss. — Boiss., Fl. Or., II, 60S, 

Urumia, in agris (28./VI.) et ad G()k-(Dj()k-)tcpc (26./VI.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 109 

Lathijriis nervosus Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 609. 

Distr. Afschar, in agris ad Ach-dere (16. /VIII.). 
Latlnjrus roseus Stev. — Boiss., Fl. Or., II, 610. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis (17. /IX.). 
Latlnjrus tnherosus L. — Boiss., Fl. Or., II, 610. 

Urumia, in arvis (28./VI.) et ad Gök-tepe (26./VI.). 
Lathyrus inconspicuiis L. — Boiss., Fl. Or., II, 613 (Z. eredus 

Lag.). 

Diliman, in agris ad Khosrowo (8. et 9./VI.). 
Lathyrus stans Vis. — Boiss., Fl. Or., II, 614 (in syn. L. erecti 
Lag., legumine glahro!). 

Urumia, in arvis (28. /VI.) et ad Dise-siamek (29./VI.). 
Lathyrus spec. ex proxima affinitate L. hijugi et L. vinealis Boiss. 

et Noe; forsan L. trijiigns Bornm. (in „Plantae Straussianae", 

Beihefte d. Bot. Zentralbl., Bd. XIX, S. 250, 1905) sed ex 

speeimine unico perpaupero pessimo vix determinandus. 

Ad Marand (20./V.). 
Lathyrus pratensis L. — Boiss., Fl. Or., II, 615. 

Distr. Karadagh, in silvis ad Alibulach (19. /IX.); flor. et fr. 

desideratis. 

Lathyrus incurvus Roth. — Boiss., Fl. Or., II, 616. 

Urumia, in dumetis ad rivulum pr. Dise-siamek (30./VI.). 
Goebelia alopecuroides (L.) Bge. — Boiss., Fl. Or., II, 628. 

Khoi, in agrorum versuris ad Karadschal (5./ VI.) et ad Gescht 

(30./V.). 

ßosaceae: Amygdaleae. 

Amygdalus communis L. — Boiss., Fl. Or., II, 641. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (7. /IX.). 
Amygdalus spinosissima Bge. (Boiss., Fl. Or., II, 644) var. (nov.) 

urumiensis Bornm. Bamis suhlaevihns hrunneis, spinis hor- 

ridis, foliis angustiortbus ac in typo Uneari-lanceolatls lon- 

giuscule petiolatis glaberrimis. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru saxosis (12./ VI.). 

Die Exemplare besitzen glatte lederbraune Rinde (wie 
A. Jcermanensis Bornm. vär. glahra Bornm., vgl. Schneider, 
Laubholzkunde, I, S. 590), die Dornen sind sehr kräftig, die 



110 



Josef Boriimüller. 



Blätter sehr deiitlicli gestielt. Die Pflanze kann daher nicht 

bei Ä. lycioides untergebracht werden. 
Amygdalus horrida Spach ß. Beuten Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 644. 

Inter Achmedabad et Hasanabad (19./VIII., c. fr.). 
Cerasus microcarpa (C. A. Mey.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 646. 

Schurderek in saxosis (inter Tebris et Khoi) (19. /V., steril, 

ein verkrüppelter Zweig). 
Cerasus incana (Fall.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 647. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17./IX.); Khoi, in 

saxosis ad War (29. /V., steril); inter Tebris et Khoi, in lapi- 

dosis ad Sendschire (21. /V., c. flor.). 

Die Exemplare von War neigen zur Varietät ß. angusti- 

folia Spach. 

Cerasus Mahaleh (L.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 649. 

Karadagh, in silvis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Cerasus avium Moench. — Boiss., Fl. Or., II, 649. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Prunus insititia L. — Boiss., Fl. Or., II, 651. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Da nur ein steriler Zweig vorliegt, bleibt die Bestimmung 

unsicher; die jungen Triebe sind kurz behaart, die breitlichen 

Blätter unterseits kahl und von auffallend dünner Konsistenz. 

Kosaceae: Pomaccae. 

Pirus amygdaliformis Vill. var. (nov.) persica Bornm. Foliis argute 
serratis rarius (ad ranmlos floriferos) subintegris {= ?F. Per- 
sica Pers., Enchir., III, p. 98); f. typica e fl. Persiae adhuc 
ignota! 

Urumia, in saxorum fissuris (8./VII., steril). 
Pirus salicifolia L. — Boiss., Fl. Or., II, 655. 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru saxosis (12./VI.). 
Malus communis Desf. — Boiss., Fl. Or., II, 656. 

Inter Diliman et Uruinia, in m. Karnaru lissuris (12./VI.). 
Cydonia ohlonga Mill.; C. vulgaris Pers. — Boiss., Fl. Or., II, 656. 

Inter Tebris et KhoY, in hortis pagi Sofian cult. (18./V.). 
Sorl/us forminalis L. — Boiss., Ff. Or., II, 659. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 



Bearbeitimg von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. III 

Mespilus germanica L. — Boiss., Fl. Or., II, 659. 

Karadagh, in silvis caeduis (17. /IX.). 
Crataegus heterophylla Flügge. — Boiss., Fl. Or., II, 663. — 

Hausskn., Exsicc! 

Inter Diliman et Urumia, in m. Karnaru fissuris (12./VI.). 
Crataegus monogyna (Willd.). — Boiss., Fl. Or., II, 664. 

Urumia, in montium lapidosis ad Ser (4./VII.). 
Cotoneaster nummularia F. et M. — Boiss., Fl. Or., II, 666. 

Khoi, in saxosis ad War (29./V.); Khosrowo, in m. Gelosa 

lapidosis (14./ VI., var. ovalifolia Boiss.); Tebris; Isperechan 

in m. Sahend saxosis (5. et 6./VIII.). 

Rosaceae: Roseae. 

Bosa orientalis Dup. — Boiss., Fl. Or., II, 680. 

In m. Tacht-i-Bälkis saxosis distr. Afschar (18./VIII.). 
Spiraea crenata L. — Boiss., Fl. Or., II, 690. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Spiraea Filipendiila L. — Boiss., Fl. Or., II, 691. 

Karadagh, in silvis ad Hasanbeili (17. /IX., c. fr.). 
Buhns caesius L. — Boiss., Fl. Or., II, 692. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.); distr. 

Afschar, in saxosis ad Kiskapan (Ghisgapan) et in faucibus 

inter Hasanabad et Kiskapan (16./VIII.). 
Bubus sanctus Schreb. — Boiss., Fl. Or., II, 695 (B. discolor). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Geum urhanum L. — Boiss., Fl. Or., II, 696. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19. /IX.). 
Fragaria vesca L. — Boiss., Fl. Or., II, 699. 

Karadagh, in dumetis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
PotentiUa^) hifurca L. — Boiss., Fl. Or., II, 707. 

Isperechan, in m. Sahend lapidosis (30./VII.); Tebris, in 

glareosis ad Sendscbanab intra pagum (2. /VIII.); inter Dili- 
man et Urumia; Sorgul, versus Gawilan in lapidum fissuris 

(21./VI.). 



^) Herr Dr. Th. Wolf (Dresden) hatte die Freundlichkeit, die Potentinen 
zu bestimmen. 



112 



Josef Bornmiiller. 



Potentilla argaea Boiss. et Bai. — Boiss., Fl. Or., II, 709. 
Isperechan, ad m. Sahend nives (5./VII.). 

Potentilla kurdica Boiss. et Hohen. — Boiss., Fl. Or., 11^ 711. 
Urumia, in ripis rivi Scher-Tschai (4. /VII.). 

Potentilla hirta L. a. pedata Koch, — Boiss., Fl. Or., II, 713. 

Karadagh; Hasaubeili in silvis caeduis (17./IX., speeimen per- 
pauperum putatum); ibidem ad Alibulach (19./IX., dünn- 
blättrige, schwach behaarte Form, vermutlich im tiefen 
Schatten gewachsen); Tebris, in lapidosis ad Sendschanab 
(l./VIIL); Urumia ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VI1.); inter 
Diliman et Urumia, in apricis pr. Khosrowo (8. /VI., sehr ärm- 
liches Exemplar, vielleicht hybriden Ursprungs: P. hirta X nii- 
rensis). 

Var. laeta (Rchb.)? 

Inter DiHman et Urumia, in m. Karnaru lapidosis (10. /VI.). 

Auch von dieser Pflanze liegt nur ein erbärmliches, 
kaum sicher zu bestimmendes Stück vor. 

Potentilla canescens Bess. — P. inclinata Vill. — Boiss., Fl. Or., 
II, 714. 

Inter Diliman et Urumia; Khosrowo, in m. Gelosa lapidosis 

(14./V1., var. inciso-serrata Th. Wolf). 
Potentilla nurensis Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., II, 720. 

Tebris; Isperechan, ad m. Sahend rivulos (5./VIII.); inter 

Diliman et Urumia, in m. Gelosa pratis (14./VI.). 
Potentilla reptans L. — Boiss., Fl. Or., II, 723. 

Khoi; Karadschal, in ripis humidis (5./VL). 
Potentilla supina L. — Boiss., Fl. Or., II, 725. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./V1I.); Khosrowo, in 

argillosis humidis (8. /VI.). 
Sihhaldia parmjlora\Nm. — Boiss., Fl. Or., II, 727. 

Isperechan, ad m. Sahend nives (G./VUL). 
Afjriwrmia Fjipatoria L. ß. major Boiss. — Hoiss., Fl. Or., 11, 728. 

Digcle fditionis Urumiac) in umbrosis (28. /VI.). 
Alchemilla acutiloha Stcv. — Boiss., Fl. Or., II, 730 (Ä. vulgaris 

ß. major Boiss.). 

Inter Diliman et Urumia, in innl)r()siK ad pedem m. Gelosa 
(14./VI.;. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 113 

Älchemilla vulgaris L. var.? — Boiss., Fl. Or., II, 729. 

Ad m. Saliend rivulos fontososque (4./ VIII.). 

Es liegen nur Fragmente einer sehr kleinen Pflanze 

(mit kahlen Kelchen) vor. 
Älchemilla vulgaris L. subsp. montana Willd. (an subsp. affinis). — 

Boiss., Fl. Or., II, 730 (Ä. vulgaris y. suhsericea). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Poterium Sanguisorha L. — Boiss., Fl. Or., II, 733. 

Khoi, in saxosis pr. War (29. /V., Fragmente einer bltitenlosen 

Pflanze); Khosrowo, in glareosis (9. /VI., c. flor.); Tebris, ad 

Sendschanab in lapidosis (l./VIIL, c. fr.). 

Lythraceae. 

Lythrum Salicaria L. — Boiss., Fl. Or., II, 739. 

Digele (ditionis Urumiae), ad stagni margines (28./VI.). 
Lythrum Hyssopifolia L. — Boiss., Fl. Or., II, 739. 

Urumia, in rivi Scher-Tschai ripis (4./VII.); Sam-kale in rivi 

ripis (13./VIIL) et ad stagni margines pr. pagum Gul (12. et 

22./VIII.). 

Lythrum süenoides Boiss. et Noe. — Boiss., Fl. Or., II, 739. 
In humidis ad Khanian (26./VIII.). 

Onagrariaceae. 

Epilohium hirsutumL. ß. tomentosum (Vent.). — Boiss., Fl. Or., II, 747. 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VI.). 
Epilohium lanceolatiim Seb. et Maur. — Boiss., Fl. Or., II, 747. 

Karadagh, in silvis montanis ad Alibulach (19./VIII.). 
Epilohium minutiflorum Hausskn., Monogr., S. 212. — Syn. : E. 

modestum Hausskn., Monogr., S. 211. 

Urumia, in rivulorum ripis (28. /VI.); ibidem in humidis 
secus rivum Scher-Tschai (2. /VII., f. typica et var. glahrescens 
Hausskn.); Diliman, ad pagum Tschahrik in aquosis (17. /VI.); 
in humidis ad Khanian (26. VIII.). 

Die Wiener Regeln gestatten, dem gleichzeitig mit E. 
modestum Hausskn. publizierten Namen E. minutiflorum den 
Vorzug einzuräumen. E. modestum stellt nur eine kümmerlich 
entwickelte alpine zwergige Form von E. minutiflorum dar. 

Z. B. Ges. 60. Bd. 8 



114 



Josef Bornmüller. 



Epilohiim nervosum Boiss. et Bubse. — Boiss., Fl. Or., II, 749 
{E. roseum ß. siihsessile). — Hausskn., Monogr., S. 197. 
Inter Diliman et Urumia, in saxorum scaturiginosis ad Tschahrik 
(16./VL); disü'. Afscliar, ad Kiskapan (16./ VIII.); Tebris, in 
m. Sahend scaturiginosis (6./ VIII.); Karadagh, in silvis mon- 
tanis ad Alibulach (19./IX.). 

Haloragaceae. 

Hippiiris vulgaris L. — Boiss., Fl. Or., II, 754. 

Kotursu (distr. Afschar), in stagnis (18./VIII.); Tebris, in palu- 

dosis ad Merdise (30. /X.). 
Myriophijllum spicatiim L. — Boiss., Fl. Or., II, 755. 

Khoi, in rivis ad Karadschal (5./VI., absque flor. et fr.). 
Geratopliylliim demersiim L. — Boiss., Fl. Or., IV (addit.), 1202. 

Urumia, in stagnis ad Digele (28. /VI.). 

Cttcurbitaceae. 

Bryonia dioica L. — Boiss., Fl. Or., II, 760. 

Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (16./VI.). 
Ecballium Elaterium (L.) Rieh. — Boiss., Fl. Or., II, 760. 

Karadagh, in ruderatis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Datiscaceae. 

Batisca cannahina L. — Boiss., Fl. Or., II, 763. 

Urumia, in nemoribus secus Scher-Tschai (7. /VII.) et secus 
rivum ad Sameschli (7. /VII.). 

Crassulaceae. 

Umhilicus Lihamticus Lab. ß. glaher Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
II, 772. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris (10. et 12./VI.); Urumia, in 

saxosis ad Ser (8./VII.). 
Srdum stolo7tifcrum Gmel. — Boiss., Fl. Or., II, 779. 

Karadagli, in muscorum hipidosis ad Alibulach (19./IX.). 
Sednm album L. — Boiss., Fl. Or., II, 781. 

Diliman, in m. Karnaru glareosis (12./VI.); Ispcreclian, in m. 

Salicnd lapidosis (5. /VIII. j. 



Bearbeitimg von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 115 



Sedum gracile C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., II, 781. — Balansa, 
Exsicc, Nr. 1349 b! 

Karadagh, in lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.) et Alibulach 
(19./IX.). 

Sedum hispanicum L. ß. Buxbaumii Griseb. — Boiss., Fl. Or., II, 

789 [S. glaticum W. K. ß. eriocarptim Boiss.). 

Diliman, in saxosis ad Tscbahrik (16./VI.) et in m. Karnaru 

glareosis (10. et 12./VI.). 
Sempervivum globiferum L. — Boiss., Fl. Or., II, 797. 

Karadagh, in saxosis ad Hasanbeili (16./VI.). 

Saxifragaceae. 

Saxifraga sibirica L. — Boiss., Fl. Or., II, 807. 

Isperechan, ad m. Sahend rivulos (5. /VIII.). 
Saxifraga Huetiana Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 812. 

Extra fines Persiae: Anatoha borealis, in collibus hiimidis ad 

Trapezuntum (8./IV.). 

Umbelliferae. 

Sanictda europaea L. — Boiss., Fl. Or.. II, 832. 

Distr. Karadagh, Alibulach in silvis caeduis (19./IX., c. fr.). 

Bupleurum Wolfßanum Bornm. spec. nov. (descriptio in Wolff, 
Monogr. BupL; Engler, Pflanzenreich, 1909, S. 93, Nr. 33).^) 
Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

^) B, Wolffianum Bornm. uov. spec. — Ännuum; gracile; caulis 
erectus, elatus, usque suhmetralis, tenuis, supra basin l^lz—S mm crassus, in- 
ferne teres, simplex, remote foliosus, superne angulosus, laxe ramosus, ramis 
suberectis vel erecto-patenWbus quam caulis multo tenuioribus, usque 30 cm longis, 
ramulosis, ramulis ßiforniibus, rectis, subnudis, subsimplicibus. FoUa inferiora 
post anthesin, basi brevi amplexicauli excepta, jam emarcida, media caulina 
anguste oblongo - lanceolata, usque 10 cm longa, medio 8 — 10 mm, lata, basin 
versus sensim subcunmto-angustata, deinde basi ima Herum in vaginam latam, 
amplexicaulem dilatata, apicem versus longiuscule vel breviter aciiminata, acuta, 
cuspidata, inferne 9-, apice 3—4 nervia, nervis utrinque subaequaliter promi- 
nentibus, supra subinconspicue, subtus manifestius venosis; folia caulina supe- 
riora rameaque cito decrescentia, summa minima, subsubulata. Umbellae liaud 
numerosae, pedimculis filif ormibus, strictis, 3— 4cm longis suffultae, 
plerumque 2 radiatae, radiis subaequalibus vel inaequalibus, filif ormibus, 
strictis, 2—4 cm longis; involucri phylla 2—3, perparva, subsetacea, acutis- 

8* 



116 



Josef Bornmüller. 



Bupleurum rotundifolium L. — Boiss., Fl. Or., II, 836. 

Urumia, in arvis (28. /VI); ibidem ad Dise-siamek (30./VI.). 
Bupleurum gracile (DC.) var. gilanicum Wolff, Monogr. — Boiss., 

Fl. Or., II, 842 (typ. sub B. Marsclialliano C. A. Mey.). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili et Alibulach (17. et 

19./IX.). 

Bupleunm exaltatum M. B. var. linearifolium (DC.) Boiss. — Boiss., 
Fl. Or., II, 849 (pro spec.). — Forma hrevipedicellatum Wolff, 
Monogr. 

Isperechan, in graminosis m. Sabend (30./VII.). 

Beutera aurea (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 863. 

Urumia, in saxosis pr. Ser (8./ VII.); Isperechan, in m. Sahend 
saxosis (4./VIII. 1884). 

Die vorliegenden zwei Individuen vom Sahend, offenbar 
aus höherer Lage, sind äußerst dürftig, niedrig, im ersten 
Stadium der Blüte. Der Wurzelhals trägt einen dicken Faser- 
schopf; die Wurzelblätter sind nur einfach gefiedert. In Form 
und Behaarung sind dagegen die Blättchen mit denen der normal 
entwickelten Pflanze (von Ser) völlig überstimmend, welche 
an der einjährigen Rosette mitunter ebenfalls einfach gefiederte 
Blätter aufweist. Zu Beutera tragioides Boiss., die ich am klas- 
sischen Standort im Elburs unlängst selbst aufsuchte, können 
vorliegende Individuen vom Sahend keinesfalls gezogen werden. 

Pimpinella puherula (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 866. 

Distr. Adschari, in nemoribus secus rivum (Dschagatu) ad 
Sain-kale (13./VIII.). 

Bimpinella af'finis Ledeb. — Boiss., Fl. Or., II, 868. 

Urumia, in graminosis ad Dise-siamek (30./ VI.) et in umbrosis ad 
Digele(28./Vl.) et in nemoribus secus rivumScher-Tschai(2./VII.). 

sima, 8uhtU8 Icviter carinata, iisqiie 3 mm lonfja. Involucelli phylla (3—) 5 eis 
involucri mhconf ormia, minor a, siibtus suhcarinata, umhellulis fructifcris di- 
midio hrtviora. IJmbdlulae 3—5 florac, petala . . .; pedicelli tenuissimi, fructihm 
niffricanti-hrunneis, ellipHoidco-ohlonfjis, apice truncatis, ca. 3 mm lonffis, l^jimm 
latiü, 2—^3pl() breviores; ntylopodium minimum; slyli brevissimi reflexi; ju(i<i 
lenuiftHimo, fUiformid, purum promincntia; mericarpia transvcrsc suborbiculari« : 
pericarjnum tenuisiiimum; rittae purvac, valleculares binae vcl lernae, commissu 
rnle» !J: etidoHprninmn facie Mubp/finum. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 117 

Pimpinella KotscJiyana Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 870. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Pimpinella Tragium Vill. — Boiss., Fl. Or., II, 871. 

Urumia, in pratis montanis ad Ser (8./VII.). 
Fimpinella Saxifraga L. — Boiss., Fl. Or., II, 873. 

Distr. Afschar, inter Kotursu et Sarschuran (Zaraschora) in 

faucibus (18./VIII.). 

Scaligeria rotundifolia (M. B.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 876. 
Karadagh, in muscosis saxosis ad Alibulach (19./VIII.). 

Pimpinella falcarioides (Hausskn. herb, sub Scaligeria) Bornm. 
et WolfF spec. nov. 

Planta hiennis (monocarpia), gldberrima, 1 — l'5pedalis, 
radice napiformi instructa; caulihus suhsolitariis, suhnudis, 
parce ramosis; foliis hasilarihus petiolatis; petiolo crassitisculo, 
applanato, hasi in vaginam brevem angustam dilatato, 2 — 3 cm 
longo: lamina firma, plerumque simplice (rarissime ad hasin 
foliolis hinis hrevibiis vel unilateraliter imico ovato cordato 
auctafolium ternatum vel semiternatum formante), ovato-ohlonga 
vel linear i-ohlonga vel lineari, hasi cordata vel siihcordata, apice 
hreviter acuminata, acutiiiscula, margine cartilagineo toto dense 
crenato-serrata (serraturis minimis, suh lente scahriusculis mu- 
crone hrevissimo siirsum spectante instnictis, ad apicem laminae 
versus vix decrescentihus) , 2 — 5 cm longa et 0'6 — l'2cm lata, 
6—lOnervia, nervis lateralihus interiorihus nervo medio suh- 
parallelis ceteris palmatis; foliis catdinis infimo interdum ex- 
cepto ad vaginam memhranaceam reductis vel laminam minutam 
trisectam vel paucijtigam segmentis linearihus gerentihus: um- 
hellis 5 — 8-radiatis, radiis teretihus, inaequilongis, fructiferis 
2 — 2'5cm longis; involticro et involucello nullo; umhellulis 
ad 12-floris inaequaliter pedicellatis, pedicellis ca. 5 mm longis, 
erectis, crassiuscidis ; florihus albis; petaloriim omnium suh- 
aequalium (exteriorum non radiantium), lamina rotundata, 1mm 
lata, hilohato-emarginaia; fructihus submaturis ovoideis, a 
latere manifeste compressis, ad commissuram constrictis, ad 
apicem versus patdo attentiatis; calycis dentibus minimis, sed 
conspicuis; stylopodio conoideo, humili, margine undulato; 



118 



Josef Bornmüller. 



stylis reflexis, stylopodio suhdiqüo longioribus; jugis frudus 
ad 3 mm longi vix conspicuis. 

Urumia, in salsis inter Sahatli et Guschtschi (20./VII., 
flor. et fr.); distr. Afschar, ad aquas minerales pr. Achmedabad 
(19./VIIL, flor.). 

Durch die meist ungeteilten linear-länglichen Blätter (nur 
äußerst selten finden sich an der Basis der Blattfläche kleine 
Seitenblättchen vor), die lebhaft an die Blattabschnitte von 
Falcaria sioides (Wib.) Aschers. (= F. Rivini Host) erinnern, 
und durch die rübenförmige Wurzel nimmt diese die Salz- 
steppen bewohnende Pflanze unter den Arten der Gattung 
Fimpinella eine ziemlich isolierte Stellung ein und es sind 
völlig ausgereifte Früchte abzuwarten, bis über die Gattungs- 
zugehörigkeit ein definitiv giltiges Urteil gefällt werden kann. 
Überraschend ist, daß diese Pflanze ein ziemliches Verbreitungs- 
areal aufweist, d. h., daß sie in den Salzsteppen Kleinasiens 
(Kappadoziens) wiederholt gefunden wurde, bisher aber un- 
beschrieben blieb. W. Siehe sammelte sie im Jahre 1898 
„zwischen Binsengestrüpp am Salzsee bei Ewerek" und ver- 
teilte sie ohne Namen (Exsicc. Nr. 241). Wohl erst später 
hat Haussknecht in seinem Herbar dem ihm vom Sammler 
zur Bestimmung übergebenen Exemplar den Namen ,^?Scali- 
geria falcarioides spec. nov." beigeschrieben. Vor zwei Jahren 
bereiste Herr H. Wolff die gleichen Gebiete und traf sie 
(l./MI. 1907) im blühenden Zustande in der Salzsteppe süd- 
östlich von Konia an (H. Wolff, Iter Anatol., I, Nr. 123). — 
P. falcarioides besitzt somit ganz das gleiche Verbreitungs- 
gebiet wie Inula Seidlitsii Boiss., welche bisher nur vom 
Urumia-Seegebiet bekannt war und neuerdings ebenfalls mehr- 
fach in den Salzstepi)en bei Konia beobachtet wurde, auf 
diese beiden Gebiete, soweit unsere heutigen Kenntnisse reichen, 
aber beschränkt zu sein scheint. 
Carum Carvi L. — Boiss., Fl. Or., II, 878. 

Tebris, in pratis supra pagum Sendschanab (l./VIll.). 

Die Exemplare zeichnen sich durch sehr breite hyaline 
Schneiden der obersten fmeist verkürzten) Stengelblilttcr aus. 
Dieselbe Form, die ich als f. macrohymcnum Bornm. im Ilcrbar 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 119 

bezeichnet hatte, sammelte ich im Jahre 1892 in Südpersien 
am Fuße des Laiesar bei 3000 m Seehöhe (Provinz Kerman). 

Biinimn elegans (Fenzl) Freyn, Österr. Bot. Zeitschr., 1892, S. 83. 
— Boiss., FL Or., II, 883 (sub Caro). 
Uriimia, in arvis ad Dise-siamek (30./VI.). 

Bunium cylindricum (Boiss. et Hohen.) Drude in Engl. u. Prantl, 
N. P.-F., YIII, S. 194. — Boiss., Fl. Or., II, 885 (sub Caro). 
Diliman in arvis ad Khosrowo (8. /VI., c. flor. et fr.); Tebris, 
in agris ad Sendschanab (l./VIIL); Urumia, in arvis ad 
Digele (28./VL). 
ß. minus Freyn in Sint., Exsicc. Transcaspiae. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12. /VI., flor. et fr.), 

Bunium caroides (Boiss.) Bornm. in „Plantae Straussianae" (Beihefte 
d. Bot. Zentralbl., Bd. XIX [1905], S. 259); Carum Elvendia 
Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 888 (1872). — Elvendia caroi- 
des Boiss., Ann. Soc. Nat. (1844). 

Inter Tebris et Khoi, in arvis ad Marand (19./V.); Tebris, in 
arvis (2./V.). 

Die kümmerlichen Exemplare sind noch ohne Frucht- 
ansatz, doch ist die Bestimmung kaum anzuzweifeln. 

Sium lancifolium M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 888. 

Distr. Afschar, ad sepes et in dumetis ad Sarschuran (19./VIII.). 

Berula angustifolia (L.) Koch. — Boiss., Fl. Or., II, 889. 
Tebris, in paludosis ad Merdise (30./IX.). 

Falcaria sioides (Wib.) Aschers. (F. Rivini Host) ß. persica (Stapf 
et Wettst., Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, S. 48, 1886) 
Hausskn. in Bornm. in „Plantae Straussianae" (Beihefte d. 
Bot. Zentralbl., Bd. XIX [1905], S. 259). 
Tebris, in lapidosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Grammosciadium pterocarpum Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 900. 
Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14./VI.). 

Grammosciadium longilohiim Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., 
n, 900. 

Urumia, in arvis ad Ser (8. /VII.). 
ChaeropJiyllum macrospermum (Wild.) Fisch, et Mey. — Boiss., 
Fl. Or., II, 904. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII., c. fr. mat.). 



120 



Josef Bornmüller. 



Anthiscus Cerefolmm (L.) Hoffm. — Boiss., FL Or., II, 913. 
Diliman, in fissuris m. Karnaru (lO./VI.). 

Scandix Peden Veneris L. — Boiss., Fl. Or., II, 913. 

Khoi, in arvis ad Karadschal (5./V1.) et ad Geseilt (30./V.). 

Scandix iherica M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 915. 

Inter Tebris et Khoi, in agris ad Marand (20./V.); Khoi, in 
agris (30./V.) et ad Gescht (30./V.); Tebris, in arvis ad Send- 
schanab (l./VIIL). 

Scandix pinnatifida Vent. — Boiss., Fl. Or., II, 916. 

Tebris, in collibus arenosis ad Lala (2./V.); inter Tebris et 
Khoi, ad Sendschire in argillosis (21. /V.); Khoi, in lapidosis 
(27. /V.); Urumia, in lapidosis umbrosis ad Ser (8./VII.). 

Scandix Äucheri Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 916. 

Khoi, in saxorum argillosis pr. War (29. /V.); Marand, in lapi- 
dosis (19./V.). 

Nota: ,^Sc. falcata Londes = Sc. grandiflora Boiss., Fl. 
Or., p. p.", in Stapf, Bot. Erg-. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, S. 54, 
gehört zu Sc. iherica M. B. — „Sc. iherica^' Stapf in Sint., 
Exsicc. Nr. 314 (Mesopotamien) = Sc. grandiflora L. — „Sc. 
iherica" in Boiss., Fl. Or., quoad pl. a Haussknecht pr. 
Aleppo et fluv. Chabur lectas = Sc. grandiflora L. — „Sc. 
grandiflora" Heldr., Herb, norm., Nr. 1210 = Sc. australis L. 
Bifora radians M. B. — Boiss., Fl. Or., II, 922. 

Urumia, in arvis ad Dise-siamek; Diliman, in agris ad Khos- 
rowo (9./VI.). 

Trachydium depressum Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 929. 

Isperechan, ad m. Sahend nives (4./VIII., flor.); in m. Sahend 

scaturiginosis (6. /VI II., flor.). 
Pra7igos idoptera ÜC. — Boiss., Fl. Or., II, 940. 

DiHman, in m. Karnaru (lO./VL); 
Echinophora plaUjloha DC. — Boiss., Fl. Or., II, 948. 

Distr. Adschari, SaTn-kale, in lapidosis (21. /VIII., flor.). 
Lihanoflfi montana All. — Seseli Lihanotis (L.) Koch. — Boiss., Fl. 

Or., II, 967. 

Var. lasiopetala Bornm. (var. nov.). Fetalis extus (praesertim infra 
)nrdiinnj ixtrcr Jnspididis (nec glahris ut in iypo). 
Karadagh, IlasanbcYli in silvis caeduis (17. /IX., flor.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 121 

Silaus x)eucedanoides (M. B.) Kerner, Österr. Bot. Zeitschr., 1870, 
S. 91. — Boiss., Fl. Or., II, 974 (1872). 
Karadagh, Alibulach in silvis caeduis (19./IX., c' fr. mat.); 
Ispereclian, in m. Sahend fissuris (5. /VIII., flor.). 

Tommasinia purpurascens (Lallem.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 979. 
Isperechan, in m. Sahend depressis (4./yiII., c. flor. et fr. jiiv.). 

Feruta ScJilechtendalii Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 985. 
Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII., c. fr. mat.). 

Ferida ovina Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 987. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12./VI., flor.).; forma folio- 
rum segmentis minus linearibus, tota planta dense scabridula- 
velutina; eadem forma in Persiae borealis m. Elburs occurrit 
(Bornm., Iter persicum alter um, Nr. 7171, sub F. galhaniflua 
Boiss. et Buhse distributa). 

Feridago platycarpa Boiss. et Bai. — Boiss., Fl. Or., II, 1000. 
Urumia, in saxosis ad Ser (8./VII., flor.). 

Johreuia paucijuga (DC.) Bornm. — J. Candollei Boiss. — Boiss., 
Fl. Or., II, 1012. — Seseli leucoleum Stapf et AYettstein in 
Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. II, S. 50, 1886. 
Sine indieatione loci (in prov. Adserbidschan). 

Peucedanum Knappii Bornm. spec. nov. 

Descriptio (speciminis valde incompleti): Flanta 2' D-pedalis 
et altior, perennis; caule ad hasin vaginis foliorum veüistorum 
longis, latissi77iisque pallidis obsito; foliis pedalibus hngissime 
petiolatis (petiolis junceis), anibitu ohlongis, remote in lacinkis 
(saltem inferiores) hngissime petiohdatas hiternatim pinnatis, 
segmentis lineari-lanceolatis planis (non junceis), apicem versus 
saepe laciniato-incisis vel -trifidis; caulihus junceis aphyllis 
vel suh aphyllis, a medio longe furcato-ramosis iterimque ramii- 
losis; ramulis lateralihus in unihellidam solitariam exeuntihus, 
terminalihus umbellam stihtriradiatam gerentihus; involucro 
et involucellis, tit videtur, mdlis an mox deciduis; umhellu- 
larum radiis 5 — 7, 4 — 5 mm longis, non incrassatis; meri- 
carpiis (immaturis) lineari-ellipticis, pedicello dimidio hreviori- 
hus; stylis longiuscidis, stylopodio late conico ohtitso, 4 — 5-plo 
longiorihus, rectis, paido inter se diver gentihus. 



122 



Josef Bornmüller. 



Kotursu, in pascuis montanis (distr. Afschar, Tacht-i- 
Soleiman). 

Peucedanum spec. nov. (?). 

Ex affinitate antecedentes sed ex fragmentis perpauperis 
vix rite describendum ; a P. Knaxypii (habitu simili) differt 
praesertim foliorum segmentis brevioribus, caule ad dicho- 
tomias et ad ramulos vaginulis triangularibus minimis latissime 
hyalino-marginatis obsito, involucellis oblongis albo-hyalinis. 

Ser, in lapidosis (8./VIL). 

Die Existenz häutiger Hiillblättchen und mehr noch die 
breiten Hautränder der kleinen Blattscheiden der obersten 
Stengelteile machen es höchst unwahrscheinlich, daß vorliegen- 
des Bllitenexemplar zur oben beschriebenen, nur im jugend- 
lichen Fruchtstand bekannten hüUblättchenlosen Pflanze (P. 
Knappii Bornm.) gehört. Beide Pflanzen erinnern in der 
Tracht an eine Johrenia fungosa; da die Endabschnitte der 
Blätter nicht stielrund sind, können die beiden neuen Arten 
nicht der Gruppe Juncea" (Boiss., Fl. Or.^ II, 1015 — 16) 
zugezählt werden, sondern sind vorläufig zu ,^Eu-peucedana" 
und da neben P. graminifolium Boiss. zu stellen, letztere eine 
Art der kleinasiatischen Flora und weit verschieden durch 
8 — 9 strahlige Dolden mit pfriemförmigen, zurückgeschlagenen 
Htillblättchen. 

Aiiethiim graveolens L. — Boiss., Fl. Or., II, 1026, 
Sain-kale, in arvis (13. /VIII.). 

Cynibocarpum anethoides (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1028. 
Diliman; Khosrowo, in arvis (9./VI.). 

Die Exemplare, ohne Frucht, sind äußerst dürftig un 
zwergig. Die ganz jugendlichen Fruchtknoten lassen abe 
bereits die sehr eigenartigen Erhabenheiten („mericarpiis |>rw 
noso-]juherulis" ) erkennen, so daß die Zugehörigkeit zu ein 
anderen Art dieser Gattung, etwa C. marrfinatum Bois 
(welches kurzborstige TeilfrUchtchen besitzt und das ich u 
längst bei Teheran zu sammeln Gelegenheit hatte), auße 
Frage kommt. rrijthracuDi (D(j.j Boiss. und C. Wiedemann 
BoiHft. besitzen kalilc Früchte. 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 123 

Zosimia ahsinthifolia (Vent.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1037. 
Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII., c. fr.); Marand, 
in collibus apricis (19./V., 1884, flor.). 

Heracleum lasiopetalum Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1042. 

Distr. Afschar; Tacht-i-Bälkis in summis asperis (18. /VIII.). 

Heracleum pastinacifolium C. Koch. — Boiss., Fl. Or.^ II, 1047. 
— H. Sisianense Boiss. et Buhse, Aufz., S. 101. 
Tebris, in pratis humidis ad Sendsclianab (I./VIIL). 

Die Blattgestalt ist an den vorliegenden Fruchtexem- 
plaren nicht sicher zu erkennen; Vergleichsmaterial steht mir 
von dieser bisher nur von Buhse und C. Koch gesammelten 
Art nicht zu Gebote. Obwohl die Knapp sehe Pflanze durch 
glatte, nicht rauhe Doldenstrahlen (allerdings im Fruchtzustand) 
von der Diagnose abweicht, dürfte sie doch dem durch „vittis 
dorsalihus ^j-sO) mericarpii suhattingentihus , commissuralihus 
7iullis" ausgezeichneten H. pastinacifolium C. Koch mit ziem- 
licher Sicherheit angehören. 

Malahaila spec. [ex äff. M. Äucheri Boiss. vel M. pimpinellifoUae 
(M. B.) Hoffm.]. 

Khosrowo (ditionis oppidi Diliman), in siccis sterilibus (10. /VI.). 
Ohne Früchte und Wurzelblätter kaum zu bestimmen. 
Daucus pulcJierrimus (Willd.) Koch. — Boiss., Fl. Or., II, 1072. 
Karadagh, in lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.) et Alibulach 
(19./IX.). 

Daucus persicus Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1072. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (lO./VL); Urumia, in collium 

glareosis (2./ VI.); Tebris ad Sendschanab (l./VIIL). 
Daucus Carota L. — Boiss., Fl. Or., II, 1076. 

Urumia, pr. Bend in nemore ad rivum (8./VII.). 
Toriiis Änthriscus (L.) Gmel. — Boiss., Fl. Or., II, 1081. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Toriiis neglecta Roem. et Schult. — Boiss., Fl. Or., II, 1083. 

Urumia, in nemore ad rivum pr. Bend (8./VIL); Karadagh, 

in dumetis ad Alibulach (19./IX., c. fr.). 
Caucalis daucoides L. — Boiss., Fl. Or., II, 1084. 

Khoi, in arvis (23. /V.); Diliman, in agris ad Khosrowo (8./ VI.) 

et in m. Gelosa argillosis (14./VI.). 



124 



Josef Bornmüller. 



Caucalis leptophjUa L. — Boiss., Fl. Or., II, 1084. 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in glareosis (12./VI.); Urumia, 
in saxosis ad Ser (8. /VII.). 

Caucalis Stocksiana Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1086. 
Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII.). 

Turgenia latifolia (L.) Hoffm. — Boiss., Fl. Or., II, 1087. 

Diliman, in agris pr. Khosrowo (8. /VI); Urumia, in arvis 
(28. /VI.); Tebris, in declivibus lapidosis ad Sendsclianab 

(i./vm.). 

Lisaea heterocarpa (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., II, 1088. 

Urumia, in arvis (28. /VI.); ibidem ad Gök-tepe in agris 
(26./VI.). 

Cornaceae. 

Cornus mas L. — Boiss., Fl. Or., II, 1093. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.) et ad Ali- 
bulach (19./IX.). 

Cornus sanguinea L. ß. ausfralis (C. A. Mey.). — Boiss., Fl. Or., 
II, 1093 (spec). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Caprifoliaceae. 

Viburnum Lantana L. — Boiss., Fl. Or., III, 3. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Lonicera iherica M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 6. 

Karadagh, in silvis caeduis ad HasanbeiH (17. /IX.). 

Lonicera cancasica Fall. — Boiss., Fl. Or., HI, 8. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.) et ad Ali- 
bulach (H)./IX.). 

liubiaeeeii. 

Itnl)ia finctonnn L. — Boiss., Fl. Or., III, 17. 

Khoi, in dumetorum graminosis (27. /V., absque flor.); Diliman, 

[)r. Khosrowo in dumetis (H./VI., absque Hör. et fr.); Urumia, 

in versuris (28./ VJ., Wox.). 
(Jrurianrlla fxnsjwrata Fisch, et Mey. - lioiss., Fl. Or., III, 22. 

Tchris. in lapi(h)MiH ad Sendsclianab (L/VUl.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 125 



Cmcianella glauca A. Rieh. — Boiss., Fl. Or., III, 24. — F. verg. 
ad ß. laxifloram Boiss. 
Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12. /VI.). 

Asperula glomerata (M. B.) Griseb. — Boiss., Fl. Or., III, 28. 

Diliman, in lapidosis pr. Tschahrik (17. /VI.); Khoi, in lapi- 
dosis (27./V.); Urumia, pr. Ser in lapidosis (8./VII.). 

Asperula setosa Jaub. et Spach. — Boiss., Fl. Or., III, 30. 

Khoi, ad War in montiiim argillosis (29. /V., f. flor. pallide caeru- 
leis); Tebris, in agris ad Sendschanab (l./VIL, f. flor. albidis!). 

Asperula odorata L. — Boiss., Fl. Or,, III, 43. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.) et Ali- 
bulach (19./IX.). 

Asperula humifusa M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 44. 

Urumia, in agrorum versuris locisque aridis lapidosis pr. Dise- 
siamek (30./VI.). 

Galium suhveluünum (DC, 1830) Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., 
Bd. I (1885), 52. — G. leiophyllum Boiss. (Diagn., 1840) 
ß. suhvelutinum Boiss., Fl. Or., III (1875), 51. 
Distr. Afschar, in alsperis m. Tacht-i-Bälkis (18. /VIII.). 
ß. leiopliyllum (Boiss., Diagn. pro spec.) Bornm. in Bull, de FHerb. 
Boissier, 1906, p. 774. - Boiss., Fl. Or., III, 51 (spec). 
Sahend; Isperechan, in graminosis (30./VII. 1884, c. fr.). 

Galium Jiyrcanicum C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 51. — 
Hohenacker, Exsicc! 

Ditionis oppidi Diliman in m. Karnaru glareosis (12./VI.). 
Galium verum L. — Boiss., Fl. Or., III, 62. 

Urumia, in aridis colhbus (2. /VII.); Sahend; Isperechan, in 
lapidosis (4./VIII.); Karadagh, in apricis lapidosis ad Alibulach 
(19./1X.). 

Galium i/ricorne With. — Boiss., Fl. Or., III, 67. 

Khoi; in segetibus (23. /V.); Diliman, in lapidosis ad Tschahrik 
(16./VL). 

Galium spurium L. /. tenerum Gr. et Godr. — Boiss., Fl. Or., III, 69. 
Diliman, in m. Gelosa (lO./VI.) lapidosis et in m. Karnaru 
(14./VI.). 

Berichtigung. Galium ghilanicum Stapf (Bot. Erg. 
Pol.-Exp. n. Pers., Bd. I, S. 53, 1885) gehört, wie ich bereits 



126 



Josef Bornmiiller. 



(Bull, de THerb. Boissier, 1906, p. 776) vermutend aussprach, 
in den Formenkreis von G. parisiense L. und ist nichts an- 
deres als die bereits aus ISIordpersien (Siaret, leg. Bunge) 
bekannte Varietät y. hrachypodum Boiss., Fl. Or., III, 72. 
Meine Exemplare stimmen mit den von Boissier zitierten 
Exemplaren Balansas (Nr. 586) aus Kilikien exakt überein. 
Mit 6r. spurium L. liegt, wie schon Freyn aussprach, keine 
Verwandtschaft vor. — Ferner ist die von mir aus dem Elburs- 
gebirge als G. spurium L. /. tenerum Gr. et Godr. ausgegebene 
Pflanze (Nr. 7123) und ebenso das am Kuhi-Dschupar bei 
Kerman im Jahre 1892 gesammelte südpersische Galium 
meiner Exsikkateu (Nr. 3596) als G. ihicinum Boiss. et Hausskn. 
richtig zu stellen (verglichen mit den authentischen Exem- 
plaren des Herbar Haussknecht!). 

Galium nigricans Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 73. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./ VII.); Isperechan, in 
glareosis m. Sahend (3./VII.). 

Galium chloroleucum Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 75. 
Khoi (loc. class.), in saxorura glareosis ad War (29./V.). 

Galium verticillatum Danth. — Boiss., Fl. Or., III, 78. 

Khoi, in saxosis ad War (29. /V.); Diliman, in m. Karnaru 
fissuris (12./VI.). 

Galium humifusum (Willd., 1805) Stapf in Beitr. z. Fl. Lyc. Car. 
Mesopot., Bd. I, S. 35 (1885 = G. coronatum Sibth. et Sm., 
1806), y. stenophyllum Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 79. — 
Syn. G. Persicum DG. 

Inter Tebris et KhoY, in lapidosis ad Marand (19./V.); Khoi, 
in saxosis glareosis ad War (29./ V.); Diliman, in glareosis ad 
Khosrowo (9./VI.). 
CallipeUis Cucullaria (L.) DG. — Boiss., Fl. Or., III, 83. 
KhoY, in saxosis üssuris pr. War (29./ V.). 

Valcriaiiaceac. 



Valeriana sisymhriifolia Desf. — Uoiss., FI. Gr., III, 88. 

Diliman, in mi. Karnaru fissuris fl2./VI.) et in ui. Gelosa saxosis 
(14,/Vl.j. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 127 

Valeriana leucopliaea DC. — Boiss., Fl. Or., III, 91. 

Diliman, in m. Gelosa fissuris (14./VI.). 
Valerianella oxijrrlujncha Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III. 98. 

Khoi, in saxorum argillosis pr. War (29. /V.); Diliman, in m. 

Karnani lapidosis (12./VI.). 
Valerianella plagiostepliana Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 100. 

Kho'i, in saxorum glareosis ad War (29./V.). 
Valerianella Szovitsiana Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 101. 

In arvis pr. Marand (20./V.); Diliman, ad pedes m. Karnaru 

(lO./VL). 

Valerianella Bufresnia Bge. — Boiss., Fl. Or., III, 109. 

In arvis ad Khoi (27./V.); in aridis ad Tebris (2./V.) et 
Marand (21./V.). 

Die Fruchtknoten einiger Exemplare von Marand sind 
(weil noch blühend) fast kahl; Exemplare mit jungen Früchten, 
vom gleichen Standort und am gleichen Datum gesammelt, 
zeigen bereits einen schwachen Filz, der erst mit zunehmen- 
der Fruchtreife zu einem dichten weißen Wollpelz anwächst. 

Valerianella coronata (Willd.) DC. — Boiss., Fl. Or., III, III. 
Diliman, ad pedem m. Karnaru in glareosis (12. /VI). 

Dipsaceae. 

Dipsacus laciniatus L. — Boiss., Fl. Or., III, 116. 

In pratis distr. Afschar, ad Hasanabad (15./ VIII.). 
Dipsacus strigosus Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 116. 

In nemoribus pr. Hasanbeili (distr. Karadagh, 17. /IX.). 
Cephalaria syriaca (L.) Schrad. — Boiss., Fl. Or., III, 120. 

Urumia, in arvis ad Digele (28. /VI.). 
Ceplialaria pilosa Boiss. et Huet. var. glahrescens Boiss. et Buhse, 

Aufz., S. 112. — Boiss., Fl. Or., III, 125. 

Isperechan, m. Saheud in lapidosis (4. /VIII., c. flor. et fr.); 

ibidem in graminosis (30./VII., 1884, c. flor.; f. 2;;/wi<7a, tota 

planta 6 — 15 cm tantum alta, canle simplice monoceplialo). 
Scahiosa crinita Ky. et Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 133. 

Karadagh, in dumetis ad Hasanbeili (16. /IX.). 
Scahiosa cancasica M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 136. 

Karadagh, inter Alibulach et Dehli in graminosis (29./IX.). 



128 



Josef Bornmüller. 



Scahiosa ucranica L. — Boiss., Fl. Or., III, 139. 

Diliman, in lapidosis pr. Tschahrik (16./VL); Urumia; ad Dise- 

siamek (30./VL). 
Scahiosa Olivieri Coult. — Boiss., Fl. Or., III, 141. 

Diliman, in apricis lapidosis ad Tschahrik (17. /VI.). 
Scahiosa palaestina L. s. per sica Boks. — Boiss., Fl. Or., III, 144. 

Ad Diliman, ad Tschahrik (17. /VI.) et ad pedem m. Karnaru 

in apricis (lO./VI.). 
Fteroceplialus camis Coult. — Boiss., Fl. Or., III, 151. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (B./VIL). 

Compositae: Tubuliflorae. 

Galatella punctata Gass. — Boiss., Fl. Or., III, 160. 

Karadagh, Hasanbeili in silvis caeduis (17./IX.); distr. Tacht-i- 
Soleiman, in glareosis ad Ach-dere (16. /VIII.). 

Erigeron canadensis L. — Boiss., Fl. Or., III, 163. 
Karadagh, Alibulach in silvis caeduis (19. /IX.). 

Erigeron Bungei Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 164. 

Prope Tacht-i-Soleiman ad aquas minerales pr. Achmedabad 
(17. /VIII.); planta nostra formam pumilam 5 — 6 cm altam, 
caulibus suhsimplicihus 1 — 3-floris sistit, planta a cl. Strauss 
a. 1889 in Persia occid. pr. Suitanabad (in monte Raswend) 
lecta est f. typica pedalis a basi ramosissima. 

Erigeron acer L. — Boiss., Fl. Or., III, 166. 

Urumia, in nemoribus secus rivum ad Bend (8. /VII.); Tebris, 
in declivibus graminosis ad Sendschanab (l./VIIL); Karadagh, 
in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Erigeron amorplioglossus Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 166. 

Distr. Afschar, in m. Tacht-i-Bälkis, in lapidosis (18. /VIII.). 

Erigeron Ancheri (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 170. 
Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./ VII.). 

Erigeron khorassanicus Boiss. — Boiss., Fl. Or., HI, 170. 
Tobris, in montosis ad Sendschanab (l./VIII.). 

Erigeron arachnoideus Bornm. (spec. nov.) in Mitt. d. ^rhiiring. 
Bot. Vor., N. F., Bd. XX 11 (1907), S. 42—43. 

Sectio: Conyxaslnnn; nionocarpica (Boiss., Fl. Or., III, 
169 — 170). Annuus, Iota ptanta, pracsertlm ad caules, ramos 



Bearbeitung- vou im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 129 



pedimculos folioriimque margines, longissime et tentiissime 
floccoso-arachnoideo-lanata, pallide virens; caule speci- 
minis unici procero, elato, 60 — 70 cm alto, angulato-striato, 
folioso, a medio longissime ramoso, ramis flexuosis paniculam 
amplam formantihus; foliis papyraceis, infimis anthesi ineiinte 
evanidis, caulinis inferiorihus magnis (maximis 10 — 15 cm 
longis, 2' 5 cm latis), ohlongo-lanceolatis, in petiolum longius- 
culum attenuatis, integris, rarius remote repando-denticulatis 
(dentibus in utroque latere 2 — 3), uninerviis, siiperiorihus demi- 
mitis hasi rotundata sessiUhus; panictilae ramulis longius- 
culis; capitulis mediocribus, fructiferis 1 cm latis (magni- 
tudine ui in E. Äucheri Boiss.), pedicello eis aequilongo vel 
2-plo longiore suffultis; involticri pliyllis hiserialihus, dorso 
sparsim pilosis, lineari-lanceolatis, late hyalino-marginatis, 
pappo paulo (quarta parte) hreviorihus; achaeniis ohlongis, 
1'5 mm longis, suhcompressis, hasin et apicem versus hreviter 
attenuatis, liispido-hirsutis; pappo sordide alho 16 — 20-seto, 
achaeniis duplo longiore. 

Distr. Adschari, pr. Sain-kale in nemoribus secus rivum 
Dschagatu (IS./VIIL). 

Die neue Art gehört in den Verwandtschaftskreis von E. 
aegyptiacus L. und E. Äucheri (DC.) Boiss.; mit letztgenannter 
Art hat sie genau die Köpfchengröße gemein. Das äußerst 
lange, dünne, spinnwebige ludument (an den Zweigen ringsum 
4 — 5 mm lang abstehend!) macht E. arachnoideus Bornm. 
unter allen Arten Vorderasiens und Europas sofort kenntlich. 
Trimorpiha pycnotricha Vierhapper (Monogr., S. 456, 459); forma! 
(ex autore). 

Isperechan, in m. Sahend lapidosis (5./VIIL). 

Nach Herrn Dr. Vierhappers brieflicher Mitteilung 
gehört die Pflanze ,,in die nächste Verwandtschaft der T. 
pycnotricha, und zwar jener Formen, welche auf S. 459 der 
Monographie erwähnt werden". Diese Form tritt also in 
Persien sowohl in Westpersien (auf dem Elwend) als in Nord- 
persien (auf dem Alamud des Elbursgebirges) auf, während 
die typische Form nur in Kleinasien (Argaeus und Taurus) 
und auf dem Libanon (?) beobachtet wurde. 

Z. B. Ges. GO. Bd. 9 



130 



Josef Bornmüller. 



Inula Helenium L. ß. persica (Hausskn. herb, pro spec.) Bornm. 
(„Plantae Straussianae" in Beihefte d. Bot. Zentralbl., Bd. XX, 
S. 151). 

Distr. Afschar, ad aquarum fossas ad Ach-dere (16. /VIII.). 
Inula salicina L. — Boiss., Fl. Or., III^ 187. 

Uriimia, in collibus ad Guschtschi graminosis (21./VIL); Kara- 

dagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Inula germanica L. — Boiss., Fl. Or., III^ 189. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili et Alibulacli 

(17. et 19./IX.). 
Inula Seidlitzii Boiss. — Boiss., FI. Or., III, 189. 

Distr. Afschar, ad aquas minerales ad Achmedabad (17. et 

18./VIII.). 

Diese bisher nur aus dem Nordwesten Persiens be- 
kannte Art ist neuerdings zusammen mit Fimpinella falcarioi- 
des auch in den Salzsteppen Kappadoziens in typischer Form 
aufgefunden worden. Haussknecht glaubte in dieser von 
Siehe bei Ewerek gesammelten Pflanze eine neue Art zu er- 
kennen und bezeichnete sie als I. salsuginea Hausskn. spec. 
nov. (Exsicc. Nr. 242), allerdings ohne ein Vergleichsmaterial 
der J. Seidlitzii zur Hand zu haben. Unlängst erhielt ich die 
gleiche Pflanze von Kilisse-Hissar des gleichen Gebietes zur 
Bestimmung zugeschickt, gesammelt 2./X. 1904 von R. Maire. 

Inula Conyza DC. — I^oiss., Fl. Or., III, 190. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Imda amjustifoUa DC. — Boiss.^ FI. Or., III, 191. 

Distr. Afschar, ad aquas minerales ad Achmedabad (17. /VIII.). 

Ein genauerer Standort dieser bisher nur von Auch er 
gesammelten interessanten Art war bisher nicht bekannt. 

Jmda Ocuhs- Christi L. — Boiss., Fl. Or., III, 192. 
Urumia, Ser in. pratis siccis (8./VII.). 

Inula hritannica L. — Boiss., Fl. Or., III, 193. 

Urumia, ad aquarum fossas (29./ VI.); Diliman ad Tschahrik 
(17./V1.). 

Pulicaria dijscntcrica (L.) Gaertn. y. stenophylla Boiss. — Boiss., 
FI. Or., III, 203. 

Ad mcridicm m.Salicnd,pr. Aclikemlad aquarum fossas (9./ VIII.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 131 

Pnlicaria vulgaris Gaertn. ß. armena (Boiss. et Ky. pro spec.) Bornm. 
— Boiss., Fl. Ol-., III, 204 (pro spec). 
Inter Maraga et Marhanietabad, ad stagni margines pr. Gul 
(12./VIII.) et ejusdem districtus in rivi ripis ad Sain-kale 
(13./VIII.). 

Die Exemplare stimmen mit dem Original der P. armena 
Boiss. et Ky. gut liberein, doch sind durchgreifende spezifische 
Unterschiede von P. vulgaris Gaertn. kaum vorhanden. 

Gnaplialium supinum L. — Boiss., Fl. Or., III, 226. 
M. Sahend in pratis (6./VIIL). 

Helichrysum psychrophilum Boiss., Diagn. — Boiss., Fl. Or., III, 
231 {H. Pallasii Spreng, var. y). 
In m. Sahend elatioribus (4. /VIII.). 

Helichrysum plicatum DC. — Boiss., Fl. Or., III, 231. 

In sterilibus m. Karnaru (12./VI.) et Gelosa (14./VI.) ditionis 
oppidi Diliman; Urumia, in montibus pr. Ser (8. /VII.). 

Helichrysum arenarium L. y. roseum Trautv. — Boiss., Fl. Or., 
III, 235. 

Diliman, Khosrowo ad pedem m. Karnaru (lO./VL). 
Micropus longifoUus Boiss. et Reut. — Boiss., Fl. Or., III, 242. 
Diliman, Khosrowo in steriHbus (lO./VL). 
ß. evacinus Bornm. (var. nov.). Gaule simplice capitulo unico 
sessili. 

Khoi, in apricis (27. /V.); Urumia, in aridis (30./VI.). 
Filago germanica L. — Boiss., Fl. Or., III, 245. 

Urumia, in graminosis ad rivum (30./VI.). 
Filago arvensis L. — Boiss., Fl. Or., III; 247. 

In arvis ad Khoi (27. /V.), Diliman, Khosrowo; pr. Urumia 

(30./VI.); Karadagh, pr. Hasanbeili (17./IX.). 
Bielens tripariita L. — Boiss., Fl. Or., III, 251. 

Khanian, in humidis (26. /VIII., f. pumila Roth); Karadagh, 

pr. Hasanbeili ad rivum (19. /IX., var. minor Wimm, et Grab.). 
Xanthium strumarium L. — Boiss., Fl. Or., III, 251. 

Distr. Adschari, in arvis ad Sam-kale (13. /VIII.) et in stagnis 

exsiccatis ad Gul (22./VIIL). 
Ächillea Millefolium L. — Boiss., Fl. Or., III, 255. 

Diliman, ad Tschahrik (16./VI.) et pr. Urumia (28./V.I.) 

9* 



132 



Josef Bornmüller. 



Achillea setacea W. K. — Boiss., Fl. Or., III, 256. 

Khoi, in agrorum versuris (23. /V.). 
Achillea nohilis L. ß. ochroleuca Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 257. 

— Ä. Neilreicliii A. Kern. 

Urumia; Ser, in apricis montium (8./VII.) et ad rivi Scher- 
Tschai ripas (2. /VII.); Diliman, in m. Karnaru lapidosis 
(lO./VL). 

Achillea filipendulina Lam. — Boiss., Fl. Or., III, 259. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./ VII.). 
Achillea micrantlia M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 264. 

Diliman, Khosrowo, in arvis (8. /VI.); Urumia, in graminosis 

(30./VI.). 

Achillea Santolina L. — Boiss., Fl. Or., III, 266. 

Khoi, in agrorum versuris (23. et 25. /V.). 
Achillea vermicularis Trin. — Boiss., Fl. Or., III, 266. 

Diliman, ad Tschalirik in lapidosis (17. /VI.); in m. Gelosa 

(14./VI.); Urumia, in rivi Scher-Tschai glareosis (2./VII.). 
Anthemis iinctoria L. — Boiss., Fl. Or., III, 280. — Forma flosculis 

citrinis. 

Urumia, in apricis ad Dise-siamek (30./VI.). 
Anthemis rigescens Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 280. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.); distr. 

Afschar, in glareosis ad Kiskapan (19. /VIII.). 
Anthemis arvensis L. — Boiss., Fl. Or., III, 289. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./ VII.). 
Anthemis Straussii Bornm. in Mitt. d. Thiiring. Bot. Ver., N. F., 

Bd. XXII, 1907, S. 45. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.) et in cultis ad 

Gök-tcpe (26./VI.). 

Am nächsten wohl mit A. micrantha Boiss. et Hausskn. 

fBoiss., Fl. Or., III, 300) verwandt, die sehr kleinen Köpfchen 

aber strahlenlos. 
Anthemis ruthcnica M. B. — Hoiss., Fl. Or., III, 304. 

Inter KhoY et Tehris, ad Sendschire (21./V.). 
A)tfhf'mis rriudidissima Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 305. 

'iebris, in siccis collibus (ll./V.). 



Bearbeitung vou im nordwestlicheu Persien gesammelten Pflanzen. 133 



Chamaemehim praecox (M. B.) Vis. — Boiss.. Fl. Or., III, 326. 
Inter Khoi et Tebris. ad Sendschire in arvis (21. /V.); Tebris, 
in siccis (ll./V.); Urumia, pr. Gömör-cbaue. in salsis (25./V.). 

Chamaemelum disciforme (C. A. Mey.) Vis. — Boiss., Fl. Or.) 
III. 326. 

Diliman, in rivi arenosis ad Tschahrik (16./VI.); Urumia. ad 

rivi Scher-Tschai ripas (2./VIL). 
Chamaemelum oreades Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 333. 

Isperechan. ad m. Sahend uives (4./VIIL). 
Fijrethrum Kotschji Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 339. 

Isperechan, in m. Sahend fissuris rupium (ö./VIIL): inter Dili- 
man -et Urumia, in saxorum lissuris (16./VL^; Diliman. in m. 

Karnaru (10. /VI.); disti'. Afschar, in m. Tacht-i-Bälkis. 
ß. subglabrum Bornm. (var. nov.). Caide glaherrimo, folils 

glahris vel suhglahris. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris. 
Fyreth'um argyrantliemoldes Boiss. et Ky. — Boiss., Fl. Or., III, 343. 

In m. Sahend scaturiginosis (6./VIIL). 
Fyretlmrm partliemfolium Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 344. 

Urumia, in nemoiibus seeus rivum (4./VIL): Karadagh, in silvis 

caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
e. perskurn (Boiss. ' Bornm., Beihefte d. Bot. Zentralbl., Bd. XX, 

S. 154. — Boiss., Fl. Or., ni, 344 (pro spec.). 

Diliman, in m. Gelosa saxosis (14./VI.). 
Pyrefhrmn Bahamita (L.) Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 345. 

Urumia. ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.) et pr. Sameschli, 

in argillosis i7./VIL); Tebris, in saxosis ad Sendschanab 

(l./VIIL); ad m. Sahend pedem ad rivulos et fontes (6./VIIL). 
Pyrefhrum myriopliyUnm C. A. Mey. /. erlocepliaJurn Boiss. — Boiss., 

Fl. Or.. III, 350. 

Dihman, ad pedem m. Karnaru et Gelosa (10. et 14./VI.). 
Ärtemisia scoparia W. K. — Boiss., Fl. Or., III, 364. 

Ad meridiem lacus Urumiensis pr. Sain-kale (13./VIIL); Kara- 

dagh, ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Ärtemisia fragrans Willd. (^sensu Boiss., Fl. Or., III, 366). — 

Szovits, Exsicc. Eriwan)! 

In agro Tebrisiensi (30. /IX.). 



134 



Josef Bornmüller. 



Artemisia fascictdata M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 368. 

Karadag'h, in aridis lapidosis pr. Hasanbeili (17./IX.). 
Artemisia austriaca Jacq. — Boiss., Fl. Or., III, 369. 

Tebris, in aridis montium ad Sendschanab (l./VIIL). 
Artemisia cliamaemelifolia Vill. — Boiss., Fl. Or., III, 370. 

Tebris, in montibus pr. Sendschanab (l./VIIL). 
Artemisia armeniaca Lam. — Boiss., Fl. Or., III, 371. 

In m. Sahend lapidosis (6./VIII.). 
Artemisia vulgaris L. — Boiss., Fl. Or., III, 371. 

Sain-kale (ad meridiem lacus Urumiensis), in nemoribus secus 

rivum (13./VIII.). 
Artemisia Tournefortiana Rehb. — Boiss., Fl. Or., III, 372. 

Tebris, in oleraceis (26. /IX.). 
Tussilago Farfara L. — Boiss., Fl. Or., III, 377. 

Diliman, in hortorum humidis ad Khosrowo (8. /VI.); distr. 

Afschar, ad rivulos m. Tacht-i-Bälkis. 
Senecio vernalis WAL — Boiss., Fl. Or., III, 389. 

Inter Tebris et Khoi, ad pagum Senneh in arvis (17./V.). 
Senecio mollis Willd. — Boiss., Fl. Or., III, 393. 

Ad meridiem m. Sahend, pr. Achkend ad aquavum fossas 

(9./VIII.). 

Senecio racemosus DC. — Boiss., Fl. Or., Ill^ 402. 

Karadagh, ad Hasanbeili in pratis (15. /VIII.). 
Senecio doriiformis DC. ß. megalojiliron (Fenzl) Boiss. — Boiss., 

Fl. Or., III, 407. 

Diliman; Khosrowo, in m. Karnaru saxosis (lO./Vl.). 
Senecio elhursensis Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 417 (S. elbrusensis) 

Ditionis Afschar in saxorum fissuris in m. Tacht i-Bälki 

(18./V11].). 
(küendida officinalis L. 

Khoi, in hortis (cult., 27. /IV.). 
i in}((lrlKi Tourru'fortii L. — I>ois8., Fl. Or., III, 421. 

IJrumia, Sameschli in lapidosis (7. /VII.). 
Eclnnops viscosus DC. — Boiss., Fl. Or., III, 429. 

rniinia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
/■r/uHops iniro L. Boiss., Fl. Or., III, 439. 

IJrumia, in lapidosis ad Scr (8./VII.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 135 

?Eclnnops ])ersicus Stev. et Fisch. — Boiss., Fl. Or., III, 440. 

Tebris, in lapidosis ad Sendschanab (l./VIIL); specimen cum 

capitulo unico juvenale. 
Xeranthemitm squarrosum Boiss. ß. unicolor Boiss. — Boiss., Fl. 

Or., III, 444. 

Urumia, in aridis (30. /VI.); Tebris, in argillosis ad Send- 
schanab (l./VIIL). 
Xerantliemum hngvpapposum Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., 
III, 445. 

In apricis lapidosis pr. Khoi (27. /V.), Sendschire (21. /V.), 
Tschahrik (17./VI.) et Urumia (2./VII.). 
Cliardlnia orientaUs (Willd.) Hayek, Annal. d. Hofmus. in Wien, 
Bd. XX (1907), S. 424. — Ch. xerantJiemoides Desf. — Boiss., 
FL Or., III, 446. 

Pr. Diliman, in m. Karnaru (10./ VI.) et m. Gelosa (14./VI.); 

pr. Morandschuk (7. /VI.); in collibus apricis ad Urumia (2./ VI.); 

ibidem pr. Dise-siamek (30. /VI.). 
Carlina vulgaris L. — Boiss., FL Or., III, 448. 

Distr. Karadagh, in aridis ad Arpalech (15./IX.). 
Lappa major Gaertn. — Boiss., Fl. Or., III, 457. 

Distr. Karadagh, in nemoribus ad rivum pr. Hasanbeili (16./IX.). 
Cousinia microcepliala C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 472. — 

C. Winkler, Synopsis, Nr. 84; Mantissa, Nr. 87 (p. 199). 

Tebris, in nemoribus ad Sendschanab (l./VIIL). 
Cousinia ynacroptera C. A. Mey. ß. ohovata (Boiss.) C. Wiukler, 

Synopsis, Nr. 126; Mantissa, Nr. 130. — Boiss., Fl. Or., III, 

492 (pr. sp.). 

Urumia (?), pr. Guschtschi (21./VII.). 
Cousinia urumiensis Bornm. spec. nov. 

Sectio: Brepanopliorae C. V^inkler (Synopsis specierum 
generis Cousiniae in Act. Horti Petrop., Vol. XII, 1892, p. 206; 
Mantissa Synopsis spec. gen. Cousiniae, 1. c, Vol. XIV, 1897, 
p. 196—198). — Sectio: Squarrosae Boiss., Fl. Or., III, 460. 

Perennis, caulihtis plurihns vel solitario, erectis, humili- 
hus semipedalihiis vel paulo altiorihus, superne ramosis, 2 — 8- 
capitula gerentihus, undicpie adpresse arachnoideo-alhidis; foliis 
radicalihns anibitu linear i-lanceolatis magnitudine varidbili 



Josef Bornmiiller. 



(speciminis juvenili maximis 4 X 12 cm, plantae floriferae 
1'5 X 5 cm latis longis), pinnatisectis rhachide mida vel suh- 
nuda, segmentis multijugis remotis praeter lacinulam (vel 2) 
hasilarem linearem integris linearibus spinescentihus, margine 
revolutis, siibtus albidis, stipra minus araneosis saepiusqiie 
glahrescentihtis ; foliis caulinis adnato-sessilihtis sed non de- 
currenülms, inferiorihus radicalihus subconformihus lohulis vero 
panciorihus et ad rhacJiidem decurrentihus, rameis deminutis 
litrinque in 1 — 3-lobidas triangtdari-lanceolatas partitis, siimmis 
capitulum non involucrantihus nec super antihus ; capitulis 
ovatis, 10 — 20-floris, brevipedimculatis; involucri squarrosi 
12 — 15 mm lati pliyllis 40 — 50, vix arachnoideis, coriaceis, e 
parte inferiore oblonga pallida sensim in appendicem suh- 
longiorem viridem sulcato - triquetrum spinescentem patenti- 
recurvum attenuatis, exterioribus brevioribus, intimis lineari- 
lanceolatis margine sernücitis subrectis; flos cutis exsertis, 
liiteis; receptacidi setis glaberrimis] achaenio ignoto. 

Urumia, ad Samesclili in lapidosis (7./VIL, specimina 
florifera); inter Diliman et Urumia, ad pedem m. Karnaru in 
apricis (10. /VI., capitulis nondum evolutis); ad Morandscbuk 
(inter Klioi et Diliman) in lapidosis (7. /VI., nondum florens). 

C. urumiensis deutet durch die gleichen, allerdings etwas 
kleineren BlUtenköpfchen auf eine nahe Verwandtschaft mit 
C. bicolor Freyn et Stapf (Orig.!) hin, einer von Sintenis in 
Armenien entdeckten, nach C. Winkler (Mantissa, 1. c, p. 221) 
auch an den Ostgrenzen Persiens aufgefundenen Art, die sich 
aber sofort durch die deutlich lierablaufenden, wenig geteilten 
Blätter der Seiten äste sowie durch den robusteren Wuchs als 
eigene Art zu erkennen gibt. — C. Stapfiana Freyn et Sint. 
(Orig.!) und C. (Jataonica Boiss. et Hausskn. (Orig.!) haben 
ebenfalls lang lierablaufende Stengelblätter und viel größer 
K(>pr(i mit fast doppelt so vielen, in einen langen, bogig ge- 
kriiinmten Oorn auslaufenden lliillblättcrn. Ähnlichkeit mi 
C. Äleppica Boiss. (Hausskn., Exsicc!) und C. ilicifolia Jaub 
et Spach (Fcon., Tab. 164!) liegt nicht vor. — C. J/ohenac/cc 
Fisch, et Mey., mir nur nach der Diagnose bekannt, besitz 
völlig andere Blattgcstalt (folia anguste lanceolala segmcnt' 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 137 



hreviter triangttlari-lanceolatis) ; das gleiche betrifft C. Seidlitsii 
Bge. mit herzförmig- stengelumfassenden, biichtig kurzgelappten 
Blättern. — C. Äiwheri DC. aus Kappadozien zeigt herab- 
laufende Stengelblätter, dürfte aber unserer Art in vieler Be- 
ziehung, wenigstens allein nach der Beschreibung zu urteilen, 
nahe stehen. — C. Iwacliyptera DC. schließlich sieht unserer 
Art sehr ähnlich (vgl. Jaub. et Spach, Icon., Tab. 159!), doch 
zählt diese zu den Arten mit roten Blüten, die Köpfe dieser 
(Bourg., Exsicc. !) sind auch reichblütiger. 

Es ist darauf aufmerksam zu machen, daß C. Winklers 
Bestimmungsschlüssel der Arten der Sektion Brepanophorae 
sowohl in der „Synopsis" als in der „Mantissa" infolge 
einiger falscher Zahlenverweise, die sich nicht ohne weiteres 
(d. h. erst nach Zuhilfenahme der Diagnosen) als Druckfehler 
erkennen lassen, ganz unbrauchbar ist, denn C. Holienackeri 
Fisch, et Mey. und C. Caesarea Boiss. et Bai. gehören bekannt- 
lich nicht zu den rotblühenden Arten^ während wiederum C. 
affinis Schrenk, G. Wolgensis C. A. Mey., C. recurvata DC. und 
C. hrachyptera C. A. Mey. nicht gelb-, sondern rotblühend sind. 

Es ist daher in: 

Synopsis, Seite 206, letzte Zeile statt 13 zu lesen 18, 

„ 207, 8. „ „ 13 „ „ 14; 

Mantissa, „ 196, 8. „ „ 15 „ „ 18, 

„ 197, 16. „ „ 18 „ „ 15. 

Auch ist ebenda zu bemerken, daß C. Stapfiana Freyn et 
Sint. keine „involucrum glaberrimum" besitzt, beziehungsweise 
daß zu mindestens diesen Worten im Bestimmungsschlüssel 
beizufügen ist „vel subarachnoideum". wie mir vorliegende 
Originalexemplare bezeugen, deren Hüllkelche keineswegs kahl, 
nur der C. Cataonica Boiss. et Hausskn. gegenüber allerdings 
äußerst schwach (nicht graufilzig) spinnwebig behaart sind. 
Cousinia Wettsteiniana Bornm. nov. spec. 

Sectio: Foliaceae C. Winkler (Synopsis specierum ge- 
neris Cousiniae in Act. Horti Petrop., Vol. XII^ 1892, p. 279; 
Mantissa Synopsis spec. gen. Cousiniae, 1. c. Vol. XIV, 1897, 
p. 217). 



Josef Bornmiil 1 er. 



Planta x)erennis vel hiennis, elata, rohusta, 2-vel 3-pedalis, 
densiramea, foliosa, hahitu Onopordi, capitulis magnis, phyllis 
exteriorihus foliis summis conformibiis spinoso-denticulatis in- 
teriorihus appendiculatis (ut in sect. „Äp2)endictdatarum" ,con- 
strncüs), omnihiis sid)adpressis, floscidis luteis, foliis rameis 
ovatis hreviter decurrentibus ut tota planta tenuiter arachnoi- 
deo-canis. 

Gaule elato inferne crassitie digiti, valde sidcato, tenuiter 
araneoso, ad imam hasin floccoso-lanato, ad apicem usque 
ramoso et folioso, ramis monocepJialis ; foliis utrinque (suhtus 
magis) tenuiter cano-tomentosis, radicalihus desideratis, cau- 
linis inferiorihus lineari-ohlongis vel -lanceolatis sessilihus late 
triangulari-lohtdatis spinosis, r am eis ovatis hasi adnato-semi- 
decurrentihus, margine flavide aceroso-spinescentihus, omnihiis 
coriaceis, summis quoque ramos et capittdi peduncidum hre- 
vissimum non occidtantihiis; capitulis majuscidis, glohosis, 
4 — 4:5 cm latis, solitariis; involucri tenuiter aracJinoidei 
pliyllis sidnmhricatis erectis (nec patentihus nec apice recurvis) 
lieteromorpliis, exteriorihus hasi rotundata foliis summis 
simillimis ovato ohlongis lanceolatis apice aceroso-spinosis mar- 
gine remote tenuiter spinulosis, mediis appendiculatis parte 
inferiore adpressa (ah exteriohus ad interioria sensim elongata) 
ahrupte in appendiculum late triangulari-lanceolatum nervoso- 
carinatum cochleariformem margine integrum ( ad hasin 12 mm 
latum, l'Ö — 2 cm longum) dilatatis, phyllorum praeulti- 
morum ap)pendice quam pars inferior valde elongata dimidio 
hreviore, phyllis intimis glahris chartaceis exappendiculatis 
angustis linearihus sensim acuminatis 3 cm longis phylla ex- 
terna suhstiperantihtis sed non radiantihus; receptaculi setis 
glahris: flosculis luteis, exsertis, 24 — 26 mm longis; anthc- 
rarum tuho glahro, flavido, caudis harhatis; achaeniis gfiseo- 
virescentihus nigro-m acidatisque ohpyramidatis, 1-costato-com- 
pressis, (i — 7 mm longis et :> mm lalis, apice vix dcnticulatis: 
sc Iis pappi caduci scahris. 

Tc})ri8, „Glllidze" (Olllis;ilir)in aridis d('('livitatil)ns(21 ./IX.). 

Wie auH der Besclircibun^^ erHiclitlicli, iici^^t (.1 Wclf- 
Hieiniand durcli die Form der mittleren Involucralbliitter stark 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 139 



zur Gruppe der Appendiculatae. Bei Boiss., Fl. Or., III, 462, 
ist sie in der Gruppe der Cynaroideae den Arten mit großen 
gezähnten aufrechten Hüllblättern zuzuzählen und überein- 
stimmend mit Winklers System neben C. canescens DC. 
einzuordnen. Letztere besitzt indessen lang herablaufende, 
allmählich verschmälerte Stengelblätter (nicht kurz und abge- 
rundet) und zählt zu den rotblühenden Arten; mit den anderen 
Arten, auch jenen der Gruppe Appendiculatae, liegt keine 
Ähnlichkeit vor. 

inia grandis C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 504. — C. 
Wink 1er, Synopsis specierum generis Cousiniae in Act. Horti 
Fetrop., Vol. XII, 1892, p. 279 et 280; Mantissa Synopsis 
spec. gen. Cousiniae, 1. c, Vol. XIV, 1897, p. 217. — Bunge, 
Übersichtl. Zusammenstell, d. Art. d. Gatt. Cousinia (in M6m. 
Ac. Imp. d. St.-Petersb., Vol. IX, p. 47, Nr. 2). — De Cand., 
Prodr., VI, p. 557. 

Urumia, ad Sameschli in lapidosis (7. /VII.); specimina 
l-pedahal 

Die vorliegenden beiden, voneinander etwas abweichenden 
Pflanzen, völlig kahl und glänzend und nur zerstreut mit 
drtisenähnlichen Papillen besetzt, stimmen in vielen Einzel- 
heiten so exakt auf die Beschreibung der von Szovits bei 
Khoi (also im selben Gebiete) entdeckten, seitdem nicht wieder 
gefundenen C. grandis C. A. Mey. überein, daß sie gewiß 
nichts anderes als kümmerlich entwickelte Formen der sonst 
hochwüchsig beobachteten genannten Art darstellen. Da die 
Köpfe ziemlich klein sind, wird man diese Form als var. 
minor bezeichnen können, wenigstens so lange, als nicht 
weitere Beobachtungen über diese eigenartige, in der Köpfchen- 
gestalt einem Cartliamus tinctoriiis so ähnliche Spezies vor- 
liegen. Daß C. grandis ziemlich variabel ist, geht schon aus 
den widersprechenden Beschreibungen bei Bunge, De Can- 
dolle, Boissier, Winkler hervor, denen doch allen Szovits- 
sche Originalpflanzen zugrunde lagen (z. B. Winkler schreibt 
„phylla integra'-, De Candolle dagegen „ . . . apice margine- 
que spinosa"). Auch die beiden Knapp sehen Individuen 
weichen nicht nur in der Bedornung der Hüllblätter, sondern 



140 



Josef B r 11 m ü 1 1 e r. 



auch in der Länge derselben ab; bei der Pflanze mit ver- 
kürzten Anhängseln ist der Köpfchendurchmesser 2 — 2-5 cm, 
bei dem anderen Exemplar, bei welchem die langen blatt- 
artigen Hüllblätter horizontal abstehen, ist der Durchmesser 
mehr als doppelt so groß. 

Carduus onopordioides Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 516. 
Tebris, in saxosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Carduus hamulosus Ehrh. — Boiss., Fl. Or., III, 517. 

Ditionis urbis Diliman, in aggeribus pr. Khosrowo (16./VI.). 

Carduus pycnoceplialus Jacq. — Boiss., Fl. Or.^ III, 520. 

In saxosis ad Khoi (27. /V.); ibidem ad Sendschire (21./V.); 
Diliman, in saxosis m. Karnaru (12. /VI.). 

Cirsium congesium Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 525. 
Tebris, in saxosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Cirsium Szovitsii (C. Koch) Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 527. 

Ad Khanian (ad litus Orientale lacus Urumiensis) in versuris 
(26./VIIL) 

Cirsium fimhriatum M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 528. 

Distr. Karadagh, in silvis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Cirsium hracteosum DG. ß. hrevicuspis Boiss. — Boiss., Fl. Or., 

III, 533. 

Tebris, ad Sendschanab in aridis montium (l./VIIL). 
Cirsium Sahendi Bornm. nov. spec. 

Sectio: Epiirachys DC. — Peremie, pluricaule, caulihus 
adpresse arachnoideo-canis vel alhidis, pedalihus vel altiorihus, 
paniculatim ramosis, ramis oligoceplialis, capitulis non con- 
gestis; foliis superne praeter indumenium spinuloso-strigosum 
glahris vel parcissime arachnoideis suhtus arachnoideo-can' 
vel alhidis, caulinis lineari-oblongis in lacinias ohlongo-lanceo 
latas uirimpie hinas remotas integras pinati partitis, rhachi 
lata (1cm lata), hasi amplexicaulibus non decurrentihus, flora 
Ulms parvis (ri—^i) angustis capitula suhsuperantihus, loh' 
omnihus in spinas flavas horridulas exeuntihus marginihuscju 
Spinulis flavis pafentibus armaiis; capitulis parvis, glohosis 
vix cm longis, hrcviter pedunculatis srssilihusve ; involucri 
phi/llis viridihus, parce arachnoideis, carinato-nervosis, in 
oHspidem brevem suhrecurvatam duriusculam fuscam inteyram 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 141 

attenuatis, sjnnula hrevi terminatis, ab inferioribus oblongo- 
triangularihus ad intima vix longius spinulosa elongatis; flos- 
culis purpureis phylla paulo super antihus. 
In m. Sahend in glareosis (30./VII.). 
C. Sahendi ist neben C. HausshiecJitii ßoiss. einzuordnen, 
von welchem es sich durch die schon im frühesten Stadium 
kugehgen Köpfchen, durch die an der Spitze auswärts ge- 
krümmten Htillschuppen und durch die schwächere Behaarung 
(Blattoberseite grün, nicht spinnwebig weißfilzig) sofort unter- 
scheidet. Bei dem vorliegenden Exemplar ist der Blutenstand 
panikulat und nicht, was bei C. HausshnecMii Boiss. meistens 
der Fall ist, zusammengesetzt traubig (Exemplare des C. 
Hausshneclitii mit panikulatem Blütenstande glaubte Hauss- 
knecht als eigene Art, C. Straussii Hausskn., abtrennen zu 
müssen, was unhaltbar ist). Ähnlichkeit mit G. caiaonicum 
Boiss. et Hausskn. (dessen Hüllblätter in eine feine weiche 
Spitze langsam auslaufen) liegt ebensowenig vor wie mit C. 
arachnoideum M. B. oder G. strigosum M. B. 

Cirsium lanceolatum (L.) Scop. — Boiss., Fl. Or., HI, 539. 
Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad AHbulach (19./IX.). 

Cirsium scleranthum M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 540. 
Isperechan, in m. Sahend lapidosis (5. /VIII.). 

Cirsium caniim (L.) M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 541. 

Distr. Afschar; in pratis ad Hasanabad (15./VIIL); foliis radi- 
calibus et radice deslderatis! 

Cirsiiun rliizocephalum C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 542. 
Tebris, in pratis humidis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Cirsium apiculatum DC. G. lihanoticum DC.) ß. lycaonicum 
Boiss. 

Distr. Afschar, Achmedabad ad aquas minerales (18./VIIL). 
Cirsium Äcarna (L.) Moench. — Boiss., Fl. Or., III, 549. 

Distr. Karadagh, in arvis ad Alibulach (18. /IX.). 
Cirsium arvense (L.) Scop. — Boiss., Fl. Or., III, 552. 

Diliman, in arvis ad Khosrowo (lO./VL); f. foliis suhintegris 

suhtus niveo-tomentosis. 
Onopordon ÄcantJiium L. — Boiss., Fl. Or., III, 559. 

Urumia, in arvorum versuris (30. /VI.). 



142 



Josef B r 11 111 ü 1 1 e r. 



Onopordon lieteracanthum C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 569. 
— Var. ortholepis Bornm. in Bull, de THerb. Boissier, S6r. 2, 
Vol. VII (1907), p. 222. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17./IX.). 
Jurinea linearifolia DC. — Boiss., Fl. Or., III, 571. 

Distr. Karadagh, in secus vias ad Hasanbeili (16. /IX.). 
Jurinea leptolola DC. — Boiss., Fl. Or., III, 572. 

Tebris, in saxosis ad Liwan (30./VII.). 
Jurinea midticaiilis DC. — Boiss., Fl. Or., III, 580. 

Inter Khanian et Gogan (ad orientem lacus Urumiensis) in 

lapidosis (27./VIIL). 
Jurinea depressa M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 583. 

Isperechan, in m. Saliend elatioribus (4./VIII.). 
Serratida quinquefoUa M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 587. 

Urumia, ad Ser in lapidosis (8. /VII.); distr. Karadagh, in 

silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Serratida coriacea Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 587. 

Inter Khanian et Gogan (ad litus Orientale lacus Urumiensis), 

in lapidosis (27./Vin.). 
Phaeopappiis Auclieri (DC.) Boiss., Diagn., ß. integrifolius Boiss. — 

Boiss., Fl. Or., III, 597 (Fh. leuzeoides Boiss. ß.). 

Urumia, in saxosis ad Ser (8./VII.). 
7. Szovitsii Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 597. 

Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (17. /VI.); Urumia, ad Ser 

in lapidosis (8./VII.); f. sclerohlepharm Freyn et Sint. (pr 

spec). 

Amherhoa moschata (L.) DC. — Boiss., Fl. Or., III, 605. 

Inter Tebris et Marand, in lapidosis pr. Senneh (17./V.). 
Psepliellus dealbatus (Willd.) Boiss. ß. humiUor Boiss. — Boiss. 

Fl. Or., III, 608. 

Distr. Karadagh, in saxosis ad Alibulach (19./IX.). 
/'srphrJlHs incanescens (Fisch, et Mey.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
Iii, 610. — Jaub. et Spach, Illustr., Tab. 218. — Syn. 
(knlanrra Freynii Sint., Bull, de l'IIcrb. Boissier, Vol. III 
(1896), p. 472! 

Khol (ioc. claHH.j, in saxosis ad War (29./V.j. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen, 143 

Äcroptilon Picris (Fall.) C. A. Mey. — Boiss , Fl. Or., III, 613. 

Urumia, ad agrorum versuras (28. /VI.); Tebris, in saxosis ad 

Sendschanab (l./VIIL). 
Centaurea pulcJiella Led. — Boiss., Fl. Or., III, 620. 

Diliman, in argillosis ad Khosrowo (8. /VI.). 
Centanrea salicifolia M. B. — Boiss., FL Or., III, 630. 

Distr. Karadagh, in dumetis ad Alibulach (20. /IX.). 
Centaurea depressa M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 635. 

Khoi, inter segetes (23./ V.); Diliman, in arvis ad Khosrowo 

(9./VI.). 

Centaurea axillaris Willd. a. cyanea Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 636. 

DiHman, in m. Gelosa pratis (14./VI.). 
Centaurea patula DC. — Boiss., FL Or., III, 639. 

Diliman, in argillosis pr. Khosrowo (8./VI.). 
Centaurea virgata Lam. ß. squarrosa (Willd.) Boiss. — Boiss., 

FL Or., III, 651. 

Urumia, in coUibus aridis (2./VII.). 
Centaurea carduiformis DC. — Boiss., FL Or., III, 658. 

Diliman, Khosrowo ad pedem m. Karnaru (lO./VL). 
Centaurea persica Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 660. 

Distr. Karadagh, in lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Centaurea deinacantha Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., III, 665. 

Inter Diliman et Urumia, in lapidosis (17. /VI.). 
Centaurea ustulata DC. — Boiss., Fl. Or., III, 677. 

Inter Tebris et Khoi, ad Sendschire in lapidosis (21./V.). 
Centaurea regia Boiss. — Boiss., FL Or., III, 678. 

Distr. Afschar, pr. Tacht i-Soleiman (17. /VIII.); capitulis minori- 

bus vergens ad subsp. C. imperialem Hausskn. (Bornm., 

„Plantae Straussianae" in Beihefte z. Bot. ZentralbL, Bd. XX, 

Abt. II, S. 168). 
Centaurea Balsamita Lam. — Boiss., Fl. Or., III, 679. 

Urumia, in argillosis ad Wesirobod (4./ VII.). 
Centaurea Bellen L. — Boiss., Fl. Or., III, 682. 

Urumia, in argillosis ad Bend (7. /VII.). 
Centaurea pJiyllocephala Boiss. ß. Belangeri Boiss. — Boiss., FL 

Or., III, 684. 

Sain-kale, in glareosis seeus rivum (13./VIII.). 



144 



Josef Boruinüller. 



Centaurea solsfitialis L. — Boiss., Fl. Or., III, 685. 

Urumia, in argillosis (7./VIL). 
Centaurea iherica Trev. — Boiss., Fl. Or., III, 690. 

Urumia, in arvis (28./VL et 2./VII.). 
Chartolepis lyrata Boiss. et Hausskn. — Boiss., Fl. Or., III, 696. 

Distr. Afschar, Achmedabad ad aquas minerales (19./VIII.),- 

fragmenta absque capitulis. 
Crupina vulgaris Gass. — Boiss., Fl. Or., III, 699. 

Inter Khoi et Marand ad pagum Sendschire in' lapidosis 

(21. /V.); Diliman, in saxosis ad Karnaru (lO./VL); Urumia, 

ad Ser (8./VII.). 
Callicephalus nitens M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 703. 

Distr. Karadagh, ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Cnicus henedidus L. — Boiss., Fl. Or., III, 705. 

Khoi, in agris (23./V.); Diliman, in argillosis ad Khosrowo 

(9./VL); Urumia, ad Scher-Tschai ripas (2./VII.). 
Carthamus oxyacantha M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 709. 

Urumia, in argillosis (7. /VII.). 
Carthamus glaucus M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 707. 

Sain-kale, in lapidosis (22./VII.). 

Coini)Ositae : Ligiiliflorac. 

Cichorium Intyhus L. — Boiss., Fl. Or., III, 715. 

Urumia, in arvis pratisque ad Dise-siamek (30./VI.). 
Lapsana intermedia M. B. — Boiss., Fl. Or., III; 720. 

Montis Sahend in scaturiginosis (6./VIII.). Exemplar sehr 

unvollständig. 
Koelpinia linearis Fall. — Boiss., Fl. Or., III, 721. 

Inter Tebris et Khoi ad Sendschire (21. /V.); in arvis ad KhoY, 

War et Khosrowo ditionis Diliman (25., 29./V. et 9./VI.). 
Garhadiolus Jledypnois (Fisch, et Mey.) Jaub. et Spach, Illustr., 

^rab. 284. — Boiss., Fl. Or., III, 722. 

In arvis inter Tebris et Kholf pr. Sendschire (21./V.); Khos- 
rowo (9./ VI.) et Dise-siamek ditionis Urumia (9. et 3()./Vi.). 
Lcontodon nsper (W. K.) Poir. — Boiss., Fl. Or., III, 730. 
Urumia, iu saxosis ad Ser (8./V11.). 



Be<arbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 145 

Leontodon asperrimiis (Willd.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 730. 

Diliraan, in m. Karnarn glareosis (12./VI.). 
Ficris strigosa M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 736. 

Karadag-b; Hasanbeili, ad rivum (19./1X.). 
ürospermum picroides Desf. — Boiss., Fl. Or., III, 743. 

Khoi, in ripis liumidis ad Karadscbal (5. /VI.). 
Tragopogon huphthalmoides (DC.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 750. 

Dilimau, Kbosrowo in m. Karnaru lapidosis (10./ VI.); distr. 

Afscbar, in lapidosis m. Tacbt-i-Bälkis; Kbo'i, in argillosis ad 

Karadscbal (5. /VI.). 
Scorzonera (Fodospermum) cana (C. A. Mey.). — Boiss., Fl. Or., 

III, 757 (Sc. Jacquiniana) . 

Kbo'i, in declivitatum aridis (23./V.); Urumia, in siccis (4./VIL); 

distr. Karadag'b, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.) et 

in g-raminosis ad Alibulacb (19. /IX.). 
Scor^onera mollis M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 761. 

Marand, in declivitatibus apricis (I9./V.); Diliman, Kbosrowo 

in m. Glelosa saxosis (14./VI.). 
Scorzonera papposa DC. — Boiss., Fl. Or., III, 765. — Var. nana 

Bornm., Beibefte z. Bot. Zentralbl., Bd. XX, S. 173. 

Inter Tebris et Kboi, ad Senneb in lapidosis (r7./V.). 
Scor Sonera calyculata Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 766. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Scor zoner a elata Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 769. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Scorsonera parviflora Jacq. — Boiss., Fl. Or., III, 770. 

Kbo'i, in pratis paludosis (23./V.); Tebris, in pratis bumidis 

(i./vm.). 

Scor zoner a nervosa Trev. — Boiss., Fl. Or., III, 779. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Scorzonera ramosissima DC. — Boiss., Fl. Or., III, 781. 

Montis Tacht-i-Bälkis (distr. Afscbar) in lapidosis (18. /VIII.). 
Tamxaciim^) syriacum Boiss., Hand.-Mazz., Monogr. Gatt. Tara- 

xacum (1907), S. 125. — T. montamim ß. demidafiim Boiss. 

— Boiss., Fl. Or., III, 786. 



^) Determ. cl. Handel -Mazzetti. 

Z. B, Ges. 60. Bd. 



10 



146 



Josef Bornmüller. 



Urumia, in aggeribus (30./VI.); Tebris, in aridis montanis ad 

Sendscbanab (l./VIII.). 
Taraxacum vulgare (Lam.) Schrk. — Boiss., Fl. Or., III, 787 (T. 

officingle Wigg'.). — Hand.-Mazz., Monogr., S. 88. 

Kboi, in pratis salsuginosis (23./V.); f. ad T. paludosum vergens. 
Tara^aci^mjpÄ(?ost«m(Scop.)Scblecht., Hand.-Mazz., Monogr., S. 76. 

Isperecban, in m. Sahend elatioribus (5./VIIL). 
Taraxacum Wallichii DC, Hand.-Mazz., Monogr.^ S. 42. 

Tebris, in graminosis (2./V.). 
Taraxacum hessaraMcum (Hörnern.) Hand.-Mazz., Monogr., S. 26. 

Khoi, in pratis paludosis (23./V.). 
Taraxacum primigenütm Hand.-Mazz., Monogr., S. 17. 

Isperecban ad m. Sabend nives (4. /VIII.). 
Taraxacum microcephalum Pomel, Hand.-Mazz., Monogr., S. 18. 

— T stenocex^halum Boiss. et Ky. — Boiss., Fl. Or., III, 790. 

Kbanian (ad lacum Urumiensem), in bumidis (26./VIII.). 
Chondrilla juncea L. — Boiss., FL Or., III, 792. 

Urumia, in argillosis ad Bend (8. /VII., absque flor. et fr.). 
Midgedium tataricum (L.) DC. — Boiss., Fl. Or., III, 799. 

Tebris, in salsuginosis ad Majan (24./VII.) et in lapidosis ad 

Sendscbanab (31. /VII.); Giilisäbr (ditionis Tebris) in rivi ripas 

(21./1X.). 

Lactuca saligna L. — Boiss., Fl. Or., III, 810. 

Tebris, in lapidosis ad Sendscbanab (l./VHL, sine flor. et fr.). 
Lactuca Scariola L. — Boiss., Fl. Or., III, 811. 

Tebris, in argillosis infra pagum Sendscbanab (3./ VIII., sine 

flor. et fr.). 

Lactuca undulata Led. — Boiss., Fl. Or., III, 813. 
KhoY, in lapidosis (27. /V.). 

Lactuca muralis (L.) Frcsen. — Boiss., Fl. Or., III, 817. 

Distr. Karadagb, in lapidosis umbrosis ad Alibulacb (19. /IX.). 

Lactuca Orient all H Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 819. 

Isperecban, in m. Sabend glarcosis (30./ VII.); Tebris, in lapi- 
dosis ad Sendscbanab (l./VIII.). 

('rcjn^ patDioiiica (.jac(|.) Kocb. (!. rigida W.K. — Boiss., 
II. Or., III, 834. 

Oiliiiiaii. in I;ij)i(l(isis ad Tscbabrik (17. /VI.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 147 



Crepis Saliendi Boiss. et Buhse. — Boiss., Fl. Or., III, 838. 

Isperechan, in m. Sahend lapidosis (4./VIII.). 
Crepis foetida L. — Boiss., Fl. Or., III, 851. 

Distr. Karadagh; Hasanbe'ili ad rivum (18. /IX.). 
ß. rJioeadifolia Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 851. 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VL). 
Hieracmm Pilosella L. — Boiss., Fl. Or., III, 860. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad AHbulach (19. /IX.). 
Hieracium praealtum YiW. — Boiss., Fl. Or., III, 862. 

Distr. Karadagh, in graminosis ad Arpalech (17. /IX.).' 
Hieracium procenim Fr. — Boiss., Fl. Or., III, 864. — H. Persicum 

Boiss., Diagn. I, S. 11. 

Urumia, in pratis montanis ad Ser (8. /VII.); Tebris, in decli- 
vitatibiis apricis ad Sendschanab (l./VIIL); Isperechan, in m. 
Sahend lapidosis (4./VIII.). 
Hieracium iimhellatum L. — Boiss., Fl. Or., III, 877. 
Distr. Karadagh^ in silvis ad Hasanbe'ili (16./IX.). 

Hieracium prenantlioides Vill. — Boiss., Fl. Or., III, 878. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 

Lagoseris ohovata (Boiss., Diagn.) Bornm. — L. Orientalis Boiss. — 
Boiss., Fl. Or., III, 882. 

Kho'i, in arvis (25./ V.); inter Tebris et Kho'i ad Senneh in 
lapidosis (17. /V.); ad Khosrowo in argillosis (8. /VI., f. folio- 
rum segmentis acutis). 

Campanulaceae. 

Sympliandra armena Stev. — Boiss., Fl. Or., III, 890. 

Distr. Karadagh; in muscosis lapidosis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Campamda sclerotricha Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 901. 

Distr. Afschar; inter Hasanabad et Kiskapan in faucibus 

(16./V1II.) etpr. Kotursu in saxosis circa stagnulum (18./VIIL). 
Campanula rapunculoides L. — Boiss., Fl. Or., III, 922. 

Isperechan, in graminosis m. Sahend (30./VII.). 
Campamda hononiensis L. — Boiss., Fl. Or., III, 922. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 

10* 



148 



Josef B 1- n m ii 1 1 e r. 



Ccmpamda glomerata L. — Boiss., Fl. Or., III, 927. 

Urumia, in pratis montanis ad Ser (8. /VII.); Tebris, pr. 
pagum Sendsclianab in pratis (l./VIIL). 
Forma hispida Witasek in Annal. d. naturhist. Hofmus. in Wien, 
Bd. XX (1905), S. 419, (1907!). 
Tebris, in montosis aridis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Campamda propinqua Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 930. 
Khoi, in argillosis (27. /V.); Diliman, in argillosis ad Khos- 
rowo (8. et 9./VI.). 

Die mir seinerzeit von Freyn als G. projrinqua Fisch, 
et Mey. bestimmte Pflanze der kleinasiatischen Flora (Bornm., 
Nr. 581 und ebenso Nr. 3429) stellt eine etwas kleinblumige 
Form (ß. minor Bornm., herb.) von C. strigosa Russ. dar; eben- 
dazu gehört die von Haussknecht in Sintenis' Exsiccaten 
als C. propinqua bezeichnete Pflanze aus dem östlichen Pontus 
(Sint., Nr. 6014). Die echte Pflanze dieses Namens, die mit 
Szovits' Exsiccaten aus Transkaukasien übereinstimmt, besitzt 
spitze, über den Kelchtubus hinabreichende (also länger als 
dieser) Kelchanhängsel, auch ist das Indument der ganzen 
Pflanze und daher auch das Kolorit ein verschiedenes. 

Campamda p>]iyctidocalyx Boiss. et Noe. — Boiss., Fl. Or., III, 936 
(tubo calycino brevi ovato!). 
Diliman ad Tschahrik (16./VI.). 

Campamda Steveni M. B. — Boiss., Fl. Or., III, 936. 

Khoi, in saxosis pr. War (29./V.); DiHman, Khosrowo in m. 
Gelosa pratis (14./ VI.) et in m. Karnaru graminosis (lO./VI.); 
Ispercchan in m. Sahend lapidosis (4./VIII.). 

Podantlmm indclielUim Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., III, 947. 
Urumia, in saxosis ad Ser (8./ VII.); Diliman, Khosrowo i 
m. Karnaru lapidosis (lO./VI.). 

rodntillmm lameolatum (Willd.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., III, 951. 
Ispercchan in m. Sahend lapidosis (4./V.). 

PodanfliinH jwrslrum (DO.) Boiss. ft aspcnim (Boiss. Sj)cc.j l)()nini., 
Beihefte z. Bot. Zciitralbl., Bd. XX, Al)l. II, S. 17S. — Boiss., 
FI. Or., III, 954 (spcc). 
Urumia, in saxosis ad Ser (8./VII.j. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 149 



Priinulaceae. 

Änagallis arvensis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 6. 

In arvis ad Urumia, pr. Dise-siamek, Bend et ad Scher- 
Tschai ripas (28., 30./VL et 2., 8./VIL); Khosrowo, in agris 
(9./VL). 

Alle Exemplare neigen durch schmälere Blätter (dreimal 

so lang als breit) zur var. angustifolia Bornm., die Strauß 

im mittleren westlichen Persien sammelte. 
Glaux maritima L. — Boiss., Fl. Or., lY, 7. 

In pratis paludosis salsuginosis pr. Khoi (23. /V.), Urumia 

(4./YII.) et Diliman ad Tschahrik (16./VI.). 
Lysimacliia vulgaris L. — Boiss., Fl. Or., lY, 8. 

Urumia, in nemoribus humidis secus ripas Scher-Tschai (2./VII.). 
Androsace maxima L. — Boiss., Fl. Or., lY^ 18. 

Tebris. in arvis (2./Y.); in siccis glareosis ad Khoi (27. /Y.) 

et pr. War (29. /Y.); pr. Khosrowo (8./YI.) et in m. Gelosa 

(14./YI.); in arvis ad Urumia (28./YL); pr. Dise-siamek (oO./YL). 
Primida vulgaris Huds. (1762). — P. veris L. /. acaidis L. (1753). 

— P. acaidis Jacq. (1778). — Boiss., Fl. Or., lY, 24. 

Extra ditionis (Fersiae) fines: pr. Trapezunt (Auatoliae bor.), 

in siccis (8./IY.). 
Frimula macrocalyx Bge. — Boiss., Fl. Or., lY, 25. 

Distr. Karadagh, in silvarum umbrosis pr. pagum Alibulach 

(19./IX.). 

Primida auricidata Lam. — Boiss., Fl. Or., lY, 28. 

Tebris, in humidis ad Liwan (8./Y.). 

Die Exemplare, niedrig, mit kleinen, kurz gestielten 

Blüten, von spitzlichen gespreizten Hüllblättern umgeben, ge- 
[ hören der var. Stranssii Hausskn., Herb.; an. 

Oleaceae. 

Ligtisfrum vulgare L. — Boiss., Fl. Or., IV, 37. 

Distr. Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Fraxinus oxycarpa Willd. — F. oxypJujlla M. B. — Boiss., Fl. Or., 

IV, 40; Suppl., 343. 

Distr. Adschari, in dumetis secus rivum ad Güsilkapir (14./VIII.). 



150 



Josef Bor um ü Her. 



Jasminaceae. 

Jasmimm fruticans L. — Boiss., Fl. Or., IV, 42. 

Distr. Karadagh; in silvis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Apocynaceae. 

Vinca herhacea W. K. — Boiss., Fl. Or., IV, 45. 

Distr. Karadagh, in apricis lapidosis ad Alibulach (19. /IX.). 
Äpocynum veneümi L. — Boiss., Fl. Or., IV, 48. 

Urumia, Dise-siamek ad rivi ripas (30./VL). 

Asclepiadaceac. 

Vincetoxicum medium Decsn. — Boiss., Fl. Or., IV, 55. 

Distr. Karadagh, in dumetis ad Hasanbeili (17. /IX.; specimen 

fructiferum dubium). 
Cymnchim acutum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 60. 

Urumia, in arvorum versuris secus vias (28. /VI.). 

Grentiaiiaceae. 

Centaurium pulcliellum (Sw., 1783) Driice, 1897; Erythraea jml- 
cliella Fries., 1817; E. ramosissima Vill., 1785. — Boiss., 
Fl. Or., IV, 67. — Schinz et Tb eilung in Bull, de l'Herb. 
Boissier, 1907, p. 335. 

Urumia, in humidis ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.). 
Centaurium turcicum (Velen.); Erythraea turcica Velen., Fl. bulg. 

Urumia, in nemoribus secus rivum Scher-Tschai (2. VII.); 

distr. Afschar, ad aquas minerales ad Achmedabad (17. /VIII.). 
Centaurium spicatum (L.); Erythraea sxncata Fers. — Boiss., Fl. 

Or., IV, 69. 

]5inab (ad lacum Urumiensem), in salsis (26./Vni.). 
Gentiana gelida M. B. — Boiss., Fl. Or., IV, 75. 

Distr. Karadagh, in graminosis inter Alibulach et Dehli (20./IX. 
flor.j. 

Geniidha Olirieri Oriscb. — Hoiss., Fl. Or., IV, 76. 

Diiiiiian, in la])idosis ad pedcm m. Gclosa (14. /VI.). 
Gentiana cruciata L. — Boiss., Fi. Or., IV, 76. 

Dibtr. Karadagh, in (luiMctis ad Hasanbeili (17. /IX.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



151 



Sesainaceae. 

Sesamum indicum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 81. 
Maraga, in cultis ad Khanian (26. /VIII.). 

ConvolTulaceae. 

Conuolvidus commufatiis Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 94. 

Morandscbuk (in dit. urbis Diliman vel Urumia), in agrorum 

versuris (7. /VI.). 
Convolvuliis lineahis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 97. 

In ditione urbis Diliman, Malhan in siccis elatis (lO./VI.). 
Convolvidus reticulatus Choisy. — Boiss., Fl. Or., IV, 100. 

Sain-kale (distr. Adschari), in lapidosis (22./VIIL). 
Convolvidus pilosellifolius Desr. — Boiss., Fl. Or., IV, 103. 

Distr. Karadagh, in aridis lapidosis ad Hasanbeili (17. et 

18./IX.). 

Convolvidus stachydifolms Cboisy. — Boiss., Fl. Or., IV, 106. 

Kboi, in arvorum marginibus ad War (29. /V.). 
Convolvulus arvensis L. — Boiss., Fl. Or., IV^ 108. 

Khoi, in declivitatibus argillosis ad Karadschal. 
Cahjstegia sepium L. — Boiss., Fl. Or,, IV, III. 

Urumia, in dumetis ad Gök-tepe (Djök-tepe) (26. /VI.). 
Ctiscuta Epitliymum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 115. 

Diliman^ ad pedem m. Karnaru in graminosis (lO./VL). 
Cusctita planiflora Ten. ß. approximata Eng. — Boiss., Fl. Or., 

IV, 116. 

Urumia, in arvis (4./VII.); distr. Karadagh, in silvis ad Ali- 
bulach (19./IX.). 
Cuscida palaestina Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 116. 
Tebris, in lapidosis ad Sendschanab (2./VIII.). 

Boraginaceae. 

Heliotropimn Noeanum Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 128. 

Sa'in-kale (distr. Adschari), in glareosis secus rivum (13./VIII.). 
Heliotropiiim lasiocarpum Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 130. 

Diliman, in argillosis ad Khosrowo (8./VL); Urumia, in arvis 

(28./VI.). 



152 



Josef Bornmiiller. 



Heliotroplmn dissitiflornm Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 132. 

Diliman, in lapidosis ad Tscbahrik (17. /VI.); Urumia ad rivi 

Scher-Tschai ripas (2./V1I.); Maraga, ad aquas minerales pr. 

Aclikeiid (9./VIII.). 
Cerinthe minor L. — Boiss., FL Or., IV, 148. 

Distr. Afschar, in lapidosis ad Kiskapan (16./VIIL); Diliman, 

ad pedem m. Gelosa (14./VI.). 
Äncliusa arvensis (L.) M. B. ß. orientalis L. (pro spec). — Boiss., 

Fl. Or., IV, 161 (spec). 

Tebris, in agris (2./V.); Kho'i, in arvis (23./V.); ibidem ad 

Gesebt (30./V.); inter Tebris et Kboi, ad Sendscbire (21./V.). 
Nonnea melanocarpa Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 164. 

Tebris,inaoTis(2./V.);Klioi,inarvis(23./V.);pr.Urumia(2./VIT.). 
Nonnea pulla (L.) DC. — Boiss., Fl. Or., IV, 166. 

Tebris, in lapidosis (8./V., f. foliis angiistiorihus). 
Nonnea anchusoides Boiss. et Bubse. — Boiss., Fl. Or., IV, 168. 

Klioi, in argillosis ad Sendscbire (21. /V.). 
Sympliytum asperrimum Sm. — Boiss., Fl. Or., IV, 174. 

Distr. Karadagb, ad rivi ripas pr. Alibulach (19. /VI.). 
Ouosma sericeum Willd. — Boiss., Fl. Or., IV, 186. — Seminibus 

maturis nitidis laevissimis! 

Diliman, ad pedem m. Karnaru (10./ VI., flor.); Urumia, in rivi 

Scher-Tschai ripis glareosis (2./VII., c. fr.). 
Onosma microspermimi Stev. — Boiss., Fl. Or., IV, 191. 

Khoi, in saxosis ad War (29./V.); Diliman, ad pedem m. Kar- 
naru in lapidosis (lO./VI.); distr. Karadagb, in lapidosis aridis 

ad Ilasanbeili (17./IX.). 
Ecliium italicum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 205. 

Diliman, pr. pagum Tscbahrik (17./VI.). 
Arnchia deciimhens (Vcnt.) Cossen et Kral., 1857 (0. Kuntze, 1887); 

A. cormita (Lcd.) Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 213. 

inter Tebris et Kboi, in arvis ad Marand (20./ V.). 
Armhla UnearifoUa DC. — Boiss., Fl. Or., IV, 214. 

Kboi, in lapidosis (27. /V., friistulum c. flor. et fr.). 
/.ifhosjirrniHm arvcnsc L. — Boiss., Fl. Or., IV, 216. 

Klioi, in arvis ('23./V.); Tebris, in arvis (2./V.); Urumia, ad 

rivi Scber-'J'8cb;ii ripas (2./VII.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 153 

ß. Sihtliorpiamim Grieseb. (pro spec); flor. caeruleis, caulibus 

prostratis (2./V.). 
LttJiospermum officindle L. — Boiss., FI. Or., IV, 218. 

Dilimaii, ad pedem m. Karnaru lapidosis (10. /VI.); Kho'i, ad 

aquarum fossas (27. /V.). 
Llthospermum imrpureo-caerulenni L. — Boiss., Fl. Or., IV, 219. 

Distr. Karadagh, in silvis ad Alibulach (19. /IX.). 
MoltUa caerulea (Willd.) Lehm. — Boiss., Fl. Or., IV, 220. 

Tebris, in coUibus arenosis ad Lala (2./V.); Marand in apricis 

declivitatibns (19./V.); ad pedem m. Karnaru ditionis oppidi 

Diliman (lO./VL). 
Ällianna orientalis (L.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 227. 

Tebris, in argillosis (2./V.); Dihman, ad pedem m. Karnaru 

lapidosis (lO./VL). 
Myosotis alpestris Schmidt saltem Boiss., Fl. Or., IV, 238. 

Dihman, in m. Gelosa pratis (14./VI.); in m. Sahend scaturi- 

ginosis (6./VIII.). 
Myosotis sparsiflora Mik. — Boiss., Fl. Or., IV, 241. 

Urumia, in rivulorum ripis (28. /VI.); Tschahrik (ditionis Dili- 
man) in humidis saxosis (16. /VI.). 
Bochelia disperma (L.) Wettst. ; B. stelltäata Rchb. — Boiss., Fl. 

Or., IV, 244. 

Inter Tebris et Kho'i, in saxosis umbrosis ad Sendschire 

(21. /V.); Khosrowo, in glareosis m. Karnaru (12./ VI.). 
Boclielia perska Bge. — Boiss., Fl. Or., IV, 244. 

Ad Sendschire (iuter Tebris et Khoi) in umbrosis saxosis 

(21. /V.); Khosrowo, in m. Gelosa lapidosis (14. /VI.). 
Bochelia cardiosepala Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 246. 

Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14. /VI.). 
Ecliinospermum ecMnopJiorum (Fall., 1778); E. Szovitsianum Fisch. 

et Mey. (1835). — Boiss., Fl. Or., IV, 247. 

Khoi, in agris (23./V.); ibidem pr. War (29./V.); Tebris, in 

saxosis (11. /V.); inter Tebris et Kho'i, ad Sendschire (21./V.); 

Diliman, ad Tschahrik (16./ VI.). 

Die Exemplare von Tebris gehören der var. rigidum DC. 

(1846) an, die anderen zur var. typicum Rgl. {=a. mininmm 

[Lehm.] 0. Kuntze). 



154 



Josef B r n m ü 1 1 e r. 



Ecliinospermum spinocarpos (Forsk.) Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 249. 

Transcaucasia, in lapidosis ad Sadarag (IV., fructibus desi- 

deratis vix rite determinandum). 
Ecliinospenmm saxatile (Fall.) Wettst.; E. harhatum M. B. — Boiss., 

Fl. Or., IV, 250. 

Klioi, in agTorum versuris (23. et 25./V.). 
Ecliinospermum microcarpimi Led. — Boiss., Fl. Or., IV, 251. 

Inter Tebris et Klioi, ad Sendschire in arvis (21./V.); Khoi, 

pr. War (29. /V., fragmenta). 
Paracorijmn undnlatmn Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 257. 

Ad Marand in lapidosis (19. /V.); inter Tebris et Khoi ad 

Sendschire in lapidosis (21. /V.); Diliman^ in glareosis ad Khos- 

rowo (9./VI.) et ad pedem m. Karnaru in lapidosis (lO./VL). 
Cynoglossum montamtm Lam. — Boiss., Fl. Or., IV, 264. 

Diliman, Khosrowo in hortorum lapidosis (8. /VI.). 
Cynoglossum officmale L. — Boiss., Fl. Or., IV, 265. 

Khosrowo, in hortorum lapidosis (8. /VI.). 
Solenanthus hrachystemon Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 268. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.). 
Matüa lanata (Lam.) Schult. — Boiss., Fl. Or., IV, 273. — Var. 

stenophylla Bornm., Beihefte z. Bot. Zentralbl., Bd. XX, Abt. II, 

S. 194. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.); Diliman, in saxosis m. 

Karnaru (12./VI.). 
Asperugo p)rocum'bens L. — Boiss., Fl. Or., IV, 275. 

In umbrosis saxosis m. Karnaru ditionis oppidi Diliman (12. /VI.); 

Tebris, in agris (2./V.). 
Caccinla crassifolia (Vent.) 0. Kuntze, Act. Ilorti Petrop., Vol. X, 

p. 212; C. glauca Savi. — Boiss., Fl. Or., IV, 277. 

Inter Tebris et Khoi, ad Senneh in arvis lapidosis (lO./V.). 
Trichodeswa molk DC. — Boiss., Fl. Or., IV, 281. 

SaTn-kale, in lapidosis (14./ VIII.); Ilasanabad (distr. Afschar) 

in lai)ido8is (19./V1II.). 

Sohiniiccae. 



Solanum nigrnm L. — Boiss., Fl. Or., IV, 285. 
Uruniin, in iiicultis (28./VI.J. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persieu gesammelten Pflanzen. 155 

Solanum Didcamara L. ß. indivisum Boiss. — Boiss., Fl. Or., 
IV, 285. 

Diliman, Khosrowo ad rivi ripas (9. /VI.). 
Pkysocaidis Älkekengi L. — Boiss., Fl. Or., IV, 287. 

Distr. Karadagh, Hasanbeili in silvis caeduis (17. /IX.). 
Lijcimn rutlienkum Murr. — Boiss., Fl. Or., IV, 290. 

Khoi, ad agrorum versuras ad Gescht (30./ V.); Urumia, in 

siccis g-lareosis (4./ VII.) et ad Gömör-chane in salsis (25./ VI.); 

Hasanabad (distr. Afscliar), in vastis locis (15. /VIII., rami 

steriles); Le'ilan (distr. Adschari), in pascuis (23./VIII.). 
Lyckim turcomanicum Turcz. — Boiss., Fl. Or., IV, 290. — Fila- 

mentis basi hirsutis, habitu L. harhari L. 

Distr. Karadagh, in ruderatis ad Hasanbeili. 
Batura Siramonium L. — Boiss., Fl. Or., IV, 292. 

Urumia, in incultis (28. /VI.); ibidem ad Gök-tepe (28./VI.). 
Hyoscyamus pusülus L. — Boiss., Fl. Or., IV, 294. 

Inter Tebris et Khoi, in ruderatis ad Sendschire (21. /V.); ad 

Khoi (23., 25./V.) et ad Urumia (28./V.) in agris. 
Hyoscyamus retictdaius L. — Boiss., Fl. Or., IV, 295. 

Tebris, in argillosis (2./V.); Khoi, in arvis ad War. 
Physoclaina orientalis (M. B.) Don. — Boiss., Fl. Or., IV, 295. 

Diliman, in saxorum fissuris ad Tschahrik (16./VI.). 

Scrophulariaceae. 

Verhascum macrocarpum Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 308. 
Urumia, Digele in agrorum versuris (28. /VI.). 

Verhasawi daenense Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 318. 

Diliman, Khosrowo in agrorum versuris (9./VL); ad pedem 
m. Gelosa in aridis (14./VI.); in m. Sahend lapidosis (6./VIII., 
forma a typo paulo divergens foliis virescentibus calycibusque 
minoribus). 

Verhascum simiatum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 322. 

Distr. Adschari, Mahmudtschik secus vias (22. /VIII.). 
Verhascum plweniceum L. — Boiss., Fl. Or., IV, 346. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VIL); Diliman, in m. Gelosa 

pratis (14./VI.). 



156 



Josef B r n nüi 1 1 e r. 



Celsia persica C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 355. 

Diliman, Tschabrik in lapidosis (17. /VI.); ad pedem m. Kar- 

naru in glareosis (lO./VL, f. foliis inciso-serrato-dentatis, non 

Xnnnaü-parütis). 
Celsia lieterophjUa Desf. — Boiss., Fl. Or., IV, 359. 

Diliman, in rivi arenosis ad Tscbahrik (16. /VI.). 
Celsia aurea C. Koch. — Boiss., Fl. Or., IV, 361. 

Montis Sabend in lapidosis (6. /VIII.). 
Linaria spiiria L. — Boiss., Fl. Or., IV, 366. 

Urumia, in cultis ad Dise-siamek (30./VL); in cultis ad Kbanian 

(26./VIIL). 

Linaria pyramiclata (Lam.) Spr. — Boiss., Fl. Or., IV, 370. 

Diliman, ad pedem m. Gelosa in lapidosis (4./VI.); Urumia, 

in lapidosis ad Ser (8./VIL). 
Linaria fastigiata Cbav. — Boiss., Fl. Or., IV, 371. 

Isperecban, in m. Sabend lapidosis (4./VIII.). 
Linaria arvensis (L.) Desf. — Boiss., Fl. Or., IV, 375. 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in apricis (12./VL); Diliman 

in montium glareosis ad Tsebabrik (17. /VI.). 
Linaria dalmatica (L.) Mill. — Boiss., Fl. Or., IV, 376. 

Tebris, in lapidosis ad Sendsebanab (l./VIIL). 
Linaria lineolata Boiss. ß. elymaitica Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 379. 

Isperecban, in graminosis m. Sabend (30./VII.). 
Scroplmlaria alata GiHb. ß. cordata Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 400. 

Urumia, in rivulorum ripis (28./VI.). 
Scroplmlaria ruüfolia Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 404. 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in lapidosis (lO./VL, f. gracilio' 

sesquipedalis). 

Scrophidaria xanfJioglossa Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 413. 
Khoi, in argillosis ad War (29./V.). 

Ansclieincnd zweijäbrig, aber wobl nur ein junges, zum 
erstenmal bllibendes Exemplar. Anbängsel breit, nierenförmig. 
? Scrojthidnria jirninosa Boiss. - - Boiss., Fl. Or., IV, 416. 
'\\'W\^, in argillosis f2./V.). 

Ks liegt nur ein sebr kleines Individuimi mii noch gc- 
HcbloHHcnen I^>1 Ilten vor, das aber kaum einer anderen Art 
angebörcii kann. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 157 

Scrophdaria canina L. — Boiss., Fl. Or., IV, 419. 

Urumia, ad Scher-Tschai ripas (2./VIL). 

Nur fruchtend ; eventuell zu S. xanthoglossa Boiss. gehörig. 
Scrophidaria variegata M. B. — Boiss., Fl. Or., IV, 417. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris (12./VL, f. foliis indivisis et 

f. foliis hasin versus pinnatifidis). 
Bodartia orientaUs L. — Boiss., Fl. Or., IV, 424. 

Urumia, in arvis (28./VI. et 4./VII.). 
Digitalis nervosa Steud. et Höchst. — Boiss., Fl. Or., IV, 430. 

Karadagh, Hasanbeili in silvis (17. /IX.) et Alibulach in dumetis 

(19,/IX.). 

Veronica Anagallis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 437. 
Khoi, ad aquas stagnantes (23. /V.). 

Veronica anagalloides Guss. — Boiss., Fl. Or., IV, 437. 
Khoi, ad aquas (21. jY.). 

Veronica Beccahunga L. — Boiss., Fl. Or., IV, 438. 
Ad m. Sahend rivulos fontesque (6./VIIL). 

Veronica microcarpa Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 440. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.); ibidem pr. War (29. /V.); inter 
Diliman, ad pedem m. Karnaru (10./ VI.) et in m. Gelosa lapi- 
dosis (14./VI.). 

Veronica Biehersteinii Richter. — Boiss., Fl. Or., IV, 442 („F. 
nitdtifida L."). 

Inter Tebris et Khoi, ad Marand in graminosis. 
Veronica hurdica Bth. — Boiss., Fl. Or., IV, 443. 

Montis Tacht-i-Bälkis ad nives liquescentes (18./ VIII.). 
Veronica glaherrima Boiss. et Bai. — V. conferta Boiss., Fl. Or., IV, 459. 

Urumia, in ripi Scher-Tschai ripas (4./VII.). 
Veronica biloba L. — Boiss., Fl. Or., IV, 464. 

Inter Tebris et Khoi, ad Marand in arvis (19. /V., specimen 

unicum nondum floriferum pessimum). 
Veronica campijlopoda Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 464. 

In arvis pr. Tebris (2./V.), Khoi (23./V.), Khosrowo (8./VI.) 

et Urumia (28./VI.). 
Veronica Tournefortii Gmel. — Boiss., Fl. Or., IV, 466. 

Urumia, in rivulorum ripis (28./VL); Karadagh, Arasin ad 

pedem m. Naulu-bulach (19./IX.). 



158 



Josef Bornmiiller. 



Veronica xiolita Fries; didyma Ten. — Boiss., Fl. Or., IV, 466. 

In arvis ad Tebris et Urumia (2./V. et 28./VI.). 
Lagotis stolonifera (C. Koch) Maxim., Ac. Petersb., Vol. XXVII, 

p. 525 (1881). — Boiss., Fl. Or., IV, 527 (Gijmnandra stolonifera 

C. Koch ordinis Selaginaceanm). Vgl. Wettstein in Engler, 

Nat. Pfl.-Fam., Bd. IV, 3b, S. 83 und 84. 

Inter Tebris et Khoi, in salsis humidis pr. Schurderek. 
Odontites Äucheri Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 475. 

Urumia, in montium argillosis pr. Ser (8./VIL); Isperechan, 

in g-raminosis (30. /VII.). 
Fedicularis caucasica M. B. — Boiss., Fl. Or., IV, 483. 

Isperechan, in m. Sahend graminosis (5. /VIII., specimen unicum 

minutum nondum florens). 
Fedicularis comosa L. var. acmodonta Boiss. — Boiss., Fl. Or., 

IV, 492. 

Diliman, in m. Karnaru pratis depressis (12./VI.); Tebris; 
Sendschanab, in pratis humidis (l./VIII.). 

Orobanchaceae. (Determ. cl. G. v. Beck.) 

OrohancJie (Flielipaea) Muteiii Sz. — G. v. Beck, Monogr. Orob., 

S. 95. — Boiss., Fl. Or., IV, 499 (pro var. Fh. ramosae L.). 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VI.). 

Die Exemplare sind sehr dürftig und kaum bestimmbar. 
Ch'ohanche (Flielipaea) aegyptiaca Pers. — G. v. Beck, Monogr. 

Orob., S. 100. — Boiss., Fl. Or., IV, 499 (Flielipaea). 

Khanian, in cultis (in Solano nigro parasitica; 26./ VI.). 
Orohanche (Fhelipaea) orientalis G. v. Beck, Monogr. Orob., S. 110. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12./VI.). 

Neu für die Flora Persiens; bisher nur aus Afghanistan 

und von den Gebieten des Ilimalaia bekannt. 
Orohanche coelesiis Boiss. et Beut. — G. v. Beck, Monogr. Orob., 

S. 114-115. - Boiss., Fl. Or., IV, 496 (Fhelipaea). 

Standortsangabe fehlt; vermutlich westlich vom Urumia- 

Sec gesammelt, auf Eryngium schmarotzend. Das einzige 

Individuum gchlirt der f. prrsica G. v. Heck an. 
Orohanrhe caesla liciclib. (i. horealis ^J'urcz. var. caucasica Beck 

(nov. var.;. Conf Monogr. Orob., S. 120. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 159 



Diliman, ad pedem m, Karnaru in lapidosis (10./ VI.) et inter 
Sorgul et Gawilan in arvis (21. /VI.); Tebris, Isperechan in 
graminosis (30. /VII.). 

Orohanche cernua Loefl. f. cumana G. v. Beck, Monogr. Orob., 
S. 141—143. — Boiss., Fl. Or., IV, 514. 
In radice SoncJii uliginosi. In collium glareosis ad Urumia 
(2. et 4./ VII.); ibidem pr. Dise-samek (30./VL). 

Orohanche Kotschyi Reut. — G. v. Beck, Monogr. Orob., S. 146-147. 
In radice Ferulae ScMechtendahlii Boiss. In lapidosis ad Ser 
agri Urumiensis; Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12. /VI.). 

Orohanche cistanchoides G. v. Beck, Monogr. Orob., S. 150. — Var. 
(nov.) gentianea Beck. 

Diliman, in montium glareosis ad Tscbahrik (17. /VI.). 
Orohanche hirdica Boiss. et Hausskn. — G. v. Beck, Monogr. Orob., 

S. 181. — Boiss., Fl. Or., IV, 505. 

Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14./ VI.). 
Orohanche Raddeana G. v. Beck^ Monogr. Orob., S. 194. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12./VI.). 
Orohanche lutea Bmg. — G. v. Beck, Monogr. Orob., S. 202. — 

0. rnhens Wallr. — Boiss., Fl. Or., IV, 511. 

Inter Khoi et Diliman, War in saxosis (29./V.). 

Acanthaceae. 

Äcanthus Dioscorides L. var. grandiflorus Bornm. in Mitt. d. Tbüring. 
Bot.Ver., N. F., Heft VI (1894), S.67; Heft X (1897), S. 65. 
— Syn.: Ä. JBoissieri Freyn in Bull, de l'Herb. Boissier, Vol. III 
(1895), p. 140, non Hausskn. in Sitzungsber. d. Bot. Ver. f. 
Gesamt-Thüring. [in Mitteil, der Geogr. Ges. Tbüringen, Jena, 
Bd. VI, S. 62 (1886)] und Mitt. d. Tbüring. Bot. Ver., N. F., 
Heft X, S. 65 (1897). 

Distr. Afscbar, Tschupli in graminosis (15./VIII.). 

Griobulariaceae. 

Glohtdaria trichosantha Fiscb. et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 529. 
Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14./VI.); Urumia, in montium 
graminosis pr. Ser (8./VII.). 



160 



Josef Bornmüller. 



Verben aceae. 

Verhena offwinalis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 534. 
Ururnia, in cultis (28./VL). 

Labiatae.^) 

Mentha viridis L. (pro var.) var. Lejeimiana Opiz. Urumia et Kho'i. 

— 31. incana Willd. Diliman, ad Tschahrik. — M. chale- 
pensis Mill. Urumia, pr. Dise-siamek, 

Lycojms enropaens L. Tebris, ad occasum urbis pr. Merdise; Khanian, 

ad litus Orientale lacus Urumiensis. 
Origmimn parviflorum D'Urville (0. vulgare ß. virens Boiss.). Kara- 

dag-h, ad Hasanbeili. 
Thymus Kotschyanus Boiss. et Hob. Isperecban, Sabend (a. Mrta 

Boiss. et Hob. f. Jdrtifolia H. Braun); üiHman, ad Tscbabrik, 

et Urumia {ß. glahrescens Boiss. et Hob. f. glahrifolia H. Braun). 

— Var. intercedens H. Braun. Kboi, ad War; Diliman, in m. 
Karnaru; Karadagb, ad Hasanbeili. — Th. hirsutiis M. B. Acli- 
medabad (distr. Afsebar). 

Satureia liortensis L. Tebris, in hortis ad Scbindawur (l./X., non 
dum fiorens); Karadagb, ad Hasanbeili. — 8. macranfha C. 
A. Mey. Karadagb, ad Hasanbeili. 

Satureia sahendica Bornm. nov. spec. (sect. Sahhatia Briq.). 
§ 3. Suhhilahiatae Boiss., Fl. Or., IV, 564. 

JBasi lignosa, er ehre multicaiäis, suffniticoso-dumulosa 
suhpedalis; caulihus undigue pilis alhis hrevihus deorsu 
curvatis canescentihus, tenuihus simpUeihus vel parce erccto- 
ramtdosis; foliis sparsim setulis sursum curvatis obsitis glandu- 
lisque sessilihus purpureis lacunoso-immersis dense pmictatis, 
ohlongo-linearihus (8 — 12 mm longis), margine integris sed 
valde revolutis, saepius complieatis, apice ohtusiusculis, omnihns 
rcmoiis ereeto-patentihus, inferiorihus saejnus fasciculatis, supe- 

') licreits bciirbcitot von II. Jirauii in (lios(!n „ Vcrlian(llini^>(ni", 
VA. XXXIX (Jjilir/^. 1880), S. 213—237. Usirnuf verweisend, bcscliriinke icli 
iiiieli auf (ii(; lOniimcratio der Arten unter l?(!ij[?al)(; berielitigter (bezieliungs- 
weine kr)nf()rni('r) Sclireil)weiHe der Standorte und deren f^eiiauercT Lage, 
Kinit^e Arten, die M. liraun niclit vor^^'-elcf^en liatlen, diiniiifer eine neue 
»Satureia, werden Uiit auff^eziiiiit. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 161 

ri&rihus oxjposito-solitariis, floralihus pmilo tantum deminutis 
stihconformihiisque (linear i-lanceolatis ) cymulos subsuperantibus ; 
verticillastris remotis 4 — 6-floris saexyissme vero titriusque 
cymiili siihsessilis flore iinico evoluto 2-floris, internodio hreviori- 
hus; calycis tubidosi canescentis inter nervös decem hreviter 
patentim seüdosos glandidoso-punctaü dentihus inaequalibiis 
erectis, inferioribiis angustissime lanceolatis siihidatis tiibum 
subaequantihus vel eo tertia parte hreviorihtis, superiorihus e 
hasi triangidari suhidatis tiiho duplo hreviorihus ; corollae 
extus liirsidae aJhidae (vel riolascentis) 12 mm longae tubo 
calycem suMuplo longiore, limho parvo; antJieris (speciminis 
■ unici male conservati) violascenühus siihexsertis. 

Montis Sahend in glareosis („Isperechan*', 30./VIL). 
A specie nostra nova facile distingiiendae sunt seriei 
Suhhilahiafarim sequentes: 

•S'. atropatana Bge. (e Diagn.). Dentihus calycinis superiorihus hre- 
vissimis deltoideo-triangidarihus (nec suhtdatis). 

S. longiflora Boiss. et Hausskn. (syn. S. Boissieri Briq., S. Edmondi 
Briq.). (Calycis glahri sid) lente pjruinosi dentihus hrevihus, 
foliis ohovato-ohlongis); vidi orig.I 

S. macrosiplionia Bornm. (Fedde, Repert., 1909). Corollae tuho 
longissimo, 2 cm longo! 

S. macrantha C. A. Mey. (a Knapp quoque ad Hasanbeili ejusdem 
ditionis classiei lectal). Foliis lineari-spathidatis, calyce suh- 
campanulato purpureo-timto parcissime Jiirto et (saltem in 
pilanta Knappiana) mimde papülari (nec tuhidoso viridi-cane- 
scente dense setuloso nec glanduliscpie magnis sessilihus punc- 
tato), ohsolete nervoso. 

S. spicigera C.Koch (Bai., Sint., Exsiec.I). Hahitu, foliorum forma 
et indumento, corollae limho magno, antlieris exsertis. 

S. mutica Fisch, et Mey. (Buhse, Exsiec.I). Hahitu, foliis suhglahris, 
calycis hrevis dentihus lanceolatis ohtusis tuhum suhaequantihus. 

S. suhdentata Boiss. (sec. descript.). Foliis viridihus lucidis glahris 
repjando-denticidatis, cymis stricte peduncidatis etc. 

S. Boissieri Boiss. et Hausskn. (ex orig.I). Verticillastris in spicam 
terminalem densiuscidam approximcäis (nec remote suhhifloris), 
ccdycis dentihus superioi'ihus triangulär ihus nervis ternis crassis 

Z. B. Ges. 60. Bd. 11 



162 



Josef BornmüUer. 



percursis etc. distinctissma qtiamvis foliorum forma et indu- 
mento et glandidositate haud dissimilis. 

Ccdamintha intermedia (Baumg.). Karadagli, ad Hasanbeili. — C. 
nmhrosa M. B. Karadagb, ad Alibulach. — C. Äcinos (L.) 
Bth. Karadagb, ad Alibulacb. — C. graveolens (M. B.) Bth.*) 
Diliman, in m. Karnaru; inter Tebris et Kboi, ad Sendscbire. 

Glinopodium vidgare L. Karadagb, ad Hasanbeili. 

Melissa officinalis L. Karadagb, ad Hasanbe'ili. 

Zizipliora rigida (Boiss. pro var. Z. clinopodioides M. B.) Stapf, Bot. 
Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. I, S. 35 (1885). Tebris, ad Liwan 
et ad Sendscbanab. — Z. persica Bunge {„Z. tenuior" Boiss., 
Fl. Or., IV, 587, pr. p.). Diliman, ad Tschabrik. — Z. 
tenuior L. Ad Kboi; ibidem ad pagum War; Diliman, ad 
Kbosrowo; Urumia, ad Dise-siamek. 

Salvia Hydrangea (DC, Herb.) Btb. Inter Diliman et Urumia, in 
lapidosis inter Sorgul et Gawilan („Salivan"). — 8. Shielei 
Boiss. Urumia, ad pagum Ser. — S. Ssovitsiana Bunge. 
Urumia, ad Ser. — S. gltitinosa L. Karadagb, ad Hasanbeili. 
— S. syriaca L. Tebris, ad Sendscbanab. — S. verhascifoli 
M. B. Tebris, ad Liwan; Karadagb, ad Alibulacb; Diliman 
in m. Gelosa. — S. limhata C. A. Mey. Diliman, in m. Karnaru 
Urumia, ad Ser. — S. campestris Güldenst. (S. virgata Boiss. 
non Ait.). Karadagb, ad Alibulacb. — S. nemorosa L. (= S 
silvestris aut. et (?) S. pseudosilvestris Stapf). Kboi^ ad Kara 
dscbal. — S. verticillata L. Tebris, ad Sendscbanab. — Var. 
Diliman, ad Tscbabrik. 

Nepeta mentlioides Boiss. et Bulise ß. viresccns Regel, Act. Hort 
Petrop., Vol. VI, p. 360 (1880). In m. Sabend. — N. rac 
mosa Lani. Diliman, in m. Gelosa. — N. nuda L. (als Syn 
nym wird N. meda Stapf, l^ot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. I, 
1885, S. 64, genannt). In m. Sabend. — iV. mlcrantha Bunge. 
Inter Tebris et Kboi, ad Maraiid; ad Tebris; Diliman, ad 

'j N;icli VriMMiiiguii;; von Acinos rotuHdifolia Vcr». (1807) mit Tliynins 
firnrcolnis M. H. (IHOO) (Hyn. Thymus cxifinm S. S., 1800, iiiclit. 180G) lial, iniscn! 
I'Hmii/,«- ('aldwiiilha rahnnUfolia (l'crH.) litli. (- Snlurcin rolvvdifoiui Hri(|.) 
/A\ ii(rili('n. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 163 



Khosrowo; Transcaucasia, ad Nakitschewan. — JSf. Wettsteinii 
H. Braun uov. spec. sectionis Micronepetae.^) Tebris, ad 
Sendschanab. 

Dracocephalum moldavicum L. (determ. Bornm.). Urumia, in agris 

ad Dise-siamek colitur (in enum. H. Braunii desideratur). 
Lallemantia pelfata (L.) Fisch, et Mey. Tebris, ad Sendschanab. 

— L. iherica Stev. Tebris, ad Isperechan; ad Khoi, ibidem 
ad War; inter Khoi et Tebris, ad Sendschire; Achtscha- 
medschidscheh (Lage des Ortes, zumal auch das Sammeldatum 
nicht angegeben, nicht zu ermitteln). 

Saitellaria orientalis L. var. pinnatifida Eeichb. Inter Tebris et 

Khoi, ad Sendschire; Diliman, in m. Karnaru et in m. Gelosa; 

ad Urumia. — Sc. alhida L. Distr. Afschar, ad Kiskapan. — 

Sc. galericulata L. Urumia, ad Bend. 
Brunella vulgaris L. Urumia, ad Dise-siamek. 
Marruhium astr acanicum Jacq. Tebris, ad Isperechan; Urumia, ad 

Ser. — M.propinquum Fisch, et Mey. Tebris, ad Sendschanab. 

— M. hallotae forme H. Braun nov. spec. Distr. Afschar, 
inter Hasanabad et Kiskapan. — M. parviflorum Fisch, et 
Mey. Tebris, ad Isperechan ; Diliman, ad Tschahrik. — Var. 
oligodon Boiss. Diliman, ad Tschahrik. 

Sideriiis purpurea Talbot. Khoi, ad War; Diliman, in m. Karnaru 
et ad Tschahrik; ad Urumia. — S. montana L. Tebris, ad 
Sendschanab; Diliman, in m. Karnaru. 

Stacliys lanata Jacq. Karadagh, ad Hasanbeili et Alibulach. — S. 
spectahilis Choisy in DC. Distr. Afschar, ad Kiskapan. — 
S. süvatica L. Karadagh, ad Alibulach. — S. pallustris L. 
Diliman, ad Tschahrik. — Var. viridifolia Ledeb. Urumia, 
ad Ser. — S. subcrenata Vis. {S. sideritoides C. Koch, S. recta L. 
var. sideritoides Boiss.). Karadagh, ad Ahbulach; Karadagh, 
ad Alibulach et Hasanbeili. — S. Benthamiana Boiss., Fl. Or., 
IV, 734; var. glaherrima Bornm. in Beihefte d. Bot. Zentralbl., 
Bd. XXII (1907), S. 132 (determ. Bornm.; in enumeratione 



^) N. Wettsteinii H. Bi aun gehört nicht zur Sektion Micranthae, wie 
ich in Bull, de FHerb. Boissier, Vol. VII (1899), p. 252, angab, sondern (des 
gerade vorgestreckten Kelchsaumes halber) zu Micronepeta. 

11* 



164 



Josef Bornmüller. 



cl. H. Braun non indicatiir). Klioi, in saxorum fissuris ad 
War (29./V.). — S. friiticiilosa M. B. ß. macrocheilos Boiss. 
Klioi, in lapidosis. — S. inflata Btli. Urumia, ad Sameschli. 

— S. lavandulifolia Vahl. Kho'i, ad War. — S. pubescens Ten. 
Diliman, ad Khosrowo; Urumia ad rivum Scher-Tschai. 

JBetonica orientalis L. Karadagli, inter Alibulach et Dahli (Dehli). 
Leommis Cardiaca L. /?. villosus Bth. [L. villosus Desf.^)]. Urumia, 
ad Dise-siamek. 

Lamium amplexicaule L. Tebris. — L. maculatum L. In m. Sahend; 
Diliman, in m. Karnaru. — L. alhiim L. In m. Sahend; Dili- 
man, in m. Gelosa; Karadagh, ad Hasanbe'ili. 

Ballota nigra L. Diliman, ad Tschahrik. 

Flüomis armeniaca Willd. Diliman, ad Tschahrik; Urumia, ad Ser. 

— PJi. ptmgens Willd. Urumia, ad Sameschli et ad fluv. 
Scher-Tschai. — Ph. tiiberosa L. Urumia, ad Ser. 

Eremostachys laciniata L. Diliman, ad Morandschuk („Marandjuk"). 
Ajuga Chamaejntys L.^) Inter Tebris et Khoi, ad Marand. 
Teucrium Orientale L. Diliman, ad Khosrowo. — Ibidem ß. villo- 

sum Bth. in DC. — T. scordioides Schreb. Sain-kale. — T, 

Chamaedrys L. Karadagh, ad Hasanbeili. — T. Polium L. 

Diliman, ad Tschahrik; ad Urumia. — Var. angustifolium Bo\s8. 

Urumia, ad Sameschli. 

Plumbaginaceae. 

Acantholimon hracteatum Girard. — Boiss., Fl. Or., IV, 827. 

Tebris, in saxosis ad Sendschanab (l./VIIL); Urumia, ad 
Sameschli in lapidosis (7. /VII.); inter Diliman et Urumia, ad 
pedem m. Karnaru (10. /VI.). 

Die von Kronen bürg am Warasch-dagh bei Wan ge- 
sammelte Form dieser Art besitzt halb so lange Blätter als 
die typische Pflanze; ich bezeichnete sie als var. hrevifoliuw 
Bornm. 

Acantholitvon hromifolium Boiss. et Ilausskn. var. (nov.) approxi- 
matum Bornm.; dijj'cri a ty])o (coiif. Boiss., FI. Or., IV, 82i)) 

') JioiHHior (Fl. Or., IV, 753) bcluindolt diese; l'Han/c oboiifMlIs nls 
Varietät, iiiciit als (;i;,M!ii(! Art. 

II. Braun Hclircilit konHceiiicnl (ob DriickrelilerV) Ä. Chamaepytis. 



Bearbeitung von' im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 165 



scapis ahhreviatis 3 — 6-spiculatis, spiculis majusculis 2 — 4-floris 
superiorihus ap)proximatis. 

Distr. Afschar, in asperis m. Taclit-i- Balkis (18./VIIL). 
Acantholimon Olivieri Jaub. et Spach. — Boiss., Fl. Or., IV, 832 

{Ä. venusti Boiss. var.). 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Acantliolmon araxanum Bge. — Boiss., Fl. Or., IV, 834. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (10./ VI.) et in saxosis ad 

Tschahrik (16. /VI.); Maraga, ad aquas minerales pr. Achkend 

(9./VIIL, speeimen perpauperum). 

Acantholimon sahendicum Boiss. et Buhse. — Boiss., Fl. Or., IV, 

835. — An ab A. glumaceo specifice diversum? 

Montis Sahend in lapidosis (4./V1II.); distr. Afschar, in alpe 

Tacht-i-Bälkis (18./VIII.). 
Acantholimon acerosum Willd. — Boiss., Fl. Or., IV, 838. 
11^ Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII., f. foliis longissimis). 
Statice Gmelini Willd. — Boiss., Fl. Or., IV, 859. 

Tebris, in salsis ad lacum pr. Schindawur (l./X.); ad Achkend 

(distr. Adschari), in salsis (22./VIII.). 
Statice caspica Willd. var. (nov.) urumiensis Bornm. ; differt a typo 

(conf. Boiss., Fl. Or., IV, 805) squamis caulinis minutis lierha- 
^ ceo-fuscis vel hreviter tantum hyalino-apiculatis, foliis saepius 

majusculis 4 — 5 X 0'5 — 0'7 cm usque longis latis. 

Ad litus Orientale lacus Urumiensis inter pagum Khanian et 

pagum Gogan (27. /VIII.). 
Plumbago europaea L. — Boiss., FI. Or., IV, 875. 

Karadagh; Hasanbeili in silvis caeduis (16./IX.). 

Plantagiiiaceae. 

Plantago major L. — Boiss., Fl. Or., IV, 878. 

In m. Sahend depressis secus rivulos (6./VIII.); Urumia, in 

rivulorum ripis (28. /VI.); Khanian, in versuris (26./V1II.). 
Plantago saxatilis M. B. — Boiss., Fl. Or., IV, 880. 

Isperechan in m. Sahend lapidosis; Karadagh, inter Alibulach 

et Dehli in graminosis (20./IX.). 



166 



Josef Bornmüller. 



Plantago lanceolata L. — Boiss., Fl. Or., IV, 881. 

Khoi, in apricis aridis (23./V.); Urumia, in montosis ad Ser 

(8./VII.) et pr. Dise-siamek (30./VL). 
ß. altissima Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 881. 

Khoi, in graminosis (27. /V.). 
y. eriocephala Decsn. — Boiss., Fl. Or., IV, 881. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VIL) et in graminosis 

ad Dise-siamek (30./VI.); Diliman, in glareosis ad Khosrowo 

(9. /VI., f. foliis ad hasin dense lanaüs)\ distr. Afschar, Acb- 

medabad ad aquas minerales (17. /VII.); distr. Karadagh, in 

graminosis ad Alibulach (19./IX.). 
ö. capitata Presl. — Boiss., Fl. Or., IV, 881. 

Khoi, in pratis siccis (23./ VIII.). 
Tlantago maritima L. — Boiss., Fl. Or., IV, 889. 

Urumia, iuter Guschtsebi et Sahatli in salsis (20./VII.); distr. 

Afschar, ad aquas minerales pr. Achmedabad (17. /VIII.). 

Salsolaceae.^) 

Beta longespicata Moq. Diliman, ad Tschahrik. (Bemerkung. 

Boissier [Fl. Or., IV, 899] vereinigt diese Art mit B. loma- 

togona Fisch, et Mey.) 
Chenojyodium alhum L. Tebris, ad Isperechan; ad Khanian („Ch 

nian"); Urumia, ad rivum Scher-Tschai et pr. Dise-siamek. 

Ch. Vuharia L. Tebris, ad Sendschanab. — Ch. Botrys L 

Diliman, ad Khosrowo. 
Blitiim rubrum (L.) Rchb. Karadagh, ad Hasanbcili. — B. virg 

tum L. Diliman, ad Tschahrik; Urumia, ad rivum Schcr-Tschai 
Spinacia oleracea L. Ad Khoi et Tebris. 

Atriplex nitens (Rebcnt.) Schk. Proi)e Merdise ad occasum urbi 
Tebris. — A. littorale \j. Urumia, ad Gihniirchanc et Dis 
siamek. — A. hastaium L. Diliman, ad Tschahrik. — ^ 
laciniaium L. Tebris, occasum versus ad Mcrdisc; ad Urumi 
ibidem orientem versus inter Sahath et Gus(;litschi ; inte 

*) Bereits von C. Rechinf^er bearbeitet; v^^l. (li(!H(^ „Verliaudliinffen", 
Bd. XXXIX, S. 2'10— 245; (ibenda die folgenden Familien Amaranlaccae und 
J'nli/fffmdccfir^ deren Arten icli iiaincMitlicli noeli (iinmal JinfzUlde mit näherer 
Bezcielinung der Lage der angeführten Standorte. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 167 

Maraga et Marhametabad, ad pagüm Gul. — Ä. verrucifenmi 
M. B. Tebris, ad occasum urbis, ad Schindawur. 

Eurotia ceratoides (L.) C. A. Mey. Urumia, ad Sameschli. 

Ceratocarpus arenarins L. Tebris, ad Merdise; Khoi, ad Gesellt; 
Urumia, ad Dise-siamek. 

Kochia scoparia (L.) Schrad. Ad Khanian (26./Vni., nicht 26./VL!). 

— K. liyssopifolia Pall. Ad Urumia; Diliman, ad Khosrowo. 

— K. lanata (Jacq. in herb. DC. sub Chenolea) Rechinger. 
Urumia, ad Sameschli. 

Bemerkung: Diese wohl neue Kombination ist nach 
DC, Prodr., XIII, 2, p. 132 (nicht 216!), wo Chenolea (nicht 
Glienolaena!) lanata Jacq. genannt wird, identisch mit K. 
2)rostrata (L.) Schrad. ß. canescens Moq., Chenop. enum., p. 93, 
DC, Prodr., 1. c, die Boissier, Fl Or., IV, 923 (nicht 921!) 
ebenfalls als Varietät (nicht als Art !) anführt. 

Salicornia herhacea L. Tebris, ad Schindawur. 

Halopeplis amplexicaulis (Vahl) Ung.-Sternb., Boiss., FL Or., IV, 
934 (nicht 935!). Tebris, ad Schindawur. 

Halocnemum strohilaceum (Pall.) Moq., Boiss., Fl. Or., IV, 936 
(nicht 6!). Tebris, ad Merdise. 

Siiaeda altissima (L.) Pall. Urumia, ad Gök-tepe. — S. maritima 
(L.) Du Mort. Tebris, ad Merdise; ad Khoi; inter Maraga et 
Marhametabad, ad Gul; Urumia, inter Sahatli et Guschtschi; 
Diliman, ad Tschahrik. — S. salsa Pall. Tebris, ad Schindawur. 

Schanginia haccata (Forsk.) Moq. Tebris, ad Schindawur. 

Bemerkung. Das Auftreten in Nordwestpersien dieser 
bisher nur aus Nordafrika und Arabien bekannten Salsolacee, 
die ich unlängst erst bei Sues (in Salzwüsten am Roten Meer) 
zu sammeln Gelegenheit hatte, befremdet sehr und die Be- 
stimmung bedarf wohl einer Nachprüfung, umso mehr, als 
sich unter den undeterminiert erhaltenen Doubletten Knapp- 
scher Salsolaceen eine der Gattung Schanginia nahe verwandte 
Pflanze vorfindet, die ebenfalls am 1. Oktober bei Schindawur 
gesammelt wurde, aber in der Reching ersehen Abhandlung- 
unerwähnt bleibt, es ist dies die hier einzufügende, vermutlich 
für Schanginia haccata gehaltene: 



168 



J osef Bornmüller. 



Bienertia cydoptera Bge. — Boiss., Fl. Or., IV^ 945 (determ. 
Bornm.). 

Tebris, ad occasum urbis in salsuginosis ad lacum, pr. Schinda- 
wur (l./X.). 

Salsola hrachiata Fall. Tebris, ad Schindawur. - ^S". Soda L. Tebris, 
ad Schindawur. — S. Kali L. Tebris, ad Disa-chalil(!); Uru- 
mia. — S, crassa M. B. Tebris, ad Schindawur. — S. glauca 
M. B. Inter Maraga et Marhametabad, ad Gul. — S. verrucosa 
M. B. Tebris, ad Schindawur. — S. vermiculata L. Tebris, 
ad Merdise; Urumia, ad Gömör-chane. 

Noea spinosissima (L.) Moq. Tebris, ad Merdise et ad Sendschanab; 
ad Urumia. 

Girgensohnia opposiüflora (Fall.) Fenzl. Tebris, ad Merdise. 

Änahasis apJiylla L. Tebris, ad lacum pr. Disa-chalil (!) et ad Merdise. 

Petrosmonia triandra (Fall., 1771, sub Polycnemo) Rechinger (comb, 
nova) (Polycnemum Volvox Fall., 1803; Boiss., FI. Or., IV, 
972, sub Petrosimonia). Tebris, ad Schindawur. 

Halocharis sulphurea Moq. Tebris, ad Isperechan. 

Halmiocnemis gihhosa WoJoszcz. Tebris, ad Merdise. 

Halanthlum rarifoliuni Moq. var. Äucherianum Bge. Urumia, ad 
Gömör-chane. 

Amarantaceae. 

Amarantus Blitum L. Karadagh, inter Hasanbcili et Alibulach; 
ad Tebris et ad Urumia. 

Poly??onaceac. 

Calligonum comosiim L'H6rit. Inter Hebeschi et Tcsutscii, ad lacum 
Urumiensem. 

Bemerkung. Das Auftreten dieser südlichen Art in 
Adscrbidschan befremdet umso mehr, als das ihr nahe ver- 
wandte (j. polygonoides L., welches gerade in diesem Gebiete 
(Distr. Khof!) heimisch ist, nicht mitangeflihrt ist und von 
Knajip llhersehen sein sollte. Eine Nachprüfung der lic- 
Htimmung wäre daher inmierhin erwünscht. ' 
liheum Jiihcs L. Inter Tebris et Kholf, ad Sendschire (in monte 
„Mischob"); Urumia; ad Scr; distr. Afschar, in m. Tacht-i-Bälkis. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 169 



Oxyria digyna (L.) Gron. In m. Sahend. 

Eimex Patienüa L. Distr. Afschar, ad Kiskapan. — B. crispus L. 
Diliman, ad Khosrowo. — B. pratensis M. et K. Karadagh, 
ad Alibulach. — B. conglomeratus Murr. Ad Urumia. — B. 
seilt atiis L. Diliman, in m. Gelosa. — B. tuherosus L. In m. 
Sahend; Diliman, in m. Karnaru. — B. acetoselloides Bai. 
Tebris, ad Sendschanab et Isperechan. 

Polygonum Bistorta L. ß. angustifolium Meissn. In m. Sahend. — 
P. amphihium L. var. natans Boiss. Inter Maraga et Marha- 
metabad, ad Gul. — P. Persicaria L. Urumia, ad riv. Scher- 
Tschai. — P. lapaihifolmm L. Karadagh, ad Hasanbe'ili. — 
P. ConvolvuUis L. Karadagh, ad Hasanbeili; ad Urumia. — 
P. rotthoellioides Jaub. et Spach, 1846 (= P. ttibidosum Boisß. 
in Exsicc, 1845). Diliman, ad Khosrowo; Urumia, ad riv. 
Scher-Tschai. — P. Bellardi All. Tebris, ad occasum urbis 
ad Merdise; Khoi, ad Gescht; ad Urumia et ad Gömör-ehane. 
— P. ammanioides Jaub. et Spach (P. alpestre ß. ammanioides 
Boiss.). Khoi, ad War. — P. setosum Jacq. Distr. Afschar, 
inter Kotursu et Sarschuran (Zaraschora). — P. thjmifolimn 
Jaub. et Spach, 1844/46 (P. KotscJiyanum Boiss. in Ky., Sched., 
1845). Ad Khoi; in m. Sahend; distr. Afschar, in m. Tacht-i- 
Bälkis. 

ÄtrapJiaxis^) spinosa L. d. glauca Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 1020. 
Urumia, ad lacum pr. Guschtschi, in collibus aridis (21. /VII.); 
ad Sain-kale in lapidosis secus rivum Dschagatu (13./VIII.). 
Forma verg. ad var. glaucam. 

DiHman, ad Tschahrik in lapidosis (17. /VI.); inter Tebris et 
Khoi, ad Sendschire, in lapidosis (21. /V.). 

Thyinelaeaceae. 

Daplme angustifolia C. Koch, 1849. — Boiss., Fl. Or., IV, 1048 
(D. acuminata Boiss. et Höh., 1853). 

Diliman, in m. Karnaru (12./VL); Urumia, ad pagum Ser 
(8./VIL) et inter Sorgul et Gawilan (ex K ei ssler, Gatt. Daphne 

^) Die vier Exemplare der Gattung Atrapliaxis fauden sich zwischen un- 
bestimmten Materialien anderer Familien vor, blieben daher in C. Rechingers 
Abhandlung unerwähnt. 



170 



Josef B r n 111 ü 1 1 e r. 



Sektion Baplmanthes in Ed gier s Botan. Jahrb., Bd. XXV, 
S. 69, 1898). 

Lygia Passerina (L.) Fasano. — Boiss., Fl. Or., IV, 1052. 

Urumia, in glareosis secus rivum Scber-Tschai (2./VII.). 
Blarthron vesimlosum Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 1056. 

Urumia, in arvis ad Digele (28./VI.); Sain-kale in rivi (Dscha- 

gatu) ripis (13./VIII.). 

Elaeagnaceae. 

Elaeagnus angustifolia L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1056. 

Khoi, in lapidosis (27. /V., flor.); Urumia, ad Guschtschi, secus 
rivum (27./V., fr.). 

Die Exemplare gehören der breitblättrigen, großfrüch- 
tigen Form {E. orientalis L.) an. 

Santalaceae, 

Thesium ramosum Hayne. — Boiss., Fl. Or., IV, 1062. — Forma 
ad ß. as2)erulum (Boiss.) DC. vergens. 

Khoi, in saxosis ad War (29./ V.); DiHman, in apricis m. 
Karnaru (10. — 12. /VI.) et in lapidosis ad pagum Tschahrik 
(16./VI.); Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.) et ad ripas 
graminosis pr. Dise-siamek (16. /VI.); Karadagh, ad rivi ripas 
(18./IX.). 

Thesium xwocumhens C. A. Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 1066. 

Üiliman, in m. Gelosa pratis (14./VI.); in saxosis m. Sahend 
(5./VIII.). 

Euphorbiaeeac. 

Euphorhia Chamaesyce L. — Hoiss., Fl. Or., IV, 1088. 

In glareosis ad Sain-kale (U^./VIII.). 
Forma canescens (L. pro spec). 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (4./VII.) et ad Digclc in 

arvis (28./V1.). 
Euphorhia lanata Sieb. — Boiss., Fl. Or., IV, 1092. 

Distr. Adschari, AchtHcha-Mcdschidschc, in arvis (12./VIII.). 
Enphorhia mcgalaniha Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 109JV 

Kboi, in arvis ad War (29. /V.); Urumia^ in aridis ad Disc- 

Riamek (:50./Vl.j. 



Bearbeitung- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 171 



Euphorbia stricta L. — Boiss., FL Or., IV, 1099. 

Urumia, in rivi Scher-Tschai ripas glareosas (4./V1L). Exem- 
plare sehr jung und dürftig*. 

EupJiorhia orientalis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1100. 
In m. Sahend lapidosis (6./VIII.). 

Euphorbia helioscopia L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1107. 
Khoi, in arvis (23./V.). 

Euphorbia falcata L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1111. 

Urumia, in arvis (28. /VI.); Khoi, ad Gescht iuter segetes 
(30./V.). 

Euphorbia Ssovitsii Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., IV, 1113. 
Khoi, in graminosis (27. /V.); ibidem ad War in saxosis glareosis 
(29. /V.); Dihman, ad pedem m. Karnaru (lO./VI.) et Tschahrik 
(16./VI.); Urumia, ad Dise-siamek (30./VI.); Tebris, ad Send- 
schanab (l./VIIL). 

Euphorbia bothriosperma Boiss. et Ky. — Boiss., Fl. Or., IV, 1119. 
Urumia, in arvis ad Ser (8./VIL); m. Sahend in lapidosis 
(6./VIII.). 

Euphorbia Sahendi Bornm. (spec. nov.). 

Sectio: Esulae. **** Semina irregulariter foveolata, 
malleata vel reüculato-rugosa. 2. Perennes. — Boiss., Fl. Or., 
IV, 1116—1123. 

Perennis, tota planta minutissime velutino-hirtella sub- 
cinerascens vel glaucescens, caespitoso-muUicaulis et (caulibus 
emortius persistentibus) ut videtur dumulosa; caulibus semi- 
pedalibus, mtmerosissimis, crassiusctdis, simplicibus, infra me- 
dium siibap>hyllis superne densiuscide foliosis; foliis crassius- 
ctdis, sessilibus, integris, utrinque breviter velutinis praeter 
inferior a lanceolata acuta subrhombiformibus (6 X 12 vel 
7 X 13 mm latis longis, a medio basin et apicem versus sub- 
aequaliter acutis), umbellariis subconformibus vel paulo 
tantum eis brevioribus (8 X 11 mm latis longis); floralibus 
latis ac longis (7X7 mm), deltoideis acutiusculis ; umbellae 
radiis quinis (rarius ternis) folia umbellaria paulo rarius duplo 
sup>erantibus; involucro hemisphaerico intus ciliato, glandulis 
sewAlunatis, cornubus brevibus; Capsula hirtella ovato-oblonga 
(4 — 4-5 mm longa et 3 — 3'5mm lata); seminibus griseis ob- 



172 



Josef Bornmüller. 



longis sparsim et irregulariter puncüs depressis et praesertim 
lineoUs transversis obsolete foveolatis. 

Tebris; Isperechan in m. Sahend lapidosis (4./VIII.). 

E. Sahendi Bornm. ist unter allen jenen orientalischen 
Arten der Gruppe Esulae, welche eine gleiche Samenbeschaffen- 
heit aufweisen, durch das eigenartige kurze abstehende, alle 
Teile der Pflanze tiberziehende Indument vorzügHch gekenn- 
zeichnet und so stets leicht zu erkennen. Eine ähnliche Be- 
kleidung treffen wir innerhalb dieser Gruppe nur noch bei 
E. erythrodon Boiss. et Huet, einer nur aus Pisidien bekannten 
Art, an, welche aber „foliis minutis imbricatis" und „umbella 
parva 6 — 12-cephala dense capituliformi" mit unserer persischen 
Pflanze keine Ähnlichkeit hat; noch viel weniger ist auf die 
mitunter behaart auftretende E. herniariifolia Willd. (var. 
velutina Bornm.) hinzuweisen. Einen natürlichen Platz im 
System dürfte E. Sahendi Bornm. neben E. striatella Boiss. 
finden. 

Euphorbia Gerardiana Jacq. ß. Ilohenackeri Boiss. — Boiss., Fl. 

Or., IV, 1124. 

Khoi, in versuris (25./V.). 
Euphorbia hebecarpa Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 1126. 

Khoi, ad fossas pr. War (29./V.). 

Die Exemplare (ohne Früchte) sind äußerst dürftig und 

schlecht präpariert, daher kaum sicher zu bestimmen. 
Euphorbia tinctoria Boiss. et Huet. — Boiss., Fl. Or., IV, 1129. 

Urumia, in aridis ad Dise-siamek (30./VI.). 
Euphorbia Myrsinites L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1134. 

Tebris, in collibus lapidosis (ll./V.). 
Crozophora verbascifolia (WIM.) Juss. — Boiss., Fl. Or., IV, 1141. 

Urumia, ad Dise-siamek, in arvis aridis (30./V1.). 

Urticaeeae. 

Urtica dioica L. — Boiss., FI. Or., IV, 1146. — Forma glabrata, 

Iii depressis m. Gelosa (14./VI.). 
Paricfnrtfi officinalis L. Boiss., Fl. Or., IV, 1149. 

Karadagh, in silvarum umbrosis ad yMibulacli (19. /IX., f. cau- 

libus ^'l2 — 3-X)edalibus). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 173 



Parietaria judaica L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1119. 

In m. Karnaru fissuris (lO./VI. 1884); Diliman, Tschalirik in 

saxorum fissuris (16./VI.). 
Parietaria lusitanica L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1120. 

Karadagli, in saxorum fissuris ad Alibulacli (19./IX.); Khoi, 

in saxorum fissuris ad War (29. /V.). 
Morus alba L. — Boiss., FL Or., IV, 1153. 

Sofian (inter Tebris et Kho'i), cult. in hortis (18./V.). 
Ficus carica L. a. genuina. — Boiss., Fl. Or., IV, 1154. 

Karadagh, in lapidosis secus rivum ad Hasanbeili (17. /IX.). 
y. rupestris Hausskn. — Boiss., Fl. Or., IV, 1154. 

Urumia, in saxorum fissuris ad Ser (8. /VII.). 

ülmaceae. 

ülmus scahra Mill.; U. montana aut. — Boiss., Fl. Or., IV, 1158. 
Karadagli, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX.). 

Platanaceae. 

Plataniis orientalis L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1161. 
Khoi, in cultis (27./V.). 

Cupuliferae. 

Quercus sessiliflora Sm. d. mannifera (Lindl.) Boiss. — Boiss., Fl. 
Or., IV, 1165. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17./IX.). 
Carpimis orientalis Mill. (1759); G. duinensis Scop. (1772). — 
Boiss., Fl. Or., IV, 1177. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili et ad Alibulach 
(17. et 19./IX.). 

Salicaceae. 

Salix hahylonica L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1184. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas, prob. cult. (2. /VII.). 
Salix alba L. — Boiss., Fl. Or., IV,' 1185. 

Diliman, in scaturiginosis ad pedem m. Gelosa (14./ VI.); ad 

Sain-kale in nemoribus (13./VIII.). 
Salix triandra L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1186. 

Kotursu (distr. Afschar), in stagnis (18./ VIII.). 



174 



Josef Bornmüller. 



Salix purpurea L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1186. 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VI.). 
Salix angustifolia Willd., 1805 (non Wulf., 1789 = S. rosmarini- 

folia L.). — Boiss., Fl. Or., IV, 1187. — S. Wilhelmsiana 

M. B. 

Diliman, in aquosis ad Tschahrik (ll.lYl.). 
Salix caramanica Bornm. in Exsicc. a. 1894 (e Fl. Persiae aust. 

prov. Kerman) adhuc indescr. 

Urumia, in liortis ad Ser (8. /VII.). 
Salix Caprea L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1188. 

Karadagh; Hasanbeili in humidis secus riviim (16./IX.). 
Salix Medemii Boiss. — Boiss., Fl. Or., IV, 1189. 

Urumia, ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VI.); Karadagh, in 

humidis ad rivum pr. Alibulach. 
Po^mlus alha L. — Boiss., Fl. Or., IV, 1193. 

Khoi; Karadschal in ripis humidis (5./VI.). 

Alismataceae.^) 

Älisma Plantago L. — Boiss., Fl. Or., V, 9 (f. fol. angtist). 

Inter Maraga et Marhametabad, in stagnis exsiccatis ad Gul 

(22./VII1., fr.); Urumia, ad aquarum fossas pr. Tschongarari 

(19./ VII., flor.). 
Damasonium polyspermum Cosson. 

Inter Maraga et Marhametabad, in stagnis exsiccatis ad Gu 

(22./V1II.). 

Bisher war aus dem Gebiet der Flora Orientalis nur 
I). Älisma Mill. (1768) =B. stellatum Lam. (1790), und zwa" 
})osonders die var. compacium Micheli (= D. Bourgaei Coss.) 
bekannt. Nach Buchenau (Alismatac. in „Plianzenreich") ist 
auch typisches D. Älisma bereits in Persien beobaclitet worden. 

^) Die Mi)iioeoty lodoiieii, Gy in nosperineu und l't eridopliy ten 
wurden zum ^^röütcn Teil bereitH von Herrn Dr. 0. Stapf „approxinuitiv 
Ije.'itinnnt". Nur bei den unbestinmit gebiielxinen Arten und da, wo <lie Nach- 
untcrHuchun^( zu einem anderen Resultate fülirtü, wird der Deterniinator be- 
HonderH nn^r^^clxtn; in allen jindcTon FiilhMi konnte al.so VerfaRHer die Ricliti;?- 
keit der .StapiHelien ßcHtinimung^ nur beHtUtig-en. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 175 



Butomaceae. 

Butomus umhellatus L. — Boiss., Fl. Gr., V, 12. 
Urumia, in stagnis (2./VIL). 

Jiincagin<aceae. 

TriglocMn maritimum L. — Boiss., Fl. Or., V, 13. 

Acbmedabad (distr. Afschar), ad aquas minerales (17. /VIII., 
fr.); Tebris, in pratis humidis ad Sendschanab (2./VII1., fr.). 

TriglocMn palustre L. — Boiss., Fl. Or., V, 13. 

Tebris, in declivitatum bumidis (3./VIIL, fr.) et ad Merdise 
in paludosis (30./IX.); Kboi, ad Karadscbal in ripis bumidis 
(5./VL, flor.); Acbmedabad (distr. Afscbar), ad aquas minerales 
(18./VI1L). 

Lemnaceae. 

Lemna minor L. — Boiss., Fl. Or., V, 29. 

Urumia, in stagnis (2./VIL, det. Bornm.); ibidem ad Digele 

in stag'no (28./VI.). 
Lemna gihha L. — Boiss., Fl. Or., V, 30. 

Kboi, in aquis stagnantibus (25./ V., det. Bornm.). 

Araceae. 

Ärmn Engleri Hausskn. in Mitt. d. Tbtiring. Bot. Ver. (Jena), Bd. IX 
(1890), S. 22; det. Bornm. 
Diliman, in m. Karnaru lapidosis (12./VI.). 

Den Blättern des einzigen, sonst gut erbaltenen Exem- 
plares feblen die Blattspreiten; der scblanke, dünne Blüten- 
scbaft ist länger als die Blattstiele. Die Spatba ist ca. 14 cm 
lang; die scbmale Lamina ist beiderseits etwas gerötet und 
2^/2 mal so lang als der aucb inneuseits weißliche Tubus. 
Da der Formenkreis dieser Art und der des A. virescens Stapf 
p (Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. I, S. 6) noch wenig geklärt 
l ist und ebensowenig die Beziehungen dieser beiden Arten 
zueinander und zu A. conophaUoides Schott, so bleibt die Be- 
zeichnung vorliegender Pflanze noch eine unsichere. 



176 



Josef Bornmüller. 



Orchidaceae. 

OrcJiis laxiflora Lam. — Boiss., Fl. Or., V, 71 (det. Bornm.). 

Khoi, in pratis turfosis (23. /V.). 
Orchis incarnata L. ß. Jiolocheilos Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 71 

(det. Bornm.j. 

Khoi, in pratis humidis (23. /V.). 
Orchis maciäata L. (?) — Boiss., Fl. Or., V, 73 (det. Bornm.). 

Diliman, in humidis ad pedem m. Gelosa (14./VI., specimen 

incompletum). 
Epipadis latifolia All. — Boiss., Fl. Or., V, 87. 

Hasanbeili (Karadagh), in silvis caeduis (17. /IX.); Tebris, ad 

Sendschanab in umbrosis supra rivum (28./ VII., det. Bornm.). 

Iridaceae. 

Iris reticulata M. B. — Boiss., Fl. Or., V, 120. 

Tebris, in lapidosis ad Liwan (8./V.). 

Die blühenden Exemplare tragen bereits entwickelte, 

den Schaft tiberragende Blätter. 
Iris caucasica Hoflfm. — Boiss., Fl. Or., V, 121. — Forma (det. 

Bornm.). 

Tebris, in pratis ad Liwan (8./V.). 

Die Exemplare weichen vom Typus durch weniger 
(respektive nicht) aufgeblasene Spathen ab. Es liegen daher 
Bedenken vor, ob es sich nicht um ganz niedrige, unter 
kümmerlichen Bodenverhältnissen gewachsene Individuen von 
/. Sindjarensis Boiss. et Hausskn. handelt. Die Blätter sin^ 
zum Teil sehr breit (Uber 2 cm), aber sehr kurz; die Bulben 
sind sehr groß. 

Iris liülophila Fall. (= 1. Güldenstädtiana Lep.). — Boiss., Fl. Or., 
V, 129 (det. Bornm.). 

Klioi, in arvis et nemoribus ad Karadschal (5./VI.). 
Jris tmil'doha C. A. Mcy. — Boiss., Fl. Or., V, 132 (det. Bornm.). 
Klioi, in collibuH siccis ad Morandschuk (7. /VI.); Diliman, ad 
pedcnj m. Karnaru in lapidosis (12./VI.); Urumia, ad Sc 
(«./VII., n. fr.). 

Iris jKiradoxa Stev. — Boiss., Fl. Or., \^, 133 (det. IJornm.). 

Intcr Tebris et KhoT, ad Marand in collibus la])idosis (l^./V.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 177 

Die beiden letztangeführten 7ns -Arten sind nach den 
sehr schlecht präparierten Exemplaren kaum sicher zu be- 
stimmen. Jene von Morandschuk tragen eine violette Färbung, 
die vom Berge Karnaru sind gelblich. Alle Exemplare, auch 
jene als I. paradoxa Stev. bezeichneten Individuen, gleichen 
einander im Blatt und in der Gestalt und Bekleidung des 
(faserigen) Rhizoms. 

Amaryllidaceae. 

Sternbergia colchiciflora W. K, — Boiss., Fl. Or., V, 147. 

Karadagb, in apricis lapidosis ad Alibulach (19. /IX.). 
Ixiolirion montanum (Labill.) Herb. — Boiss., Fl. Or., V, 154. 

Inter Tebris et Khoi, in arvis ad Sofian (19. /V.) et ad Senneh 

(17./V.); ad Khoi, in arvis (23./V.); ibidem ad War (29./V.); 

inter Kho'i et Urumia, ad Morandschuk in agris (7./VI.)- 

Colehicaceae. 

Colchicum HausshiechÜi Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 157 (det. 
Bornm.). 

Tebris, in aridis lapidosis ad Dehli (28. /IX., f. floribus mino- 
ribus ac in typo). 
Colchicum hifolitim Freyn et Sint. in Bull, de FHerb. Boissier, Vol. IV 
(1896), p. 198 (det. Bornm.). 

Tebris, in convallium pratis ad Liwan (8./V., flor.) et ad Send- 
schanab in pratis humidis (l./VIIL, flor. et fr.). 

Vom Typus etwas abweichend durch schmälere und 
spitzere Perigonabschnitte. 
21er ender a Baddeana Fvegel. — Boiss., Fl. Or., V, 168. 

Transcaucasiae in pratis humidis ad Suchaja-Fontanka (inter 
Eriwan et Tiflis, 18./IV.). 

Liliaceae. 

FriUllaria ivanensis Freyn in Bull, de FHerb. Boissier, 1901, 
p. 285—286 (det. Bornm.). 

Tebris, in lapidosis ad Liwan (8. /V., flor.; cum planta orig. 
exacte congruens). 

Z. B. Ges. CO. Bd. 12 



178 



Josef Bornmüller. 



Es liegen auch noch Fruchtexemplare einer am Karnaru- 
Gebirge bei Dihman (10./ VI.) gesammelten Fritillaria mit 
ebenfalls teilweise zweibllttigen niedrigen Stengeln vor, die 
der schmäleren Blätter halber wohl einer anderen Art ange- 
hören. 

Tidipa Jiumüis Herb. — Boiss., Fl. Or., V, 199. 

Tebris, in lapidosis ad Liwan (8./V., flor.); in m. Gelosa (ditio- 

nis Diliman) lapidosis (14. /VI.). 
Lloydia rubroviridis (Boiss. et Ky.) Baker. — Boiss., Fl. Or., V, 

202 (det. Bornm.). 

In alpe Tacht-i-Bälkis ad liquescentes nives (18./VIII.). 

Auch von Herrn Konsul Th. Strauss wurde diese Art 
neuerdings in Westpersien gesammelt. 
Gagea platyphyllos Pascher in Fedde, Repert., II, p. 67; Consp. 
Gag. in Bull. Nat. Moscou (1905), p. 359 (specim. orig.!). 
Tebris, in convallium pratis ad Liwan (8./V.). 

„Nahe verwandt mit der 6r. minimoides Pascher (G. con- 
fusa Terra.) und der großen Form der G. fUiformis, aber von 
beiden durch die andere Verschmälerung der Laubblätter und 
der stumpfen Tepalen deutlich unterschieden." (Pascher, 
briefl.). 

Gegea reticulata Pall. subspec. circinnata (L.) Pascher, 1. c, p. 367. 

— Boiss., Fl. Or., V, 208 (G. reticulata ß. tenuifoUa Boiss.). 

Tebris, in lapidosis (2./V.). 
Gagea taurica Stev. (det. Pascher), Pascher, 1. c, p. 368. — 

Boiss., Fl. Or., V, 208 (in syn. G. reticulatae). 

Tebris; Liwan, in convallium pratis (8./V.) in consortio G. 

platyphyllos. 

Pascher bemerkt dazu: „Die vorliegende Form gehört 
wohl zum Formenkreis der G. taurica, ist aber eine jener 
extremen Glieder, die den Übergang zu G. reticulata siibspcM'. 
eu-1'eticulata vermittehi. Auch die typische G. taurica kommt 
in Persien vor. Ferner tritt in Afghanistan eine Form auf, 
die die inneren Tepalen verkleinert.'' 
(iaf//a hulhifera (L.) Schult. — Pascher, 1. c, j). 369. — Boiss., 
Fl. Or., V, 210 fdct. I^ascher). 
Manmd, in saxosis umbroHis (UJ./V.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 179 

Gagea stipitata Merklin (det. Pascher), Pascher, 1. c, p. 373. — 

Boiss., Fl. Or., V, 210 (G. persica ß. ehidhillosa Boiss.). — G. 

ova Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. Pers., Bd. I, S. 16, 1885. 

Tebris, in collibus siccis (ll./V.). 
OrnitJiogalum pyrenaicum L. — Boiss., Fl. Or., V, 313. 

In m. Karnaru lapidosis (10./ VI.). 
OrnitJiogalum narhonense L. — Boiss., Fl. Or., V, 214. — Forma 

hrachystachjs C. Koch (pro spec). 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in lapidosis (lO./VI.) et in 
hortorum lapidosis ad Khosrowo (8./VI.); Urumia^ in lapidosis 
ad Ser (8./VII.). 

OrnitJiogalum montanum Cyr. — Boiss., Fl. Or.^ V, 216. 

Tebris, in collibus graminosis ad Sendschanab (21. /V.); Dili- 
man, in lapidosis ad Tschahrik (17./VI.). 

Ällium ampeloprasum L. — Boiss., Fl. Or., V, 232. 

Tebris, in apricis lapidosis ad Sendschanab (l./VIIL); Urumia, 
in lapidosis ad Ser (8./V1I.). 

Ällium vineale L. — Boiss., Fl. Or., V, 235. 
Tebris, in lapidosis ad Ser (l./VIII.). 

Ällium atroviolaceiim Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 240. 
Urumia, in arvis ad Digele (28. /VI.). 

Es liegen noch einige Exemplare vor mit ebenfalls 
kleinen Blüten (wie bei A. atroviolaceum)^ diese sind aber 
ganz blaß gefärbt. Sie entsprechen der von mir als f. palle- 
scens (Beihefte d. Bot. Zentralbl., Bd. XXIV, 1908, S. 203) be- 
zeichneten Form, die eine Mittelstellung zu Ä. ampeloprasum 
L. einnimmt. Die Angabe Boissiers, daß Ä. atroviolaceum 
sich von genannter Art durch zerfaserte äußere Zwiebelhäute 
unterscheide, ist nicht immer zutreffend. Regel betrachtet 
Ä. atroviolaceum nur als eine Varietät von Ä. ampeloprasum. 
— Dieser f. pallescens gehören an Pflanzen folgender Stand- 
orte: Tebris, in aridis lapidosis ad Sendschanab (l./VIII.); 
Urumia, ad Scher-Tschai ripas (2./VII.); Karadagh, in apricis 
lapidosis ad Alibulach (19./IX.). 

Ällium riibellum M. B. y. parviflorum Led. — Boiss., Fl. Or., V, 
253 (det. Bornm.). 

Tebris, in siccis lapidosis ad Sendschanab (l./VIIL). 

12* 



180 



Josef Borumüller. 



Ällium nioscJiatum L. — Boiss., Fl. Or., V, 265. 

Karadagh, in aridis lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Ällkini spec. (? iiov.) 

Tebris, in pratis liumidis ad Sendschanab (l./VIIL). 

Nach den Notizen Stapfs wohl eine neue Art; da je- 
doch nur ein verblühtes, unvollständiges Individuum (ohne 
Zwiebelhäute) vorliegt, läßt sich darauf kaum eine neue Art 
begründen. Übrigens gleicht die Pflanze — mit Ausschluß 
der etwas breiteren und sehr verkürzten Spathen — außer- 
ordentlich dem nordanatolischen Ä. tristissimum Freyn (= Ä. 
triste Freyn et Sint. olim). 

Ällkm Akaka Gmel. — Boiss., Fl. Or., V, 275. 
Tebris, in argillosis i^.jW). 

Allium haemantlioides Boiss. et Reut. ß. lanceolatum Boiss. — Boiss., 
Fl. Or., V, 276. — Ä. Derderiammi Regel. 
Tebris, in lapidosis (8./V.); Urumia, in montosis ad Ser (8. /VII.). 

Ällium cardiostemon Fisch, et Mey. — Boiss., Fl. Or., V, 282. 
Diliman, in m. Gelosa lapidosis (14./VI.). 

Muscari tenuiflonim Tausch. — Boiss., Fl. Or., V, 290. — Var. 
(det. Bornm.). 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 
Muscari comosum Mill. — Boiss., Fl. Or., V, 291. — Var. verg. 

ad var. Holzmanni (det. Bornm.). 

Tebris, in collibus siccis (ll./V.) et ad Liwan (8./V.). 
Muscari pallens M. B. — Boiss., Fl. Or., V, 299. 

In saxosis (inter Tiflis et Eriwan) ad DeHsan (16. /IV.); Tebris, 

in collibus siccis (ll./V., deflorat.; det. Bornm.). 
Bcllevalia ciliata (Cyr.) Nees. — Boiss., Fl. Or., V, 302. 

Khoi, inter sc^^ctes (23./V., c. flor. et fr.); inter Tebris et 

Klioi, in salsis humidis ad Schurderek (19./V.). 
Pnschhinia scilloidcs Ad. — I^oiss., Fl. Or., V, 310 (det. Bornm.). 

Inter Tiflis et Eriwan, in graminosis ad öuchaja-Fontanka 

fl8./IV.); Tebris, in lapidosis ad Liwan (8./V.); Diliman, in 

rii. Gclosa saxosis (14./VI.). 
i:rrnim-Hs spcdahilis M. B. — Boiss., Fl. Gr., V, 322 (det. cl. Olga 

Fcdt seil 011 ko). — Forma pliyllis |K'rig(mii minorihus ;ic in iy\)o. 

A<l III. Karuarii (ditionis Diliman) in lajiidosis ( 10. /Vi.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 181 



Asparagaceae. 

Äsparagns officinalis L. — Boiss., Fl. Or., V, 353 (det. Bornm.). 
Khoi, in hortorum dumetis (27. /V.). 

Äsparagus verticiUahis L. — Boiss., Fl. Or., V, 339. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 

Juncaceae. 

Luztila Forsten Smith. — Boiss., Fl. Or., V, 347. 

Trapezuntiim (Anatolia bor.), in collium argillosis (8./IV.). 
Juncus acutus L. var. littoralis Trautv.; syn. J. acuto - maritimus 

Ledeb. — Boiss., Fl. Or., V, 361 (det. Bornm.). 

Khoi, in rivi ripis ad Karadschal (5./VL); Achmedabad (distr. 

Afschar), ad aquas minerales (17. /VIII.). 
Juncus conglomeratus L. — Boiss., Fl. Or., V; 352. 

In m. Sahend scaturiginosis (6./VIIL). 
Juncus glaucus Ehrh. var. laxiflorus Lange; syn. J. longicornis 

Bastard, J. panniculatus Hoppe. — Boiss., Fl. Or., V (addit.), 

759 (det. Bornm.). 

In m. Sahend scaturiginosis (6./ VIII.); Tebris, ad aqiiarum 

fossas pr. Merdise (30. /IX.); in m. Tacht-i-Bälkis (distr. Afschar) 

ad rivulos montanos (18. /VIII.). 
Juncus compressus Jacq. — Boiss., Fl. Or.^ V, 355. 

Achmedabad (distr. Afschar), ad aquas minerales (17./VIIL). 
Juncus Gerardi Loisel. — Boiss., Fl. Or., V, 356. 

Khoi, in humidis (25./V.); ibidem in rivi ripis ad Karadschal; 

inter Tebris et Kho'i, pr. Sendschire ad rivulos (21. /V.); Dili- 

man, in aquosis ad Tschahrik (17. /VI.); Urumia, ad Scher- 

Tschai ripas (2./VII.). 
Juncus articulatus L. — Boiss., Fl. Or., V, 358. 

Tebris, in pratis humidis ad Sendschanab (I./VIII.) et 

ad Merdise (30./IX.); Urumia, ad rivi Scher -Tschai ripas 

(2./VII.). 

Juncus hufonius L. — Boiss., Fl. Or., V, 361. 

Diliman, in humidis ad Tschahrik (17, /VI.); Urumia, ad Scher- 
Tschai ripas (2./VII.). 



182 



Josef Bornmiiller. 



Cyperaceae. 

Scirpus labernaemontanus Gmel.; S. lacustris ß. digynus Godr. — 
Boiss., Fl. Or., V, 383 (det. Bornm.). 

Khoi, in aquosis ad Gescht (30./V.) et ad rivi ripas ad Kara- 
dschal (5./VL). 

Scirpus maritimus Willd. — Boiss., Fl. Or., V, 384 (det. Bornm.). 

Kho'i, in aquosis (27. /V.); Urumia, in humidis secus rivuni 

Scher-Tschai (2./VII.). 
Forma monostachys (det. Bornm.). 

Inter Maraga et Marhametabad, in stagnosis ad Gul (22./VI1I.). 
Heleocharis imiglumis Link. — Boiss., Fl. Or., V, 386. 

Khoi, in pratis humidis (23./V.). 
ScJwemis nigricans L. — Boiss., Fl. Or., V, 393. 

Achmedabad (distr. Afscbar), ad aquas minerales (17. /VIII.). 
Garex^) stenophylla Wahlbg. — Boiss., Fl. Or., V, 400. 

Tebris, in collibus siccis (Il./V.); inter Tebris et Khoi, in 

scaturiginosis ad Marand (19./V., det. Kük ); Khoi, in lapi- 

dosis ad Liwan (8./V., det. Kük.); Diliman, in m. Gelosa 

pratis (14. /VI.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII.). 
Gar ex vulpina L. — Boiss., Fl. Or., V, 402. — Forma nemorosa 

(Rebent.) C. Koch (det. Kük.). 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./VII.). 
Garex divisa Huds. — Boiss., Fl. Or., V, 401 (det. Kük.). 

Khoi, in pratis humidis (23./V.) et in graiiiinosis ad Kara- 

dschal (5./VI.); Tebris, in pratis humidis ad Scndschanab 

(2./VIII.). 

Var. ammopliila (Willd.) Kük. (det. Kük.). 

Urumia, ad stagnorum margines (2./V1L). 
Ga/rex orhicularis Boott. (det. Kük.). 

Tebris; in m. Sahend humidis ad Liwan (6./ VIII.) et in pratis 

ad Scndschanab (l./VIIl.); Khoi', in ])rati8 la])i(losis (20./V.). 
Garcx (llstans L. — Boiss., Fl. Or., V, 425. 

KhoY, in pratis humidis (23./V.). 

') Det. cl. Kiikeritlial. — Die von Stapf bereits richtig hcHtiimnlcn 
Exemplare tragen keinen besonderen Vermerk. 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 183 

Carex nutans Host. — Boiss., Fl. Or., V, 429 (det. Ktik.). 

Tebris, in pratis humidis ad Sendsclianab (l./VIIL); Diliman, 
ad pedem m. Gelosa in scaturiginosis (14./VI.). 

Carex lieterostacliya Bge.; C. songarica Kar. et Kir. — Boiss., Fl. 
Or., V, 430 (det. Kük.). 

Urumia, in nemoribus humidis secus rivum Scher -Tschai 
(2./VII.). 

Carex acutiformis Ehrh.; C.paliidosa Good. — Boiss., Fl. Or., Y, 430. 

Khoi, in pratis paludosis (23./ V.); in m. Gelosa (dit. Diliman) 

scaturiginosis (14./VI.). 
Carex hordeistichos Vill. — Boiss., Fl. Or., V, 431. 

Kho'i, in humidis pratis (25./V.). 

1^ Grraminaceae. 

Panictim Crns Galli L. — Boiss., Fl. Or., V, 435. 

In inundatis (ad litus Orient, lacus ürumiensis) pr. Khanian 
(26./V1II.). 

Setaria viridis (L ) P. de B. — Boiss., Fl. Or., V, 443. 

Tebris, in arvis ad Sendschanab (30./ VI.); Urumia, ad rivi 

Scher-Tschai ripas (2./VII.) et in arvis ad Dise-siamek (30./VL). 
Sorgum halepense Pers. — Boiss., Fl. Or., V, 459. 

Urumia, in agris (VI.). 
Ändropogon Iscliaemum L. — Boiss., Fl. Or., V, 463. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (17. /IX.). 
Crypsis acideata (L.) Ait. — Boiss., Fl. Or., V, 475. 

In salsis (lacus Urum. ad litus Orientale) ad Binab (26. /VIII.). 
Heleochloa scJioenoides (L.) Host. — Boiss., Fl. Or., V, 476. 

Sam-kale (distr. Adschari) in rivi ripis (13./VIII.) et in siccis 

inundatis ad Kaladschich (11. /VIII.); distr. Achmedabad, ad 

aquas minerales (18. /VIII.). 
Heleochloa alopecuroides (Schrad.) Host. — Boiss., Fl. Or., V, 476. 

Distr. Adschari, ad Sam-kale in rivi ripis (13./VIII.). 
Heleochloa acutiglumis Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 477. 

Tschachlamasch,^) in inundatis (22./ VIII.). 



^) Jedenfalls südsüdöstlich vom Urumia-8ee gelegen, unweit von Marha- 
metabad. 



184 



Josef Bornmüller. 



Flileum aspemm Vill. ß. cUiaüim Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 481. 

Karadagh,in silvis ad Hasanbeili (17. /IX.) et Alibulach (19./1X.). 
Phleum alpinum L. — Boiss., Fl. Or., V, 484. 

In m. Sahend scaturiginosis (6. /VIII.). 
Alopecnrus agrestis L. — Boiss., Fl. Or., V, 485. 

Tebris, ad aquarum fossas (2./V.); Kho'i, in graminosis (23./V., 

det. Bornm.); in pratis humidis (27. /V.); ibidem ad Kara- 

dschal (5./VL). 

Älopecurus ventricosus Pers.; Ä. arundinaceus Poir. — Boiss., Fl. 
Or., V, 487. 

Tebris; Liwan, ad rivum Ab-i-germ (8./V.); Khoi, in pratis 
(23./VIII.). 

Älopecurus Aiiclieri Boiss. — Boiss., Fl. Or,, V, 488 (det. Bornm.). 

In paseuis m. Tacht-i-Bälkis (18./VIII.). 
Stipa Fontanesii Fsivl. — Boiss., Fl. Or., V, 500 („S. Lagascae"); 

det. Bornm. 

Khoi, in saxosis ad War (29./ V.). 
Sti2)a pulclierrima C. Koch. — Boiss., Fl. Or., V, 503 {S. Grafiana 
Stev.). 

Khoi, in saxosis ad War (29. /V.). 
Oryzopsis virescens (Trin.) G. v. Beck. — Boiss., Fl. Or., V, 507 

{Fiptatlierum virescens Boiss.). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX.). 
Orijzopsis holciformis (M. B.) Hackel in Stapf, Bot. Erg. Pol.-P]xp. 

n. Pers., Bd. I, 1885, S. 8. — Boiss., Fl. Or., V, 509 {ripta- 

theruni holci forme Spreng.). 

Isperechan, in m. Sahend pratis (4./VI1I.). 
Milium vernale L. — Boiss., Fl. Or., V, 510. 

Karadagh, in silvis caeduis ad HasanbcTli (17./JX.). 
Agrostis verticillata Vill. — Boiss., Fl. Or., V, 513. 

Diliman, in i)aRcuis ad Tschahrik (17. /VI.); IJruniia, ad rivi 

Scher-Tschai ri[)as (2./MI.) et in deprcssis humidis (28. /VI.). 
Agrostis alha L. — Boiss., Fl. Or., V, 513. 

Khoi, ad Karadschal in pratis (5. /VI.); 'J'cbris, in i)ratis ad 

Scndschanab (l./Vlll.). 
Apera interrupta (L.) P. Beauv. — P>oiRS., Fl. Or., V, 519. 

Uruinia, ad rivi Scher-'J'schai rii)aH f2./VII.). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 185 

Folypogon monspeliensis (L.) Desf. — Boiss., FI. Or., V, 520. 

ürumia, in agris ad Gök-tepe (2./VII.) et ad rivi Scher-Tschai 
ripas (2./VII.j; Tschacblamasch (ditionis Marhametabad) in 
rivi arenosis (22./VIIL). 

Polypogon maritimus Willd. — Boiss., Fl. Or.^ V, 520. 

Urumia, in rivi Scher-Tschai glareosis (2. et 4./VIL); Ach- 
medabad (distr. Afschar), ad aqnas minerales (18. /VIII.). 

Folypogon litoralis Smith. — Boiss., Fl. Or., V, 521. 

Khoi, in ripis humidis ad Karadschal (5,/VI.); Gul (inter 
Maraga et Marhametabad), in rivulorum arenosis (22./VIII.). 

Calamagrostis psendo])liragmites (Hall.) Baum. ß. p)ersica Boiss. — 
Boiss., Fl. Or., V, 525 {C. littorea Schrad. ß. persica Boiss.) 
(det. Torg-es). 

Diliman, pr. Tschahrik (16./VL) et Khosrowo (9./VI.). 
Bescliampsia caespitosa (L.) P. Beauv. — Boiss., Fl. Or., V, 531. 

Tebris, in pratis siccis (l./VIII.). 
Trisetum rigidum M. B. — Boiss., Fl. Or., V, 538. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.); Isperechan, in m. Sahend 

lapidosis (4./VIII.). 
Trisetum flavescens (L.) P. Beauv. — Boiss., Fl. Or., V, 537. 

Karadagh, inter Alibulach et Dehli in graminosis (20. /IX.). 
ß. majus Schrad. (pro spec.) (det. Bornm.). 

In declivitatibus m. Tacht-i-Bälkis. 
Avena sterilis L. — Boiss., Fl. Or., V, 542. 

Urumia, in agris ad Digele (28. /VI.). 
Cynodon Bactylon (L.) Pers. — Boiss., Fl. Or., V, 553. 

Tebris, in graminosis ad Merdise (30./X.); Urumia, in pratis 

siccis ad Bend (8./VII.). 
Boissiera Fumilio (Trin.) Ha ekel in Stapf, Bot. Erg. Pol.-Exp. n. 

Pers., Bd. I, 1885, S. 9. — Boiss., Fl. Or., V, 560 {Boissiera 

hromoides Höchst.). 

Diliman, in aridis ad Tschahrik (17. /VI.); Urumia, in arvorum 
versuris ad Dise-siamek („Diza-siansch," 30./VI.) et ad Sa- 
meschli (7. /VII.); Maraga, ad aquas minerales pr. Achkend 

(9./vni.). 

Molinia serotina (L.) Link. — Boiss., Fl. Or., V, 562. 

Karadagh, in aridis lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 



186 



Josef Bornmüller. 



Sesleria pltleoides Stev. — Boiss., Fl. Or., V, 567. 

In m. Sabend elatioribus (5./VI1I.). 
Cynostirus echinakis L. — Boiss., Fl. Or., V, 571. 

Karadagh, in dumetis ad Alibulach (19./IX.). 
Catahrosa aquatica L. — Boiss., Fl. Or., V, 577. 

Kboi, ad aquas stagnantes (23./V.), in pratis humidis et ad 

fossas (25./V.); ad Karadschal in nemoribus (5./VI.); Urumia, 

ad rivi ripas pr. Dise-siamek (30./VL). 
Catahrosa humilis (M.B.) Trin. — Boiss., Fl. Or., V, 578. 

Tebris, in agrorum versuris (2./V.). 
Catahrosa parviflora (Boiss. et Bubse) Boiss. — Boiss., Fl. Or.. V, 578. 

Montis Tacbt-i- Balkis ad nives liquescentes (18./VIIL, det. 

Bornm.); in m. Gelosa pratis (14./VI.). 
Eragrostis minor Host. — B oi s s., Fl. Or., V, 580 {E.poaeoides P. Beauv.), . 

Karadag'b, ad rivi ripas pr. Hasan beili; Urumia, ad rivi Scher- 

Tsebai ripas (2./Vn.) et ad Dise-siamek (30./VI.); Sain-kale 

(distr. Adscbari), in glareosis secus rivum (IB./VHI.). 
Eragrostis pilosa (L.) P. Beauv. — Boiss., Fl. Or., V, 581. 

Urumia, ad rivi Scber-Tscbai ripas (2./ VII.); Sa'm-kale (distr. 

Adscbari), in rivi ripis (IB./VHL); Maraga, in agris ad Kala- 

dscbik (ll./VIIL). 
Melica imiflora Retz. — Boiss., Fl. Or., V, 587. 

Karadagb, in silvis caeduis ad Alibulacb (19./IX.). 
Melica altissima L. — Boiss., Fl. Or., V, 588. 

Karadagb, in silvis caeduis ad Alibulacb (19. /IX.). 
Melica Cupani Guss. — Boiss., Fl. Or., V, 590. 

Diliman, in m. Karnaru fissuris (lO./VI., var. inaecpuglum' 

Boiss., det. Bornm.); Urumia, in saxorum versuris (8./VII. 

var. inaeqiiiglumis Boiss. f. armena Boiss. et Kotscby [Exsic 

Nr. 3381 pro spec] verg. ad var. brevifloram Boiss. [Hausskn 

Exsicc.!] floribus minoribus). 
IJrlza minor L. — Boiss., Fl. Or., V, 593. 

Karadagb, in silvis caeduis ad Alibulacb (19./1X.). 
Äcluropus litoralis (W.) Pers. — Boiss., Fl. Or., V, 594. 

Inter Sabatli et Gnscbtscbi (Urumiaj in salsis f20./VII.); Ac 

kcnd (distr. opj)i(Ii Maraga) ad iu{U'dH iriinerales (9./VI1I.) 

TebriH, in salsis ad Scliindawur (l./X )- 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 187 

Bachylis glomerata L. — Boiss., Fl. Or., V, 596. 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in graminosis (12./ VI.); Khoi, 

in graminosis (27. /V.). 
Schismiis arahiciis Nees. — Boiss., Fl. Or., V, 597. 

Distr. Diliman, ad pedem m. Karnaru in apricis (10./ VI.) et 

in argiilosis glareosis ad Khosrowo (8., 9. /VI.); Khoi, in gla- 

reosis ad Nedschaweh (29./V.). 
Poa anmia L. — Boiss., Fl. Or., V, 601. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./ VII.). 
Poa trivialis L. — Boiss., Fl. Or., V, 602. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (4./VII.). 
Poa compressa L. — Boiss., Fl. Or., V, 602 (det. Bornm.). 

Khoi, in pratis (30./V.) et in collibus siccis ad Karadschal 

(5./VI., f. foliis angustissimis). 
Poa cenisia All. — Boiss., Fl. Or., V, 603 (det. Bornm.). 

In alpinis m. Tacht-i-Bälkis ad nives. deliquescentes in con- 

sortio Catahrosae parviflorae Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 603. 
Poa huTbosa L. — Boiss., Fl. Or., V, 605. 

Diliman, in m. Gelosa pratis (14./VI.). 
Forma pumila foliis angustis verg. ad P. Timoleontis Heldr. (det. 

Bornm.). 

Tebris, in collibus siccis (ll./V.); Diliman, in m. Karnaru 
lapidosis (lO./VL). 

Die Pflanze ähnelt sehr der P. Timoleontis, als welche 
sie Stapf (in Sched.) auch bezeichnete; genau damit über- 
einstimmende Formen der P. hulbosa treten indessen auch in 
Italien, z. B. in Sizilien, gesammelt von Todaro, auf. 

Poa nemoralis L. — Boiss., Fl. Or., V, 607. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19./IX.). 

Poa sterilis M. B. — Boiss., Fl. Or., V, 608 (det. Bornm.). 

Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (16./VI.) et in m. Karnaru 
apricis (12./VL); Isperechan, in m. Sahend fissuris (5./VIII.). 

Die vorliegenden Exemplare sind äußerst dürftig, zum 
Teil (vom Sahend) ganz zwergig. Da die Formenkreise der 
P. sterilis und P. attenuata Trin. sehr wenig bekannt sind, 
ist es auf Grund des vorliegenden dürftigen Materials nicht an- 
gängig, eine neue Form aufzustellen. Der länglichen zer- 



188 



Josef Borumüller. 



schlitzten Ligula halber kann die Pflanze nicht dem Formen- 
kreis der P. caesia Sm. zugesellt werden. 

Poa tafarica Fisch. — Boiss., Fl. Or., V, 609 (det. Bornm.). 

Achmedabad (distr. Afschar), ad aquas minerales (17. /VIII.). 

Poa persica Trin. — Boiss., Fl. Or., V, 610 (det. Bornm.). 

Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (16./VL) et in m. Karnaru 
umbrosis saxosis (12./VI.); Tebris; Liwan, in m. Sahend 
humidis (6./VIII.); Sendschire (inter Tebris et Khoi), in grami- 
nosis (21. /V., specimen unicum pumilum). 

Foa soongarica (Schrenk) Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 611. 

Tebris, in lapidosis ad Sendschanab (l./VIII.) et in m. Sahend 
scaturiginosis (6./ VIII.); Urumia, in m. Scher-Tschai ripis 
(2./VII.). 

Die von Herrn Dr. Stapf nur fragUch als P. soongarica 
bezeichneten Exemplare besitzen alle eine sehr aulfällige, von 
allen Formen der P. persica sehr abweichende Tracht. 

Glyceria plicata Fries. — Boiss., Fl. Or., V, 614. 

In humidis ad Urumia (2./VII.); Diliman, ad rivi ripas pr. 
Khosrowo (9./VI.). 

Atropis distans (L.) Griseb. — Boiss., Fl. Or., V, 615 (det. Bornm.). 
Diliman, in pascuis ad Tschahrik (17. /VI.); Urumia, ad rivi 
Scher-Tschai ripis (17. /VI.); Tebris, in salsis aquosis ad Mer- 
dise (30./IX.). 

Festiica arundinacea Schreb. — Boiss., Fl. Or., V, 622 {F. elatior L. 
2. arundinacea Hackel). 

Diliman, in pratis pinguibus ad Tschahrik (17. /VI.). 
Festuca valesiaca Schleich, (det. Bornm.). — Boiss., Fl. Or., V, 

618 (F. ovina L. 4. sulcata llackel vanwalesiaca Koch). 

Diliman, in m. Karnaru asperis (12./VI.). 
Vidpia myurus (L.) Gmel. — Boiss., Fl. Or., V, 628. 

Urumia, in rivi ripis ad Sameschli (7./ VII.) et ad rivi Scher- 
Tschai ripas (2./VJI.). 
Sclcrochloa dura (L.) P. Beauv. — Boiss., Fl. Or., V, 635. 

Tebris, in salsis ad Mcrdise fßO./lX.). 
Bromus Incrmh Leyss. — Boiss., Fl. Or., V, 642. 

Tebris, in jiralis i)inguibnH ad Scndsclianal) (l./VIIL). 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 189 

Bromus variegatus M. B. — Boiss., Fl. Or., V, 644. 

In asperis m. Tacht-i-Bälkis (18. /VIII.) et in saxosis ejusdem 
districtus ad Gtisilkapir (14./VIII.). 

Bromus tomentellus Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 646. 
Khoi, in saxosis ad War (29./V.). 

Bromus crinitus Boiss. et Höh. — Boiss., Fl. Or., V, 647. 

Diliman, in m. Karnaru saxosis umbrosis (10. et 12./VI.). 

Bromus tectorum L. — Boiss., Fl. Or., V, 647. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.); Sendschire (inter Tebris et Kboi), 
in arvis (21. /V.); Tebris, in siccis collibus (11. /V.); Diliman, 
in aridis ad Tschahrik (17. /VI.) et in glareosis ad Khosrowo 
(9. /VI., var. anisanthus Hackel); Urumia, in rivi Scher-Tschai 
ripis graminosis (2. /VII., eadem varietas ex cl. Stapf). 

Bromus macrostachys Desf. — Boiss., Fl. Or., V, 652. 

Diliman, in glareosis ad Khosrowo (9./VL) et in m. Karnaru 
lapidosis (12./VI.); Urumia, in arvis (28./VI.) et ad rivi 
Scher-Tschai ripas (2./VIL). 
Forma glabratus. Spiculis glahris, vaginis foliorum suhglabris. 

Diliman, in argillosis ad Khosrovro (8. /VI.). 
y. triaristatus Hackel. — Boiss., Fl. Or., V, 652. 

Khoi, in lapidosis (27. /V.); Diliman, ad pedem m. Gelosa in 
apricis (10. /VI.); Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./yiI.). 

Bromus japonicus Thunb. — Boiss., Fl. Or., V, 655 (B. patulus 
M. et K.) (det. Bornm.). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Alibulach (19. /IX.); Urumia, 

ad Sameschli in rivi ripis (7. /VII.) et in arvis ad Gök-tepe 

(26./VI.). 
Var. veluünus Aschers, et Gräbn. 

Khoi, in pratis ad Karadschal (5./VI.). 
Bracliypodium pinnatum L. — Boiss., Fl. Or., V, 658. 

Karadagh, in nemoribus secus rivum ad HasanbeTli (17./IX.). 
Agropijrum longiaristatum Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 660. 

In asperis m. Tacht-i-Bälkis (18./yiII.). 
Ägropyrum repens (L.) P. Beauv. — Boiss., Fl. Or., V, 663. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbe'ili (19. /IX.). 
Ägropyrum litorale (Host). — Boiss.^, Fl. Or.^ V^ 664 (p. p.?). 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8./yiI., specimen unicum sine radice). 



190 



Josef Bornmiiller. 



Agropyruni tricJiopJiorum (Link) Richter (Ä. intermedii P. Beauv. 
subspecies!). — Boiss.^ Fl. Or._, 664 (Ä. Aucheri Boiss.). 
Urumia, in lapidosis ad Ser (8./VII.). 

Ägropyrum elongatum Host. — Boiss., Fl. Or., V, 665 (det. Bornm.). 
Urumia, in salsis inter Sahatli et Gusclitschi (20./VII.). 

Agropyruni caespitosum C. Koch. — Boiss., Fl. Or., V, 670, „Spe- 
eles non satis nota" (det. Bornm.). 

Diliman, in lapidosis ad Tschahrik (16. /VI.); Tebris, in pratis 

ad Sendschauab (l./YIIL). 
Agropifnim cristatum (L.) Boiss. ß. imhricatum (M. B. pro spec.). 

— Boiss., Fl. Or., V, 667. 

Kho'i, in saxosis ad War (29./V.). 
Agropyrum cristatum (L.) Boiss. subsp. (nov.) caespitosum Bornm. 

Dense caespitosum, fasciculis et cuhjiis vaginis longis involii- 

cratis, foMs longis convolutis rigididis, spica oblonga hrevi 

latiuscula (2 cm lata, 3' 5 cm longa), spiculis majusctilis a type 

discedens. 

Diliman, in m. Karnaru lapidosis (21. /VI.). 

Agropyrum Orientale (L.) R. et Sch. — Boiss., Fl. Or., V, 688. 
Tebris, in collium aridis (2./V.); Khoi, in arvis (23./V.). 
ß. lasiantJmm Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 669. 

Khoi, in lapidosis (7./V.) et (f. recedens) in rivi argillosis 
War (29./V.); inter Tebris et Khoi, in collinm graminosis ad 
Sendschire (21. /V.); Tebris, in glareosis ad Ispercchan (4./ VIII.). 

Agropijrum Buonapartis (Spr. sub Tritico in „Erster Beitr. d. Bot. 
Gart.", Halle, 1801, S. 4, Nr. 50, ex Aschers, et Schweinf. 
in lllnstr. de la Flore d'Egypte, p. 175). — Boiss., Fl. Or., 
V, 668 {Agropyrum squarrosum Link; Triticum sguarrostm 
Roth, Neue Beitr. z. Bot., 1802!). 

Uniniia, ad rivi ripas glareosis ad Dise-siamek („Dize-siansch", 
50./VI.). 

Seeale montanum Gurh. — Boiss., Fl. Or., V, 671 (det. Bornm.) 
Urumia, in niontiuni aspcris ad Ser (8. /VII.); 'i'ebris, a 
SendHchanab in niontosis (l./VIII.). 

I'.s liegen noch einige Individuen einer einjährigen AVra^c- 
Forni vor, gesammelt bei Sendschanab und Khosrowo, die 



Bearbeitung von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 



191 



offenbar nur kümmerlich entwickelte Exemplare verwilderten 
Roggens darstellen. 
Heteranthelium piliferum Höchst. — Boiss., Fl. Or., V, 672 (det. 
Bornm.). 

Inter Khoi et Tebris, in collium graminosis ad Sendschire 

(21. /V., specimen unicum in consortio Ägropyri orientalis). 
Tritictm vulgare Vill. 

In arvis ad Karadschal ditionis oppidi Khoi (5./VI.). 
Aegüops ovata L. ß. triaristata Coss. et Dur. — Boiss., Fl. Or., 

V, 674 (det. Bornm.). 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2. /VII.). 
Aegüops trümcialis L. — Boiss., Fl. Or., V, 674 (det. Bornm.). 
Diliman, in declivitatum aridis ad Tschahrik (17. /VI.) et in 
glareosis ad Khosrowo (9./VI.); Urumia, in aridis ad Dise- 
siamek (30./VI.). 

Aegüops cylindrica Rost — Boiss., Fl. Or., V, 675 (det. Bornm.). 
Diliman, in glareosis ad Khosrowo (9./VI., mixta cum A. 
trümciali). 

Lolium persicum Boiss. et Höh. — Boiss., Fl. Or., V, 680. 

Urumia, ad rivi Scher-Tschai ripas (2./Vn.) et in agris ad 

Digele (28./VI.) et Gök-tepe (26./VL). 
Leptimis pubescens Bert. ß. persicus (Boiss. pro spec.) (det. Berno- 

wicz). 

Diliman, ad pedem m. Karnaru in lapidosis (12./ VI.). 

glaberrimus Hausskn., Herb.; Bornm. in Mitt. d. Thüring. Bot. 

Ver., N. F., Bd. XX, S. 51, sub var. L.persici (det. Bernowicz). 

Diliman, in glareosis ad Khosrowo (9./VI.). 
Hordeum murorum L. — Boiss., Fl. Or., V, 686. 

Marand, in arvis (20./V.); Khoi, in aggeribus (25./ V.); Urumia, 

inter Sahatli et Guschtschi in salsis (20./VIL). 
Hordeum maritimum With. — Boiss., Fl. Or., V, 687. 

Urumia, in arvis siccis (28. /VI.) et in rivi Scher-Tschai ripis 

(4./VII.). 

Hordeum violaceum Boiss. et Huet. — Boiss., Fl. Or., V, 688. 

Tebris, in saxosis ad Sendschanab (30./VII.). 
Hordeum fragile Boiss. — Boiss., Fl. Or., V, 689. 

Urumia, in lapidosis ad Ser (8. /VII.). 



192 



Josef Bornmüller. 



Ehjmtis criniüis Schreb. — Boiss., Fl. Or., V, 691 („E'. Ca2nit 
Mediisae L."). 

Inter Tebris et Khoi, in collium gramiuosis ad Sendscliire 
(21./V.). 

Coniferae. 

Jtmiperus communis L. — Boiss., Fl. Or., V, 707. 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Juniperiis foetidisswia Willd. — Boiss., Fl. Or., V, 709 (det. Bornm.). 

Karadagh, in silvis caeduis ad Hasanbeili (18./IX.). 

Grnetaceae. 

Ephedra major Host (1831) ß. procera (Fisch, et Mey.) Stapf, 
Ephedra, S. 80. 

Khoi^ in fissuris rupium pr. War; Diliman, in m. Karnaru (ex 
Stapf^ 1. c). 

Filices. 

Ceterach officinarum Willd. — Boiss.^ Fl. Or.^ Y, 722. 

In m. Karnaru (ditionis Diliinan) fissuris (10. /VI.); Karadagli, 
in niuscosis lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.) et Alibulach 
(19./IX.). 

Fohjpodium vidgare L. — Boiss., Fl. Or.. V, 723. 

Karadagh, in lapidosis muscosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Aspleniiim Trichomanes L. — Boiss., Fl. Or., V, 731. 

Karadagh, in saxosis ad Alibulach (19./IX.). 
Asjdenium Jiuta muraria L. — Boiss., Fl. Or., V, 732. 

Karadagh, in lapidosis ad Alibulach (19. /IX.). 
Asplenium septent/rionale L. — Boiss., Fl. Or., V, 734. 

Karadagh, in lapidosis ad Hasanbeili (17. et 18. /X.). 
jUplenium Adiantum nigrum L. — Boiss., Fl. Or., V, 734. 

Karadagh, in muscosis lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.); Ana- 

toliae borealis in collibus lapidosis ad Trapezuntum (8. /IV.). 
Aspidmm Filix mas (L.) Sw. — Boiss., FI. Or., V, 737. 

Karadagh, in muscosis lapidosis ad Hasanbeili (17. /IX.). 
Cystopteris fragilis (L.) Hcrnh. — l^oiss., Fl. Or., Y, 739. 

lK|)crcchan, in m. Sahend saxosis (5. /VIII.); Diliman, in iii. 

Gclosa fisKuris fl4./VI.); distr. Afschar, Kotursu (ditioiiis ni. 

Tacht-i-Bälkisj in saxosis circa stagnulum (IH./VIII.). 



Bearbeituug- von im nordwestlichen Persien gesammelten Pflanzen. 193 



Equisetaceae. 

Equisetum arvense L. — Boiss., Fl. Or., 741. 

Tebris, in pratis humidis pr. Sendschanab (1 ./VIII., fragmenta 
caespiti Jtinci articulati immixta). 

Equisetum Heleocharis Ehrh.; E. limosum Willd. — Boiss., Fl. Or., 
742. 

Khoi; in collium declivitatibus ad Gescht (SO./Y.). 
Equisetum ramosissimum Desf.; E. ramosum Schleich. — Boiss., 
Fl. Or., V, 742. 

Khoi, in scaturiginosis ad War (29./Y.) et in declivitatibus 
argillosis ad Karadschal (5./YI.). 

Musci.^) 

Bidymodon ruhellus (Hoffm.) Br. Eur. 

Karadagh, in silvis umbrosis (19./IX., c. fr.). 

Tortida demaivendica Schiffn. (nov. spec.) in österr. Bot. Zeitschr., 
Jahrg. 1908 (Sep. S. 8), Taf. VIII, Fig. 23—31. 
Diliman, in saxorum scaturiginosis ad Tschahrik (16./YI., c. fr.). 

Die Art wurde von mir im Jahre 1902 am Demawend, 
in einer Seitenschlucht des Lartales bei 2700—2800 m Höhe, 
aufgefunden und hat nach dieser Fundstelle ihren Namen er- 
halten. 

Tortida sudtdata (L.) Hed. 

Karadagb, in saxorum umbrosis ad Alibulach (19./IX., c. fr.). 
Tortula astoma Schiffn. (nov. spec.) in österr. Botan. Zeitschr., 

Jahrg. 1908 (Sep. S. 10), Taf. YII, Fig. 6—17. 

Tebris, in declivibus humidis ad Sendschanab (l./YIII.). 
Funaria hygrometrica (L.) Sibth. 

? Kudschuk ad fontes (14./ VIII., c. fr.). 
Leptohryum pyriforme (L.) Schimp. 

Tebris; Isperechan, ad m. Sahend rivulos (5. /VIII., c. fr. una- 

cum Didymodonte ruhello et Weher a cruda). 



^) Bearbeitet von Herrn Prof. Dr. Schiffner in Österr. Bot. Zeitschr., 
Jahrg. 1908: „Beiträge zur Kenntnis der Bryophyten von Persien und Lydien." 

Z. B. Ges. GG. Bd. 13 



194 J. Bornmüller. Bearbeit. von im nordw. Persien gesamm. Pflanzen. 



Weber a cruda (L.) Bruch. 

Isperechan, ad rivulos m. Saliend (5. /VIII., c. fr.). 
Mniöbryim albicans (Wablb.) Limpr. 

In m. Sahend scaturiginosis (6./Vni., sterilis, f. perparva). 
Philonotis tomentella Mol. (= Ph. alpkola Jur.). 

Tebris; Isperechan, ad m. Saheud rivulos (4./ VIII., c. fr. et d"). 



Ornithologische Literatur 

Österreich -Ungarns und des Okkupationsgebietes 1908/) 

Von 

Viktor Ritter v. Tschusi zu SchmidhofFen. 

(Eingelaufen am 22. März 1909.) 



B. Die beiden Hauptzüge des Steppenhuhnes (Syrrhaptes paradoxm) 
(1863 und 1888). — Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 34, S. 53. 
(Österr.-Ung., part.) 
— Vom diesjährigen Herbstzug der Schnepfen. — Waidmh., XXVIII, 
1908, Nr. 23, S. 468. 

Babarczy, J. Br. Szürkeg6mek tanydjdn.* (An einer Graureiher- 
kolonie.) — Az Allatvildg, 1908, H. 6, p. 105. (Ung.) 

Bdno, D. Nchany szo a fürjröl. (Etliche Worte über die Wachtel.) 
— Zool. Lap., X, 1908, Nr. 18, p. 207—209. (lJn^,^) 

Bdrsony, J. Mocsdri sneffek. (Sumpfschnepfen.) — Köztelek, 
XVHI, 1908, Nr. 25, p. 660. 

liarthos, Gy. (J. v.) A madärlölck titkaib61. (Beobachtungen Uber 
Serinus serinus L.) — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 5, p. 39. (Unji;.) 

») Ycr^r]. (lieHC „Vcrliandlungcn", J^xl. LVJll, 1008, S. 458— 4G4. - Dio 
Anjfaben in ungarischer Sprache lieferte Herr Eug. Greschik, Assistent der 
„Kgl. Ij. (i. die in czechischer Herr Oberlehrer K. KnöXourek, die in 
kroatincher Herr I'rof. AI. Mar(;k, die in sloveniHcher Herr Dr. .). Ponel).sek; 
wvMvrc Angaben danke icli Herrn Dr. M. Dorning und an« .Iagd'/(iliiiig<!ii 
aiicli Herrn Prof, Ji, Seh weder. 



Oriiithol. Literatur Österr.-Ungarus u. d. Okkupationsgebietes 1908. 195 



Barthos, Gy. (J. v.) Einige Daten zur Nahrung des Mäusebussards. 

— Aquila, XV, 1908, p. 307—308. (Ungarisch und deutsch.) 
(Siebenb.) 

— Der Paarungsruf von Glaucidium passerinum. — Ibid., XV, 
1908, p. 311. (Ungarisch und deutsch.) (Siebenb.) 

— Zutrauliche Gebirgsbachstelze. — Ibid., XV, 1908, p. 314. 
(Ungarisch und deutsch.) (Siebenb.) 

— Wetterschäden in der Vogelwelt. — Ibid., XV, 1908, p. 314—315. 
(Ungarisch und deutsch.) (Siebenb.) 

— Das Verschwinden des Bartgeiers aus dem Retyezät-Gebirge. 

— Ibid., XV, 1908, p. 326. (Ungarisch und deutsch.) (Siebenb.) 

— Das Vorkommen von Emberiza cia L. im Komitate Hunyad. 

— Ibid., XV, 1908, p.327. (Ungarisch und deutsch.) (Siebenb.) 

— A madarl61ek titkaiböl. (Die Geheimnisse der Vogelseele.) — 
Zool. Lap., X, 1908, p. 39—40. 

Bau, A. Über die Abänderung der Eizeichnung in den Gelegen 
und ihre Ursachen, sowie über die Entstehung der Zeichnung 
der Kuckuckseier. — Zeitschr. f. Ool. u. Orn., XVIII, 1908, 
Nr. 1, S. 13—17; Nr. 2, S. 25—29; Nr. 3, S. 46—47. 

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Nr. 3, S. 22—27; Nr. 4, S. 28-29; Nr. ö, S. 37—38. (Kämt.) 

B. L. Nehäny szö a baglyok 61et6röl. (Einige Worte über die Lebens- 
weise der Eulen.) — Vadäszlap, XXIX, 1908, Nr. 27, p. 359. 
(Ung.) 

Blaskovich, Gy. Urali bagoly. (Uraleule am 15. Januar bei Saldnk 
[Ugocsa] erlegt.) — Vadäszlap, XXIX, 1908, Nr. 4, p. 53. 
(üng.) 

B. M. Vom Vogelzug (Taubenankunft in Kraig). — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 6, S. 117. (Kämt.) 
Bodnär, B. Die Wagnersche Vogelsammlung. — Aquila, XV, 

1908, p. 222-231. (Ungarisch und deutsch.) (üng.) 

13* 



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p. 191—195. (Ud§-.) 

Bolyky, M. A rozgonyi hires sölyomvadäszatok. (Die berühmten 
Falkenjagden von ßozgony.) — Vadäszlap, XXIX, 1908, Nr. 29, 
p. 380. (Uiig.) 

Bonomi, A. Lo Storno roseo (Pastor roseus L.) nel Trentino. — 
Avicula, XII, 1908, Nr. 123-124, p. 48. (Tirol.) 

— Avviso per gli Ornitologi (Syrrhaptes paradoxus). — Ibid., 
XII, 1908, Nr. 123—124, p. 56. 

— II Grifone (Gyps fulvus Gray) nel Trentino. — Ibid., XII, 
1908, Nr. 123—124, p. 34—36. (Tirol.) 

— A(iiiila reale (bei Trient erlegt). — Ibid., XII, 1908, Nr. 129—132, 
p. 120. (Tirol.) 

Brandl e, F. Zur Bekämpfung der ßachamsel und des Eisvogels. 

— Tirol, landw. Bl., 1908, H. 3, S. 49; H. 4, S. 61. (Tirol.) 
Brusina, S. Naravoslovne crtice sa sjevero-istocne obale Jadranskoga 

mora. IV. — Prilog za faunu ptica Dalmacije. (Naturwissen- 
schaftliche Skizzen von der Nordostküste des Adriatischen 
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Dalmatien.) — Rad Jugoslav. akademije znanosti i umjetnosti, 
knjiga 173. Matem.-prirodosl. rarred 43, p. 1 — 31 (p. 24 — 28). 

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Cerva, L. Das Tränken der jungen Störche im Nest. — A(piila, 
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Chernel, J. Madarv6delmi kirdnduldsok. (Ausflüge, den Vogelschutz 
bctrefl'end.j — Ällatv6delem, V, 1908, Nr. 7, p. 3. (Uiig.) 

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weise des Steinadlers.) — Lov. Obzor, XI, 1908, p. 177. 

C. MCorgan). Oeierjagd auf der Insel Arbe. — Der Jagdfr., VIII, 
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C sorge y, T. Die heurige Tätigkeit der „U. 0. C." auf dem Ge- 
biete des praktischen Vogelschutzes. — Aquila. XV. 1908, 
p. 302 — 305. i^Uugarisch und deutsch.) (Ung.) 

— A madarak teli etetese. (Winterfütterung der Vögel.) — AUat- 
vedelem, V, 1908, Xr. 1, p. 3. 

Deutsch, A. Der harmlose Bussard i Gastein ). — Mitteil. d. u. ö. 

Jagdsch.-Ver., XXX. 1908, Xr. 8, S. 333. (Salzb.) 
Divisek, R. Orel krätälkopresty. {Circaetus gallicus IX. 1908 bei 

Groß-Meseritsch erlegt.) — Loy. Obzor, XI, 1908, p. 175. 

piähr.) 

Dlasska, v. Frühling und Hahnenbalz im Januar. — Der Jagdfr., 

Vm, 1908, Xr. 6, S. 90. (Kämt.) 
Donner, E. Ornithologisches von meinen Ausflügen i^um Wien . — 

Mitteil. ü. d. Vogelw., VIIL 1908, Xr. 6, S. 45—46. (N.-Ö.) 

— Aus dem Leben des Alpentannenhehers {Xucifraga canjoca- 
tactes reJicta Rchw.). — Orn. Monatsschr., XXXIIL 1908, Xr. 1, 
S. 30—38. (Kämt.) 

Dorning, H. Die Saatkrähen und die Witterung. — Aquila. XV, 
1908, p. 316. ^Ungarisch und deutsch, i (Ung.) 

— A Bufeo ferox üjabb elöfordüläsa. Das wiederholte Vorkommen 
von Bideo ferox.) — Zool. Lap., X, 1908, Xr. 13, p. 148. (Ung.) 

— Ornithologiai aprösägok. Ornithologische Miscellen.^ — Ibid., 
X. 1908, Xr. 5, p. 49. " 

Dreßler. F. Xaturgeschichtliches aus Hennersdorf b. Deutsch-Gabel. 

— Mitteil. d. nordböhm. Exc.-Cl. Leipa , XXXI, 1908, H. 3, 

S. 236—239. (Böliiu.) 
Du da. Über den Vogelzug (in TrasteCattaro \ — Waidmh.. XX VIII, 

1908, Nr. 8, S. 157. (Balm.) 
Dutkiewicz, J. Vom Vogelzug liu Tarnopol . — D. Tierw., MI, 

1908, Xr. 8, S. 67. (aaliz.) 
Dutkiewic, Th. Vom Vogelzug. — D. Tierw., VIL 1908, Xr. 12, 

S. 99. (Galiz.) 

Dvorak, Fr. Hub. Husa lisci. (Tadorna vulpanser am 26. VIII. 
1908 bei Xalzov erbeutet. — Lov. Obzor. XL 1908, p. 175. 
(Böhm.) 

— Oresnik. iTannenheher [bei Schüttenhufen brütend].) — Roz- 
maruY Les. Tydennik, III, 1908, p. 337. (Böhm.) 



198 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Ed er, R. Beitrag zur Vogelwelt Niederösterreichs. — Mitteil. d. 
Ver. d. Naturfr. in Mödling, 1908, Nr. 31, S. 12—19; Nr. 32, 
S. 7—10. (N.-Ö.) — Separat: Mödliug bei Wien (Selbstverl.), 
1908. Kl.-8° III + 108 S. (N.-Ö.) 

Ehrlich, H. Die Balztaubheit des Auerhahns. — Der Jagdfr., VIII, 
1908, S. 172—173. (N.-Ö.) 

F6nyes, D. A vöröslabü lüdröl. (Über die Rotfußgans.) — Az 
Ällatvilag, 1908, H. 6, p. 116. (Ung.) 

Fleckl, H. Adlerfang (in Pfunds). — Der Jagdfr., VIII, 1908, 
Nr. 36, S. 570. (Tirol.) 

Floericke, K. Jahrbuch der Vogelkunde, 1907. — Bd. I. Die 
Forschungsergebnisse und Fortschritte der paläarktischen Orni- 
thologie im Jahre 1907. — Stuttgart, 1908. Gr.-8°. 94 S. (Österr.- 
Ung., part.) 

— Das Steppenhuhn auf der Wanderschaft (Szabadszdlläs). — 
Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 13, S. 105. (Ung.) 

— Das Steppenhuhn auf der Wanderschaft. — Ibid., VIII, 1908, 
Nr. 13, S. 105. (Galiz., part.) 

F. N. Erlegte Rackelhähne (ProUing bei Ybbsitz und Prägarten). 

— Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 6, S. 246—247, 
mit Abbild. (N.-Ö., Ob.-Ö.) 

Frank, 0. (Erste Schwalbe in Theresienfeld.) — D. Tierw., VII, 

1908, Nr. 10, S. 83. (N.-Ö.) 
Frigidus. Madaraszati jegyzetek. (Ornithologische Notizen.) — 

VadMSzlap, XXIX, 1908, Nr. 6, p. 76; Nr. 7, p. 89; Nr. 9, p. 116. 
Fromm, Dr. Geza. Madarv6delem, III. (Vogelschutz, III.) — Racz- 

keve, 1908. 8«. (Ung.) 
Giuseppe, M. Note ed osservazioni intorno all' Avifauna tridentina. 

— Trento, 1907. 8^ 117 p. con 15 Fig. e 2 Tav. col. (Tirol.) 
Gorka, S. A madarak szin6rz6se. (Farbensinn der Vögel.) — Va- 

daszlap, XXIX, 1908, Nr. 25, p. 333. 

— A madArszem f6si1)6nck 61ettani szerepe. (Physiologische Be- 
deutung des Pektcn des Vogelauges.) — P6tfüz. Tcrm. Közl, 
nK)8, II. XCl— XCIl, p. 153. 

Goropich, A. vgl. Slonecki. 

GrÄsy. Aus Ungarn, (liausstorch mit Fiscni)fcii.) — Mittcil. ii. d. 
Vogelw., Vlll, 1908, Nr. 18. (Ung.) 



Oriiithol. Literatur Österr.-Unj^ariis u. d. Okkupationsgebietes 1908. 199 



Gregor, Em. Vom Vogelzüge (Heiligenberg). — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 6, S. 117. (Mähr.) 
Greschik, E. Neue Daten zur Nahrung des Buchfinken. — Aquila, 
XV, 1908, p. 310. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— Ardetta mimita (L.) in der Szepesseg. — Ibid.^ XV, 1908, 
p. 327. (Ungarisch und deutsch.) (üng.) 

Grillo, K. Äcanthis linaria X Chloris chloris? (im Trentino er- 
beutet). - Avicula, XII, 1908, Nr. 129—132, p. 115—116. 
(Tirol.) 

Großmann. Ästur hrevij^es Sew., der Sommerhabicht (kurzzehiger 
Sperber), Brutvogel in der Bocche di Cattaro. — Orn. Jahrb., 
XIX, 1908, Nr. 1—2, S. 48—54. (Balm.) 

— Über das Nisten der Bartgras m ticke und ihre Spielnester. — 
Ibid., XIX, 1908, Nr. 3—4, S. 140-142. (Dalm.) 

— Zwei für die Bocche di Cattaro neue Vogelarten. — Ibid., 
XIX, 1908, Nr. 5-6, S. 225—226. (Dalm.) 

— Zur fraglichen Artidentität von Saxicola alhicolUs und melano- 
leuca. — Ibid., XIX, 1908, Nr. 5—6, S. 227—228. (Dalm.) 

— Es gibt nur eine Art weißlicher Steinschmätzer! — Ibid., XIX, 
1908, Nr. 5—6, S. 229—232. (Dalm.) 

Gu ekler, K. A szekesfövarosi madärvedelem k6rd6sehez. (Zur 
Frage des Vogelschutzes in der Hauptstadt.) — x4llatv6delem, 
V, 1908, Nr. 6, p. 4. (üng.) 

Gy., Gy. HaUszsasra! (Auf Fischadler!) — Vadäszlap, XXIX, 
1908, Nr. 24, p. 319. (üng.) 

H. Korai szalonka-fiak. (Frühe Schnepfenjunge bei B611ye.) — Va- 
däszlap, XXIX, 1908, Nr. 12, p. 161. (üng.) 

Hager, F. (Ankunftsdaten aus Deutsch -Wagram.) — D. Tierw., 
VH, 1908, Nr. 11, S. 91. (N.-Ö.) 

Halmay, M. N6häny szo a madarak toplälikäröl, szokasairöl es 
költ6sükröl. (Einige Worte über Nahrung, Lebensweise und 
Brutgeschäft der Vögel.) — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 24, p. 275. 
(üng.) 

— Az utolsö Budzsäk. (Das letzte „Budzsäk".) — Ibid., X, 1908, 
p. 213—216, 237—239. (Ung.) 

Hamböck, K. Ofesnik, {Nucifraga bei Vörovic.) — Rozmarüv 
Les. Tydennik, III, 1908, p. 211. (Mähr.) 



200 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Hamböck, K. Mandelik. {Coracias garnda bei Vöfovic beobachtet.) 

— Rozmarfiv Les. Tydennik, III, 1908, p. 235. (Mähr.) 
H. B. Donausümpfe. - Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 13, S. 197—201. 

(Slawon.) 

Hegyfoky, K. (J.) Der Vogelzug und die Witterung im Frühling 
des Jahres 1907. — Aquila, XV, 1908, p. 142—152. (Ungarisch 
und deutsch.) (üng.) 

— Die täglichen Ankunftsdaten und die gleichzeitigen meteoro- 
logischen Elemente. — Ibid., XV, 1908, p. 153—176. (Un- 
garisch und deutsch.) (üng.) 

— A fecske elköltöz6se. (Abzug der Schwalben.) — Term. Közl., 
XL, 1908, H. 472, p. 709. (Ung.) 

— A füsti fecske vonuläsar61. (Zug der Eauchschwalben.) — 
Pötfüz. Term. Közl., 1908, H. LXXXIX— XC, p. 46. (üiig.) 

Hei necke, Ferd. Tetfev hlusec. (Monographie des Auerhahns.) — 
Lov. Obzor, XI, 1908, p. 55 ff. 

Hellmer, T. Aus Südtirol. (Rauchschwalbenankunft in Arco.) — 
Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 9, S. 73. (Tirol.) 

Her man, 0. Felhivas a pusztai talpastyük megfigyeles6re. (Auf- 
ruf zur Beobachtung des Steppenhuhnes.) — Term. Közl., XL, 
1908, H. 466, p. 387; Erd6szeti Lapok, XLVH, 1908, H. 10, 
p. 548; Az Allatviläg, 1908, H. 3, p. 55; Vaddszlap, XXIX, 
1908, Nr. 14, p. 190; Ällatv6delcm, V, 1908, Nr. 6, p. 8. 

— A madarak hasznäröl 6s kdräröl. (Nutzen und Schaden der 
Vögel.) III. vermehrte Auflage. — Budapest, 1908. 8°. 398 S. 
mit 4 färb. Taf. u. 138 Abb. 

— Zum Flugproblem. — Aquila, XV, 1908, p. 1 — 10. (Ungarisch 
und deutsch.) 

Hey, J. Eine seltene Jagdbeute. (Seeadler in Sonn^gg erlegt.) — 
^ Österr. Forst- u. Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 1, S. 5. (Kämt.) 

— Seeadler in Kärnten (Sonnegg) erlegt. — Mitteil. d. n.-ö. 
Jagdßch.-Ver., 1908, Nr. 2, S. 64. (KJirnt.) 

Hirc, Dr. M. Neue Vogelartcn für das kroatische Faunengebiet. — 
Agramer Tagbl. v. 25./IV. 1908, Nr. 96. (Kroat.-Slawoii.) 

— Narodiio pricanje o nekim pticama. (Was das V^olk von einigen 
Vöfr(.|n orziililt.) — Narodne noviiic v. 31. /I. 1908, Nr. 25. 
(Kroat.-Slawoii.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 201 



Hirc, Dr. M. Die Jagdfauna der Domäne Martijanec. — Zagreb, 
1908. Gr.-8o. 83 S. (Selbstverl.) (Kroat.) 

— Horologische und gonimatische Beziehungen der Art Accipiter 
nisus (L.). Ein Beitrag zur Ornithofauna Kroatien-Slawoniens. 
Autoreferat. — Zagreb, 1908. (Selbstverl.) (Kroat.-Slawon.) 

Holzinger, J. v. Schnepfenzug in Kroatien im Herbste 1908. — 
Der Jagdfr., VIII, 1908, S. 745—746. (Kroat.) 

Hrdlißka, T. Casn6 tokdni. (Frühzeitige Birkhahnbalz [6. /II. bei 
Cechtie].) — Rozmarüv Les. Tydennik, III, 1908, p. 374. 
(Böhm.) 

Hü 11 er, E. Aus Österreichisch Schlesien. (Sperlingsvarietät in Frei- 
waldau.) — Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 8, S. 64. 
(ScWes.) 

— Aus Böhmen. (Haubenlerchennest am Bahngeleise in Boden- 
bach.) — Ibid., Vm, 1908, Nr. 8, S. 65. (Böhm.) 

— Aus Böhmen. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 9, S. 73. (Böhm.) 

— Aus Böhmen. (Störche bei Leipa.) — Ibid., VIII, 1908, Nr. 11, 
S. 88. (Böhm.) 

— Aus Oberösterreich. {Giconia nigra bei Linz.) — Ibid., VIII, 
1908, Nr. 18, S. 145. (Ob.-Ö.) 

— Aus Böhmen. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 20, S. 162. (Böhm.) 
J. Die Wasseramsel. — Centralbl. d. ges. Forst w., XXXIV, 1908, 

Nr. 2, S. 90. 

J. B. Eisente (bei Linz a. d. D. erlegt). — Waidmh., XXVIII, 1908, 

Nr. 24, S. 486. (Ob.-Ö.) 
J. K. Flußadler (in Aich) erlegt. — Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 21, 

S. 424. (Böhm.) 

— Vom Eisenbahnzug getötete Rebhühner. — Der Jagdfr., VIII, 
1908, Nr. 2, S. 22. (Ob.-Ö.) 

— Telegraphenleitungen, eine Gefahr für das Federwild. (Auer- 
henne bei Oberhaag verunglückt.) — Ibid., VIII, 1908, S. 235. 
(Steierm.) 

J. S. Seltenes Weidmannsheil. (Steinadler in Hagenbrunn erlegt.) 

— Waidmh., XXVIH, 1908, Nr. 12, S. 240. (N.-Ö.) 
Jugl, R. Seeadler (11. /II. 1908 in Regelsbrunn erlegt). — Waidmh,, 

XXVIII, 1908, Nr. 6, S. 115—116. (N.-Ö.) 



202 V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidh offen. 

Just, Jos. iVus der Vogelwelt. (Vogelgesang angeboren?) — Mitteil. 

d. nordböbm. Exc.-Cl. Leipa, XXXI, 1908, H. 1, S. 94—95. 
K. Die Habnenbalz (29./II. in Hohmberg). — Waidmb., XXVIII, 

1908, Nr. 6, S. 117. (N.-Ö.) 

— Rosenstare auf der Wanderschaft (bei Sternberg). — Der Jagdfr., 
VIII, 1908, Nr. 41, S. 647. (Mähr.) 

Kallina. Ein Wort über die Bacbamsel. — Österr. Forst- u. Jagdz., 

XXVI, 1908, Nr. 31, S. 268. (Österr.) 
Karäsek, J. Strakapoiid prostredni. (Vorkommen von Picus me- 

dius.) — Rozmaruv Les. Tj^dennik, III, 1908, p. 8. (Mähr.) 

— Zajimav^ zjevy ptaöi z okoll KromÖfize. (Interessante Vogel- 
erscheinungen aus Kremsier.) — Ibid., III, 1908, p. 80. (Mähr.) 

— Dravci stredni Evropy. (Raubvögel Mitteleuropas. Bestimmungs- 
schlüssel.) — Lesni Sträz, VII, 1908, p. Uff. 

— vyznamu ptactva. (Über die Bedeutung der Vogelwelt.) — 
mj, XXXVII, 1908, p. 136. 

Kasper, J. Ergebnis der Frühjahrs -Waldschnepfenjagden auf der 
Herrschaft Dolnji-Miholjac^ (1908). — Wild u. Hund, XIV, 1908, 
Nr. 16, S. 286; Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 9, S. 180; Österr. 
Forst- u. Jagdbl., XX, 1908, Nr. 8, S. 59. (Slawoii.) 

Katuri6, Prof. M. Zoologiöki prilozi. (Zoologische Beiträge. II.) 
ÄntJirojwides virgo (L.) bei Cattaro (Kotor) im Juni 1907 er- 
legt. — Rad Jugoslav. akademije znanosti i umjetnosti, knjiga 173. 
Matem.-prirodosl. rarred 43, p. 182—186. Zagreb, 1908. (Balm.) 

. . . . ke. Ein neuer Zug von Steppenhühnern. — Waidmh., XXVIII, 
1908, Nr. 12, S. 243—244. (Österr.-Uiig., pari) 

Kcrekcs, J. Madaraink vödelme. (Schutz unserer Vögel.) — 
Kecskem6t, 1908. II. Aufl. 8° 36 S. mit Abbild, (üii^.) 

Kern, F. Heimkehrende Zugvögel (Laibach). — Mitteil. ü. d. 
Vogclw., VIII, 1908, Nr. 9, S. 72. (Kraiii.) 

Kiss, A. A czinkef616k (^letmödja es taplalkozasi viszonyai. (I)ic 
Lcbeijs\vcis(i und Nalirungsverhilltiiisse der meisenartigen Vögel.) 
- Zool. Lap., X, 1908, Nr. 23, p. 269—271 ; Nr. 24, p. 291—293. 
(riiir.) 

Kl< iiert, K. Wilder Schwan (Ende Januar in Warta a. d. Egcr 
cricgtj. Jiigcrz. B. u. M., XIX, 1908, S. 127. (Kölim.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. cl. Okkupationsgebietes 1908. 203 



Kletwig, C. Abnormes Verhalten einzelner Vogelgattimg-en bei 

dem Abzug-e (in Hohenelbe). — Gef. W., XXXVII, 1908, 

Nr. M, S. 271. (Böhm.) 
K lim seh, 0. J. G. (Erster Kuckucksruf in St. Veit a. d. Glan.) — 

D. Tierw., VII, 1908, Nr. 10, S. 83. (Kärnt.) 
Knauer, Fr. Zur Naturgeschichte des Bartgeiers. — Wiener Zeit., 

1908, Nr. 12, S. 6—7; Nr. 13, S. 6. (Österr.-Ung., part.) 

— Zur Lösung des Vogelzugproblems (nach Prof. M. Marek). — 
Centralbl. d. ges. Forstw., XXXIV, 1908, Nr. 1, S. 9—14. 

Kues che, E. Der Nußheher, ein Feind der Nonne. — Jägerz. B. 

u. M., XIX, Nr. 19, S. 520—521. (Böhm.) 
Knözourek, K. Kterak se ve svetc kachny lovi. (Wie man in 

der Welt die Wildenten jagt.) — Lov. Obzor, XI, 1908, p. 1 ff. 

— Orel morsky. {Haliaetus alhicilla am 22./XII. 1907 bei Caslau 
erlegt.) — Ibid., XI, 1908, p. 31. (Böhm.) 

— Luiiäk hnödy. {Milvus Jcorschun am 29./IV. 1908 bei Hostoulic 
erlegt.) — Ibid., XI, 1908, p. 96. (Böhm.) 

Knotek, J. In der Brutkolonie des Seidenreihers {Ärclea garzetta 
L.) (ütovo blato). — Wild u. Hund, XIV, 1908, Nr. 2, S. 27, 
mit 2 Abb. (Herzeg.) 

— Steppenhtihner und Rosenstare auf der Wanderung. — Ibid. 
XIV, 1908, Nr. 27, S. 481. (Steierm.) 

— Steinadlerplaudereien. — Ibid., XIV, 1908, Nr. 18, S. 318 bis 
320, mit Taf. (Bosn.) 

— Aus dem Leben des Weißkopfgeiers (Gyps ftilvus). — Ibid., 
XIV, 1908, Nr. 31, S. 552—554, mit 2 Abb. (Bosn.) 

Kobald, D. Seltene Jagdbeute. (Uhu in Kaning erlegt.) — Waidmh., 
XXVIII, 1908, Nr. 14, S. 283. (Kärnt.) 

Kolbe, F. Steppenhühner (in Krain). — Wild u. Hund, XIV, 1908, 
Nr. 26, S. 468. (Krain.) 

Kopecky, Em. Känö orli cili bölochvost. {Buteo ferox am 25./VII. 
1908 bei Petrovic erlegt.) — Friroda, VII, 1908/9, p. 125; 
Lov. Obzor, XII, 1909, p. 31. (Böhm.) 

Kordos s, G. A galamb embryonalis pehelytollainak fejlödese es 
morphologiaja. (Die Entwicklung und Morphologie der Em- 
bryonaldunen der Taube.) — Ällattani Közl., VII, 1908, H. 2, 
p.'62— 82. 



204 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Kostal, Old. ZimDi host6. (Wintergäste: Colynihiis arcticus bei 
Tabor, Nucifraga am XII. 1907 bei Tabor.) — Priroda, VI, 

1907, p. 305. (Böhm.) 

Koubec, H. Neco o jestfabu. (Etwas über den Hühnerhabicht 
[Brutgescbäft und Jangenerziehnng-] in der Piseker Umgebung.) 
— Rozmarüv Les. Tydennii^, II, 1907/8, p. 406. (Böhm.) 

Kratochwil, J. Aus Mähren. (Schwalbenabzug bei Olmütz.) — 
Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 19, S. 153. (Mähr.) 

Krejci, Aug. Lov na holuba skalnlho. (Die Jagd auf die Felsen- 
taube [Cohmha livia].) — Rozmarüv Les. lydennik, III, 
1908/9, p. 104. 

Krim b ach er. Ein Birkhahn mit abnormem Stoß. — Mitteil. d. n.-ö. 

Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 7, S. 285. (Salzb.) 
K. P. Kuckucksruf im Dezember in Namiest. — Der Jagdfr., VIII, 

1908, Nr. 4, S. 55 (conf. Marek). (Mähr.) 

Kubicek, Zd. Sluka otavni. (Bekassine.) — Lov. Obzor, XI, 1908, 
p. 32. (Mähr.) 

— Nöco o krahujci. (Etwas über den Sperber.) — Rozmarüv 
Les. Tydennik, II, 1907/8, p. 366. (Mähr.) 

K. V. Z. Albinos in der Vogelwelt. — Mitteil, d nordböhm. Exc.-Cl. 

Leipa, XXXI, 1908, H. I, S. 92—93. (Böhm., Mähr., N.-Ö.) 
Lakatos, K. Uj orvmaddr alak a magyar ornisban. (Eine neue 

Raubvogelform in der ungarischen Ornis, Circiis pygargus 

Husthtji Lakatos.) — Vaddszlap, XXIX, 1908, Nr. 4, p. 52. 

(Uli??.) 

— A magyarorszägi orvmadarak rendszere. (Systematik der un- 
garischen Raubvögel.) — Vaddszlap, XXIX, 1908, Nr. 30, 
p. 395; Nr. 31, p. 407; Nr. 33, p. 435. (lJll^•.) 

Lambrecht, K. A pusztai talpastyuk vandorlasa. (Wandern des 
Syrrhaptes 2>aradoxus.) — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 11, p. 126. 

Langlc, F. Wachtehi im Februar. — Der Jagdfr., Vlll, 1908, 
Nr. 9, S. 133. (Slawoii.) 

— Zeitlicher Zug von Wildgänsen. — Iliid., VIH, 1908, Nr. 7, 
S 109. (Böhm.) 

L. Ii. iWisoiKlcrc Frcclilicit eines lllllinerliabichts. — Der Jagdfr., 
VIII, 1!M).^, Nr. 24, S. 379. (N.-Ö.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. (1. Okkupationsgebietes 1908. 205 



Lei dl, K. Seltener Fang. (Uhu bei Komotaii gefangen.) — Wild 

u. Hund, XIY, 1908, Nr. 7, S. 126. (Böhm.) 
Leimb erger, G. Ein (von Krähen) bedrängter Birkhahn. — Mitt. 

d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 5, S. 197. (N.-Ö.) 
Leudl, Ad. A Idrmas sas kärteveseröl. (Über die Schädlichkeit der 

Äquila naevia.) — Yadaszlap, XXIX, 1908, Nr. 20, S. 269. (üug.) 
Lesern iiiler, A. Eine starke Schnabelanomalie bei Firns viridis L. 

Verb. d. Ornith. Ges. in Bayern, VIII, 1907 (1908), S. 169, mit 

2Taf. (TiroL) 

Lind n er, P. 0. Ornithologisches von meiner Urlaubsreise 1907. — 
Orn. Monatsschr., XXXIII, 1908, Nr. 7, S. 376—378; Nr. 8, 
S. 404—411. (üng., Steierm., Ob.-Ö.) 

Lintia, D. Rebhuhnmimikry. — Aqiiila, XV, 1908, p. 306. (Un- 
garisch und deutsch.) (Ung.) 

— Strix flammea als Taubenfeind. — Ibid., XV, 1908, p. 308, 
(Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— Das Brüten von Gyi^s fulvus (Gm.) in Südungarn. — Ibid., 
XV, 1908, p. 325—326. (Ungarisch und deutsch.) (Tng.) 

Lodge, K. B. Experiences with Eagles and Vultures in the Car- 
pathians. — Aquila, XV; 1908, p. 268—273, mit 2 Taf. u. 
1 Portr. (Ungarisch und englisch.) (Sielbeiib.) 

Loos, C. Tannenheher in Nordböhmen. — Orn. Jahrb., XIX, 1908, 
Nr. 3—4, S. 146. (Böhm.) 

— Aphorismen über Vogelschutz. — Österr. Forst- u. Jagdz., XXVI, 
1908, Nr. 2, S. 10. 

— Die Blauracke in den Libocher Forsten. — Mitteil. ü. d. 
Vogelw., VIII, 1908, Nr. 7, S. 54. (Böhm.) 

Loos, H. Ein Bläßhuhn in den Straßen Wiens (V. Bez.). — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 23, S. 468. (N.-Ö.) 
Lorber, M. Ein Storch in Gebirgsgegend erbeutet (Geisttal). — 

Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 6, S. 248. 

(Steierm.) 

Lösy, J. A madär a Hortobägyon. (Der Vogel im Hortobägy.) — 
Pesti Hirlap, 1908, Nr. vom 4./V., p. 34. (Ung.) 

Luzecki, 0. J. Ornithologisch-meteorologische Aufzeichnungen aus 
der Bukowina. — Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 3, 
S. 23—24. (Bttkow.) 



206 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Marek, Vogelschutz, aber auch Eigentumsrecht. — Salzburg. Volksbl., 

XXXVIII, 1908, Nr. 130, S. 5—6. (Salzlb.) 
Marek, M. Die Ersten (Waldschnepfen). — Hugo's Jagdzeitung, 

LT, 1908, Nr. 5, S. 139—143. (Kroat.) 

— Jagdliches und Ornithologisches aus der „Senjska draga". — 
Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 1, S. 5—8. (Slawoii.) 

— Nachträgliches von der Hühnerjagd in Slawonien. — Ibid., 
VIII, 1908, Nr. 47, S. 740-742. (Slawon.) 

— Wachteln im Februar. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 15, S. 236. 
(Slawon.) 

— Zur Notiz: „Kuckucksruf im Dezember" (conf. K. P.). — Ibid., 
VIII, 1908, Nr. 6, S. 90. 

Marody, L. Zum Herbstgesang der Vögel. — Gef. W., XXXVII, 

1908, Nr. 43, S. 343. (Böhm.) 
Melczer, J. Vadgalambok. (Wildtauben am 7, /II. bei Bocsa.) — 

Zool. Lap., X, 1908, p. 38. (Uiig.) 
M. Gy. Korai vadgalambok. (Frühe Wildtauben [6./1I. Columha 

palumhiis bei Böcsa].) - Vadaszlap, XXIX, 1908, Nr. 5, S. 68; 

Zool. Lap., X, 1908, Nr. 4, p. 38. (üng.) 
Merlin. Die Schwarzamsel als Winterbrüterin (Wien). — Mitteil. 

d. n.-ö. Jagdsch-Ver., XXX, 1908, Nr. 5, S. 197. (N.-Ö.) 
Milla, K. Wie fliegt der Vogel? (Bd. I d. Monatsschr. f. d. naturw. 

Unterricht aller Schulgattungen.) — Leipzig u. Berlin (B. G. 

Teubner), 1908. Lex.-8«, 28 S. 
Mitteilungen über die Vogel weit. (Schriftleiter F. Weil.) — Wien, 

1908, VIII. 40. 24 Nrn. 
Mohylka, H. Podzimni tahy koroptvi. (Herbstwanderung der Reb- 

hühner.J — Lov. Obzor, XI, 1908, p. 33. (Böhm.) 
Moravec, F. Drzost postolky. (Die Frechheit eines Turmfalken.) 

— KozmarÜv Les. TJ^dcnnik, III, 1908, p. 211. (Böhm.) 
Morgan, 0. Die Insel Arbo, ihre Jagd und ihr Wild. — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 21, S. 414— 415. (Balm.) 

— Aus Dalniaticn. (16 Kuttengeier aus Arbe.) — Mitteil. ii. d. 
Vogelw., VIII, 1908, Nr. 12, S. 98. (Balm.) 

Musil-Dankovsky, E. Koroptvc v zirnc. (Kcbhiilincr im Winter.) 

- Lov. Obzor, XI, 1908, p. 4. (Böhm.) 



Oraithol. Literatur Österr.-Uugarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 207 



Nagy, E. Das Schmarotzertum des Sperlings. — Aquila, XV, 1908, 
p. 309. (ÜDgarisch und deutsch.) (üng-.) 

— An der Felswand brütende Hausschwalben. — Ibid., XV, 1908, 
p. 311. (Ungarisch und deutsch.) (üng.) 

— Corvus frugilegus und Colaeus monedula als Witterungsanzeiger. 
— Ibid., XV, 1908, p. 315. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— J. Vdndorsölymok a Simonkai-hegys6gben. (Wanderfalken im 
Simonkaer Gebirge.) — Az AUatvilag, 1908, H. 5, p. 91. (üng.) 

Neher, A. Aus dem südlichen Ungarn (Bellye.) — Mitteil. ü. d. 
Vogelw., VIII, 1908, Nr. 9, p.73; Nr. 13, p. 105; Nr. 19, p. 153; 
Nr. 24, p. 192—193. (Ung.) 

Neudert. cäpovi. (Biologisches über den Storch.) — Lov. Obzor, 
XI, 1908, p. 100. (Böhm.) 

0. A. E. Mikent ünnepeljtik a madarak 6s fäk napjat. (Wie be- 
gehen wir den Vogel- und Baumtag?) — Budapest, 1908. Gr.-8^ 
109 S. (üng.) 

0. M. K datli otazce. (Zur Spechtfrage.) — Rozmarüv Les. Tyden- 
nik, III, 1908, p. 8. (Böhm.) 

Ornithologisches Jahrbuch. Organ für das paläarktische Faunen- 
gebiet. Herausgegeben von Vikt. Ritter v. Tschusi zu Schmid- 
hoffen. — Hallein, 1908. XIX. Lex.-8^ VII + 245 S. 

P. Seltene Jagdbeute im Marchfeld. {Otis tarda, bei Orth a. D.). — 
Jägerz. B. u. M., XIX, 1908, Nr. 23, p. 632; Österr. Forst- u. 
Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 43, S. 372. (N.-Ö.) 

P. A saskairtäs 6s a fa- s maddrvedelem. (Das Vertilgen der Heu- 
schrecken und der Baum- und Vogelschutz.) — Budapesti 
Hirlap 1908, Nr. 90, p. 31. (üng.) 

Päpay, D. Eneklö hattyük hazankban. [Singschwäne in Ungarn; 
bei Szalva und Alsobaläzsfalva (Kom. Beszterce-Naszöd) im 
November je ein Exemplar erlegt.] — Zool. Lap., X, 1908, 
Nr. 24, p. 293. (Ung.) 

Peiszerle, J. Kezzel fogott köszäh sas. (Mit Händen gefangener 
Steinadler bei Zempl6nröna.) — Vadaszlap, XXIX, 1908, Nr. 3, 
p. 41. (Ung.) 

Peiter,W. Geselligkeitstrieb der Vögel. — Gef. W., XXXVII, 1908, 
Nr. 39, S. 309—310. (Böhm.) 



208 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhof fen. 



Perina, F. Orel höni. {Fandion halia'etus am 20./IV. 1908 bei 

Gratzen erlegt.) — Lov. Obzor, XI, 1908, p. III. (Böhm.) 
Peregi, M. Pdsztormaddr. {Pastor roseus bei Borosjenö.) — Zool. 

Lap., X, 1908, Nr. 12, p. 138. (Ung-.) 
Perkeiistein, v. Auf Otis tarda. — Hugo's Jagdzeitung, LI, 1908, 

Nr. 15, S. 440—442. (Bosii.) 
Petko, R. Zur Schädlichkeit der Eulen. — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 1, S. 19—20. (N.-Ö.) 
Pfennigberger, J., vgl. Rößler, E. 

Pich 1er, A. [Giftpflanzen als Nahrung von Vögeln.] — Wissensch. 

Mitteil, des Bosn.-Herzegow. Landesmus., X, 1907, S. 675—676. 
Placzek, B. „Der Vogelsang nach seiner Tendenz und Entwick- 
lung" — in weiterer Ausführung. — Gef. W., XXXVII, 1908, 

Nr. 25, S. 195-197; Nr. 26, S. 203—205; Nr. 27, S. 211—213; 

Nr. 28, S. 219—221; Nr. 29, S. 228—229, Nr. 30, S. 235—236; 

Nr. 31, S. 244—246; Nr. 32, S. 254—255; Nr. 33, S. 260—261; 

Nr. 34, S. 267—268; Nr. 35, S. 276—278; Nr. 36, S. 284—285; 

Nr. 37, S. 292—294; Nr. 38, S. 300—301; Nr. 39, S. 308—309; 

Nr. 40, S. 317—318; Nr. 42, S. 332—334; Nr. 44, S. 348—349; 

Nr. 46, S. 366—367; Nr. 47, S. 373—374. 
Ploennies, M. v. Ornithologische Beobachtungen aus Dalmatien. — 

Mitteil. ü. d. Vogelw.,VIlI, 1908, Nr. 6, S. 48-49; Nr. 13, 8. 106; 

Nr. 14, S. 113—114; Nr. 18, S. 145; Nr. 21, S. 169—170. (Dalm.) 
Po divin, J. Frühlings- und Wetterzeichen. — Der Jagdfr., VIII, 

1908, Nr. 11, S. 173. (Mähr.) 
Ponebsek, J. [Bläßgans bei Srebrniöe erlegt.] — Orn. Monatssch., 

XXXIII, 1908, Nr. 5, 8. 284. (Kraiii.) 

— [(Jtis tarda bei St. Veit erlegt.] — Ibid., XXXIII, 1908, Nr. 6, 
S. 313—314. (Krain.) 

— Über das Vorkommen von Erithacus Domesticus in Krain. 
Literarisches. — Falco, 1908, Nr. 2, 8. 20—22. (Krain.) 

— (>ber den Vorlauf des vorjährigen Waldschnepfenzugcs in Krain. 
— Deutsche Jägerzeit., LI, 1908, Nr. 2, 8. V 

— Balzja^,-d des Jahres 1907 in Krain. — Ibid., LI, 1908, Nr. 4, 
S. V (Krain.) 

— [Der ^v(tQv, Brachvogel P>rutvo<,^eI im Laibachcr Morast.] — 
Laibacher Zeit. v. L/VI. 1908, Nr. 125. (Krain.) 



Ornithol. Literatur Österr.- Ungarns u. d, Okkupationsgebietes 1908. 209 



Popp, J. Kiittengeier (am Düremaleu) erlegt. — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 18, S. 364. (Biikow.) 
Prigi, A. Frühlingsboten. (Wildtauben und Kiebitze in Ob.-Zögers- 

^dorf.) — Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 10, S. 156. (N.-Ö.) 
Princ, J. Aus Krain. (25 Brachvögel bei St. Peter.) — Mitteil. ü. 

d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 18, S. 146. (Krain.) 
P. St. Vom letzten Herbststrich (in Mönnichkirchen). — Mitteil. d. 

n.-ö. Jagdsch.-Ver., 1908, Nr. 1, S. 23. (N.-Ö.) 
Pul Chart, M. Vzäcnost. (Eine Seltenheit.) [Drei Schneeammern 

Ende Januar 1908 bei Horovic erlegt.] — Rozmarüv Les. 

Tydennik, II, 1907/8, p. 374. (Böhm.) 
— r. Koroptev v zäpase s vranami. (Rebhuhn mit Krähen kämp- 
fend.) — Rozmarüv Les. Tydennik, III, 1908, p. 242. (Böhm.) 
Racz, B. V. Der Ruf der Wachtel während des Fluges. — Aquila, 

XV, 1908, p. 316—317. (Ungarisch und deutsch.) (Ung-.) 
Ratz, L. Bartgeier im Eisen. — Wild u. Hund, XIV, 1908, Nr. 21, 

S. 378. (Ung-.?) 

Reichle, J. Ist die Nebelkrähe Standvogel? (Gepaarte Raben- und 
Nebelkrähe.) — Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 10, S. 204. 
(Böhm.) 

Reimann. Die ominöse „Erste" (in Pfannberg, 27./II.). — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 7, S. 133. (Steierm.) 
Reischl, A. Fischreiherabschuß und Fangliste Prijedor. — Österr. 

Forst- u. Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 18, S. 164. (Bosn.?) 
Reiser, 0. Vorläufige Bemerkung betreffs der Eier der Saxkola 

alhicollis und melanoleuca. — Orn. Jahrb., XIX, 1908, Nr. 5/6, 

S. 228—229. (Herzeg.) 
— Asiatische Steppenhühner in Europa. — Bosn. Post v. 26./ V. 

1908, S. 3. 

Rethi, L. Untersuchungen über die Stimme der Vögel. — Wien 

(Akad.), 1908. Gr.-8^ 17 S., mit 2 Fig. 
Rey, E. Mageninhalt einiger Vögel. — Orn. Monatsschr., XXXIII, 

1908, Nr. 3, S. 189; Nr. 5, S. 263. (Krain, Kärnt., part.) 
R. F. Zur Unzeit balzende Hähne. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 

XXX, 1908, Nr. 11, S. 449. (Steierm.) 
Rheim, Ed. (Ankunftsdaten b. Vöslau.) — Die Tierwelt, VII, 1908, 

Nr. 11, S. 91. (N.-Ö.) 

Z. B. Ges. 60. Bd. 14 



210 V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 

Rhitte, F. Merkwürdige Todesart eines Eebhuhns. — Der Jag-dfr., 

VIII, 1908, Nr. 18, S. 282. (Böhm.) 
R(ieg'ler, W.). Abnormes von der Zngvogelwelt. — Mitteil. d. n.-ö. 

Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 6, S. 242. (N.-Ö.) 

— Die Wohnungskommission der Stare. (Hainbacb.) — Mitteil, 
ti. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 12, S. 96. (N.-Ö.) 

— [Zwergsteißfuß, der an einer Groppe erstickte.] — St. Hubert, 
XXVI, 1908, S. 531. (N.-Ö.) 

Rößler, E. Pastor roseus (L.) in Slawonien. — Orn. Jahrb., XIX, 
1908, Nr. 1/2, S. 65—66. (Slawon.) 

— Hrvatska Ornitoloska Centrala, VII, Godisnji izvjestaj. (Kroa- 
tische ornithologische Zentrale.) — Soc. Sc. Nat. Croat., XX. 
Zagreb, 1908. Sep., Lex.-S«. III + 95 S. (Kroat., Slawoii.) 

— Das Riedmuseum von B611ye. Mit einem Vorworte von J. 
Pfennigberger. — Aquila, XV, 1908, p. 207—221. (Unga- 
risch und deutsch.) (Ung.) 

— selenju ptica. (Über den Vogelgesang.) — Lovaö.- ribar. 
Viestnik, XVl'l, 1908, p. 90—104. 

— Selidba ptica u Hrvatskoj i Slavoniji 1901 — 1905. (Der Vogel- 
zug in Kroatien und Slavonien 1901 — 1905.) — Glasnik 
Ilrvat. narav. drustva, XX, 1, p. 1—59. Zagreb, 1908. (Kroat., 
Sla^oii.) 

— Nova ptica hrvatske faune. [Ein neuer Vogel der kroatischen 
Fauna — Ämer crytlirojms (L.).] — Ibid., XX, 1, p. 206 — 207. 
Zagreb, 1908. (Slawoii.) 

— Somateria mollissima (L.) u Kvarneru (= im Quarnero). — 
Ibid., XX, 1, p. 215. Zagreb, 1908. (Kroat.) 

— Rijetkost hrvatske avifaune. (Eine Seltenheit der kroat. Avi- 
fauna — Branta hernicla.) — Ibid., XX, 1, p. 215. Zagreb, 
1908. (Kroat.) 

— Novi djelomicni albini. (Neue teilweise Albinos.) — Ibid., XX, 
1, p. 215, 216. Zagreb, 1908. (Kroat., Slawoii.) 

— Vastor roseus (L.), Cvorak ru:?.i^^.asti (Rosenstar) u Srijemu (=- in 
Sirmienj. Ibid., XX, 1, p. 216. Zagreb, 1908. (Slawoil.) 

Rotli, .1. Ein Zwergfalke in Oberösterrcich (bei Wc^ls). — Waidmh., 
XX Vi 11, 1908, Nr. 23, S. 469. (Ob.-Ö.) 



Ornithol. Literatur Österr. Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 211 



R. P. Zar Unzeit balzende Hähne. — Mitteil. d. n. ö. Jagdscli.-Ver., 

XXX, 1908, Nr. 11, S. 449. (Steierm.) 
S. A szalonka öszaki ottliona. (Die nördliche Heimat der Schnepfe.) 

— Vaddszlap, XXIX, 1908, Nr. 10, p. 130. 

— Steinadler (am Reißkofel) erlegt. — Waidmh., XXVIII, 1908, 
Nr. 12, S. 240. (Kämt.) 

Sacher, J. Saisonbericht aus Kroatien. (Ankunftszeiten.) — Der 

Jag-dfr., VIII, 1908, S. 190. (Kroat.) 
Sajovic, P. Das Steppenhuhn in Krain. — Mitteil. ü. d. Vogel w., 

Vni, 1908, Nr. 16, S. 130. (Krain.) 
Sammereyer, H. Von der Sperlingseule. (Raubsucht.) — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 13, S. 265. (Steierm.) 

— Schwarzer Storch (bei Obdach) erlegt. — Ibid. XXVIII, 1908, 
Nr. 22, S. 446. (Steierm.) 

— Ziehen die Lachmöven durch die Alpen? — Deutsche Jägerz., 
LI, 1908, S. 314. 

— Ornithologisches aus der grünen Steiermark. — Mitteil. ü. d. 
Vogelw., Vni, 1908, Nr. 22, S. 171—172. (Steierm.) 

— Das Alpenschneehuhn (Lagopus mutiis). — Österr. Forst- u. 
Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 16, S. 144. (Steierm.) 

— [Invasion von ÄrcJnhiiteo lagopus bei Graz.] — Deutsche Jägerz., 
LI, 1908, Nr. 9. (Steierm.) 

— Das Alpenschneehuhn (Lagopus alpinus). Ein Beitrag zur 
Naturgeschichte. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, 
Nr. 3, S. 89—95. (Steierm.) 

— Einige ornithologische Beobachtungen aus Obdach. — Mitteil, 
ii. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 2, S. 12—13; Nr. 4, S. 29-30. 
(Steierm.) 

— Sommer im Bergwalde. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 13, S. 99—100; 
Nr. 14, S. 108—109. (Steierm.) 

— Der Hühnerhabicht in Städten und Ortschaften. — Der Jagdfr., 
VIII, 1908, Nr. 4, S. 55. (Steierm., Ob.-Ö.) 

— Der Tannenheher. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 16, S. 246—248. 
(Steierm.) 

Schenk, J. Der Frühjahrszug des weißen Storches in Ungarn. — 
J. f. 0., LVn, 1909, Nr. 1, S. 89—98, mit Karte, Taf. V. 
(Uiig.) 

14* 



212 



V.Ritt. V. Tschusi zu Schmitlhoffen. 



Schenk, J. Der Vogelzug in Ungarn im Frühjahre 1907. XIV. 
Jahresber. d. „U. 0. C." — Aquila, XV, 1908, p. 1—141. (Un- 
garisch und deutsch.) (Uiig-.) 

— Die Reiherkolonie der Ohedska-Bara in der Gegenwart. — 
Ibid., XV, 1908, p. 245—258, mit 6 Taf. (Ungarisch und 
deutsch.) (SLwoii.) 

— Beiträge zur Lebensweise des weißen Storches. — Ibid., XV, 
1908, p. 259—267. (Ungarisch und deutsch.) (Ung'.) 

— Ornithologische Skizzen von der unteren Donau in Ungarn. 
— Ibid., XV, 1908, p. 274-293, mit 2 Taf. u. Textfig. (Un- 
garisch und deutsch.) (Ung.) 

— Bericht über die Vogelmarkieruugen im Jahre 1908. — Ibid., 
XV, 1908, p. 294—301. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— Anhang zu meinem Artikel „Das massenhafte Erscheinen der 
Uraleule in Ungarn im Winter 1906/7". — Ibid., XV, 1908, 
p. 323—325. (Ungarisch und deutsch.) (Ung., Siebeiil>.) 

— Szület6si bizonyitvdnynyal elldtott madarak. (Mit einem Ge- 
burtszeugnis versehene Vögel.) — Köztelek, XVIII, 1908, 
Nr. 38, p. 1044. 

— Kiserleti adatok a feh6r golya vonulasdhoz. (Experimentelle 
Daten zum Zuge des weißen Storches.) — Erdeszeti Lapok, 
XLVII, 1908, H. 7, p. 383. (Ung.) 

— Megjelölt madarak. (Markierte Vögel.) — Vaddszlap, XXIX, 
1908, Nr. 10, p. 133. (Ung.) 

— Madarak a tudomany szolgalataban. (Vögel im Dienste der 
Wissenschaft.) — Az Allatvildg, 1908, H. 2, p. 29. 

— Madjlrtani rejtveny. (Ornithologisches Rätsel.) — Az Allatvildg, 
1908, II. 2, p. 38. 

— Ütlev611el vonul6 madarak. (Mit einem Reisepaß ziehende 
Vö^rel.) _ N6ptanit6k Lapja, XU, 1908, Nr. 16, p. 11. 

Seil ich el, G. Eine Sperlingseule in Krain. — Orn. Monatsschr., 
XXXIII, 1908, Nr. 1, S. 81. (Krain.) 

— Aiisicdhiiigsversuclie mit Staren und anderen Vögeln in Laibach 
in Krain. Ibid., XXXIII, 1908, Nr. 1, S. K). (Krahi.) 

— Beil läge zur Ornilliologie der süddalniatinischen Insel Lesina 
nicljHl anderen Reisenotizen). [Sehl, von 1907.] Orn. .Jahrb., 
XIX, 1908, Nr. 1/2, S. 1—30. (Dahn.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 2 1 3 



Scbimitschek, Ed. Wie viele Eier legt die Waldsclmepfe? — 
St. Hubert; N. Balt. Waidmbl., IV, 1908, Nr. 10, S. 230. 

— Die zweite Brut der Waldschnepfe. — Der Jagdfr., VIII, 1908, 
Nr. 14, S. 209-214. (Mähr., Österr.-Ung.) 

— Zieht die Waldschnepfe einzeln oder in Zügen? — Österr. 
Forst- u. Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 14, S. 121; Nr. 15, S. 131. 
(Österr.-üng*., part.) 

Schlucke. Die Schädlichkeit der Bussarde für die Niederjagd. 

— Der Jagdfr., VIII, 1908, S. 90. (N.-Ö.) 

Schüller, C. Steinadler (bei Trautenfels erlegt). — Waidmh., 
XXVIII, 1908, Nr. 23, S. 467; Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 
XXX, 1908, Nr. 12, S. 494. (Stelerm.) 

Schumann, Ad. [Ankunft der Segler, weiße Amsel in Wien.] 

— Die Tierw., VII, 1908, Nr. 10, S. 83. (N.-Ö.) 
>^chwarzer, J. Ein seltener Gast. (Gyps fiilvus in Sudomeric er- 
legt.) — Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 24, S. 378. (Böhm.) 

Schweder, B. Zu: Versuch einer Avifauua Mährisch -Weißkirchens. 
1. Nachtrag. — Orn. Jahrb., XIX, 1908, Nr. 3/4, S. 143—144. 
(Mähr.) 

Siedler, M. Kirche und Vogelschutz. — Intern. Frauenb. f.Vogelsch., 

Jahrb. f. d. J. 1907, S. 44-45. 
Siegel, E. Die alten Buchen (Blansko). — Mitteil. ü. d. Vogelw., 

VIII, 1908, Nr. 1, S. 4—5. (Mähr.) 

— Die Nonnenplage und der Kuckuck. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 22, 
S. 173—174. (Böhm.) 

— Des großen Buntspechts Stadtleben (Znaim). — Ibid., VIII, 
1908, Nr. 13, S. 101—102. (xMähr.) 

— Die Dohle in Südmähren (Znaim). — Ibid., VIII, 1908, Nr. 24, 
S. 190—191. (Mähr.) 

— Aus Mähren. (Tannenheher in Butschowitz.) — Ibid., VIII, 
1908, Nr. 24, S. 193. (Mähr.) 

Sigmund, E. Von der Wachtel (am hohen Gahns, 1100 m). — 

Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 13, S. 264. (N.-Ö.) 
Slininski, A. vgl. Slonecki. 

Slonecki, J. v. [Steppenhuhn in Brzezany erlegt.] — Die Tier- 
welt, VII, 1908, Nr. 11, S. 91. (Galiz.) 



214 



V. Ritt. V. Tschiisi zu Schinidhoffeu. 



Slonecki, J. v. Über die Einwanderung des Steppenhuhnes in 
Galizien. (Mit Beiträgen von A. Goropicli, A. Slininski, 
M. Szereponski, A. Gf. Wodzicki.) — Die Tierwelt, VII, 
1908, Nr. 14, S. 117. (Galiz.) 

Smelik, M. Bily kos. (Amsel-Albinos in Polehrad u. Divaky er- 
legt.) — Rozmariiv Les. Tydennik, III, 1908, S. 155. (Mähr.) 

Sölyom, Szelid szdrnyasok. (Zahme Vögel.) — Az Allatvil<4g, 1908, 
H. 4, p. 72. (Ung.) 

Spieß, V. Vom Bienenfresser. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 1908, 
Nr. 1, S. 20—21. (Siebciil).) 

St, Vom Vogelzüge. (20 Ringeltauben im Gyöngyösoldal, l./H.) — 
Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 4, p. 77. (Uiig.) 

— Zu „Selbstverband der Waldschnepfe". — Waidmh., XXVIII, 
1908, Nr. 8, S. 157—159. (Mähr.) 

Stanik, G. [Ankunftsdaten in Rozsnio.] — Die Tierw., VIT, 1908, 

Nr. 10, S. 83. (Ung.) 
Straß, F. Weiße Amsel (in Wien). — Jagd u. Wild, I, 1908, Nr. 2, 

S. 32. (N.-Ö.) 

Stroinigg, J. Wanderfalke (bei Judenburg) erlegt. — Waidmh., 
XXVIII, 1908, Nr. 21, S. 423— 424. (Steierm.) 

— Von der Ringeltaube. — Der Jagdfr., VIII, 1908, S. 193-195. 
(Steierm.) 

— Rauhfußbussarde in Steiermark. — Ibid., VIII, 1908, S.263— 264. 
(Steierm.) 

Stuchly, E. Steppenhühner (in Norosiolka). — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 12, S. 244. (Ualiz.) 
Suttner, R. Freih. v. Eine Adlcrinvasion in Niederösterreich. — 

Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 1908, Nr. 1, S. 17-18. (N.-Ö.) 
Szabolcs. A hattyu 6s vandorutai. (Der Scliwan und seine Zug 

Straßen.) — Vadäszlap, XXIX, 1908, Nr. 32, p. 424. 
Sz. B. Kev6H flirj, sok fiirj, ftirj mindenütt. (Wenig Wachteln, 

viele Wachtein, iil)crall Wachteln.) — Zool. Lap., X, 1908, 

Xr. 20, p. 231—232. (Uilü^.) 
Szciiicrc, L. Az „Oszi vonulMsi adjitok"- hoz. 0>eitrag zu dem 

llerbstzugc der Vögel.; — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 1/2, p. 16. 

(Iii«:.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Uügarns ii. d. Okkupationsgebietes 1908. 21 5 



Szeinere, L. Beobachtungen über den Rotfußfalken. — Aquila^ 
XV, 1908, p. 312—313. (Ungarisch und deutsch.) (Uiig-.) 

— Az uräli bagolyröl [Syrnmm tiralense (Fall.)]. (Von der Ural- 
eule.) — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 3, p. 30. (Ung-.) 

Szereponsky, M. vgl. Slonecki. 

Szih'idy, Z. Czineg^k a höviharban. (Meisen im Schneesturm.) — 

Az Ällatvilag, 1908, H. 3, p. 55. (üiig.) 
Szlavy, K. v. Die Vogelwelt des großen Riedes in Ujvid6k. — 

Aquila, XV, 1908, p. 232—242, mit 4 Taf. (Ungarisch und 

deutsch.) (Ung.) 

Szomjas^ G. v. Von der Vogelwelt verhinderter Raupenfraß. — 
Aquila, XV, 1908, p. 306—307. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— Strix flammea als Sperlingsfeind. — Ibid., XV, 1908, p. 308. 
(Ungarisch und deutsch.) (Ung'.) 

— Jagd des Haussperlings auf den Junikäfer. — Ibid., XV, 1908, 
p. 308—309. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

Tarjan, Tib. Zutraulichkeit einer Änser alhifrons finmarchicus 
Gunn. — Aquila, XV, 1908, p. 314. (Ungarisch und deutsch.) 
(Ung-.) 

— Das Schlagen der Wachtel während des Fluges. — Ibid., XV, 
1098, S. 317. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

Thienemann, J. Vogelwarte Rossitten. (Mit markierten Störchen 

und Schwalben erzielte Resultate.) — Orn. Monatsber., XVI, 

1908, Nr. 10, S. 153—156. (Ung., part.) 
Tollar, J. [Polartaucher bei Lebring erlegt.] — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 2, S. 34. (Steierm.) 
Tomasini, 0. R. v. Vom Vogelzug' (in Teodo). — Die Tierwelt, 

VII, 1908, Nr. 21, S. 173. (Dalni.) 
Tschusi zu Schmidhoffen, Ritt. v. Zu „Schneegänse". — III. 

österr. Jagdbl., XXV, 1908, Nr. 3, S. 45. (]^.-Ö.) 

— Ornithologische Kollektaneen aus Österreich-Ungarn und dem 
Okkupationsgebiete, XVI (1907.) — Zool. Beob., XLIX, 1908, 
Nr. 9, S. 275—281; Nr. 10, S. 303-317. (Österr.-Ung.) 

— Ornithologische Literatur Österreich-Ungarns und des Okku- 
pationsgebietes 1906. — Verh. d. k. k. zool.-bot. Ges., Wien, 
1908. LVIII, H. 2/3, S. 93—125. (Österr.-Ung. und Okku- 
pationsgeb.) 



216 



V.Ritt. V. Tschusi zu Sellin i dhoffen. 



Tschusi ZU Sellin idlioffen, Ritt. v. Ornitbologische Literatur 
Österreich -Ungarns und des Okkupationsgebietes 1907. — 
Verh. d. k. k. zool.-bot. Ges., Wien, LVIII, 1908, H. 8, 9, 
S. 458—464; Nr. 10, S. 465-490. (Österr.-Uiig. und Okkii- 
patioiisgeb.) 

— Oruitbologiscbe Literatur der Steiermark, 1907. — Mitteil. d. 
naturw. Ver. v. Steierm., 44, 1907 (Graz, 1908), II, S. 345 
bis 347. (Steierm.) 

— Ist die Amsel ein Obstscbädling? — Salzb. Volksbl. v. 25./VII. 
1908, Nr. 169, S. 25; Die Tierw., VIII, 1908, Nr. 1, S. 2—4. 
(Salzb.) 

— Ankunfts- und Abzugsdaten bei Hallein (1907). IV. — Orn. 
Monatsscbr., XXXIII, 1908, Nr. 9, S. 434-437. (Salzb.) 

— Von meinem Mauersegler. {Aptis apus L.) — Ibid., XXXIII, 
1908, S. 528—529. (Salzb.) 

— Steppenbühner (in Erdöd). — Salzb. Volksbl. v. 22./V. 1908, 
Nr. 117, S. 5. (üng.) 

— Steppenbühner in Sicht. (Aufruf.) — Gef. W., XXXVIII, 1908 
Nr. 22, S. 175; Zeitschr. f. Orn. etc., XXXII, 1908, Nr. 6, 
S. 91—92; Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 6, 
S. 243; Jägerz. B. u. M., XIX, 1908, Nr. 11, S. 295; Natural- 
Kabiu., XX, 1908, Nr. 11, S. 166; Waidmh., XXVIII, 1908, 
Nr. 11, S. 223—224; Weidw. u. llundesp., XIII, 1908, Nr. 308, 
S. 13; Zeitschr. f. Ool. u. Orn., XVIII, 1908, Nr. 3, S. 56; 
Zwinger u. Feld, XVII, 1908, Nr. 24, S. 378; Ilugo's Jagdz., 
LI, 1908, Nr. 12, S. 373; III. österr. Jagdbl., XXV, 1908, Nr. 7, 
S. 106—107; A. d. Heimat, XXI, 1908, Nr. 3, S. 91. 

— Steppenbühner. — Osterr. Forst- u. .lagdz., XXVI, 1908, Nr. 24, 
S. 213. (OaHz., Daliu., Bosii., 1 n?f., part ) 

— Vorläufiges über den heurigen Steppenhühnerzug. — Ornith. 
Monatsfichr., XXXIII, 1908, Nr. 7,. S. 373—376; Jägerz. H. u. 
M., XIX, 1908, Nr. 16, S. 427— 429; Waidmh., XXVIII, 1908, 
Nr. 10, S. 323—324; Weidw. u. iliindesp., XIII, 1908, Nr. 314, 
S. 7— 8; III. österr. Jagdbl., XXV, 1908, Nr. 9, S. 132— 134; 
Hngo'fl Jagdz., LI, 11)08, Nr. 21, S. 552- 554; I). deulsch. 
Jä^ar. LI, 1908, S. 652. (I)alm., (jJaliz., Kraiii, Uiig., 
Ho.Mi.. j):ul.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 217 



Tschusi zu Scliraidhoffen, Ritt. v. Steppeubühner auf der Wan- 
derung-. — Oru. Jahrb., XIX, 1908, Nr. 3/4, S. 146; Mitt. d. 
S. f. Naturk. d. üsterr. Tour.-KL, XX, 1908, Nr. 6/7, S. 52. 
(üiig., ealizr.) 

— Wegen der Steppenbübner. — Wild u. Hund, XIV, 1908, 
Nr. 33, S. 588, mit Vollbild. 

— Das Faust- oder Steppenbubn. [Syrrhaptes paradoxus (Pall.).] 

— Waidmb., XXVIII, 1908, Nr. 20, S. 405—406, mit 2 Origv 
Abb. Y. J. Micbel. 

Überacker, E. Mit dem „Auf". (Falco peregriniis, cT, 9 b. Mostar.) 

— Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 43, S. 684. (Herzegow.) 

— Die Vergesellsebaftung des Rotfußfalken. — Ibid., VIII, 1908, 
Nr. 20, S. 316. (Bosii.) 

U. 0. C. Larus marinns L., eine neue Art der ungariscben Ornis. 

— Aquila, XV, 1908, p. 317. (Ungariscb und deutsch.) (Ung.) 

— Das Erscheinen von Syrrhaptes paradoxus (Pall.) in Ungarn 
im Jahre 1908. — Ibid., XV, 1908, p. 317—320. (Ungarisch 
und deutsch.) (üng.) 

— Das Erscheinen des Rosenstares in Ungarn im Jahre 1908. — 
Ibid., XV, 1908, p. 320—323. (Ungarisch und deutsch.) (Ung-.) 

— Häufiges Vorkommen von Biäeo ferox (Gm.) im Jahre 1908. 

— Ibid., XV, 1908, p. 823. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

— Das Brüten von Musckapa atrkapilla L. in Ungarn. — Ibid., 
XV, 1908, p. 327. (Ungariscb und deutsch.) (üng.) 

— Das Vorkommen von Fidigida fidigida in Ungarn während 
des Sommers. — Ibid., XV, 1908, p. 327. (Ungarisch und 
deutsch.) (üng.) 

— Aufruf zum Beobachten der gezeichneten Vögel. — Ibid., XV, 
1908, p. 329. 

— Nutzen und Schaden der Vögel. — Ibid., XV, 1908, p. 330 
bis 331 mit Taf. XI. (Ungarisch und deutsch.) (TJng.) 

Vanök, M. Pilich. {Circus cyaneus bei Hloubetin erlegt.) — Lov. 

Obzor, XI, 1908, p. 31. (Böhm.) 
Veress, D. Kimeljük-e a gölyät? (Sollen wir den Storch schützen?) 
. — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 15, p. 169—170. (Ung.) 
Vesely, W. Vcelojed sküdcem ptactva. (Der Wespenbussard schadet 
auch der Vogelwelt.) — Lov. Obzor, XI, 1908, p. 128. (Bölim.) 



218 



V. Kitt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Yogi, J. Die Yogelwelt, unserer Gärten Freund und Feind. — 

Österr. Forst- u. Jagdbl., XX, 1908, Nr. 18, S. 137—139. 
Waldhauser, J. Pilich (Gircus cyaneus bei Konopist erlegt.) — 

Lov. Obzor, XI, 1908, p. 48. (Böhm.) 
^Yass, Gf. B. V. Großer StorehzAig während der Brutzeit. — Aquila, 

XY, 1908, p. 328—329. (Ungarisch und deutsch.) (üiig.) 
Weber, A. Frühbrut des Schwarzplättchens. (Am 26./1Y. beinahe 

flügge Junge.) — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Yer., XXX, 1908, 

Nr. 6, S. 243. ( ? ) 
Weil, F. Aus der Großstadt. (Weiße Amseln im Rathhausparke 

in Wien.) — Mitteil. ü. d. Yogelw., YIII, 1908, Nr. 2, S. 17. 

(X.-Ö.) 

— Schwalbenankunft (in Wien). — Ibid., YIII, 1908, Nr. 11, 
S. 88. (N.-Ö.) 

— Schwalbenabschied. — Ibid., YIII, 1908, Nr. 20, S. 161—162. 
(N.-Ö.) 

Weiß, K. Zwei Seeadler. — Waidmh., XXYIII, 1908, Nr. 9, 

S. 174—178, mit Textillustr. (Uiig.) 
Weisz, K. Seltene Wintergäste. (14 Cyijmis spec? bei Semlin am 

27./I.) — Waidmh., XXYIII, 1908, Nr. 4, S. 77. (Slawoii.) 

— Nordseetaucher (Menge bei Semlin). — Waidmh., XXYIII, 
1908, Nr. 24, S. 488. (Slawon.) 

W. Gy. Keselyiik t(*)meges niegjelenös^rol. (Über massenhaftes Auf 
treten von Geiern.) — Yadaszlap, XXIX, 1908, Nr. 17, p. 229 
(Unjr.) 

Wirth, J. Yoni Mäusebussard. (Kröpft tote Krähen.) — Waidmh. 

XXVIII, 1908, Nr. 10, S. 204. (Böhm.) 
Wodstrcil, A. [Wachtel am 13./XII. 1908 bei Bollowitz.] 

Wcidw. W. u. Bild, XVIII, 1909, Nr. 8. (Mähr.) 
Wodzicki, A. Gf. vgl. Slonecki. 
Wohlmuth, A. Aus Steiermark (Waldsbcrg). — Mitt. ü. d. Yogelw. 

VIII, 1908, Nr. 9, S. 73. (Steicrm.) 
W. 8. lioKcnstarc (in Ilurko). — Waidmh., XXYIII, 1908, Nr. 16, 

S. 324. ((;aliz.) 

Xaver, M. Slavik. (Nachtigall.) — Kozmarüv Les. Tydennik, III, 
1908, p. hl. (150hm.) 



Oriiithol. Literatur Österr.-Uugarns ii. d. Okkupationsgebietes 1908. 2 1 9 



— y. Ornitliologisclies, betreifend Steinadler. (Acpiila clirijsaetos L.) 
— III. österr. Jagdz., XXV, 1908, Nr. 2, S. 23. (Ob.-O., 
Sehles., Tirol.) 

— Scbneegänse. (Nicht solche, sondern Grau- oder Saatgänse.) — 
Ibid., XXV, 1908, Nr. 2, S. 23. (X.-Ö.) 

— yi — . A Kecskemeti Allatvedö Egyesület es a madarvedelem. 

(Der Kecskem6ter Tierschutzverein und der Vogelschutz.) — 

Allatvedelem, V, 1908, Nr. 2, p. 4. (Ung.) 
Ziegler, A. Zugvögel (in Sutomore). — Der Jagdfr., VIII, 1908, 

Nr. 20, S. 318. (Dalin.) 
Zifferer, A. Ornithologisches. — Waidmb., XXVIII, 1908, Nr. 10, 

S. 201. (Kämt.) 

— Aus Kärnten. — Mitteil. ü. d. Vogelw., VIII, 1908, Nr. 15, 
S. 122. (Kärnt.) 

Zoltan, G. A talpastyük. (Das Steppenhuhn bei Duna-Gärdony 
beobachtet.) — Zool. Lap., X, 1908, Nr. 12, p. 138. (Ung.) 



Anonym erschienene Notizen. 

Rare Jagdbeute. (Uraleule bei Luttenberg erlegt.) — Mitteil. d. n.-ö. 

Jagsch.-Ver., 1908, Nr. 1, S. 24. (Steierm.) 
Seltenes Weidmannsheil. (Seeadler bei Steinschönau am 7. /XII. 1907 

erlegt.) — Zwinger u. Feld, XVII, 1908, Nr. 1, S. 6; Jägerz. 

B. u. M., XVIII, 1908. (Böhm.) 
Seltenes Weidmannsheil. (Seeadler bei Sonnegg erlegt.) — Jägerz. 

B.U.M., XVIII, 1908, Nr. 2, S. 42; Waidmh., XXVIII, 1908, 

Nr. 2, S. 34. (Kärnt.) 
Viktor Ritter von Tschusi zu Schmid hoffen (mit Bildnis und 

Namenszug). — Österr. Forst- u. Jagdz., XXVI, 1908, Nr. 5, 

S. 36—37. 

Frühe Lenzesboten. (Stare am 14. /II. in Salzburg.) — Salzb. 

Volksbl., XXXVIII, 1908, Nr. 39, S. 5. (Salzb.) 
Weiße Amseln im Rathauspark in Wien. — Mitt. d. n.-ö. Jagdsch.- 

Ver., XXX, 1908, Nr. 3, S. 105. (N.-Ö.) 
Für Jagdfreunde. (Steinadler b. Bfeznic, Seeadler bei Blatna erlegt.) 

— III. österr. Jagdbl., XXV, 1908, Nr. 3, S. 45. 



220 



V. Ritt. V. Tschiisi zu Schmidhoffen. 



Die erste Schnepfe (lO./HI. in Hof am Leithagebirge erlegt). — 

N. Wr. Tagbl. v. 12./I1L 1908, Nr. 71, S. 10; Weidw. u. 

Huudesp., XIII, 1908, Nr. 304, S. 13. (N.-Ö.) 
Die erste Schnepfe (am lO./III. im Drösinger Revier erlegt). — N.Wr. 

Abendbl. v. ll./III. 1908, Nr. 70, S. 3. (N.-Ö.) 
Uhu (bei Innsbruck) gefangen. — Zwinger u. Feld, XVII, 1908, 

Nr. 11, S. 168. (Tirol.) 
Die ersten Schnepfen (im Badener Revier am 13./III.). — N. Wr. 

Tagbl. V. 14./I1I. 1908, Nr. 73, S. 11. (N.-Ö.) 
Vom Schnepfenstrich. — Mitt. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 1908, Nr. 4, 

S. 154. (N.-Ö.) 

Seltene Jagdbeuten. (Seeadler am 12./XII. 1907 im Habsteiner 

Revier erlegt.) — Mitteil. d. nordböhm. Exc.-Cl., XXXI, 1908, 

1. H., S. 94. (Böhm.) 
Die ersten Schwalben (in St. Gilgen am l./IV.). — Salzb. Volksbl. 

V. 7./IV. 1908, Nr. 79, S. 5. (Salzb.) 
Vom Schnepfenstrich (Seibersdorf). — Jägerz. B. u. M., XIX, 1908, 

Nr. 7, S. 184. (Schles.) 
Die ersten Schwalben. (Wiener-Neustadt, Ottakring und XVIII. 

Wiener Bez.). — N. Wr. Tagbl. v. 15./IV. 1908, Nr. 115, S. 3. 

(N.-Ö.) 

Der Auerhahn (in GolHng). — Salzb. Volksbl. v. 25./IV. 1908, 

Nr. 94, S. 6. (Salzl).) 
Auerhähne (recte Henne) (in Golling). — Ibid. v. 28./IV. 1908, 

Nr. 96, S. 8. (Salzb.) 
Verflogene Auerhenne (in Saaz). — Jägerz. B. u. M., XIX, 1908, 

Nr. 9, S. 241. (Böhm.) 
Störche am FrUlijahrszuge (in Gartitz). — Ibid., XIX, 1908, Nr. 9, 

S. 241. (Böiiui.) 

Ein Polartaucher bei Wien (Mödling). — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.- 
Ver., XXX, 1908, Nr. 5, S. 197. (N.-Ö.) 

\m\ I'rlilijahrszuge der Stih'che (in Goldschitz). — Jägerz. B. u. M., 
XIX, 1908, Nr. 10, S. 269. (Böhm.) 

WcidiiiannKhcil. (Krammctsvögel und Schnepfen in Pola.) — Salzb. 
Volksbl. V. 20,/V. 1908. Nr. 115, S. 4. (Istr.) 

Seltenes WcidinainiHhcil. (Fischadler in (iratzen (;rlcgt.) Jägerz. 
i;. u. M, XIX, 1908, Nr. 10, S. 268. (Böhm.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 221 



Ein Quiproqiio. (Fischadler bei Gratzen erlegt.) — Mitteil. (1. n.-ö. 

Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 6, S. 247. (Böhm.) 
Ein Seeadler unter Wien erlegt. (Bei Kroat.-Haslau a./D.) — Ibid., 

XXX, 1908, Nr. 6, S. 248. (N.-Ö.) 
Geierjagden auf der Insel Arbe. — Waidmh., XXVIII, 1908, Nr. 11, 

S. 224. (Balm.) 

Steinadler (bei Weißbriach) erlegt. — Weidw. u. Hundesp., XIII, 

1908, Nr. 309, S. 13. (Kämt.) 
Ornithologen der Gegenwart. II. Josef v. Pleyel. — Mitteil, ü, d. 

Vogelw., VIII, 1908, Nr. 1, S. 9, mit Porträt. 
Erlegte Steinadler. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, 

Nr. 7, S. 289. (N.-Ö., Kärnt.) 
Wo der Schnepfenstrich gut war. (Grub b. Waidhofen.) — Ibid., 

XXX, 1908, Nr. 7, S. 287. (N.-Ö.) 
Adlerjäger. (Steinadler und Fahlgeier.) — Jägerz. B. u. M., XIX, 

1908, Nr. 14, S. 380. (Kärnt.) 
(Kaiser-) Adler erlegt (bei Korneuburg). — Weidw. u. Hundesp., 

XIII, 1908, Nr. 314, S. 7. (N.-Ö.) 
Prof. Jur. Kolombatovic. (Nachruf.) — Sarajev. Tagbl. v. 26. /VIII. 

1908, Nr. 59, S. 2. (Dalm.) 
Ein Schlangenadler (21. /VII. 1908) bei Graz (Pirka) erlegt. — 

Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXX, 1908, Nr. 9, S. 377. 

(Steierm,) 

Das Fausthuhn. — N. Balt. Waidmbl., IV, 1908, Nr. 16, S. 371—372. 

(Graliz., Dalin., Krain, Bosn., part.) 
Der Kormoran. — Österr. Fischereizeit., Wien, 1908, H. 23, S. 371 

bis 373. (N.-Ö.) 

Die Krähen und Dohlen (als Schädlinge auf Mais in Petrinje). — 

III. österr. Jagdbl., XXV, 1908, Nr. 10, S. 157. (Kroat.) 
Ein Polartaucher (in Judenburg erlegt). — Jagd u. Wild, I, 1908, 

Nr. 3, S. 29. (Steierm.) 
Rohrdommel (in Gampern am 6./X. erlegt). — Weidw. u. Hundesp., 

XIII, 1908, Nr. 319, S. 13. (Ob.-Ö.) 
Seltene Jagdbeute. (Steppenhuhn in Maxglan erlegt, erwies sich 

als Otis tefrax.) — Salzb. Volksbl. v. 14./XI. 1908, S. 6. (Salzb.) 
Seeadler (in Hinterstoder erlegt). — Ibid. v. 17./XI. 1908, S. 6. 

(Ob.-Ö.) 



222 



V.Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Ein verspäteter Kuckuck (in Lebring am 22./X.). — Waidmh., 

XXVIII, 1908, Nr. 22, S. 446. (Steierm.) 
Einen Seeadler (in Clüumetz) erleg-t. — Jägerz. B. u. M., XIX, 

1908, Nr. 23, S. 633. (Böhm.) 
Winterboten aus dem Norden (Polartaucher). — Waidmh., XXVIII, 

1908, Nr. 23, S. 468. (Steierm.) 
Tannenheher in Nordböhmen. (Nach C. Loos a. d. Orn. Jahrb., 1908.) 

— Mitteil. d. nordböhm. Exc.-Cl. Leipa, 1908, XXXI, S. 327. 

(Böhm.) 

Das Steppenhuhn. — Der Jagdfr., VIII, 1908, Nr. 27, S. 426. 
Weiße Schwalben (in Stanz). — Ibid., VIII, 1908, Nr. 36, S. 570. 
(Steierm.) 

Seltenes Waidmannsheil. (Steinadler in Mlynic b. Klattau erlegt.) — 

Ibid., VIII, 1908, Nr. 41, S. 649. (Böhm.) 
Ergiebiger Schnepfenstrich. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 15, S. 233. 

(Slawon.) 

Kaufußbussarde in Steiermark. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 17, S. 263. 
(Steierm.) 

Schilfadler. — Ibid., VIII, 1908, Nr. 19, S. 300. (Böhm.) 
Verschiedene Fischräuber. — Zentralbl. d. ges. Forstw., XXXIV, 

1908, Nr. 5, S. 222. 
Drop maly. (Zwergtrappe.) — Rozmarüv Les. Tydennik, II, 1907/8, 

p. 403. 

Kukacka. (Kuckuck, biol.) — Lesnf Strd^., VI, 1908, p. 134. 
Nädherny exemplaf supa bölohlavelio. (Gyps fnlvus b. Sudomcfic 

am 3./VI. 1908 erlegt.) — N4r. Politika v. 11./V1.1908. (Böhm.) 
IVjtaplice severni. (Urinator arcticm b. Pfestic anf. Mai erlegt.) — 

Lov. Obzor, XI, 1908, p. III. (Böhm.) 
Zvlastnost. (Seltenheit. Totanns calldris b. Pisck brütend.) — lloz- 

mar&v Les. Tydennik, III, 1908, p. 10(). (Böhm.) 
Bily kos. (Amselalbino b. Robous gefangen.) — N«4r. Politika v. 

^ 2>S./VI. 1908. (Böhm.) 
Zajiinava v6c. TEine interessante Sache. Naclitigallenbrnt am Hahn- 

liofgcbäude in Husincc.) — Uozm. Ees. 'rydennik, III, 1908, 

p. 139. (Hölim.) 

Odlct (Vipü. fAbzug der Stördie in llolionelbe am 2(i./VIII. 1908.) 
~ Ndr. Politika v. 28./VIII. 1908. (Böhm.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1908. 223 



Büy spacek. (Weißer Star b. Ledec.) — Rozmarüv Les. Tjdennik, 

III, 1908, p. 195. (Böhm.) 
Vlastovkv odletaji. (Scliwalbenabziig Ende August 1908.) — Ibid., 

IIl/l908, p. 195. (Böhm.) 
Orel skalni. (Ein Steinadler bei Klattau am 4./X. 1908 erlegt.) — 

Ibid., III, 1908, p. 242. (Böhm.) 
Potäplice severni. (ürinator arcticus b. Nedvödie am l./I. 1908 

gefangen.) — Lov. Obzor, XI, 1908, p. 31. (Mähr.) 
Orel skalni. {Äquila chrysaetus b. Pavlovic am 6./X. 1908 erlegt.) 

— Rozmarüv Les. Tydennik, III, 1908, p. 272. Mähr.) 

Orel skalni. (Äquila chrysaetus b. Katerinky erlegt.) — Lov. 

Obzor, XI, 1908, p. 48. (Schles.) 
Pfed odletem cäpü. (Vor dem Abzüge der Störche in Knönovic.) 

— Xar. Politika v. 27./VIII, 1908. (Schles.) 
Heimkehrende Zugvögel. (Wildenten und Gänse.) — Laibacher Zeit. 

V. 2./IV., Nr. 76. (Kraiii.) 
Frühlingsboten. — Ibid. v. 13./II. 1908, Nr. 36. (Krain.) 
Der erste Kuckucksruf (bei Laibach am 17. /IV. 1908). — Ibid. 

V. 18./IV. 1908, Nr. 90. (Krain.) 
Kada i kako dugo gnjerde sumske sljuke? (Wann und wie lange 

brüten die Waldschnepfen?) — Lovac.-ribar. Viestnik, XVII, 

1908, p. 82—83. 

Sivi soko ptica ljubimica nasega naroda. (Die Lieblingsvögel unseres 
Volkes.) — Ibid., XVII, 1908, p. 97—98. (Nach M. Hirc.) 
(Kroat.-Slawoii.) 

Vom Schnepfenzug (bei Göding). — Der Jagdfr., VIII, 1908, p. 190. 
(Mähr.) 

Einwanderung des Steppenhuhns. — Die Tierw., VII, 1908, Nr. 12, 
p. 99. ((^allz.) 

Riedke ptice. (Seltene Vögel. Schwäne b. Gusce u. Mitrovica; Peli- 
kane b. Karlovac; Wachtel b. Kutjevo am l./H-) — Lovac.- 
ribar. Viestnik, XVII, 1908, p. 24. (Kroat.?) 

Riedki pojav. (Eine seltene Erscheinung. Wachtel in Garcin am 
7./L 1908.) — Ibid., XVII, 1908, p. 11. (SLawon.) 

Jesenski proljet sljuka u Kranjskoj i Dalmaciji. (Der Herbstzug 
der Waldschnepfe in Krain und Dalmatien.) — Ibid., XVII, 
1908, p. 12. (Krain, Dalm.) 



224 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffeii. 



Riedke ptice i dolarak sljuka. (Seltene Vögel und die Ankunft der 

Waldschnepfe.) — Lovac^.-ribar. Viestnik, XVII, 1908, p. 36. 

(Kroat.-Slawoii.) 
Lov na sljuke. (Schnepfenjagd. Ergebnisse derselben in Valpovo und 

Dolnji Miholjac.) — Ibid., XVII, 1908, p. 48. (Slawoii., Kroat.) 
Pojav Kirgizka sadje u nasim Krajevina. (Das Erscheinen des 

Steppenhuhnes in unseren Gegenden.) — Ibid., XVII, 1908, 

p. 82. (Dahn., Bosii.) 
Sljuke dolaze. (Die Waldschnepfen kommen.) — Ibid., XVII, 1908, 

p. 82. (Balm., Slawon.) 
Prolar sljuka. (Durchzug der Waldschnepfen.) — Ibid., XVII, 1908, 

p. 82. (Kroat.) 

A madärvedelem Kecskemeten. (Vogelschutz in Kecskemet.) — 
Erdeszeti Lapok, XLVII, 1908, II. 4, p. 200. (Ung.) 

Barätkeselyük. (Kuttengeier [Vtdkir monacJius L.] im No- 
vember 1907 im Komitate Temes erlegt.) — Az Allatviläg, 1908, 
H. 1, p. 13. (Uiig.) 

Feh6r szarka. (Weiße Elster bei Felsösandorfalva erlegt.) — 

Vadaszlap, XXIX, 1908, Nr. 7, p. 94. (üng.) 

Erdekes vadaszzsakmdny. (Interessante Jagdbeute: ein Königs- 
adler bei Felsöszivägy [Szilagy] erlegt.) — Ibid., XXIX, 1908, 
Nr. 10, p. 133. (Ung.) 

Megszelidült erdei szalonka. (Zahm gewordene Waldschnepfe.) 

— Ibid., XXIX, 1908, Nr. 10, p. 133. (Ung.) 

— — Szakälas keselyü a täny6rvasban. (Bartgeier im Tellereisen 

bei Fclsöiirpds [Kom. Fogaras] gefangen.) — Ibid., XXIX, 
1908, Nr. 16, p. 214. (Ung.) 

— — Itt vannak 6k. (Frühjahrsstrich der Schnepfen.) — Ibid., 

XXIX, 1908, Nr. 8, p. 103; Nr. 9, p. 119; Nr. 10, p. 131; 

Nr. 11, p. 143; Nr. 12, p. 160; Nr. 13, p. 173. (Auch aviplül- 

nologische Mitteilungen.) (Ung.) 
Scbcstilt g61ya. (Verwundeter Storch.) — Ibid., XXIX, 1908^ 

Nr. 17, p. 229. (Ung.) 
Keselylik a Hj^cskaban. (Geier in der liacska.) — Ibid., 

XXIX, 1908, Nr. 19, j). 254. (Ung.) 
Pärbaj a levegöf)en. (Zweikampf in der Luft, zwei Jfalia- 

ihts nlhiriUa L.j — Ibid., XXIX, 1908, Nr. 20, p. 269. (Ung.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarus u. d. Okkupationsgebietes 1908. 225 



— A heja vakmerösege. (Tollkühnheit eines Habichts.) — Va- 
daszlap, XXIX, 1908, Xr. 22, p. 294. (Uii^.) 

— A pusztai talpastyuk Magyarorszägon. (Das Steppenhuhu in 
Ungarn, ein Exemplar bei Szabadszalhis erlegt.) — Ibid., 
XXIX, 1908, Nr. 21, p. 282. (Ung.) 

— Sasok Fehermegveben. (Adler im Komitate Feher.) — 
Ibid., XXIX, 1908Vxr. 23, p. 309. (Ung.) 

— A vonulö madarak megjelölese. (Markierung der Zugvögel.) 

— Ibid., XXIX, 1908, Xr. 23, p. 309. (Ung.) 

— J6 vadasz szerencse. (Zwei Biiteo ferox im Hortobägy er- 
legt.) — Ibid., XXIX, 1908, Xr. 27, p. 360. (Ung.) 

— Sivatag-tyuk Vasmegveben. (Steppenhuhu im Komitate Vas.) 

— Ibid., XXIX, 1908^ Nr. 31, p. 413. (Ung.) 

— Erkezö szalonkak. (Ankommende Schnepfen.) — Zool. Lap., 
X, 1908, Xr. 7, p. 78. (Ung.) 

— Adat a päsztormadär taplälkozäsähoz. (Beitrag zur Nahrung 
des Rosenstares. I — Ibid., X, 1908, Nr. 19, p. 221. (Ung.) 

— Az 1907. evi säskajäräs a Hortobägyon es a madarviläg. 
( Die Heuschreckenplage auf dem Hortobägy im Jahre 1907 und 
die Vogelweh.) — Allatvedelem. V, 1908,"^ Nr. 2, p. 2. (Ung.) 

— A hasznos madarak vedelme a sz^kesföväros közgyülesen. 
(^Der Schutz der nützlichen Vögel auf der Generalversammlung 
der Hauptstadt.) — Ibid., V, 1908, Nr. 5, p. 2. 

— A feher gölya vonuläsänak megtigyelese erdekeben. (Im 
Interesse der Beobachtung des weißen Storchzuges.) — Ibid., 
V, 1908, Nr. 5, p. 11. 

— A madärvedelemröl es az e teren valö teendöinkröl. (über 
den Vogelschutz.) — Ibid.. V, 1908, Nr. 6, p. 3. 

— Fülemile tolvajok Pozsonyban. — (Nachtigallendiebe in Preß- 
burg.) — Ibid., V, 1908, Nr. 7, p. 11. (Ung.) 

— Madärvedelem a szekesfövarosban. (Vogelschutz in der Haupt- 
stadt.) — Ibid., V, 1908, Nr. 12, p. 2. (Ung.) 

— A vonulö madarak megjelölese. (Markierung der Zugvögel.) 

— Ibid., V, 1908, Nr. 12, p. 7. ^ 

— Madärvedelem es f6szekoduk. (Vogelschutz und Nistkästen.) 

— Nögrädvärmegyei Gazdasägi Egyesület Hivatalos Közlönye, 
I, 1908, Nr. 5, p.^5. (Ung.) ^ 

. B. Ges. GO. Bd. 15 



226 



G. Luze. 



Neue paläarktische Arten der Staphyliniden- 
Gattung" Anthobium Steph. 

Beschrieben von 

G. Luze (Wien). / 

(Eingelnufen am 24. April 1909.) 

Vorwort. 

1. Äntliohium Htimmleri Bern Ii. {A. minutum var. Boldini 
Fiori i. L, Ä. Fiorii m. i. 1.) Die Beschreibung des Autors sei wie 
folgt ergänzt. 

In Habitus, Färbung, Größe und Skulptur dem minutum Fabr. 
ähnlich. 

cT. Schienen des zweiten Beinpaares ziemlich stark gebogen. 

9. Hinterränder der Flügeldecken an der Naht nicht nach 
rückwärts gezogen, letztes Abdominalsegment der Oberseite kräftig 
gekielt. 

Von minutum durch schmäler gerandete Seiten des Hals- 
schildes, stärkere Punktierung und stumpfere Hinterecken desselben 
sowie durch die Geschlechtsauszeichnungen bei cf und 9 zu unter- 
scheiden. A. Ihimmlcri kam mir auch aus Spanien (Andalusien) zu. 

2. Anthohium caucasicum Bernh. Durch die Güte des 
Autors liegt die Type vor (9). Die Art ist zweifellos mit aucu- 
pariae Kiesw. nahe verwandt und hat — wie der Autor bemerkt 
— einen flacheren Kopf. Die Stirnfurclicn sowie die Grübchen 
vor den Ozcllcn sind sehr seicht, der Vorderrand des Clypcus ist 
nur leicht erhoben. Der wesentlichste Unterschied aber liegt im 
Bau der Fühler. Dieselben sind kürzer als bei aucupariae und 
haben eine wesentlich kleinere und schwächere Keule. Letztere 
erscheint deutlich dreigliedrig, da (bis achte Fühlerglied beträchtlich 
kh*in(!r als das iKMinte ist. Bei (mcuparlar hingegen ist in der 
Gnȧo zwischen den Mllilergliedeni f-i und 1> nin- ein g(;riiigfligigcr 
Unterftchicd. 



Neue paläarktische Arten der Staphylinideu- Gattimg Anthobium Steph. 227 



3. Antliohium Viertli Gangib. scheint ziemlich verbreitet 
zu sein. Ich besitze ein zweifelloses Exemplar dieser Art aus der 
Herzegowina. In den Kollektionen Eppelsheim und Reitter be- 
finden sich eine Anzahl von Exemplaren aus Griechenland (Morea: 
Tayg-etos) und Siidfrankreich (St. Barbant) mit hell röthchgelben 
Flügeldecken und fast kräftigerer Behaarung der Oberseite. Die 
Geschlechtsauszeichnung der cf ist dieselbe wie bei Viertli: ich 
nenne diese Farben varietät Ä. Viertli ab. rufidum. 

4. Antliohium palligerum Kiesw. (= sparsum Fauv.). 
Durch die Güte des ..Konservatorium der zool.-zootom. Staatssamm- 
lung" in München liegen mir zehn Exemplare aus der Sammlung 
Kiesenwetter (Müller) vor. Es sind merkwürdigerweise lauter 9, 
von denen zwei Exemplare die Fundortaugabe „Krainer Alpen" 
tragen. Sieben Exemplare stimmen mit der Kiese nwetterschen 
Beschreibung überein und sind identisch mit dem später von 
Fauvel beschriebenen sparsum. Die drei nicht dazu gehörigen 
Exemplare (ohne Fundortangabe ) sind identisch mit der zuerst aus 
Kroatien bekannt gewordenen, durch dicht und scharf punktierte 
Flügeldecken ausgezeichneten Art, die allgemein als paUigerum 
Kiesw. in den Sammlungen zu finden ist. Wie diese Exemplare 
(die kaum aus Krain stammen dürften) zu der richtigen Art kamen, 
ist wohl nicht mehr aufzuklären. Die in den Sammlungen als 
paUigenm Kiesw. vorkommende Art beschreibe ich als A. dissimile. 

5. Antliohium Baudii Fiori. Die beiden mir durch die 
Güte des Autors vorliegenden Typen sind d. Das dunklere Exem- 
plar ist vom Autor als 9 bezeichnet, ofi'enbar, weil er den ausge- 
stülpten Penis für die Legeröhre des 9 hielt. Die Geschlechts- 
auszeichnungen für Baudii Fiori seien wie folgt gegeben. 

c\ Flügeldecken bis zum 5. Abdominalsegment ragend, die 
Hinterränder gemeinsam verrundet, Hinterbrust und Abdomen mit 
Ausnahme des Endes des letzteren dunkel, Schenkel des ersten 
und zweiten Beinpaares merklich verdickt. 

5. Flügeldeckenbildung wie beim cT, Hinterbrust und Ab- 
domen hell. 

Von clavipes Scriba durch weniger queren, stärker punktierten, 
mehr unebenen Halsschild, durch stärker (in irregulären Längs- 
reihen) punktierte Flügeldecken, zarter behaarte Oberseite und 

15* 



228 



G. Luze. 



durch die GescLlechtsauszeicbnungen verschieden. Das 9 des Baudii 
ist außer der zarteren Behaarung- und den dunklen Fühlerenden 
durch kürzer (gedrückter) verrundete Hinterränder der Flügel- 
decken vom 9 des clavipes Scriba zu unterscheiden. 

6. Antlio'biiim riifotestaceum Mötsch. Von dieser Art war 
es mir nicht mögUch, die Typen zu erhalten. Die allgemein in 
den Sammlungen als riifotestaceum vorkommende Form dürfte wohl 
die von Motschulsky beschriebene sein. Bemerkt sei noch, daß 
man cT findet, die eine kurz zahnförmig ausgezogene Naht besitzen 
und Motschulsky hat gewiß ein solches für das 9 gehalten, 
da er schreibt „ . . . abdomineque feminarum nigris", w^as wohl 
unzutreffend ist. 

Die von Eppelsheim beschriebene dunkle Form A. sarep- 
taniim ist kaum spezifisch von rufotestaceum verschieden und wohl 
nur als eine Farbenvarietät zu rufotestaceum zu betrachten, da man 
in bezug auf Färbung Übergangsformen findet. Die Art rufotesta- 
ceum scheint weit verbreitet zu sein; in der Kollektion Eppels- 
heim befinden sich mehrere zweifellose Exemplare aus der Türkei. 

1 . Anthohium lapponicum Mannh. Das Vorkommen dieser 
Art konstatiere ich für Finland, Lappland und Norwegen. Laut 
Katalog von Heyden, Reitter und Weise 1906 soll die Art aus 
den Sudeten bekannt sein. Mir liegt ein aus Schlesien stammendes 
cf der Eppelsheim sehen Sammlung vor, das als lapponicum 
signiert^) erscheint. Das vom selben Fundorte stammende und 
offenbar gleichzeitig mit dem gefangene 9 (Silesia: Letzner) 
steckt ganz richtig bei minutum Fabr. Das cf ist ein nicht voll 
verfärbtes kleines Exemplar des minutum mit zart punktiertem 
Halsschildc, wie mir solche in Anzahl aus Deutschland stammend 
vorliegen. Vielleicht ist auch das Vorkommen des lapponicum in 
Schottland irrtümlich angegeben (Gangib., K. M., 750). Daselbst 
ist auch die Charakteristik des 9 unzutreffend, da die Bildung der 
Flügeldecken bei d und 9 gleich ist. 

'S. A niliohium granulipenne J. Sahlb. Durch die Güte 
des Autor« lic;;t mir die Type vor. Sie ist ein durch runzelige 
l'imUlierung abiiorni gestaltetes Exemplar des lapponictmi Mannli. 



'y Mit <l('iii ViMiiii I";iiiv('Ih vcrsclicu. 



Neue paläarktiscbe Arten der Staphyliuiden-Gattung Anthohium Steph. 229 



9. Antliohium tempesiicum Er. Der Autor beschrieb die 
Art nach männlicbeu Exemplaren. Die Beschreibung sei wie folgt 
ergänzt. 

cf. Flügeldecken bis zum fünften Abdominalsegment ragend, 
die Hinterränder gemeinsam bogenförmig verrundet, Schenkel kaum 
verdickt, Hinterbrust dunkel. 

2. Länge und Form der Flügeldecken wie beim cT, Schenkel 
einfach, Hinterbrust dunkel. 

Beschreibungen. 

1. AntJioMiim i^ilosellum iiot. si)ec. 

Kopf mit zwei seichten Stirnfurchen, mehr oder weniger 
deutlich in vier Grübchen aufgelöst^ ziemlich glänzend, fein und 
wenig dicht punktiert, zwischen Stirnfurchen und Augen mit feinen 
Längsrillen. 

Halsschild ziemlich gewölbt, mäßig quer, matt glänzend, etwas 
schmäler als die Flügeldecken zwischen den Schultern, nach vorne 
wenig mehr als nach rückwärts verengt, vor der Mitte des Hinter- 
randes seicht der Länge nach eingedrückt, mit dicht netzmaschiger 
Grundskulptur, fein und mäßig dicht punktiert, die Hinterwinkel 
stumpf und schmal verrundet. 

Flügeldecken glänzend, vorne dicht, rückwärts weniger ge- 
drängt punktiert, daselbst mit merklicher Neigung zur Reihenbil- 
dung. Abdomen matt, dicht und fein punktuliert. 

Halsschild kurz, Flügeldecken länger, Abdomen am stärksten 
mit silberweißen Härchen besetzt. 

Grundfärbung rotbraun, Kopf und Fühlerenden etwas dunkler, 
Hinterbrust rotgelb. 

cf. Flügeldecken am Hinterrande gerade abgestutzt, bis zum 
Ende des 7. Abdominalsegmentes ragend, Abdomen schwarz mit 
etwas hellerem Ende. Schenkel ziemlich stark verdickt, die Schienen 
des l. und 2. Beinpaares leicht gekrümmt. 

9. Abdomen rotgelb, Flügeldecken bis zum 7. Abdominal- 
segmente ragend, die Hinterränder schräg gegen die Naht ab- 
gestutzt, die Enden als zwei breite, kurze Lappen vorragend, 
Schenkel merklich verdickt. 



230 



G. Luze. 



Länge 3mm. — Verbreitung: Kaukasus occid. (Chag.) 

Nach zwei Exemplaren beschrieben. Die Typen besitzen das 
k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien und kais. Rat E. Reitter 
in Paskau. 

Dem signatiim Mark, nahe stehend. Von demselben durch 
schlankere Fühler, schmäleren, seitlich schwächer erweiterten, feiner 
punktierten Halsschild, längere Flügeldecken sowie durch die deut- 
liche Behaarung verschieden. 

2, AnthoMiim Göfr^elmanni iioy. si)ec. 

Kopf mit zwei deutlichen Längsfurchen, deren Enden grübchen- 
förmig vertieft sind, sehr fein und weitläufig punktiert. 

Halsschild schwach quer, vor der Mitte am breitesten, nach 
vorne etwas mehr als nach rückwärts verengt, ziemlich matt, mit 
feinkörniger Grundskulptur, sehr fein und weitläufig punktiert, 
etwas schmäler als die Flügeldecken an den Schultern. 

Flügeldecken ziemlich glänzend, dicht und mäßig stark, etwas 
runzelig punktiert. Abdomen glänzend, sehr fein und weitläufig 
punktuliert. 

Schwarz, die Flügeldecken braun, gegen das Ende heller, 
Taster, Beine und Fühler rötlich gelb, die Spitze des Abdomens 
rötlich. 

c^. Flügeldecken bis zum 7. Abdominalsegmente ragend, schräg 
gegen den Nahtwinkel abgestutzt, Halsschild mit breiter, tiefer 
Mittclfurche, die im Grunde fein linienförmig geglättet erscheint, 
mäliig matt. 

9. Flügeldecken den Hinterleib bedeckend, sehr schräg gegen 
den Nahtvvinkel abgestutzt, vor den lappenförmigen Enden deutlich 
ausgebuchtet. 

iialsschild matter, mit seichtem Längseindruck, vor der Mitte 
des Hinterrandes breit und seicht grübchenförmig eingedrückt. 

Länge 2mm. — Fundort: 'l'uiiis (Gafsa). Von Direktor (Vot'AcA- 
III an 11, L'jpest, gesammelt und nach ihm benannt. Zwei Exemplare 
in meiner Sammlung. 

I)ciii rn/nh Er. nahestehend. Von demselben durch längeren, 
d(;utlicli jimiktiorten IlalsHchild, feiner und dichter punktierte Flügel- 
decken iiihI den Verlaul ilncr Ilinterränder hinlänglich verschieden. 



Neue paläarktische Arten der StapbyliDiden- Gattung AnthoUam 8teph. 231 



3. Anthobiiim üissimile iiov. spec. 

Kopf ziemlich eben, die Stirnfurchen mehr oder weniger in 
vier seichte Grübchen aufgelöst, sehr fein und zerstreut punktiert. 

Halssehild mäßig quer, ziemlich gewölbt, vor der Mitte am 
breitesten, die Hinterecken scharf, fast rechtwinkelig, von der Mitte 
der Seitenränder bis zu den Hinterecken kräftig niedergedrückt, 
sehr fein und zerstreut punktiert, längs der Mitte seicht nieder- 
gedrückt. 

Flügeldecken dicht und mäßig stark punktiert. Abdomen sehr 
fein und wenig dicht punktuliert. 

Kopf und Halsschild blank, die Flügeldecken gegen das Ende 
und das Abdomen mit kurzen w^eißlichen Härchen bekleidet. Fühler 
den Hinterrand des Halsschildes etwas überragend, Körperfärbung 
rotgelb. 

cT. Flügeldecken fast bis zum Ende des 7. Abdominalsegmentes 
ragend, die Hinterräuder gemeinsam bogenförmig verrundet, an 
der Naht kurz nach innen gerundet, Abdomen an der Basis schwarz. 

$. Flügeldecken den Hinterleib bedeckend, die Enden als 
kräftige, schmal verrundete Lappen vorragend, Abdomen hell. 

Länge 2-5 — 3mm. — Verbreitung: Kroatien (Kapella), Trans- 
sylvanien (Kerzcschora), Montenegro (Durmitor), Krain (Gottschee), 
Südungarn (Herkulesbad, Mehadia). 

Von longipenne Er. durch flacheren, etwas größeren Kopf, 
kräftigere Fühler, dichter und merklich feiner punktierte Flügel- 
decken, deutlicher punktierten Halsschild sowie durch die Form 
der Flügeldecken im w^eiblichen Geschlechte zu unterscheiden. 

Anmerkung. Diese Form fand ich in den Sammlungen 
irrtümlich als palligenim Kiesw.^) In Krain (Gottschee) kommen 
die Arten longipenne Er. und dissimile m. gemeinschaftlich vor. 

4. AnthoMimi fratermi^n iiov. spec. 

Schwarz, die Flügeldecken und die äußerste Spitze des Ab- 
domens gelblichbraun, der Mund samt den Tastern, die Beine und 
die Fühler mit Ausnahme der Endglieder bräunlichgelb. 



1) Siehe Vor^Yort, 4. 



232 



G. Luze. 



Kopf und Flügeldecken deutlich glänzend, evsterer fein und 
wenig dicht, letztere dicht und mäßig stark punktiert. 

Halsschild quer, vor den ziemlich scharfen, leicht stumpf- 
winkeligen Hinterecken kräftig niedergedrückt, zufolge dicht netz- 
maschiger Grundskulptur matt, sehr fein und wenig dicht punktiert. 

Aus den Punkten an Halsschild, Flügeldecken und Abdomen 
ragen kurze, gelbe Härchen. 

cf. Hinterränder der Flügeldecken gemeinsam verrundet, an 
der Naht schwielig verdickt oder kurz zahnartig vorragend. 

Hinterränder der Flügeldecken schräg zur Naht abgestutzt, 
an der Naht kurz zahnartig vorragend. 

Länge 2 — 2-25 mm. — Verbreitung: Spanien (Sierra Nevada)^ 
Afrika (Algier). Die Typen besitzen das k. k. naturhistorische Hof- 
museum in Wien und Dr. L. v. Heyden. 

Diese Art wurde von Fauvel mit obtusicolle Fauv. identifiziert. 
Von diesem durch den matten Halsschild, dichtere Punktierung des 
Kopfes und den Verlauf der Hinterränder der dichter und stärker 
))unktierten Flügeldecken zu unterscheiden. Von mimitum F. durch 
den fast erloschen punktierten, flacheren, seitlich schwächer ge- 
rundet erweiterten Halsschild, die stumpfen Hinterecken desselben, 
durch kleineren, glänzenderen, deutlich punktierten Kopf, dichter 
punktierte Flügeldecken und den Verlauf der Hinterränder der- 
selben verschieden. 

Anmerkung. Aus Spanien ist mir kein Exemplar des ob- 
tusicolle Fauv. bekannt geworden. 

5. Anthohimn sibiricum iiov. spec. 

Kopf relativ groß, ziemlich matt, mit zwei deutlichen Stirn- 
furclien, wenig dicht und seicht, aber deutlich punktiert. 

Ilalsschild kräftig quer, vor der Mitte am breitesten, nach 
vorne etwas mehr als nach rückwärts verengt, von der Mitte der 
Scitenränder bis zu den ziemlich scharfen llintereckcn kräftig 
niedergedrückt, zufolge netzmaschiger Grundskulptur ziemlich matt, 
merklich zarter und weitläufiger als der Kopf punktiert, mit fein 
angedeuteter Linie längs der Mitte. 

Flügeldecken breiter als der Ilalsschild, nach rückwärts leicht 
verbreitert, glänzend, mäßig stark und ziemlich dicht punktiert. 



Neue paläarktische Arten der .Stapbyliuideu-Gattimg- Anthohmm Stepli. 233 



Abdomen glänzend, sehr fein und weitläufig punktuliert, in 
den Pünktchen wurzeln kurze gelbliehe Härchen. 

Fühler so laug als Kopf und Halsschild zusammengenommen, 
gegen das Ende mäßig verbreitert, die vorletzten Glieder deutlich 
quer, die fünf Endglieder bilden eine allmählich verbreiterte Keule. 

Rotgelb, die Fühler gegen das Ende meist etwas gebräunt. 

cT. Flügeldecken bis zum 5. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder gemeinsam bogenförmig verrundet, der Bogen an der 
Naht schmal nach vorne gewendet. Abdomen schwarz, die Spitze 
gerötet, Hinterbrust rötlichgelb. 

9. Flügeldecken bis zum 5. Abdominalsegmente ragend, die 
Hiuterränder gemeinsam bogenförmig verrundet, Abdomen und 
Hinterbrust rötlichgelb. 

Länge 2 — 2-5 mm. — Verbreitung: Sibirien (Tomsk; Amur- 
gebiet). 

Die Typen in den Kollektionen Reitter und Bern hau er. 

Dem redangulum Fauv. verwandt. Von transcaucasictim Bernh. 
durch großen Kopf mit beträchtlich größeren Augen, längere, 
stärker verbreiterte Fühler, durch die scharf niedergedrückten 
Hinterecken des Halsschildes und durch kürzere, stärker punktierte 
Flügeldecken verschieden. 

• 6. Anthohiuni Bargagiii noT. spec. 

Diese Art steht zwischen sorhi Gyll. und rhododendri Baudi. 

Kopf ziemlich matt, vorne deutlich glänzend, mit deutlichen 
Grübchen vor den Ozellen, hinter dem Vorderrande der Stirn quer 
niedergedrückt, fein und weitläufig punktiert. 

Halsschild mäßig quer, wenig schmäler als die Flügeldecken 
an den Schultern, nach vorne kaum mehr als nach rückwärts ver- 
engt, auf der Scheibe etwas uneben, die Seitenränder gegen die 
Hinterecken niedergedrückt, diese stumpfwinkelig und schmal ver- 
rundet, matt, sehr fein und weitläufig punktiert. 

Flügeldecken ziemlich glänzend, dicht und wenig kräftig 
punktiert. 

Abdomen etwas mehr glänzend als die Flügeldecken, sehr 
fein und weitläufig punktuliert, in den Pünktchen wurzeln kurze 
gelbliche Härchen. 



234 



G. Liize. 



Körper rotgelb, Abdomen geschwärzt^ die Spitze rötlich, 
Fiihlerkeule gebräunt. Fühler den Hinterrand des llalsschildes 
etwas überragend, gegen das Ende allmählich verdickt, die vor- 
letzten Glieder leicht quer. 

o^. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder einzeln verrundet, so daß die Naht stumpfwinkehg 
ausgeschnitten erscheint; Hinterbrust hell, Schenkel kaum verdickt. 

9. ' Flügeldecken bis zum 7. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder einzeln verrundet, so daß an der Naht ein stumpf- 
winkeliger Ausschnitt erscheint. Der Ausschnitt ist tiefer und 
breiter als beim cT und fast geradlinig begrenzt. 

Länge 2 mm. — Fundort: Piemont.^) Näheres unbekannt. 

Nach vier Exemplaren beschrieben. Die Typen besitzt das 
k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Diese gut charakterisierte Art fand ich in der Sammlung 
Eppelsheims unter sorhi GylL, dem sie in Größe, Gestalt und 
Färbung ziemlich ähnlich ist. Von demselben durch glänzenderen 
Kopf, kräftigere Scheitelgrübchen, minder queren, merklich glänzen- 
deren Halsschild, durch das dunkle Abdomen im weiblichen Ge- 
schlechte und durch den Verlauf der Hinterränder der Flügeldecken 
verschieden. Von rliododendri Baudi im männlichen Geschlechte 
durch kürzere Fühler, minder queren Halsschild, an der Naht 
stärker ausgeschnittene Hinterränder der Flügeldecken, im weib- 
lichen Geschlechte durch glänzenderen, schmäleren Halsschild und 
durch den Verlauf der Hinterränder der Flügeldecken zu unter- 
scheiden. 

Anmerkung. Von rliododendri X^diWiW = ohliqimm Muls. et 
Rey sah ich typische Exem})lare (Kollektion Skalitzky). l^eiin 
<S sind die Hinterränder der Flügeldecken einzeln verrundet, so 
daß an der Naht ein sehr stumpfwinkeliger Ausschnitt entsteht, 
beim 9 hingegen gemeinschaftlich verrundet, sodann gegen die 
Naht geradlinig abgestutzt, so daß dort ein s})itz- oder fast recht- 
wink(!lig(;r Ausschnitt ersclieint. Der Halsschild des 9 ist ganz 
matt inid iiiiiilicli wie lici /{raafii IJris. samtähidich. 



'j H<'^^i('nm;;hrHt (J ;i 11 b ;i 11 c r nolifi/icrl, mir, l''iiiHl(>i t;iii;^;il)c Hoi 
nicht ganz zuvci liiUi;:,^. 



Neue paläavktische Arten der Staphylinideii-Gattun^^ Anthohiinn Stepli. 235 



7. Anthohium fidele noT. spec. 

Kopf mit zwei kräftigen Grübchen vor den Ozellen, hinter 
dem Vorderrande der Stirn quer bogenförmig eingedrückt, inner- 
halb der Augen jederseits mit feinen Längsrillen, ziemlich glänzend, 
sehr fein und sparsam punktiert. 

Halsschild kräftig quer, etwas nchmäler als die Flügeldecken 
zwischen den Schultern, in der Mitte am breitesten, nach vorne 
kaum mehr als nach rückwärts verengt, die Seitenränder zu den 
Hinterecken geradlinig verlaufend und deutUch niedergedrückt, 
matt glänzend, mit deutlicher Grundskulptur, fein zerstreut, vor 
dem Hinterrande deutlich dichter punktiert, auf der Yorderhälfte 
mit seichtem Längseindruck, auf der Hinterhälfte jederseits der 
Längsmitte leicht niedergedrückt. 

Flügeldecken glänzend, dicht und ziemlich kräftig punktiert. 

Abdomen glänzend, fein und weitläufig punktuliert, in den Pünkt- 
chen wurzeln wie am Ende der Flügeldecken längere helle Härchen. 

Fühler ziemlich kurz, gegen das Ende allmählich verdickt, 
die Keule gebräunt. 

Pvotgelb, die Flügeldecken heller. 

Länge 3 mm. — Fundort: Kaukasus (Araxestal). 

cf. Unbekannt. 

9. Flügeldecken bis zum 7. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder km-z (gedrückt) bogenförmig verrundet, am Xaht- 
winkel mit kurzem, spitz dreieckigem Ausschnitte. 

Nach einem Exemplar beschrieben. Die Type in der Kollek- 
tion Reitter. 

Mit limhatum Er. verwandt. Von demselben durch viel längere 
Flügeldecken, beträchtlich kürzere Fühler, glänzendere Oberseite, 
durch die Punktierung des Halsschildes und durch die Färbung 
verschieden. 

Von püosellum m. durch kleineren, flacheren, fast unbehaarten 
Körper, durch die Punktierung des Halsschildes sowie durch den 
Verlauf der Hinterränder der Flügeldecken zu unterscheiden. 

8. AnthoMum foveolatum noT. spee. 

Kopf mit zwei seichten, mehr oder weniger in vier Grübchen 
aufgelösten Stirnfurchen, die beiden vorderen Grübchen durch eine 



236 



G. Luze. 



seichte Querfurche miteinander verbunden, ziemlich glänzend, fein 
und ziemlich dicht punktiert. 

Halsschild ziemlich stark quer, kräftig* gewölbt, nach vorne 
etwas stärker als nach rückwärts verengt, die Hiuterecken fast 
rechtwinkelig, daselbst flach niedergedrückt, vor dem Hinterrande 
mit einem tiefen, runden Grübchen, ziemlich glänzend, etwas dichter 
und stärker als der Kopf punktiert. 

Flügeldecken glänzend, weniger dicht als der Halsschild und 
relativ fein punktiert. 

Abdomen wenig glänzend, fein und ziemlich dicht punktuliert. 

Grundfärbung rotbraun, Flügeldecken heller, die Fühlerkeule 
pechschwarz, die Umgebung der Augen und der Hinterrand des 
Kopfes verschwommen geschwärzt. 

In den Punkten von Halsschild, Flügeldecken und Abdomen 
wurzeln kurze gelbliche Härchen. 

o'. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder fast geradlinig abgestutzt, Beine normal, Hinterbrust 
und Abdomen mit Ausnahme des geröteten Endes pechschwarz. 

9. Unbekannt. 

Länge 2mm. — Fundort: Russia merid. (Näheres unbekannt.) 
Nach einem Exemplar beschrieben. Die Type in der Kollek- 
tion Reitter. 

9. AnthoMiim celsurn nov, spec. 

Rotgelb, die fünf deutlich größeren Endglieder der Fühler 
leicht gebräunt. 

Kopf mit zwei seichten, vorne miteinander kommunizierenden 
Stirnfurchen, sehr fein und zerstreut punktiert, ziemlich glänzend. 

Ilalsschild mäßig quer, in der Mitte am breitesten, nach vorne 
etwas mehr als nach rückwärts verengt, so breit als die Flügel- 
decken an den Schultern, vor dem llinterrande mit großen runden 
Grübchen, die Seitenränder von der Mitte bis zu den Hinterecken 
niedergedrückt, wenig glänzend, fein und ziendich dicht punktiert, 
die I linterecken fast rechtwinkelig. 

Flligeldeck(Mi didil und ziendicli kräftig punktiert, etwas 
stärker ^liinzciid als d(;r Kopf. 

AlMlonien äulierst fein und ziemlich dicht punktuliert. 



Neue paläarktische Arten der Staphyliniden-Gattung Anthohmm Steph. 237 



cf. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, rück- 
wärts gemeinsam bogenförmig verrundet, an der Xaht kurz und 
spitzdreieckig ausgeschnitten, das Abdomen mit Ausnahme des rot- 
braunen Endes geschwärzt. 

9. Flügeldecken bis zum 7. Abdominalsegmente ragend, schräg 
gegen die Naht abgestutzt, die Enden als zwei Lappen nach rück- 
wärts ragend, Abdomen einfärbig rotbraun. 

Länge 2 mm. — Fundort: Kaukasus (Araxestal). 

Nach zwei Exemplaren beschrieben. Die Typen in der Kollektion 
Reitter. 

10. Antliobiiim nitidifrons uot. si)ec. 

Kopf glänzend, sehr fein und wenig dicht punktiert, die Stirn- 
furchen als zwei seichte schräge Eindrücke angedeutet, hinter dem 
Yorderrande der Stirn leicht niedergedrückt. 

Halsschild schwach quer, vor der Mitte am breitesten, nach 
vorne nur wenig mehr als nach rückwärts verengt, die Hinterecken 
ziemlich scharf, fast rechtwinkelig^ die Seitenränder von der Mitte 
bis zu den Hinterecken niedergedrückt, sehr fein und ziemlich 
dicht punktiert, matt glänzend, fast so breit als die Flügeldecken 
zwischen den Schultern. 

Flügeldecken weniger glänzend als der Kopf, dicht und ziem- 
lich kräftig punktiert. Fühler kurz, die vorletzten Glieder quer. 

Abdomen sehr fein und ziemUch dicht punktuUert. 

Kopf und Halsschild röthchgelb, Fühler, Beine und Flügel- 
decken gelb. 

cT. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, am 
Ende ziemhch gerade abgestutzt, Hinterbrust dunkel^ ebenso das 
Abdomen mit Ausnahme des rotbraunen Endes. 

9. Flügeldecken das Abdomen bedeckend, die Hinterränder 
bogenförmig zur Naht verlaufend, vor den lappenförmigen Enden 
deuthch ausgebuchtet; Hinterbrust dunkel, Abdomen röthchgelb. 

Länge 2mm. — Fundort: Turkestau (Yernyi). 

Nach vier Exemplaren beschrieben. Die Typen in der Kollektion 
Reitter. 

11. Antlwhium tihicile nov. spec. 

Kopf pechschwarz, der Vorderkopf rotgelb, Halsschild pech- 
schwarz, jederseits rotgelb, so dai3 der Halsschild eine dunkle, ver- 



238 



G. Liize. 



schwömmen begrenzte Längsbinde erhält. Flügeldecken bräunlich- 
gelb, an der Basis dunkler, am Hinterrande heller. Hinterbrust 
schwarz, Abdomen schwarz mit gerötetem Ende. 

Beine, Taster und Fühler rötlichgelb, letztere gegen das Ende 
gebräunt. 

Kopf mit zwei seichten Längsfurchen, deren Enden etwas vertieft 
erscheinen, der Raum zwischen Furchen und Augen mit schwachen 
Längsrillen, wenig glänzend^ mäßig dicht und fein punktiert. 

Halsschild kräftig quer, in der Mitte am breitesten, nach vorne/ 
kaum stärker als nach rückwärts verengt, die Hinterecken stumpf 
und schmal verrundet, matt, mit feinkörniger Grundskulptur, sehr 
seicht und weitläufig punktiert, die Seitenränder jederseits gegen 
die Hinterecken niedergedrückt. 

Flügeldecken dicht und ziemlich kräftig punktiert. 

Abdomen sehr fein und ziemlich dicht punktuliert. 

Vorderschienen kurz, gegen das Ende kräftig verbreitert, an 
der Basis leicht gekrümmt. 

cT. Flügeldecken bis zur Hälfte des 6. Abdominalsegmentes 
ragend, gemeinsam bogenförmig verrundet, am Nahtende etwas 
verdickt oder kaum merklich ausgezogen. 

9. Flügeldecken an der Naht kurz spitzwinkelig ausgeschnitten, 
Ijrcit lappig ausgezogen, außerhalb" der Lappen seicht ausgebuchtet. 

Länge 2 mm. — Verbreitung: Algier, Oran. 

Die Typen besitzen das k. k. naturhistorischc Hofmuseum in 
Wien, das „Deutsche Entomologische Nationalmuseum" in Jkrlin 
und Hofrat Dr. Karl Skalitzky. 

Von Uäeicornc Er., mit dem die Art in den Sammlungen 
identifiziert erscheint, durch feiner punktierten und feiner skulp- 
ticrten Halsschild, anders verlaufende Seitenränder desselben, durch 
schwächer punktierte, kürzer (breiter) verrundete Flügeldecken, 
durch kürzere, gegen das Ende stärker verbreiterte Schienen, durch 
die dunkle Fülilerkeule und durch die Färbung verschieden. 

r2. Aitthohium eroaticuni 11 ov. spec. 

A. croaticAim Ej)p. i. 1. 

Kopf mit Ausnalinie der Lippe und der Taster sowie die 
Mint, rin net lief schwarz, ilalsschild rötlichgelb. Decken und Ab- 



Neue paläarktische Arten der Staphyliuideu- Gattung' Anthohium Stepli. 239 



dornen bräunlicLgelb. Fühler bell, gegen das Ende etwas dunkler, 
die Spitze des letzten Gliedes geschwärzt. 

Kopf glänzend, mit zwei seichten Längsfiirchen, fein und 
weitläufig punktiert, zwischen den Stirnfurchen und den Augen 
mit schwachen Längsrillen. 

Halsschild stark quer, schmäler als die Flügeldecken an den 
Schultern, nach rückwärts wenig, nach vorne stark verengt, die 
Hinterecken fast rechtwinkebg, mäßig dicht und kaum stärker als 
der Kopf punktiert. 

Flügeldecken dicht und doppelt so stark als der Halsschild 
punktiert. 

Abdomen glänzend, sehr zerstreut und äußerst fein punktuliert. 
Aus den Punkten an Halsschild und Flügeldecken ragen 
kurze gelbe Härchen, 
cf. Unbekannt. 

9. Flügeldecken rückwärts gerade abgestutzt, mit breit ver- 
rundeten Außenwinkeln, die drei letzten Segmente des Hinterleibes 
unbedeckt. 

Länge 3mm. — Fandort: Kroatien. (Näheres unbekannt.^ 
Nach einem Exemplare beschrieben. Die Type besitzt das 

k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Von limhafum Er. durch den glänzenden, sehr schwach skulp- 

tierten Halsschild, durch die kurze, feine Behaarung sowie durch 

die Färbung verschieden. 

18. Authobiiim xyectorale nov. spec. 

Eotgelb, Fühler, Beine und Flügeldecken heller. 

Kopf mit zwei seichten, vorne durch einen Quereindruck mit- 
einander verbundenen Stirufurchen. wenig dicht und seicht, aber 
deutlich punktiert, zwischen den Augen und den Stirnfurchen fein 
längsrißig, ziemlich glänzend. 

Halsschild kräftig quer, so breit als die Flügeldecken an den 
Schultern, vor der Mitte am breitesten, nach vorne beträchtlich stärker 
als nach rückwärts verengt, an den Hinterecken mäßig niedergedrückt, 
diese stumpf, seicht und weitläufig aber deutlich punktiert, ziemlich 
matt, ähnlich wie der Kopf aber mit deutlicherer gekörnelter Grund- 
skulptur, vor dem Hinterrande mit sehr seichtem Eindrucke. 



240 



G. Li uze. 



Flügeldecken mäßig- stark und dicht punktiert, glänzend. 
Abdomen fein und weitläufig punktuliert, mäßig glänzend. 
Aus den Pünktchen ragen kurze gelbliche Härchen. 
o. Unbekannt. 

9. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, die 
Hiuterränder gemeinsam abgestutzt, die Hinterbrust schwarz. 

Länge 3 mm. — Fundort: Kaukasus occid. (Abago). 

Nach einem Exemplar beschrieben. Die Type besitzt das 
k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Dem linibatum Er. nahe stehend. Von demselben durch 
schlankere Fühler, stärker und beträchtlich weitläufiger punktierten, 
seitlich stärker erweiterten Halsschild und durch die Färbung ver- 
schieden. 

14. Anfholmtm brevipenne nov. spcc. 

Kopf dunkel rotbraun, die Endhälfte der Fühler, die Hinter- 
brust und das Abdomen pechschwarz. Der Mund, die Basalhälfte 
der Fühler und der Halsschild rötlichgelb, die Beine und die Flügel- 
decken gelb. 

Kopf leicht gewölbt, ohne Vertiefungen^ dicht und ziemlich 
kräftig punktiert. 

Halsschild schwach quer, im ersten Drittel am breitesten, 
vorne kaum schmäler als rückwärts, leicht gewölbt, kaum anders 
als der Kopf j)unktiert, die Hinterecken stumpf, an den Seiten- 
rändern ohne Eindruck. 

Flügeldecken beträchtlich stärker als der Halsschild punktiert. 

Abdomen fein und ziemlich dicht punktiert, etwas länger und 
dichter als der übrige Körper goldgelb behaart. 

J'. Unbekannt. 

9. Flügeldecken kaum mehr als dopi)clt so lang wie der 
Halsscliild, die Hinterränder geradlinig abgestutzt. 
Länge 2mm. — Fundort: Andalusien. 

Nach einem Exemplare beschrieben. Das Excin])lar habe ich 
im 'J'auKcliwogc unter einer Anzahl hispaniciirn l'ris. mit erhalten. 

Diese Art steht ganz einzi;:: da und ist durch die Hache (jIc- 
Htalt. (liireli di(; Piuiktierun^^ sowie durch die kurzen Flügeldecken 
vnrzii:.'lirli cli.'irnlsf ci-isiot. 



Neue paläarktische Arten der Staphyliniden-Gattung Anthobium Steph. 241 



15. Anthobium gracile nov. spec. 
A. amhiguum Fauv. i. 1. 

Kopf mit zwei Grübchen vor den Ozellen, hinter dem Vorder- 
rande der Stirn mit seichter Querfurche, glänzend, deutlich und 
ziemlich dicht punktiert, innerhalb der Augen ohne Längsrillen. 

Halsschild schwach quer, etwas schmäler als die Flügeldecken 
zwischen den Schultern, nach vorne etwas mehr als nach rück- 
wärts verengt, ziemlich gewölbt, mit seichter Längsrinne durch die 
Mitte, glänzend, deutlich und etwas feiner als der Kopf punktiert, 
gegen die Hinterecken an den Seitenrändern leicht niedergedrückt, 
die Hinterecken scharf, fast rechtwinkehg. 

Flügeldecken glänzend, ziemlich kräftig und wenig dicht 
punktiert. 

Abdomen ziemhch glänzend, sehr fein und ziemlich weitläufig 
punktiert. In den Pünktchen wurzeln kurze gelbliche Härchen. 

Kopf, Halsschild und das Ende des Abdomens rotgelb, die 
Fühler mit Ausnahme der braunen Keule, die Beine und die Flügel- 
decken heller. 

Fühler kräftig, die vorletzten Glieder leicht quer mit vier 
deutlich abgesetzten größeren Endgliedern. 

cf . Flügeldecken bis zum 5. Abdominalsegmente ragend, nach 
rückwärts leicht erweitert, die Hinterränder gemeinsam verrundet, 
Schenkel kaum verdickt. 

9. Unbekannt. 

Länge 2 mm. — Fundort: Kaukasus (Suram). 
Nach einem Exemplar beschrieben. Die Type besitzt das 
k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

16. AnthoMufii midtun nov. spec. 

Kopf ziemlich glänzend, vor den Ozellen mit zwei kleinen 
Grübchen, hinter dem Vorderrande der Stirn leicht quer nieder- 
gedrückt, innerhalb der Augen mit feinen Längsrillen, deutlich und 
wenig dicht punktiert. 

Halsschild kräftig quer, zufolge kräftiger Grundskulptur matt- 
(fett-) glänzend, um geringes schmäler als die Flügeldecken an den 
Schultern, dicht und deutlich, aber feiner als der Kopf punktiert, 

Z. B. Ges. 60. Bd. 16 



242 



G. Liize. 



nach vorne etwas mehr als nach rückwärts verengt, an den Hinter- 
ecken leicht niedergedrückt, diese ziemlich scharf, fast recht- 
winkelig. 

Flügeldecken glänzend, dicht und ziemlich seicht punktiert. 

Abdomen glänzend, sehr fein und zerstreut punktuliert. In 
den Pünktchen wurzeln kurze gelbliche Härchen. 

Fühler ziemlich kräftig, gegen das Ende allmählich verdickt, 
die vorletzten Glieder nicht quer. 

Rötlichgelb, Flügeldecken, Fühlerbasis, Mund und Beine heller. 
Fühlerende gebräunt, Abdomen schwarz, das Ende leicht gerötet. 

cf. Flügeldecken fast bis zum 7. Abdominalsegmente ragend, 
die Hinterränder gemeinsam kurz (gedrückt) verrundet, Schenkel 
kaum verdickt. 

9. Unbekannt. 

Länge 2 mm. — Fundort: Kaukasus. (Näheres unbekannt.) 

Nach einem Exemplar beschrieben. Die Type besitzt das 
k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Von gracile m. durch Kopf- und Fühlerbildung, stärker queren, 
matten, beträchtlich dichter und seichter punktierten Halsschild, 
längere, dicliter und seichter punktierte Flügeldecken sowie durch 
llachere Gestalt verschieden. 

17, Anthohium corsicmn nov. spec. 

Kopf mit zwei seichten Stirnfurchen, mäßig dicht und ziem- 
lich kräftig })unktiert, glänzend. 

Halsschild mäßig quer, etwas schmäler als die Flügeldecken 
zwischen den Schultern, vor der Mitte am breitesten, nach vorne 
etwas mehr als nach rückwärts verengt, an den fast rechtwinkeligen 
llintcrcfken niedergedrückt, etwas weniger glänzend als der Kopf, 
Irin und ziemlich dicht punktiert. 

l'liigcldecken unregelmäßig, dicht und mäßig stark i)uidvticrt, 
^Hii uzend. 

Abdomen glänzend, sehr fein und weitläufig ])unktuliert. 

Stirn und Mund, llalsKchild und iiasis der Fühler rotgelb (aus 
iialiinHweiH«; der Ko|)l" ganz dunkel), Flllgeldecken und lieine heller, 
llinterbruKt und Abdomen schwarz, die Spitze des letzteren heller. 



Neue paläaiktische Arten der Staphyliniden-Gattung Antliohium Steph. 243 



In den PuDkten von Halsschild, Flügeldecken und Abdomen 
wurzeln kurze gelbliche Härchen. 

. Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder gemeinsam verrundet, die Schenkel leicht verdickt. 

$. Flügeldecken bis zum 7. Abdominalsegmente ragend^ die 
Hinterränder schräg gegen die Naht abgestutzt, an der Naht kurz 
lappig ausgezogen. 

Länge 2mm. — Fundort: Korsika. (Näheres unbekannt.) Die 
Typen besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Von tempestiviim Er. durch stärker queren, flacheren Hals- 
schild^ längere, feiner punktierte Flügeldecken, helleren Kopf und 
durch die Geschlechtsauszeichnungen verschieden. 

18. AnthoMiim 2ninctice2^s nov. spec. 

Schwarz, Flügeldecken kastanienbraun^ Fühlerbasis und Beine 
rotgelb. 

Kopf ziemlich eben, mit zwei seichten, meist in vier kleine 
Grübchen aufgelösten Stirnfurchen, dicht und ziemlich fein^ deutlich 
dichter und stärker als der Halsschild punktiert. 

Halsschild kräftig quer, so breit als die Flügeldecken an den 
Schultern, nach vorne kaum mehr als nach rückwärts verengt, an 
den Seiten von der Mitte bis zu den Hinterecken niedergedrückt, 
mit feiner unvollkommener Mittellinie, sehr fein und mäßig dicht 
punktiert, die Hinterecken stumpfwinkelig. 

Flügeldecken dicht und mäßig stark punktiert. In den Punkten 
an Halsschild^ Flügeldecken und Abdomen wurzeln kurze gelbliche 
Härchen. 

Abdomen sehr fein und dicht punktuliert. 

Kopf und Halsschild matt, Flügeldecken und Abdomen glänzend. 

d". Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmeute ragend, die 
Hinterränder gemeinsam verrundet, Schenkel merklich verdickt. 

Flügeldecken bis zum 6. Abdominalsegmente ragend, die 
Hinterränder gemeinsam verrundet, am Nahtende leicht verdickt 
oder leicht vorgezogen. 

Halsschild in der Mitte der Seitenränder fast winkelig er- 
weitert, so daß der Halsschild im Umrisse mehr oder weniger sechs- 
eckig erscheint. 

16* 



244 



G. Luze. 



Länge 2 mm. — Fundort: Asturien (Albas). 

Die Typen besitzen das k. k. naturhistorisebe Hofrauseiim in 
Wien und Dr. L. v. Heyden. 

Von Scribae Scbauf. durcb den fast ebenen, dicht punktierten 
Kopf, stark queren Halsschild und kräftiger punktierte Flügel- 
decken, von aclustum Kiesw. durch größeren Halsschild, feinere 
und kürzere Behaarung, kräftigere Fühler, schärfer markierte Hinter- 
ecken des Halsschildes und durch den Bau der Flügeldecken im 
weiblichen Geschlechte verschieden. 

Anmerkung. Vielleicht ist dies die Form, die Kiesen- 
wetter als adulkim beschrieben hat. Durch die Güte des „Kon- 
servatorium der zool.-zootom. Staatssammlung" in München lagen 
mir die Kiesenwetterschen Typen vor. Das einzige Exemplar 
des adtiUum ist leider zugrunde gegangen. 

19. Antholmim Salilbergi nov. spcc. 

Schwarz, das Ende des Abdomens nur leicht gerötet, Fühler, 
Mundteile und Beine rotgelb, erstere gegen das Ende dunkel, ge- 
streckt, jedes GHed länger als breit. 

Kopf matt, am Vorderrande ziemlich glänzend, die Stirn- 
furchen deutlich, an den Enden jederseits grübchenförmig vertieft, 
mit ziemlich großen seichten Punkten weitläufig besetzt, innerhalb 
der halbkugeligen Augen leicht längsrissig. 

Halsschild mäßig quer, etwas schmäler als die Flügeldecken 
an den Schultern, in der Mitte am breitesten^ nach vorne stark, 
nach rückwärts wenig verengt, vor den Hinterecken seicht ausge- 
buchtet, diese stumpf und schmal verrundet, innerhalb des Seiten- 
randes jederseits grübchenförmig eingedrückt, zufolge netzmaschiger 
Oruiidskulptur matt glänzend, etwas dichter, aber kaum stärker als 
(h'r Kopf punktiert. 

Flügeldecken dicht und mäßig stark punktiert, glänzend, an 
den Hiiiterrändern deutlich längsrunzelig. 

Abdomen mäßig glänzend, mit fein netzmascliigcr Grund- 
skulptur, fein und mäßig dicht punktulicrt, deutlich goldgelb behaart. 

In den Punkten an llalsscliild und Flügeldecken wurzeln 
kurze wcißlictlie Härchen, außerdem ersclieincn dieselben (gegen 
da« Licht bctrachtctj weitläufig mit längeren Börstclicn besetzt. 



Neue paläarktische Arten der Staphyliniden-Gattimg Anthobmm Steph. 245 



cf. Flügeldecken bis zum 5, Abdominalsegmente ragend, rück- 
wärts kurz (gedrückt) gemeinsam verrundet, 6. Ventralsegment des 
Abdomens leicht ausgerandet. 

9. Flügeldecken wie beim gebildet. 

Länge 2 5 — 3 mm. — Fundort: Libanon (Monte Baruk). Von 
Dr. J. Sahlberg in zwei Exemplaren in einem Zedernwalde in 
einer Höhe von 2000 m gesammelt (19. /IV. 1904). Typen im 
Museum zoologicum in Helsingfors. 

Dem atrum Heer nahestehend. Von demselben durch ge- 
strecktere Fühler, feiner punktierten Halsschild, dichter und feiner 
punktierte, am Hinterrande deutlich längsrunzelige Flügeldecken 
sowie durch die Geschlechtsmerkmale des verschieden. 

Anmerkung. Bei atrum Heer zeigt auch das 9 eine Kielung 
der Ventralsegmente, wiewohl nur rudimentär. 



II Ficus carica L. nel Trentino. 

Per il 

D^^ Ruggero Cobelli 

in Rovereto. 
II. 

(Eingelaufen am 20. April 1909.) 

U illustre Prof. Hans Winkler nel suo bellissimo lavoro scrive ^) 
„Unsere Kenntnisse über die seinerzeit besonders von Gasparini 
(1846) behauptete Parthenogenese des kultivierten Feigenbaumes 
wurden noch 1882 von Solms in dem Satz zusammengefaßt: .Zweifel- 
haft bleibt es, ob der Feigenbaum etwa imstande ist, den Embryo 
seines Samens eventuell auf parthenogenetischem Wege zur Ent- 
wicklung zu bringen.' Doch neigt Solms selbst zur Annahme, 
daß nur befruchtete Blüten Samen ansetzen könnten. Eine spätere 



^) Parthenogenesis und Apogamie im Pflanzenreiche. Von Dr. Hans 
Wink 1er. Jena, 1908. S. 42^43. 



246 



Ruggero Co belli. 



Forschung hat ihm Recht gegeben; es wurde vornehniHch durch 
Eisen (1896) und neuerdings durch Longo (1905) nachgewiesen^ 
daß in der Tat bei ausbleibender Bestäubung keine einzige weib- 
liche Blüte von Fictis carica L. eine samenhaltige Frucht liefert. 
Eisen zeigte auch durch Bastardierungsversuche, daß es sich hier 
nicht um eine Auslösung von parthenogetischer Entwicklung durch 
die Bestäubung oder den Blastopliaga-^Woh handeln kann. Damit 
ist nun definitiv erwiesen, daß unter normalen Vegetation sbedin 
gungen weder habituelle noch fakultative Parthenogenesis bei dem 
kultivierten Feigenbaume vorkommt". 

Nella mia prima memoria ^) sul Ficus carica L. nel Trentino 
nella quinta conclusione al lavoro esprimeva il sospetto che forse 
in certe circostanze possa esistere per il Flcus carica L. anche la 
partenogenesi. . Ora io credo di aver trovata un altra via per di 
mostrare se esiste o no la partenogenesi nel Ficm carica L., via 
che stimai non inutile il seguire. Ma per farmi bene intendere 
credo opportuno di dare le seguenti spiegazioni ^) che servono auch 
di complemento a quanto esposi nella prima memoria. 

II Fico ha tre generazioni annue di urne, vale a dire 1. I Fiori 
che crescono in Aprilc sul legno vecchio, e diventano mangerecci 
nel Luglio, 2. I Pedagnuoli che crescono sul legno nuovo in Giugno 
e diventano mangerecci alla fine d' estate ed in autunno, 3. I Cima- 
ruoli che si sviluppano gli ultimi e diventano mangerecci nella 
])rimavera. — Tuttc ([ueste generazioni di urne possiedono soltanto 
fiori femmine longistili capaci di venir fecondati, ma in essi, in 
causa della loro struttura la Blastophaga grossorum Grav. non puo 
deporvi le uova. 

Anche il Caprifico ha tre generazioni annuali di uriie, valc 
a dire 1. I Profi chi che si svihi])pano in Aprilc sul legno vcccliio, 
2. I Mammon i che si svilupj)ano nel Giugno sul legno nuovo, 



') II Ficus carica L. ncl Trentino. Por il D"""' lluf^ji^oro Cobclli in Rn- 
veieto. (V'orliandliin^^en dor k. k. zool-botan. Gesoll.soli. in Wien, Jalii^?. VM)H.) 

2) Die Caprification der Fei^^en. Von Prof. Karl »Sajo. (l'ronicthonH, JlluH(r. 
WoclienHchr. über diii FortHchritto in (bewerbe, InduHtrii) und WiHHonschalt, 
Nr. 022, G2.'i, ()24, .lalir^;. Xll, r,0, ,^,], 52.) licrlin, 1901. — D'w. Kultur der Sniyrnu- 
Vvif^v, in AiiMirika. Kin bliitenl)iolo^,n8c,li(!H rroblcni. Von Dr. Vo^Her. (Neu«' 
yjUrhcr 'Aninuir. Nr. 17.",, 21. .Juni 1902.) 



II Ficiis cavica L. nel Trentino. 



247 



3. Lc Mamme che si sviluppano le ultime e svernano sali' albero. 
— Tutte queste generazioni di urne del Caprifico possiedono tiori 
femmine brevistili che si chiamano fiori-galle perche in causa 
della loro struttura la Blastojjhaga grossorum Grav. vi piiö depositare 
le uova e produrre le galle. Nei Profichi e nei Mammoni vi 
hanno inoltre fiori maschi che producono polline. luvece nelle 
Mamme i iiori maschi sono atrofizzati e perciö non producono 
polline. Quest' ultimo fatto lo constatai nelle Mamme raccolte ai 
15 Mag-gio 1906 sulle voccie sopra S. Martino di Arco,^) e nelle 
Mamme di rami di Caprifico avute da Napoli per la gentilezza 
deir illustre Prof. Luigi Savastano della R. Scuola Superiore di 
Agricoltura in Porti ci. 

Nella Valle di Arco esistono tutte queste tre generazioni di 
urne tanto pel Caprifico quanto pel FicO;, nonche la Blasto2)hciga 
grossorum Grav. Nei dintorni invece di Rovereto finora non fu mai 
constatata la presenza di urne ibernanti ne sul Pico coltivato. ne sul 
Fico inselvatiehito, ne Fesistenza della Blastophaga grossorum Grav. 

La Blastopliaga grossorum Grav. ha tre generazioni annue, 
di cui la prima si sviluppa nei Profichi, la seconda nei Mammoni 
e la terza nelle Mamme. Ora seguiamo queste tre generazioni 
cominciando dalla primavera. Le femmine di Blastopliaga che 
hanno ibernato nelle Mamme, dopo di essere State fecondate, sor- 
tono^ e parte vanno nei Fiori che non possono fecondare perche 
raanca il polline nelle Mamme, e parte vanno nei Profichi ove 
depositano le nova. Sviluppatasi nei Profichi la prima genera- 
zione, le femmine sortono, e parte vanno a fecondare i Pedagnuoli, 
e parte vanno nei Mammoni a depositarvi le nova. Non e im- 
probabile che qualche seme di Mammoni, nei quali non sia stato 
depositato Fuovo dsdh Blasto2)haga, possa produrre pianticelle. Le 
femmine della seconda generazione della Blastopliaga sortono poi 
dai Mammoni, e parte vanno a fecondare i Cimaruoli^ e parte 
vanno nelle Mamme ove depositano le uova da cui si sviluppa la 
terza generazione che iberna in queste urne. Qualche seme di 
Mamme non inquinate dall' novo della Blastopliaga puö produrre 
pianticine, come lo potei provare io stesso.^) 



^) Vedi nella prima memoria. 



248 



Ruggero Co bei Ii. 



Ho creduto neccessario di esporre tutti questi fatti, per far 
risaltare che secondo i dati della scienza attuale, ne risulta chiara 
la couclusione, che tutti i Fiori del Fico, tanto nei luoghi 
dove esiste il Caprifico e la Blastophaga^ quanto nei luoghi 
dove non si trova ne F uno ne F altra, non sono mai fe- 
condati. 

Dunque ne verra di neccessaria conseguenza, che sc 
coltivaudo i semi di Fiori di Fico si sviluppano pianticelle, 
si avra la prova esperimentale che il Ficus carica L. si puö 
propagare anche per partenogeuesi. 

E perciö istituii i seguenti esperimenti.^) 

Esperiinento VIII. 

1908. l./VII. Avuti Fiori di Fico da Arco. Lavati e 
lasciati disseccare. 

lO./VII. Serainati i semi in un vaso da fiori. 
22./X. Nessuna pianticella. 

Espcriiueiito IX. 

1908. 13./VII. Raccolti Fiori di Fico a Rovereto, lavat* 
e lasciate disseccare. 

14. /VII. Piantati i semi in un vaso da fiori. 
22./X. Nessuna pianticella. 

Espcrimento X. 

1908. 14./X. Raccolti i Fiori di Fico a Rovcreto, lavati 
e lasciate disseccare. 

20./V11. Piantati i semi in un vaso da fiori. 
22./X. Nessuna pianticella. 

Conclusioiii. 

1. I)ai semi di Fiori di Fico raccolti in Arco cd in 
Rovcreto non si ottenncro ])ianticelle, c (juindi dal sopra 
cspOKto si dovrcbbc concliiudcre che il Ficus carica L. non 
hI propaga per f)artcnogcncsi abitualc. 

') I iiiiiiKii «Ic^Hi j'Hpcrimcnti hoho VIII, IX c X pcrcln'! iiii)j)r('.Hcnt,ino 
la coiitintj.'izioijc di (i*-ll;i priiiiii iiiciiiori.'i. 



II Ficus carica L. nel Treutino. 



249 



2. Se fosse provato con tutta sicurezza, che nei din- 
torni di Rovereto non si trovano mai urne ibernanti ne 
sul Fico coltivato ne sul Fico inselvatichito, e che quindi 
non vi esiste ne il Caprifico ne la Blastophaga grossorum 
Grav., resterebbe ancora inspiegato il fatto che dai semi 
dei Pedagnuoli ivi raccolti^ si ottengono pianticelle. 



Das erste fossile Insekt aus dem 
Oberkarbon Westfalens. 

Von 

Anton Handlirsch. 

Mit einer Abbildung. 
(Eingelaufen am 1. Mai 1909.) 

Herr Markscheider B. Ferrari fand in den Wendeischen 
Bergwerken bei Hamm in Westfalen die sehr gut erhaltene Basal- 
hälfte eines Insektenfltigels, dessen Beschreibung er mir in zuvor- 
kommender Weise überließ. Es handelt sich um den ersten Insekten- 
fund in der Kohle Westfalens, die, sowie die belgischen und ein 
Teil der südenglischen Lager, dem mittleren Oberkarbon angehören 
und etwa gleich alt mit der Saarbrücker Stufe und den insekten- 
reichen Schichten von Commentry sein dürfte. 

Das vorliegende fossile Insekt widerspricht dieser Alters- 
bestimmung nicht, denn es zeigt sehr ursprüngliche Eigenschaften 
und läßt sich unmittelbar den Urflüglern oder Palaeodictyopteren 
anreihen, von denen es allerdings in einem wesentlichen Punkte, 
und zwar in dem Verlaufe der Analadern abweicht, ohne jedoch 
einen so hohen Grad der Spezialisation erreicht zu haben, der uns 
gestatten würde, diese Form irgend einer der bekannten, aus 
Palaeodictyopteren abzuleitenden palaeozoischen Ordnungen anzu- 
gliedern. Von diesen letzteren kommen bei einem Vergleiche nur 
die Protorthopteren in betracht, doch läßt sich vorläufig, so lange 
man nur einen losen Flügel kennt und nicht einmal sicher sagen 



250 



Anton Handlirsch. 



kann, ob es ein Vorder- oder Hinterfliigel ist, so lange man daher 
nicht entscheiden kann, ob die FUigel noch gleich und horizontal 
ausgebreitet oder bereits ungleich und über das Abdomen zurück- 
gelegt waren, die systematische Stellung nicht endgiltig feststellen. 
Jedenfalls aber läßt sich schon heute sagen^ daß dieses Fossil als 
Vertreter einer neuen E'amilie zu betrachten sein wird. 

Synarmogidae nov. fam. 

Synarmoge nov. gen. Ferrarii noT. spec. 

Ein 57 mm langer Basalteil eines etwa 90 — 100 mm langen 
Flügels, dessen Umriß schlank nierenförmig gewesen sein dürfte. 
Das erhaltene Stück des Kostalrandes bildet einen sanften Bogen, 




Synarmoge Ferrarii. (Mittl. Oberkarbon von Ilaniui in Westfalen.) 



während jenes des Hinterrandes fast S-förmig geschwungen erscheint. 
Beide Ränder waren dicht mit überaus gleichmäßigen kurzen 
Dörnchen besetzt und ihr Abstand beträgt in der Mitte des Flügels 
24 mm, so daß das Verhältnis der Breite zur Länge etwa 1 : ^ 
war. Die Adern erscheinen autfallend kräftig, scharf ausgeprägt, 
lassen aber keine Diu-nchen erkennen. Die freie Subcosta ist relativ 
weit vom Vorderrande entfernt, so daß ich einige Berechtigung zu 
haben glaube, in dem Fossile einen Vorderllügel zu erkennen. 
Parallel mit der Subcosta zieht der vollkommen freie h'adius, der 
von der Subcosta aber nur lialb so weit enlfernt ist, als diese von 
der Costa. Der Sector radii entspringet in etwa '/r, Flügellängc, 
entf(!rnt sich nur ganz allmähhch vom I^idius und v(;rzweigt sich 
proximal d(;r Flü^^ebnitle nicht weiter. Nach der ganzen Verteilung 
der Adern durfte er überhaupt nur einige Äste gebildet haben. 



Das erste fossile Insekt aus dem Oberkarbon Westfalens. 



251 



Die M